{"id":277125,"date":"2025-09-21T09:26:10","date_gmt":"2025-09-21T06:26:10","guid":{"rendered":"https:\/\/vof-news.eu\/es-ist-unglaublich-wichtig-dass-man-eine-gemeinsame-sprache-spricht\/"},"modified":"2025-09-21T09:26:43","modified_gmt":"2025-09-21T06:26:43","slug":"es-ist-unglaublich-wichtig-dass-man-eine-gemeinsame-sprache-spricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/es-ist-unglaublich-wichtig-dass-man-eine-gemeinsame-sprache-spricht\/","title":{"rendered":"\u201eEs ist unglaublich wichtig, dass man eine gemeinsame Sprache spricht\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Vom 25. bis zum 27. September \u00fcbt die Bundeswehr in Hamburg die Verlegung von Truppen in Richtung Osteuropa. Rund 500 Soldatinnen und Soldaten und 50 Radfahrzeuge nehmen daran teil. Landeskommandeur Kapit\u00e4n zur See Kurt Leonards, 57, sagte WELT, welche Erkenntnisse sich die Bundeswehr vom Man\u00f6ver \u201eRed Storm Bravo\u201c erhofft. Die Aussp\u00e4hung kritischer Infrastruktur und milit\u00e4rischer Anlagen durch Drohnen nimmt aus seiner Sicht auch in Hamburg zu.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Herr Kapit\u00e4n, welche wesentlichen Ziele verfolgt die Bundeswehr mit dem geplanten Man\u00f6ver Red Storm Bravo? <\/p>\n<p><b>Kurt Leonards:<\/b> Wir wollen hier im Landeskommando Hamburg zusammen mit anderen milit\u00e4rischen Einheiten F\u00e4higkeiten erproben, zum Beispiel die Kolonnenf\u00fchrung. Wir wollen uns Gedanken machen, wie sieht eigentlich die Drohnenszenerie aus? Welche F\u00e4higkeiten haben wir? Welche Bedrohungen haben wir? Wir wollen aber auch \u00fcben, wie k\u00f6nnen wir bei einem Massenanfall von Verletzten unterst\u00fctzen? Das Besondere dabei ist, dass wir das nicht abgeschirmt, isoliert auf einem Truppen\u00fcbungsplatz machen wollen, sondern wir sind ja das Landeskommando Hamburg in der Gro\u00dfstadt Hamburg. Deshalb m\u00f6chten wir diese Szenare gerne in einem st\u00e4dtischen Umfeld und vor allen Dingen in der Zusammenarbeit mit anderen zivilen Blaulichtorganisationen durchf\u00fchren, um in der Resilienzbildung, auch in der gesamtstaatlichen Verteidigung hier einen Beitrag leisten zu k\u00f6nnen. Es ist wichtig, dass wir mit der Polizei, mit der Feuerwehr, mit dem THW und mit anderen eine gemeinsame Sprache sprechen, ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis haben, dass diese Menschen, die dann in diesen unterschiedlichen Organisationen zusammenkommen, sich auch vorher schon kennen. Meine Aufgabe ist es ja, einen Beitrag zu leisten zur gesamtstaatlichen Verteidigung in Hamburg. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Diese Schnittstellen haben im Kalten Krieg vermutlich funktioniert \u2013 und m\u00fcssen jetzt wieder neu belebt werden und aktiviert werden.<\/p>\n<p><b>Leonards:<\/b> Sicherlich waren wir vor 40 Jahren auf externe Bedrohungen anders und auch besser vorbereitet als heutzutage. Allerdings muss ich nat\u00fcrlich darauf hinweisen, dass das zuk\u00fcnftige Szenario, was wir erwarten, nicht eins zu eins mit dem Kalten Krieg zu vergleichen ist. Das Szenario bis 1990 war ja, dass ein m\u00f6gliches Operationsgebiet auf deutschem Boden gelegen h\u00e4tte. Heute gehen wir davon aus, es gibt eine theoretische Wahrscheinlichkeit, dass das Testen der Nato im Nordosten Europa stattfinden k\u00f6nnte, im Baltikum, in Finnland, in Polen. Das w\u00fcrde bedeuten, dass auch die Bundeswehr die Kr\u00e4fte in diese L\u00e4nder verlegen w\u00fcrde, wo dieses Testen der Nato als Erstes erwartet wird. Im Kalten Krieg war die Nato in Deutschland. In Szenarien, mit denen wir uns jetzt besch\u00e4ftigen, k\u00f6nnte es sein, dass gro\u00dfe Teile der Bundeswehr in den Operationsgebieten stehen, au\u00dferhalb von Deutschland, im Baltikum oder in Skandinavien. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Geht es bei Red Storm Bravo auch um die logistischen Abl\u00e4ufe, die man testen muss, um gr\u00f6\u00dfere Truppenkontingente durch die Stadt zu bringen?<\/p>\n<p><b>Leonards:<\/b> Was passiert eigentlich, wenn eine Milit\u00e4rkolonne durch eine Stadt f\u00e4hrt? Welche Aufgaben haben dabei die Polizei und die Feldj\u00e4ger, also die Milit\u00e4rpolizei? Wie ist das Zusammenspiel von Feldj\u00e4gern und Landespolizei? Wie \u00fcberwacht man eine Kolonne aus der Luft? Das sind alles Dinge, die wir vor allem im urbanen Gebiet, zumindest in Hamburg, lange nicht mehr trainiert haben. Und deshalb wollen wir die \u00dcbung Red Storm Bravo nicht abgeschirmt, isoliert auf einem Truppen\u00fcbungsplatz stattfinden lassen, sondern in unserem urbanen Gebiet in Hamburg. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b>  Wird Hamburg in den Szenarien der Nato und der Bundeswehr zuk\u00fcnftig auch ein Anlandehafen sein, so wie etwa Bremerhaven f\u00fcr die USA und f\u00fcr die Nato? <\/p>\n<p><b>Leonards:<\/b> Um den Aufmarsch der Nato durch Deutschland durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen und organisieren zu k\u00f6nnen, ist der Operationsplan Deutschland entwickelt worden. Dieser Operationsplan Deutschland beschreibt die logistische Drehscheibe in Deutschland und welche Rolle einzelne Bundesl\u00e4nder dabeihaben. Dabei m\u00fcssen wir auch wieder lernen, dass es Dokumente gibt, die nicht \u00f6ffentlich diskutiert werden k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch, wo werden welche Truppen landen, auf welche Weise, zur See, zu Land oder an Flugh\u00e4fen. Deshalb kann ich dazu nur begrenzt Aussagen treffen. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> K\u00f6nnen Sie sagen, welche Erkenntnisse Sie aus Red Storm Alpha im vergangenen Jahr gezogen haben, die jetzt hilfreich sind, um sie in einer n\u00e4chsten \u00dcbung einzubringen und anzuwenden? <\/p>\n<p><b>Leonards:<\/b> Bei Red Storm Alpha haben wir die Sicherung eines Checkpoints ge\u00fcbt, mit Reservisten, und zwar im Hafengebiet. Dabei haben wir gelernt: Wir brauchen eine gemeinsame Sprache. Die milit\u00e4rische Sprache kann anders sein als die Sprache der Polizei und der Feuerwehr und des THWs. Wir m\u00fcssen wissen, mit wem k\u00f6nnen wir wie in Verbindung treten. Wie kommt man \u00fcberhaupt in den Hafen rein, sodass niemand \u00fcberrascht ist und alle das auch wollen? Daf\u00fcr muss man sich heutzutage eng verbinden. Es hilft, wenn man dann in einem stetigen Austausch steht, sich gemeinsam Gedanken \u00fcber Bedrohungslagen macht, sich austauscht und gemeinsam dar\u00fcber unterh\u00e4lt, wie der einzelne Bereich resilienter werden kann. Ich glaube, das haben wir bei Red Storm Alpha mitgenommen. Deshalb l\u00e4uft Red Storm Bravo jetzt nicht mehr nur im Hafen, sondern auch an der Schnittstelle von Hafen und Stadtgebiet und findet in beiden Bereichen statt. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Werden Sie solche \u00dcbungen j\u00e4hrlich machen?<\/p>\n<p><b>Leonards:<\/b> Jedes Landeskommando ist verantwortlich daf\u00fcr, um mit der jeweiligen Landesregierung gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie man die gesamtstaatliche Verteidigung im zivil-milit\u00e4rischen Bereich weiterentwickeln kann. Da sind wir in Hamburg froh, dass wir mit den Beh\u00f6rden, hier vor allen Dingen mit der Beh\u00f6rde f\u00fcr Inneres und Sport, in einem sehr guten Einklang stehen und uns auf w\u00f6chentlicher oder auf t\u00e4glicher Basis austauschen. Gemeinsam mit den Landesbeh\u00f6rden des Bundeslandes Hamburg werden wir dann auch \u00fcberlegen, ob wir ein Red Storm Charlie weiterentwickeln wollen und ein Red Storm Delta. Ich denke, die Entwicklung geht dahin. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Das Man\u00f6ver kommandieren Sie von hier aus? <\/p>\n<p><b>Leonards:<\/b>  Ja, wir bauen in unserer Kaserne hier einen Gefechtsstand auf. Man kann auch sagen, eine Operationszentrale. Diese Operationszentrale ist mit anderen Zentralen der zivilen Blaulichtorganisationen verbunden. Wir haben Verbindungsoffiziere in den anderen F\u00fchrungszentralen. Bei uns sind Verbindungspersonen der anderen Blaulichtorganisationen in unserer Operationszentrale. Und deshalb ist Red Storm Bravo f\u00fcr uns eine \u00dcbung, die im Grundsatz schon im Januar begonnen hat, denn seither  haben wir gemeinsame Planungskonferenzen. Wir nennen so etwas Initial Planning Conference, Main Planning Conference, Final Planning Conference: Wie setzen wir eigentlich etwas auf? Welche \u00dcbungsziele bringt eine Entit\u00e4t mit in diese \u00dcbungsgemeinschaft? Wie k\u00f6nnen wir sicherstellen, dass die Polizei ihre \u00dcbungsziele erreichen kann? Andere Blaulichtorganisationen, sogar zivile Firmen und die Bundeswehr. Das ist auf diesen Konferenzen besprochen worden. Seit Januar sind wir in einem konstanten Gespr\u00e4chsprozess. An den zwei Tagen im September erfolgt dann lediglich die Ausf\u00fchrung der \u00dcbung, \u00fcbrigens mit etwa 400 bis 500 Soldaten der Bundeswehr. Die Hauptarbeit ist vorher geschehen. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b>  Seitdem der Operationsplan Deutschland im vergangenen Jahr aktiviert worden ist \u2013 wie gut hat sich in Hamburg die Zusammenarbeit zwischen allen daran Beteiligten entwickelt? <\/p>\n<p><b>Leonards:<\/b> Das l\u00e4uft in Hamburg sehr gut. Weil wir hier von Anfang an als Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr \u00fcberhaupt keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste erlebt haben. Ganz im Gegenteil. Die Beh\u00f6rde f\u00fcr Inneres und Sport hat sich auch mit Dienstposten neu aufgestellt, hat eine neue Abteilung gegr\u00fcndet. Dort ist das Thema zivil-milit\u00e4rische Zusammenarbeit, aber auch gesamtstaatliche Verteidigung abgebildet. Mit diesen Menschen dort sind wir in Verbindung, aber auch mit den anderen Beh\u00f6rden, die durch die anderen Senatorinnen und Senatoren gef\u00fchrt werden. Wir befinden uns in einer Vortragsserie mit den anderen Beh\u00f6rden, aber, das muss ich auch sagen, auch mit vielen Firmen der Wirtschaft, die selbst initiativ auf das Landeskommando zugekommen sind und gefragt haben, k\u00f6nnen wir einen Vortrag zur sicherheitspolitischen Lage bekommen? Welche Dinge sollten wir in unserem Unternehmen durchdenken? Wir sind hier in Hamburg in einem sehr intensiven Austausch auch mit der Zivilgesellschaft. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Bieten Ihnen die Unternehmen dabei auch Unterst\u00fctzung an?<\/p>\n<p><b>Leonards:<\/b> Uns sprechen Wirtschaftsunternehmen an und stellen zuerst mal Fragen zum Beispiel nach dem Beschaffungsprozess der Bundeswehr und bieten ihre F\u00e4higkeiten und ihre Produkte an. Aber wir haben auch ganz konkret Menschen \u2013 auch aus F\u00fchrungspositionen \u2013, die zu uns kommen und sagen, wir haben verschiedene Vortr\u00e4ge geh\u00f6rt und wir wollen pers\u00f6nlich einen Beitrag leisten. Sie erkundigen sich nach Reservistenlaufbahnen, nach unterschiedlichen Formen von Wehrdienst. Dort sind wir auch so etwas wie eine Auskunftsstelle und vermitteln Menschen, weil sie wirklich initiativ auf uns zukommen. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Welchen Eindruck haben Sie \u00fcber die Qualit\u00e4t der Infrastruktur im Hamburger Hafen oder \u00fcber m\u00f6gliche Defizite? <\/p>\n<p><b>Leonards:<\/b> Zuerst mal habe ich den Eindruck, dass der Hamburger Hafen ein sehr genaues Bild \u00fcber die Eigenlage hat, wie wir das im Milit\u00e4rischen ausdr\u00fccken w\u00fcrden, eine ganz realistische Sichtweise. Und auch da sind wir in der Lage, uns auszutauschen. Wir sind auch in der Lage, mit verschiedenen Vertretern der Wirtschaft, zum Beispiel der Handelskammer, aber nat\u00fcrlich in allererster Linie auch mit den Beh\u00f6rden der Senatorinnen und Senatoren \u00fcber eingestufte Dinge des Operationsplans zu sprechen. Der Hamburger Hafen hat ein ganz realistisches Bild von seinen M\u00f6glichkeiten und Grenzen. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Haben Sie Erkenntnisse dar\u00fcber, dass auch in Hamburg und im Hafen verst\u00e4rkt Drohnenaktivit\u00e4ten stattfinden? <\/p>\n<p><b>Leonards:<\/b> Wir wissen und nehmen das wahr durch Beobachtungen, durch Meldungen, dass es diese Drohnen\u00fcberfl\u00fcge \u00fcber Hamburg gibt. \u00dcbrigens auch \u00fcber Hamburger Kasernen. Auch \u00fcber diese Kaserne, in der wir gerade sitzen, sind in diesem Jahr schon zahlreiche Drohnen\u00fcberfl\u00fcge festgestellt worden. Nat\u00fcrlich wei\u00df man dann nicht immer, was der Ursprung ist. Sind das sehr professionelle, geheimdienstbasierte T\u00e4tigkeiten oder sind das einfach Hobby-Drohnenflieger? Da muss man dann immer sehr unterscheiden. Deshalb kommt es darauf an, das ganz genau zu beschreiben, was wir sehen. Ich glaube, wir haben immer mehr F\u00e4higkeiten, Drohnen zu detektieren. Also immer mehr Sensoren. Und sicherlich haben wir auch Effektoren.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Hamburg hat drei Heimatschutzkompanien aufgebaut. Wie wird sich das hier weiterentwickeln? <\/p>\n<p><b>Leonards: <\/b>Hamburg hatte eine Heimatschutzkompanie. Diese Heimatschutzkompanie war gro\u00df und aufgef\u00fcllt mit rund 300 Soldaten. Diese Heimatschutzkompanien werden und wurden von Reserveoffizieren gef\u00fchrt. Daraus haben wir drei kleinere Kompanien gemacht, einfach, damit das handhabbarer ist. Seit dem 1. April sind die Heimatschutzkompanien den Heimatschutzregimentern unterstellt, sodass der Hamburger Heimatschutz nun vom Heimatschutzregiment 4 in Alt Duvenstedt in Schleswig-Holstein gef\u00fchrt wird. Und diese Heimatschutzregimenter unterstehen der Heimatschutzdivision, die in Berlin liegt.<\/p>\n<p><b><em>Kapit\u00e4n zur See Kurt Leonards, 57, trat 1987 als Wehrpflichtiger in die damalige Bundesmarine ein. Bei der Deutschen Marine diente er in zahlreichen Verwendungen auf See und an Land, unter anderem als Kommandant der Fregatten \u201eK\u00f6ln\u201c und \u201eNiedersachsen\u201c. Seit 2024 leitet Leonards das Landeskommando Hamburg der Bundeswehr. Der Rang Kapit\u00e4n zur See entspricht dem eines Obersts beim Heer und bei der Luftwaffe.<\/em><\/b><\/p>\n<p><b><em>Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet \u00fcber die maritime Wirtschaft und auch \u00fcber die R\u00fcstungsindustrie und \u00fcber die Bundeswehr.<\/em><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 25. bis zum 27. September \u00fcbt die Bundeswehr in Hamburg die Verlegung von Truppen in Richtung Osteuropa. Rund 500 Soldatinnen und Soldaten und 50 Radfahrzeuge nehmen daran teil. 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Das Besondere dabei ist, dass wir das nicht abgeschirmt, isoliert auf einem Truppen\u00fcbungsplatz machen wollen, sondern wir sind ja das Landeskommando Hamburg in der Gro\u00dfstadt Hamburg. Deshalb m\u00f6chten wir diese Szenare gerne in einem st\u00e4dtischen Umfeld und vor allen Dingen in der Zusammenarbeit mit anderen zivilen Blaulichtorganisationen durchf\u00fchren, um in der Resilienzbildung, auch in der gesamtstaatlichen Verteidigung hier einen Beitrag leisten zu k\u00f6nnen. Es ist wichtig, dass wir mit der Polizei, mit der Feuerwehr, mit dem THW und mit anderen eine gemeinsame Sprache sprechen, ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis haben, dass diese Menschen, die dann in diesen unterschiedlichen Organisationen zusammenkommen, sich auch vorher schon kennen. Meine Aufgabe ist es ja, einen Beitrag zu leisten zur gesamtstaatlichen Verteidigung in Hamburg. WELT: Diese Schnittstellen haben im Kalten Krieg vermutlich funktioniert \u2013 und m\u00fcssen jetzt wieder neu belebt werden und aktiviert werden.Leonards: Sicherlich waren wir vor 40 Jahren auf externe Bedrohungen anders und auch besser vorbereitet als heutzutage. Allerdings muss ich nat\u00fcrlich darauf hinweisen, dass das zuk\u00fcnftige Szenario, was wir erwarten, nicht eins zu eins mit dem Kalten Krieg zu vergleichen ist. Das Szenario bis 1990 war ja, dass ein m\u00f6gliches Operationsgebiet auf deutschem Boden gelegen h\u00e4tte. Heute gehen wir davon aus, es gibt eine theoretische Wahrscheinlichkeit, dass das Testen der Nato im Nordosten Europa stattfinden k\u00f6nnte, im Baltikum, in Finnland, in Polen. Das w\u00fcrde bedeuten, dass auch die Bundeswehr die Kr\u00e4fte in diese L\u00e4nder verlegen w\u00fcrde, wo dieses Testen der Nato als Erstes erwartet wird. Im Kalten Krieg war die Nato in Deutschland. In Szenarien, mit denen wir uns jetzt besch\u00e4ftigen, k\u00f6nnte es sein, dass gro\u00dfe Teile der Bundeswehr in den Operationsgebieten stehen, au\u00dferhalb von Deutschland, im Baltikum oder in Skandinavien. WELT: Geht es bei Red Storm Bravo auch um die logistischen Abl\u00e4ufe, die man testen muss, um gr\u00f6\u00dfere Truppenkontingente durch die Stadt zu bringen?Leonards: Was passiert eigentlich, wenn eine Milit\u00e4rkolonne durch eine Stadt f\u00e4hrt? Welche Aufgaben haben dabei die Polizei und die Feldj\u00e4ger, also die Milit\u00e4rpolizei? Wie ist das Zusammenspiel von Feldj\u00e4gern und Landespolizei? Wie \u00fcberwacht man eine Kolonne aus der Luft? Das sind alles Dinge, die wir vor allem im urbanen Gebiet, zumindest in Hamburg, lange nicht mehr trainiert haben. Und deshalb wollen wir die \u00dcbung Red Storm Bravo nicht abgeschirmt, isoliert auf einem Truppen\u00fcbungsplatz stattfinden lassen, sondern in unserem urbanen Gebiet in Hamburg. WELT: Wird Hamburg in den Szenarien der Nato und der Bundeswehr zuk\u00fcnftig auch ein Anlandehafen sein, so wie etwa Bremerhaven f\u00fcr die USA und f\u00fcr die Nato? Leonards: Um den Aufmarsch der Nato durch Deutschland durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen und organisieren zu k\u00f6nnen, ist der Operationsplan Deutschland entwickelt worden. Dieser Operationsplan Deutschland beschreibt die logistische Drehscheibe in Deutschland und welche Rolle einzelne Bundesl\u00e4nder dabeihaben. Dabei m\u00fcssen wir auch wieder lernen, dass es Dokumente gibt, die nicht \u00f6ffentlich diskutiert werden k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch, wo werden welche Truppen landen, auf welche Weise, zur See, zu Land oder an Flugh\u00e4fen. Deshalb kann ich dazu nur begrenzt Aussagen treffen. WELT: K\u00f6nnen Sie sagen, welche Erkenntnisse Sie aus Red Storm Alpha im vergangenen Jahr gezogen haben, die jetzt hilfreich sind, um sie in einer n\u00e4chsten \u00dcbung einzubringen und anzuwenden? Leonards: Bei Red Storm Alpha haben wir die Sicherung eines Checkpoints ge\u00fcbt, mit Reservisten, und zwar im Hafengebiet. Dabei haben wir gelernt: Wir brauchen eine gemeinsame Sprache. Die milit\u00e4rische Sprache kann anders sein als die Sprache der Polizei und der Feuerwehr und des THWs. Wir m\u00fcssen wissen, mit wem k\u00f6nnen wir wie in Verbindung treten. Wie kommt man \u00fcberhaupt in den Hafen rein, sodass niemand \u00fcberrascht ist und alle das auch wollen? Daf\u00fcr muss man sich heutzutage eng verbinden. Es hilft, wenn man dann in einem stetigen Austausch steht, sich gemeinsam Gedanken \u00fcber Bedrohungslagen macht, sich austauscht und gemeinsam dar\u00fcber unterh\u00e4lt, wie der einzelne Bereich resilienter werden kann. Ich glaube, das haben wir bei Red Storm Alpha mitgenommen. Deshalb l\u00e4uft Red Storm Bravo jetzt nicht mehr nur im Hafen, sondern auch an der Schnittstelle von Hafen und Stadtgebiet und findet in beiden Bereichen statt. WELT: Werden Sie solche \u00dcbungen j\u00e4hrlich machen?Leonards: Jedes Landeskommando ist verantwortlich daf\u00fcr, um mit der jeweiligen Landesregierung gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie man die gesamtstaatliche Verteidigung im zivil-milit\u00e4rischen Bereich weiterentwickeln kann. Da sind wir in Hamburg froh, dass wir mit den Beh\u00f6rden, hier vor allen Dingen mit der Beh\u00f6rde f\u00fcr Inneres und Sport, in einem sehr guten Einklang stehen und uns auf w\u00f6chentlicher oder auf t\u00e4glicher Basis austauschen. Gemeinsam mit den Landesbeh\u00f6rden des Bundeslandes Hamburg werden wir dann auch \u00fcberlegen, ob wir ein Red Storm Charlie weiterentwickeln wollen und ein Red Storm Delta. Ich denke, die Entwicklung geht dahin. WELT: Das Man\u00f6ver kommandieren Sie von hier aus? Leonards: Ja, wir bauen in unserer Kaserne hier einen Gefechtsstand auf. Man kann auch sagen, eine Operationszentrale. Diese Operationszentrale ist mit anderen Zentralen der zivilen Blaulichtorganisationen verbunden. Wir haben Verbindungsoffiziere in den anderen F\u00fchrungszentralen. Bei uns sind Verbindungspersonen der anderen Blaulichtorganisationen in unserer Operationszentrale. Und deshalb ist Red Storm Bravo f\u00fcr uns eine \u00dcbung, die im Grundsatz schon im Januar begonnen hat, denn seither haben wir gemeinsame Planungskonferenzen. Wir nennen so etwas Initial Planning Conference, Main Planning Conference, Final Planning Conference: Wie setzen wir eigentlich etwas auf? Welche \u00dcbungsziele bringt eine Entit\u00e4t mit in diese \u00dcbungsgemeinschaft? Wie k\u00f6nnen wir sicherstellen, dass die Polizei ihre \u00dcbungsziele erreichen kann? Andere Blaulichtorganisationen, sogar zivile Firmen und die Bundeswehr. Das ist auf diesen Konferenzen besprochen worden. Seit Januar sind wir in einem konstanten Gespr\u00e4chsprozess. An den zwei Tagen im September erfolgt dann lediglich die Ausf\u00fchrung der \u00dcbung, \u00fcbrigens mit etwa 400 bis 500 Soldaten der Bundeswehr. Die Hauptarbeit ist vorher geschehen. WELT: Seitdem der Operationsplan Deutschland im vergangenen Jahr aktiviert worden ist \u2013 wie gut hat sich in Hamburg die Zusammenarbeit zwischen allen daran Beteiligten entwickelt? Leonards: Das l\u00e4uft in Hamburg sehr gut. Weil wir hier von Anfang an als Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr \u00fcberhaupt keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste erlebt haben. Ganz im Gegenteil. Die Beh\u00f6rde f\u00fcr Inneres und Sport hat sich auch mit Dienstposten neu aufgestellt, hat eine neue Abteilung gegr\u00fcndet. Dort ist das Thema zivil-milit\u00e4rische Zusammenarbeit, aber auch gesamtstaatliche Verteidigung abgebildet. Mit diesen Menschen dort sind wir in Verbindung, aber auch mit den anderen Beh\u00f6rden, die durch die anderen Senatorinnen und Senatoren gef\u00fchrt werden. Wir befinden uns in einer Vortragsserie mit den anderen Beh\u00f6rden, aber, das muss ich auch sagen, auch mit vielen Firmen der Wirtschaft, die selbst initiativ auf das Landeskommando zugekommen sind und gefragt haben, k\u00f6nnen wir einen Vortrag zur sicherheitspolitischen Lage bekommen? Welche Dinge sollten wir in unserem Unternehmen durchdenken? Wir sind hier in Hamburg in einem sehr intensiven Austausch auch mit der Zivilgesellschaft. WELT: Bieten Ihnen die Unternehmen dabei auch Unterst\u00fctzung an?Leonards: Uns sprechen Wirtschaftsunternehmen an und stellen zuerst mal Fragen zum Beispiel nach dem Beschaffungsprozess der Bundeswehr und bieten ihre F\u00e4higkeiten und ihre Produkte an. Aber wir haben auch ganz konkret Menschen \u2013 auch aus F\u00fchrungspositionen \u2013, die zu uns kommen und sagen, wir haben verschiedene Vortr\u00e4ge geh\u00f6rt und wir wollen pers\u00f6nlich einen Beitrag leisten. Sie erkundigen sich nach Reservistenlaufbahnen, nach unterschiedlichen Formen von Wehrdienst. Dort sind wir auch so etwas wie eine Auskunftsstelle und vermitteln Menschen, weil sie wirklich initiativ auf uns zukommen. WELT: Welchen Eindruck haben Sie \u00fcber die Qualit\u00e4t der Infrastruktur im Hamburger Hafen oder \u00fcber m\u00f6gliche Defizite? Leonards: Zuerst mal habe ich den Eindruck, dass der Hamburger Hafen ein sehr genaues Bild \u00fcber die Eigenlage hat, wie wir das im Milit\u00e4rischen ausdr\u00fccken w\u00fcrden, eine ganz realistische Sichtweise. Und auch da sind wir in der Lage, uns auszutauschen. Wir sind auch in der Lage, mit verschiedenen Vertretern der Wirtschaft, zum Beispiel der Handelskammer, aber nat\u00fcrlich in allererster Linie auch mit den Beh\u00f6rden der Senatorinnen und Senatoren \u00fcber eingestufte Dinge des Operationsplans zu sprechen. Der Hamburger Hafen hat ein ganz realistisches Bild von seinen M\u00f6glichkeiten und Grenzen. WELT: Haben Sie Erkenntnisse dar\u00fcber, dass auch in Hamburg und im Hafen verst\u00e4rkt Drohnenaktivit\u00e4ten stattfinden? Leonards: Wir wissen und nehmen das wahr durch Beobachtungen, durch Meldungen, dass es diese Drohnen\u00fcberfl\u00fcge \u00fcber Hamburg gibt. \u00dcbrigens auch \u00fcber Hamburger Kasernen. Auch \u00fcber diese Kaserne, in der wir gerade sitzen, sind in diesem Jahr schon zahlreiche Drohnen\u00fcberfl\u00fcge festgestellt worden. Nat\u00fcrlich wei\u00df man dann nicht immer, was der Ursprung ist. Sind das sehr professionelle, geheimdienstbasierte T\u00e4tigkeiten oder sind das einfach Hobby-Drohnenflieger? Da muss man dann immer sehr unterscheiden. Deshalb kommt es darauf an, das ganz genau zu beschreiben, was wir sehen. Ich glaube, wir haben immer mehr F\u00e4higkeiten, Drohnen zu detektieren. Also immer mehr Sensoren. Und sicherlich haben wir auch Effektoren.WELT: Hamburg hat drei Heimatschutzkompanien aufgebaut. Wie wird sich das hier weiterentwickeln? Leonards: Hamburg hatte eine Heimatschutzkompanie. Diese Heimatschutzkompanie war gro\u00df und aufgef\u00fcllt mit rund 300 Soldaten. Diese Heimatschutzkompanien werden und wurden von Reserveoffizieren gef\u00fchrt. Daraus haben wir drei kleinere Kompanien gemacht, einfach, damit das handhabbarer ist. Seit dem 1. April sind die Heimatschutzkompanien den Heimatschutzregimentern unterstellt, sodass der Hamburger Heimatschutz nun vom Heimatschutzregiment 4 in Alt Duvenstedt in Schleswig-Holstein gef\u00fchrt wird. Und diese Heimatschutzregimenter unterstehen der Heimatschutzdivision, die in Berlin liegt.Kapit\u00e4n zur See Kurt Leonards, 57, trat 1987 als Wehrpflichtiger in die damalige Bundesmarine ein. Bei der Deutschen Marine diente er in zahlreichen Verwendungen auf See und an Land, unter anderem als Kommandant der Fregatten \u201eK\u00f6ln\u201c und \u201eNiedersachsen\u201c. Seit 2024 leitet Leonards das Landeskommando Hamburg der Bundeswehr. Der Rang Kapit\u00e4n zur See entspricht dem eines Obersts beim Heer und bei der Luftwaffe.Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet \u00fcber die maritime Wirtschaft und auch \u00fcber die R\u00fcstungsindustrie und \u00fcber die Bundeswehr.\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"noindex, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"\u201eEs ist unglaublich wichtig, dass man eine gemeinsame Sprache spricht\u201c - vof-news.eu\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Vom 25. bis zum 27. September \u00fcbt die Bundeswehr in Hamburg die Verlegung von Truppen in Richtung Osteuropa. Rund 500 Soldatinnen und Soldaten und 50 Radfahrzeuge nehmen daran teil. Landeskommandeur Kapit\u00e4n zur See Kurt Leonards, 57, sagte WELT, welche Erkenntnisse sich die Bundeswehr vom Man\u00f6ver \u201eRed Storm Bravo\u201c erhofft. Die Aussp\u00e4hung kritischer Infrastruktur und milit\u00e4rischer Anlagen durch Drohnen nimmt aus seiner Sicht auch in Hamburg zu.WELT: Herr Kapit\u00e4n, welche wesentlichen Ziele verfolgt die Bundeswehr mit dem geplanten Man\u00f6ver Red Storm Bravo? Kurt Leonards: Wir wollen hier im Landeskommando Hamburg zusammen mit anderen milit\u00e4rischen Einheiten F\u00e4higkeiten erproben, zum Beispiel die Kolonnenf\u00fchrung. Wir wollen uns Gedanken machen, wie sieht eigentlich die Drohnenszenerie aus? Welche F\u00e4higkeiten haben wir? Welche Bedrohungen haben wir? Wir wollen aber auch \u00fcben, wie k\u00f6nnen wir bei einem Massenanfall von Verletzten unterst\u00fctzen? Das Besondere dabei ist, dass wir das nicht abgeschirmt, isoliert auf einem Truppen\u00fcbungsplatz machen wollen, sondern wir sind ja das Landeskommando Hamburg in der Gro\u00dfstadt Hamburg. Deshalb m\u00f6chten wir diese Szenare gerne in einem st\u00e4dtischen Umfeld und vor allen Dingen in der Zusammenarbeit mit anderen zivilen Blaulichtorganisationen durchf\u00fchren, um in der Resilienzbildung, auch in der gesamtstaatlichen Verteidigung hier einen Beitrag leisten zu k\u00f6nnen. Es ist wichtig, dass wir mit der Polizei, mit der Feuerwehr, mit dem THW und mit anderen eine gemeinsame Sprache sprechen, ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis haben, dass diese Menschen, die dann in diesen unterschiedlichen Organisationen zusammenkommen, sich auch vorher schon kennen. Meine Aufgabe ist es ja, einen Beitrag zu leisten zur gesamtstaatlichen Verteidigung in Hamburg. WELT: Diese Schnittstellen haben im Kalten Krieg vermutlich funktioniert \u2013 und m\u00fcssen jetzt wieder neu belebt werden und aktiviert werden.Leonards: Sicherlich waren wir vor 40 Jahren auf externe Bedrohungen anders und auch besser vorbereitet als heutzutage. Allerdings muss ich nat\u00fcrlich darauf hinweisen, dass das zuk\u00fcnftige Szenario, was wir erwarten, nicht eins zu eins mit dem Kalten Krieg zu vergleichen ist. Das Szenario bis 1990 war ja, dass ein m\u00f6gliches Operationsgebiet auf deutschem Boden gelegen h\u00e4tte. Heute gehen wir davon aus, es gibt eine theoretische Wahrscheinlichkeit, dass das Testen der Nato im Nordosten Europa stattfinden k\u00f6nnte, im Baltikum, in Finnland, in Polen. Das w\u00fcrde bedeuten, dass auch die Bundeswehr die Kr\u00e4fte in diese L\u00e4nder verlegen w\u00fcrde, wo dieses Testen der Nato als Erstes erwartet wird. Im Kalten Krieg war die Nato in Deutschland. In Szenarien, mit denen wir uns jetzt besch\u00e4ftigen, k\u00f6nnte es sein, dass gro\u00dfe Teile der Bundeswehr in den Operationsgebieten stehen, au\u00dferhalb von Deutschland, im Baltikum oder in Skandinavien. WELT: Geht es bei Red Storm Bravo auch um die logistischen Abl\u00e4ufe, die man testen muss, um gr\u00f6\u00dfere Truppenkontingente durch die Stadt zu bringen?Leonards: Was passiert eigentlich, wenn eine Milit\u00e4rkolonne durch eine Stadt f\u00e4hrt? Welche Aufgaben haben dabei die Polizei und die Feldj\u00e4ger, also die Milit\u00e4rpolizei? Wie ist das Zusammenspiel von Feldj\u00e4gern und Landespolizei? Wie \u00fcberwacht man eine Kolonne aus der Luft? Das sind alles Dinge, die wir vor allem im urbanen Gebiet, zumindest in Hamburg, lange nicht mehr trainiert haben. Und deshalb wollen wir die \u00dcbung Red Storm Bravo nicht abgeschirmt, isoliert auf einem Truppen\u00fcbungsplatz stattfinden lassen, sondern in unserem urbanen Gebiet in Hamburg. WELT: Wird Hamburg in den Szenarien der Nato und der Bundeswehr zuk\u00fcnftig auch ein Anlandehafen sein, so wie etwa Bremerhaven f\u00fcr die USA und f\u00fcr die Nato? Leonards: Um den Aufmarsch der Nato durch Deutschland durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen und organisieren zu k\u00f6nnen, ist der Operationsplan Deutschland entwickelt worden. Dieser Operationsplan Deutschland beschreibt die logistische Drehscheibe in Deutschland und welche Rolle einzelne Bundesl\u00e4nder dabeihaben. Dabei m\u00fcssen wir auch wieder lernen, dass es Dokumente gibt, die nicht \u00f6ffentlich diskutiert werden k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch, wo werden welche Truppen landen, auf welche Weise, zur See, zu Land oder an Flugh\u00e4fen. Deshalb kann ich dazu nur begrenzt Aussagen treffen. WELT: K\u00f6nnen Sie sagen, welche Erkenntnisse Sie aus Red Storm Alpha im vergangenen Jahr gezogen haben, die jetzt hilfreich sind, um sie in einer n\u00e4chsten \u00dcbung einzubringen und anzuwenden? Leonards: Bei Red Storm Alpha haben wir die Sicherung eines Checkpoints ge\u00fcbt, mit Reservisten, und zwar im Hafengebiet. Dabei haben wir gelernt: Wir brauchen eine gemeinsame Sprache. Die milit\u00e4rische Sprache kann anders sein als die Sprache der Polizei und der Feuerwehr und des THWs. Wir m\u00fcssen wissen, mit wem k\u00f6nnen wir wie in Verbindung treten. Wie kommt man \u00fcberhaupt in den Hafen rein, sodass niemand \u00fcberrascht ist und alle das auch wollen? Daf\u00fcr muss man sich heutzutage eng verbinden. Es hilft, wenn man dann in einem stetigen Austausch steht, sich gemeinsam Gedanken \u00fcber Bedrohungslagen macht, sich austauscht und gemeinsam dar\u00fcber unterh\u00e4lt, wie der einzelne Bereich resilienter werden kann. Ich glaube, das haben wir bei Red Storm Alpha mitgenommen. Deshalb l\u00e4uft Red Storm Bravo jetzt nicht mehr nur im Hafen, sondern auch an der Schnittstelle von Hafen und Stadtgebiet und findet in beiden Bereichen statt. WELT: Werden Sie solche \u00dcbungen j\u00e4hrlich machen?Leonards: Jedes Landeskommando ist verantwortlich daf\u00fcr, um mit der jeweiligen Landesregierung gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie man die gesamtstaatliche Verteidigung im zivil-milit\u00e4rischen Bereich weiterentwickeln kann. Da sind wir in Hamburg froh, dass wir mit den Beh\u00f6rden, hier vor allen Dingen mit der Beh\u00f6rde f\u00fcr Inneres und Sport, in einem sehr guten Einklang stehen und uns auf w\u00f6chentlicher oder auf t\u00e4glicher Basis austauschen. Gemeinsam mit den Landesbeh\u00f6rden des Bundeslandes Hamburg werden wir dann auch \u00fcberlegen, ob wir ein Red Storm Charlie weiterentwickeln wollen und ein Red Storm Delta. Ich denke, die Entwicklung geht dahin. WELT: Das Man\u00f6ver kommandieren Sie von hier aus? Leonards: Ja, wir bauen in unserer Kaserne hier einen Gefechtsstand auf. Man kann auch sagen, eine Operationszentrale. Diese Operationszentrale ist mit anderen Zentralen der zivilen Blaulichtorganisationen verbunden. Wir haben Verbindungsoffiziere in den anderen F\u00fchrungszentralen. Bei uns sind Verbindungspersonen der anderen Blaulichtorganisationen in unserer Operationszentrale. Und deshalb ist Red Storm Bravo f\u00fcr uns eine \u00dcbung, die im Grundsatz schon im Januar begonnen hat, denn seither haben wir gemeinsame Planungskonferenzen. Wir nennen so etwas Initial Planning Conference, Main Planning Conference, Final Planning Conference: Wie setzen wir eigentlich etwas auf? Welche \u00dcbungsziele bringt eine Entit\u00e4t mit in diese \u00dcbungsgemeinschaft? Wie k\u00f6nnen wir sicherstellen, dass die Polizei ihre \u00dcbungsziele erreichen kann? Andere Blaulichtorganisationen, sogar zivile Firmen und die Bundeswehr. Das ist auf diesen Konferenzen besprochen worden. Seit Januar sind wir in einem konstanten Gespr\u00e4chsprozess. An den zwei Tagen im September erfolgt dann lediglich die Ausf\u00fchrung der \u00dcbung, \u00fcbrigens mit etwa 400 bis 500 Soldaten der Bundeswehr. Die Hauptarbeit ist vorher geschehen. WELT: Seitdem der Operationsplan Deutschland im vergangenen Jahr aktiviert worden ist \u2013 wie gut hat sich in Hamburg die Zusammenarbeit zwischen allen daran Beteiligten entwickelt? Leonards: Das l\u00e4uft in Hamburg sehr gut. Weil wir hier von Anfang an als Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr \u00fcberhaupt keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste erlebt haben. Ganz im Gegenteil. Die Beh\u00f6rde f\u00fcr Inneres und Sport hat sich auch mit Dienstposten neu aufgestellt, hat eine neue Abteilung gegr\u00fcndet. Dort ist das Thema zivil-milit\u00e4rische Zusammenarbeit, aber auch gesamtstaatliche Verteidigung abgebildet. Mit diesen Menschen dort sind wir in Verbindung, aber auch mit den anderen Beh\u00f6rden, die durch die anderen Senatorinnen und Senatoren gef\u00fchrt werden. Wir befinden uns in einer Vortragsserie mit den anderen Beh\u00f6rden, aber, das muss ich auch sagen, auch mit vielen Firmen der Wirtschaft, die selbst initiativ auf das Landeskommando zugekommen sind und gefragt haben, k\u00f6nnen wir einen Vortrag zur sicherheitspolitischen Lage bekommen? Welche Dinge sollten wir in unserem Unternehmen durchdenken? Wir sind hier in Hamburg in einem sehr intensiven Austausch auch mit der Zivilgesellschaft. WELT: Bieten Ihnen die Unternehmen dabei auch Unterst\u00fctzung an?Leonards: Uns sprechen Wirtschaftsunternehmen an und stellen zuerst mal Fragen zum Beispiel nach dem Beschaffungsprozess der Bundeswehr und bieten ihre F\u00e4higkeiten und ihre Produkte an. Aber wir haben auch ganz konkret Menschen \u2013 auch aus F\u00fchrungspositionen \u2013, die zu uns kommen und sagen, wir haben verschiedene Vortr\u00e4ge geh\u00f6rt und wir wollen pers\u00f6nlich einen Beitrag leisten. Sie erkundigen sich nach Reservistenlaufbahnen, nach unterschiedlichen Formen von Wehrdienst. Dort sind wir auch so etwas wie eine Auskunftsstelle und vermitteln Menschen, weil sie wirklich initiativ auf uns zukommen. WELT: Welchen Eindruck haben Sie \u00fcber die Qualit\u00e4t der Infrastruktur im Hamburger Hafen oder \u00fcber m\u00f6gliche Defizite? Leonards: Zuerst mal habe ich den Eindruck, dass der Hamburger Hafen ein sehr genaues Bild \u00fcber die Eigenlage hat, wie wir das im Milit\u00e4rischen ausdr\u00fccken w\u00fcrden, eine ganz realistische Sichtweise. Und auch da sind wir in der Lage, uns auszutauschen. Wir sind auch in der Lage, mit verschiedenen Vertretern der Wirtschaft, zum Beispiel der Handelskammer, aber nat\u00fcrlich in allererster Linie auch mit den Beh\u00f6rden der Senatorinnen und Senatoren \u00fcber eingestufte Dinge des Operationsplans zu sprechen. Der Hamburger Hafen hat ein ganz realistisches Bild von seinen M\u00f6glichkeiten und Grenzen. WELT: Haben Sie Erkenntnisse dar\u00fcber, dass auch in Hamburg und im Hafen verst\u00e4rkt Drohnenaktivit\u00e4ten stattfinden? Leonards: Wir wissen und nehmen das wahr durch Beobachtungen, durch Meldungen, dass es diese Drohnen\u00fcberfl\u00fcge \u00fcber Hamburg gibt. \u00dcbrigens auch \u00fcber Hamburger Kasernen. Auch \u00fcber diese Kaserne, in der wir gerade sitzen, sind in diesem Jahr schon zahlreiche Drohnen\u00fcberfl\u00fcge festgestellt worden. Nat\u00fcrlich wei\u00df man dann nicht immer, was der Ursprung ist. Sind das sehr professionelle, geheimdienstbasierte T\u00e4tigkeiten oder sind das einfach Hobby-Drohnenflieger? Da muss man dann immer sehr unterscheiden. Deshalb kommt es darauf an, das ganz genau zu beschreiben, was wir sehen. Ich glaube, wir haben immer mehr F\u00e4higkeiten, Drohnen zu detektieren. Also immer mehr Sensoren. Und sicherlich haben wir auch Effektoren.WELT: Hamburg hat drei Heimatschutzkompanien aufgebaut. Wie wird sich das hier weiterentwickeln? Leonards: Hamburg hatte eine Heimatschutzkompanie. Diese Heimatschutzkompanie war gro\u00df und aufgef\u00fcllt mit rund 300 Soldaten. Diese Heimatschutzkompanien werden und wurden von Reserveoffizieren gef\u00fchrt. Daraus haben wir drei kleinere Kompanien gemacht, einfach, damit das handhabbarer ist. Seit dem 1. April sind die Heimatschutzkompanien den Heimatschutzregimentern unterstellt, sodass der Hamburger Heimatschutz nun vom Heimatschutzregiment 4 in Alt Duvenstedt in Schleswig-Holstein gef\u00fchrt wird. Und diese Heimatschutzregimenter unterstehen der Heimatschutzdivision, die in Berlin liegt.Kapit\u00e4n zur See Kurt Leonards, 57, trat 1987 als Wehrpflichtiger in die damalige Bundesmarine ein. Bei der Deutschen Marine diente er in zahlreichen Verwendungen auf See und an Land, unter anderem als Kommandant der Fregatten \u201eK\u00f6ln\u201c und \u201eNiedersachsen\u201c. Seit 2024 leitet Leonards das Landeskommando Hamburg der Bundeswehr. Der Rang Kapit\u00e4n zur See entspricht dem eines Obersts beim Heer und bei der Luftwaffe.Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. 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WELT: Diese Schnittstellen haben im Kalten Krieg vermutlich funktioniert \u2013 und m\u00fcssen jetzt wieder neu belebt werden und aktiviert werden.Leonards: Sicherlich waren wir vor 40 Jahren auf externe Bedrohungen anders und auch besser vorbereitet als heutzutage. Allerdings muss ich nat\u00fcrlich darauf hinweisen, dass das zuk\u00fcnftige Szenario, was wir erwarten, nicht eins zu eins mit dem Kalten Krieg zu vergleichen ist. Das Szenario bis 1990 war ja, dass ein m\u00f6gliches Operationsgebiet auf deutschem Boden gelegen h\u00e4tte. Heute gehen wir davon aus, es gibt eine theoretische Wahrscheinlichkeit, dass das Testen der Nato im Nordosten Europa stattfinden k\u00f6nnte, im Baltikum, in Finnland, in Polen. Das w\u00fcrde bedeuten, dass auch die Bundeswehr die Kr\u00e4fte in diese L\u00e4nder verlegen w\u00fcrde, wo dieses Testen der Nato als Erstes erwartet wird. Im Kalten Krieg war die Nato in Deutschland. In Szenarien, mit denen wir uns jetzt besch\u00e4ftigen, k\u00f6nnte es sein, dass gro\u00dfe Teile der Bundeswehr in den Operationsgebieten stehen, au\u00dferhalb von Deutschland, im Baltikum oder in Skandinavien. WELT: Geht es bei Red Storm Bravo auch um die logistischen Abl\u00e4ufe, die man testen muss, um gr\u00f6\u00dfere Truppenkontingente durch die Stadt zu bringen?Leonards: Was passiert eigentlich, wenn eine Milit\u00e4rkolonne durch eine Stadt f\u00e4hrt? Welche Aufgaben haben dabei die Polizei und die Feldj\u00e4ger, also die Milit\u00e4rpolizei? Wie ist das Zusammenspiel von Feldj\u00e4gern und Landespolizei? Wie \u00fcberwacht man eine Kolonne aus der Luft? Das sind alles Dinge, die wir vor allem im urbanen Gebiet, zumindest in Hamburg, lange nicht mehr trainiert haben. Und deshalb wollen wir die \u00dcbung Red Storm Bravo nicht abgeschirmt, isoliert auf einem Truppen\u00fcbungsplatz stattfinden lassen, sondern in unserem urbanen Gebiet in Hamburg. WELT: Wird Hamburg in den Szenarien der Nato und der Bundeswehr zuk\u00fcnftig auch ein Anlandehafen sein, so wie etwa Bremerhaven f\u00fcr die USA und f\u00fcr die Nato? Leonards: Um den Aufmarsch der Nato durch Deutschland durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen und organisieren zu k\u00f6nnen, ist der Operationsplan Deutschland entwickelt worden. Dieser Operationsplan Deutschland beschreibt die logistische Drehscheibe in Deutschland und welche Rolle einzelne Bundesl\u00e4nder dabeihaben. Dabei m\u00fcssen wir auch wieder lernen, dass es Dokumente gibt, die nicht \u00f6ffentlich diskutiert werden k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch, wo werden welche Truppen landen, auf welche Weise, zur See, zu Land oder an Flugh\u00e4fen. Deshalb kann ich dazu nur begrenzt Aussagen treffen. WELT: K\u00f6nnen Sie sagen, welche Erkenntnisse Sie aus Red Storm Alpha im vergangenen Jahr gezogen haben, die jetzt hilfreich sind, um sie in einer n\u00e4chsten \u00dcbung einzubringen und anzuwenden? Leonards: Bei Red Storm Alpha haben wir die Sicherung eines Checkpoints ge\u00fcbt, mit Reservisten, und zwar im Hafengebiet. Dabei haben wir gelernt: Wir brauchen eine gemeinsame Sprache. Die milit\u00e4rische Sprache kann anders sein als die Sprache der Polizei und der Feuerwehr und des THWs. Wir m\u00fcssen wissen, mit wem k\u00f6nnen wir wie in Verbindung treten. Wie kommt man \u00fcberhaupt in den Hafen rein, sodass niemand \u00fcberrascht ist und alle das auch wollen? Daf\u00fcr muss man sich heutzutage eng verbinden. Es hilft, wenn man dann in einem stetigen Austausch steht, sich gemeinsam Gedanken \u00fcber Bedrohungslagen macht, sich austauscht und gemeinsam dar\u00fcber unterh\u00e4lt, wie der einzelne Bereich resilienter werden kann. Ich glaube, das haben wir bei Red Storm Alpha mitgenommen. Deshalb l\u00e4uft Red Storm Bravo jetzt nicht mehr nur im Hafen, sondern auch an der Schnittstelle von Hafen und Stadtgebiet und findet in beiden Bereichen statt. WELT: Werden Sie solche \u00dcbungen j\u00e4hrlich machen?Leonards: Jedes Landeskommando ist verantwortlich daf\u00fcr, um mit der jeweiligen Landesregierung gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie man die gesamtstaatliche Verteidigung im zivil-milit\u00e4rischen Bereich weiterentwickeln kann. Da sind wir in Hamburg froh, dass wir mit den Beh\u00f6rden, hier vor allen Dingen mit der Beh\u00f6rde f\u00fcr Inneres und Sport, in einem sehr guten Einklang stehen und uns auf w\u00f6chentlicher oder auf t\u00e4glicher Basis austauschen. Gemeinsam mit den Landesbeh\u00f6rden des Bundeslandes Hamburg werden wir dann auch \u00fcberlegen, ob wir ein Red Storm Charlie weiterentwickeln wollen und ein Red Storm Delta. Ich denke, die Entwicklung geht dahin. WELT: Das Man\u00f6ver kommandieren Sie von hier aus? Leonards: Ja, wir bauen in unserer Kaserne hier einen Gefechtsstand auf. Man kann auch sagen, eine Operationszentrale. Diese Operationszentrale ist mit anderen Zentralen der zivilen Blaulichtorganisationen verbunden. Wir haben Verbindungsoffiziere in den anderen F\u00fchrungszentralen. Bei uns sind Verbindungspersonen der anderen Blaulichtorganisationen in unserer Operationszentrale. Und deshalb ist Red Storm Bravo f\u00fcr uns eine \u00dcbung, die im Grundsatz schon im Januar begonnen hat, denn seither haben wir gemeinsame Planungskonferenzen. Wir nennen so etwas Initial Planning Conference, Main Planning Conference, Final Planning Conference: Wie setzen wir eigentlich etwas auf? Welche \u00dcbungsziele bringt eine Entit\u00e4t mit in diese \u00dcbungsgemeinschaft? Wie k\u00f6nnen wir sicherstellen, dass die Polizei ihre \u00dcbungsziele erreichen kann? Andere Blaulichtorganisationen, sogar zivile Firmen und die Bundeswehr. Das ist auf diesen Konferenzen besprochen worden. Seit Januar sind wir in einem konstanten Gespr\u00e4chsprozess. 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Wir befinden uns in einer Vortragsserie mit den anderen Beh\u00f6rden, aber, das muss ich auch sagen, auch mit vielen Firmen der Wirtschaft, die selbst initiativ auf das Landeskommando zugekommen sind und gefragt haben, k\u00f6nnen wir einen Vortrag zur sicherheitspolitischen Lage bekommen? Welche Dinge sollten wir in unserem Unternehmen durchdenken? Wir sind hier in Hamburg in einem sehr intensiven Austausch auch mit der Zivilgesellschaft. WELT: Bieten Ihnen die Unternehmen dabei auch Unterst\u00fctzung an?Leonards: Uns sprechen Wirtschaftsunternehmen an und stellen zuerst mal Fragen zum Beispiel nach dem Beschaffungsprozess der Bundeswehr und bieten ihre F\u00e4higkeiten und ihre Produkte an. Aber wir haben auch ganz konkret Menschen \u2013 auch aus F\u00fchrungspositionen \u2013, die zu uns kommen und sagen, wir haben verschiedene Vortr\u00e4ge geh\u00f6rt und wir wollen pers\u00f6nlich einen Beitrag leisten. Sie erkundigen sich nach Reservistenlaufbahnen, nach unterschiedlichen Formen von Wehrdienst. Dort sind wir auch so etwas wie eine Auskunftsstelle und vermitteln Menschen, weil sie wirklich initiativ auf uns zukommen. WELT: Welchen Eindruck haben Sie \u00fcber die Qualit\u00e4t der Infrastruktur im Hamburger Hafen oder \u00fcber m\u00f6gliche Defizite? Leonards: Zuerst mal habe ich den Eindruck, dass der Hamburger Hafen ein sehr genaues Bild \u00fcber die Eigenlage hat, wie wir das im Milit\u00e4rischen ausdr\u00fccken w\u00fcrden, eine ganz realistische Sichtweise. Und auch da sind wir in der Lage, uns auszutauschen. Wir sind auch in der Lage, mit verschiedenen Vertretern der Wirtschaft, zum Beispiel der Handelskammer, aber nat\u00fcrlich in allererster Linie auch mit den Beh\u00f6rden der Senatorinnen und Senatoren \u00fcber eingestufte Dinge des Operationsplans zu sprechen. Der Hamburger Hafen hat ein ganz realistisches Bild von seinen M\u00f6glichkeiten und Grenzen. WELT: Haben Sie Erkenntnisse dar\u00fcber, dass auch in Hamburg und im Hafen verst\u00e4rkt Drohnenaktivit\u00e4ten stattfinden? Leonards: Wir wissen und nehmen das wahr durch Beobachtungen, durch Meldungen, dass es diese Drohnen\u00fcberfl\u00fcge \u00fcber Hamburg gibt. \u00dcbrigens auch \u00fcber Hamburger Kasernen. Auch \u00fcber diese Kaserne, in der wir gerade sitzen, sind in diesem Jahr schon zahlreiche Drohnen\u00fcberfl\u00fcge festgestellt worden. Nat\u00fcrlich wei\u00df man dann nicht immer, was der Ursprung ist. Sind das sehr professionelle, geheimdienstbasierte T\u00e4tigkeiten oder sind das einfach Hobby-Drohnenflieger? Da muss man dann immer sehr unterscheiden. Deshalb kommt es darauf an, das ganz genau zu beschreiben, was wir sehen. Ich glaube, wir haben immer mehr F\u00e4higkeiten, Drohnen zu detektieren. Also immer mehr Sensoren. Und sicherlich haben wir auch Effektoren.WELT: Hamburg hat drei Heimatschutzkompanien aufgebaut. Wie wird sich das hier weiterentwickeln? Leonards: Hamburg hatte eine Heimatschutzkompanie. Diese Heimatschutzkompanie war gro\u00df und aufgef\u00fcllt mit rund 300 Soldaten. Diese Heimatschutzkompanien werden und wurden von Reserveoffizieren gef\u00fchrt. Daraus haben wir drei kleinere Kompanien gemacht, einfach, damit das handhabbarer ist. Seit dem 1. April sind die Heimatschutzkompanien den Heimatschutzregimentern unterstellt, sodass der Hamburger Heimatschutz nun vom Heimatschutzregiment 4 in Alt Duvenstedt in Schleswig-Holstein gef\u00fchrt wird. Und diese Heimatschutzregimenter unterstehen der Heimatschutzdivision, die in Berlin liegt.Kapit\u00e4n zur See Kurt Leonards, 57, trat 1987 als Wehrpflichtiger in die damalige Bundesmarine ein. Bei der Deutschen Marine diente er in zahlreichen Verwendungen auf See und an Land, unter anderem als Kommandant der Fregatten \u201eK\u00f6ln\u201c und \u201eNiedersachsen\u201c. Seit 2024 leitet Leonards das Landeskommando Hamburg der Bundeswehr. 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Wir wollen aber auch \u00fcben, wie k\u00f6nnen wir bei einem Massenanfall von Verletzten unterst\u00fctzen? Das Besondere dabei ist, dass wir das nicht abgeschirmt, isoliert auf einem Truppen\u00fcbungsplatz machen wollen, sondern wir sind ja das Landeskommando Hamburg in der Gro\u00dfstadt Hamburg. Deshalb m\u00f6chten wir diese Szenare gerne in einem st\u00e4dtischen Umfeld und vor allen Dingen in der Zusammenarbeit mit anderen zivilen Blaulichtorganisationen durchf\u00fchren, um in der Resilienzbildung, auch in der gesamtstaatlichen Verteidigung hier einen Beitrag leisten zu k\u00f6nnen. Es ist wichtig, dass wir mit der Polizei, mit der Feuerwehr, mit dem THW und mit anderen eine gemeinsame Sprache sprechen, ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis haben, dass diese Menschen, die dann in diesen unterschiedlichen Organisationen zusammenkommen, sich auch vorher schon kennen. Meine Aufgabe ist es ja, einen Beitrag zu leisten zur gesamtstaatlichen Verteidigung in Hamburg. WELT: Diese Schnittstellen haben im Kalten Krieg vermutlich funktioniert \u2013 und m\u00fcssen jetzt wieder neu belebt werden und aktiviert werden.Leonards: Sicherlich waren wir vor 40 Jahren auf externe Bedrohungen anders und auch besser vorbereitet als heutzutage. Allerdings muss ich nat\u00fcrlich darauf hinweisen, dass das zuk\u00fcnftige Szenario, was wir erwarten, nicht eins zu eins mit dem Kalten Krieg zu vergleichen ist. Das Szenario bis 1990 war ja, dass ein m\u00f6gliches Operationsgebiet auf deutschem Boden gelegen h\u00e4tte. Heute gehen wir davon aus, es gibt eine theoretische Wahrscheinlichkeit, dass das Testen der Nato im Nordosten Europa stattfinden k\u00f6nnte, im Baltikum, in Finnland, in Polen. Das w\u00fcrde bedeuten, dass auch die Bundeswehr die Kr\u00e4fte in diese L\u00e4nder verlegen w\u00fcrde, wo dieses Testen der Nato als Erstes erwartet wird. Im Kalten Krieg war die Nato in Deutschland. In Szenarien, mit denen wir uns jetzt besch\u00e4ftigen, k\u00f6nnte es sein, dass gro\u00dfe Teile der Bundeswehr in den Operationsgebieten stehen, au\u00dferhalb von Deutschland, im Baltikum oder in Skandinavien. WELT: Geht es bei Red Storm Bravo auch um die logistischen Abl\u00e4ufe, die man testen muss, um gr\u00f6\u00dfere Truppenkontingente durch die Stadt zu bringen?Leonards: Was passiert eigentlich, wenn eine Milit\u00e4rkolonne durch eine Stadt f\u00e4hrt? Welche Aufgaben haben dabei die Polizei und die Feldj\u00e4ger, also die Milit\u00e4rpolizei? Wie ist das Zusammenspiel von Feldj\u00e4gern und Landespolizei? Wie \u00fcberwacht man eine Kolonne aus der Luft? Das sind alles Dinge, die wir vor allem im urbanen Gebiet, zumindest in Hamburg, lange nicht mehr trainiert haben. Und deshalb wollen wir die \u00dcbung Red Storm Bravo nicht abgeschirmt, isoliert auf einem Truppen\u00fcbungsplatz stattfinden lassen, sondern in unserem urbanen Gebiet in Hamburg. WELT: Wird Hamburg in den Szenarien der Nato und der Bundeswehr zuk\u00fcnftig auch ein Anlandehafen sein, so wie etwa Bremerhaven f\u00fcr die USA und f\u00fcr die Nato? Leonards: Um den Aufmarsch der Nato durch Deutschland durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen und organisieren zu k\u00f6nnen, ist der Operationsplan Deutschland entwickelt worden. Dieser Operationsplan Deutschland beschreibt die logistische Drehscheibe in Deutschland und welche Rolle einzelne Bundesl\u00e4nder dabeihaben. Dabei m\u00fcssen wir auch wieder lernen, dass es Dokumente gibt, die nicht \u00f6ffentlich diskutiert werden k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch, wo werden welche Truppen landen, auf welche Weise, zur See, zu Land oder an Flugh\u00e4fen. Deshalb kann ich dazu nur begrenzt Aussagen treffen. WELT: K\u00f6nnen Sie sagen, welche Erkenntnisse Sie aus Red Storm Alpha im vergangenen Jahr gezogen haben, die jetzt hilfreich sind, um sie in einer n\u00e4chsten \u00dcbung einzubringen und anzuwenden? Leonards: Bei Red Storm Alpha haben wir die Sicherung eines Checkpoints ge\u00fcbt, mit Reservisten, und zwar im Hafengebiet. Dabei haben wir gelernt: Wir brauchen eine gemeinsame Sprache. Die milit\u00e4rische Sprache kann anders sein als die Sprache der Polizei und der Feuerwehr und des THWs. Wir m\u00fcssen wissen, mit wem k\u00f6nnen wir wie in Verbindung treten. Wie kommt man \u00fcberhaupt in den Hafen rein, sodass niemand \u00fcberrascht ist und alle das auch wollen? Daf\u00fcr muss man sich heutzutage eng verbinden. Es hilft, wenn man dann in einem stetigen Austausch steht, sich gemeinsam Gedanken \u00fcber Bedrohungslagen macht, sich austauscht und gemeinsam dar\u00fcber unterh\u00e4lt, wie der einzelne Bereich resilienter werden kann. Ich glaube, das haben wir bei Red Storm Alpha mitgenommen. Deshalb l\u00e4uft Red Storm Bravo jetzt nicht mehr nur im Hafen, sondern auch an der Schnittstelle von Hafen und Stadtgebiet und findet in beiden Bereichen statt. WELT: Werden Sie solche \u00dcbungen j\u00e4hrlich machen?Leonards: Jedes Landeskommando ist verantwortlich daf\u00fcr, um mit der jeweiligen Landesregierung gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie man die gesamtstaatliche Verteidigung im zivil-milit\u00e4rischen Bereich weiterentwickeln kann. Da sind wir in Hamburg froh, dass wir mit den Beh\u00f6rden, hier vor allen Dingen mit der Beh\u00f6rde f\u00fcr Inneres und Sport, in einem sehr guten Einklang stehen und uns auf w\u00f6chentlicher oder auf t\u00e4glicher Basis austauschen. Gemeinsam mit den Landesbeh\u00f6rden des Bundeslandes Hamburg werden wir dann auch \u00fcberlegen, ob wir ein Red Storm Charlie weiterentwickeln wollen und ein Red Storm Delta. Ich denke, die Entwicklung geht dahin. WELT: Das Man\u00f6ver kommandieren Sie von hier aus? Leonards: Ja, wir bauen in unserer Kaserne hier einen Gefechtsstand auf. Man kann auch sagen, eine Operationszentrale. Diese Operationszentrale ist mit anderen Zentralen der zivilen Blaulichtorganisationen verbunden. Wir haben Verbindungsoffiziere in den anderen F\u00fchrungszentralen. Bei uns sind Verbindungspersonen der anderen Blaulichtorganisationen in unserer Operationszentrale. Und deshalb ist Red Storm Bravo f\u00fcr uns eine \u00dcbung, die im Grundsatz schon im Januar begonnen hat, denn seither haben wir gemeinsame Planungskonferenzen. Wir nennen so etwas Initial Planning Conference, Main Planning Conference, Final Planning Conference: Wie setzen wir eigentlich etwas auf? Welche \u00dcbungsziele bringt eine Entit\u00e4t mit in diese \u00dcbungsgemeinschaft? Wie k\u00f6nnen wir sicherstellen, dass die Polizei ihre \u00dcbungsziele erreichen kann? Andere Blaulichtorganisationen, sogar zivile Firmen und die Bundeswehr. Das ist auf diesen Konferenzen besprochen worden. Seit Januar sind wir in einem konstanten Gespr\u00e4chsprozess. An den zwei Tagen im September erfolgt dann lediglich die Ausf\u00fchrung der \u00dcbung, \u00fcbrigens mit etwa 400 bis 500 Soldaten der Bundeswehr. Die Hauptarbeit ist vorher geschehen. WELT: Seitdem der Operationsplan Deutschland im vergangenen Jahr aktiviert worden ist \u2013 wie gut hat sich in Hamburg die Zusammenarbeit zwischen allen daran Beteiligten entwickelt? Leonards: Das l\u00e4uft in Hamburg sehr gut. Weil wir hier von Anfang an als Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr \u00fcberhaupt keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste erlebt haben. Ganz im Gegenteil. Die Beh\u00f6rde f\u00fcr Inneres und Sport hat sich auch mit Dienstposten neu aufgestellt, hat eine neue Abteilung gegr\u00fcndet. Dort ist das Thema zivil-milit\u00e4rische Zusammenarbeit, aber auch gesamtstaatliche Verteidigung abgebildet. Mit diesen Menschen dort sind wir in Verbindung, aber auch mit den anderen Beh\u00f6rden, die durch die anderen Senatorinnen und Senatoren gef\u00fchrt werden. Wir befinden uns in einer Vortragsserie mit den anderen Beh\u00f6rden, aber, das muss ich auch sagen, auch mit vielen Firmen der Wirtschaft, die selbst initiativ auf das Landeskommando zugekommen sind und gefragt haben, k\u00f6nnen wir einen Vortrag zur sicherheitspolitischen Lage bekommen? Welche Dinge sollten wir in unserem Unternehmen durchdenken? Wir sind hier in Hamburg in einem sehr intensiven Austausch auch mit der Zivilgesellschaft. WELT: Bieten Ihnen die Unternehmen dabei auch Unterst\u00fctzung an?Leonards: Uns sprechen Wirtschaftsunternehmen an und stellen zuerst mal Fragen zum Beispiel nach dem Beschaffungsprozess der Bundeswehr und bieten ihre F\u00e4higkeiten und ihre Produkte an. Aber wir haben auch ganz konkret Menschen \u2013 auch aus F\u00fchrungspositionen \u2013, die zu uns kommen und sagen, wir haben verschiedene Vortr\u00e4ge geh\u00f6rt und wir wollen pers\u00f6nlich einen Beitrag leisten. Sie erkundigen sich nach Reservistenlaufbahnen, nach unterschiedlichen Formen von Wehrdienst. Dort sind wir auch so etwas wie eine Auskunftsstelle und vermitteln Menschen, weil sie wirklich initiativ auf uns zukommen. WELT: Welchen Eindruck haben Sie \u00fcber die Qualit\u00e4t der Infrastruktur im Hamburger Hafen oder \u00fcber m\u00f6gliche Defizite? Leonards: Zuerst mal habe ich den Eindruck, dass der Hamburger Hafen ein sehr genaues Bild \u00fcber die Eigenlage hat, wie wir das im Milit\u00e4rischen ausdr\u00fccken w\u00fcrden, eine ganz realistische Sichtweise. Und auch da sind wir in der Lage, uns auszutauschen. Wir sind auch in der Lage, mit verschiedenen Vertretern der Wirtschaft, zum Beispiel der Handelskammer, aber nat\u00fcrlich in allererster Linie auch mit den Beh\u00f6rden der Senatorinnen und Senatoren \u00fcber eingestufte Dinge des Operationsplans zu sprechen. Der Hamburger Hafen hat ein ganz realistisches Bild von seinen M\u00f6glichkeiten und Grenzen. WELT: Haben Sie Erkenntnisse dar\u00fcber, dass auch in Hamburg und im Hafen verst\u00e4rkt Drohnenaktivit\u00e4ten stattfinden? Leonards: Wir wissen und nehmen das wahr durch Beobachtungen, durch Meldungen, dass es diese Drohnen\u00fcberfl\u00fcge \u00fcber Hamburg gibt. \u00dcbrigens auch \u00fcber Hamburger Kasernen. Auch \u00fcber diese Kaserne, in der wir gerade sitzen, sind in diesem Jahr schon zahlreiche Drohnen\u00fcberfl\u00fcge festgestellt worden. Nat\u00fcrlich wei\u00df man dann nicht immer, was der Ursprung ist. Sind das sehr professionelle, geheimdienstbasierte T\u00e4tigkeiten oder sind das einfach Hobby-Drohnenflieger? Da muss man dann immer sehr unterscheiden. Deshalb kommt es darauf an, das ganz genau zu beschreiben, was wir sehen. Ich glaube, wir haben immer mehr F\u00e4higkeiten, Drohnen zu detektieren. Also immer mehr Sensoren. Und sicherlich haben wir auch Effektoren.WELT: Hamburg hat drei Heimatschutzkompanien aufgebaut. Wie wird sich das hier weiterentwickeln? Leonards: Hamburg hatte eine Heimatschutzkompanie. Diese Heimatschutzkompanie war gro\u00df und aufgef\u00fcllt mit rund 300 Soldaten. Diese Heimatschutzkompanien werden und wurden von Reserveoffizieren gef\u00fchrt. Daraus haben wir drei kleinere Kompanien gemacht, einfach, damit das handhabbarer ist. Seit dem 1. April sind die Heimatschutzkompanien den Heimatschutzregimentern unterstellt, sodass der Hamburger Heimatschutz nun vom Heimatschutzregiment 4 in Alt Duvenstedt in Schleswig-Holstein gef\u00fchrt wird. Und diese Heimatschutzregimenter unterstehen der Heimatschutzdivision, die in Berlin liegt.Kapit\u00e4n zur See Kurt Leonards, 57, trat 1987 als Wehrpflichtiger in die damalige Bundesmarine ein. Bei der Deutschen Marine diente er in zahlreichen Verwendungen auf See und an Land, unter anderem als Kommandant der Fregatten \u201eK\u00f6ln\u201c und \u201eNiedersachsen\u201c. Seit 2024 leitet Leonards das Landeskommando Hamburg der Bundeswehr. 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Diese Operationszentrale ist mit anderen Zentralen der zivilen Blaulichtorganisationen verbunden. Wir haben Verbindungsoffiziere in den anderen F\u00fchrungszentralen. Bei uns sind Verbindungspersonen der anderen Blaulichtorganisationen in unserer Operationszentrale. Und deshalb ist Red Storm Bravo f\u00fcr uns eine \u00dcbung, die im Grundsatz schon im Januar begonnen hat, denn seither haben wir gemeinsame Planungskonferenzen. Wir nennen so etwas Initial Planning Conference, Main Planning Conference, Final Planning Conference: Wie setzen wir eigentlich etwas auf? Welche \u00dcbungsziele bringt eine Entit\u00e4t mit in diese \u00dcbungsgemeinschaft? Wie k\u00f6nnen wir sicherstellen, dass die Polizei ihre \u00dcbungsziele erreichen kann? Andere Blaulichtorganisationen, sogar zivile Firmen und die Bundeswehr. Das ist auf diesen Konferenzen besprochen worden. Seit Januar sind wir in einem konstanten Gespr\u00e4chsprozess. 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Wir befinden uns in einer Vortragsserie mit den anderen Beh\u00f6rden, aber, das muss ich auch sagen, auch mit vielen Firmen der Wirtschaft, die selbst initiativ auf das Landeskommando zugekommen sind und gefragt haben, k\u00f6nnen wir einen Vortrag zur sicherheitspolitischen Lage bekommen? Welche Dinge sollten wir in unserem Unternehmen durchdenken? Wir sind hier in Hamburg in einem sehr intensiven Austausch auch mit der Zivilgesellschaft. WELT: Bieten Ihnen die Unternehmen dabei auch Unterst\u00fctzung an?Leonards: Uns sprechen Wirtschaftsunternehmen an und stellen zuerst mal Fragen zum Beispiel nach dem Beschaffungsprozess der Bundeswehr und bieten ihre F\u00e4higkeiten und ihre Produkte an. Aber wir haben auch ganz konkret Menschen \u2013 auch aus F\u00fchrungspositionen \u2013, die zu uns kommen und sagen, wir haben verschiedene Vortr\u00e4ge geh\u00f6rt und wir wollen pers\u00f6nlich einen Beitrag leisten. Sie erkundigen sich nach Reservistenlaufbahnen, nach unterschiedlichen Formen von Wehrdienst. Dort sind wir auch so etwas wie eine Auskunftsstelle und vermitteln Menschen, weil sie wirklich initiativ auf uns zukommen. WELT: Welchen Eindruck haben Sie \u00fcber die Qualit\u00e4t der Infrastruktur im Hamburger Hafen oder \u00fcber m\u00f6gliche Defizite? Leonards: Zuerst mal habe ich den Eindruck, dass der Hamburger Hafen ein sehr genaues Bild \u00fcber die Eigenlage hat, wie wir das im Milit\u00e4rischen ausdr\u00fccken w\u00fcrden, eine ganz realistische Sichtweise. Und auch da sind wir in der Lage, uns auszutauschen. Wir sind auch in der Lage, mit verschiedenen Vertretern der Wirtschaft, zum Beispiel der Handelskammer, aber nat\u00fcrlich in allererster Linie auch mit den Beh\u00f6rden der Senatorinnen und Senatoren \u00fcber eingestufte Dinge des Operationsplans zu sprechen. Der Hamburger Hafen hat ein ganz realistisches Bild von seinen M\u00f6glichkeiten und Grenzen. WELT: Haben Sie Erkenntnisse dar\u00fcber, dass auch in Hamburg und im Hafen verst\u00e4rkt Drohnenaktivit\u00e4ten stattfinden? Leonards: Wir wissen und nehmen das wahr durch Beobachtungen, durch Meldungen, dass es diese Drohnen\u00fcberfl\u00fcge \u00fcber Hamburg gibt. \u00dcbrigens auch \u00fcber Hamburger Kasernen. Auch \u00fcber diese Kaserne, in der wir gerade sitzen, sind in diesem Jahr schon zahlreiche Drohnen\u00fcberfl\u00fcge festgestellt worden. Nat\u00fcrlich wei\u00df man dann nicht immer, was der Ursprung ist. Sind das sehr professionelle, geheimdienstbasierte T\u00e4tigkeiten oder sind das einfach Hobby-Drohnenflieger? Da muss man dann immer sehr unterscheiden. Deshalb kommt es darauf an, das ganz genau zu beschreiben, was wir sehen. Ich glaube, wir haben immer mehr F\u00e4higkeiten, Drohnen zu detektieren. Also immer mehr Sensoren. Und sicherlich haben wir auch Effektoren.WELT: Hamburg hat drei Heimatschutzkompanien aufgebaut. Wie wird sich das hier weiterentwickeln? Leonards: Hamburg hatte eine Heimatschutzkompanie. Diese Heimatschutzkompanie war gro\u00df und aufgef\u00fcllt mit rund 300 Soldaten. Diese Heimatschutzkompanien werden und wurden von Reserveoffizieren gef\u00fchrt. Daraus haben wir drei kleinere Kompanien gemacht, einfach, damit das handhabbarer ist. Seit dem 1. April sind die Heimatschutzkompanien den Heimatschutzregimentern unterstellt, sodass der Hamburger Heimatschutz nun vom Heimatschutzregiment 4 in Alt Duvenstedt in Schleswig-Holstein gef\u00fchrt wird. Und diese Heimatschutzregimenter unterstehen der Heimatschutzdivision, die in Berlin liegt.Kapit\u00e4n zur See Kurt Leonards, 57, trat 1987 als Wehrpflichtiger in die damalige Bundesmarine ein. Bei der Deutschen Marine diente er in zahlreichen Verwendungen auf See und an Land, unter anderem als Kommandant der Fregatten \u201eK\u00f6ln\u201c und \u201eNiedersachsen\u201c. Seit 2024 leitet Leonards das Landeskommando Hamburg der Bundeswehr. Der Rang Kapit\u00e4n zur See entspricht dem eines Obersts beim Heer und bei der Luftwaffe.Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. 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September \u00fcbt die Bundeswehr in Hamburg die Verlegung von Truppen in Richtung Osteuropa. Rund 500 Soldatinnen und Soldaten und 50 Radfahrzeuge nehmen daran teil. Landeskommandeur Kapit\u00e4n zur See Kurt Leonards, 57, sagte WELT, welche Erkenntnisse sich die Bundeswehr vom Man\u00f6ver \u201eRed Storm Bravo\u201c erhofft. Die Aussp\u00e4hung kritischer Infrastruktur und milit\u00e4rischer Anlagen durch Drohnen nimmt aus seiner Sicht auch in Hamburg zu.WELT: Herr Kapit\u00e4n, welche wesentlichen Ziele verfolgt die Bundeswehr mit dem geplanten Man\u00f6ver Red Storm Bravo? Kurt Leonards: Wir wollen hier im Landeskommando Hamburg zusammen mit anderen milit\u00e4rischen Einheiten F\u00e4higkeiten erproben, zum Beispiel die Kolonnenf\u00fchrung. Wir wollen uns Gedanken machen, wie sieht eigentlich die Drohnenszenerie aus? Welche F\u00e4higkeiten haben wir? Welche Bedrohungen haben wir? Wir wollen aber auch \u00fcben, wie k\u00f6nnen wir bei einem Massenanfall von Verletzten unterst\u00fctzen? Das Besondere dabei ist, dass wir das nicht abgeschirmt, isoliert auf einem Truppen\u00fcbungsplatz machen wollen, sondern wir sind ja das Landeskommando Hamburg in der Gro\u00dfstadt Hamburg. Deshalb m\u00f6chten wir diese Szenare gerne in einem st\u00e4dtischen Umfeld und vor allen Dingen in der Zusammenarbeit mit anderen zivilen Blaulichtorganisationen durchf\u00fchren, um in der Resilienzbildung, auch in der gesamtstaatlichen Verteidigung hier einen Beitrag leisten zu k\u00f6nnen. Es ist wichtig, dass wir mit der Polizei, mit der Feuerwehr, mit dem THW und mit anderen eine gemeinsame Sprache sprechen, ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis haben, dass diese Menschen, die dann in diesen unterschiedlichen Organisationen zusammenkommen, sich auch vorher schon kennen. Meine Aufgabe ist es ja, einen Beitrag zu leisten zur gesamtstaatlichen Verteidigung in Hamburg. WELT: Diese Schnittstellen haben im Kalten Krieg vermutlich funktioniert \u2013 und m\u00fcssen jetzt wieder neu belebt werden und aktiviert werden.Leonards: Sicherlich waren wir vor 40 Jahren auf externe Bedrohungen anders und auch besser vorbereitet als heutzutage. Allerdings muss ich nat\u00fcrlich darauf hinweisen, dass das zuk\u00fcnftige Szenario, was wir erwarten, nicht eins zu eins mit dem Kalten Krieg zu vergleichen ist. Das Szenario bis 1990 war ja, dass ein m\u00f6gliches Operationsgebiet auf deutschem Boden gelegen h\u00e4tte. Heute gehen wir davon aus, es gibt eine theoretische Wahrscheinlichkeit, dass das Testen der Nato im Nordosten Europa stattfinden k\u00f6nnte, im Baltikum, in Finnland, in Polen. Das w\u00fcrde bedeuten, dass auch die Bundeswehr die Kr\u00e4fte in diese L\u00e4nder verlegen w\u00fcrde, wo dieses Testen der Nato als Erstes erwartet wird. Im Kalten Krieg war die Nato in Deutschland. In Szenarien, mit denen wir uns jetzt besch\u00e4ftigen, k\u00f6nnte es sein, dass gro\u00dfe Teile der Bundeswehr in den Operationsgebieten stehen, au\u00dferhalb von Deutschland, im Baltikum oder in Skandinavien. WELT: Geht es bei Red Storm Bravo auch um die logistischen Abl\u00e4ufe, die man testen muss, um gr\u00f6\u00dfere Truppenkontingente durch die Stadt zu bringen?Leonards: Was passiert eigentlich, wenn eine Milit\u00e4rkolonne durch eine Stadt f\u00e4hrt? Welche Aufgaben haben dabei die Polizei und die Feldj\u00e4ger, also die Milit\u00e4rpolizei? Wie ist das Zusammenspiel von Feldj\u00e4gern und Landespolizei? Wie \u00fcberwacht man eine Kolonne aus der Luft? Das sind alles Dinge, die wir vor allem im urbanen Gebiet, zumindest in Hamburg, lange nicht mehr trainiert haben. Und deshalb wollen wir die \u00dcbung Red Storm Bravo nicht abgeschirmt, isoliert auf einem Truppen\u00fcbungsplatz stattfinden lassen, sondern in unserem urbanen Gebiet in Hamburg. WELT: Wird Hamburg in den Szenarien der Nato und der Bundeswehr zuk\u00fcnftig auch ein Anlandehafen sein, so wie etwa Bremerhaven f\u00fcr die USA und f\u00fcr die Nato? Leonards: Um den Aufmarsch der Nato durch Deutschland durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen und organisieren zu k\u00f6nnen, ist der Operationsplan Deutschland entwickelt worden. Dieser Operationsplan Deutschland beschreibt die logistische Drehscheibe in Deutschland und welche Rolle einzelne Bundesl\u00e4nder dabeihaben. Dabei m\u00fcssen wir auch wieder lernen, dass es Dokumente gibt, die nicht \u00f6ffentlich diskutiert werden k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch, wo werden welche Truppen landen, auf welche Weise, zur See, zu Land oder an Flugh\u00e4fen. Deshalb kann ich dazu nur begrenzt Aussagen treffen. WELT: K\u00f6nnen Sie sagen, welche Erkenntnisse Sie aus Red Storm Alpha im vergangenen Jahr gezogen haben, die jetzt hilfreich sind, um sie in einer n\u00e4chsten \u00dcbung einzubringen und anzuwenden? Leonards: Bei Red Storm Alpha haben wir die Sicherung eines Checkpoints ge\u00fcbt, mit Reservisten, und zwar im Hafengebiet. Dabei haben wir gelernt: Wir brauchen eine gemeinsame Sprache. Die milit\u00e4rische Sprache kann anders sein als die Sprache der Polizei und der Feuerwehr und des THWs. Wir m\u00fcssen wissen, mit wem k\u00f6nnen wir wie in Verbindung treten. Wie kommt man \u00fcberhaupt in den Hafen rein, sodass niemand \u00fcberrascht ist und alle das auch wollen? Daf\u00fcr muss man sich heutzutage eng verbinden. Es hilft, wenn man dann in einem stetigen Austausch steht, sich gemeinsam Gedanken \u00fcber Bedrohungslagen macht, sich austauscht und gemeinsam dar\u00fcber unterh\u00e4lt, wie der einzelne Bereich resilienter werden kann. Ich glaube, das haben wir bei Red Storm Alpha mitgenommen. Deshalb l\u00e4uft Red Storm Bravo jetzt nicht mehr nur im Hafen, sondern auch an der Schnittstelle von Hafen und Stadtgebiet und findet in beiden Bereichen statt. WELT: Werden Sie solche \u00dcbungen j\u00e4hrlich machen?Leonards: Jedes Landeskommando ist verantwortlich daf\u00fcr, um mit der jeweiligen Landesregierung gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie man die gesamtstaatliche Verteidigung im zivil-milit\u00e4rischen Bereich weiterentwickeln kann. Da sind wir in Hamburg froh, dass wir mit den Beh\u00f6rden, hier vor allen Dingen mit der Beh\u00f6rde f\u00fcr Inneres und Sport, in einem sehr guten Einklang stehen und uns auf w\u00f6chentlicher oder auf t\u00e4glicher Basis austauschen. Gemeinsam mit den Landesbeh\u00f6rden des Bundeslandes Hamburg werden wir dann auch \u00fcberlegen, ob wir ein Red Storm Charlie weiterentwickeln wollen und ein Red Storm Delta. Ich denke, die Entwicklung geht dahin. WELT: Das Man\u00f6ver kommandieren Sie von hier aus? Leonards: Ja, wir bauen in unserer Kaserne hier einen Gefechtsstand auf. Man kann auch sagen, eine Operationszentrale. Diese Operationszentrale ist mit anderen Zentralen der zivilen Blaulichtorganisationen verbunden. Wir haben Verbindungsoffiziere in den anderen F\u00fchrungszentralen. Bei uns sind Verbindungspersonen der anderen Blaulichtorganisationen in unserer Operationszentrale. Und deshalb ist Red Storm Bravo f\u00fcr uns eine \u00dcbung, die im Grundsatz schon im Januar begonnen hat, denn seither haben wir gemeinsame Planungskonferenzen. Wir nennen so etwas Initial Planning Conference, Main Planning Conference, Final Planning Conference: Wie setzen wir eigentlich etwas auf? Welche \u00dcbungsziele bringt eine Entit\u00e4t mit in diese \u00dcbungsgemeinschaft? Wie k\u00f6nnen wir sicherstellen, dass die Polizei ihre \u00dcbungsziele erreichen kann? Andere Blaulichtorganisationen, sogar zivile Firmen und die Bundeswehr. Das ist auf diesen Konferenzen besprochen worden. Seit Januar sind wir in einem konstanten Gespr\u00e4chsprozess. An den zwei Tagen im September erfolgt dann lediglich die Ausf\u00fchrung der \u00dcbung, \u00fcbrigens mit etwa 400 bis 500 Soldaten der Bundeswehr. Die Hauptarbeit ist vorher geschehen. WELT: Seitdem der Operationsplan Deutschland im vergangenen Jahr aktiviert worden ist \u2013 wie gut hat sich in Hamburg die Zusammenarbeit zwischen allen daran Beteiligten entwickelt? Leonards: Das l\u00e4uft in Hamburg sehr gut. Weil wir hier von Anfang an als Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr \u00fcberhaupt keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste erlebt haben. Ganz im Gegenteil. Die Beh\u00f6rde f\u00fcr Inneres und Sport hat sich auch mit Dienstposten neu aufgestellt, hat eine neue Abteilung gegr\u00fcndet. Dort ist das Thema zivil-milit\u00e4rische Zusammenarbeit, aber auch gesamtstaatliche Verteidigung abgebildet. Mit diesen Menschen dort sind wir in Verbindung, aber auch mit den anderen Beh\u00f6rden, die durch die anderen Senatorinnen und Senatoren gef\u00fchrt werden. Wir befinden uns in einer Vortragsserie mit den anderen Beh\u00f6rden, aber, das muss ich auch sagen, auch mit vielen Firmen der Wirtschaft, die selbst initiativ auf das Landeskommando zugekommen sind und gefragt haben, k\u00f6nnen wir einen Vortrag zur sicherheitspolitischen Lage bekommen? Welche Dinge sollten wir in unserem Unternehmen durchdenken? Wir sind hier in Hamburg in einem sehr intensiven Austausch auch mit der Zivilgesellschaft. WELT: Bieten Ihnen die Unternehmen dabei auch Unterst\u00fctzung an?Leonards: Uns sprechen Wirtschaftsunternehmen an und stellen zuerst mal Fragen zum Beispiel nach dem Beschaffungsprozess der Bundeswehr und bieten ihre F\u00e4higkeiten und ihre Produkte an. Aber wir haben auch ganz konkret Menschen \u2013 auch aus F\u00fchrungspositionen \u2013, die zu uns kommen und sagen, wir haben verschiedene Vortr\u00e4ge geh\u00f6rt und wir wollen pers\u00f6nlich einen Beitrag leisten. Sie erkundigen sich nach Reservistenlaufbahnen, nach unterschiedlichen Formen von Wehrdienst. Dort sind wir auch so etwas wie eine Auskunftsstelle und vermitteln Menschen, weil sie wirklich initiativ auf uns zukommen. WELT: Welchen Eindruck haben Sie \u00fcber die Qualit\u00e4t der Infrastruktur im Hamburger Hafen oder \u00fcber m\u00f6gliche Defizite? Leonards: Zuerst mal habe ich den Eindruck, dass der Hamburger Hafen ein sehr genaues Bild \u00fcber die Eigenlage hat, wie wir das im Milit\u00e4rischen ausdr\u00fccken w\u00fcrden, eine ganz realistische Sichtweise. Und auch da sind wir in der Lage, uns auszutauschen. Wir sind auch in der Lage, mit verschiedenen Vertretern der Wirtschaft, zum Beispiel der Handelskammer, aber nat\u00fcrlich in allererster Linie auch mit den Beh\u00f6rden der Senatorinnen und Senatoren \u00fcber eingestufte Dinge des Operationsplans zu sprechen. Der Hamburger Hafen hat ein ganz realistisches Bild von seinen M\u00f6glichkeiten und Grenzen. WELT: Haben Sie Erkenntnisse dar\u00fcber, dass auch in Hamburg und im Hafen verst\u00e4rkt Drohnenaktivit\u00e4ten stattfinden? Leonards: Wir wissen und nehmen das wahr durch Beobachtungen, durch Meldungen, dass es diese Drohnen\u00fcberfl\u00fcge \u00fcber Hamburg gibt. \u00dcbrigens auch \u00fcber Hamburger Kasernen. Auch \u00fcber diese Kaserne, in der wir gerade sitzen, sind in diesem Jahr schon zahlreiche Drohnen\u00fcberfl\u00fcge festgestellt worden. Nat\u00fcrlich wei\u00df man dann nicht immer, was der Ursprung ist. Sind das sehr professionelle, geheimdienstbasierte T\u00e4tigkeiten oder sind das einfach Hobby-Drohnenflieger? Da muss man dann immer sehr unterscheiden. Deshalb kommt es darauf an, das ganz genau zu beschreiben, was wir sehen. Ich glaube, wir haben immer mehr F\u00e4higkeiten, Drohnen zu detektieren. Also immer mehr Sensoren. Und sicherlich haben wir auch Effektoren.WELT: Hamburg hat drei Heimatschutzkompanien aufgebaut. Wie wird sich das hier weiterentwickeln? 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