Jetzt sind Sie tot.
Die Kinder trauern, und die ehemaligen Kinder trauern mit. Es trauern auch Leute, die Sie erst kennenlernten, als sie selber leider schon erwachsen waren. Ich zum Beispiel.
Sie wurden sehr alt, 95. Ich habe gelesen, dass Ihre Ernährung auf der Insel Teneriffa, wo Sie die letzten 40 Jahre lebten, auf drei Grundpfeilern ruhte: gebratener Fisch, Wein und Erdnüsse. Genau! Mein liebenswürdiger Vater, der in Afrika sehr alt wurde, lebte ähnlich.
Sie beide haben, glaube ich, ein glückliches Leben geführt. Obwohl es bei Ihnen schlimm begonnen hat, mit einem brutalen Nazivater, der Sie oft mit der Lederpeitsche misshandelte. Sie nannten sich als Erwachsener „Infantilist“. Das heißt, Sie versuchten, ein Kind zu bleiben und so Ihre verpfuschte Kindheit ein Leben lang nachzuholen. Erste Regel: „Lasst euch nichts gefallen!“
Ihr berühmtestes Buch heißt „Oh wie schön ist Panama“. Ein kleiner Bär und ein kleiner Tiger suchen eine schönere Welt. Nach langer Reise erkennen sie, dass sie schon in einer sehr schönen Welt gelebt hatten.
Sie wollten es bloß nicht wahrhaben. Es ist ja auch klüger, die Menschen zu lieben, so fehlerhaft wie sie sind, statt sie umerziehen zu wollen. Das alles können wir hoffentlich im Jenseits zu dritt besprechen, Sie, mein Vater und ich, bei Fisch, Wein und Nüssen. Ihr Harald Martenstein
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