Hauptnachrichten

Kunst-Manager muss wegen Diamanten aus Kot seinen Stuhl räumen - jetzt steht er vor Gericht

Kunst-Manager muss wegen Diamanten aus Kot seinen Stuhl räumen - jetzt steht er vor Gericht
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Jena (Thüringen) – Jonas Zipf (44) wollte als Chef von JenaKultur ein bizarres Kunst-Projekt mit Diamanten aus Kot nach Thüringen holen. Jetzt hat er die Kacke am Dampfen. Er steht wegen Untreue in einem besonders schweren Fall vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Verträge geschlossen zu haben, die er nicht allein hätte abschließen dürfen. Der Stadt Jena, zu der JenaKultur als Eigenbetrieb gehört, soll so ein Schaden von 99.000 Euro entstanden sein.

Und was hat es mit den Kot-Diamanten auf sich? Der Schweizer Künstler Christoph Büchel ließ aus der Asche verbrannter Kunstwerke und dem Kohlenstoff seiner Fäkalien Edelsteine herstellen. Er taufte das Projekt „The Diamond Maker“. Zipf fand das so spannend, dass er 2021 eine Zusammenarbeit mit Büchel anstieß.

Dabei soll er laut Anklage seine Befugnisse überschritten haben. Für das insgesamt mehr als 250.000 Euro teure Projekt hätte der Jenaer Stadtrat zustimmen müssen. Diesen Beschluss soll Zipf nicht eingeholt haben. Außerdem soll er in sechs Fällen Verträge abgeschlossen haben, ohne sie abzustimmen oder vorgeschriebene Vergleichsangebote einzuholen. Laut Anklage ging es jeweils um Summen zwischen 8000 und 30.000 Euro, unter anderem für Büchel und dessen Kurator.

Im April 2022 zeigte die Stadt Zipf wegen Untreue an. Kurz darauf verließ er JenaKultur per Aufhebungsvertrag. Heute ist er kaufmännischer Geschäftsführer des Hamburger Kultur- und Theaterzentrums Kampnagel.

Beim Prozessauftakt vor dem Amtsgericht Jena schwieg Zipf zu den Vorwürfen. Sein Anwalt Khubaib Mohammed hielt dagegen: „Die Sache wurde nicht richtig ausermittelt.“ Zipf sei schließlich nach Jena geholt worden, um eigenständig Projekte anzustoßen. Die Verteidigung will weitere Zeugen hören lassen und ein Gutachten zum Kunstprojekt beantragen. Am 16. November soll weiterverhandelt werden.

Und was wurde aus den Kot-Diamanten? Die schafften es tatsächlich auf die große Kunstbühne: 2024, zwei Jahre nach Zipfs Abgang aus Jena, wurde ein Koffer mit den bizarren Klunkern auf der Biennale in Venedig gezeigt.

Vielleicht verpasst