Kultur

Nur an einem einzigen Tag im Jahr ist Sex erlaubt

Nur an einem einzigen Tag im Jahr ist Sex erlaubt

Manchmal ist es ja so: Je verrückter eine Prämisse, desto besser. Die Ausgangslage der neuen romantischen Komödie „One Night Only“ könnte absurder kaum sein: Die amerikanische Regierung hat ein Gesetz verhängt, das es unverheirateten Paaren und Singles verbietet, Sex zu haben. Außer an einem einzigen Tag im Jahr. Natürlich fiebern nun alle, die sich durch die neue Regelung noch nicht in den festen Bund der Ehe haben drängen lassen, auf diesen einen Tag hin, an dem sie es endlich so richtig krachen lassen können.

Aber es gibt noch eine zweite nicht zu vernachlässigende Einschränkung: Auch Sex ohne Kondom ist verboten. Wer also nicht vorgesorgt hat und spontan an diesem Abend auf seine Kosten kommen möchte, hat ein Problem: Denn in ganz New York City sind die Kondome ausverkauft. Allein eine geschäftstüchtige Bodega-Besitzerin hat noch ein Exemplar hinter einer Glaswand ausgestellt, das sie für 200 Dollar anbietet. Ein Preis, den mehrere Kurzentschlossene zu zahlen bereit sind, was in einen ambitionierten Konkurrenzkampf um das letzte Kondom New Yorks und eine wilde Verfolgungsjagd durch die Straßen Manhattans ausufert.

Das Paar, das sich am Ende finden soll und bis dahin aufgrund zahlreicher Hürden immer wieder auseinandergerissen wird, besteht aus Allie (Monica Barbaro, „Like a Complete Unknown“) und Owen (James-Bond-Anwärter Callum Turner). Allie wird gleich zu Beginn des Abends von ihrer besten Freundin sitzen gelassen, die mit dem erstbesten Typen, den sie in einer Bar kennenlernt, verschwindet. Und Owen hatte eigentlich geplant, seiner langjährigen Freundin Malika (Maya Hawke) in dieser Nacht einen Heiratsantrag zu machen, doch die verkündet ihm beim Abendessen überraschend, ihre seltene Chance auf Sex heute lieber mit einem anderen Mann als ihm wahrnehmen zu wollen. Also stehen Allie und Owen allein da. Und beiden ist klar: Sie wollen jemanden finden, mit dem sie die Nacht verbringen können.

Nur: Bis sie merken, dass sie es sind, die füreinander bestimmt sind, vergehen Stunden. Also zieht Regisseur und Co-Drehbuchautor (gemeinsam mit Travis Braun) Will Gluck alle Register, um seine Turteltäubchen zunächst an andere vielversprechende Singles zu verlieren, die ihnen in dieser schicksalhaften Nacht über den Weg laufen. Das alles ist so unterhaltsam und schwungvoll erzählt wie nur möglich. Wie die ausgehungerten Menschen in dem 24-Stunden-Zeitfenster, das ihnen bleibt, wie Zombies übereinander herfallen und es sogar in der Öffentlichkeit treiben, da jeder die verbleibende Zeit möglichst effektiv nutzen will, ist amüsant anzusehen. Man muss zugeben: Extrem viele Pointen zünden in diesem äußerst lustigen, sympathischen und actionreichen Unterhaltungsspaß.

Künstliche Verknappung

Aber: Worum geht es eigentlich? Hinter dem von der Regierung erlassenen Gesetz steckt eine zeitgemäße Idee. Vom Prinzip der künstlichen Verknappung machen derzeit nämlich auch in der Realität immer mehr Dating-Apps Gebrauch, die die Maximalzahl der Likes, Swipes oder Matches einschränken, um dem überfordernden Überfluss an Möglichkeiten Einhalt zu gebieten. „One Night Only“ zeigt clever, welch skurrile Blüten der eigentlich gut gemeinte Versuch treiben kann, die verschwundene Romantik durch Verzicht wieder aufleben zu lassen. Denn die einzige Nacht, in der Sex erlaubt ist, ist zwangsläufig auch die Nacht, in der der riesige Druck herrscht, Sex haben zu müssen.

Weitere Interpretationsmöglichkeiten drängen sich auf: Verarbeitet der Film die Corona-Pandemie, in der die Bürger auf ähnliche Weise ihrer Bewegungs- und Kontaktfreiheit beschnitten wurden, und ganz ähnlich verzweifelt die Supermärkte nach Klopapier und Masken absuchten wie die Bürger in Glucks fiktivem Szenario die Apotheken und Drogerien nach Kondomen? Reflektiert der Film die neuen Freiheitsbeschränkungen, die so manche illiberale Regierung heute durchsetzen will?

Trotz all jener vielversprechenden Ansätze bleibt der Film philosophisch weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Andere romantische Komödien wie „Materialists“, „Anora“ und „The Drama“ haben zuletzt den Finger tiefer in die Wunde der Gegenwart gelegt. Am Ende dreht „One Night Only“ auf der Handlungsebene außerdem die ein oder andere Schleife zu viel und endet dann auch noch enttäuschend seicht und visionslos. Letztendlich ist er leider genauso prüde wie die Mentalität, die er kritisieren möchte.

Der Film „One Night Only“ läuft ab dem 27. August im Kino.

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