Kiel (Schleswig-Holstein) – Weniger Steuern, weniger Belastung: Das gehört seit jeher zum politischen Markenkern der FDP, und auch neue Schulden und staatliche Subventionen sehen die Liberalen traditionell kritisch. Jetzt macht Wolfgang Kubicki (74), Urgestein der Freidemokraten, eine Ausnahme. Für „seine“ Strandkneipe kippt er seinen Steuer-Grundsatz!
Darum geht’s: In Kubickis Heimatdorf Strande nördlich von Kiel (Schleswig-Holstein) hat die Gemeinde ein insolventes Bistro direkt am Strand der Außenförde gekauft. 600.000 Euro nimmt sich das klamme 1400-Einwohner-Dorf für das „Stranders“ aus dem Infrastrukturpaket der Bundesregierung, mit dem andernorts Schulen, Straßen und Krankenhäuser saniert werden.
Die Gemeindevertretung, in der Kubickis FDP zwei Sitze hat, gab ihr Go für den Schritt – inklusive weiterer 600.000 Euro neuer Schulden per Nachtragshaushalt. Und Kubicki? Der müsste doch eigentlich schäumen wegen XXL-Schulden im Bund und Rettung der lokalen (Schank-)Wirtschaft mit Steuergeld. Doch diesmal ist Schluss mit nüchternen Steuer-Grundsätzen, Kubicki sagt zu BILD: „Das ist gut angelegtes Geld!“ Warum denn das? Kubicki: „Die Gemeinde wollte verhindern, dass dort einer aus dem Strandgrundstück ein Wohnhaus macht.“
Bürgermeister: Investition wird sich auszahlen!
Auch Bürgermeister Holger Klink (CDU) widerspricht Kritik an dem Kauf. „Das ist ausdrücklich im Sinne des Sondervermögens! Wir stärken lokale Infrastruktur, sie wird als Treffpunkt für das Ehrenamt und Gastronomiebetrieb nachhaltig genutzt und die Investition wird sich durch die Verpachtung sogar auszahlen“, so Klink gegenüber BILD.
An Ruhetagen finden Sitzungen der Gemeindevertretung im „Stranders“ statt, so kann der Bau eines neuen Bürgerhauses vermieden werden, „das nur Geld kostet und nichts einbringt“, so Klink.
Strande-Ureinwohner Kubicki selbst ist Genuss nicht abgeneigt. Der FDP-Politiker gilt als Weinliebhaber und ist auch in der örtlichen Gastronomie regelmäßig zu Gast. Das gilt auch für „Das Kaiser“ direkt neben dem „Stranders“ – von der Gemeinde übrigens auch bereits gekauft und verpachtet, allerdings ohne Geld aus dem Infrastrukturpaket.