Clacton (UK) – Auf diese Nachwahl schaut ganz Großbritannien: Denn dort könnte Brexit-Anführer Nigel Farage gegen einen Komiker im Mülltonnenkostüm antreten müssen. Der Chef der Rechtspartei „Reform UK“ tritt dort an, um seinen Platz im Parlament zurückzuerobern – und sieht sich plötzlich „Count Binface“ (zu dt. „Graf Mülltonnengesicht“) gegenüber.
Warum gewählt wird: Nigel Farage war zurückgetreten, um zu beweisen, dass er vom Volk erwünscht ist – und um einem möglichen Ausschluss aus dem Parlament zuvorzukommen. Nach einem Skandal wollte er mit seinem Rückzug aus dem Parlament den großen Befreiungsschlag landen.
Farage hatte kurz vor seinem Einzug ins britische Unterhaus 2024 ein Geldgeschenk über fünf Millionen Pfund kassiert – ohne es als Spende zu deklarieren. Farage spricht von einem Geschenk ohne Bedingungen. Der „Guardian“ enthüllte den Vorgang, der nun vom britischen Parlament geprüft wird.
Mülltonne bekommt Unterstützung aus der Politik
Doch der Schuss könnte nach hinten losgehen: Die Nachwahl droht für den Parteichef von „Reform UK“ zur peinlichen Pleite zu werden. Zwar haben die großen Parteien angekündigt, aus Protest gegen Farage keine Kandidaten aufzustellen – doch ausgerechnet ein Komiker im Mülleimer-Kostüm könnte doch antreten – und ihm dabei sogar gefährlich werden.
Nach einer aktuellen Ipsos-Umfrage wünscht sich ein Drittel der Briten „Count Binface“ im britischen Parlament, Nigel Farage kommt dagegen nur auf 21 Prozent. Wahlberechtigt sind allerdings nur Bewohner von Clacton – einer Reform-UK-Hochburg. 2024 sackte Farage hier satte 46 Prozent ein.
„Count Binface“ ist das Alter Ego von Komiker Jon Harvey (46). Er tritt regelmäßig bei Wahlen an – in einem Kostüm, das an Star-Wars-Bösewicht Darth Vader erinnert: schwarzer Umhang und eine Mülltonne als Helm. Sollte er gewählt werden, verspricht er, „mindestens ein bezahlbares Haus zu bauen.“ Unterstützung bekommt er augenzwinkernd von Andy Burnham (56), dem designierten Premierminister Großbritanniens. Der sagte: „Count Binface trägt die Hoffnung der Nation.“