Hauptnachrichten

Kurz vor 100. Jubiläum: Deutscher Möbel-Hersteller insolvent

Kurz vor 100. Jubiläum: Deutscher Möbel-Hersteller insolvent
TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Sonnefeld (Bayern) – Die Großen locken mit Rabatten, die Kleinen kämpfen ums Überleben. Das Geld sitzt beim Kunden nicht mehr so locker wie früher. Das spürt auch die deutsche Möbelbranche, die bereits seit längerer Zeit in der Krise steckt. Jetzt ist der nächste Traditionsbetrieb in finanzielle Schwierigkeiten geraten, musste die Reißleine ziehen.

Diesmal hat es die Gruber Polstermöbel GmbH aus Bayern getroffen. Das Familienunternehmen meldete Insolvenz beim Amtsgericht Coburg an. Bereits seit 1927 fertigt der Hersteller Möbel – mittlerweile in der vierten Generation. Zuerst waren es Korbmöbel und Kinderwagen, ab 1952 dann Polstermöbel. Von Beginn an hielt Gruber am Standort Deutschland fest und produzierte ausschließlich im oberfränkischen Sonnefeld.

So viele Mitarbeiter sind betroffen

Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Klaus-Christof Ehrlicher aus Coburg eingesetzt. 85 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs. Firmenchef Dieter Wolf will aber kämpfen. Doch er weiß, dass die Sanierung des Unternehmens schwierig wird: „Die Hoffnung gebe ich nicht auf, vielleicht gibt es ja ein Wunder“, zitiert ihn der „Fränkische Tag“.

Die Gründe für die Insolvenz

Gegenüber BILD erklärt die Geschäftsführung: „Die ganze Branche spürt aufgrund der aktuellen weltpolitischen Lage sowie der gesamtwirtschaftlichen Situation in unserem Land eine deutliche Kaufzurückhaltung der Konsumenten. Die stark gestiegenen Frachtkosten sowie die stets steigenden Kosten für Material und Energie tun ihr Übriges.“

Wie es für das Unternehmen weitergeht

Sanierungsexperte Ehrlicher hat sich nach eigenen Angaben bereits einen ersten Überblick verschafft. Er betont auf BILD-Anfrage: „Der Geschäftsbetrieb soll während der vorläufigen Insolvenzverwaltung vollumfänglich fortgeführt werden.“ Die Gehälter seien für drei Monate über das Insolvenzgeld abgedeckt.

Deutsche Möbelindustrie in der Krise

Die Branche leidet unter der Inflation. Laut Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) setzte die deutsche Möbelindustrie im ersten Quartal dieses Jahres rund 3,8 Milliarden Euro um – ein Minus von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum! Nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung planten fast 30 Prozent der vom Verband befragten Möbel-Hersteller im zweiten Quartal mit Kurzarbeit.

Vielleicht verpasst