Politik

Hans-Werner Sinn: „Der Lebensstandard in Deutschland wird sich deutlich verringern“

Hans-Werner Sinn: „Der Lebensstandard in Deutschland wird sich deutlich verringern“
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Berlin – Er ist DIE Legende unter den deutschen Wirtschaftsexperten: Hans-Werner Sinn (78) war Vordenker der Agenda-Reformen und leitete für 17 Jahre das Münchener ifo‑Institut. Im Gespräch mit Paul Ronzheimer rechnet der Ökonom mit der Politik ab. Das sagte Sinn im RONZHEIMER-Podcast über …

… die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands: „Der Lebensstandard in Deutschland wird sich sehr, sehr deutlich verringern in den kommenden Jahren.“ Zwar gebe es mit dem Mittelstand noch eine starke Basis. Insgesamt sei er aber „ziemlich pessimistisch“. Gründe: Ukraine-Krieg, hohe Energiepreise, niedrige Geburtenzahlen, überzogene Umweltmaßnahmen. „Es ist eine große Sorge in der ganzen Welt, um das, was mit Deutschland und Europa passiert.“

Was die Bundesregierung tut? „Mangelverwaltung!“

… das Wirtschaftswachstum, das Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) feiert: „Das ist kein strukturelles Wachstum.“ Sondern vor allem schuldenfinanziert und daher gefährlich: „Wenn dieser Weg gegangen wird, dann ist es auch ziemlich vorbei mit der deutschen Bonität.“

… die Reformen der Bundesregierung: „Es hilft uns im Sinne der Mangelverwaltung.“ Heißt: Die Regierungspläne für Arbeitsmarkt, Einkommensteuer etc. ändern nicht viel. „Es ist weniger da, man muss das irgendwie aufteilen.“

… die EU-Bürokratie: „Diese CO2-Verordnung macht ja letztlich die Automobilindustrie kaputt“, sagt Sinn über die strengen Vorgaben für europäische Autobauer. Es sei „ein Anschlag auf das Herz unserer Industrie“. Auch Lieferkettenregeln und Berichtspflichten lehnt er ab: „Das ist des Teufels. Das gehört abgeschafft.“

„Hier in Europa wird’s halt nichts mehr“

… die Zölle von US-Präsident Donald Trump „Die ganze Politik von Trump läuft auf Erpressung hinaus.“ Er „presst seine Verbündeten in der westlichen Welt, um sie gefügig zu machen“. Er betreibe „rabiate Zollpolitik, um Standortverlagerungen nach Amerika zu induzieren“.

… den Trump-Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner: Seine Entscheidung für ein neues Werk in den USA sei nachvollziehbar: „Hier in Europa wird’s halt nichts mehr.“ Denn: Die EU-Klimapolitik „vertreibt natürlich die Autohersteller“. Sinn: „Die können jetzt nur noch E-Autos bauen. Das können die Chinesen aber besser und die Franzosen möglicherweise auch, sodass sie ihren Ausweg in Amerika suchen.“

… die Enteignungspläne von Linken, SPD und Grünen in Berlin: „Das ist ja unglaublich, wenn man sich da auf das Grundgesetz bezieht und enteignen will. Zum ‚Wohle der Allgemeinheit‘ – das ist zum Unwohle der Allgemeinheit!“ Denn: „Dann machen die großen Investoren der Welt einen Bogen um Deutschland und bauen keine neuen Wohnblocks mehr.“

… das Rentenproblem: „Die Rentner wollen eine Rente von Kindern, die sie nicht haben.“ Auch, weil „gar nicht honoriert wird, Nachkommen zu haben und großzuziehen“. Über das viel kritisierte CSU-Projekt Mütterrente sagt er: „Das Thema ist nicht falsch, wie häufig so behauptet wird, sondern im Kern richtig – weil ohne Mütter keine Rente.“

… unsere Schulen: „Das Land der Dichter und Denker hat keine vernünftigen Schulen mehr.“ Sinn fordert: „Viel mehr Geld in die Schulen, höhere Gehälter für Lehrer, sodass man die Besten kriegt.“

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