Brasilia – Erst die Wahlschlappe, dann der Abflug: Flavio Bolsonaro (45) soll Brasilien nach seiner Niederlage bei der Präsidentenwahl in Richtung USA verlassen haben. Während in der Heimat die Ermittler auf ihn warten, sitzt der Senator offenbar schon im Flieger. Ein Vertrauter bestätigte Reuters am Dienstag entsprechende Medienberichte. Auch aus US-Kreisen hieß es, Bolsonaro sei an Bord einer Maschine mit Ziel USA.
Am Sonntag hatte Bolsonaro die Stichwahl gegen Präsident Luiz Inacio Lula da Silva (81) knapp verloren. Dann spitzte sich die Situation für ihn zu: Am Montag berichtete Bolsonaro, die Polizei habe ihn auf Anordnung des Obersten Richters zur Abgabe seiner Pässe aufgefordert.
Nach Wahlniederlage warten die Ermittler
Bolsonaro tobte und behauptete, hinter der verhängten Ausreisesperre einen Einschüchterungsversuch zu sehen. In einem anschließend veröffentlichten Video erklärte er: „Ich habe nie daran gedacht, das Land zu verlassen.“ Doch einen Tag später ist er auf der Flucht: Raus aus Brasilien.
Seine Worte – so wenig wert wie seine Pässe. Der Politiker hatte gerade eine richterliche Frist verstreichen lassen, innerhalb von 24 Stunden seine Pässe bei den Behörden abzugeben. Dann wurden die brasilianischen Dokumente für ungültig erklärt.
Nun steht der Verdacht im Raum, dass er sich dem Zugriff der Behörden entziehen konnte. Laut Berichten soll er dafür seinen italienischen Pass benutzt haben. Gegen den Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro (71) wird wegen Geldwäsche-Verdachts ermittelt. Ebenfalls im Visier der Ermittler steht der mit Bolsonaro befreundete Anwalt Willer Tomaz (44).
Im Zentrum der Ermittlungen stehen demnach Unternehmen von Anwalt Tomaz und das Geschäft mit Online-Sportwetten. Die brasilianische Bundespolizei stieß bei der Auswertung von Daten des Anwalts auf E-Mails, nach denen Bolsonaro als sogenannter „Master-User“ eines Bankkontos der Firma Alcazar Holdings eingetragen war. Diese gehört Tomaz. Laut Polizeibericht hätte Bolsonaro damit weitreichenden Zugriff auf das Konto gehabt.
Die Parallelen zum Vater sind kaum zu übersehen: Jair Bolsonaro (71) reiste nach seiner Wahlniederlage 2022 ebenfalls in die USA, nachdem er sich geweigert hatte, das Ergebnis anzuerkennen. Später kehrte er zurück und wurde wegen der Planung eines Staatsstreichs zu 27 Jahren Haft verurteilt.