Münster (NRW) – Drei Wochen nach seiner Verhaftung sitzt Ex-BND-Präsident August Hanning weiter in Münster in U-Haft. Wie die Zeitung WELT berichtet, in Einzelhaft. Heißt: eine Stunde Freigang am Tag. Wie zudem jetzt herauskommt, ist Hanning offenbar schwer krank. Er soll Krebs haben.
Der 80-Jährige war am 6. Oktober in seinem Haus in Nordrhein-Westfalen verhaftet worden. Die Generalbundesanwaltschaft wirft ihm Landesverrat, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und geheimdienstliche Agententätigkeit vor.
Konkret soll Geheimdienst-Mitarbeiter Manfred D. seinen früheren Chef Hanning mindestens seit 2022 gegen Geld mit streng geheimen Informationen aus der Behörde versorgt haben. Es geht um insgesamt 2000 Dokumente, die übermittelt worden seien. Den Besitz vertraulicher Unterlagen hatte sein Anwalt zwischenzeitlich bestätigt. Es soll sich aber ausdrücklich nicht um „Informationen zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland“ handeln.
Hanning soll Blutkrebs haben
Wie die WELT, die wie BILD zu Axel Springer gehört, laut ihrem Bericht von mehreren Personen, die mit den Ermittlungen vertraut sind, erfuhr, sitzt Hanning in der JVA Münster in Einzelhaft mit einer Stunde Freigang am Tag. Das sei gesetzlich für Untersuchungshäftlinge vorgegeben. Aber den Informationen der Zeitung zufolge ist Hanning krebskrank: Er erhielt vor rund einem Jahr die Diagnose Leukämie.
Entlassung nach Haftprüfung?
Einen Monat nach seiner Verhaftung ist eine Haftprüfung möglich. Ein solcher Termin soll in der kommenden Woche stattfinden. BILD weiß: Die Chancen stehen gut, dass der Ex-BND-Chef dann aus dem Gefängnis entlassen wird. Ein Hanning-Vertrauter zu BILD: „Es ist Haftbeschwerde eingelegt worden beim Bundesgerichtshof. Teil der Beschwerde ist ein medizinisches Gutachten mit dem Schwerpunkt der Leukämieerkrankung.“
Demnach sei die medizinisch notwendige Versorgung in der JVA nicht zu gewährleisten. Hanning war vor seinem Haftantritt unter ständiger Kontrolle der Hämatologen in Münster. Seine Blutwerte mussten ständig kontrolliert und die Medikamentengabe ständig angepasst werden. Im Untersuchungsgefängnis gebe es eine Allgemeinmedizinerin, die diesen Anforderungen nicht gerecht werde. Der 80-Jährige wird nach BILD-Informationen alle paar Tage zur Dialyse gefahren und wieder zurück.
Schlechte Bedingungen in der JVA
Wie sich die Haft tatsächlich auf Hannings Gesundheitszustand auswirkt, ist unklar. Fest steht: Die mehr als 170 Jahre alte JVA Münster gilt als marode. 2016 musste sie wegen Statikproblemen zeitweise evakuiert werden, Teile sind bis heute gesperrt. JVA-Leiter Carsten Heim berichtete dem WDR im September zudem von Wasserrohrbrüchen und Problemen mit der Elektrik. Die Gefangenen leben demnach in kleinen Zellen mit nicht abgetrennten Toiletten, warmes Wasser gibt es nicht. Ende 2027 soll ein Neubau am Stadtrand die alte JVA ersetzen.
Wie der Hanning-Vertraute weiter zu BILD sagte, sei die Immunabwehr des 80-Jährigen durch die Erkrankung „extrem herabgesetzt“. Er sei anfällig für jede Infektion und damit in Haft einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Schon im Vorjahr sei Hanning an einer schweren Lungenentzündung erkrankt. Die Chancen auf eine Haftverschonung stehen laut dem Vertrauten auch deshalb gut, weil eine Fluchtgefahr nicht gegeben sei.