Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) – Karls Erdbeerhof will den Erdbeeranbau bei Rostock kräftig ausbauen. Die zusätzliche Fläche ist fast so groß wie 60 Fußballfelder. Doch gegen die Pläne gibt es Widerstand: Die Stadt Rostock legte Widerspruch gegen die Baugenehmigung ein. Auch der BUND geht gegen das Vorhaben vor. Im Zentrum des Streits steht das Wasser.
Auf rund 40 Hektar bei Rövershagen an der Ostsee sollen neue sogenannte Stellagen entstehen. Dabei wachsen die Erdbeeren auf Gestellen und hängen in etwa 1,30 Meter Höhe unter rund 9 Meter breiten Folientunneln. Karls (acht Erlebnisdörfer, rund 500 Verkaufsstände) von Unternehmer Robert Dahl (56) würde die bisherige Tunnel-Fläche von 34 Hektar bei Rövershagen damit mehr als verdoppeln.
Sorge um den Küstenwald an der Ostsee
Die Stadt Rostock fürchtet Folgen für den Wasserhaushalt der unmittelbar angrenzenden Rostocker Heide, des größten geschlossenen Küstenwaldes Deutschlands. Sie hat Widerspruch gegen die bereits vom Landkreis Rostock erteilte Baugenehmigung eingelegt. Das bestätigte ein Stadtsprecher auf BILD-Anfrage. Der eingelegte Rechtsbehelf habe jedoch keine aufschiebende Wirkung auf das Projekt.
Die Stadt geht davon aus, dass die neue Anlage von Karls Erdbeerhof einen „erheblichen Wasserbedarf“ hat, der sich negativ auf die durch Klimawandel vorgeschädigte und unmittelbar angrenzende Rostocker Heide auswirken könne. Man fürchte, „dass die Wälder und Moore geschädigt werden“, teilte ein Sprecher auf BILD-Anfrage mit.
Stadt fordert Akteneinsicht
Wie groß die Auswirkungen tatsächlich wären, kann die Stadt bislang allerdings nicht sagen. „Das können wir derzeit nicht abschätzen“, heißt es. Der Widerspruch gegen die Baugenehmigung sei eingelegt worden, um Fristen einzuhalten und Einsicht in die Akten nehmen zu können. Grundsätzlich verhindern will die Stadt das Projekt nicht: „Im Mittelpunkt steht für uns der Schutz der Rostocker Heide. Ist das sichergestellt, sind unsere Bedenken ausgeräumt.“ Denkbar sei etwa ein gemeinsames Monitoring des Wasserhaushalts über mehrere Jahre.
Was der Erdbeer-Chef dazu sagt
Karls-Chef Robert Dahl kommt beim entscheidenden Streitpunkt zu einem ganz anderen Ergebnis. Vor allem, weil die Folientunnel den Boden nicht versiegeln, erklärt er gegenüber BILD: „Das Regenwasser läuft seitlich ab und versickert im Erdreich. Der Boden bleibt ganzjährig begrünt und bietet Lebensraum für Insekten und Bodenlebewesen.“
Auch die Bewässerung soll mit gespeichertem Wasser funktionieren. Dahl zu BILD: „Im Winter wird bei hohen Wasserständen überschüssiges Wasser aus umliegenden Gewässern gespeichert und im Sommer für die Erdbeeren genutzt.“ Dadurch gelangt das Wasser großteils wieder in den natürlichen Wasserkreislauf, und es wird insgesamt sogar mehr Grundwasser neu gebildet als ohne den Stellagenanbau, glaubt er. Diese Darstellung will die Stadt nun anhand der Unterlagen prüfen.
Auch BUND kritisiert Erweiterung
Kritik kommt auch vom BUND Mecklenburg-Vorpommern: Die enorme Größe der mit Folie überdachten baulichen Anlage vernichte Lebensräume von Tieren und Pflanzen, verändere das Mikroklima und beeinträchtige das Landschaftsbild, heißt es. Auch die Umweltschützer legten Widerspruch gegen die Baugenehmigung ein.
Robert Dahl hält dagegen: „Eingriffe in die Natur werden durch Ausgleichsflächen kompensiert. Für den Artenschutz wurden Untersuchungen durchgeführt und entsprechende Ersatzlebensräume und Schutzmaßnahmen vorgesehen.“
Für ihn ist die Anbaumethode, die sein Unternehmen nutzt, deshalb auch eine Antwort auf steigende Kosten: „Der Stellagenanbau ermöglicht es, trotz steigender Mindestlöhne weiterhin hochwertige Erdbeeren in Deutschland anzubauen. Die Alternative wären noch mehr Importe aus Südspanien oder Marokko, wo Erdbeeren teilweise unter ökologisch und sozial fragwürdigen Bedingungen produziert werden.“