Bushido wird Münchner! Stolz vermeldeten am Wochenende die Boulevardzeitungen der bayerischen Landeshauptstadt die Ankunft des Rappers. Bushido und seine Frau Anna-Maria Ferchichi, die in den vergangenen Jahren in Dubai wohnten, haben eine Villa im Vorort Grünwald ausgewählt, in jener Gegend also, in der üblicherweise Fußballer des FC Bayern München und andere XXL-Verdiener sowie traditionell Großerben wohnen. Grünwalder Kinder wurden hier schon mal von Lothar Matthäus trainiert – bis der den Ansprüchen der Eltern nicht mehr genügte.
Das Haus ist imposant, es soll über 19 Zimmer verfügen, die sich auf 849 Quadratmeter verteilen – das seit 2012 verheiratete Paar hat sieben gemeinsame Kinder, Anna-Maria noch einen Sohn aus einer früheren Beziehung. Man habe jetzt „zwei Zuhause“, betont sie in einem auch von Bushido geteilten Beitrag auf Instagram. Dubai sei wundervoll, schreibt sie, sie hätten dort großartige Freunde und fühlten sich sehr verbunden: „Gleichzeitig haben wir gemerkt, wie sehr uns auch Deutschland fehlt, vor allem unsere Familie, die Natur und dieses besondere Gefühl von Zuhause. Deshalb werden wir wieder mehr Zeit in Deutschland verbringen, den Garten genießen und neue Alltagsmomente sammeln. Wir hoffen sehr, dass München und Grünwald uns gut aufnehmen und lassen alles ganz entspannt auf uns zukommen.“
Man kann die Biografie und die Karriere eines Menschen auch anhand seiner Wohnorte beschreiben. Im Fall von Bushido ist diese Wohnortbiografie die klassische Geschichte einer Verbürgerlichung. Geboren wurde Bushido als Anis Ferchichi in Bonn, verbrachte allerdings die prägenden Kinder- und Jugendjahre im kleinbürgerlichen Berliner Bezirk Tempelhof. Später, als er mit seinen Rapalben bereits große Erfolge erzielte, zog er in das südwestlich von Berlin gelegene, schon zu Brandenburg gehörende Kleinmachnow, das bis zu seiner Ankunft vor allem als Wohnort von Kurt Weill und Christa Wolf bekannt war. Eine Gemeinde, in der sich Intellektualität durchaus mit Piefigem mischte. Von dort ging es nach Streitigkeiten mit Bushidos ehemaligem Manager und Nachbarn Arafat Abou-Chaker, bei denen es laut Berichten auch um die Gartennutzung ging, in das Neureichen-Paradies Dubai. Dort wird keine Einkommensteuer erhoben, dort ist ein durcherhitztes Duty-Free-Leben im Luxusbombast möglich.
Nun aber die Hinwendung nach Grünwald, dem staatlich anerkannten Erholungsort mit attraktivem Gewerbesteuerhebesatz, wo auch altes Geld gerne wohnt. Die Ferchichis – die Gattin berichtete noch vor Kurzem über Beziehungsprobleme – haben für sich eine neue Idylle gefunden. Eine Idylle, selbstverständlich ausgestattet mit Kristalllüstern, Marmorböden und Swimmingpool. Aber auch mit einer funktionierenden Bürokratie. Am Montag teilte Bushido auf Instagram ein Foto mit dem Wappen der Gemeinde Grünwald: Er habe sich und seine Familie soeben angemeldet, es habe keine Wartezeit gegeben, die Damen vor Ort seien mehr als freundlich gewesen: „Nebenbei konnten wir sogar noch unsere Mülltonnen bestellen.“ Kein Stress, keine Hektik, schreibt Bushido, niemand sei unhöflich gewesen. Ist das spießig? Vielleicht. Sollte aber auch vom alten Bushido noch etwas übrig sein, könnte sich die Kontrolle der Ferchichi-Mülltonnen wenigstens für die neuen Nachbarn lohnen. Im Song rappte Bushido schließlich 2008: „Schmeiß‘ die Fuffis durch den Club/ Ich schmeiß‘ Fünfhunderter in‘ Müll“.
