{"id":309066,"date":"2025-12-18T15:28:30","date_gmt":"2025-12-18T12:28:30","guid":{"rendered":"https:\/\/vof-news.eu\/die-russischen-milliarden-entscheiden-den-kriegsverlauf\/"},"modified":"2025-12-18T15:29:25","modified_gmt":"2025-12-18T12:29:25","slug":"die-russischen-milliarden-entscheiden-den-kriegsverlauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/die-russischen-milliarden-entscheiden-den-kriegsverlauf\/","title":{"rendered":"Die russischen Milliarden entscheiden den Kriegsverlauf"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Geld ist genug da, so viel steht fest. Seit drei Jahren lagern bei europ\u00e4ischen Finanzinstituten insgesamt 210 Milliarden Euro auf eingefrorenen Konten, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2024-01\/russische-waehrungsreserven-eingefroren-ukraine-europa\" rel=\"nofollow\">die eigentlich der russischen Zentralbank geh\u00f6ren<\/a>. Und ebenso alt ist auch die Debatte darum, was mit diesem Geld geschehen soll. Nun soll die <span><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/europaeische-union\" rel=\"nofollow\">EU<\/a><\/span> auf dem Gipfel in Br\u00fcssel dar\u00fcber entscheiden. Dabei lastet auf allen Beteiligten enormer Druck.\n<\/p>\n<p>Aus Sicht der angegriffenen <span><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/ukraine-krieg-news-liveblog\" rel=\"nofollow\">Ukraine<\/a><\/span> und ihres Pr\u00e4sidenten Wolodymyr Selenskyj ist die Lage klar: Das Geld soll seinem Land zugutekommen. Es wird ben\u00f6tigt, um Waffen zu kaufen und das kriegsbedingte Haushaltsdefizit zu decken.\u00a0Am Tag der Entscheidung wird Selenskyj pers\u00f6nlich in Br\u00fcssel erwartet.\u00a0\n<\/p>\n<p>Mit\u00a0Selenskyj\u00a0einer Meinung ist Bundeskanzler Friedrich Merz. Am Montag hatte er in einer emotionalen Rede auf dem deutsch-ukrainischen Wirtschaftsforum einen Appell formuliert: Einige sich die EU am Donnerstag nicht im Sinne der Ukraine, dann sei die Handlungsf\u00e4higkeit Europas &#8222;auf Jahre hinaus massiv besch\u00e4digt&#8220;.\u00a0\n<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite stehen die Skeptiker, darunter die Regierungen von Italien, Ungarn, der Slowakei und Belgiens.\u00a0Denn etwa 180 von insgesamt 210 Milliarden Euro aus russischen Reserven lagern beim Finanzdienstleister Euroclear in der belgischen Hauptstadt Br\u00fcssel. Und nicht nur das Management des Unternehmens, sondern vor allem der belgische Premier Bart De Wever wollen, dass das Geld dort bleibt. De Wever f\u00fcrchtet, die Milliarden irgendwann doch noch an <span><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/russland\" rel=\"nofollow\">Russland<\/a><\/span> zur\u00fcckzahlen zu m\u00fcssen. Etwa in dem Fall, dass Russland gerichtlich eine R\u00fcckzahlung erzwingen k\u00f6nnte. Im Hintergrund <a href=\"https:\/\/www.politico.eu\/article\/eu-belgium-donald-trump-vladimir-putin-russia-war-ukraine-friedrich-merz\/\" rel=\"nofollow\">verlangt auch die US-Regierung<\/a>, das Geld zun\u00e4chst unangetastet zu lassen. Angeblich, um die laufenden Gespr\u00e4che mit Russland nicht zu gef\u00e4hrden.\u00a0\n<\/p>\n<p>Noch am Montag klangen deutsche Regierungsbeamte optimistisch, dass der Widerstand der Skeptiker gebrochen werden kann. Zu viel stehe f\u00fcr die Ukraine auf dem Spiel. Doch je n\u00e4her der <span><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/eu-gipfel\" rel=\"nofollow\">EU-Gipfel<\/a><\/span> r\u00fcckte, desto mehr Zweifel kamen auf. Nur noch von einer 50-50-Chance sprach Kanzler Merz bereits zur Mitte der Woche.\u00a0\n<\/p>\n<p>Dabei geht es um viel: Die Entscheidung k\u00f6nnte den weiteren Verlauf des Krieges in der Ukraine ma\u00dfgeblich beeinflussen.\n<\/p>\n<p><!-- Generated by figma2vivi --><\/p>\n<p><!-- End of figma2vivi --><\/p>\n<p>Aus ukrainischer Sicht ist die Lage dramatisch: &#8222;F\u00fcr das Land geht es schlichtweg um die Frage, ob es sich weiter verteidigen kann&#8220;, sagt Benjamin Hilgenstock, Direktor des Zentrums f\u00fcr Geo\u00f6konomie an der Kyiv School of Economics. &#8222;Weil der Krieg nun l\u00e4nger dauert, als ohnehin bef\u00fcrchtet, sind die bisherigen Unterst\u00fctzungsmechanismen der EU und des Internationalen W\u00e4hrungsfonds beinahe ausgesch\u00f6pft.&#8220;\u00a0\n<\/p>\n<h2>Ukrainische Steuern gehen in die Landesverteidigung<\/h2>\n<p>Ein Blick in die ukrainische Finanzplanung macht das Ausma\u00df des Problems deutlich. Im November hatte die Kyjiwer Regierung den Haushaltsplan f\u00fcr 2026 vorgelegt. Fast die gesamten Steuereinnahmen des Landes, umgerechnet etwa 58 Milliarden Euro, sind dabei f\u00fcr die Landesverteidigung vorgesehen. Das entspricht etwa 27 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes.\n<\/p>\n<p>Damit aber die Beh\u00f6rden weiterarbeiten, Schulen und Krankenh\u00e4user ge\u00f6ffnet bleiben, braucht die Ukraine 2026 dar\u00fcber hinaus noch mindestens 38 Milliarden Euro an Zusch\u00fcssen von au\u00dfen. &#8222;Die letzten bisher zugesagten Mittel aus den bereits existierenden Hilfsprogrammen, rund 20 Milliarden Euro, decken die Ausgaben nur bis ins zweite Quartal 2026 hinein&#8220;, sagt Wirtschaftsexperte Hilgenstock. \u00dcbrig bleibt ein ungedecktes Defizit von etwa 18 Milliarden Euro.\n<\/p>\n<p>Doch das ist nur ein Teil des Problems. Neben Finanzhilfen hat das Ausland der Ukraine seit 2022 j\u00e4hrlich Waffen im Wert von durchschnittlich etwa 42 Milliarden Euro finanziert \u2013 als Unterst\u00fctzung, die sie bislang nicht zur\u00fcckzahlen muss. So ist diese Summe in den Haushaltsausgaben bislang auch nicht ber\u00fccksichtigt.\n<\/p>\n<p>F\u00fcr das kommende Jahr beziffert die ukrainische Regierung den Bedarf auf rund 50 Milliarden. Ein Beispiel f\u00fcr solche Lieferungen sind etwa Luftabwehrraketen, die europ\u00e4ische Staaten f\u00fcr die Ukraine bei US-Herstellern bestellen. Ein weiteres Beispiel sind deutsche Investitionen in die Produktion von Langstreckendrohnen in der Ukraine.\n<\/p>\n<p>Doch auch diese Unterst\u00fctzung geht zur\u00fcck. &#8222;Der Ukraine droht ein Jahr mit so geringen neuen Hilfszuweisungen wie noch nie seit Kriegsausbruch 2022&#8220;, <a href=\"https:\/\/www.kielinstitut.de\/topics\/war-against-ukraine\/ukraine-support-tracker\/\" rel=\"nofollow\">hei\u00dft es etwa in der neuesten Analyse<\/a> des Kiel Instituts f\u00fcr Weltwirtschaft zu den Hilfslieferungen. In den ersten zehn Monaten 2025 summierten sich die von den Unterst\u00fctzerstaaten zugesagten Waffenlieferungen auf nur 32,5 Milliarden Euro. Das meiste davon floss bereits im ersten Halbjahr. Im September und Oktober wurden jeweils nur f\u00fcr 2,1 Milliarden Euro Lieferungen zugesagt. Alles deutet darauf hin, dass die Ukraine im kommenden Jahr deutlich weniger Waffen bekommt und deshalb mehr Geld f\u00fcr Waffenk\u00e4ufe ben\u00f6tigt.\n<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geld ist genug da, so viel steht fest. Seit drei Jahren lagern bei europ\u00e4ischen Finanzinstituten insgesamt 210 Milliarden Euro auf eingefrorenen Konten, die eigentlich der russischen Zentralbank geh\u00f6ren. Und ebenso alt ist auch die Debatte darum, was mit diesem Geld geschehen soll. Nun soll die EU auf dem Gipfel in Br\u00fcssel dar\u00fcber entscheiden. 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