Weißenfels – Anfang Juni stattete Boris Pistorius (66, SPD) der Sachsen-Anhalt-Kaserne in Weißenfels einen Besuch ab, warb dort bei der Bevölkerung für die Truppe. Vier Monate später könnte ausgerechnet das dort stationierte Sanitätsregiment 1 für einen handfesten Skandal sorgen! Es geht um Drogenhandel, angebliche Sex-Wettbewerbe und ein sexuelles Verhältnis zu einer minderjährigen Rekrutin. Laut „Spiegel“ ermittelt die Bundeswehr gegen zehn Soldaten – wegen Vorwürfen, die Pistorius „entsetzlich und widerwärtig“ nennt.
Im Verdacht stehen laut „Spiegel“ zehn Beschuldigte aus einem Zug des Regiments. Einigen der Vorgesetzten wird „sexuelles Fehlverhalten“ gegenüber Rekrutinnen vorgeworfen, der zuständige Zugführer steht unter Drogenverdacht. Innerhalb des Verbandes soll mit verbotenen Substanzen wie Amphetaminen und Testosteron gehandelt worden sein. Und: In der Kaserne soll ein Vorgesetzter die Hierarchie ausgenutzt haben, um mit einer 17-jährigen Rekrutin intim zu werden. Der Dienst an der Waffe ist mit einem Einverständnis der Eltern auch vor dem 18. Lebensjahr möglich.
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe sagte Pistorius am Rande eines Truppenbesuchs in Kreta (Griechenland): „Bislang handelt es sich um Vorwürfe. Wenn die sich bestätigen, wäre das widerwärtig.“ Sollten die Hinweise zutreffen, würde man alles tun, „um jeden Täter dingfest zu machen und seiner gerechten Strafe zuzuführen“.
Staatsanwaltschaft ermittelt
Für die mutmaßlichen Täter haben die Vorwürfe auch ohne Urteil bereits Konsequenzen. Gegen neun von ihnen wurde ein Betretungsverbot für die Sachsen-Anhalt-Kaserne verhängt. Sieben Soldaten dürfen vorerst keinen Dienst mehr tun und keine Uniform tragen. Zudem wurden laut „Spiegel“ acht Disziplinarverfahren eingeleitet und bereits fünf Fälle an die zivile Staatsanwaltschaft übergeben.
Ins Rollen kam der Fall offenbar durch den Vortrag eines Kompaniechefs in Weißenfels. Dieser stützte sich auf einen Tagesbefehl von Generalinspekteur Carsten Breuer (61). Der oberste Soldat der Truppe hatte im September erklärt, dass er „den Umfang der Meldungen zu sexualisiertem Fehlverhalten mit großer Sorge“ beobachte. Er rief deshalb dazu auf, etwaiges Fehlverhalten sofort an die Vorgesetzten zu melden.