Newark â Jetzt flackern die Proteste gegen Abschiebepraktiken der US-Regierung unter PrĂ€sident Donald Trump (79) erneut heftig auf â rund zwei Wochen vor dem Start der FuĂball-WM in den USA, Mexiko und Kanada. Der neue Brennpunkt teils gewalttĂ€tiger Demos liegt nur 20 Kilometer von der wichtigsten WM-Arena entfernt: dem MetLife Stadium in East Rutherford, in dem auch das Finale steigt.
In der Haftanstalt âDelaney Hallâ der Abschiebebehörde ICE in Newark im US-Bundesstaat New Jersey kommt es zu tĂ€glichen Krawallen. Demonstranten blockieren die Einfahrt, vermummte Bundesbeamte setzen TrĂ€nengas und Pfefferspray ein. In die Protestbewegung haben sich auch radikale Israel-Hasser mit PalĂ€stina-Flaggen gemengt.
Klagen ĂŒber Maden im Essen und Hungerstreiks
Auslöser waren Berichte ĂŒber angeblich menschenunwĂŒrdige ZustĂ€nde in der Anstalt. Migranten klagen ĂŒber verdorbenes Essen mit Maden, ĂŒberfĂŒllte RĂ€ume, fehlende Klimaanlage und mangelnde medizinische Versorgung. Einige sollen einen Hungerstreik begonnen haben. Die Anstaltsleitung dementiert.
Zahlreiche demokratische Politiker stellten sich hinter die Protestbewegung â und versuchten, das Reizthema politisch auszuschlachten, wie konservative Medien kritisierten. Das Heimatschutzministerium nannte den Besuch der Volksvertreter einen âpolitischen Stuntâ. Dann gerieten die Demokraten selbst ins Gemenge: New-Jersey-Senator Andy Kim (43, D) klagte nach dem Einsatz von Pfefferspray durch ICE-Agenten ĂŒber âAtemproblemeâ. Er habe âChaos innerhalb und auĂerhalbâ der Einrichtung gesehen, sagte Kim.
Trump schaltete sich selbst ein. Er behauptete, in der Anlage seien âeinige schreckliche Killerâ untergebracht. Kongress-MinderheitsfĂŒhrer Hakeem Jeffries (55, D) widersprach. Er erklĂ€rte, die Mehrheit der Insassen habe keine Vorstrafen. Zudem seien seit dem Antritt der Trump-Regierung bereits 48 Menschen in den USA in Abschiebehaft gestorben.
Trumps Abschiebetaktiken lösten Proteste aus
Trumps knallharte Immigrationspolitik ĂŒberschattet seine zweite Amtszeit: Nach Krawallen in Los Angeles und Chicago wurde vor allem Minneapolis zum Schauplatz brutaler ICE-Taktiken und massiver Gegenproteste. Mit RenĂ©e Good (â 37) und Alex Pretti (â 37) wurden vergangenen Winter zwei Aktivisten bei Protesten von Bundesbeamten erschossen.
Inmitten der nationalen Empörung zog das WeiĂe Haus damals die ReiĂleine: âBorder Patrolâ-Hardliner Greg Bovino (56), von Kritikern als âGestapo-Gregâ verdammt, musste gehen â ebenso die umstrittene Heimatschutzministerin Kristi Noem (54). Ihr Nachfolger Markwayne Mullin (48) versucht seither, einige der umstrittensten âRambo-Taktikenâ der ICE-Beamten einzudĂ€mmen.
Jetzt dementiert Mullin VorwĂŒrfe der Protestgruppen in New Jersey, besonders Meldungen eines Hungerstreiks: Einige Insassen hĂ€tten Essen verweigert, weil sie âethnische Kostâ wollten, sagte er. Klar ist aber: Das Aufflammen der andauernden Proteste wirft einen Schatten auf das Top-Sportereignis des Jahres â die am 11. Juni startende FuĂball-WM.