London – Der neue britische Premierminister Andy Burnham (56) will die Straßenobdachlosigkeit in England noch in diesem Jahr beenden. „Niemand sollte gezwungen sein, in einem Hauseingang oder vor einem Bahnhof zu übernachten“, sagte Burnham. Er werde sich damit nicht abfinden. Sein Ziel: „Bis Weihnachten alle Menschen von der Straße zu holen.“
Dafür stellt die Regierung insgesamt rund 515 Millionen Euro (442 Millionen Pfund) bereit. Alle Menschen, die derzeit auf der Straße schlafen, sollen noch in diesem Winter eine Unterkunft bekommen. Dazu kommen Hilfsangebote bei gesundheitlichen und sozialen Problemen, etwa psychologische Betreuung sowie Drogen- und Alkoholberatung.
Nach offiziellen Zahlen schliefen im Herbst 2025 in England in einer einzigen Nacht 4793 Menschen auf der Straße – so viele wie seit Beginn der Erhebung nicht. Die Zahl ist innerhalb von fünf Jahren um 96 Prozent gestiegen. 43 Prozent der Betroffenen lebten demnach in London und im Südosten Englands. Zum Vergleich: In Berlin wurden im Februar 2024 rund 6000 wohnungslose Menschen ohne Unterkunft gezählt.
Burnham will dabei auf Erfahrungen aus der Corona-Pandemie zurückgreifen. Damals wurden rund 37.000 Obdachlose in Hotels und Notunterkünften untergebracht. Zusätzlich sollen nun innerhalb der kommenden drei Jahre mehr als 1000 dauerhafte Wohnungen entstehen.
Opposition kritisiert fehlende Details
Hilfsorganisationen begrüßten den Vorstoß laut BBC als „bedeutenden“ Schritt. Kritik kommt dagegen von der Opposition. Der für Wohnungsbau zuständige konservative Politiker James Cleverly warf der Regierung demnach vor, bislang zu wenige Details zur Finanzierung und Umsetzung zu liefern. Die Liberalen warnten, ohne langfristigen Plan könnten Menschen nach den Weihnachtsfeiertagen wieder auf der Straße landen.
Burnham hatte das Ende der Straßenobdachlosigkeit bereits bei seinem Amtsantritt im Juli zu seinem ersten politischen Versprechen gemacht. Im Herbst will er zudem eine große Konferenz mit Unternehmen, Hilfsorganisationen und Religionsgemeinschaften zum Thema Obdachlosigkeit veranstalten.