Berlin – Deutschlands Wirtschaft steckt in der Krise, aber die Reformen der Regierung stecken in internen Streitereien fest. Jetzt haut einer der erfolgreichsten Unternehmer des Landes dazwischen.
Im Podcast von BILD-Vize Paul Ronzheimer erklärt Christoph Werner, Chef der Drogerie-Kette dm, warum Deutschlands wirtschaftlicher Abstieg selbst verschuldet ist – und warum es zuerst schlechter werden muss, bevor es besser wird.
Das sagte dm-Chef Werner über …
… Deutschlands kaputtes Geschäftsmodell: „Diese drei Säulen – Sicherheit durch die Vereinigten Staaten, günstige Energie durch Russland und Exportmotor und damit Wirtschaftsmotor durch China – sind nicht mehr da.“
… woran das Land krankt: „Wenn die Veränderungsgeschwindigkeit außerhalb eines Landes größer ist als innerhalb eines Landes, verliert das Land den Anschluss. (...) Wir verlieren an Wettbewerbsfähigkeit. Das können wir eben daran sehen, dass die Nettoinvestitionen in Deutschland rückläufig sind. Es heißt, es wird weniger investiert, als abgeschrieben wird. Wir leben von der Substanz.“
… das Auto-Debakel: „Was wir mit der Automobilindustrie gemacht haben, das war schon eine Strategie, die von Menschen verfolgt wurde, die auch in den Medien zelebriert wurde. Und dafür bekommen wir jetzt im Moment die Quittung. Jemand, der da mit wachen Augen draufgeguckt hat, der hat es sehen können. Aber das Schöne in dem Fall – also in Anführungsstrichen – ist: Wir haben es uns selbst eingebrockt, also können wir es auch wieder verändern.“
… das Problem mit den Reformen: „Jede Entwicklung hat so eine J-Form – wie der Buchstabe J. Das heißt, es geht erst mal nach unten, bevor es nach oben geht und dann auch sehr lange nach oben gehen kann. Das Problem ist: Wenn wir Reformen anpacken, geht es erst mal in diesem J nach unten. Und in der Regel sind wir dann schon wieder im Wahlkampf für die nächste Wahl. (…) Es führt dazu, dass politische Verantwortungsträger sich oft nicht mehr zutrauen, wesentliche Reformen anzupacken, weil sie die Sorge haben, im nächsten Wahlkampf abgewählt zu werden.“
… wie das Reform-Problem gelöst werden könnte: „Wenn wir längere Legislaturperioden hätten, beispielsweise (…) sechs Jahre, dann gäbe es die Möglichkeit, schon wieder auf den aufsteigenden Teil des J zu kommen, wenn der nächste Wahlkampf ist – und dann auch die Früchte dieser grundlegenden Reformen zu ernten.“ Weitere Idee: Amtszeit-Beschränkungen für Politiker. „Wir hätten viel mehr Menschen in unseren Parlamenten, die auch schon im Beruf gestanden hätten. (…) Es hätte auch die Folge, dass viel mehr Menschen in diese Ämter kommen könnten, weil es eben nicht möglich wäre, über Dekaden Ämter zu besetzen (…).“