{"id":319772,"date":"2026-01-24T01:28:19","date_gmt":"2026-01-23T22:28:19","guid":{"rendered":"https:\/\/vof-news.eu\/koalition-der-wartenden-2\/"},"modified":"2026-01-24T01:29:59","modified_gmt":"2026-01-23T22:29:59","slug":"koalition-der-wartenden-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/koalition-der-wartenden-2\/","title":{"rendered":"Koalition der Wartenden"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Urspr\u00fcnglich wollte <span><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/wolodymyr-selenskyj\" rel=\"nofollow\">Wolodymyr Selenskyj<\/a><\/span> dieses Mal in Kyjiw bleiben. Nur wenn es &#8222;substanzielle&#8220; Vereinbarungen mit den USA zu schlie\u00dfen gebe, werde er zum Weltwirtschaftsforum nach Davos kommen, hatte der ukrainische Pr\u00e4sident vorab mitgeteilt. Erst nachdem Donald Trump in seiner Davos-Rede ank\u00fcndigte, Selenskyj treffen zu wollen, machte sich dieser auf den Weg, um mit dem US-Pr\u00e4sidenten zu sprechen.\u00a0\n<\/p>\n<p>Doch auch den Europ\u00e4ern hatte Selenskyj etwas zu sagen. Und als freundlich l\u00e4sst sich seine Botschaft nicht gerade beschreiben. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=u0J4Yj2vd6g\" rel=\"nofollow\">Die Rede des ukrainischen Pr\u00e4sidenten in Davos<\/a> h\u00f6rte sich vielmehr nach einer Abrechnung an \u2013 nicht etwa mit Trump, der ihn im Oval Office gedem\u00fctigt hatte, die US-Hilfen f\u00fcr sein Land beendete und dessen Gesandte bei ihren zahlreichen Moskaubesuchen die <span><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/ukraine-krieg-news-liveblog\" rel=\"nofollow\">Ukraine<\/a><\/span> als Verhandlungsmasse im Gep\u00e4ck hatten. Sondern mit den f\u00fchrenden L\u00e4ndern der EU, dem Kern der sogenannten Koalition der Willigen \u2013 der einzigen gr\u00f6\u00dferen Instanz, die sich noch eindeutig hinter die Ukraine stellt.\u00a0\n<\/p>\n<p>Vor einem Jahr, begann Selenskyj seine Ansprache, habe er in Davos dazu aufgerufen, dass Europa sich in die Lage bringen m\u00fcsse, eigenst\u00e4ndig verteidigungsf\u00e4hig zu werden \u2013 offenkundig vergebens: &#8222;Ein Jahr ist vergangen, und nichts ist passiert.&#8220; Stattdessen sei die Abh\u00e4ngigkeit von den USA in gleich mehreren Konflikten erkennbar: &#8222;Jeder wartet darauf, dass sich die USA beruhigen&#8220; (mit Blick auf die US-Forderungen zu Gr\u00f6nland), &#8222;Jeder wartet darauf, zu schauen, was Amerika tun wird&#8220; (mit Blick auf den europ\u00e4ischen Umgang mit den Protesten im Iran), &#8222;keinerlei Sicherheitsgarantien funktionieren ohne die USA&#8220; (mit Blick auf sein eigenes Land).\u00a0\n<\/p>\n<p>Selbst zu Schritten, die Europa bereits gegangen sei, etwa der Erh\u00f6hung der Verteidigungsausgaben innerhalb der Nato, habe man sich von den USA zwingen lassen m\u00fcssen. Die grundlegende Mentalit\u00e4t, die Selenskyj auf dem Kontinent erkannt haben will: &#8222;Vielleicht wird eines Tages jemand etwas tun.&#8220; Milit\u00e4rische Ma\u00dfnahmen, die unabh\u00e4ngig von den USA ausgef\u00fchrt w\u00fcrden, blieben hingegen symbolisch, etwa bei <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-01\/bundeswehr-groenland-soldaten-daenemark-usa\" rel=\"nofollow\">den j\u00fcngsten Erkundungsmissionen in Gr\u00f6nland<\/a>: &#8222;Wenn Sie 30 oder 40 Soldaten nach Gr\u00f6nland entsenden, wozu dient das? Welche Botschaft vermittelt es? (&#8230;) 30 oder 40 Soldaten werden nichts verteidigen.&#8220;\n<\/p>\n<p>Einige Worte der Anerkennung richtete der ukrainische Pr\u00e4sident zwar an seine engsten Partner: &#8222;Danke, Keir, danke, Emmanuel&#8220; f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-01\/ukraine-krieg-sicherheitsgarantien-koalition-der-willigen-paris\" rel=\"nofollow\">die Bereitschaft Gro\u00dfbritanniens und Frankreichs, an der \u00dcberwachung eines Waffenstillstands in der Ukraine teilzunehmen<\/a>. Auch die Sanktionen gegen <span><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/russland\" rel=\"nofollow\">Russlands<\/a><\/span> \u00d6lhandel h\u00e4tten die Kriegskasse Wladimir Putins geschm\u00e4lert. Doch die Dankesworte wirkten wie ein Feigenblatt, ein Minimum an notwendiger Diplomatie, angesichts der Klagen, die Selenskyj auf sie folgen lie\u00df: &#8222;Warum kann Pr\u00e4sident Trump <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-01\/oeltanker-nordatlantik-usa-beschlagnahmung-russland-venezuela-faq\" rel=\"nofollow\">\u00d6ltanker der Schattenflotte stoppen<\/a>, aber Europa kann es nicht?&#8220;, fragte er etwa. Zudem erinnerte er daran, dass nicht einmal der Versuch unternommen werde, das einst vereinbarte Tribunal gegen russische Kriegsverbrecher vorzubereiten.\u00a0\n<\/p>\n<p>Und obwohl die Ukraine dank EU-finanzierter Waffenk\u00e4ufe weiter dringend ben\u00f6tigte Ausr\u00fcstung wie Flugabwehrraketen aus den USA erhalte, sei die Vorsicht bei der milit\u00e4rischen Unterst\u00fctzung doch f\u00fcr Europa selbst von Nachteil: &#8222;W\u00e4re es nicht billiger und einfacher, Russland von den Komponenten abzuschneiden, die es f\u00fcr die Raketenproduktion braucht, oder sogar <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-07\/drohnenfabrik-russland-alabuga-satellitenbilder-militaer\" rel=\"nofollow\">die Fabriken zu zerst\u00f6ren, die sie herstellen<\/a>?&#8220; Auch an der Weigerung der Europ\u00e4er, Russlands Staatsverm\u00f6gen zu beschlagnahmen \u2013 der erste ernsthafte Versuch <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-12\/ukraine-krieg-eu-finanzierung-2026-2027\" rel=\"nofollow\">war im Dezember gescheitert<\/a> \u2013 arbeitete Selenskyj sich ab: Wie k\u00f6nne es sein, dass Putin \u00fcber das eingefrorene Verm\u00f6gen entscheide, &#8222;und nicht diejenigen, die die Macht besitzen, ihn f\u00fcr diesen Krieg zu bestrafen&#8220;?\u00a0\n<\/p>\n<p>Das Mittel, das Selenskyj nutzte, um dieses forsche Auftreten gegen\u00fcber seinen engsten Unterst\u00fctzern zu rechtfertigen, ist eine Umkehr der Zielsetzung: Nicht als Repr\u00e4sentant ukrainischer Interessen pr\u00e4sentierte er sich in Davos, sondern als Anwalt eines Europas, das es geben k\u00f6nnte (eine &#8222;globale Macht&#8220;, die mit St\u00e4rke f\u00fcr eine Welt eintrete, &#8222;in der Menschen z\u00e4hlen&#8220;), gegen\u00fcber dem Europa, das es faktisch gibt (&#8222;Ein Salat kleiner und mittlerer M\u00e4chte, gew\u00fcrzt mit den Feinden Europas&#8220;). Die von Selenskyj vorgeschlagenen Projekte wie eine gemeinsame europ\u00e4ische Armee \u2013 deren Kern die kampferfahrenen ukrainischen Streitkr\u00e4fte bilden k\u00f6nnten \u2013 klingen heute \u00e4hnlich unrealistisch wie die Vorstellung einer ukrainischen Flagge \u00fcber Mariupol.\u00a0\n<\/p>\n<p>Doch die Konsequenzen des europ\u00e4ischen Wartens auf den Einpeitscher-in-Chief aus den USA, gehe es nun um die Ukraine, den Iran oder Gr\u00f6nland, umriss der ukrainische Pr\u00e4sident durchaus realistisch. Russische \u00d6leinnahmen h\u00e4lfen demnach inzwischen nicht nur dabei, die Ukraine zu attackieren, sondern finanzierten auch <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2024-12\/russische-sabotage-europa-spionage-pipelines-hackerangriffe\" rel=\"nofollow\">einen hybriden Krieg gegen weitere europ\u00e4ische L\u00e4nder<\/a>. Russische Oreschnik-Mittelstreckenraketen st\u00e4nden nun in Belarus &#8222;in Reichweite der meisten europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dte&#8220; \u2013 etwas, das nicht passiert w\u00e4re, wenn bei den Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko 2020 &#8222;das belarussische Volk gewonnen h\u00e4tte&#8220;. Die Botschaft f\u00fcr Diktatoren, ob in Belarus, Moskau oder Teheran, laute: &#8222;T\u00f6te genug Menschen, und du wirst an der Macht bleiben.&#8220; Die n\u00fcchterne Prognose: &#8222;Man kann keine neue Weltordnung auf Worten bauen.&#8220;\u00a0\n<\/p>\n<p>Warum richtet Selenskyj derart harte Worte an Regierungschefs, von denen derzeit das \u00dcberleben seines Landes abh\u00e4ngt? Eine m\u00f6gliche Antwort besteht im Widerspruch zu ebendieser Annahme. Denn es sind die USA, die seit Amtsantritt <span><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/donald-trump\" rel=\"nofollow\">Trumps<\/a><\/span> federf\u00fchrend \u00fcber das Schicksal der Ukraine entscheiden. M\u00f6gen sich Keir Starmer, Emmanuel Macron oder Friedrich Merz noch so glaubw\u00fcrdig um eine souver\u00e4ne Ukraine bem\u00fchen: Das Bem\u00fchen der Koalition der Willigen tr\u00e4gt nur Fr\u00fcchte, solange es vom unwilligen US-Pr\u00e4sidenten mitgetragen wird. Das hei\u00dft: nicht besonders oft. Schlie\u00dflich hat Europa zwar die Finanzierung der Waffenlieferungen \u00fcbernommen, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-11\/ukraine-lage-usa-friedensplan-russland-europa-verhandlungen-woche\" rel=\"nofollow\">das Aushandeln der Friedensbedingungen jedoch Trump \u00fcbertragen<\/a>\u00a0(um sein Vorgehen dann wohlfeil zu kritisieren). Ausgerechnet Belgiens Regierungschef Bart De Wever, einer der Mitverantwortlichen f\u00fcr das Scheitern einer Konfiskation von Putins eingefrorenem Verm\u00f6gen, <a href=\"https:\/\/www.realclearpolitics.com\/video\/2026\/01\/20\/belgian_pm_de_wever_we_dont_have_a_big_stick_we_can_only_speak_softly.html\" rel=\"nofollow\">brachte das wenige Tage zuvor auf den Punkt<\/a>: Es sei &#8222;keine gute Idee&#8220; f\u00fcr Europa, mit Putin zu verhandeln, sagte er in Davos. &#8222;Wie die Amerikaner sagen: Wenn du sprechen willst, sprich sanft, aber halte dabei einen gro\u00dfen Stock. Wir haben keinen gro\u00dfen Stock. Wir k\u00f6nnen nur sanft sprechen, und das ist momentan unser Problem.&#8220;\u00a0\n<\/p>\n<p>Um De Wever minimal zu korrigieren: Aktuell ist es vor allem das Problem der Ukraine. Doch Selenskyj ist bei Weitem nicht der einzige europ\u00e4ische Staatschef, der darin nur die Vorstufe zu ganz neuen Bedrohungen sieht. Wenige Stunden vor ihm hatte <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-01\/davos-friedrich-merz-usa-groenland-mercosur-gxe\" rel=\"nofollow\">Friedrich Merz in Davos vor einer &#8222;\u00c4ra der Gro\u00dfm\u00e4chte&#8220; gewarnt<\/a>, in der es &#8222;gef\u00e4hrlich&#8220; zugehe und nichts z\u00e4hle als Macht \u2013 eine neue Realit\u00e4t, die man &#8222;mit klarem Realismus&#8220; anerkennen m\u00fcsse. Merz&#8216; L\u00f6sung daf\u00fcr? Ein Appell, man m\u00f6ge das transatlantische B\u00fcndnis &#8222;nicht voreilig abschreiben&#8220;. Eine klare politische Position mag das sein; eine Antwort auf ein Amerika, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-01\/donald-trump-groenland-usa-nato-davos\" rel=\"nofollow\">das dieses B\u00fcndnis seinerseits bereits so gut wie abgeschrieben hat<\/a>, eher weniger.\u00a0\n<\/p>\n<p>Zu Selenskyjs Vorw\u00fcrfen haben seit dem Donnerstagnachmittag in Davos nur wenige Adressaten Stellung bezogen. Unter ihnen jemand, den der ukrainische Pr\u00e4sident in seiner Rede namentlich erw\u00e4hnte: Ungarns Regierungschef Viktor Orb\u00e1n, dem Selenskyj vorwarf, von europ\u00e4ischem Geld zu leben und &#8222;Europas Interessen zu verkaufen&#8220;. Als &#8222;Mann in verzweifelter Position&#8220; <a href=\"https:\/\/x.com\/PM_ViktorOrban\/status\/2014365856529055847\" rel=\"nofollow\">bezeichnete er Selenskyj auf X<\/a>, der seinen Partnern gegen\u00fcber undankbar auftrete und &#8222;trotz jedweder m\u00f6glichen Unterst\u00fctzung&#8220; daran scheitere, den Krieg zu beenden.\u00a0\n<\/p>\n<p>Dieser Haltung muss man sich nicht anschlie\u00dfen und kann sie trotzdem ernst nehmen. Denn Europa braucht Selenskyj nicht als jenen Wegweiser zu sehen, den er in Davos zu verk\u00f6rpern versucht hat. Sondern als jemanden, der aus eigener Erfahrung spricht. Schlie\u00dflich war es Selenskyj selbst, der 2019 mit dem naiven Versprechen, Putin werde schon auf Augenh\u00f6he mit ihm verhandeln, einen Friedenswahlkampf gewann. Selenskyj war es auch, der trotz Warnungen der USA und seiner eigenen Geheimdienste bis zum letzten Tag vor der russischen Invasion den Angriff auf sein Land nicht hat kommen sehen wollen und sein Volk in einer Lage zu Ruhe aufrief, in der gr\u00f6\u00dfte Sorge angemessen gewesen w\u00e4re.\u00a0\n<\/p>\n<p>Auch ist es Selenskyj gewesen, dessen PR-Apparat die Ukrainer 2023 auf einen Sieg einstimmte, obwohl sich das Zeitfenster daf\u00fcr bereits geschlossen hatte. Schlie\u00dflich war es Selenskyj, der im Herbst 2024 <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2024-10\/ukraine-lage-wolodymyr-selenskyj-siegesplan-nato-woche\" rel=\"nofollow\">einen &#8222;Siegesplan&#8220; pr\u00e4sentierte, welcher im Wesentlichen darauf hinauslief, den Krieg vom Westen gewinnen zu lassen<\/a>, und kaum Wege aufzeigte, wie die Ukraine sich aus eigener Kraft st\u00e4rken k\u00f6nnte. Sein Vorwurf an Europa \u2013 stets darauf warten, dass andere handeln und als Folge daraus den Entwicklungen hinterherrennen \u2013 ist nicht zuletzt eine Lehre aus eigenen Fehlern.\u00a0\n<\/p>\n<p>Diese Fehler kann man ihm, wie es Orb\u00e1n tut, kaltbl\u00fctig unter die Nase reiben. Oder man kann aus ihnen lernen \u2013 in einer Situation, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2026-01\/lars-klingbeil-bundesfinanzminister-transatlantische-beziehung\" rel=\"nofollow\">in der immerhin der deutsche Vizekanzler offen ausspricht,<\/a> dass das transatlantische Zeitalter vorbei ist und <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2026-01\/groenland-usa-donald-trump-nato-internationalismus\" rel=\"nofollow\">die Europ\u00e4er auf sich alleine gestellt sind<\/a>, eingeklemmt zwischen einem imperial denkenden Herausforderer im Osten und einem ebenso imperial denkenden Ex-Verb\u00fcndeten im Westen.\u00a0\n<\/p>\n<p>Selenskyjs Abrechnung mit Europa muss niemandem gefallen. Doch besser als ein Abgesang ist sie allemal.\n<\/p>\n<hr\/>\n<hr\/>\n<h2>Das Zitat: Nach dem h\u00e4rtesten Winter<\/h2>\n<p>Russlands <strong>Angriffe auf das ukrainische Stromnetz <\/strong>haben <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-01\/lage-kyjiw-drohnenangriffe-wasserversorgung-heizung-ausfall\" rel=\"nofollow\">die humanit\u00e4re Situation in der Ukraine in diesem Winter besonders stark verschlechtert<\/a>: Bis auf die Atomkraftwerke des Landes ist<strong> kein Kraftwerk nach Angaben aus Kyjiw von den Attacken verschont<\/strong> geblieben. Zugleich sind die Temperaturen in diesem Winter deutlich niedriger als in den bisherigen Kriegswintern. In <span><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/kiew\" rel=\"nofollow\">Kyjiw<\/a><\/span> harrten zuletzt eine Million Menschen bei nachts bis zu <strong>minus 20 Grad in Wohnungen ohne Strom und Heizung<\/strong> aus. 600.000 Einwohner der Hauptstadt <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/ukraine-krieg-news-liveblog#event_id=eoU9cAz3cDZHtkAVE9Bi\" rel=\"nofollow\">haben sie laut B\u00fcrgermeister Vitali Klitschko vor\u00fcbergehend verlassen<\/a>.\n<\/p>\n<p><strong>Erst ab April <\/strong>bleiben die Temperaturen in Kyjiw \u00fcblicherweise auch nachts stabil \u00fcber null. Die Ukraine hat also seit Beginn der russischen Bombenkampagne Anfang Oktober <strong>kaum mehr als die H\u00e4lfte des Winters durchgestanden<\/strong>. Die schwere humanit\u00e4re Lage tr\u00e4gt neben dem Druck an der Front zu einer <strong>starken Verhandlungsposition Russlands <\/strong>bei.\u00a0\n<\/p>\n<p>Zum Durchhalten rief die Ukraine zuletzt <strong>der ehemalige US-General Keith Kellogg <\/strong>auf, den Trump zu Beginn seiner Amtszeit zum Ukraine-Gesandten ernannt hatte. Mit Blick auf Schwierigkeiten in der russischen Wirtschaft und den hohen Verlusten von Putins Armee bewertete Kellogg die Lage bei einer Veranstaltung im schweizerischen Davos optimistisch: Ab dem Fr\u00fchjahr werde der Druck auf das Land deutlich abnehmen. An Teilnehmer aus der Ukraine gerichtet, sagte Kellogg:\n<\/p>\n<p>\n<\/p>\n<hr\/>\n<h2>Die wichtigste Meldung: Die Verhandlungen beginnen<\/h2>\n<p>Am heutigen Freitag <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-01\/ukraine-verhandlungen-russland-usa-krieg\" rel=\"nofollow\">haben in den Vereinigten Arabischen Emiraten<\/a><strong><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-01\/ukraine-verhandlungen-russland-usa-krieg\" rel=\"nofollow\"> trilaterale Friedensgespr\u00e4che<\/a> zwischen den USA, der Ukraine und Russland begonnen<\/strong>. Es sind die <strong>ersten Verhandlungen in diesem Format<\/strong> seit Kriegsbeginn: Bisher sprachen Russland und die Ukraine jeweils nur separat mit den USA \u2013 oder, im Mai 2025, miteinander in Istanbul. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-05\/ukraine-lage-verhandlungen-russland-istanbul-woche\" rel=\"nofollow\">Wobei es dort weniger um ein Kriegsende ging<\/a>, sondern darum, Trumps Forderung nach Verhandlungen zu erf\u00fcllen und seinen Zorn auf die jeweils gegnerische Kriegspartei zu richten.\u00a0\n<\/p>\n<p>Diesmal soll es anders kommen. Daf\u00fcr spricht unter anderem die <strong>Besetzung der russischen Delegation<\/strong>: Nicht Wladimir Medinski, Putins Kulturbeauftragter und Schulbuchautor, f\u00fchrt sie diesmal im Namen Russlands, sondern Igor Kostjukow, Chef des russischen Milit\u00e4rgeheimdienstes GRU. Damit entsendet Putin erstmals einen Vertreter zu Gespr\u00e4chen, der <strong>auf Augenh\u00f6he mit der ukrainischen Delegation<\/strong> ist. Ihr geh\u00f6rt der ehemalige ukrainische Geheimdienstchef und neue Stabschef Selenskyjs, Kyrylo Budanow, an. Dieser hatte noch am Mittwoch nach Gespr\u00e4chen mit den US-Verhandlern <a href=\"https:\/\/x.com\/Kyrylo_Budanov\/status\/2013938637872791927\" rel=\"nofollow\">bekundet, er sei &#8222;vorsichtig optimistisch&#8220;<\/a>.\n<\/p>\n<p>Der Weg zu den Gespr\u00e4chen war lang: Das gesamte vergangene Jahr \u00fcber zog sich ein Streit zwischen den USA und der Ukraine \u00fcber die jeweiligen Vorstellungen eines Kriegsendes hin. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-12\/ukraine-krieg-verhandlungen-friedensplan-wolodymyr-selenskyj-donald-trump-gxe\" rel=\"nofollow\">Selenskyj hatte kurz vor dem Jahreswechsel angek\u00fcndigt<\/a>, er wolle erst in Verhandlungen mit Russland gehen, wenn es einen <strong>gemeinsamen Friedensplan seines Landes und der USA <\/strong>gebe. Dieser wurde bisher nicht ver\u00f6ffentlicht. Allerdings sagte Selenskyj am Donnerstag in Davos, das Thema der f\u00fcr die Ukraine besonders wichtigen US-Sicherheitszusagen sei &#8222;erledigt&#8220;. Auch<strong> Trumps Verhandler Steve Witkoff<\/strong>, der Putin pers\u00f6nlich in der Nacht zum Freitag in Moskau \u00fcber den Stand der US-Ukraine-Vereinbarung informierte, sagte zuvor, alle offenen Punkte bis auf einen seien gekl\u00e4rt.\u00a0\n<\/p>\n<p>Die von Witkoff nicht genannte offene Frage d\u00fcrfte sich angesichts der mutma\u00dflichen Einigung \u00fcber Sicherheitsgarantien auf die <strong>Territorialfrage<\/strong> beziehen. Auch Selenskyj best\u00e4tigte vor Beginn der Gespr\u00e4che, dass sie in deren Zentrum stehen werde. Russland stellte seinerseits klar, dass es weiterhin auf einem\u00a0<strong>Abzug der Ukraine aus der Region Donezk<\/strong> bestehe.\u00a0\n<\/p>\n<p>Das hatte Selenskyj zwar immer wieder ausgeschlossen \u2013 allerdings in einer Situation, in der es keine Einigung auf die US-Sicherheitszusagen gab und die Stabilit\u00e4t eines k\u00fcnftigen Waffenstillstands unter noch gr\u00f6\u00dferem Fragezeichen stand, als sie es nach wie vor tut. Zudem hatte sich Russland offen daf\u00fcr gezeigt, bei einem Abzug aus Donezk auf seine <strong>Forderungen in den Nachbarregionen Saporischschja und Cherson zu verzichten.<\/strong>\u00a0\n<\/p>\n<p>Auch dort hatte Putin gro\u00dfe, von der Ukraine kontrollierte Gebiete inklusive der jeweiligen Regionalhauptst\u00e4dte annektieren lassen. Lange wirkte die Forderung angesichts der Stabilit\u00e4t an der Front in Cherson und Saporischschja illusorisch. Doch<strong> russische Eroberungen in Saporischschja<\/strong>, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-11\/ukraine-lage-pokrowsk-front-saporischschja-vormarsch-woche\" rel=\"nofollow\">darunter der Vorsto\u00df in die Stadt Huljajpole<\/a>, drohen schon seit vergangenem Sp\u00e4therbst, die <strong>Lage an der S\u00fcdfront zu ver\u00e4ndern<\/strong>. Anfang Januar befahl Putin seinen Gener\u00e4len vor laufenden Kameras, die Offensive in Saporischschja zu beschleunigen. Die langfristige Perspektive schwerer K\u00e4mpfe an zwei Fronten setzt die Ukraine damit unter Druck,<strong> mehr Zugest\u00e4ndnisse an Russland zu machen.\u00a0<\/strong>\n<\/p>\n<p>\n<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urspr\u00fcnglich wollte Wolodymyr Selenskyj dieses Mal in Kyjiw bleiben. Nur wenn es &#8222;substanzielle&#8220; Vereinbarungen mit den USA zu schlie\u00dfen gebe, werde er zum Weltwirtschaftsforum nach Davos kommen, hatte der ukrainische Pr\u00e4sident vorab mitgeteilt. 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