{"id":278559,"date":"2025-09-24T13:27:11","date_gmt":"2025-09-24T10:27:11","guid":{"rendered":"https:\/\/vof-news.eu\/wir-werden-bis-2030-keine-15-millionen-elektroautos-und-6-millionen-warmepumpen-sehen\/"},"modified":"2025-09-24T13:27:30","modified_gmt":"2025-09-24T10:27:30","slug":"wir-werden-bis-2030-keine-15-millionen-elektroautos-und-6-millionen-warmepumpen-sehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wir-werden-bis-2030-keine-15-millionen-elektroautos-und-6-millionen-warmepumpen-sehen\/","title":{"rendered":"\u201eWir werden bis 2030 keine 15 Millionen Elektroautos und 6 Millionen W\u00e4rmepumpen sehen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Als Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) spricht Ingbert Liebing f\u00fcr mehr als 1600 Firmen, darunter rund 800 Stadtwerke und Versorger, die die Energiewende vor Ort umsetzen. Die Kritik an den energiepolitischen Pl\u00e4nen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) h\u00e4lt er f\u00fcr wenig begr\u00fcndet. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Herr Liebing, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche wird daf\u00fcr kritisiert, den deutschen Strombedarf f\u00fcr 2030 rund 20 Prozent niedriger zu sch\u00e4tzen als es die Ampelregierung tat. Es hei\u00dft, sie zeige damit, dass sie nicht wirklich an die konjunkturelle Erholung in Deutschland glaubt. Ist die Kritik berechtigt?<\/p>\n<p><b>Ingbert Liebing:<\/b> Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit. Und nichts anderes haben die Gutachter und  Katherina Reiche getan. Deutschlands Stromverbrauch ist in den letzten Jahren stetig gesunken. Die Ampelkoalition hatte die Prognose des Strombedarfs f\u00fcr 2030 sogar noch hochgesetzt, doch passiert ist das Gegenteil: Der Stromverbrauch ist in den letzten drei Jahren weiter gesunken, auf aktuell nur noch 518 Terawattstunden. Das ist die Realit\u00e4t. Und es ist der Auftrag der Bundeswirtschaftsministerin, die Energiewende auf eine realistische Grundlage zu stellen und daf\u00fcr zu sorgen, dass die Energiewende bezahlbar bleibt. Insofern kann ich die Kritik nicht nachvollziehen.<\/p>\n<p><b>WELT<\/b>: Es hei\u00dft, Wirtschaft sei zu 50 Prozent Psychologie. Und mit ihrer pessimistischen Prognose zum Energiebedarf verbreite Reiche nur schlechte Stimmung unter potenziellen Investoren. <\/p>\n<p><b>Liebing:<\/b> Investoren richten sich doch nicht nach Fantasiezahlen. Deshalb geh\u00f6rt es f\u00fcr mich zur Psychologie dazu, mehr Realismus einkehren zu lassen. Viele Ziele der Ampelkoalition, die zu mehr Stromverbrauch h\u00e4tten f\u00fchren k\u00f6nnen, sind, wie wir heute wissen, nicht mehr erreichbar. Wir werden bis 2030 keine 15 Millionen Elektroautos auf den Stra\u00dfen sehen, keine 6 Millionen W\u00e4rmepumpen in den Geb\u00e4uden und keine Elektrolyseure mit 10.000 Megawatt. Kein einziges dieser politischen Ziele ist auf dem Zielpfad. Und trotzdem fordern die Kritiker von Katherina Reiche, dass wir weiter machen sollen wie bisher. Das w\u00e4re kein sinnvoller Einsatz von knappen Ressourcen und Steuergeldern. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> In ihrem letzten Bericht zur Versorgungssicherheit nahm allerdings auch die Bundesnetzagentur einen hohen Strombedarf von 750 Terawattstunden zum Ende des Jahrzehnts an. <\/p>\n<p><b>Liebing<\/b>: Weil sie da noch davon ausging, dass das politische Ziel von 15 Millionen Elektroautos auch erreicht wird. Es sind heute kaum 1,5 Millionen E-Autos auf der Stra\u00dfe. Der Strombedarf wird nicht politisch entschieden und nicht danach, was psychologisch w\u00fcnschenswert ist. Wenn Katherina Reiche jetzt von einem Strombedarf von \u00fcber 600 Terawattstunden ausgeht, ist das immer noch eine Steigerung von fast 20 Prozent in nur f\u00fcnf Jahren. Schon das muss erst einmal vor Ort umgesetzt werden. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> K\u00f6nnen wir uns denn teuren Netzausbau sparen, wenn wir von einem niedrigeren Stromverbrauch ausgehen?<\/p>\n<p><b>Liebing:<\/b> Bei den Verteilnetzen l\u00e4sst sich kurzfristig dadurch wenig sparen. Unsere Stadtwerke wissen, dass sie in den n\u00e4chsten Jahren die Netzkapazit\u00e4ten verdoppeln m\u00fcssen. Schon das ist ein gewaltiger Brocken. Aber danach geht es weiter. Perspektivisch sprechen wir von einer Verdrei- oder Vervierfachung der Kapazit\u00e4ten. Wenn wir das in k\u00fcrzester Zeit bauen m\u00fcssten, weil wir von einer unrealistisch hohen Stromnachfrage ausgehen, treibt das ohne Grund die Preise in die H\u00f6he. Je schneller ich bauen muss, desto teurer wird es, weil das Angebot am Markt nicht gr\u00f6\u00dfer wird und die Nachfrage steigt. Wir haben doch heute schon Probleme, bestimmte Komponenten auf dem Markt \u00fcberhaupt zu bekommen. Deshalb ist eine realistische Verbrauchsprognose f\u00fcr die Kosteneffizienz so wichtig.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Die Kritiker sagen auch, dass die Wirtschaftsministerin aus dem an sich untadeligen Monitoringbericht zum Stand der Energiewende einfach die falschen Schl\u00fcsse gezogen habe: So schlecht wie Katherina Reiche suggeriere, h\u00e4tten die Gutachter die Energiewende gar nicht beschrieben. <\/p>\n<p><b>Liebing:<\/b> Auch diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Die vom Wirtschaftsministerium beauftragten Gutachter haben vorliegende Studien zur Energiewende zusammengefasst und verglichen. Die Institute haben in ihrem Energiewende-Monitoring in sieben unterschiedlichen Bereichen insgesamt 28 Handlungsoptionen aufgezeigt, was man alles besser machen kann. Das ist doch kein Gutachten, das ein \u201eWeiter-so\u201c in der Energiepolitik empfiehlt. Eine deutliche Kurskorrektur der Energiewende in Richtung Wirtschaftlichkeit ist n\u00f6tiger denn je. Damit die Energiewende gelingt und bezahlbar bleibt, sollte das Ministerium nun z\u00fcgig erste Gesetzesentw\u00fcrfe vorlegen, damit die Diskussion konkret wird, Entscheidungen getroffen werden, Unternehmen Planungssicherheit bekommen und wir ins Handeln kommen. <\/p>\n<p><b><em>Dieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und \u201e<\/em><\/b><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.businessinsider.de\/\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/\"><b><em>Business Insider Deutschland<\/em><\/b><\/a><b><em>\u201c erstellt.<\/em><\/b><\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/daniel-wetzel\/\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/daniel-wetzel\/\"><b><em>Daniel Wetzel<\/em><\/b><\/a><b><em> ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet \u00fcber Energiewirtschaft und Klimapolitik. Er wurde 2007 vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit dem Robert-Mayer-Preis ausgezeichnet und vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universit\u00e4t K\u00f6ln 2009 mit dem Theodor-Wessels-Preis.<\/em><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) spricht Ingbert Liebing f\u00fcr mehr als 1600 Firmen, darunter rund 800 Stadtwerke und Versorger, die die Energiewende vor Ort umsetzen. Die Kritik an den energiepolitischen Pl\u00e4nen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) h\u00e4lt er f\u00fcr wenig begr\u00fcndet. 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Und trotzdem fordern die Kritiker von Katherina Reiche, dass wir weiter machen sollen wie bisher. Das w\u00e4re kein sinnvoller Einsatz von knappen Ressourcen und Steuergeldern. WELT: In ihrem letzten Bericht zur Versorgungssicherheit nahm allerdings auch die Bundesnetzagentur einen hohen Strombedarf von 750 Terawattstunden zum Ende des Jahrzehnts an. Liebing: Weil sie da noch davon ausging, dass das politische Ziel von 15 Millionen Elektroautos auch erreicht wird. Es sind heute kaum 1,5 Millionen E-Autos auf der Stra\u00dfe. Der Strombedarf wird nicht politisch entschieden und nicht danach, was psychologisch w\u00fcnschenswert ist. Wenn Katherina Reiche jetzt von einem Strombedarf von \u00fcber 600 Terawattstunden ausgeht, ist das immer noch eine Steigerung von fast 20 Prozent in nur f\u00fcnf Jahren. Schon das muss erst einmal vor Ort umgesetzt werden. WELT: K\u00f6nnen wir uns denn teuren Netzausbau sparen, wenn wir von einem niedrigeren Stromverbrauch ausgehen?Liebing: Bei den Verteilnetzen l\u00e4sst sich kurzfristig dadurch wenig sparen. Unsere Stadtwerke wissen, dass sie in den n\u00e4chsten Jahren die Netzkapazit\u00e4ten verdoppeln m\u00fcssen. Schon das ist ein gewaltiger Brocken. Aber danach geht es weiter. Perspektivisch sprechen wir von einer Verdrei- oder Vervierfachung der Kapazit\u00e4ten. Wenn wir das in k\u00fcrzester Zeit bauen m\u00fcssten, weil wir von einer unrealistisch hohen Stromnachfrage ausgehen, treibt das ohne Grund die Preise in die H\u00f6he. Je schneller ich bauen muss, desto teurer wird es, weil das Angebot am Markt nicht gr\u00f6\u00dfer wird und die Nachfrage steigt. Wir haben doch heute schon Probleme, bestimmte Komponenten auf dem Markt \u00fcberhaupt zu bekommen. Deshalb ist eine realistische Verbrauchsprognose f\u00fcr die Kosteneffizienz so wichtig.WELT: Die Kritiker sagen auch, dass die Wirtschaftsministerin aus dem an sich untadeligen Monitoringbericht zum Stand der Energiewende einfach die falschen Schl\u00fcsse gezogen habe: So schlecht wie Katherina Reiche suggeriere, h\u00e4tten die Gutachter die Energiewende gar nicht beschrieben. Liebing: Auch diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Die vom Wirtschaftsministerium beauftragten Gutachter haben vorliegende Studien zur Energiewende zusammengefasst und verglichen. Die Institute haben in ihrem Energiewende-Monitoring in sieben unterschiedlichen Bereichen insgesamt 28 Handlungsoptionen aufgezeigt, was man alles besser machen kann. Das ist doch kein Gutachten, das ein \u201eWeiter-so\u201c in der Energiepolitik empfiehlt. Eine deutliche Kurskorrektur der Energiewende in Richtung Wirtschaftlichkeit ist n\u00f6tiger denn je. Damit die Energiewende gelingt und bezahlbar bleibt, sollte das Ministerium nun z\u00fcgig erste Gesetzesentw\u00fcrfe vorlegen, damit die Diskussion konkret wird, Entscheidungen getroffen werden, Unternehmen Planungssicherheit bekommen und wir ins Handeln kommen. Dieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und \u201eBusiness Insider Deutschland\u201c erstellt.Daniel Wetzel ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet \u00fcber Energiewirtschaft und Klimapolitik. Er wurde 2007 vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit dem Robert-Mayer-Preis ausgezeichnet und vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universit\u00e4t K\u00f6ln 2009 mit dem Theodor-Wessels-Preis.\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"noindex, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"\u201eWir werden bis 2030 keine 15 Millionen Elektroautos und 6 Millionen W\u00e4rmepumpen sehen\u201c - vof-news.eu\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Als Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) spricht Ingbert Liebing f\u00fcr mehr als 1600 Firmen, darunter rund 800 Stadtwerke und Versorger, die die Energiewende vor Ort umsetzen. 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Und es ist der Auftrag der Bundeswirtschaftsministerin, die Energiewende auf eine realistische Grundlage zu stellen und daf\u00fcr zu sorgen, dass die Energiewende bezahlbar bleibt. Insofern kann ich die Kritik nicht nachvollziehen.WELT: Es hei\u00dft, Wirtschaft sei zu 50 Prozent Psychologie. Und mit ihrer pessimistischen Prognose zum Energiebedarf verbreite Reiche nur schlechte Stimmung unter potenziellen Investoren. Liebing: Investoren richten sich doch nicht nach Fantasiezahlen. Deshalb geh\u00f6rt es f\u00fcr mich zur Psychologie dazu, mehr Realismus einkehren zu lassen. Viele Ziele der Ampelkoalition, die zu mehr Stromverbrauch h\u00e4tten f\u00fchren k\u00f6nnen, sind, wie wir heute wissen, nicht mehr erreichbar. Wir werden bis 2030 keine 15 Millionen Elektroautos auf den Stra\u00dfen sehen, keine 6 Millionen W\u00e4rmepumpen in den Geb\u00e4uden und keine Elektrolyseure mit 10.000 Megawatt. Kein einziges dieser politischen Ziele ist auf dem Zielpfad. Und trotzdem fordern die Kritiker von Katherina Reiche, dass wir weiter machen sollen wie bisher. Das w\u00e4re kein sinnvoller Einsatz von knappen Ressourcen und Steuergeldern. WELT: In ihrem letzten Bericht zur Versorgungssicherheit nahm allerdings auch die Bundesnetzagentur einen hohen Strombedarf von 750 Terawattstunden zum Ende des Jahrzehnts an. Liebing: Weil sie da noch davon ausging, dass das politische Ziel von 15 Millionen Elektroautos auch erreicht wird. Es sind heute kaum 1,5 Millionen E-Autos auf der Stra\u00dfe. Der Strombedarf wird nicht politisch entschieden und nicht danach, was psychologisch w\u00fcnschenswert ist. Wenn Katherina Reiche jetzt von einem Strombedarf von \u00fcber 600 Terawattstunden ausgeht, ist das immer noch eine Steigerung von fast 20 Prozent in nur f\u00fcnf Jahren. Schon das muss erst einmal vor Ort umgesetzt werden. WELT: K\u00f6nnen wir uns denn teuren Netzausbau sparen, wenn wir von einem niedrigeren Stromverbrauch ausgehen?Liebing: Bei den Verteilnetzen l\u00e4sst sich kurzfristig dadurch wenig sparen. Unsere Stadtwerke wissen, dass sie in den n\u00e4chsten Jahren die Netzkapazit\u00e4ten verdoppeln m\u00fcssen. Schon das ist ein gewaltiger Brocken. Aber danach geht es weiter. Perspektivisch sprechen wir von einer Verdrei- oder Vervierfachung der Kapazit\u00e4ten. Wenn wir das in k\u00fcrzester Zeit bauen m\u00fcssten, weil wir von einer unrealistisch hohen Stromnachfrage ausgehen, treibt das ohne Grund die Preise in die H\u00f6he. Je schneller ich bauen muss, desto teurer wird es, weil das Angebot am Markt nicht gr\u00f6\u00dfer wird und die Nachfrage steigt. Wir haben doch heute schon Probleme, bestimmte Komponenten auf dem Markt \u00fcberhaupt zu bekommen. Deshalb ist eine realistische Verbrauchsprognose f\u00fcr die Kosteneffizienz so wichtig.WELT: Die Kritiker sagen auch, dass die Wirtschaftsministerin aus dem an sich untadeligen Monitoringbericht zum Stand der Energiewende einfach die falschen Schl\u00fcsse gezogen habe: So schlecht wie Katherina Reiche suggeriere, h\u00e4tten die Gutachter die Energiewende gar nicht beschrieben. Liebing: Auch diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Die vom Wirtschaftsministerium beauftragten Gutachter haben vorliegende Studien zur Energiewende zusammengefasst und verglichen. Die Institute haben in ihrem Energiewende-Monitoring in sieben unterschiedlichen Bereichen insgesamt 28 Handlungsoptionen aufgezeigt, was man alles besser machen kann. Das ist doch kein Gutachten, das ein \u201eWeiter-so\u201c in der Energiepolitik empfiehlt. Eine deutliche Kurskorrektur der Energiewende in Richtung Wirtschaftlichkeit ist n\u00f6tiger denn je. Damit die Energiewende gelingt und bezahlbar bleibt, sollte das Ministerium nun z\u00fcgig erste Gesetzesentw\u00fcrfe vorlegen, damit die Diskussion konkret wird, Entscheidungen getroffen werden, Unternehmen Planungssicherheit bekommen und wir ins Handeln kommen. Dieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und \u201eBusiness Insider Deutschland\u201c erstellt.Daniel Wetzel ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet \u00fcber Energiewirtschaft und Klimapolitik. 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Und es ist der Auftrag der Bundeswirtschaftsministerin, die Energiewende auf eine realistische Grundlage zu stellen und daf\u00fcr zu sorgen, dass die Energiewende bezahlbar bleibt. Insofern kann ich die Kritik nicht nachvollziehen.WELT: Es hei\u00dft, Wirtschaft sei zu 50 Prozent Psychologie. Und mit ihrer pessimistischen Prognose zum Energiebedarf verbreite Reiche nur schlechte Stimmung unter potenziellen Investoren. Liebing: Investoren richten sich doch nicht nach Fantasiezahlen. Deshalb geh\u00f6rt es f\u00fcr mich zur Psychologie dazu, mehr Realismus einkehren zu lassen. Viele Ziele der Ampelkoalition, die zu mehr Stromverbrauch h\u00e4tten f\u00fchren k\u00f6nnen, sind, wie wir heute wissen, nicht mehr erreichbar. Wir werden bis 2030 keine 15 Millionen Elektroautos auf den Stra\u00dfen sehen, keine 6 Millionen W\u00e4rmepumpen in den Geb\u00e4uden und keine Elektrolyseure mit 10.000 Megawatt. Kein einziges dieser politischen Ziele ist auf dem Zielpfad. Und trotzdem fordern die Kritiker von Katherina Reiche, dass wir weiter machen sollen wie bisher. Das w\u00e4re kein sinnvoller Einsatz von knappen Ressourcen und Steuergeldern. WELT: In ihrem letzten Bericht zur Versorgungssicherheit nahm allerdings auch die Bundesnetzagentur einen hohen Strombedarf von 750 Terawattstunden zum Ende des Jahrzehnts an. Liebing: Weil sie da noch davon ausging, dass das politische Ziel von 15 Millionen Elektroautos auch erreicht wird. Es sind heute kaum 1,5 Millionen E-Autos auf der Stra\u00dfe. Der Strombedarf wird nicht politisch entschieden und nicht danach, was psychologisch w\u00fcnschenswert ist. Wenn Katherina Reiche jetzt von einem Strombedarf von \u00fcber 600 Terawattstunden ausgeht, ist das immer noch eine Steigerung von fast 20 Prozent in nur f\u00fcnf Jahren. Schon das muss erst einmal vor Ort umgesetzt werden. WELT: K\u00f6nnen wir uns denn teuren Netzausbau sparen, wenn wir von einem niedrigeren Stromverbrauch ausgehen?Liebing: Bei den Verteilnetzen l\u00e4sst sich kurzfristig dadurch wenig sparen. Unsere Stadtwerke wissen, dass sie in den n\u00e4chsten Jahren die Netzkapazit\u00e4ten verdoppeln m\u00fcssen. Schon das ist ein gewaltiger Brocken. Aber danach geht es weiter. Perspektivisch sprechen wir von einer Verdrei- oder Vervierfachung der Kapazit\u00e4ten. Wenn wir das in k\u00fcrzester Zeit bauen m\u00fcssten, weil wir von einer unrealistisch hohen Stromnachfrage ausgehen, treibt das ohne Grund die Preise in die H\u00f6he. Je schneller ich bauen muss, desto teurer wird es, weil das Angebot am Markt nicht gr\u00f6\u00dfer wird und die Nachfrage steigt. Wir haben doch heute schon Probleme, bestimmte Komponenten auf dem Markt \u00fcberhaupt zu bekommen. Deshalb ist eine realistische Verbrauchsprognose f\u00fcr die Kosteneffizienz so wichtig.WELT: Die Kritiker sagen auch, dass die Wirtschaftsministerin aus dem an sich untadeligen Monitoringbericht zum Stand der Energiewende einfach die falschen Schl\u00fcsse gezogen habe: So schlecht wie Katherina Reiche suggeriere, h\u00e4tten die Gutachter die Energiewende gar nicht beschrieben. Liebing: Auch diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Die vom Wirtschaftsministerium beauftragten Gutachter haben vorliegende Studien zur Energiewende zusammengefasst und verglichen. Die Institute haben in ihrem Energiewende-Monitoring in sieben unterschiedlichen Bereichen insgesamt 28 Handlungsoptionen aufgezeigt, was man alles besser machen kann. Das ist doch kein Gutachten, das ein \u201eWeiter-so\u201c in der Energiepolitik empfiehlt. Eine deutliche Kurskorrektur der Energiewende in Richtung Wirtschaftlichkeit ist n\u00f6tiger denn je. Damit die Energiewende gelingt und bezahlbar bleibt, sollte das Ministerium nun z\u00fcgig erste Gesetzesentw\u00fcrfe vorlegen, damit die Diskussion konkret wird, Entscheidungen getroffen werden, Unternehmen Planungssicherheit bekommen und wir ins Handeln kommen. Dieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und \u201eBusiness Insider Deutschland\u201c erstellt.Daniel Wetzel ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet \u00fcber Energiewirtschaft und Klimapolitik. 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Die Kritik an den energiepolitischen Pl\u00e4nen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) h\u00e4lt er f\u00fcr wenig begr\u00fcndet. WELT: Herr Liebing, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche wird daf\u00fcr kritisiert, den deutschen Strombedarf f\u00fcr 2030 rund 20 Prozent niedriger zu sch\u00e4tzen als es die Ampelregierung tat. Es hei\u00dft, sie zeige damit, dass sie nicht wirklich an die konjunkturelle Erholung in Deutschland glaubt. Ist die Kritik berechtigt?Ingbert Liebing: Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit. Und nichts anderes haben die Gutachter und Katherina Reiche getan. Deutschlands Stromverbrauch ist in den letzten Jahren stetig gesunken. Die Ampelkoalition hatte die Prognose des Strombedarfs f\u00fcr 2030 sogar noch hochgesetzt, doch passiert ist das Gegenteil: Der Stromverbrauch ist in den letzten drei Jahren weiter gesunken, auf aktuell nur noch 518 Terawattstunden. Das ist die Realit\u00e4t. Und es ist der Auftrag der Bundeswirtschaftsministerin, die Energiewende auf eine realistische Grundlage zu stellen und daf\u00fcr zu sorgen, dass die Energiewende bezahlbar bleibt. Insofern kann ich die Kritik nicht nachvollziehen.WELT: Es hei\u00dft, Wirtschaft sei zu 50 Prozent Psychologie. Und mit ihrer pessimistischen Prognose zum Energiebedarf verbreite Reiche nur schlechte Stimmung unter potenziellen Investoren. Liebing: Investoren richten sich doch nicht nach Fantasiezahlen. Deshalb geh\u00f6rt es f\u00fcr mich zur Psychologie dazu, mehr Realismus einkehren zu lassen. Viele Ziele der Ampelkoalition, die zu mehr Stromverbrauch h\u00e4tten f\u00fchren k\u00f6nnen, sind, wie wir heute wissen, nicht mehr erreichbar. Wir werden bis 2030 keine 15 Millionen Elektroautos auf den Stra\u00dfen sehen, keine 6 Millionen W\u00e4rmepumpen in den Geb\u00e4uden und keine Elektrolyseure mit 10.000 Megawatt. Kein einziges dieser politischen Ziele ist auf dem Zielpfad. Und trotzdem fordern die Kritiker von Katherina Reiche, dass wir weiter machen sollen wie bisher. Das w\u00e4re kein sinnvoller Einsatz von knappen Ressourcen und Steuergeldern. WELT: In ihrem letzten Bericht zur Versorgungssicherheit nahm allerdings auch die Bundesnetzagentur einen hohen Strombedarf von 750 Terawattstunden zum Ende des Jahrzehnts an. Liebing: Weil sie da noch davon ausging, dass das politische Ziel von 15 Millionen Elektroautos auch erreicht wird. Es sind heute kaum 1,5 Millionen E-Autos auf der Stra\u00dfe. Der Strombedarf wird nicht politisch entschieden und nicht danach, was psychologisch w\u00fcnschenswert ist. Wenn Katherina Reiche jetzt von einem Strombedarf von \u00fcber 600 Terawattstunden ausgeht, ist das immer noch eine Steigerung von fast 20 Prozent in nur f\u00fcnf Jahren. Schon das muss erst einmal vor Ort umgesetzt werden. WELT: K\u00f6nnen wir uns denn teuren Netzausbau sparen, wenn wir von einem niedrigeren Stromverbrauch ausgehen?Liebing: Bei den Verteilnetzen l\u00e4sst sich kurzfristig dadurch wenig sparen. Unsere Stadtwerke wissen, dass sie in den n\u00e4chsten Jahren die Netzkapazit\u00e4ten verdoppeln m\u00fcssen. Schon das ist ein gewaltiger Brocken. Aber danach geht es weiter. Perspektivisch sprechen wir von einer Verdrei- oder Vervierfachung der Kapazit\u00e4ten. Wenn wir das in k\u00fcrzester Zeit bauen m\u00fcssten, weil wir von einer unrealistisch hohen Stromnachfrage ausgehen, treibt das ohne Grund die Preise in die H\u00f6he. Je schneller ich bauen muss, desto teurer wird es, weil das Angebot am Markt nicht gr\u00f6\u00dfer wird und die Nachfrage steigt. Wir haben doch heute schon Probleme, bestimmte Komponenten auf dem Markt \u00fcberhaupt zu bekommen. 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Er wurde 2007 vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit dem Robert-Mayer-Preis ausgezeichnet und vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universit\u00e4t K\u00f6ln 2009 mit dem Theodor-Wessels-Preis.","robots":{"index":"noindex","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"\u201eWir werden bis 2030 keine 15 Millionen Elektroautos und 6 Millionen W\u00e4rmepumpen sehen\u201c - vof-news.eu","og_description":"Als Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) spricht Ingbert Liebing f\u00fcr mehr als 1600 Firmen, darunter rund 800 Stadtwerke und Versorger, die die Energiewende vor Ort umsetzen. Die Kritik an den energiepolitischen Pl\u00e4nen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) h\u00e4lt er f\u00fcr wenig begr\u00fcndet. WELT: Herr Liebing, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche wird daf\u00fcr kritisiert, den deutschen Strombedarf f\u00fcr 2030 rund 20 Prozent niedriger zu sch\u00e4tzen als es die Ampelregierung tat. Es hei\u00dft, sie zeige damit, dass sie nicht wirklich an die konjunkturelle Erholung in Deutschland glaubt. Ist die Kritik berechtigt?Ingbert Liebing: Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit. Und nichts anderes haben die Gutachter und Katherina Reiche getan. Deutschlands Stromverbrauch ist in den letzten Jahren stetig gesunken. Die Ampelkoalition hatte die Prognose des Strombedarfs f\u00fcr 2030 sogar noch hochgesetzt, doch passiert ist das Gegenteil: Der Stromverbrauch ist in den letzten drei Jahren weiter gesunken, auf aktuell nur noch 518 Terawattstunden. Das ist die Realit\u00e4t. Und es ist der Auftrag der Bundeswirtschaftsministerin, die Energiewende auf eine realistische Grundlage zu stellen und daf\u00fcr zu sorgen, dass die Energiewende bezahlbar bleibt. Insofern kann ich die Kritik nicht nachvollziehen.WELT: Es hei\u00dft, Wirtschaft sei zu 50 Prozent Psychologie. Und mit ihrer pessimistischen Prognose zum Energiebedarf verbreite Reiche nur schlechte Stimmung unter potenziellen Investoren. Liebing: Investoren richten sich doch nicht nach Fantasiezahlen. Deshalb geh\u00f6rt es f\u00fcr mich zur Psychologie dazu, mehr Realismus einkehren zu lassen. Viele Ziele der Ampelkoalition, die zu mehr Stromverbrauch h\u00e4tten f\u00fchren k\u00f6nnen, sind, wie wir heute wissen, nicht mehr erreichbar. Wir werden bis 2030 keine 15 Millionen Elektroautos auf den Stra\u00dfen sehen, keine 6 Millionen W\u00e4rmepumpen in den Geb\u00e4uden und keine Elektrolyseure mit 10.000 Megawatt. Kein einziges dieser politischen Ziele ist auf dem Zielpfad. Und trotzdem fordern die Kritiker von Katherina Reiche, dass wir weiter machen sollen wie bisher. Das w\u00e4re kein sinnvoller Einsatz von knappen Ressourcen und Steuergeldern. WELT: In ihrem letzten Bericht zur Versorgungssicherheit nahm allerdings auch die Bundesnetzagentur einen hohen Strombedarf von 750 Terawattstunden zum Ende des Jahrzehnts an. Liebing: Weil sie da noch davon ausging, dass das politische Ziel von 15 Millionen Elektroautos auch erreicht wird. Es sind heute kaum 1,5 Millionen E-Autos auf der Stra\u00dfe. Der Strombedarf wird nicht politisch entschieden und nicht danach, was psychologisch w\u00fcnschenswert ist. Wenn Katherina Reiche jetzt von einem Strombedarf von \u00fcber 600 Terawattstunden ausgeht, ist das immer noch eine Steigerung von fast 20 Prozent in nur f\u00fcnf Jahren. Schon das muss erst einmal vor Ort umgesetzt werden. WELT: K\u00f6nnen wir uns denn teuren Netzausbau sparen, wenn wir von einem niedrigeren Stromverbrauch ausgehen?Liebing: Bei den Verteilnetzen l\u00e4sst sich kurzfristig dadurch wenig sparen. Unsere Stadtwerke wissen, dass sie in den n\u00e4chsten Jahren die Netzkapazit\u00e4ten verdoppeln m\u00fcssen. 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Er wurde 2007 vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit dem Robert-Mayer-Preis ausgezeichnet und vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universit\u00e4t K\u00f6ln 2009 mit dem Theodor-Wessels-Preis.","og_url":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wir-werden-bis-2030-keine-15-millionen-elektroautos-und-6-millionen-warmepumpen-sehen\/","og_site_name":"vof-news.eu","article_published_time":"2025-09-24T10:27:11+00:00","article_modified_time":"2025-09-24T10:27:30+00:00","og_image":[{"width":1200,"height":574,"url":"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/klimademo-friday-for-future.webp","type":"image\/webp"}],"author":"Author","twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Verfasst von":"Author","Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"4\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wir-werden-bis-2030-keine-15-millionen-elektroautos-und-6-millionen-warmepumpen-sehen\/","url":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wir-werden-bis-2030-keine-15-millionen-elektroautos-und-6-millionen-warmepumpen-sehen\/","name":"\u201eWir werden bis 2030 keine 15 Millionen Elektroautos und 6 Millionen W\u00e4rmepumpen sehen\u201c - vof-news.eu","isPartOf":{"@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#website"},"primaryImageOfPage":{"@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wir-werden-bis-2030-keine-15-millionen-elektroautos-und-6-millionen-warmepumpen-sehen\/#primaryimage"},"image":{"@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wir-werden-bis-2030-keine-15-millionen-elektroautos-und-6-millionen-warmepumpen-sehen\/#primaryimage"},"thumbnailUrl":"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/klimademo-friday-for-future.webp","datePublished":"2025-09-24T10:27:11+00:00","dateModified":"2025-09-24T10:27:30+00:00","author":{"@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#\/schema\/person\/f6a2a4309f0561835797fd8c19b333ed"},"description":"Als Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) spricht Ingbert Liebing f\u00fcr mehr als 1600 Firmen, darunter rund 800 Stadtwerke und Versorger, die die Energiewende vor Ort umsetzen. 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WELT: K\u00f6nnen wir uns denn teuren Netzausbau sparen, wenn wir von einem niedrigeren Stromverbrauch ausgehen?Liebing: Bei den Verteilnetzen l\u00e4sst sich kurzfristig dadurch wenig sparen. Unsere Stadtwerke wissen, dass sie in den n\u00e4chsten Jahren die Netzkapazit\u00e4ten verdoppeln m\u00fcssen. Schon das ist ein gewaltiger Brocken. Aber danach geht es weiter. Perspektivisch sprechen wir von einer Verdrei- oder Vervierfachung der Kapazit\u00e4ten. Wenn wir das in k\u00fcrzester Zeit bauen m\u00fcssten, weil wir von einer unrealistisch hohen Stromnachfrage ausgehen, treibt das ohne Grund die Preise in die H\u00f6he. Je schneller ich bauen muss, desto teurer wird es, weil das Angebot am Markt nicht gr\u00f6\u00dfer wird und die Nachfrage steigt. Wir haben doch heute schon Probleme, bestimmte Komponenten auf dem Markt \u00fcberhaupt zu bekommen. 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