Düsseldorf – Steigende Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal haben einen deutschen Familienbetrieb erneut in die Krise gestürzt. Der Hersteller von Toilettenpapier musste schon zum zweiten Mal Insolvenz anmelden. Eine mehr als 120 Jahre alte Traditionsfabrik steht vor dem Aus.
Die Jung Papier GmbH, die früher unter dem Namen Hakle firmierte, will die Insolvenz in Eigenverwaltung meistern. Das Amtsgericht in Düsseldorf hat dem Antrag bereits entsprochen. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Christian Holzmann von Brinkmann & Partner bestellt. Dr. Marc Oberhardt von der Kanzlei RSM Ebner Stolz unterstützt das Unternehmen.
Das sagt die Geschäftsführung
„Der Geschäftsbetrieb unseres Familienunternehmens läuft uneingeschränkt weiter“, erklärte Geschäftsführer Volker Jung in einer offiziellen Stellungnahme. „Die Eigenverwaltung gibt uns die Möglichkeit, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und die Gespräche mit Investoren gezielt fortzuführen.“ Er trägt seit 2019 die Verantwortung und gründete 2023 nach der Hakle-Pleite die Jung Papier GmbH im Stadtteil Reisholz. Dort wird bereits seit 1905 Papier hergestellt.
Gegenüber BILD bestätigte Sachwalter Holzmann das laufende Insolvenzverfahren: „Es wird jetzt geprüft, wie es weitergehen kann.“ Bei einer Gläubiger-Ausschusssitzung sollen die Weichen für die geplante Sanierung gestellt werden.
Was der Familienbetrieb alles produziert
Das Unternehmen produziert seit 2023 neben Toilettenpapier auch Küchenrollen, Gesichtstücher sowie feuchte Hygienepapiere für den europäischen Markt. Dazu zählen Namen wie Clara, Lilla, Rosa und Camilla, aber auch verschiedene Handelsmarken für Supermärkte und Drogerien. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete der Hersteller nach eigenen Angaben einen vorläufigen Jahresumsatz von rund 70 Millionen Euro – 30 Millionen Euro weniger als geplant.
Die Geschichte des Unternehmens
Mit der Marke „The Papermakers“ hatte Jung Papier eine eigene Unternehmens- und Produktmarke aufgebaut. Sie wurde von der Jung Papier GmbH ins Leben gerufen, nachdem diese den Standort und Teile des Betriebs der insolventen Hakle GmbH übernommen hatte.
Kurzzeitig gehörte die Marke Hakle noch zum Unternehmen. Doch die Markenrechte wurden im Rahmen der ersten Insolvenz an den italienischen Hersteller Sofidel verkauft. Bis 2024 stellte Jung Papier in Düsseldorf noch Hakle-Artikel her. Dann übernahm der Käufer aus Italien die Marke komplett – inklusive Fertigung.
Wie es zur Insolvenz kam
Zwar habe sich die neue Marke „The Papermakers“ in den vergangenen drei Jahren nach Firmenangaben im Handel etabliert, allerdings reichten Marktanteile und Umsatz offenbar nicht aus, um eine erneute Pleite abzuwenden. Zunehmender Kostendruck und Überkapazitäten im Markt setzten Jung Papier zusätzlich zu.
So viele Mitarbeiter sind betroffen
Löhne und Gehälter der 155 Mitarbeiter seien über das Insolvenzgeld bis einschließlich Januar 2027 gesichert. Holzmann zu BILD: „Die Suche nach einer Investorenlösung läuft mit Hochdruck.“ Ziel sei es, für den Standort und die Belegschaft sowie für die Kunden eine langfristige Perspektive zu schaffen.