Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mahnt nach drei TodesfĂ€llen auf einem Kreuzfahrtschiff, mutmaĂlich infolge eines Ausbruchs des Hantavirus, zur Ruhe. »Die Gefahr fĂŒr die allgemeine Bevölkerung bleibt weiterhin niedrig«, sagte der WHO-Regionaldirektor fĂŒr Europa, Hans Kluge. Es gebe »keinen Anlass zur Panik oder zu ReisebeschrĂ€nkungen«. Infektionen mit Hantaviren seien selten und wĂŒrden normalerweise durch Kontakt mit infizierten Nagetieren ausgelöst.
Zuvor sind auf dem Schiff drei Menschen gestorben. Einer von ihnen ist nach Angaben des niederlĂ€ndischen SchiffseigentĂŒmers Oceanwide Expeditions ein Deutscher oder eine Deutsche. Bei den beiden anderen Toten handelt es sich laut dem niederlĂ€ndischen AuĂenministerium um NiederlĂ€nder. Drei weitere Personen sind erkrankt.
Hantavirus bislang nur bei einem Erkrankten nachgewiesen
Das Hantavirus ist demnach bislang nur bei einem der Erkrankten, einem Mann aus GroĂbritannien, nachgewiesen worden. Dieser werde derzeit in SĂŒdafrika intensivmedizinisch versorgt. Bei den anderen Betroffenen handelt es sich nach WHO-Angaben um VerdachtsfĂ€lle. Die niederlĂ€ndischen Behörden und Oceanwide Expeditions bemĂŒhen sich um eine medizinische Evakuierung des Mannes. Die beiden anderen Erkrankten seien Crew-Mitglieder, die an Bord seien und ebenfalls medizinische Notfallversorgung benötigten.
Dem sĂŒdafrikanischen Gesundheitsministerium zufolge hatte zuerst ein 70-jĂ€hriger Passagier des Schiffs Symptome gezeigt und ist an Bord gestorben. Seine Leiche befinde sich derzeit auf der britischen Insel St. Helena im SĂŒdatlantik. Seine 69-jĂ€hrige Ehefrau erkrankte demnach ebenfalls und starb in einem Krankenhaus in Johannesburg.
Der Schiffsbetreiber gab an, die Ursache fĂŒr die Infektionen sei noch nicht bekannt. Ein Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff gilt als ungewöhnlich: Infizierte Nagetiere scheiden das Virus laut dem Robert Koch-Institut mit ihrem Kot, Urin oder Speichel aus, Menschen stecken sich durch Bisse oder durch aufgewirbelten Staub an.
Behörden von Kap Verde verweigern Schiff Erlaubnis zum Anlegen
Das Schiff war Berichten zufolge vor etwa drei Wochen mit rund 150 Passagieren in Argentinien gestartet und befindet sich derzeit vor dem afrikanischen Inselstaat Kap Verde im Atlantik. Die dortigen Behörden weigern sich trotz der Angaben der WHO, die Passagiere an Land zu lassen. Die erhalte keine Erlaubnis, im Hafen der Hauptstadt Praia anzulegen, sagte die Leiterin der nationalen Gesundheitsbehörden, Maria da Luz Lima. »Zum Schutz der kapverdischen Bevölkerung« mĂŒssten die Passagiere an Bord des Schiffs bleiben.
Eine Ăbertragung des Hantavirus von Mensch zu Mensch ist selten. Das Virus kann Fieber und schwere Atemwegserkrankungen auslösen. HĂ€ufig werden auch die Nieren in Mitleidenschaft gezogen. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC enden etwa 40 Prozent der FĂ€lle tödlich. Wie hĂ€ufig es zu Infektionen kommt, hĂ€ngt stark von der Population von Nagetieren ab, die jĂ€hrlich variieren kann. So kam es in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts im Jahr 2024 zu 423 und im Vorjahr zu 337 FĂ€llen. 2021 seien die Fallzahlen vielfach höher gewesen.