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Nannys aus Deutschland erziehen die Kinder von Wladimir Putin

Nannys aus Deutschland erziehen die Kinder von Wladimir Putin
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Es ist ein seltener Blick durchs SchlĂŒsselloch auf eine Welt, die Wladimir Putin (73) abschirmt wie kaum etwas anderes: die Kinderzimmer seiner Familie. Dort werden seine Söhne seit Jahren nach westlichen Werten erzogen – ausgerechnet jenen Werten, die der Kreml-Despot bei jeder Gelegenheit verteufelt. Das zeigen vertrauliche VertrĂ€ge, E-Mails und Rechnungen, die die Plattform Systema ausgewertet hat. Systema ist die seriöse Investigativ-Einheit von Radio Free Europe/Radio Liberty, zu dessen Russland-Angebot auch Radio Swoboda gehört.

Eine BILD-Nachfrage an Systema zeigt, wie tief deutsche StaatsbĂŒrger in die Erziehung der Putin-Kinder verstrickt sind!

Kindererziehung kostet Riesensumme

Bei den Kindern handelt es sich um zwei Söhne, die der Autokrat mit der frĂŒheren Turn-Olympiasiegerin Alina Kabajewa (43) hat: Iwan, geboren 2015, und Wladimir, der 2019 zur Welt kam. In Russland ist die Familie des Ex-KGB-Offiziers ein Staatsgeheimnis. Jetzt belegen die Unterlagen, wie die Jungen erzogen werden: abgeschirmt, medizinisch ĂŒberwacht und von westlichen FachkrĂ€ften unterrichtet – fĂŒr umgerechnet Hunderttausende Dollar pro Jahr.

Laut Systema wurde um die Jungen ein Apparat aus AnwĂ€lten, Beratern, Personalern und Vertrauten aufgebaut. Putin und Kabajewa werden in den Unterlagen nur als „die Familie“ oder „die Eltern“ verschleiert. Wer den Inner Circle betreten darf, entscheiden zwei Cousinen von Kabajewa: Olesya Fedina und Ekaterina Golovacheva. Die Vorauswahl trifft eine Frau, die auf dem Lohnzettel des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR steht.

„Die Deutschen“ kĂŒmmern sich um Putins Kinder

Besonders auffĂ€llig bei der Erziehung ist der Deutschland-Bezug. Unter den rund zwei Dutzend Gouvernanten, die seit 2017 fĂŒr den Kriegstreiber tĂ€tig waren, sind laut Systema „mindestens fĂŒnf deutsche Staatsangehörige“. Diese Zahl dĂŒrfte unvollstĂ€ndig sein, denn sie umfasst nicht die Kandidaten, die VorstellungsgesprĂ€che, Probezeiten und Sicherheitschecks nicht bestanden haben. Die Frauen haben nicht alle parallel fĂŒr Putin gearbeitet. Es gab aber zeitweise eine Gruppe von drei Angestellten, die intern schlicht „die Deutschen“ genannt wurde.

Namentlich bekannt sind bislang nur Irene E. und eine Deutsch-Serbin namens Anna A., die jedoch durch den Medizintest fiel. Die Herkunft einer Christina G. ist nicht explizit geklĂ€rt, sie wird als Deutschlehrerin bezeichnet. Mit Emma D. war auch eine Österreicherin dabei.

D. hatte fĂŒr Iwan Karteikarten mit deutschen Wörtern geschrieben. Im Wald, beim Angeln und beim Beerensammeln wollte sie dem Kind die Sprache der Dichter und Denker beibringen. Schon 2018, als Iwan etwa drei Jahre alt war, umfasste sein Stundenplan außerdem Englisch und Musik. Ziel des Unterrichts: Aus Iwan sollte ein „gebildeter EuropĂ€er“ werden.

Deutsches Liedgut im Hause Putin

Details zeigen, wie weit das ging: An Weihnachten 2019 sang der Junge ein Lied auf Deutsch – aber keines auf Russisch. WĂ€hrend russische Hardliner sogar vor dem westlichen Weihnachtsmann warnen, las der kleine Iwan KinderbĂŒcher ĂŒber Rentier Rudolph und bastelte einen Schlitten fĂŒr Santa Claus.

Die VertrĂ€ge, aus denen Systema zitiert, lesen sich wie eine Mischung aus Elite-Drill, Sicherheitsprotokoll und Kontrollsystem. Untersagt sind Zigarettenpausen wĂ€hrend der Arbeitszeit und zu viel ParfĂŒm. Die Geheimhaltung verbietet u.a. Social-Media-Postings ohne Genehmigung und die generelle Benutzung elektronischer GerĂ€te wĂ€hrend der Betreuung. Die Erzieherinnen mĂŒssen tĂ€glich seitenlange Berichte schreiben, in denen es um Unterricht, AktivitĂ€ten und die Entwicklung der SchĂŒtzlinge geht.

Was bei langer Krankheit droht

Besonders streng ist der Alltag beim Thema Gesundheit geregelt:

‱ regelmĂ€ĂŸige Medizinchecks bei Arbeitsbeginn und nach Reisen oder Urlaub

‱ maximal sechs Krankheitstage innerhalb von sechs Monaten erlaubt

‱ Rauswurf droht innerhalb eines Tages bei ansteckenden Krankheiten oder lĂ€ngerer Erkrankung

‱ die Erzieherinnen mĂŒssen obendrein intime Dinge wie „Frauenschmerzen“ und „Durchfallsymptome“ angeben

Wer es in den Hofstaat des Tyrannen geschafft hat, bekommt zwar viel Geld – aber wenig Freiheiten. In der Gegend von Putins Residenz Waldai, die inzwischen von 25 Pantsir-Flugabwehrsystemen gegen ukrainische Drohnen gesichert werden muss, können die Betreuerinnen nicht einfach einkaufen gehen oder eine Bar besuchen.

Wussten die Deutschen, fĂŒr wen sie arbeiten?

Als „Schmerzensgeld“ gibt es rund 7000 bis 8000 Dollar pro Monat – netto. Ein ausgesprochen ĂŒppiger Lohn angesichts eines russischen Durchschnittsbruttos von umgerechnet weniger als 1500 Dollar. Bezahlt wird in Rubel, einer WĂ€hrung der Wahl in bar oder ĂŒber schwer nachvollziehbare Umwege ins Ausland. Aus welchem Topf das Geld fließt, ist nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt. Systema konnte Überweisungen bis ins FrĂŒhjahr 2026 nachweisen, darunter an Irene E.

Inwieweit die Deutschen wussten, fĂŒr wen sie gearbeitet haben, lĂ€sst sich laut einer Systema-Journalistin „schwer mit Sicherheit sagen“. Aus den Dokumenten geht hervor, „dass einige Angestellte persönlichen Kontakt zur Familie hatten – etwa wĂ€hrend großer Feiertage“. Ob es sich dabei um Wladimir Putin und Alina Kabajewa gehandelt hat oder eine ihrer Cousinen, ist nicht bekannt. Es ist jedoch naheliegend, sagte die Journalistin zu BILD, dass die Angestellten „irgendwann von selbst darauf kamen“, wer ihre Chefs waren.

Die komplette Systema-Recherche finden Sie hier. Der Text ist auf Russisch bzw. in kyrillischer Schrift.

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