Man nehme einen renommierten Moderator mit einem Strauß ebenso aktueller wie provokativer Fragestellungen, dazu eine handverlesene Gäste-Gruppe von Experten und eine anregende Location inklusive exquisitem Drei-Gänge-Dinner – fertig ist der WELT Dialogue, eine Veranstaltungsreihe für Entscheider.
Dass diese Kombination mit jedem Thema einen spannenden Abend verspricht, zeigte die Veranstaltung „The Data Behind Intelligence“ im Journalistenclub von Axel Springer in Berlin. Nach dem Motto „Alles redet von KI – was kommt danach?“, ludt Benedikt Fuest, WELT-Korrespondent für Innovation, Netzwelt und IT in den 19. Stock des Axel-Springer-Hochhauses zum Gespräch ein. Es ging um den aktuellen Entwicklungsstand von KI in der deutschen und globalen Wirtschaft. Fuest eröffnete die Runde zusammen mit Boris Bialek, CTO der US-amerikanischen Cloud-Datenbankplattform MongoDB.
Vom Piloten in die Praxis
„Er hat die Anfänge der KI-Entwicklung mitgemacht zu einer Zeit, als man noch von neuronalen Netzen sprach“, stellte ihn Fuest vor. Unter den Gästen IT-Experten wie Matthias Heitmann, Sales Director Europe, Bosch Software & Digital Solutions und Dagmar Dirzus, Vice President AI & Platform Business bei der Krohne Messtechnik GmbH.
Wie steht es um die KI? Alle sprechen von ihren tollen Pilotprojekten, aber „man braucht eine Basis“, sagte Bialek in seiner Keynote. Und legte den Finger in die Wunde: Zu oft wird bei KI nicht zu Ende gedacht. In den Worten des CTO: „Geht so ein Projekt live, gibt es zwei Varianten: 100 Nutzer und das Ding bricht zusammen – oder die Rechnung geht durch die Decke.“
Wenn er über das Thema mit Kunden spreche, sei seine erste Warnung: „Das ist wie im Jahr 1999, also am Anfang des Internets. Was wir jetzt implementieren, kann in sechs Monaten schon obsolet sein, eine Komponente ist tot, der Hersteller wird aufgekauft oder es gibt das Produkt nicht mehr.“ Dann würden Gesprächspartner „sehr nachdenklich“.
Bedarf an schnellen Datenbanken
Das Beispiel zeigt die gewaltigen Sprünge, die die Technologie macht. Doch springt die Wirtschaft mit? Bialek zufolge liegt nach dem erfolgreichen Start von agentischer KI das Augenmerk auf der Infrastruktur dahinter: Wer auch immer KI bereitstellen will, brauche blitzschnelle Lieferung. Das sind die Datenbanken, die Informationen liefern. Folglich kann eine KI nur so gut sein wie die Bereitstellung von Information.
Sehr viele Firmen in der deutschen Wirtschaft würden noch mit KI fremdeln, hieß es. Matthias Heitmann von Bosch kennt das Problem: „Wir waren auch in der Pilot-Falle“, entgegnete er auf Bialeks Einwurf. Bosch habe „unfassbar viel an Daten intern“. Auch dem Traditionsunternehmen fällt die Verknüpfung von Daten mit einem KI-Tool schwer. Nicht zuletzt deswegen, weil Anwendungsfälle nicht auf der Straße lägen: „Die Märkte reagieren unterschiedlich“, so Matthias Heitmann. Was Kunden in Asien begrüßen, würde in Europa misstrauisch beäugt werden, nach dem Motto: „Meine Waschmaschine soll mir nicht sagen, was ich zu tun habe.“
Und was hat die Wirtschaft zu tun? Sie sollte KI nutzen, muss aber gut rechnen können. Das sagt auch Dagmar Dirzus von Krohne: „Wir haben 300 Entwickler im Haus, es gibt Energiekosten, die schlagen manchmal sogar die Token-Kosten.“ Auf die Frage, wie der Markt sich in den kommenden 24 Monaten entwickeln werde, zuckt Bialek die Achseln: „Zwölf Monate kann man realistisch betrachten.“
Das eigentliche Problem seien zunehmend nicht die Kosten, sondern das Tempo: „Wie kriege ich die Antworten in realistischer Zeit erzeugt?“ Je mehr sich die Produkte der großen KI-Anbieter ähneln, desto mehr rücke dieser Aspekt in den Vordergrund. Der nächste Schritt zur Konsolidierung per Datenbank-Integration ist offenbar voll im Gange – wie Bialek am Rande der Veranstaltung gegenüber WELT sagte: „Wir wachsen wie Hölle.“