Berlin/St. Petersburg â Schon wieder Russland! Mehrere hochrangige AfD-Politiker reisen kommende Woche zum wichtigsten Wirtschaftsforum des Kreml nach St. Petersburg â auf Einladung aus Putins Umfeld. Mit dabei sind der sĂ€chsische AfD-Chef Jörg Urban (61), der wirtschaftspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion Steffen KotrĂ© (55), der auĂenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Markus Frohnmaier (35) sowie der Europaabgeordnete Petr Bystron (53).
Das âInternationale Wirtschaftsforum St. Petersburgâ gilt als wichtigste Wirtschaftskonferenz Russlands. Veranstalter ist die staatlich gelenkte Roscongress Foundation. Das Forum steht unter der Schirmherrschaft von Kreml-Chef Wladimir Putin (73), der dort traditionell selbst auftritt.
In einem Einladungsschreiben an die AfD-Politiker (liegt BILD vor) heiĂt es, das Forum solle dazu beitragen, âgeschĂ€ftliche, politische und kulturelle Beziehungen zum Nutzen einer gerechten Welt und einer sicheren Zukunft zu stĂ€rkenâ. Unterzeichnet wurde die Einladung von Anton Kobyakov (57), einem engen Berater Putins. Besonders bemerkenswert: In dem Schreiben wird ausdrĂŒcklich darauf hingewiesen, dass auch PrĂ€sident Putin selbst teilnehmen werde.
AfD will Beziehungen zu Russland normalisieren
Der Europaabgeordnete Petr Bystron verteidigte seine Reise in BILD. âIch möchte Putin persönlich von Ursula von der Leyen ausrichten, dass er den Krieg beenden sollâ, sagte Bystron. Zugleich fordert er eine wirtschaftliche AnnĂ€herung: âIch setze mich fĂŒr ein schnelles Ende des Krieges und die Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen ein.â Und weiter: âAls EU-Abgeordneter aus MĂŒnchen möchte ich, dass sowohl Siemens wie auch BMW wieder im vollen Umfang in Russland agieren können.â
Putin nutzt Forum fĂŒr Kriegs-Propaganda
Dabei ist das St. Petersburger Wirtschaftsforum fĂŒr Putin weit mehr als eine Wirtschaftskonferenz. Der Kreml-Chef nutzt die BĂŒhne regelmĂ€Ăig fĂŒr politische Botschaften. Im vergangenen Jahr etwa sorgte der Russen-Regent fĂŒr Empörung, als er erklĂ€rte, Russen und Ukrainer seien âein Volkâ. Auf die Frage nach russischen GebietsansprĂŒchen sagte er unter Applaus: âWo der FuĂ eines russischen Soldaten steht, das gehört uns.â
Seit Beginn des Ukraine-Krieges meiden westliche Spitzenpolitiker deshalb die Veranstaltung weitgehend. Zuvor allerdings hatten dort unter anderem Angela Merkel (70, CDU), Gerhard Schröder (82, SPD), Michael Kretschmer (51, CDU) und Manuela Schwesig (52, SPD) teilgenommen.
Russland-Experte spricht von Propaganda-Show
FĂŒr den MilitĂ€rexperten und Russland-Kenner Nico Lange (51) spielt die Reise eindeutig den Interessen des Kremls in die HĂ€nde. âPutin lĂ€dt immer wieder AfDler ein, um zu zeigen, dass Russland international nicht isoliert ist. Es kommen sonst kaum noch internationale GĂ€ste nach Russland. Die russische Inlandspropaganda wird das ausschlachtenâ, sagte Lange zu BILD.
Sein Urteil fĂ€llt entsprechend deutlich aus: âDie AfDler machen sich zum Instrument von Putins Propaganda.â Und weiter: âFĂŒr die deutschen Interessen bringen solche Besuche nichts, sie unterlaufen unsere Interessen eher.â
Urban und Kotré immer wieder in Russland
FĂŒr Urban und KotrĂ© ist es im Ăbrigen nicht die erste Reise nach Russland seit dem Angriff auf die Ukraine.
Bereits im November vergangenen Jahres waren die beiden mit weiteren Politikern der RechtsauĂen-Partei zu einer Konferenz nach Sotschi gereist. Dort traten sie als Redner auf und gaben Interviews fĂŒr russische Staatsmedien. Die Reise löste damals parteiintern heftige Diskussionen aus. AfD-Chefin Alice Weidel (47) sagte seinerzeit: âIch kann nicht verstehen, was man da eigentlich soll.â