Sie sind eine Mörderin und ich habe Mitleid mit Ihnen. Zweimal wurden Sie in Tennessee mit einer Giftspritze hingerichtet. Ihr Körper überlebte beide Spritzen. Aber Sie galten als hirntot. Am Dienstag wachten Sie auf und fragten „Wo bin ich?“
Sie sind jetzt 50.
Als Baby krochen Sie über einen Boden, der meist mit Hundescheiße und Müll bedeckt war. Ihren Eltern waren Sie egal. Im Kindergarten malten Sie Penisse. Wie oft genau Sie als Kind von wie vielen missbraucht und misshandelt wurden, weiß niemand. Es war allen egal. Als Sie 11 waren, vergewaltigte Sie der Nachbar. Ihren ersten Suizidversuch unternahmen Sie mit 12.
Sie galten als sehr intelligent.
Als Sie 18 waren, folterten Sie aus Eifersucht ein anderes Mädchen, schlugen ihm den Schädel ein und nahmen ein Stück Schädeldecke als Souvenir mit. Ihr Leben: 18 Jahre Leid und Wut. Ein grausamer Mord. 30 Jahre Todeszelle.
Der Hinrichtungsversuch dauerte mehrere Stunden. Meist waren Sie wach dabei. Ich habe gelesen, dass Sie vorher auf Ihre Henkersmahlzeit verzichtet hatten. Die 20 Dollar spendeten Sie für Obdachlose.
Die Justiz sollte Menschen vor Verbrechen schützen. Sie sollte nicht Grausamkeit mit Grausamkeit vergelten.
Ich hoffe, dass sich endlich jemand Ihrer erbarmt. Gott, gibt es Dich? Vielleicht schaut er auf Sie und schenkt Ihnen noch ein paar Jahre Freiheit. Und ein paar glückliche Momente.
Herzlich
Harald Martenstein
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