Brüssel – Sollten Kinder künftig erst ab 13 Jahren auf Instagram, TikTok und Snapchat dürfen? Ein Expertengremium der EU spricht sich jetzt genau dafür aus und liefert EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (66) damit Rückenwind für schärfere Regeln. In einem am Montag übergebenen Bericht empfehlen die Fachleute ein EU-weites Mindestalter von 13 Jahren für soziale Netzwerke.
Bis zu dieser Altersgrenze sollten digitale Dienste nur unter Aufsicht der Eltern, im pädagogischen Rahmen oder zeitlich begrenzt genutzt werden. Für die Kleinsten sind die Experten noch strenger: Bis zum Alter von zwei Jahren raten sie komplett von der Nutzung digitaler Angebote ab. Ab 13 Jahren sollen Jugendliche schrittweise eigenständigen Zugang zu altersgerechten Social-Media-Angeboten bekommen.
Solche Zugänge müssten aber standardmäßige Sicherheitsvorkehrungen haben, sagte Bericht-Co-Autor Jörg M. Fegert (69) von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Ulm. Von der Leyen begrüßte den Bericht und kündigte nach der Sommerpause einen Vorschlag zur Umsetzung in EU-Recht an. Es werde immer deutlicher, dass wir strengere Vorgaben brauchen, so die EU-Kommissionschefin.
EU-Gesetz für nationale Umsetzung wichtig
Auch in Deutschland wird über ein Mindestalter diskutiert. Bundesfamilienministerin Karin Prien (61, CDU) will bis Jahresende einen eigenen Gesetzentwurf vorlegen. Doch ein nationales Gesetz allein hätte Grenzen: Der Staat könnte zwar vorschreiben, ab welchem Alter Kinder und Jugendliche Social Media nutzen dürfen, die Kontrolle läge dann aber vor allem bei den Eltern.
Wenn Plattformen verpflichtet werden sollen, das Alter ihrer Nutzer technisch zu überprüfen, braucht es die EU. Brüssel könnte dabei künftig auf digitale Altersnachweise setzen: Eine wichtige Rolle könnte die geplante „EUDI Wallet“ spielen, die ab 2027 verfügbar sein soll. Nutzer könnten damit ihr Alter bestätigen, ohne persönliche Daten wie Name oder Geburtsdatum an die Plattformen weiterzugeben.
Australien kämpft mit Schlupflöchern
Ein solches Werkzeug könnte auch Australien helfen. Das Land gilt als Vorreiter und wird häufig als Vorbild genannt: Seit Dezember gilt dort ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige. Doch die ersten Erfahrungen fallen ernüchternd aus. Eine Studie zeigt: Drei Monate nach Inkrafttreten nutzten noch immer 85 Prozent der 12- bis 15-Jährigen soziale Medien. Viele umgingen die Regeln, indem sie ein falsches Alter angaben – denn dort dürfen die Tech-Konzerne selbst entscheiden, wie sie das Alter ihrer Nutzer überprüfen.