{"id":271297,"date":"2025-09-04T19:26:14","date_gmt":"2025-09-04T16:26:14","guid":{"rendered":"https:\/\/vof-news.eu\/die-klare-ansage-des-unicredit-chefs-an-die-deutsche-politik\/"},"modified":"2025-09-04T19:26:38","modified_gmt":"2025-09-04T16:26:38","slug":"die-klare-ansage-des-unicredit-chefs-an-die-deutsche-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/die-klare-ansage-des-unicredit-chefs-an-die-deutsche-politik\/","title":{"rendered":"Die klare Ansage des Unicredit-Chefs an die deutsche Politik"},"content":{"rendered":"<p>Sicher, die Haltung der deutschen Politik sei f\u00fcr ihn schon ein wichtiger Faktor, sagt Andrea Orcel. Aber andere Faktoren seien eben noch wichtiger. \u201eVerantwortlich sind wir unseren Aktion\u00e4ren, unseren Kunden und unseren Mitarbeitern. Regierungen gegen\u00fcber sind wir nicht verantwortlich\u201c, erkl\u00e4rt der Chef der italienischen Gro\u00dfbank <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/unicredit\/\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/unicredit\/\">Unicredit.<\/a> Um dann gener\u00f6s zu erg\u00e4nzen: \u201eAber wir ber\u00fccksichtigen sie.\u201c<\/p>\n<p>Es ist eine ebenso freundliche wie bestimmte <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus256391814\/Niemand-will-verkaufen-Das-Commerzbank-Paradoxon.html\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus256391814\/Niemand-will-verkaufen-Das-Commerzbank-Paradoxon.html\">Ansage Richtung Berlin<\/a>. Sie stammt von einem Mann, der sich zwar um Verst\u00e4ndigung bem\u00fcht, aber auch alle Tr\u00fcmpfe in der Hand zu haben glaubt. Mit seinem Griff nach der Commerzbank hat Orcel vor einem Jahr in Politik und Finanzbranche m\u00e4chtig Staub aufgewirbelt. <\/p>\n<p>Bei der j\u00e4hrlichen Bankenkonferenz des \u201eHandelsblatts\u201c pr\u00e4sentiert er sich nun erstmals seit dem Einstieg einem gr\u00f6\u00dferen deutschen Publikum. Er gibt sich als guter Europ\u00e4er, als <em>Uomo di fascino<\/em>, als Mann mit Charme. Der nur gelegentlich ein paar Spitzen in Richtung all der Skeptiker richtet, die die Logik seiner Pl\u00e4ne einfach nicht verstehen k\u00f6nnen. Oder wollen. <\/p>\n<p>Von denen gibt es eine ganze Menge \u2013 zum Beispiel in der Berliner Bundesregierung. Deren wichtigste Protagonisten haben sich in ihrer ablehnenden Haltung ungew\u00f6hnlich weit aus dem Fenster gelehnt. \u201eWir erwarten, dass UniCredit den \u00dcbernahmeversuch aufgibt. Wir setzen weiter auf eine eigenst\u00e4ndige Commerzbank\u201c, sagte <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/infoline_nt\/wirtschaft_nt\/article256094436\/Klingbeil-Setzen-auf-Eigenstaendigkeit-der-Commerzbank.html\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/infoline_nt\/wirtschaft_nt\/article256094436\/Klingbeil-Setzen-auf-Eigenstaendigkeit-der-Commerzbank.html\">Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) <\/a> vor wenigen Wochen. Die Commerzbank sei eine systemrelevante Bank in Deutschland. \u201eSie hat bewiesen, dass sie auch eigenst\u00e4ndig erfolgreich sein kann.\u201c<\/p>\n<p>Bundeskanzler Friedrich Merz \u00e4u\u00dferte sich zuletzt \u00e4hnlich. Die Mail\u00e4nder Man\u00f6ver bezeichnete er als \u201eunfreundliche Vorgehensweise, die wir nicht akzeptieren und unterst\u00fctzen.\u201c Ein fusioniertes Institut sei aufgrund seiner Bilanzstruktur ein \u201eRisiko f\u00fcr den Kapitalmarkt.\u201c Bevor diese Frage nicht gekl\u00e4rt sei, werde er bei seiner Meinung bleiben. Einen Widerspruch zu seinem Pl\u00e4doyer f\u00fcr einen starken Kapitalmarkt in Europa k\u00f6nne er in seiner Haltung nicht erkennen. <\/p>\n<p>Die Politiker haben sich wohl auch deshalb so ablehnend ge\u00e4u\u00dfert, weil sie sich von Orcel schlicht \u00fcbert\u00f6lpelt f\u00fchlen. Als die damalige Ampel-Koalition im vergangenen Herbst beschloss, einen Teil der in der Finanzkrise \u00fcbernommenen Commerzbank-Aktien an den Markt zu bringen, rechneten ihre Vertreter nicht damit, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus253461362\/Unicredit-Der-Commerzbank-Coup.html\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus253461362\/Unicredit-Der-Commerzbank-Coup.html\">dass ein Wettbewerber die Chance zum Einstieg nutzen w\u00fcrde<\/a>. <\/p>\n<p>Allen Appellen zum Trotz hat Orcel die Position seitdem <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.businessinsider.de\/wirtschaft\/einstieg-ueber-umwege-unicredit-verdoppelt-commerzbank-anteile\/\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/wirtschaft\/einstieg-ueber-umwege-unicredit-verdoppelt-commerzbank-anteile\/\">immer weiter ausgebaut<\/a>. Aktuell liegt sie bei 26 Prozent, Ende des Jahres d\u00fcrften es \u201eum die 30 Prozent\u201c sein, sagt Orcel. Mehr d\u00fcrfte es kaum sein. Denn dann m\u00fcsste er den Commerzbank-Aktion\u00e4ren ein offizielles \u00dcbernahmeangebot unterbreiten. Das soll es nicht geben. Vorerst.<\/p>\n<p>Dass ein Zusammenschluss sinnvoll w\u00e4re, liegt f\u00fcr den Unicredit-Chef dabei auf der Hand. Der deutsche Bankenmarkt sei enorm fragmentiert, weshalb das Angebot f\u00fcr die Kunden alles andere als optimal ausfalle. Gleichzeitig seien die gesch\u00e4ftlichen \u00dcberschneidungen zwischen beiden Banken \u00fcberschaubar, selbst im Mittelstandsgesch\u00e4ft k\u00e4me ein fusioniertes Institut nur auf einen Marktanteil von gut zw\u00f6lf Prozent. Von einem Zusammenschluss profitierten am Ende nicht nur Kunden und Aktion\u00e4re, sondern ganz Europa. <\/p>\n<p>Denn aktuell gebe es zu viele Hindernisse f\u00fcr den freien Fluss von Liquidit\u00e4t. \u201eOhne diesen Treibstoff gibt es keine Transformation\u201c, sagte Orcel. Umso erstaunlicher seien die protektionistischen Interventionen, mit denen Politiker Zusammenschl\u00fcsse europ\u00e4ischer Banken zu verhindern suchten. Nicht nur in Deutschland, aber eben auch dort. <\/p>\n<p>Den Sinn einer Fusion hatte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp am Vortag an gleicher Stelle nochmals in Frage gestellt. Ihr Fokus liege darauf, \u201eaus eigener Kraft Weiterentwicklung zu schaffen\u201c, sagte sie. Sie verwies auf die guten Ergebnisse und die ehrgeizigen Ziele des Instituts f\u00fcr 2028, auf f\u00fcr die Aktion\u00e4re attraktive Dividenden und Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe.  Ob sich die Selbstst\u00e4ndigkeit damit erhalten l\u00e4sst? Bei einer Umfrage glaubten 78 Prozent der Anwesenden im Saal, dass es zu einer \u00dcbernahme kommen werde. <\/p>\n<h3>Die Chancen stehen gut<\/h3>\n<p>Dass die Chancen trotz der ablehnenden T\u00f6ne aus Berlin und Frankfurt gut stehen, wei\u00df auch Orcel. Er wirkt komplett gelassen, wenn er mit sonorer Stimme beklagt, dass es keine Diskussionen \u00fcber ein Zusammengehen mit der Bankf\u00fchrung und der Bundesregierung gebe. Gleichzeitig lobt er die \u201ekonstruktive Beziehung\u201c &#8211; wie jeder andere gro\u00dfe Investor f\u00fchre Unicredit einmal im Quartal Gespr\u00e4che mit der F\u00fchrung der Commerzbank. <\/p>\n<p>Und wie jeder andere gro\u00dfe Anteilseigner auch sei man zufrieden, wenn es gut laufe, und werde intervenieren, wenn es weniger gut laufe. Wovon er freilich nicht ausgehe.  \u201eDie Commerzbank ist nicht schlecht\u201c, sagt Orcel g\u00f6nnerhaft. Um dann wenig sp\u00e4ter darzulegen, dass die Commerzbank-Aktie auf dem aktuellen Niveau dann wohl doch eher \u00fcberbewertet sei. <\/p>\n<p>Verbreitete Einw\u00e4nde wie m\u00f6gliche Interessenkonflikte oder einen R\u00fcckzug von der Finanzierung deutscher Unternehmen im Krisenfall sind f\u00fcr Orcel kaum mehr als Ablenkungsman\u00f6ver. Und auch ein anderes Szenario will er entkr\u00e4ften: Vor allem die Arbeitnehmervertreter f\u00fcrchten f\u00fcr den Fall einer Fusion einen deutlichen Stellenabbau, das Schicksal der von Unicredit vor 20 Jahren \u00fcbernommenen M\u00fcnchener HypoVereinsbank k\u00f6nnte f\u00fcr diesen als Blaupause dienen. Betriebsratschef Sascha Uebel hatte Orcel deshalb zuletzt die Kapitulation empfohlen:  \u201eSein n\u00e4chster Schritt sollte sein, seine Aktien zu verkaufen, die Gewinne mitzunehmen und nach Hause zu gehen.\u201c <\/p>\n<p>Kostenersparnisse seien f\u00fcr die meisten Bankenfusionen der wichtigste Treiber gewesen, bei einer m\u00f6glichen \u00dcbernahme der Commerzbank gehe es jedoch um h\u00f6here Ertr\u00e4ge. \u201eWir werden das Netzwerk nicht anr\u00fchren, wir wollen investieren und Marktanteile gewinnen\u201c, sagt Orcel. Nur in der Zentrale w\u00fcrde vermutlich eine erhebliche Zahl von Stellen wegfallen. <\/p>\n<p>Allerdings k\u00f6nnte es noch schlimmer kommen: Wenn die Commerzbank allein bleibe, werde sie vermutlich mehr Stellen abbauen als im Fall einer Fusion. Das liege am unerbittlichen Diktat der Effizienz. Niemand k\u00f6nne mit einem Kosten-Ertrags-Verh\u00e4ltnis von 57 Prozent \u00fcberleben, wenn Wettbewerber bei 40 Prozent und weniger l\u00e4gen. <\/p>\n<p>Unicredit lag zuletzt bei rund 38 Prozent, immer wieder lobt Orcel Effizienz und Erfolge der Bank, die sich voll auf Kurs befinde, um ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Daf\u00fcr brauche sie die Commerzbank-\u00dcbernahme definitiv nicht. Und doch: \u201eWir haben einen Plan\u201c, sagt Orcel. \u201eWir sind genau da, wo wir sein wollten\u201c. Und l\u00e4chelt.<\/p>\n<p><b><em>Dieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und <\/em><\/b><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.businessinsider.de\/\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/\"><b><em>Business Insider <\/em><\/b><\/a><b><em>erstellt.<\/em><\/b><\/p>\n<p><b><em>Cornelius Welp ist Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. Er schreibt \u00fcber Banken, Versicherungen, Finanzinvestoren und Unternehmen.<\/em><\/b><b><br \/>\n<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sicher, die Haltung der deutschen Politik sei f\u00fcr ihn schon ein wichtiger Faktor, sagt Andrea Orcel. 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Von denen gibt es eine ganze Menge \u2013 zum Beispiel in der Berliner Bundesregierung. Deren wichtigste Protagonisten haben sich in ihrer ablehnenden Haltung ungew\u00f6hnlich weit aus dem Fenster gelehnt. \u201eWir erwarten, dass UniCredit den \u00dcbernahmeversuch aufgibt. Wir setzen weiter auf eine eigenst\u00e4ndige Commerzbank\u201c, sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) vor wenigen Wochen. Die Commerzbank sei eine systemrelevante Bank in Deutschland. \u201eSie hat bewiesen, dass sie auch eigenst\u00e4ndig erfolgreich sein kann.\u201cBundeskanzler Friedrich Merz \u00e4u\u00dferte sich zuletzt \u00e4hnlich. Die Mail\u00e4nder Man\u00f6ver bezeichnete er als \u201eunfreundliche Vorgehensweise, die wir nicht akzeptieren und unterst\u00fctzen.\u201c Ein fusioniertes Institut sei aufgrund seiner Bilanzstruktur ein \u201eRisiko f\u00fcr den Kapitalmarkt.\u201c Bevor diese Frage nicht gekl\u00e4rt sei, werde er bei seiner Meinung bleiben. 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Vorerst.Dass ein Zusammenschluss sinnvoll w\u00e4re, liegt f\u00fcr den Unicredit-Chef dabei auf der Hand. Der deutsche Bankenmarkt sei enorm fragmentiert, weshalb das Angebot f\u00fcr die Kunden alles andere als optimal ausfalle. Gleichzeitig seien die gesch\u00e4ftlichen \u00dcberschneidungen zwischen beiden Banken \u00fcberschaubar, selbst im Mittelstandsgesch\u00e4ft k\u00e4me ein fusioniertes Institut nur auf einen Marktanteil von gut zw\u00f6lf Prozent. Von einem Zusammenschluss profitierten am Ende nicht nur Kunden und Aktion\u00e4re, sondern ganz Europa. Denn aktuell gebe es zu viele Hindernisse f\u00fcr den freien Fluss von Liquidit\u00e4t. \u201eOhne diesen Treibstoff gibt es keine Transformation\u201c, sagte Orcel. Umso erstaunlicher seien die protektionistischen Interventionen, mit denen Politiker Zusammenschl\u00fcsse europ\u00e4ischer Banken zu verhindern suchten. Nicht nur in Deutschland, aber eben auch dort. Den Sinn einer Fusion hatte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp am Vortag an gleicher Stelle nochmals in Frage gestellt. Ihr Fokus liege darauf, \u201eaus eigener Kraft Weiterentwicklung zu schaffen\u201c, sagte sie. Sie verwies auf die guten Ergebnisse und die ehrgeizigen Ziele des Instituts f\u00fcr 2028, auf f\u00fcr die Aktion\u00e4re attraktive Dividenden und Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe. Ob sich die Selbstst\u00e4ndigkeit damit erhalten l\u00e4sst? Bei einer Umfrage glaubten 78 Prozent der Anwesenden im Saal, dass es zu einer \u00dcbernahme kommen werde. Die Chancen stehen gutDass die Chancen trotz der ablehnenden T\u00f6ne aus Berlin und Frankfurt gut stehen, wei\u00df auch Orcel. Er wirkt komplett gelassen, wenn er mit sonorer Stimme beklagt, dass es keine Diskussionen \u00fcber ein Zusammengehen mit der Bankf\u00fchrung und der Bundesregierung gebe. Gleichzeitig lobt er die \u201ekonstruktive Beziehung\u201c - wie jeder andere gro\u00dfe Investor f\u00fchre Unicredit einmal im Quartal Gespr\u00e4che mit der F\u00fchrung der Commerzbank. Und wie jeder andere gro\u00dfe Anteilseigner auch sei man zufrieden, wenn es gut laufe, und werde intervenieren, wenn es weniger gut laufe. Wovon er freilich nicht ausgehe. \u201eDie Commerzbank ist nicht schlecht\u201c, sagt Orcel g\u00f6nnerhaft. Um dann wenig sp\u00e4ter darzulegen, dass die Commerzbank-Aktie auf dem aktuellen Niveau dann wohl doch eher \u00fcberbewertet sei. Verbreitete Einw\u00e4nde wie m\u00f6gliche Interessenkonflikte oder einen R\u00fcckzug von der Finanzierung deutscher Unternehmen im Krisenfall sind f\u00fcr Orcel kaum mehr als Ablenkungsman\u00f6ver. Und auch ein anderes Szenario will er entkr\u00e4ften: Vor allem die Arbeitnehmervertreter f\u00fcrchten f\u00fcr den Fall einer Fusion einen deutlichen Stellenabbau, das Schicksal der von Unicredit vor 20 Jahren \u00fcbernommenen M\u00fcnchener HypoVereinsbank k\u00f6nnte f\u00fcr diesen als Blaupause dienen. Betriebsratschef Sascha Uebel hatte Orcel deshalb zuletzt die Kapitulation empfohlen: \u201eSein n\u00e4chster Schritt sollte sein, seine Aktien zu verkaufen, die Gewinne mitzunehmen und nach Hause zu gehen.\u201c Kostenersparnisse seien f\u00fcr die meisten Bankenfusionen der wichtigste Treiber gewesen, bei einer m\u00f6glichen \u00dcbernahme der Commerzbank gehe es jedoch um h\u00f6here Ertr\u00e4ge. \u201eWir werden das Netzwerk nicht anr\u00fchren, wir wollen investieren und Marktanteile gewinnen\u201c, sagt Orcel. Nur in der Zentrale w\u00fcrde vermutlich eine erhebliche Zahl von Stellen wegfallen. Allerdings k\u00f6nnte es noch schlimmer kommen: Wenn die Commerzbank allein bleibe, werde sie vermutlich mehr Stellen abbauen als im Fall einer Fusion. Das liege am unerbittlichen Diktat der Effizienz. Niemand k\u00f6nne mit einem Kosten-Ertrags-Verh\u00e4ltnis von 57 Prozent \u00fcberleben, wenn Wettbewerber bei 40 Prozent und weniger l\u00e4gen. Unicredit lag zuletzt bei rund 38 Prozent, immer wieder lobt Orcel Effizienz und Erfolge der Bank, die sich voll auf Kurs befinde, um ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Daf\u00fcr brauche sie die Commerzbank-\u00dcbernahme definitiv nicht. Und doch: \u201eWir haben einen Plan\u201c, sagt Orcel. \u201eWir sind genau da, wo wir sein wollten\u201c. Und l\u00e4chelt.Dieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und Business Insider erstellt.Cornelius Welp ist Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. 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Deren wichtigste Protagonisten haben sich in ihrer ablehnenden Haltung ungew\u00f6hnlich weit aus dem Fenster gelehnt. \u201eWir erwarten, dass UniCredit den \u00dcbernahmeversuch aufgibt. Wir setzen weiter auf eine eigenst\u00e4ndige Commerzbank\u201c, sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) vor wenigen Wochen. Die Commerzbank sei eine systemrelevante Bank in Deutschland. \u201eSie hat bewiesen, dass sie auch eigenst\u00e4ndig erfolgreich sein kann.\u201cBundeskanzler Friedrich Merz \u00e4u\u00dferte sich zuletzt \u00e4hnlich. Die Mail\u00e4nder Man\u00f6ver bezeichnete er als \u201eunfreundliche Vorgehensweise, die wir nicht akzeptieren und unterst\u00fctzen.\u201c Ein fusioniertes Institut sei aufgrund seiner Bilanzstruktur ein \u201eRisiko f\u00fcr den Kapitalmarkt.\u201c Bevor diese Frage nicht gekl\u00e4rt sei, werde er bei seiner Meinung bleiben. Einen Widerspruch zu seinem Pl\u00e4doyer f\u00fcr einen starken Kapitalmarkt in Europa k\u00f6nne er in seiner Haltung nicht erkennen. Die Politiker haben sich wohl auch deshalb so ablehnend ge\u00e4u\u00dfert, weil sie sich von Orcel schlicht \u00fcbert\u00f6lpelt f\u00fchlen. Als die damalige Ampel-Koalition im vergangenen Herbst beschloss, einen Teil der in der Finanzkrise \u00fcbernommenen Commerzbank-Aktien an den Markt zu bringen, rechneten ihre Vertreter nicht damit, dass ein Wettbewerber die Chance zum Einstieg nutzen w\u00fcrde. Allen Appellen zum Trotz hat Orcel die Position seitdem immer weiter ausgebaut. Aktuell liegt sie bei 26 Prozent, Ende des Jahres d\u00fcrften es \u201eum die 30 Prozent\u201c sein, sagt Orcel. Mehr d\u00fcrfte es kaum sein. Denn dann m\u00fcsste er den Commerzbank-Aktion\u00e4ren ein offizielles \u00dcbernahmeangebot unterbreiten. Das soll es nicht geben. Vorerst.Dass ein Zusammenschluss sinnvoll w\u00e4re, liegt f\u00fcr den Unicredit-Chef dabei auf der Hand. Der deutsche Bankenmarkt sei enorm fragmentiert, weshalb das Angebot f\u00fcr die Kunden alles andere als optimal ausfalle. Gleichzeitig seien die gesch\u00e4ftlichen \u00dcberschneidungen zwischen beiden Banken \u00fcberschaubar, selbst im Mittelstandsgesch\u00e4ft k\u00e4me ein fusioniertes Institut nur auf einen Marktanteil von gut zw\u00f6lf Prozent. Von einem Zusammenschluss profitierten am Ende nicht nur Kunden und Aktion\u00e4re, sondern ganz Europa. Denn aktuell gebe es zu viele Hindernisse f\u00fcr den freien Fluss von Liquidit\u00e4t. \u201eOhne diesen Treibstoff gibt es keine Transformation\u201c, sagte Orcel. Umso erstaunlicher seien die protektionistischen Interventionen, mit denen Politiker Zusammenschl\u00fcsse europ\u00e4ischer Banken zu verhindern suchten. Nicht nur in Deutschland, aber eben auch dort. Den Sinn einer Fusion hatte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp am Vortag an gleicher Stelle nochmals in Frage gestellt. Ihr Fokus liege darauf, \u201eaus eigener Kraft Weiterentwicklung zu schaffen\u201c, sagte sie. Sie verwies auf die guten Ergebnisse und die ehrgeizigen Ziele des Instituts f\u00fcr 2028, auf f\u00fcr die Aktion\u00e4re attraktive Dividenden und Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe. Ob sich die Selbstst\u00e4ndigkeit damit erhalten l\u00e4sst? Bei einer Umfrage glaubten 78 Prozent der Anwesenden im Saal, dass es zu einer \u00dcbernahme kommen werde. Die Chancen stehen gutDass die Chancen trotz der ablehnenden T\u00f6ne aus Berlin und Frankfurt gut stehen, wei\u00df auch Orcel. Er wirkt komplett gelassen, wenn er mit sonorer Stimme beklagt, dass es keine Diskussionen \u00fcber ein Zusammengehen mit der Bankf\u00fchrung und der Bundesregierung gebe. 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Allerdings k\u00f6nnte es noch schlimmer kommen: Wenn die Commerzbank allein bleibe, werde sie vermutlich mehr Stellen abbauen als im Fall einer Fusion. Das liege am unerbittlichen Diktat der Effizienz. Niemand k\u00f6nne mit einem Kosten-Ertrags-Verh\u00e4ltnis von 57 Prozent \u00fcberleben, wenn Wettbewerber bei 40 Prozent und weniger l\u00e4gen. Unicredit lag zuletzt bei rund 38 Prozent, immer wieder lobt Orcel Effizienz und Erfolge der Bank, die sich voll auf Kurs befinde, um ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Daf\u00fcr brauche sie die Commerzbank-\u00dcbernahme definitiv nicht. Und doch: \u201eWir haben einen Plan\u201c, sagt Orcel. \u201eWir sind genau da, wo wir sein wollten\u201c. Und l\u00e4chelt.Dieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und Business Insider erstellt.Cornelius Welp ist Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. 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Der nur gelegentlich ein paar Spitzen in Richtung all der Skeptiker richtet, die die Logik seiner Pl\u00e4ne einfach nicht verstehen k\u00f6nnen. Oder wollen. Von denen gibt es eine ganze Menge \u2013 zum Beispiel in der Berliner Bundesregierung. Deren wichtigste Protagonisten haben sich in ihrer ablehnenden Haltung ungew\u00f6hnlich weit aus dem Fenster gelehnt. \u201eWir erwarten, dass UniCredit den \u00dcbernahmeversuch aufgibt. Wir setzen weiter auf eine eigenst\u00e4ndige Commerzbank\u201c, sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) vor wenigen Wochen. Die Commerzbank sei eine systemrelevante Bank in Deutschland. \u201eSie hat bewiesen, dass sie auch eigenst\u00e4ndig erfolgreich sein kann.\u201cBundeskanzler Friedrich Merz \u00e4u\u00dferte sich zuletzt \u00e4hnlich. Die Mail\u00e4nder Man\u00f6ver bezeichnete er als \u201eunfreundliche Vorgehensweise, die wir nicht akzeptieren und unterst\u00fctzen.\u201c Ein fusioniertes Institut sei aufgrund seiner Bilanzstruktur ein \u201eRisiko f\u00fcr den Kapitalmarkt.\u201c Bevor diese Frage nicht gekl\u00e4rt sei, werde er bei seiner Meinung bleiben. Einen Widerspruch zu seinem Pl\u00e4doyer f\u00fcr einen starken Kapitalmarkt in Europa k\u00f6nne er in seiner Haltung nicht erkennen. Die Politiker haben sich wohl auch deshalb so ablehnend ge\u00e4u\u00dfert, weil sie sich von Orcel schlicht \u00fcbert\u00f6lpelt f\u00fchlen. Als die damalige Ampel-Koalition im vergangenen Herbst beschloss, einen Teil der in der Finanzkrise \u00fcbernommenen Commerzbank-Aktien an den Markt zu bringen, rechneten ihre Vertreter nicht damit, dass ein Wettbewerber die Chance zum Einstieg nutzen w\u00fcrde. Allen Appellen zum Trotz hat Orcel die Position seitdem immer weiter ausgebaut. 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Denn aktuell gebe es zu viele Hindernisse f\u00fcr den freien Fluss von Liquidit\u00e4t. \u201eOhne diesen Treibstoff gibt es keine Transformation\u201c, sagte Orcel. Umso erstaunlicher seien die protektionistischen Interventionen, mit denen Politiker Zusammenschl\u00fcsse europ\u00e4ischer Banken zu verhindern suchten. Nicht nur in Deutschland, aber eben auch dort. Den Sinn einer Fusion hatte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp am Vortag an gleicher Stelle nochmals in Frage gestellt. Ihr Fokus liege darauf, \u201eaus eigener Kraft Weiterentwicklung zu schaffen\u201c, sagte sie. Sie verwies auf die guten Ergebnisse und die ehrgeizigen Ziele des Instituts f\u00fcr 2028, auf f\u00fcr die Aktion\u00e4re attraktive Dividenden und Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe. Ob sich die Selbstst\u00e4ndigkeit damit erhalten l\u00e4sst? Bei einer Umfrage glaubten 78 Prozent der Anwesenden im Saal, dass es zu einer \u00dcbernahme kommen werde. Die Chancen stehen gutDass die Chancen trotz der ablehnenden T\u00f6ne aus Berlin und Frankfurt gut stehen, wei\u00df auch Orcel. Er wirkt komplett gelassen, wenn er mit sonorer Stimme beklagt, dass es keine Diskussionen \u00fcber ein Zusammengehen mit der Bankf\u00fchrung und der Bundesregierung gebe. Gleichzeitig lobt er die \u201ekonstruktive Beziehung\u201c - wie jeder andere gro\u00dfe Investor f\u00fchre Unicredit einmal im Quartal Gespr\u00e4che mit der F\u00fchrung der Commerzbank. Und wie jeder andere gro\u00dfe Anteilseigner auch sei man zufrieden, wenn es gut laufe, und werde intervenieren, wenn es weniger gut laufe. Wovon er freilich nicht ausgehe. \u201eDie Commerzbank ist nicht schlecht\u201c, sagt Orcel g\u00f6nnerhaft. Um dann wenig sp\u00e4ter darzulegen, dass die Commerzbank-Aktie auf dem aktuellen Niveau dann wohl doch eher \u00fcberbewertet sei. Verbreitete Einw\u00e4nde wie m\u00f6gliche Interessenkonflikte oder einen R\u00fcckzug von der Finanzierung deutscher Unternehmen im Krisenfall sind f\u00fcr Orcel kaum mehr als Ablenkungsman\u00f6ver. Und auch ein anderes Szenario will er entkr\u00e4ften: Vor allem die Arbeitnehmervertreter f\u00fcrchten f\u00fcr den Fall einer Fusion einen deutlichen Stellenabbau, das Schicksal der von Unicredit vor 20 Jahren \u00fcbernommenen M\u00fcnchener HypoVereinsbank k\u00f6nnte f\u00fcr diesen als Blaupause dienen. Betriebsratschef Sascha Uebel hatte Orcel deshalb zuletzt die Kapitulation empfohlen: \u201eSein n\u00e4chster Schritt sollte sein, seine Aktien zu verkaufen, die Gewinne mitzunehmen und nach Hause zu gehen.\u201c Kostenersparnisse seien f\u00fcr die meisten Bankenfusionen der wichtigste Treiber gewesen, bei einer m\u00f6glichen \u00dcbernahme der Commerzbank gehe es jedoch um h\u00f6here Ertr\u00e4ge. \u201eWir werden das Netzwerk nicht anr\u00fchren, wir wollen investieren und Marktanteile gewinnen\u201c, sagt Orcel. Nur in der Zentrale w\u00fcrde vermutlich eine erhebliche Zahl von Stellen wegfallen. Allerdings k\u00f6nnte es noch schlimmer kommen: Wenn die Commerzbank allein bleibe, werde sie vermutlich mehr Stellen abbauen als im Fall einer Fusion. Das liege am unerbittlichen Diktat der Effizienz. Niemand k\u00f6nne mit einem Kosten-Ertrags-Verh\u00e4ltnis von 57 Prozent \u00fcberleben, wenn Wettbewerber bei 40 Prozent und weniger l\u00e4gen. 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Die Chancen stehen gutDass die Chancen trotz der ablehnenden T\u00f6ne aus Berlin und Frankfurt gut stehen, wei\u00df auch Orcel. Er wirkt komplett gelassen, wenn er mit sonorer Stimme beklagt, dass es keine Diskussionen \u00fcber ein Zusammengehen mit der Bankf\u00fchrung und der Bundesregierung gebe. Gleichzeitig lobt er die \u201ekonstruktive Beziehung\u201c - wie jeder andere gro\u00dfe Investor f\u00fchre Unicredit einmal im Quartal Gespr\u00e4che mit der F\u00fchrung der Commerzbank. Und wie jeder andere gro\u00dfe Anteilseigner auch sei man zufrieden, wenn es gut laufe, und werde intervenieren, wenn es weniger gut laufe. Wovon er freilich nicht ausgehe. \u201eDie Commerzbank ist nicht schlecht\u201c, sagt Orcel g\u00f6nnerhaft. Um dann wenig sp\u00e4ter darzulegen, dass die Commerzbank-Aktie auf dem aktuellen Niveau dann wohl doch eher \u00fcberbewertet sei. 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Betriebsratschef Sascha Uebel hatte Orcel deshalb zuletzt die Kapitulation empfohlen: \u201eSein n\u00e4chster Schritt sollte sein, seine Aktien zu verkaufen, die Gewinne mitzunehmen und nach Hause zu gehen.\u201c Kostenersparnisse seien f\u00fcr die meisten Bankenfusionen der wichtigste Treiber gewesen, bei einer m\u00f6glichen \u00dcbernahme der Commerzbank gehe es jedoch um h\u00f6here Ertr\u00e4ge. \u201eWir werden das Netzwerk nicht anr\u00fchren, wir wollen investieren und Marktanteile gewinnen\u201c, sagt Orcel. Nur in der Zentrale w\u00fcrde vermutlich eine erhebliche Zahl von Stellen wegfallen. Allerdings k\u00f6nnte es noch schlimmer kommen: Wenn die Commerzbank allein bleibe, werde sie vermutlich mehr Stellen abbauen als im Fall einer Fusion. Das liege am unerbittlichen Diktat der Effizienz. Niemand k\u00f6nne mit einem Kosten-Ertrags-Verh\u00e4ltnis von 57 Prozent \u00fcberleben, wenn Wettbewerber bei 40 Prozent und weniger l\u00e4gen. Unicredit lag zuletzt bei rund 38 Prozent, immer wieder lobt Orcel Effizienz und Erfolge der Bank, die sich voll auf Kurs befinde, um ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Daf\u00fcr brauche sie die Commerzbank-\u00dcbernahme definitiv nicht. Und doch: \u201eWir haben einen Plan\u201c, sagt Orcel. \u201eWir sind genau da, wo wir sein wollten\u201c. Und l\u00e4chelt.Dieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und Business Insider erstellt.Cornelius Welp ist Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. 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Sie stammt von einem Mann, der sich zwar um Verst\u00e4ndigung bem\u00fcht, aber auch alle Tr\u00fcmpfe in der Hand zu haben glaubt. Mit seinem Griff nach der Commerzbank hat Orcel vor einem Jahr in Politik und Finanzbranche m\u00e4chtig Staub aufgewirbelt. Bei der j\u00e4hrlichen Bankenkonferenz des \u201eHandelsblatts\u201c pr\u00e4sentiert er sich nun erstmals seit dem Einstieg einem gr\u00f6\u00dferen deutschen Publikum. Er gibt sich als guter Europ\u00e4er, als Uomo di fascino, als Mann mit Charme. Der nur gelegentlich ein paar Spitzen in Richtung all der Skeptiker richtet, die die Logik seiner Pl\u00e4ne einfach nicht verstehen k\u00f6nnen. Oder wollen. Von denen gibt es eine ganze Menge \u2013 zum Beispiel in der Berliner Bundesregierung. Deren wichtigste Protagonisten haben sich in ihrer ablehnenden Haltung ungew\u00f6hnlich weit aus dem Fenster gelehnt. \u201eWir erwarten, dass UniCredit den \u00dcbernahmeversuch aufgibt. 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Als die damalige Ampel-Koalition im vergangenen Herbst beschloss, einen Teil der in der Finanzkrise \u00fcbernommenen Commerzbank-Aktien an den Markt zu bringen, rechneten ihre Vertreter nicht damit, dass ein Wettbewerber die Chance zum Einstieg nutzen w\u00fcrde. Allen Appellen zum Trotz hat Orcel die Position seitdem immer weiter ausgebaut. Aktuell liegt sie bei 26 Prozent, Ende des Jahres d\u00fcrften es \u201eum die 30 Prozent\u201c sein, sagt Orcel. Mehr d\u00fcrfte es kaum sein. Denn dann m\u00fcsste er den Commerzbank-Aktion\u00e4ren ein offizielles \u00dcbernahmeangebot unterbreiten. Das soll es nicht geben. Vorerst.Dass ein Zusammenschluss sinnvoll w\u00e4re, liegt f\u00fcr den Unicredit-Chef dabei auf der Hand. Der deutsche Bankenmarkt sei enorm fragmentiert, weshalb das Angebot f\u00fcr die Kunden alles andere als optimal ausfalle. 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Betriebsratschef Sascha Uebel hatte Orcel deshalb zuletzt die Kapitulation empfohlen: \u201eSein n\u00e4chster Schritt sollte sein, seine Aktien zu verkaufen, die Gewinne mitzunehmen und nach Hause zu gehen.\u201c Kostenersparnisse seien f\u00fcr die meisten Bankenfusionen der wichtigste Treiber gewesen, bei einer m\u00f6glichen \u00dcbernahme der Commerzbank gehe es jedoch um h\u00f6here Ertr\u00e4ge. \u201eWir werden das Netzwerk nicht anr\u00fchren, wir wollen investieren und Marktanteile gewinnen\u201c, sagt Orcel. Nur in der Zentrale w\u00fcrde vermutlich eine erhebliche Zahl von Stellen wegfallen. Allerdings k\u00f6nnte es noch schlimmer kommen: Wenn die Commerzbank allein bleibe, werde sie vermutlich mehr Stellen abbauen als im Fall einer Fusion. Das liege am unerbittlichen Diktat der Effizienz. Niemand k\u00f6nne mit einem Kosten-Ertrags-Verh\u00e4ltnis von 57 Prozent \u00fcberleben, wenn Wettbewerber bei 40 Prozent und weniger l\u00e4gen. 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Der nur gelegentlich ein paar Spitzen in Richtung all der Skeptiker richtet, die die Logik seiner Pl\u00e4ne einfach nicht verstehen k\u00f6nnen. Oder wollen. Von denen gibt es eine ganze Menge \u2013 zum Beispiel in der Berliner Bundesregierung. Deren wichtigste Protagonisten haben sich in ihrer ablehnenden Haltung ungew\u00f6hnlich weit aus dem Fenster gelehnt. \u201eWir erwarten, dass UniCredit den \u00dcbernahmeversuch aufgibt. Wir setzen weiter auf eine eigenst\u00e4ndige Commerzbank\u201c, sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) vor wenigen Wochen. Die Commerzbank sei eine systemrelevante Bank in Deutschland. \u201eSie hat bewiesen, dass sie auch eigenst\u00e4ndig erfolgreich sein kann.\u201cBundeskanzler Friedrich Merz \u00e4u\u00dferte sich zuletzt \u00e4hnlich. 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Aktuell liegt sie bei 26 Prozent, Ende des Jahres d\u00fcrften es \u201eum die 30 Prozent\u201c sein, sagt Orcel. Mehr d\u00fcrfte es kaum sein. Denn dann m\u00fcsste er den Commerzbank-Aktion\u00e4ren ein offizielles \u00dcbernahmeangebot unterbreiten. Das soll es nicht geben. Vorerst.Dass ein Zusammenschluss sinnvoll w\u00e4re, liegt f\u00fcr den Unicredit-Chef dabei auf der Hand. Der deutsche Bankenmarkt sei enorm fragmentiert, weshalb das Angebot f\u00fcr die Kunden alles andere als optimal ausfalle. Gleichzeitig seien die gesch\u00e4ftlichen \u00dcberschneidungen zwischen beiden Banken \u00fcberschaubar, selbst im Mittelstandsgesch\u00e4ft k\u00e4me ein fusioniertes Institut nur auf einen Marktanteil von gut zw\u00f6lf Prozent. Von einem Zusammenschluss profitierten am Ende nicht nur Kunden und Aktion\u00e4re, sondern ganz Europa. Denn aktuell gebe es zu viele Hindernisse f\u00fcr den freien Fluss von Liquidit\u00e4t. \u201eOhne diesen Treibstoff gibt es keine Transformation\u201c, sagte Orcel. Umso erstaunlicher seien die protektionistischen Interventionen, mit denen Politiker Zusammenschl\u00fcsse europ\u00e4ischer Banken zu verhindern suchten. Nicht nur in Deutschland, aber eben auch dort. Den Sinn einer Fusion hatte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp am Vortag an gleicher Stelle nochmals in Frage gestellt. Ihr Fokus liege darauf, \u201eaus eigener Kraft Weiterentwicklung zu schaffen\u201c, sagte sie. Sie verwies auf die guten Ergebnisse und die ehrgeizigen Ziele des Instituts f\u00fcr 2028, auf f\u00fcr die Aktion\u00e4re attraktive Dividenden und Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe. Ob sich die Selbstst\u00e4ndigkeit damit erhalten l\u00e4sst? Bei einer Umfrage glaubten 78 Prozent der Anwesenden im Saal, dass es zu einer \u00dcbernahme kommen werde. Die Chancen stehen gutDass die Chancen trotz der ablehnenden T\u00f6ne aus Berlin und Frankfurt gut stehen, wei\u00df auch Orcel. Er wirkt komplett gelassen, wenn er mit sonorer Stimme beklagt, dass es keine Diskussionen \u00fcber ein Zusammengehen mit der Bankf\u00fchrung und der Bundesregierung gebe. Gleichzeitig lobt er die \u201ekonstruktive Beziehung\u201c - wie jeder andere gro\u00dfe Investor f\u00fchre Unicredit einmal im Quartal Gespr\u00e4che mit der F\u00fchrung der Commerzbank. Und wie jeder andere gro\u00dfe Anteilseigner auch sei man zufrieden, wenn es gut laufe, und werde intervenieren, wenn es weniger gut laufe. Wovon er freilich nicht ausgehe. \u201eDie Commerzbank ist nicht schlecht\u201c, sagt Orcel g\u00f6nnerhaft. Um dann wenig sp\u00e4ter darzulegen, dass die Commerzbank-Aktie auf dem aktuellen Niveau dann wohl doch eher \u00fcberbewertet sei. Verbreitete Einw\u00e4nde wie m\u00f6gliche Interessenkonflikte oder einen R\u00fcckzug von der Finanzierung deutscher Unternehmen im Krisenfall sind f\u00fcr Orcel kaum mehr als Ablenkungsman\u00f6ver. Und auch ein anderes Szenario will er entkr\u00e4ften: Vor allem die Arbeitnehmervertreter f\u00fcrchten f\u00fcr den Fall einer Fusion einen deutlichen Stellenabbau, das Schicksal der von Unicredit vor 20 Jahren \u00fcbernommenen M\u00fcnchener HypoVereinsbank k\u00f6nnte f\u00fcr diesen als Blaupause dienen. Betriebsratschef Sascha Uebel hatte Orcel deshalb zuletzt die Kapitulation empfohlen: \u201eSein n\u00e4chster Schritt sollte sein, seine Aktien zu verkaufen, die Gewinne mitzunehmen und nach Hause zu gehen.\u201c Kostenersparnisse seien f\u00fcr die meisten Bankenfusionen der wichtigste Treiber gewesen, bei einer m\u00f6glichen \u00dcbernahme der Commerzbank gehe es jedoch um h\u00f6here Ertr\u00e4ge. \u201eWir werden das Netzwerk nicht anr\u00fchren, wir wollen investieren und Marktanteile gewinnen\u201c, sagt Orcel. Nur in der Zentrale w\u00fcrde vermutlich eine erhebliche Zahl von Stellen wegfallen. Allerdings k\u00f6nnte es noch schlimmer kommen: Wenn die Commerzbank allein bleibe, werde sie vermutlich mehr Stellen abbauen als im Fall einer Fusion. Das liege am unerbittlichen Diktat der Effizienz. Niemand k\u00f6nne mit einem Kosten-Ertrags-Verh\u00e4ltnis von 57 Prozent \u00fcberleben, wenn Wettbewerber bei 40 Prozent und weniger l\u00e4gen. Unicredit lag zuletzt bei rund 38 Prozent, immer wieder lobt Orcel Effizienz und Erfolge der Bank, die sich voll auf Kurs befinde, um ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Daf\u00fcr brauche sie die Commerzbank-\u00dcbernahme definitiv nicht. Und doch: \u201eWir haben einen Plan\u201c, sagt Orcel. \u201eWir sind genau da, wo wir sein wollten\u201c. Und l\u00e4chelt.Dieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und Business Insider erstellt.Cornelius Welp ist Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. 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