Eine Zufallsbegegnung auf der Straße in Tel Aviv. Das deutsch-jüdische Ehepaar Manuel und Soja Nyman aus Berlin erzählt mir, dass es bald nach Israel auswandern will. In Tel Aviv würden sie sich trotz der noch immer präsenten Bedrohung durch Hamas, Hisbollah, Huthis und ihrer Terrorpaten in Teheran sicherer fühlen als in Deutschlands Hauptstadt.
„In Berlin trage ich auf der Straße über meiner Kippa einen Hut, weil ich sonst fürchten muss, attackiert zu werden“, sagt Manuel Nyman. Der Rechtsanwalt und Enkel eines Überlebenden der Konzentrationslager von Sachsenhausen und Buchenwald klingt resigniert. Der Wahlsieg der Linken habe ihm und seiner Frau den Rest gegeben. „Dass ausgerechnet rund um den dritten Jahrestag des Massakers vom 7. Oktober eine Partei über die Regierungsübernahme in Berlin verhandelt, deren Akteure immer wieder durch judenfeindliche Äußerungen auffallen, ist unerträglich“, sagen die Nymans.
Wer will dem Ehepaar ihre Entscheidung zur Auswanderung verübeln? Während in Berlin am 7. Oktober 2023 auf der Sonnenallee Süßigkeiten verteilt wurden, um den größten Massenmord an Juden seit dem Holocaust zu feiern und während kürzlich auf der Wahlparty der Linken Hamas-Sympathisanten tanzten, schaltet Israel Hamas-Mitglieder systematisch aus. Regelmäßig melden die israelischen Streitkräfte die Eliminierung eines namhaften Terroristen, der an den Gräueltaten des 7. Oktober beteiligt war.
Israel jagte Hintermänner des Attentats
Die konsequente Verfolgung der barbarischen Täter erinnert an die „Operation Zorn Gottes“ des Mossad. Nach der Ermordung von elf Mitgliedern der israelischen Olympiamannschaft in München 1972 jagte Israel unerbittlich die Hintermänner des Attentats. Und während mutige israelische Passagiere den Terror-Copiloten der FlyDubai Maschine überwältigten, hätte sich manch ein Deutscher wohl noch in den letzten Sekunden vor dem Aufprall gefragt, was Deutschland bei der Integration des Dschihadisten besser hätte machen müssen.
Nicht nur im Umgang mit Terroristen ist Israel der Bundesrepublik weit voraus, sondern auch in Sachen Mentalität. Tief beeindruckt hat mich die Begegnung mit Gadi Moses, der 482 Tage in der Gewalt der Hamas war. Direkt nach seiner Freilassung kehrte der 82-Jährige nach Nir Oz zurück, um seinen am 7. Oktober zerstörten Kibbuz wieder aufzubauen. Die Haltung von Menschen wie Gadi Moses steht für jene Widerstandskraft, die Israel auch wirtschaftlich durch drei Jahre des Krieges gegen den Terror getragen hat.
Es braucht Mut, gegen Hass einzuschreiten
Die israelische Wirtschaft wächst, während die deutsche Wirtschaft lahmt. Eine erfolgreiche Gesellschaft zeichnet sich durch Mut und Kampfgeist aus. Der 7. Oktober ist für Deutschland ein guter Anlass, um beides unter Beweis zu stellen. Inzwischen gehört schon Mut dazu, Solidarität mit Israel zu zeigen – etwa mit einem Besuch der zentralen Gedenkveranstaltung auf dem Berliner Bebelplatz, wo neben Innenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) auch Angehörige von Opfern vom 7. Oktober sprechen werden.
Es gehört Mut dazu, am Stammtisch die Stimme zu erheben, wenn sich in legitime Kritik an der israelischen Regierung unverhohlener Antisemitismus mischt. Es gehört Mut dazu, einzuschreiten, wenn jüdische Mitbürger auf der Straße körperlich angegriffen, beleidigt oder bespuckt werden, wie es allein in Berlin in diesem Jahr schon dutzendfach geschehen ist. Wir sollten den 7. Oktober zum Anlass nehmen, alles dafür zu tun, damit Menschen wie das Ehepaar Nyman Deutschland doch nicht den Rücken kehren.