Volkswagen will sein Angebot bis 2030 drastisch zusammenstreichen. Wie der Konzern am Donnerstag mitteilte, soll die Modellpalette schrittweise um bis zu 50 Prozent gestrafft und die Angebotskomplexität – etwa die Zahl möglicher Ausstattungsoptionen – um bis zu 75 Prozent reduziert werden.
Der Vorstand stellte dem Aufsichtsrat dazu ein Maßnahmenpaket mit mehreren Sparinitiativen und ein Zielbild für 2030 vor. Ziel sei es demnach, das Unternehmen „robuster, effizienter und wettbewerbsfähiger“ aufzustellen.
Die wichtigsten Punkte des Pakets:
- Die Modellpalette wird um bis zu 50 Prozent gestrafft und auf die attraktivsten Marktsegmente konzentriert.
- Die Angebotskomplexität – etwa die Zahl möglicher Ausstattungsoptionen – wird um bis zu 75 Prozent reduziert.
- Die Produktionskapazitäten werden auf rund neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr angepasst; vor der Corona-Pandemie war der Konzern auf rund zwölf Millionen ausgelegt, zwei Millionen wurden bereits abgebaut, weitere Schritte sollen in China und Europa folgen.
- Zentrale Technologiefelder wie Plattformen, Elektronik-Architekturen und Software werden zusammengeführt, Parallelstrukturen abgebaut.
- Das Beteiligungsportfolio wird gestrafft; der bereits Ende Juni vereinbarte Verkauf einer Mehrheit am Antriebshersteller Everllence soll rund 7,4 Milliarden Euro einbringen.
- Schlankere Führungsstrukturen sollen Entscheidungswege verkürzen.
Bemerkenswert ist, was in der Mitteilung fehlt: Von Werksschließungen oder radikalem Jobabbau ist nicht die Rede. Zuvor hatte das „Manager Magazin“ berichtet, weltweit könnten bis zu 100.000 Stellen wegfallen.
Auch vier deutschen Werken drohe die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. VW bestätigt dies nicht. Bereits Ende 2024 hatten Vorstand und Arbeitnehmer den Abbau von 35.000 Stellen vor allem in Niedersachsen vereinbart, überwiegend über Altersteilzeit.
„Bis 2030 machen wir die Volkswagen Group zum attraktivsten Automobilunternehmen der Welt“, wird Vorstandschef Oliver Blume in der nun veröffentlichten Pressemitteilung zitiert.
Finanzvorstand Arno Antlitz betonte demnach, die bislang geplanten Kostensenkungen reichten im aktuellen Umfeld nicht aus: „Wir müssen vielmehr unser Geschäftsmodell grundlegend neu ausrichten und strukturelle, nachhaltige Verbesserungen erzielen.“
Kurz vor der Veröffentlichung des Maßnahmenpakets hatte der Konzernbetriebsrat dem Vorstand ein Ultimatum gestellt: Bis zum Freitag (10. Juli) müsse sich Blume gegenüber der Belegschaft zu den Umbauplänen konkret erklären. Der Umgang des Vorstands mit der Belegschaft sei „an Respektlosigkeit nicht mehr zu überbieten“, erklärte Betriebsratschefin Daniela Cavallo in einer Betriebsratszeitung.
Während der Aufsichtsrat tagte, protestierten zeitgleich Tausende Beschäftigte an mehreren Standorten gegen die Sparpläne. In Wolfsburg zogen mehrere Hundert Mitarbeiter mit Tröten und Sirenen vor das Vorstandshochhaus. Auf einem Transparent stand „Vereint für unsere Zukunft kämpfen“.
Eine Schließung von vier Werken werde die Gewerkschaft nicht hinnehmen, sagte IG-Metall-Chefin Christiane Benner: „Das werden wir nicht akzeptieren.“ Auch an weiteren Standorten gab es Proteste, darunter bei den Töchtern Audi, Porsche und MAN. In Zwickau versammelten sich Hunderte vor den Werkstoren. „Dieser Standort wird nicht geschlossen, nicht gegen unseren Willen“, sagte Thomas Knabel, erster Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau.
Hintergrund der Krise sind ein Absatzeinbruch in Europa – rund 16 Prozent weniger Neuwagen als vor der Corona-Pandemie – sowie die wachsende Konkurrenz aus China. Der Konzern kam im vergangenen Jahr bei 322 Milliarden Euro Umsatz nur noch auf 9,3 Milliarden Euro Vorsteuergewinn. Als weitere Gründe für den Umbau nennt VW geopolitische Spannungen, steigende Kosten vor allem durch Zölle und wachsende Regulierungsanforderungen.