{"id":335799,"date":"2026-05-05T07:08:38","date_gmt":"2026-05-05T04:08:38","guid":{"rendered":"https:\/\/vof-news.eu\/vorbild-oder-warnung-was-deutschlands-klimaziele-wirklich-bewirken\/"},"modified":"2026-05-05T07:08:47","modified_gmt":"2026-05-05T04:08:47","slug":"vorbild-oder-warnung-was-deutschlands-klimaziele-wirklich-bewirken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/vorbild-oder-warnung-was-deutschlands-klimaziele-wirklich-bewirken\/","title":{"rendered":"Vorbild oder Warnung? Was Deutschlands Klimaziele wirklich bewirken"},"content":{"rendered":"<p>Im Dezember 2019, als die Aktivistin <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/greta-thunberg\/\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/greta-thunberg\/\">Greta Thunberg <\/a>gerade auf einem Boot nach New York gesegelt war und in einer w\u00fctenden Rede vor den Vereinten Nationen mehr Klimaschutz gefordert hatte, k\u00fcndigte Ursula von der Leyen in Br\u00fcssel ihren Green Deal an: Europa, sagte die damals neue Pr\u00e4sidentin der EU-Kommission, solle bis 2050 klimaneutral werden, als erster Kontinent der Welt.<\/p>\n<p>Das ist ein k\u00fchnes Ziel, aber der aktuellen Bundesregierung geht es nicht weit genug. Union und SPD wollen Deutschland schon 2045 klimaneutral haben, f\u00fcnf Jahre fr\u00fcher. Vieles ist daf\u00fcr geplant: <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/infoline_nt\/wirtschaft_nt\/article6968c86204401bff3baa3bc0\/2025-zweitbestes-jahr-bei-ausbau-von-windraedern-an-land.html\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/infoline_nt\/wirtschaft_nt\/article6968c86204401bff3baa3bc0\/2025-zweitbestes-jahr-bei-ausbau-von-windraedern-an-land.html\">mehr Windr\u00e4der<\/a>, sauberere Fabriken und Tausende Kilometer Leitungen f\u00fcr Wasserstoff zum Beispiel. All das soll die Republik zum Vorreiter in Europa machen, zum Mustersch\u00fcler des Klimaschutzes.<\/p>\n<p>Die Ma\u00dfnahmen kosten viele Milliarden Euro. Aber hilft Deutschlands Sonderweg dem Klima wirklich? Es sieht nicht so aus. \u201eDie direkten zus\u00e4tzlichen Auswirkungen\u201c seien \u201ebegrenzt\u201c, wenn ein europ\u00e4ischer Staat Emissionen schneller reduziere als andere, hei\u00dft es in einer Antwort der EU-Kommission auf eine Anfrage des FDP-Europaabgeordneten Moritz K\u00f6rner, die WELT vorliegt.<\/p>\n<p>Klimaneutralit\u00e4t bedeutet f\u00fcr die EU: Die Menge der Treibhausgase, die Autos, Fabriken und Kraftwerke aussto\u00dfen, muss wieder eingefangen werden. Entweder auf nat\u00fcrliche Weise, zum Beispiel durch W\u00e4lder und Moore. Oder mit Maschinen, die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article68905a5b5bfd36554e9e672e\/kohlenstoff-einlagerung-unsere-klimaziele-werden-wir-ohne-ccs-nicht-erreichen.html\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article68905a5b5bfd36554e9e672e\/kohlenstoff-einlagerung-unsere-klimaziele-werden-wir-ohne-ccs-nicht-erreichen.html\">Kohlendioxid aus der Luft saugen<\/a>. Am Ende soll die Art, wie die Europ\u00e4er leben, produzieren und sich fortbewegen, nicht zur Erw\u00e4rmung der Erde beitragen.<\/p>\n<p>Verringere ein Land Emissionen besonders rasch, sinke das verbleibende globale CO\u2082-Budget langsamer, wie die EU-Kommission schreibt. Das klingt kompliziert, aber die Theorie dahinter ist simpel: Unser Planet kann nur noch eine bestimmte Menge Kohlendioxid verkraften, wenn die Erw\u00e4rmung \u2013 wie vom Pariser Klimaabkommen angestrebt \u2013 1,5 Grad Celsius nicht \u00fcbersteigen soll. Je weniger Schmutz in die Luft gelangt, desto gr\u00f6\u00dfer das Restkontingent. Die Frage lautet nun: Was geschieht damit?<\/p>\n<h3>Gefahr f\u00fcr Wirtschaft?<\/h3>\n<p>\u201eDie vorzeitige Klimaneutralit\u00e4t Deutschlands hilft anderen Staaten, langsamer klimaneutral zu werden\u201c, sagt K\u00f6rner. Dem Klima hingegen n\u00fctze das nichts. Der Politiker spricht ein Dilemma an: Es ist zwar sch\u00f6n und gut, wenn sich die Bundesrepublik besonders m\u00fcht, aber das hier eingesparte Kohlendioxid d\u00fcrften dann Frankreich, Italien oder Polen aussto\u00dfen \u2013 schlie\u00dflich ist jetzt mehr CO\u2082-Budget \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Auch \u00d6konomen sind skeptisch. \u201eDas Vorziehen des Ziels um f\u00fcnf Jahre ist vollkommen wirkungslos\u201c, meint Joachim Weimann, Professor an der Otto-von-Guericke-Universit\u00e4t Magdeburg. Er verweist auf den <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/emissionshandel\/\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/emissionshandel\/\">europ\u00e4ischen Emissionshandel<\/a>: Wer Treibhausgase in die Luft bl\u00e4st, muss eine Erlaubnis kaufen. F\u00fcr jede Tonne Kohlendioxid wird in der EU ein Preis f\u00e4llig, derzeit liegt er bei rund 75 Euro. Das soll Firmen zu mehr Umweltschutz zwingen. \u201eErreicht Deutschland die Klimaneutralit\u00e4t eher\u201c, sagt Weimann, \u201ewerden unsere CO\u2082-Zertifikate eben woanders genutzt.\u201c<\/p>\n<p>Weimann sieht in dem Plan der Bundesregierung eine Gefahr f\u00fcr die Wirtschaft. \u201eDie fr\u00fchere CO\u2082-Neutralit\u00e4t bedroht Deutschlands Wohlstand und hilft dem Klima nicht weiter\u201c, sagt er. Wie viel Geld genau die Extra-M\u00fchen kosten, etwa weil aktuelle Technologien vorzeitig aufgegeben werden m\u00fcssen, l\u00e4sst sich kaum sagen, aber Weimann geht von einem hohen dreistelligen Milliardenbetrag aus.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Europ\u00e4ische Kommission spielt noch etwas anderes eine Rolle. In ihrer Antwort an den FDP-Abgeordneten K\u00f6rner schreibt sie: \u201eDas Ambitionsniveau der EU und ihrer Mitgliedstaaten wird von den internationalen Partnern genau beobachtet und dient als globales Vorbild f\u00fcr den Klimaschutz.\u201c <\/p>\n<p>Aber funktioniert das tats\u00e4chlich? \u201eWer auf Deutschlands \u00f6konomische Lage blickt, sieht kein Vorbild, sondern eine Warnung\u201c, sagt K\u00f6rner. Deutschland verursacht rund 1,3 Prozent der globalen CO\u2082-Emissionen, China steht f\u00fcr knapp 30 Prozent, die USA f\u00fcr elf, Indien f\u00fcr acht. Diese L\u00e4nder scheint der Vorreiter Europa nicht zu motivieren. 2024 erzeugte die Welt 665 Millionen Tonnen Kohlendioxid mehr als im Jahr zuvor, wie Daten der EU-Kommission zeigen. \u201eEchter Klimaschutz gelingt nur\u201c, sagt Weimann, \u201ewenn die gr\u00f6\u00dften Verschmutzer mitmachen.\u201c<\/p>\n<p>Auch in anderen EU-Staaten w\u00e4chst der Unmut. Klimaziele werden verschoben, die Wirtschaft r\u00fcckt st\u00e4rker in den Fokus. So forderten k\u00fcrzlich sechs europ\u00e4ische Ministerpr\u00e4sidenten, darunter Giorgia Meloni aus Italien und Donald Tusk aus Polen, die EU-Kommission per Brief zu einer gem\u00e4\u00dfigteren Klimapolitik auf. \u201eWir m\u00fcssen unsere Klimaziele verfolgen, ohne unsere Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu gef\u00e4hrden\u201c, schrieben sie an Beh\u00f6rdenchefin von der Leyen \u2013 \u201edenn in einer industriellen W\u00fcste ist nichts gr\u00fcn.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Trotz all dem war ein deutsches Bundesland in den vergangenen Jahren sogar ehrgeiziger als die Berliner Koalition. Bayern wollte schon bis 2040 klimaneutral werden. Aber vor wenigen Tagen kippte der Freistaat das Ziel. Zur Begr\u00fcndung hie\u00df es, die Wirtschaft sei zu stark belastet, vor allem durch die hohen Energiepreise infolge des Kriegs in der Ukraine. Nun lautet das Ziel ebenfalls 2045.<\/p>\n<p>Die Welt hat sich ver\u00e4ndert, seit Greta Thunberg nach New York segelte und Ursula von der Leyen ihren Green Deal verk\u00fcndete. Es gab in der Zwischenzeit eine Pandemie und Kriege in Europa und Nahost. \u201eKlimaschutz ist wichtig und Klimaneutralit\u00e4t unser erkl\u00e4rtes Ziel\u201c, sagt CSU-Generalsekret\u00e4r Martin Huber WELT. \u201eKlimaschutz funktioniert aber nur dann, wenn die wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit unseres Landes gew\u00e4hrleistet ist und er von den Menschen akzeptiert wird.\u201c <\/p>\n<h3>Deutschland steht allein da<\/h3>\n<p>\u00d6kologie und \u00d6konomie, so Huber, m\u00fcssten zusammen gedacht werden. \u201eOhne eine starke Wirtschaft k\u00f6nnen wir uns keinen ambitionierten Klimaschutz leisten, gerade in globalen Krisenzeiten\u201c, sagt er. \u201eDas gilt im besonderen Ma\u00dfe f\u00fcr Deutschland als Industrieland.\u201c Ein Zeitplan sei nur sinnvoll, wenn er zu den gegebenen Umst\u00e4nden passe.<\/p>\n<p>China will bis 2060 klimaneutral werden, Indien bis 2070. Die USA hatten unter ihrem Ex-Pr\u00e4sidenten Joe Biden 2050 angestrebt wie die EU, aber Donald Trump kippte das Ziel. Wann \u2013 und ob \u2013 Amerika netto null Emissionen erreichen k\u00f6nnte, ist nun unklar. Sicher ist: Deutschland steht mit seinen Ambitionen auf der Welt weitgehend allein da.<\/p>\n<p>\u201eDeutschlands Unternehmen treiben die Transformation mit viel Eigeninitiative voran\u201c, sagt Peter Adrian, Pr\u00e4sident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), WELT. Neun von zehn Firmen h\u00e4tten ein Klimaziel bis 2045, und viele verkn\u00fcpften damit gesch\u00e4ftliche Chancen f\u00fcr ihre Produkte und Dienstleistungen. Doch Adrian warnt auch: \u201eKlimaschutz gelingt nicht durch Zielmarken allein.\u201c<\/p>\n<p>2040, 2045, 2050 \u2013 solche Vorgaben, da scheinen sich Politiker wie K\u00f6rner, \u00d6konomen wie Weimann und Wirtschaftsvertreter wie Adrian einig, retten den Planeten nicht. \u201eEntscheidender als theoretische Ziele ist f\u00fcr uns, dass die Politik einen Rahmen schafft, in dem Klimaneutralit\u00e4t realistisch m\u00f6glich ist, ohne Wirtschaftskraft und Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu gef\u00e4hrden\u201c, sagt Adrian. \u201eDie Energiewende kann nur mit und nicht ohne eine leistungsf\u00e4hige Wirtschaft gelingen.\u201c<\/p>\n<p><b><em>Dieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzcentrum von WELT und <\/em><\/b><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.businessinsider.de\/\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/\" rel=\"nofollow\"><b><em>Business Insider<\/em><\/b><\/a><b><em> erstellt.<\/em><\/b><\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/stefan-beutelsbacher\/\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/stefan-beutelsbacher\/\"><b><em>Stefan Beutelsbacher<\/em><\/b><\/a><b><em> ist Korrespondent in Br\u00fcssel. Er berichtet \u00fcber die Wirtschafts-, Handels- und Klimapolitik der EU. Zuvor war er US-Korrespondent in New York.<\/em><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Dezember 2019, als die Aktivistin Greta Thunberg gerade auf einem Boot nach New York gesegelt war und in einer w\u00fctenden Rede vor den Vereinten Nationen mehr Klimaschutz gefordert hatte, k\u00fcndigte Ursula von der Leyen in Br\u00fcssel ihren Green Deal an: Europa, sagte die damals neue Pr\u00e4sidentin der EU-Kommission, solle bis 2050 klimaneutral werden, als<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":335787,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-335799","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v22.9 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Vorbild oder Warnung? 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Aber hilft Deutschlands Sonderweg dem Klima wirklich? Es sieht nicht so aus. \u201eDie direkten zus\u00e4tzlichen Auswirkungen\u201c seien \u201ebegrenzt\u201c, wenn ein europ\u00e4ischer Staat Emissionen schneller reduziere als andere, hei\u00dft es in einer Antwort der EU-Kommission auf eine Anfrage des FDP-Europaabgeordneten Moritz K\u00f6rner, die WELT vorliegt.Klimaneutralit\u00e4t bedeutet f\u00fcr die EU: Die Menge der Treibhausgase, die Autos, Fabriken und Kraftwerke aussto\u00dfen, muss wieder eingefangen werden. Entweder auf nat\u00fcrliche Weise, zum Beispiel durch W\u00e4lder und Moore. Oder mit Maschinen, die Kohlendioxid aus der Luft saugen. Am Ende soll die Art, wie die Europ\u00e4er leben, produzieren und sich fortbewegen, nicht zur Erw\u00e4rmung der Erde beitragen.Verringere ein Land Emissionen besonders rasch, sinke das verbleibende globale CO\u2082-Budget langsamer, wie die EU-Kommission schreibt. 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Klimaziele werden verschoben, die Wirtschaft r\u00fcckt st\u00e4rker in den Fokus. So forderten k\u00fcrzlich sechs europ\u00e4ische Ministerpr\u00e4sidenten, darunter Giorgia Meloni aus Italien und Donald Tusk aus Polen, die EU-Kommission per Brief zu einer gem\u00e4\u00dfigteren Klimapolitik auf. \u201eWir m\u00fcssen unsere Klimaziele verfolgen, ohne unsere Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu gef\u00e4hrden\u201c, schrieben sie an Beh\u00f6rdenchefin von der Leyen \u2013 \u201edenn in einer industriellen W\u00fcste ist nichts gr\u00fcn.\u201c\u00a0Trotz all dem war ein deutsches Bundesland in den vergangenen Jahren sogar ehrgeiziger als die Berliner Koalition. Bayern wollte schon bis 2040 klimaneutral werden. Aber vor wenigen Tagen kippte der Freistaat das Ziel. Zur Begr\u00fcndung hie\u00df es, die Wirtschaft sei zu stark belastet, vor allem durch die hohen Energiepreise infolge des Kriegs in der Ukraine. Nun lautet das Ziel ebenfalls 2045.Die Welt hat sich ver\u00e4ndert, seit Greta Thunberg nach New York segelte und Ursula von der Leyen ihren Green Deal verk\u00fcndete. 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Union und SPD wollen Deutschland schon 2045 klimaneutral haben, f\u00fcnf Jahre fr\u00fcher. Vieles ist daf\u00fcr geplant: mehr Windr\u00e4der, sauberere Fabriken und Tausende Kilometer Leitungen f\u00fcr Wasserstoff zum Beispiel. All das soll die Republik zum Vorreiter in Europa machen, zum Mustersch\u00fcler des Klimaschutzes.Die Ma\u00dfnahmen kosten viele Milliarden Euro. Aber hilft Deutschlands Sonderweg dem Klima wirklich? Es sieht nicht so aus. \u201eDie direkten zus\u00e4tzlichen Auswirkungen\u201c seien \u201ebegrenzt\u201c, wenn ein europ\u00e4ischer Staat Emissionen schneller reduziere als andere, hei\u00dft es in einer Antwort der EU-Kommission auf eine Anfrage des FDP-Europaabgeordneten Moritz K\u00f6rner, die WELT vorliegt.Klimaneutralit\u00e4t bedeutet f\u00fcr die EU: Die Menge der Treibhausgase, die Autos, Fabriken und Kraftwerke aussto\u00dfen, muss wieder eingefangen werden. Entweder auf nat\u00fcrliche Weise, zum Beispiel durch W\u00e4lder und Moore. Oder mit Maschinen, die Kohlendioxid aus der Luft saugen. Am Ende soll die Art, wie die Europ\u00e4er leben, produzieren und sich fortbewegen, nicht zur Erw\u00e4rmung der Erde beitragen.Verringere ein Land Emissionen besonders rasch, sinke das verbleibende globale CO\u2082-Budget langsamer, wie die EU-Kommission schreibt. Das klingt kompliziert, aber die Theorie dahinter ist simpel: Unser Planet kann nur noch eine bestimmte Menge Kohlendioxid verkraften, wenn die Erw\u00e4rmung \u2013 wie vom Pariser Klimaabkommen angestrebt \u2013 1,5 Grad Celsius nicht \u00fcbersteigen soll. Je weniger Schmutz in die Luft gelangt, desto gr\u00f6\u00dfer das Restkontingent. Die Frage lautet nun: Was geschieht damit?Gefahr f\u00fcr Wirtschaft?\u201eDie vorzeitige Klimaneutralit\u00e4t Deutschlands hilft anderen Staaten, langsamer klimaneutral zu werden\u201c, sagt K\u00f6rner. Dem Klima hingegen n\u00fctze das nichts. Der Politiker spricht ein Dilemma an: Es ist zwar sch\u00f6n und gut, wenn sich die Bundesrepublik besonders m\u00fcht, aber das hier eingesparte Kohlendioxid d\u00fcrften dann Frankreich, Italien oder Polen aussto\u00dfen \u2013 schlie\u00dflich ist jetzt mehr CO\u2082-Budget \u00fcbrig.Auch \u00d6konomen sind skeptisch. \u201eDas Vorziehen des Ziels um f\u00fcnf Jahre ist vollkommen wirkungslos\u201c, meint Joachim Weimann, Professor an der Otto-von-Guericke-Universit\u00e4t Magdeburg. Er verweist auf den europ\u00e4ischen Emissionshandel: Wer Treibhausgase in die Luft bl\u00e4st, muss eine Erlaubnis kaufen. F\u00fcr jede Tonne Kohlendioxid wird in der EU ein Preis f\u00e4llig, derzeit liegt er bei rund 75 Euro. Das soll Firmen zu mehr Umweltschutz zwingen. \u201eErreicht Deutschland die Klimaneutralit\u00e4t eher\u201c, sagt Weimann, \u201ewerden unsere CO\u2082-Zertifikate eben woanders genutzt.\u201cWeimann sieht in dem Plan der Bundesregierung eine Gefahr f\u00fcr die Wirtschaft. \u201eDie fr\u00fchere CO\u2082-Neutralit\u00e4t bedroht Deutschlands Wohlstand und hilft dem Klima nicht weiter\u201c, sagt er. Wie viel Geld genau die Extra-M\u00fchen kosten, etwa weil aktuelle Technologien vorzeitig aufgegeben werden m\u00fcssen, l\u00e4sst sich kaum sagen, aber Weimann geht von einem hohen dreistelligen Milliardenbetrag aus.F\u00fcr die Europ\u00e4ische Kommission spielt noch etwas anderes eine Rolle. In ihrer Antwort an den FDP-Abgeordneten K\u00f6rner schreibt sie: \u201eDas Ambitionsniveau der EU und ihrer Mitgliedstaaten wird von den internationalen Partnern genau beobachtet und dient als globales Vorbild f\u00fcr den Klimaschutz.\u201c Aber funktioniert das tats\u00e4chlich? \u201eWer auf Deutschlands \u00f6konomische Lage blickt, sieht kein Vorbild, sondern eine Warnung\u201c, sagt K\u00f6rner. Deutschland verursacht rund 1,3 Prozent der globalen CO\u2082-Emissionen, China steht f\u00fcr knapp 30 Prozent, die USA f\u00fcr elf, Indien f\u00fcr acht. Diese L\u00e4nder scheint der Vorreiter Europa nicht zu motivieren. 2024 erzeugte die Welt 665 Millionen Tonnen Kohlendioxid mehr als im Jahr zuvor, wie Daten der EU-Kommission zeigen. \u201eEchter Klimaschutz gelingt nur\u201c, sagt Weimann, \u201ewenn die gr\u00f6\u00dften Verschmutzer mitmachen.\u201cAuch in anderen EU-Staaten w\u00e4chst der Unmut. Klimaziele werden verschoben, die Wirtschaft r\u00fcckt st\u00e4rker in den Fokus. So forderten k\u00fcrzlich sechs europ\u00e4ische Ministerpr\u00e4sidenten, darunter Giorgia Meloni aus Italien und Donald Tusk aus Polen, die EU-Kommission per Brief zu einer gem\u00e4\u00dfigteren Klimapolitik auf. \u201eWir m\u00fcssen unsere Klimaziele verfolgen, ohne unsere Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu gef\u00e4hrden\u201c, schrieben sie an Beh\u00f6rdenchefin von der Leyen \u2013 \u201edenn in einer industriellen W\u00fcste ist nichts gr\u00fcn.\u201c\u00a0Trotz all dem war ein deutsches Bundesland in den vergangenen Jahren sogar ehrgeiziger als die Berliner Koalition. Bayern wollte schon bis 2040 klimaneutral werden. Aber vor wenigen Tagen kippte der Freistaat das Ziel. Zur Begr\u00fcndung hie\u00df es, die Wirtschaft sei zu stark belastet, vor allem durch die hohen Energiepreise infolge des Kriegs in der Ukraine. Nun lautet das Ziel ebenfalls 2045.Die Welt hat sich ver\u00e4ndert, seit Greta Thunberg nach New York segelte und Ursula von der Leyen ihren Green Deal verk\u00fcndete. Es gab in der Zwischenzeit eine Pandemie und Kriege in Europa und Nahost. \u201eKlimaschutz ist wichtig und Klimaneutralit\u00e4t unser erkl\u00e4rtes Ziel\u201c, sagt CSU-Generalsekret\u00e4r Martin Huber WELT. \u201eKlimaschutz funktioniert aber nur dann, wenn die wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit unseres Landes gew\u00e4hrleistet ist und er von den Menschen akzeptiert wird.\u201c Deutschland steht allein da\u00d6kologie und \u00d6konomie, so Huber, m\u00fcssten zusammen gedacht werden. \u201eOhne eine starke Wirtschaft k\u00f6nnen wir uns keinen ambitionierten Klimaschutz leisten, gerade in globalen Krisenzeiten\u201c, sagt er. \u201eDas gilt im besonderen Ma\u00dfe f\u00fcr Deutschland als Industrieland.\u201c Ein Zeitplan sei nur sinnvoll, wenn er zu den gegebenen Umst\u00e4nden passe.China will bis 2060 klimaneutral werden, Indien bis 2070. Die USA hatten unter ihrem Ex-Pr\u00e4sidenten Joe Biden 2050 angestrebt wie die EU, aber Donald Trump kippte das Ziel. Wann \u2013 und ob \u2013 Amerika netto null Emissionen erreichen k\u00f6nnte, ist nun unklar. Sicher ist: Deutschland steht mit seinen Ambitionen auf der Welt weitgehend allein da.\u201eDeutschlands Unternehmen treiben die Transformation mit viel Eigeninitiative voran\u201c, sagt Peter Adrian, Pr\u00e4sident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), WELT. Neun von zehn Firmen h\u00e4tten ein Klimaziel bis 2045, und viele verkn\u00fcpften damit gesch\u00e4ftliche Chancen f\u00fcr ihre Produkte und Dienstleistungen. Doch Adrian warnt auch: \u201eKlimaschutz gelingt nicht durch Zielmarken allein.\u201c2040, 2045, 2050 \u2013 solche Vorgaben, da scheinen sich Politiker wie K\u00f6rner, \u00d6konomen wie Weimann und Wirtschaftsvertreter wie Adrian einig, retten den Planeten nicht. \u201eEntscheidender als theoretische Ziele ist f\u00fcr uns, dass die Politik einen Rahmen schafft, in dem Klimaneutralit\u00e4t realistisch m\u00f6glich ist, ohne Wirtschaftskraft und Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu gef\u00e4hrden\u201c, sagt Adrian. \u201eDie Energiewende kann nur mit und nicht ohne eine leistungsf\u00e4hige Wirtschaft gelingen.\u201cDieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzcentrum von WELT und Business Insider erstellt.Stefan Beutelsbacher ist Korrespondent in Br\u00fcssel. Er berichtet \u00fcber die Wirtschafts-, Handels- und Klimapolitik der EU. 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Union und SPD wollen Deutschland schon 2045 klimaneutral haben, f\u00fcnf Jahre fr\u00fcher. Vieles ist daf\u00fcr geplant: mehr Windr\u00e4der, sauberere Fabriken und Tausende Kilometer Leitungen f\u00fcr Wasserstoff zum Beispiel. All das soll die Republik zum Vorreiter in Europa machen, zum Mustersch\u00fcler des Klimaschutzes.Die Ma\u00dfnahmen kosten viele Milliarden Euro. Aber hilft Deutschlands Sonderweg dem Klima wirklich? Es sieht nicht so aus. \u201eDie direkten zus\u00e4tzlichen Auswirkungen\u201c seien \u201ebegrenzt\u201c, wenn ein europ\u00e4ischer Staat Emissionen schneller reduziere als andere, hei\u00dft es in einer Antwort der EU-Kommission auf eine Anfrage des FDP-Europaabgeordneten Moritz K\u00f6rner, die WELT vorliegt.Klimaneutralit\u00e4t bedeutet f\u00fcr die EU: Die Menge der Treibhausgase, die Autos, Fabriken und Kraftwerke aussto\u00dfen, muss wieder eingefangen werden. Entweder auf nat\u00fcrliche Weise, zum Beispiel durch W\u00e4lder und Moore. 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Der Politiker spricht ein Dilemma an: Es ist zwar sch\u00f6n und gut, wenn sich die Bundesrepublik besonders m\u00fcht, aber das hier eingesparte Kohlendioxid d\u00fcrften dann Frankreich, Italien oder Polen aussto\u00dfen \u2013 schlie\u00dflich ist jetzt mehr CO\u2082-Budget \u00fcbrig.Auch \u00d6konomen sind skeptisch. \u201eDas Vorziehen des Ziels um f\u00fcnf Jahre ist vollkommen wirkungslos\u201c, meint Joachim Weimann, Professor an der Otto-von-Guericke-Universit\u00e4t Magdeburg. Er verweist auf den europ\u00e4ischen Emissionshandel: Wer Treibhausgase in die Luft bl\u00e4st, muss eine Erlaubnis kaufen. F\u00fcr jede Tonne Kohlendioxid wird in der EU ein Preis f\u00e4llig, derzeit liegt er bei rund 75 Euro. Das soll Firmen zu mehr Umweltschutz zwingen. \u201eErreicht Deutschland die Klimaneutralit\u00e4t eher\u201c, sagt Weimann, \u201ewerden unsere CO\u2082-Zertifikate eben woanders genutzt.\u201cWeimann sieht in dem Plan der Bundesregierung eine Gefahr f\u00fcr die Wirtschaft. \u201eDie fr\u00fchere CO\u2082-Neutralit\u00e4t bedroht Deutschlands Wohlstand und hilft dem Klima nicht weiter\u201c, sagt er. Wie viel Geld genau die Extra-M\u00fchen kosten, etwa weil aktuelle Technologien vorzeitig aufgegeben werden m\u00fcssen, l\u00e4sst sich kaum sagen, aber Weimann geht von einem hohen dreistelligen Milliardenbetrag aus.F\u00fcr die Europ\u00e4ische Kommission spielt noch etwas anderes eine Rolle. In ihrer Antwort an den FDP-Abgeordneten K\u00f6rner schreibt sie: \u201eDas Ambitionsniveau der EU und ihrer Mitgliedstaaten wird von den internationalen Partnern genau beobachtet und dient als globales Vorbild f\u00fcr den Klimaschutz.\u201c Aber funktioniert das tats\u00e4chlich? \u201eWer auf Deutschlands \u00f6konomische Lage blickt, sieht kein Vorbild, sondern eine Warnung\u201c, sagt K\u00f6rner. Deutschland verursacht rund 1,3 Prozent der globalen CO\u2082-Emissionen, China steht f\u00fcr knapp 30 Prozent, die USA f\u00fcr elf, Indien f\u00fcr acht. Diese L\u00e4nder scheint der Vorreiter Europa nicht zu motivieren. 2024 erzeugte die Welt 665 Millionen Tonnen Kohlendioxid mehr als im Jahr zuvor, wie Daten der EU-Kommission zeigen. \u201eEchter Klimaschutz gelingt nur\u201c, sagt Weimann, \u201ewenn die gr\u00f6\u00dften Verschmutzer mitmachen.\u201cAuch in anderen EU-Staaten w\u00e4chst der Unmut. Klimaziele werden verschoben, die Wirtschaft r\u00fcckt st\u00e4rker in den Fokus. So forderten k\u00fcrzlich sechs europ\u00e4ische Ministerpr\u00e4sidenten, darunter Giorgia Meloni aus Italien und Donald Tusk aus Polen, die EU-Kommission per Brief zu einer gem\u00e4\u00dfigteren Klimapolitik auf. \u201eWir m\u00fcssen unsere Klimaziele verfolgen, ohne unsere Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu gef\u00e4hrden\u201c, schrieben sie an Beh\u00f6rdenchefin von der Leyen \u2013 \u201edenn in einer industriellen W\u00fcste ist nichts gr\u00fcn.\u201c\u00a0Trotz all dem war ein deutsches Bundesland in den vergangenen Jahren sogar ehrgeiziger als die Berliner Koalition. Bayern wollte schon bis 2040 klimaneutral werden. Aber vor wenigen Tagen kippte der Freistaat das Ziel. Zur Begr\u00fcndung hie\u00df es, die Wirtschaft sei zu stark belastet, vor allem durch die hohen Energiepreise infolge des Kriegs in der Ukraine. Nun lautet das Ziel ebenfalls 2045.Die Welt hat sich ver\u00e4ndert, seit Greta Thunberg nach New York segelte und Ursula von der Leyen ihren Green Deal verk\u00fcndete. Es gab in der Zwischenzeit eine Pandemie und Kriege in Europa und Nahost. \u201eKlimaschutz ist wichtig und Klimaneutralit\u00e4t unser erkl\u00e4rtes Ziel\u201c, sagt CSU-Generalsekret\u00e4r Martin Huber WELT. \u201eKlimaschutz funktioniert aber nur dann, wenn die wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit unseres Landes gew\u00e4hrleistet ist und er von den Menschen akzeptiert wird.\u201c Deutschland steht allein da\u00d6kologie und \u00d6konomie, so Huber, m\u00fcssten zusammen gedacht werden. \u201eOhne eine starke Wirtschaft k\u00f6nnen wir uns keinen ambitionierten Klimaschutz leisten, gerade in globalen Krisenzeiten\u201c, sagt er. \u201eDas gilt im besonderen Ma\u00dfe f\u00fcr Deutschland als Industrieland.\u201c Ein Zeitplan sei nur sinnvoll, wenn er zu den gegebenen Umst\u00e4nden passe.China will bis 2060 klimaneutral werden, Indien bis 2070. Die USA hatten unter ihrem Ex-Pr\u00e4sidenten Joe Biden 2050 angestrebt wie die EU, aber Donald Trump kippte das Ziel. Wann \u2013 und ob \u2013 Amerika netto null Emissionen erreichen k\u00f6nnte, ist nun unklar. Sicher ist: Deutschland steht mit seinen Ambitionen auf der Welt weitgehend allein da.\u201eDeutschlands Unternehmen treiben die Transformation mit viel Eigeninitiative voran\u201c, sagt Peter Adrian, Pr\u00e4sident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), WELT. Neun von zehn Firmen h\u00e4tten ein Klimaziel bis 2045, und viele verkn\u00fcpften damit gesch\u00e4ftliche Chancen f\u00fcr ihre Produkte und Dienstleistungen. 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Es sieht nicht so aus. \u201eDie direkten zus\u00e4tzlichen Auswirkungen\u201c seien \u201ebegrenzt\u201c, wenn ein europ\u00e4ischer Staat Emissionen schneller reduziere als andere, hei\u00dft es in einer Antwort der EU-Kommission auf eine Anfrage des FDP-Europaabgeordneten Moritz K\u00f6rner, die WELT vorliegt.Klimaneutralit\u00e4t bedeutet f\u00fcr die EU: Die Menge der Treibhausgase, die Autos, Fabriken und Kraftwerke aussto\u00dfen, muss wieder eingefangen werden. Entweder auf nat\u00fcrliche Weise, zum Beispiel durch W\u00e4lder und Moore. Oder mit Maschinen, die Kohlendioxid aus der Luft saugen. Am Ende soll die Art, wie die Europ\u00e4er leben, produzieren und sich fortbewegen, nicht zur Erw\u00e4rmung der Erde beitragen.Verringere ein Land Emissionen besonders rasch, sinke das verbleibende globale CO\u2082-Budget langsamer, wie die EU-Kommission schreibt. Das klingt kompliziert, aber die Theorie dahinter ist simpel: Unser Planet kann nur noch eine bestimmte Menge Kohlendioxid verkraften, wenn die Erw\u00e4rmung \u2013 wie vom Pariser Klimaabkommen angestrebt \u2013 1,5 Grad Celsius nicht \u00fcbersteigen soll. Je weniger Schmutz in die Luft gelangt, desto gr\u00f6\u00dfer das Restkontingent. Die Frage lautet nun: Was geschieht damit?Gefahr f\u00fcr Wirtschaft?\u201eDie vorzeitige Klimaneutralit\u00e4t Deutschlands hilft anderen Staaten, langsamer klimaneutral zu werden\u201c, sagt K\u00f6rner. Dem Klima hingegen n\u00fctze das nichts. Der Politiker spricht ein Dilemma an: Es ist zwar sch\u00f6n und gut, wenn sich die Bundesrepublik besonders m\u00fcht, aber das hier eingesparte Kohlendioxid d\u00fcrften dann Frankreich, Italien oder Polen aussto\u00dfen \u2013 schlie\u00dflich ist jetzt mehr CO\u2082-Budget \u00fcbrig.Auch \u00d6konomen sind skeptisch. \u201eDas Vorziehen des Ziels um f\u00fcnf Jahre ist vollkommen wirkungslos\u201c, meint Joachim Weimann, Professor an der Otto-von-Guericke-Universit\u00e4t Magdeburg. Er verweist auf den europ\u00e4ischen Emissionshandel: Wer Treibhausgase in die Luft bl\u00e4st, muss eine Erlaubnis kaufen. F\u00fcr jede Tonne Kohlendioxid wird in der EU ein Preis f\u00e4llig, derzeit liegt er bei rund 75 Euro. Das soll Firmen zu mehr Umweltschutz zwingen. \u201eErreicht Deutschland die Klimaneutralit\u00e4t eher\u201c, sagt Weimann, \u201ewerden unsere CO\u2082-Zertifikate eben woanders genutzt.\u201cWeimann sieht in dem Plan der Bundesregierung eine Gefahr f\u00fcr die Wirtschaft. \u201eDie fr\u00fchere CO\u2082-Neutralit\u00e4t bedroht Deutschlands Wohlstand und hilft dem Klima nicht weiter\u201c, sagt er. Wie viel Geld genau die Extra-M\u00fchen kosten, etwa weil aktuelle Technologien vorzeitig aufgegeben werden m\u00fcssen, l\u00e4sst sich kaum sagen, aber Weimann geht von einem hohen dreistelligen Milliardenbetrag aus.F\u00fcr die Europ\u00e4ische Kommission spielt noch etwas anderes eine Rolle. In ihrer Antwort an den FDP-Abgeordneten K\u00f6rner schreibt sie: \u201eDas Ambitionsniveau der EU und ihrer Mitgliedstaaten wird von den internationalen Partnern genau beobachtet und dient als globales Vorbild f\u00fcr den Klimaschutz.\u201c Aber funktioniert das tats\u00e4chlich? \u201eWer auf Deutschlands \u00f6konomische Lage blickt, sieht kein Vorbild, sondern eine Warnung\u201c, sagt K\u00f6rner. Deutschland verursacht rund 1,3 Prozent der globalen CO\u2082-Emissionen, China steht f\u00fcr knapp 30 Prozent, die USA f\u00fcr elf, Indien f\u00fcr acht. Diese L\u00e4nder scheint der Vorreiter Europa nicht zu motivieren. 2024 erzeugte die Welt 665 Millionen Tonnen Kohlendioxid mehr als im Jahr zuvor, wie Daten der EU-Kommission zeigen. \u201eEchter Klimaschutz gelingt nur\u201c, sagt Weimann, \u201ewenn die gr\u00f6\u00dften Verschmutzer mitmachen.\u201cAuch in anderen EU-Staaten w\u00e4chst der Unmut. Klimaziele werden verschoben, die Wirtschaft r\u00fcckt st\u00e4rker in den Fokus. So forderten k\u00fcrzlich sechs europ\u00e4ische Ministerpr\u00e4sidenten, darunter Giorgia Meloni aus Italien und Donald Tusk aus Polen, die EU-Kommission per Brief zu einer gem\u00e4\u00dfigteren Klimapolitik auf. \u201eWir m\u00fcssen unsere Klimaziele verfolgen, ohne unsere Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu gef\u00e4hrden\u201c, schrieben sie an Beh\u00f6rdenchefin von der Leyen \u2013 \u201edenn in einer industriellen W\u00fcste ist nichts gr\u00fcn.\u201c\u00a0Trotz all dem war ein deutsches Bundesland in den vergangenen Jahren sogar ehrgeiziger als die Berliner Koalition. Bayern wollte schon bis 2040 klimaneutral werden. Aber vor wenigen Tagen kippte der Freistaat das Ziel. Zur Begr\u00fcndung hie\u00df es, die Wirtschaft sei zu stark belastet, vor allem durch die hohen Energiepreise infolge des Kriegs in der Ukraine. Nun lautet das Ziel ebenfalls 2045.Die Welt hat sich ver\u00e4ndert, seit Greta Thunberg nach New York segelte und Ursula von der Leyen ihren Green Deal verk\u00fcndete. Es gab in der Zwischenzeit eine Pandemie und Kriege in Europa und Nahost. \u201eKlimaschutz ist wichtig und Klimaneutralit\u00e4t unser erkl\u00e4rtes Ziel\u201c, sagt CSU-Generalsekret\u00e4r Martin Huber WELT. \u201eKlimaschutz funktioniert aber nur dann, wenn die wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit unseres Landes gew\u00e4hrleistet ist und er von den Menschen akzeptiert wird.\u201c Deutschland steht allein da\u00d6kologie und \u00d6konomie, so Huber, m\u00fcssten zusammen gedacht werden. \u201eOhne eine starke Wirtschaft k\u00f6nnen wir uns keinen ambitionierten Klimaschutz leisten, gerade in globalen Krisenzeiten\u201c, sagt er. \u201eDas gilt im besonderen Ma\u00dfe f\u00fcr Deutschland als Industrieland.\u201c Ein Zeitplan sei nur sinnvoll, wenn er zu den gegebenen Umst\u00e4nden passe.China will bis 2060 klimaneutral werden, Indien bis 2070. Die USA hatten unter ihrem Ex-Pr\u00e4sidenten Joe Biden 2050 angestrebt wie die EU, aber Donald Trump kippte das Ziel. Wann \u2013 und ob \u2013 Amerika netto null Emissionen erreichen k\u00f6nnte, ist nun unklar. Sicher ist: Deutschland steht mit seinen Ambitionen auf der Welt weitgehend allein da.\u201eDeutschlands Unternehmen treiben die Transformation mit viel Eigeninitiative voran\u201c, sagt Peter Adrian, Pr\u00e4sident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), WELT. Neun von zehn Firmen h\u00e4tten ein Klimaziel bis 2045, und viele verkn\u00fcpften damit gesch\u00e4ftliche Chancen f\u00fcr ihre Produkte und Dienstleistungen. Doch Adrian warnt auch: \u201eKlimaschutz gelingt nicht durch Zielmarken allein.\u201c2040, 2045, 2050 \u2013 solche Vorgaben, da scheinen sich Politiker wie K\u00f6rner, \u00d6konomen wie Weimann und Wirtschaftsvertreter wie Adrian einig, retten den Planeten nicht. \u201eEntscheidender als theoretische Ziele ist f\u00fcr uns, dass die Politik einen Rahmen schafft, in dem Klimaneutralit\u00e4t realistisch m\u00f6glich ist, ohne Wirtschaftskraft und Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu gef\u00e4hrden\u201c, sagt Adrian. \u201eDie Energiewende kann nur mit und nicht ohne eine leistungsf\u00e4hige Wirtschaft gelingen.\u201cDieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzcentrum von WELT und Business Insider erstellt.Stefan Beutelsbacher ist Korrespondent in Br\u00fcssel. Er berichtet \u00fcber die Wirtschafts-, Handels- und Klimapolitik der EU. 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Am Ende soll die Art, wie die Europ\u00e4er leben, produzieren und sich fortbewegen, nicht zur Erw\u00e4rmung der Erde beitragen.Verringere ein Land Emissionen besonders rasch, sinke das verbleibende globale CO\u2082-Budget langsamer, wie die EU-Kommission schreibt. Das klingt kompliziert, aber die Theorie dahinter ist simpel: Unser Planet kann nur noch eine bestimmte Menge Kohlendioxid verkraften, wenn die Erw\u00e4rmung \u2013 wie vom Pariser Klimaabkommen angestrebt \u2013 1,5 Grad Celsius nicht \u00fcbersteigen soll. Je weniger Schmutz in die Luft gelangt, desto gr\u00f6\u00dfer das Restkontingent. Die Frage lautet nun: Was geschieht damit?Gefahr f\u00fcr Wirtschaft?\u201eDie vorzeitige Klimaneutralit\u00e4t Deutschlands hilft anderen Staaten, langsamer klimaneutral zu werden\u201c, sagt K\u00f6rner. Dem Klima hingegen n\u00fctze das nichts. Der Politiker spricht ein Dilemma an: Es ist zwar sch\u00f6n und gut, wenn sich die Bundesrepublik besonders m\u00fcht, aber das hier eingesparte Kohlendioxid d\u00fcrften dann Frankreich, Italien oder Polen aussto\u00dfen \u2013 schlie\u00dflich ist jetzt mehr CO\u2082-Budget \u00fcbrig.Auch \u00d6konomen sind skeptisch. \u201eDas Vorziehen des Ziels um f\u00fcnf Jahre ist vollkommen wirkungslos\u201c, meint Joachim Weimann, Professor an der Otto-von-Guericke-Universit\u00e4t Magdeburg. Er verweist auf den europ\u00e4ischen Emissionshandel: Wer Treibhausgase in die Luft bl\u00e4st, muss eine Erlaubnis kaufen. F\u00fcr jede Tonne Kohlendioxid wird in der EU ein Preis f\u00e4llig, derzeit liegt er bei rund 75 Euro. Das soll Firmen zu mehr Umweltschutz zwingen. \u201eErreicht Deutschland die Klimaneutralit\u00e4t eher\u201c, sagt Weimann, \u201ewerden unsere CO\u2082-Zertifikate eben woanders genutzt.\u201cWeimann sieht in dem Plan der Bundesregierung eine Gefahr f\u00fcr die Wirtschaft. \u201eDie fr\u00fchere CO\u2082-Neutralit\u00e4t bedroht Deutschlands Wohlstand und hilft dem Klima nicht weiter\u201c, sagt er. Wie viel Geld genau die Extra-M\u00fchen kosten, etwa weil aktuelle Technologien vorzeitig aufgegeben werden m\u00fcssen, l\u00e4sst sich kaum sagen, aber Weimann geht von einem hohen dreistelligen Milliardenbetrag aus.F\u00fcr die Europ\u00e4ische Kommission spielt noch etwas anderes eine Rolle. In ihrer Antwort an den FDP-Abgeordneten K\u00f6rner schreibt sie: \u201eDas Ambitionsniveau der EU und ihrer Mitgliedstaaten wird von den internationalen Partnern genau beobachtet und dient als globales Vorbild f\u00fcr den Klimaschutz.\u201c Aber funktioniert das tats\u00e4chlich? \u201eWer auf Deutschlands \u00f6konomische Lage blickt, sieht kein Vorbild, sondern eine Warnung\u201c, sagt K\u00f6rner. Deutschland verursacht rund 1,3 Prozent der globalen CO\u2082-Emissionen, China steht f\u00fcr knapp 30 Prozent, die USA f\u00fcr elf, Indien f\u00fcr acht. Diese L\u00e4nder scheint der Vorreiter Europa nicht zu motivieren. 2024 erzeugte die Welt 665 Millionen Tonnen Kohlendioxid mehr als im Jahr zuvor, wie Daten der EU-Kommission zeigen. \u201eEchter Klimaschutz gelingt nur\u201c, sagt Weimann, \u201ewenn die gr\u00f6\u00dften Verschmutzer mitmachen.\u201cAuch in anderen EU-Staaten w\u00e4chst der Unmut. Klimaziele werden verschoben, die Wirtschaft r\u00fcckt st\u00e4rker in den Fokus. So forderten k\u00fcrzlich sechs europ\u00e4ische Ministerpr\u00e4sidenten, darunter Giorgia Meloni aus Italien und Donald Tusk aus Polen, die EU-Kommission per Brief zu einer gem\u00e4\u00dfigteren Klimapolitik auf. \u201eWir m\u00fcssen unsere Klimaziele verfolgen, ohne unsere Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu gef\u00e4hrden\u201c, schrieben sie an Beh\u00f6rdenchefin von der Leyen \u2013 \u201edenn in einer industriellen W\u00fcste ist nichts gr\u00fcn.\u201c\u00a0Trotz all dem war ein deutsches Bundesland in den vergangenen Jahren sogar ehrgeiziger als die Berliner Koalition. Bayern wollte schon bis 2040 klimaneutral werden. Aber vor wenigen Tagen kippte der Freistaat das Ziel. Zur Begr\u00fcndung hie\u00df es, die Wirtschaft sei zu stark belastet, vor allem durch die hohen Energiepreise infolge des Kriegs in der Ukraine. Nun lautet das Ziel ebenfalls 2045.Die Welt hat sich ver\u00e4ndert, seit Greta Thunberg nach New York segelte und Ursula von der Leyen ihren Green Deal verk\u00fcndete. Es gab in der Zwischenzeit eine Pandemie und Kriege in Europa und Nahost. \u201eKlimaschutz ist wichtig und Klimaneutralit\u00e4t unser erkl\u00e4rtes Ziel\u201c, sagt CSU-Generalsekret\u00e4r Martin Huber WELT. \u201eKlimaschutz funktioniert aber nur dann, wenn die wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit unseres Landes gew\u00e4hrleistet ist und er von den Menschen akzeptiert wird.\u201c Deutschland steht allein da\u00d6kologie und \u00d6konomie, so Huber, m\u00fcssten zusammen gedacht werden. \u201eOhne eine starke Wirtschaft k\u00f6nnen wir uns keinen ambitionierten Klimaschutz leisten, gerade in globalen Krisenzeiten\u201c, sagt er. \u201eDas gilt im besonderen Ma\u00dfe f\u00fcr Deutschland als Industrieland.\u201c Ein Zeitplan sei nur sinnvoll, wenn er zu den gegebenen Umst\u00e4nden passe.China will bis 2060 klimaneutral werden, Indien bis 2070. Die USA hatten unter ihrem Ex-Pr\u00e4sidenten Joe Biden 2050 angestrebt wie die EU, aber Donald Trump kippte das Ziel. Wann \u2013 und ob \u2013 Amerika netto null Emissionen erreichen k\u00f6nnte, ist nun unklar. Sicher ist: Deutschland steht mit seinen Ambitionen auf der Welt weitgehend allein da.\u201eDeutschlands Unternehmen treiben die Transformation mit viel Eigeninitiative voran\u201c, sagt Peter Adrian, Pr\u00e4sident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), WELT. Neun von zehn Firmen h\u00e4tten ein Klimaziel bis 2045, und viele verkn\u00fcpften damit gesch\u00e4ftliche Chancen f\u00fcr ihre Produkte und Dienstleistungen. Doch Adrian warnt auch: \u201eKlimaschutz gelingt nicht durch Zielmarken allein.\u201c2040, 2045, 2050 \u2013 solche Vorgaben, da scheinen sich Politiker wie K\u00f6rner, \u00d6konomen wie Weimann und Wirtschaftsvertreter wie Adrian einig, retten den Planeten nicht. \u201eEntscheidender als theoretische Ziele ist f\u00fcr uns, dass die Politik einen Rahmen schafft, in dem Klimaneutralit\u00e4t realistisch m\u00f6glich ist, ohne Wirtschaftskraft und Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu gef\u00e4hrden\u201c, sagt Adrian. \u201eDie Energiewende kann nur mit und nicht ohne eine leistungsf\u00e4hige Wirtschaft gelingen.\u201cDieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzcentrum von WELT und Business Insider erstellt.Stefan Beutelsbacher ist Korrespondent in Br\u00fcssel. Er berichtet \u00fcber die Wirtschafts-, Handels- und Klimapolitik der EU. 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Union und SPD wollen Deutschland schon 2045 klimaneutral haben, f\u00fcnf Jahre fr\u00fcher. Vieles ist daf\u00fcr geplant: mehr Windr\u00e4der, sauberere Fabriken und Tausende Kilometer Leitungen f\u00fcr Wasserstoff zum Beispiel. All das soll die Republik zum Vorreiter in Europa machen, zum Mustersch\u00fcler des Klimaschutzes.Die Ma\u00dfnahmen kosten viele Milliarden Euro. Aber hilft Deutschlands Sonderweg dem Klima wirklich? Es sieht nicht so aus. \u201eDie direkten zus\u00e4tzlichen Auswirkungen\u201c seien \u201ebegrenzt\u201c, wenn ein europ\u00e4ischer Staat Emissionen schneller reduziere als andere, hei\u00dft es in einer Antwort der EU-Kommission auf eine Anfrage des FDP-Europaabgeordneten Moritz K\u00f6rner, die WELT vorliegt.Klimaneutralit\u00e4t bedeutet f\u00fcr die EU: Die Menge der Treibhausgase, die Autos, Fabriken und Kraftwerke aussto\u00dfen, muss wieder eingefangen werden. Entweder auf nat\u00fcrliche Weise, zum Beispiel durch W\u00e4lder und Moore. Oder mit Maschinen, die Kohlendioxid aus der Luft saugen. Am Ende soll die Art, wie die Europ\u00e4er leben, produzieren und sich fortbewegen, nicht zur Erw\u00e4rmung der Erde beitragen.Verringere ein Land Emissionen besonders rasch, sinke das verbleibende globale CO\u2082-Budget langsamer, wie die EU-Kommission schreibt. Das klingt kompliziert, aber die Theorie dahinter ist simpel: Unser Planet kann nur noch eine bestimmte Menge Kohlendioxid verkraften, wenn die Erw\u00e4rmung \u2013 wie vom Pariser Klimaabkommen angestrebt \u2013 1,5 Grad Celsius nicht \u00fcbersteigen soll. Je weniger Schmutz in die Luft gelangt, desto gr\u00f6\u00dfer das Restkontingent. Die Frage lautet nun: Was geschieht damit?Gefahr f\u00fcr Wirtschaft?\u201eDie vorzeitige Klimaneutralit\u00e4t Deutschlands hilft anderen Staaten, langsamer klimaneutral zu werden\u201c, sagt K\u00f6rner. Dem Klima hingegen n\u00fctze das nichts. Der Politiker spricht ein Dilemma an: Es ist zwar sch\u00f6n und gut, wenn sich die Bundesrepublik besonders m\u00fcht, aber das hier eingesparte Kohlendioxid d\u00fcrften dann Frankreich, Italien oder Polen aussto\u00dfen \u2013 schlie\u00dflich ist jetzt mehr CO\u2082-Budget \u00fcbrig.Auch \u00d6konomen sind skeptisch. \u201eDas Vorziehen des Ziels um f\u00fcnf Jahre ist vollkommen wirkungslos\u201c, meint Joachim Weimann, Professor an der Otto-von-Guericke-Universit\u00e4t Magdeburg. Er verweist auf den europ\u00e4ischen Emissionshandel: Wer Treibhausgase in die Luft bl\u00e4st, muss eine Erlaubnis kaufen. F\u00fcr jede Tonne Kohlendioxid wird in der EU ein Preis f\u00e4llig, derzeit liegt er bei rund 75 Euro. Das soll Firmen zu mehr Umweltschutz zwingen. \u201eErreicht Deutschland die Klimaneutralit\u00e4t eher\u201c, sagt Weimann, \u201ewerden unsere CO\u2082-Zertifikate eben woanders genutzt.\u201cWeimann sieht in dem Plan der Bundesregierung eine Gefahr f\u00fcr die Wirtschaft. \u201eDie fr\u00fchere CO\u2082-Neutralit\u00e4t bedroht Deutschlands Wohlstand und hilft dem Klima nicht weiter\u201c, sagt er. Wie viel Geld genau die Extra-M\u00fchen kosten, etwa weil aktuelle Technologien vorzeitig aufgegeben werden m\u00fcssen, l\u00e4sst sich kaum sagen, aber Weimann geht von einem hohen dreistelligen Milliardenbetrag aus.F\u00fcr die Europ\u00e4ische Kommission spielt noch etwas anderes eine Rolle. 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Klimaziele werden verschoben, die Wirtschaft r\u00fcckt st\u00e4rker in den Fokus. So forderten k\u00fcrzlich sechs europ\u00e4ische Ministerpr\u00e4sidenten, darunter Giorgia Meloni aus Italien und Donald Tusk aus Polen, die EU-Kommission per Brief zu einer gem\u00e4\u00dfigteren Klimapolitik auf. \u201eWir m\u00fcssen unsere Klimaziele verfolgen, ohne unsere Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu gef\u00e4hrden\u201c, schrieben sie an Beh\u00f6rdenchefin von der Leyen \u2013 \u201edenn in einer industriellen W\u00fcste ist nichts gr\u00fcn.\u201c\u00a0Trotz all dem war ein deutsches Bundesland in den vergangenen Jahren sogar ehrgeiziger als die Berliner Koalition. Bayern wollte schon bis 2040 klimaneutral werden. Aber vor wenigen Tagen kippte der Freistaat das Ziel. Zur Begr\u00fcndung hie\u00df es, die Wirtschaft sei zu stark belastet, vor allem durch die hohen Energiepreise infolge des Kriegs in der Ukraine. Nun lautet das Ziel ebenfalls 2045.Die Welt hat sich ver\u00e4ndert, seit Greta Thunberg nach New York segelte und Ursula von der Leyen ihren Green Deal verk\u00fcndete. Es gab in der Zwischenzeit eine Pandemie und Kriege in Europa und Nahost. \u201eKlimaschutz ist wichtig und Klimaneutralit\u00e4t unser erkl\u00e4rtes Ziel\u201c, sagt CSU-Generalsekret\u00e4r Martin Huber WELT. \u201eKlimaschutz funktioniert aber nur dann, wenn die wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit unseres Landes gew\u00e4hrleistet ist und er von den Menschen akzeptiert wird.\u201c Deutschland steht allein da\u00d6kologie und \u00d6konomie, so Huber, m\u00fcssten zusammen gedacht werden. \u201eOhne eine starke Wirtschaft k\u00f6nnen wir uns keinen ambitionierten Klimaschutz leisten, gerade in globalen Krisenzeiten\u201c, sagt er. \u201eDas gilt im besonderen Ma\u00dfe f\u00fcr Deutschland als Industrieland.\u201c Ein Zeitplan sei nur sinnvoll, wenn er zu den gegebenen Umst\u00e4nden passe.China will bis 2060 klimaneutral werden, Indien bis 2070. Die USA hatten unter ihrem Ex-Pr\u00e4sidenten Joe Biden 2050 angestrebt wie die EU, aber Donald Trump kippte das Ziel. Wann \u2013 und ob \u2013 Amerika netto null Emissionen erreichen k\u00f6nnte, ist nun unklar. Sicher ist: Deutschland steht mit seinen Ambitionen auf der Welt weitgehend allein da.\u201eDeutschlands Unternehmen treiben die Transformation mit viel Eigeninitiative voran\u201c, sagt Peter Adrian, Pr\u00e4sident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), WELT. Neun von zehn Firmen h\u00e4tten ein Klimaziel bis 2045, und viele verkn\u00fcpften damit gesch\u00e4ftliche Chancen f\u00fcr ihre Produkte und Dienstleistungen. Doch Adrian warnt auch: \u201eKlimaschutz gelingt nicht durch Zielmarken allein.\u201c2040, 2045, 2050 \u2013 solche Vorgaben, da scheinen sich Politiker wie K\u00f6rner, \u00d6konomen wie Weimann und Wirtschaftsvertreter wie Adrian einig, retten den Planeten nicht. \u201eEntscheidender als theoretische Ziele ist f\u00fcr uns, dass die Politik einen Rahmen schafft, in dem Klimaneutralit\u00e4t realistisch m\u00f6glich ist, ohne Wirtschaftskraft und Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu gef\u00e4hrden\u201c, sagt Adrian. \u201eDie Energiewende kann nur mit und nicht ohne eine leistungsf\u00e4hige Wirtschaft gelingen.\u201cDieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzcentrum von WELT und Business Insider erstellt.Stefan Beutelsbacher ist Korrespondent in Br\u00fcssel. Er berichtet \u00fcber die Wirtschafts-, Handels- und Klimapolitik der EU. Zuvor war er US-Korrespondent in New York.","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/vorbild-oder-warnung-was-deutschlands-klimaziele-wirklich-bewirken\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/vof-news.eu\/de\/vorbild-oder-warnung-was-deutschlands-klimaziele-wirklich-bewirken\/"]}]},{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/vorbild-oder-warnung-was-deutschlands-klimaziele-wirklich-bewirken\/#primaryimage","url":"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/img_09bc92d643ce.webp","contentUrl":"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/img_09bc92d643ce.webp","width":1200,"height":574},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/vorbild-oder-warnung-was-deutschlands-klimaziele-wirklich-bewirken\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Home","item":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Vorbild oder Warnung? 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