{"id":267494,"date":"2025-08-24T19:26:15","date_gmt":"2025-08-24T16:26:15","guid":{"rendered":"https:\/\/vof-news.eu\/es-gab-so-etwas-wie-eine-goldgraberstimmung-und-damit-auch-eine-gewisse-naivitat\/"},"modified":"2025-08-24T19:26:44","modified_gmt":"2025-08-24T16:26:44","slug":"es-gab-so-etwas-wie-eine-goldgraberstimmung-und-damit-auch-eine-gewisse-naivitat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/es-gab-so-etwas-wie-eine-goldgraberstimmung-und-damit-auch-eine-gewisse-naivitat\/","title":{"rendered":"\u201eEs gab so etwas wie eine Goldgr\u00e4berstimmung und damit auch eine gewisse Naivit\u00e4t\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Vor einem halben Jahrzehnt r\u00fcckte Wasserstoff in den Blick deutscher und internationaler Energiestrategien \u2013 mittlerweile ist es um den hochgelobten Energietr\u00e4ger wieder ruhiger geworden. Das Hamburger Unternehmen MB Energy plant eines der in Deutschland gr\u00f6\u00dften Importprojekte f\u00fcr Ammoniak und damit auch f\u00fcr Wasserstoff.  Volker Ebeling, 57, Vice President New Energy, Storage &amp; Infrastructure bei MB Energy, sagte WELT, warum der internationale Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft so kompliziert ist.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Herr Ebeling, MB Energy will im Hamburger Hafen einen Importterminal f\u00fcr Ammoniak errichten. Das Unternehmen Air Products soll dieses Ammoniak dann in Wasserstoff und Stickstoff aufspalten. Wann startet dieses Projekt? <\/p>\n<p><b>Volker Ebeling:<\/b> Wir haben das Projekt 2022 offiziell vorgestellt. Vor gut einem Jahr haben wir den Genehmigungsantrag bei der Hamburger Umweltbeh\u00f6rde eingereicht, mehr als 1500 Seiten. Die Teilgenehmigung f\u00fcr die Beladung der Schiffe liegt bereits vor. Wir  warten nun, dass der Antrag noch im Laufe dieses Jahres vollst\u00e4ndig genehmigt wird.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Erst dann k\u00f6nnen Sie auch damit beginnen, die Infrastruktur aufzubauen. <\/p>\n<p><b>Ebeling:<\/b> Der Teil, den wir realisieren wollen, ist der Ammoniak-Terminal, also die schiffseitige Anlieferung von Ammoniak und Einlagerung in einem gro\u00dfen Tank. Auch die Auslagerung von Ammoniak aus dem Tank auf kleine und gro\u00dfe Schiffe ist Teil unseres Genehmigungsantrages. Das ist der Teil, den MB Energy ma\u00dfgeblich im Projekt voranbringt. Air Products plant, dieses Ammoniak in einer eigenen Anlage in Wasserstoff und Stickstoff aufzuspalten. Allerdings hat Air Products daf\u00fcr bislang keinen Genehmigungsantrag gestellt. Das muss allerdings auch nicht unbedingt parallel zu unserem Genehmigungsverfahren laufen.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Was geschieht, wenn Air Products nicht in dieses Projekt einsteigt?<\/p>\n<p><b>Ebeling:<\/b>  Wir haben uns entschlossen, mit Air Products als einem sehr kompetenten Partner zusammenzuarbeiten, einem der gr\u00f6\u00dften Wasserstoffunternehmen der Welt. Wir k\u00f6nnten das aber auch gemeinsam mit anderen Partnern realisieren, mit denen wir im Austausch stehen.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Unabh\u00e4ngig von einer Aufspaltung des Ammoniaks k\u00f6nnten Sie es nach Hamburg importieren und dann weiterverkaufen?<\/p>\n<p><b>Ebeling: <\/b>Das ist der gro\u00dfe Vorteil, dass Ammoniak verschiedene Verwendungszwecke hat, die ja heute schon existieren. Wasserstoff in der Energiewirtschaft ist relativ neu. Aber Ammoniak wird heute schon in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von 200 Millionen Tonnen hergestellt und weltweit verwendet. Der gr\u00f6\u00dfte Teil davon, ann\u00e4hernd 80 Prozent, entf\u00e4llt auf die D\u00fcngemittelindustrie. Der \u00fcbrige Teil ist ein wichtiger Rohstoff oder Grundstoff f\u00fcr die Chemie f\u00fcr verschiedenste Anwendungszwecke. Ammoniak ist ein bekanntes Produkt mit existierenden M\u00e4rkten. Die Produktion von Ammoniak ist allerdings sehr abh\u00e4ngig vom Preis f\u00fcr Erdgas. Der notwendige Wasserstoff f\u00fcr das Ammoniak wird heutzutage aus Erdgas gewonnen. Seit dem Beginn des Ukrainekrieges und den gestiegenen Erdgaspreisen geht in Europa der Trend st\u00e4rker hin zum Import von Ammoniak.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Handelt MB Energy auch international mit Ammoniak? <\/p>\n<p><b>Ebeling: <\/b>Wir nehmen in diesen Wochen in Texas City, USA, eine der weltgr\u00f6\u00dften Ammoniak-Produktionsanlagen in Betrieb, an der wir ma\u00dfgeblich beteiligt sind. Dort werden bis zu 1,3 Millionen Tonnen Ammoniak im Jahr produziert. K\u00fcnftig k\u00f6nnte das auch sogenanntes \u201eblaues\u201c Ammoniak sein, mit Wasserstoff, der aus Erdgas extrahiert wird. Das dabei freiwerdende Kohlendioxid wird mithilfe der CCS-Technologie dann unterirdisch dauerhaft eingelagert. \u201eBlaues\u201c Ammoniak ist wichtig f\u00fcr die Skalierung, f\u00fcr den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft. Dieser Hochlauf l\u00e4sst sich in den kommenden Jahren mit \u201egr\u00fcnem\u201c Ammoniak, bei dem der Wasserstoff per Elektrolyse mithilfe von \u00d6kostrom gewonnen wird, so nicht realisieren.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Wie w\u00e4re der Zeitplan, wenn Sie in Hamburg gemeinsam mit Air Products den Import und die Aufspaltung von Ammoniak starten? <\/p>\n<p><b>Ebeling:<\/b> Wir gehen davon aus, dass wir gegen Ende des Jahres einen Genehmigungsbescheid bekommen. Der n\u00e4chste wesentliche Schritt w\u00e4re die finale Investitionsentscheidung. Zu dem Zeitpunkt m\u00fcssen wir uns mit unseren Eigent\u00fcmern darauf verst\u00e4ndigen, dass diese geplante Investition im dreistelligen Millionenbereich eine wirtschaftliche Berechtigung hat, dass sie rentabel und wirtschaftlich vertretbar ist. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, wie viel Ammoniak tats\u00e4chlich f\u00fcr den Import nachgefragt wird. Das ist bei der Energiewende das gr\u00f6\u00dfere Problem \u2013 die Nachfrage und die Bereitschaft von Kunden, f\u00fcr dieses Produkt einen bestimmten Preis zu bezahlen. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Sie sprechen mit potenziellen Kunden dar\u00fcber, wer in den kommenden Jahren \u201eblaues\u201c oder \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak kaufen will? <\/p>\n<p><b>Ebeling:<\/b> Die einen sind Kunden direkt aus der bestehenden Ammoniakwirtschaft, zum Beispiel f\u00fcr die Herstellung von D\u00fcngemitteln. Au\u00dferdem setzen wir darauf, dass in den kommenden f\u00fcnf bis zehn Jahre Ammoniak als Schiffskraftstoff relevant wird. Und wir sprechen mit Kunden, die Interesse daran haben, Ammoniak zu importieren und es in unserem Tank selbst umzuschlagen, f\u00fcr eigene Zwecke.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Wie schnell kann dieses Gesch\u00e4ft starten?<\/p>\n<p><b>Ebeling:<\/b> Wenn wir Ende dieses Jahres die Genehmigung bekommen, brauchen wir voraussichtlich sechs  bis zw\u00f6lf Monate, um abschlie\u00dfend die Investitionsentscheidung zu treffen, auch im Dialog mit potenziellen Kunden. Danach br\u00e4uchten wir zweieinhalb Jahre Bauzeit.<\/p>\n<p><b>WELT<\/b> Dieser Zeitplan w\u00e4re unabh\u00e4ngig von der Frage, ob sie mit Air Products hier in Hamburg zusammenarbeiten oder nicht. <\/p>\n<p><b>Ebeling:<\/b> Wir k\u00f6nnen mit der Genehmigung unseren Teil der Infrastruktur f\u00fcr den Import von Ammoniak errichten. Ich bin recht zuversichtlich, dass wir mit einer gewissen Verz\u00f6gerung diesen Importweg f\u00fcr Wasserstoff brauchen werden. Man muss dann den geeigneten Partner finden. Wichtig ist dabei auch der Aufbau eines Wasserstoffnetzes in Hamburg und in Deutschland, der bereits begonnen hat. Wasserstoff ist schwierig auf Stra\u00dfe und auf der Schiene zu transportieren. Pipelines werden ein ma\u00dfgeblicher Erfolgsfaktor f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft sein. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> \u201eBlaues\u201c Ammoniak mit der Abtrennung von Kohlendioxid bei dessen Herstellung, k\u00f6nnte aus den USA kommen, sagen Sie. Doch woher k\u00f6nnen Sie gro\u00dfe Mengen regenerativ erzeugtes, \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak bekommen?<\/p>\n<p><b>Ebeling: <\/b>Da schlie\u00dft sich der Kreis wieder mit Air Products, und zwar in Saudi-Arabien. Die neue Stadt Neom am Roten Meer soll zugleich auch der weltweit gr\u00f6\u00dfte Standort f\u00fcr die Produktion von Wasserstoff mithilfe erneuerbarer Energien werden, also mit Strom zum Beispiel aus Solarparks. Dieses Projekt ist ma\u00dfgeblich auch mit Air Products verbunden, das diesen Wasserstoff aus Saudi-Arabien in Form von Ammoniak exportieren will. Projekte f\u00fcr \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak gibt es auch in Indien, im Oman, den Vereinigten Arabische Emiraten. Auch in Kanada wird an solchen Projekten gearbeitet, mit Strom zum Beispiel aus gro\u00dfen Windparks. Kanada ist sicherlich einer der hochrelevanten neuen, potenziellen Exportm\u00e4rkte. <\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Haben Sie heute schon vor Augen, wie sich die importierten Mengen von Ammoniak in Hamburg entwickeln k\u00f6nnten?<\/p>\n<p><b>Ebeling:<\/b> Unter anderem besch\u00e4ftigen sich ma\u00dfgebliche deutsche Energieversorger aus der Stromwirtschaft mit dem Import von Ammoniak und Wasserstoff, mit Projekten bis hin nach Australien. Da ist mittlerweile ein globales, potenzielles Marktumfeld entstanden. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit namhaften internationalen und deutschen Unternehmen dabei gute Fortschritte machen. In diesem Sinne sind wir nicht von der Investitionsentscheidung bei Air Products allein abh\u00e4ngig. Wenn Air Products morgen sagt, wir stellen unser Projekt ein, dann hei\u00dft das f\u00fcr uns nicht, dass wir unser Projekt auch einstellen. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Allm\u00e4hlich bildet sich also ein internationaler Markt f\u00fcr Wasserstoff.<\/p>\n<p><b>Ebeling: <\/b>Im Moment sind es im Wesentlichen Projekte im Aufbau. Wasserstoff ist nicht so leicht zu transportieren wie in der Verbindung mit Stickstoff als Ammoniak, deshalb spielt Ammoniak f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft eine zentrale Rolle. Nach der Aufbruchstimmung f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft vor etwa f\u00fcnf Jahren hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass das mit einer hohen Komplexit\u00e4t verbunden ist. Das ist ein hochtechnisches Gesch\u00e4ft. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Haben Sie den Eindruck, dass die neue Bundesregierung das Thema Wasserstoff eher in den Hintergrund schiebt? Die Ampel-Koalition hat das ja als Prestigeprojekt betrachtet.<\/p>\n<p><b>Ebeling:<\/b> Das sehen wir nicht so. Unsere neue Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat Wasserstoffkenntnisse und bei diesem Thema einen soliden Hintergrund. Wir gehen davon aus, dass die F\u00f6rderung von Wasserstoff auch auf der Agenda der neuen Regierung steht. In welchem Umfang, das ist heute noch nicht so ganz klar. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Waren die Erwartungen speziell in die Erzeugung von \u201egr\u00fcnem\u201c Wasserstoff bislang zu gro\u00df? <\/p>\n<p><b>Ebeling:<\/b>  Es gab so etwas wie eine Goldgr\u00e4berstimmung und damit auch eine gewisse Naivit\u00e4t. Man hat die Komplexit\u00e4t bei der Herstellung und dem Transport von Wasserstoff untersch\u00e4tzt. Die Komplexit\u00e4t beim Aufbau einer Infrastruktur und eines Marktes braucht Zeit. Noch fehlen uns die Skalierungseffekte f\u00fcr den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft. Wo dieser Wasserstoff dann zu welchem Preis tats\u00e4chlich eingesetzt werden wird, wissen wir heutzutage noch nicht.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Manche Unternehmen wie der Stahlkonzern ArcelorMittal oder der Flugzeughersteller Airbus stellen ihre Wasserstoffpl\u00e4ne inzwischen wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p><b>Ebeling: <\/b>Die zeitlichen Ambitionen, die man am Anfang hatte, sind \u00fcberholt. Ich glaube, es bleibt aber trotzdem eine Frage des \u201eWann\u201c und nicht des \u201eOb\u201c \u2013 es sei denn, wir w\u00fcrden die Emissions- und Klimaziele in gro\u00dfen Teilen aufgeben. Klar ist zum Beispiel, dass wir nicht alles elektrifizieren k\u00f6nnen. F\u00fcr einen erheblichen Teil des Schwerlastverkehrs zum Beispiel bieten batterieelektrische Antriebe auf lange Sicht keine L\u00f6sung, man braucht daf\u00fcr Wasserstoff-Brennstoffzellen. Diese Technologie wird f\u00fcr Reichweiten bis zu 1200 Kilometer geeignet sein. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Werden wind- und sonnenreiche Staaten wie Saudi-Arabien in absehbarer Zeit ihre Produktion von \u201egr\u00fcnem\u201c Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol deutlich hochfahren? <\/p>\n<p><b>Ebeling:<\/b> Das findet ja bereits statt und die Bereitschaft ist auch durchaus da. Doch die Abnehmer sind bislang eben nicht so zahlreich, um solche Projekte tats\u00e4chlich zu unterst\u00fctzen und zu sagen, wir kaufen den Wasserstoff. Das liegt daran, dass Wasserstoff heutzutage noch deutlich teurer ist als etwa Erdgas. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Es gibt viele geopolitische Unsicherheiten, unter anderem auch, dass die USA ihre Produktion von Erdgas und Erd\u00f6l und Kohle unter Pr\u00e4sident Donald Trump wieder deutlich steigern wollen. Erschwert das den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft? <\/p>\n<p><b>Ebeling:<\/b> Woher kam der Enthusiasmus f\u00fcr den \u201egr\u00fcnen\u201c Wasserstoff vor f\u00fcnf Jahren? Sicher auch daher, dass wir gesagt haben, beim Erdgas haben wir \u2013 mit Blick auf Russland \u2013 etwas falsch gemacht, jetzt m\u00fcssen wir die Energieversorgung umbauen. Inzwischen haben sich die Gaspreise aber wieder weitestgehend normalisiert, und die Preisunterschiede und Aufschl\u00e4ge f\u00fcr erneuerbare Energien sind wieder pr\u00e4senter. Wir m\u00fcssen lernen, beim Umbau der Energieversorgung etwas langfristiger zu denken und auch zu handeln. Derzeit ist die CO2-Besteuerung in der Europ\u00e4ischen Union noch nicht so hoch, dass damit automatisch die erneuerbaren Energietr\u00e4ger zu den fossilen Energien wettbewerbsf\u00e4hig sind. Wir sind zum Beispiel beim Wasserstoff noch nicht auf einem \u00e4quivalenten Preisniveau wie beim Diesel. <\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Handelt die EU-Kommission beim Ausbau der erneuerbaren Energien und einer Wasserstoffwirtschaft nachvollziehbar und konsistent?<\/p>\n<p><b>Ebeling:<\/b> Das ist etwas verlangsamt worden. Aber wir sehen nach wie vor, dass die EU das konsequent voranbringt. Es werden steigende Quoten f\u00fcr den Einsatz von erneuerbaren Energien kommen. Allerdings wird vieles dabei heutzutage sehr eng reguliert. Warum muss es unbedingt nur \u201egr\u00fcner\u201c Wasserstoff sein? Warum fangen wir nicht mit \u201eblauem\u201c Wasserstoff an, wenn der schneller und billiger verf\u00fcgbar ist? Der Industrie sagt man dann, Ihr m\u00fcsst Eure Emissionen bis 2050 auf null senken, und mit welchen technologischen Mitteln die Unternehmen dahin kommen, das \u00fcberl\u00e4sst man ihnen selbst.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Wie gut f\u00f6rdert Hamburg den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft? <\/p>\n<p><b>Ebeling:<\/b> Wir haben einen sehr guten, offenen Austausch und eine erfreuliche Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft, auch mit dem Hafen. Da sind die Interessen alle sehr gleichgerichtet. Die Bedeutung eines Projektes wie unserem geplanten Hamburger Importterminal wird hier klar erkannt. Auch bei einer steigenden Eigenerzeugung von erneuerbaren Energien und von Wasserstoff wird Deutschland weiterhin ein Energie-Importland bleiben. Zwischen 50 und 70 Prozent des erneuerbaren Wasserstoffs wird Deutschland k\u00fcnftig importieren m\u00fcssen.  Hamburg muss dabei eine zentrale Rolle spielen. Das ist der gro\u00dfe Seehafen, das gro\u00dfe Verteilzentrum f\u00fcr Deutschland und auch weiter Teile Europas. Bei einem Importanteil von 50 Prozent des erwarteten Wasserstoffbedarfs reden wir \u00fcber eine Million Tonnen Wasserstoff, die eingef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Das Tanklager f\u00fcr Ammoniak, das wir in Hamburg gerade konzipieren, ist f\u00fcr bis zu einer Million Tonnen Ammoniak-Import im Jahr geeignet. Wir rechnen mit 600.000 Tonnen Jahresumschlag beim Ammoniak, das entspr\u00e4che etwa 100.000 Tonnen Wasserstoff. Viel Wasserstoff wird nat\u00fcrlich k\u00fcnftig auch durch Pipelines importiert werden m\u00fcssen. Daf\u00fcr brauchen wir in ganz Deutschland ein funktionsf\u00e4higes Wasserstoff-Kernnetz.<\/p>\n<p><b><em>Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.<\/em><\/b><\/p>\n<p><b><em>Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.<\/em><\/b><em>Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.<\/em><\/p>\n<p><b><em>Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Die Energiewirtschaft z\u00e4hlt zu seinen Schwerpunktthemen.<\/em><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einem halben Jahrzehnt r\u00fcckte Wasserstoff in den Blick deutscher und internationaler Energiestrategien \u2013 mittlerweile ist es um den hochgelobten Energietr\u00e4ger wieder ruhiger geworden. Das Hamburger Unternehmen MB Energy plant eines der in Deutschland gr\u00f6\u00dften Importprojekte f\u00fcr Ammoniak und damit auch f\u00fcr Wasserstoff. 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Wir warten nun, dass der Antrag noch im Laufe dieses Jahres vollst\u00e4ndig genehmigt wird.WELT: Erst dann k\u00f6nnen Sie auch damit beginnen, die Infrastruktur aufzubauen. Ebeling: Der Teil, den wir realisieren wollen, ist der Ammoniak-Terminal, also die schiffseitige Anlieferung von Ammoniak und Einlagerung in einem gro\u00dfen Tank. Auch die Auslagerung von Ammoniak aus dem Tank auf kleine und gro\u00dfe Schiffe ist Teil unseres Genehmigungsantrages. Das ist der Teil, den MB Energy ma\u00dfgeblich im Projekt voranbringt. Air Products plant, dieses Ammoniak in einer eigenen Anlage in Wasserstoff und Stickstoff aufzuspalten. Allerdings hat Air Products daf\u00fcr bislang keinen Genehmigungsantrag gestellt. Das muss allerdings auch nicht unbedingt parallel zu unserem Genehmigungsverfahren laufen.WELT: Was geschieht, wenn Air Products nicht in dieses Projekt einsteigt?Ebeling: Wir haben uns entschlossen, mit Air Products als einem sehr kompetenten Partner zusammenzuarbeiten, einem der gr\u00f6\u00dften Wasserstoffunternehmen der Welt. Wir k\u00f6nnten das aber auch gemeinsam mit anderen Partnern realisieren, mit denen wir im Austausch stehen.WELT: Unabh\u00e4ngig von einer Aufspaltung des Ammoniaks k\u00f6nnten Sie es nach Hamburg importieren und dann weiterverkaufen?Ebeling: Das ist der gro\u00dfe Vorteil, dass Ammoniak verschiedene Verwendungszwecke hat, die ja heute schon existieren. Wasserstoff in der Energiewirtschaft ist relativ neu. Aber Ammoniak wird heute schon in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von 200 Millionen Tonnen hergestellt und weltweit verwendet. Der gr\u00f6\u00dfte Teil davon, ann\u00e4hernd 80 Prozent, entf\u00e4llt auf die D\u00fcngemittelindustrie. Der \u00fcbrige Teil ist ein wichtiger Rohstoff oder Grundstoff f\u00fcr die Chemie f\u00fcr verschiedenste Anwendungszwecke. Ammoniak ist ein bekanntes Produkt mit existierenden M\u00e4rkten. Die Produktion von Ammoniak ist allerdings sehr abh\u00e4ngig vom Preis f\u00fcr Erdgas. Der notwendige Wasserstoff f\u00fcr das Ammoniak wird heutzutage aus Erdgas gewonnen. Seit dem Beginn des Ukrainekrieges und den gestiegenen Erdgaspreisen geht in Europa der Trend st\u00e4rker hin zum Import von Ammoniak.WELT: Handelt MB Energy auch international mit Ammoniak? Ebeling: Wir nehmen in diesen Wochen in Texas City, USA, eine der weltgr\u00f6\u00dften Ammoniak-Produktionsanlagen in Betrieb, an der wir ma\u00dfgeblich beteiligt sind. Dort werden bis zu 1,3 Millionen Tonnen Ammoniak im Jahr produziert. K\u00fcnftig k\u00f6nnte das auch sogenanntes \u201eblaues\u201c Ammoniak sein, mit Wasserstoff, der aus Erdgas extrahiert wird. Das dabei freiwerdende Kohlendioxid wird mithilfe der CCS-Technologie dann unterirdisch dauerhaft eingelagert. \u201eBlaues\u201c Ammoniak ist wichtig f\u00fcr die Skalierung, f\u00fcr den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft. Dieser Hochlauf l\u00e4sst sich in den kommenden Jahren mit \u201egr\u00fcnem\u201c Ammoniak, bei dem der Wasserstoff per Elektrolyse mithilfe von \u00d6kostrom gewonnen wird, so nicht realisieren.WELT: Wie w\u00e4re der Zeitplan, wenn Sie in Hamburg gemeinsam mit Air Products den Import und die Aufspaltung von Ammoniak starten? Ebeling: Wir gehen davon aus, dass wir gegen Ende des Jahres einen Genehmigungsbescheid bekommen. Der n\u00e4chste wesentliche Schritt w\u00e4re die finale Investitionsentscheidung. Zu dem Zeitpunkt m\u00fcssen wir uns mit unseren Eigent\u00fcmern darauf verst\u00e4ndigen, dass diese geplante Investition im dreistelligen Millionenbereich eine wirtschaftliche Berechtigung hat, dass sie rentabel und wirtschaftlich vertretbar ist. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, wie viel Ammoniak tats\u00e4chlich f\u00fcr den Import nachgefragt wird. Das ist bei der Energiewende das gr\u00f6\u00dfere Problem \u2013 die Nachfrage und die Bereitschaft von Kunden, f\u00fcr dieses Produkt einen bestimmten Preis zu bezahlen. WELT: Sie sprechen mit potenziellen Kunden dar\u00fcber, wer in den kommenden Jahren \u201eblaues\u201c oder \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak kaufen will? Ebeling: Die einen sind Kunden direkt aus der bestehenden Ammoniakwirtschaft, zum Beispiel f\u00fcr die Herstellung von D\u00fcngemitteln. Au\u00dferdem setzen wir darauf, dass in den kommenden f\u00fcnf bis zehn Jahre Ammoniak als Schiffskraftstoff relevant wird. Und wir sprechen mit Kunden, die Interesse daran haben, Ammoniak zu importieren und es in unserem Tank selbst umzuschlagen, f\u00fcr eigene Zwecke.WELT: Wie schnell kann dieses Gesch\u00e4ft starten?Ebeling: Wenn wir Ende dieses Jahres die Genehmigung bekommen, brauchen wir voraussichtlich sechs bis zw\u00f6lf Monate, um abschlie\u00dfend die Investitionsentscheidung zu treffen, auch im Dialog mit potenziellen Kunden. Danach br\u00e4uchten wir zweieinhalb Jahre Bauzeit.WELT Dieser Zeitplan w\u00e4re unabh\u00e4ngig von der Frage, ob sie mit Air Products hier in Hamburg zusammenarbeiten oder nicht. Ebeling: Wir k\u00f6nnen mit der Genehmigung unseren Teil der Infrastruktur f\u00fcr den Import von Ammoniak errichten. Ich bin recht zuversichtlich, dass wir mit einer gewissen Verz\u00f6gerung diesen Importweg f\u00fcr Wasserstoff brauchen werden. Man muss dann den geeigneten Partner finden. Wichtig ist dabei auch der Aufbau eines Wasserstoffnetzes in Hamburg und in Deutschland, der bereits begonnen hat. Wasserstoff ist schwierig auf Stra\u00dfe und auf der Schiene zu transportieren. Pipelines werden ein ma\u00dfgeblicher Erfolgsfaktor f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft sein. WELT: \u201eBlaues\u201c Ammoniak mit der Abtrennung von Kohlendioxid bei dessen Herstellung, k\u00f6nnte aus den USA kommen, sagen Sie. Doch woher k\u00f6nnen Sie gro\u00dfe Mengen regenerativ erzeugtes, \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak bekommen?Ebeling: Da schlie\u00dft sich der Kreis wieder mit Air Products, und zwar in Saudi-Arabien. Die neue Stadt Neom am Roten Meer soll zugleich auch der weltweit gr\u00f6\u00dfte Standort f\u00fcr die Produktion von Wasserstoff mithilfe erneuerbarer Energien werden, also mit Strom zum Beispiel aus Solarparks. Dieses Projekt ist ma\u00dfgeblich auch mit Air Products verbunden, das diesen Wasserstoff aus Saudi-Arabien in Form von Ammoniak exportieren will. Projekte f\u00fcr \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak gibt es auch in Indien, im Oman, den Vereinigten Arabische Emiraten. Auch in Kanada wird an solchen Projekten gearbeitet, mit Strom zum Beispiel aus gro\u00dfen Windparks. Kanada ist sicherlich einer der hochrelevanten neuen, potenziellen Exportm\u00e4rkte. WELT: Haben Sie heute schon vor Augen, wie sich die importierten Mengen von Ammoniak in Hamburg entwickeln k\u00f6nnten?Ebeling: Unter anderem besch\u00e4ftigen sich ma\u00dfgebliche deutsche Energieversorger aus der Stromwirtschaft mit dem Import von Ammoniak und Wasserstoff, mit Projekten bis hin nach Australien. Da ist mittlerweile ein globales, potenzielles Marktumfeld entstanden. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit namhaften internationalen und deutschen Unternehmen dabei gute Fortschritte machen. In diesem Sinne sind wir nicht von der Investitionsentscheidung bei Air Products allein abh\u00e4ngig. Wenn Air Products morgen sagt, wir stellen unser Projekt ein, dann hei\u00dft das f\u00fcr uns nicht, dass wir unser Projekt auch einstellen. WELT: Allm\u00e4hlich bildet sich also ein internationaler Markt f\u00fcr Wasserstoff.Ebeling: Im Moment sind es im Wesentlichen Projekte im Aufbau. Wasserstoff ist nicht so leicht zu transportieren wie in der Verbindung mit Stickstoff als Ammoniak, deshalb spielt Ammoniak f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft eine zentrale Rolle. Nach der Aufbruchstimmung f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft vor etwa f\u00fcnf Jahren hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass das mit einer hohen Komplexit\u00e4t verbunden ist. Das ist ein hochtechnisches Gesch\u00e4ft. WELT: Haben Sie den Eindruck, dass die neue Bundesregierung das Thema Wasserstoff eher in den Hintergrund schiebt? Die Ampel-Koalition hat das ja als Prestigeprojekt betrachtet.Ebeling: Das sehen wir nicht so. Unsere neue Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat Wasserstoffkenntnisse und bei diesem Thema einen soliden Hintergrund. Wir gehen davon aus, dass die F\u00f6rderung von Wasserstoff auch auf der Agenda der neuen Regierung steht. In welchem Umfang, das ist heute noch nicht so ganz klar. WELT: Waren die Erwartungen speziell in die Erzeugung von \u201egr\u00fcnem\u201c Wasserstoff bislang zu gro\u00df? Ebeling: Es gab so etwas wie eine Goldgr\u00e4berstimmung und damit auch eine gewisse Naivit\u00e4t. Man hat die Komplexit\u00e4t bei der Herstellung und dem Transport von Wasserstoff untersch\u00e4tzt. Die Komplexit\u00e4t beim Aufbau einer Infrastruktur und eines Marktes braucht Zeit. Noch fehlen uns die Skalierungseffekte f\u00fcr den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft. Wo dieser Wasserstoff dann zu welchem Preis tats\u00e4chlich eingesetzt werden wird, wissen wir heutzutage noch nicht.WELT: Manche Unternehmen wie der Stahlkonzern ArcelorMittal oder der Flugzeughersteller Airbus stellen ihre Wasserstoffpl\u00e4ne inzwischen wieder zur\u00fcck.Ebeling: Die zeitlichen Ambitionen, die man am Anfang hatte, sind \u00fcberholt. Ich glaube, es bleibt aber trotzdem eine Frage des \u201eWann\u201c und nicht des \u201eOb\u201c \u2013 es sei denn, wir w\u00fcrden die Emissions- und Klimaziele in gro\u00dfen Teilen aufgeben. Klar ist zum Beispiel, dass wir nicht alles elektrifizieren k\u00f6nnen. F\u00fcr einen erheblichen Teil des Schwerlastverkehrs zum Beispiel bieten batterieelektrische Antriebe auf lange Sicht keine L\u00f6sung, man braucht daf\u00fcr Wasserstoff-Brennstoffzellen. Diese Technologie wird f\u00fcr Reichweiten bis zu 1200 Kilometer geeignet sein. WELT: Werden wind- und sonnenreiche Staaten wie Saudi-Arabien in absehbarer Zeit ihre Produktion von \u201egr\u00fcnem\u201c Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol deutlich hochfahren? Ebeling: Das findet ja bereits statt und die Bereitschaft ist auch durchaus da. Doch die Abnehmer sind bislang eben nicht so zahlreich, um solche Projekte tats\u00e4chlich zu unterst\u00fctzen und zu sagen, wir kaufen den Wasserstoff. Das liegt daran, dass Wasserstoff heutzutage noch deutlich teurer ist als etwa Erdgas. WELT: Es gibt viele geopolitische Unsicherheiten, unter anderem auch, dass die USA ihre Produktion von Erdgas und Erd\u00f6l und Kohle unter Pr\u00e4sident Donald Trump wieder deutlich steigern wollen. Erschwert das den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft? Ebeling: Woher kam der Enthusiasmus f\u00fcr den \u201egr\u00fcnen\u201c Wasserstoff vor f\u00fcnf Jahren? Sicher auch daher, dass wir gesagt haben, beim Erdgas haben wir \u2013 mit Blick auf Russland \u2013 etwas falsch gemacht, jetzt m\u00fcssen wir die Energieversorgung umbauen. Inzwischen haben sich die Gaspreise aber wieder weitestgehend normalisiert, und die Preisunterschiede und Aufschl\u00e4ge f\u00fcr erneuerbare Energien sind wieder pr\u00e4senter. Wir m\u00fcssen lernen, beim Umbau der Energieversorgung etwas langfristiger zu denken und auch zu handeln. Derzeit ist die CO2-Besteuerung in der Europ\u00e4ischen Union noch nicht so hoch, dass damit automatisch die erneuerbaren Energietr\u00e4ger zu den fossilen Energien wettbewerbsf\u00e4hig sind. Wir sind zum Beispiel beim Wasserstoff noch nicht auf einem \u00e4quivalenten Preisniveau wie beim Diesel. WELT: Handelt die EU-Kommission beim Ausbau der erneuerbaren Energien und einer Wasserstoffwirtschaft nachvollziehbar und konsistent?Ebeling: Das ist etwas verlangsamt worden. Aber wir sehen nach wie vor, dass die EU das konsequent voranbringt. Es werden steigende Quoten f\u00fcr den Einsatz von erneuerbaren Energien kommen. Allerdings wird vieles dabei heutzutage sehr eng reguliert. Warum muss es unbedingt nur \u201egr\u00fcner\u201c Wasserstoff sein? Warum fangen wir nicht mit \u201eblauem\u201c Wasserstoff an, wenn der schneller und billiger verf\u00fcgbar ist? Der Industrie sagt man dann, Ihr m\u00fcsst Eure Emissionen bis 2050 auf null senken, und mit welchen technologischen Mitteln die Unternehmen dahin kommen, das \u00fcberl\u00e4sst man ihnen selbst.WELT: Wie gut f\u00f6rdert Hamburg den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft? Ebeling: Wir haben einen sehr guten, offenen Austausch und eine erfreuliche Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft, auch mit dem Hafen. Da sind die Interessen alle sehr gleichgerichtet. Die Bedeutung eines Projektes wie unserem geplanten Hamburger Importterminal wird hier klar erkannt. Auch bei einer steigenden Eigenerzeugung von erneuerbaren Energien und von Wasserstoff wird Deutschland weiterhin ein Energie-Importland bleiben. Zwischen 50 und 70 Prozent des erneuerbaren Wasserstoffs wird Deutschland k\u00fcnftig importieren m\u00fcssen. Hamburg muss dabei eine zentrale Rolle spielen. Das ist der gro\u00dfe Seehafen, das gro\u00dfe Verteilzentrum f\u00fcr Deutschland und auch weiter Teile Europas. Bei einem Importanteil von 50 Prozent des erwarteten Wasserstoffbedarfs reden wir \u00fcber eine Million Tonnen Wasserstoff, die eingef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Das Tanklager f\u00fcr Ammoniak, das wir in Hamburg gerade konzipieren, ist f\u00fcr bis zu einer Million Tonnen Ammoniak-Import im Jahr geeignet. Wir rechnen mit 600.000 Tonnen Jahresumschlag beim Ammoniak, das entspr\u00e4che etwa 100.000 Tonnen Wasserstoff. Viel Wasserstoff wird nat\u00fcrlich k\u00fcnftig auch durch Pipelines importiert werden m\u00fcssen. Daf\u00fcr brauchen wir in ganz Deutschland ein funktionsf\u00e4higes Wasserstoff-Kernnetz.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Die Energiewirtschaft z\u00e4hlt zu seinen Schwerpunktthemen.\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"noindex, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"\u201eEs gab so etwas wie eine Goldgr\u00e4berstimmung und damit auch eine gewisse Naivit\u00e4t\u201c - vof-news.eu\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Vor einem halben Jahrzehnt r\u00fcckte Wasserstoff in den Blick deutscher und internationaler Energiestrategien \u2013 mittlerweile ist es um den hochgelobten Energietr\u00e4ger wieder ruhiger geworden. Das Hamburger Unternehmen MB Energy plant eines der in Deutschland gr\u00f6\u00dften Importprojekte f\u00fcr Ammoniak und damit auch f\u00fcr Wasserstoff. Volker Ebeling, 57, Vice President New Energy, Storage &amp; Infrastructure bei MB Energy, sagte WELT, warum der internationale Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft so kompliziert ist.WELT: Herr Ebeling, MB Energy will im Hamburger Hafen einen Importterminal f\u00fcr Ammoniak errichten. Das Unternehmen Air Products soll dieses Ammoniak dann in Wasserstoff und Stickstoff aufspalten. Wann startet dieses Projekt? Volker Ebeling: Wir haben das Projekt 2022 offiziell vorgestellt. Vor gut einem Jahr haben wir den Genehmigungsantrag bei der Hamburger Umweltbeh\u00f6rde eingereicht, mehr als 1500 Seiten. Die Teilgenehmigung f\u00fcr die Beladung der Schiffe liegt bereits vor. Wir warten nun, dass der Antrag noch im Laufe dieses Jahres vollst\u00e4ndig genehmigt wird.WELT: Erst dann k\u00f6nnen Sie auch damit beginnen, die Infrastruktur aufzubauen. Ebeling: Der Teil, den wir realisieren wollen, ist der Ammoniak-Terminal, also die schiffseitige Anlieferung von Ammoniak und Einlagerung in einem gro\u00dfen Tank. Auch die Auslagerung von Ammoniak aus dem Tank auf kleine und gro\u00dfe Schiffe ist Teil unseres Genehmigungsantrages. Das ist der Teil, den MB Energy ma\u00dfgeblich im Projekt voranbringt. Air Products plant, dieses Ammoniak in einer eigenen Anlage in Wasserstoff und Stickstoff aufzuspalten. Allerdings hat Air Products daf\u00fcr bislang keinen Genehmigungsantrag gestellt. Das muss allerdings auch nicht unbedingt parallel zu unserem Genehmigungsverfahren laufen.WELT: Was geschieht, wenn Air Products nicht in dieses Projekt einsteigt?Ebeling: Wir haben uns entschlossen, mit Air Products als einem sehr kompetenten Partner zusammenzuarbeiten, einem der gr\u00f6\u00dften Wasserstoffunternehmen der Welt. Wir k\u00f6nnten das aber auch gemeinsam mit anderen Partnern realisieren, mit denen wir im Austausch stehen.WELT: Unabh\u00e4ngig von einer Aufspaltung des Ammoniaks k\u00f6nnten Sie es nach Hamburg importieren und dann weiterverkaufen?Ebeling: Das ist der gro\u00dfe Vorteil, dass Ammoniak verschiedene Verwendungszwecke hat, die ja heute schon existieren. Wasserstoff in der Energiewirtschaft ist relativ neu. Aber Ammoniak wird heute schon in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von 200 Millionen Tonnen hergestellt und weltweit verwendet. Der gr\u00f6\u00dfte Teil davon, ann\u00e4hernd 80 Prozent, entf\u00e4llt auf die D\u00fcngemittelindustrie. Der \u00fcbrige Teil ist ein wichtiger Rohstoff oder Grundstoff f\u00fcr die Chemie f\u00fcr verschiedenste Anwendungszwecke. Ammoniak ist ein bekanntes Produkt mit existierenden M\u00e4rkten. Die Produktion von Ammoniak ist allerdings sehr abh\u00e4ngig vom Preis f\u00fcr Erdgas. Der notwendige Wasserstoff f\u00fcr das Ammoniak wird heutzutage aus Erdgas gewonnen. Seit dem Beginn des Ukrainekrieges und den gestiegenen Erdgaspreisen geht in Europa der Trend st\u00e4rker hin zum Import von Ammoniak.WELT: Handelt MB Energy auch international mit Ammoniak? Ebeling: Wir nehmen in diesen Wochen in Texas City, USA, eine der weltgr\u00f6\u00dften Ammoniak-Produktionsanlagen in Betrieb, an der wir ma\u00dfgeblich beteiligt sind. Dort werden bis zu 1,3 Millionen Tonnen Ammoniak im Jahr produziert. K\u00fcnftig k\u00f6nnte das auch sogenanntes \u201eblaues\u201c Ammoniak sein, mit Wasserstoff, der aus Erdgas extrahiert wird. Das dabei freiwerdende Kohlendioxid wird mithilfe der CCS-Technologie dann unterirdisch dauerhaft eingelagert. \u201eBlaues\u201c Ammoniak ist wichtig f\u00fcr die Skalierung, f\u00fcr den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft. Dieser Hochlauf l\u00e4sst sich in den kommenden Jahren mit \u201egr\u00fcnem\u201c Ammoniak, bei dem der Wasserstoff per Elektrolyse mithilfe von \u00d6kostrom gewonnen wird, so nicht realisieren.WELT: Wie w\u00e4re der Zeitplan, wenn Sie in Hamburg gemeinsam mit Air Products den Import und die Aufspaltung von Ammoniak starten? Ebeling: Wir gehen davon aus, dass wir gegen Ende des Jahres einen Genehmigungsbescheid bekommen. Der n\u00e4chste wesentliche Schritt w\u00e4re die finale Investitionsentscheidung. Zu dem Zeitpunkt m\u00fcssen wir uns mit unseren Eigent\u00fcmern darauf verst\u00e4ndigen, dass diese geplante Investition im dreistelligen Millionenbereich eine wirtschaftliche Berechtigung hat, dass sie rentabel und wirtschaftlich vertretbar ist. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, wie viel Ammoniak tats\u00e4chlich f\u00fcr den Import nachgefragt wird. Das ist bei der Energiewende das gr\u00f6\u00dfere Problem \u2013 die Nachfrage und die Bereitschaft von Kunden, f\u00fcr dieses Produkt einen bestimmten Preis zu bezahlen. WELT: Sie sprechen mit potenziellen Kunden dar\u00fcber, wer in den kommenden Jahren \u201eblaues\u201c oder \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak kaufen will? Ebeling: Die einen sind Kunden direkt aus der bestehenden Ammoniakwirtschaft, zum Beispiel f\u00fcr die Herstellung von D\u00fcngemitteln. Au\u00dferdem setzen wir darauf, dass in den kommenden f\u00fcnf bis zehn Jahre Ammoniak als Schiffskraftstoff relevant wird. Und wir sprechen mit Kunden, die Interesse daran haben, Ammoniak zu importieren und es in unserem Tank selbst umzuschlagen, f\u00fcr eigene Zwecke.WELT: Wie schnell kann dieses Gesch\u00e4ft starten?Ebeling: Wenn wir Ende dieses Jahres die Genehmigung bekommen, brauchen wir voraussichtlich sechs bis zw\u00f6lf Monate, um abschlie\u00dfend die Investitionsentscheidung zu treffen, auch im Dialog mit potenziellen Kunden. Danach br\u00e4uchten wir zweieinhalb Jahre Bauzeit.WELT Dieser Zeitplan w\u00e4re unabh\u00e4ngig von der Frage, ob sie mit Air Products hier in Hamburg zusammenarbeiten oder nicht. Ebeling: Wir k\u00f6nnen mit der Genehmigung unseren Teil der Infrastruktur f\u00fcr den Import von Ammoniak errichten. Ich bin recht zuversichtlich, dass wir mit einer gewissen Verz\u00f6gerung diesen Importweg f\u00fcr Wasserstoff brauchen werden. Man muss dann den geeigneten Partner finden. Wichtig ist dabei auch der Aufbau eines Wasserstoffnetzes in Hamburg und in Deutschland, der bereits begonnen hat. Wasserstoff ist schwierig auf Stra\u00dfe und auf der Schiene zu transportieren. Pipelines werden ein ma\u00dfgeblicher Erfolgsfaktor f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft sein. WELT: \u201eBlaues\u201c Ammoniak mit der Abtrennung von Kohlendioxid bei dessen Herstellung, k\u00f6nnte aus den USA kommen, sagen Sie. Doch woher k\u00f6nnen Sie gro\u00dfe Mengen regenerativ erzeugtes, \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak bekommen?Ebeling: Da schlie\u00dft sich der Kreis wieder mit Air Products, und zwar in Saudi-Arabien. Die neue Stadt Neom am Roten Meer soll zugleich auch der weltweit gr\u00f6\u00dfte Standort f\u00fcr die Produktion von Wasserstoff mithilfe erneuerbarer Energien werden, also mit Strom zum Beispiel aus Solarparks. Dieses Projekt ist ma\u00dfgeblich auch mit Air Products verbunden, das diesen Wasserstoff aus Saudi-Arabien in Form von Ammoniak exportieren will. Projekte f\u00fcr \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak gibt es auch in Indien, im Oman, den Vereinigten Arabische Emiraten. Auch in Kanada wird an solchen Projekten gearbeitet, mit Strom zum Beispiel aus gro\u00dfen Windparks. Kanada ist sicherlich einer der hochrelevanten neuen, potenziellen Exportm\u00e4rkte. WELT: Haben Sie heute schon vor Augen, wie sich die importierten Mengen von Ammoniak in Hamburg entwickeln k\u00f6nnten?Ebeling: Unter anderem besch\u00e4ftigen sich ma\u00dfgebliche deutsche Energieversorger aus der Stromwirtschaft mit dem Import von Ammoniak und Wasserstoff, mit Projekten bis hin nach Australien. Da ist mittlerweile ein globales, potenzielles Marktumfeld entstanden. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit namhaften internationalen und deutschen Unternehmen dabei gute Fortschritte machen. In diesem Sinne sind wir nicht von der Investitionsentscheidung bei Air Products allein abh\u00e4ngig. Wenn Air Products morgen sagt, wir stellen unser Projekt ein, dann hei\u00dft das f\u00fcr uns nicht, dass wir unser Projekt auch einstellen. WELT: Allm\u00e4hlich bildet sich also ein internationaler Markt f\u00fcr Wasserstoff.Ebeling: Im Moment sind es im Wesentlichen Projekte im Aufbau. Wasserstoff ist nicht so leicht zu transportieren wie in der Verbindung mit Stickstoff als Ammoniak, deshalb spielt Ammoniak f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft eine zentrale Rolle. Nach der Aufbruchstimmung f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft vor etwa f\u00fcnf Jahren hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass das mit einer hohen Komplexit\u00e4t verbunden ist. Das ist ein hochtechnisches Gesch\u00e4ft. WELT: Haben Sie den Eindruck, dass die neue Bundesregierung das Thema Wasserstoff eher in den Hintergrund schiebt? Die Ampel-Koalition hat das ja als Prestigeprojekt betrachtet.Ebeling: Das sehen wir nicht so. Unsere neue Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat Wasserstoffkenntnisse und bei diesem Thema einen soliden Hintergrund. Wir gehen davon aus, dass die F\u00f6rderung von Wasserstoff auch auf der Agenda der neuen Regierung steht. In welchem Umfang, das ist heute noch nicht so ganz klar. WELT: Waren die Erwartungen speziell in die Erzeugung von \u201egr\u00fcnem\u201c Wasserstoff bislang zu gro\u00df? Ebeling: Es gab so etwas wie eine Goldgr\u00e4berstimmung und damit auch eine gewisse Naivit\u00e4t. Man hat die Komplexit\u00e4t bei der Herstellung und dem Transport von Wasserstoff untersch\u00e4tzt. Die Komplexit\u00e4t beim Aufbau einer Infrastruktur und eines Marktes braucht Zeit. Noch fehlen uns die Skalierungseffekte f\u00fcr den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft. Wo dieser Wasserstoff dann zu welchem Preis tats\u00e4chlich eingesetzt werden wird, wissen wir heutzutage noch nicht.WELT: Manche Unternehmen wie der Stahlkonzern ArcelorMittal oder der Flugzeughersteller Airbus stellen ihre Wasserstoffpl\u00e4ne inzwischen wieder zur\u00fcck.Ebeling: Die zeitlichen Ambitionen, die man am Anfang hatte, sind \u00fcberholt. Ich glaube, es bleibt aber trotzdem eine Frage des \u201eWann\u201c und nicht des \u201eOb\u201c \u2013 es sei denn, wir w\u00fcrden die Emissions- und Klimaziele in gro\u00dfen Teilen aufgeben. Klar ist zum Beispiel, dass wir nicht alles elektrifizieren k\u00f6nnen. F\u00fcr einen erheblichen Teil des Schwerlastverkehrs zum Beispiel bieten batterieelektrische Antriebe auf lange Sicht keine L\u00f6sung, man braucht daf\u00fcr Wasserstoff-Brennstoffzellen. Diese Technologie wird f\u00fcr Reichweiten bis zu 1200 Kilometer geeignet sein. WELT: Werden wind- und sonnenreiche Staaten wie Saudi-Arabien in absehbarer Zeit ihre Produktion von \u201egr\u00fcnem\u201c Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol deutlich hochfahren? Ebeling: Das findet ja bereits statt und die Bereitschaft ist auch durchaus da. Doch die Abnehmer sind bislang eben nicht so zahlreich, um solche Projekte tats\u00e4chlich zu unterst\u00fctzen und zu sagen, wir kaufen den Wasserstoff. Das liegt daran, dass Wasserstoff heutzutage noch deutlich teurer ist als etwa Erdgas. WELT: Es gibt viele geopolitische Unsicherheiten, unter anderem auch, dass die USA ihre Produktion von Erdgas und Erd\u00f6l und Kohle unter Pr\u00e4sident Donald Trump wieder deutlich steigern wollen. Erschwert das den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft? Ebeling: Woher kam der Enthusiasmus f\u00fcr den \u201egr\u00fcnen\u201c Wasserstoff vor f\u00fcnf Jahren? Sicher auch daher, dass wir gesagt haben, beim Erdgas haben wir \u2013 mit Blick auf Russland \u2013 etwas falsch gemacht, jetzt m\u00fcssen wir die Energieversorgung umbauen. Inzwischen haben sich die Gaspreise aber wieder weitestgehend normalisiert, und die Preisunterschiede und Aufschl\u00e4ge f\u00fcr erneuerbare Energien sind wieder pr\u00e4senter. Wir m\u00fcssen lernen, beim Umbau der Energieversorgung etwas langfristiger zu denken und auch zu handeln. Derzeit ist die CO2-Besteuerung in der Europ\u00e4ischen Union noch nicht so hoch, dass damit automatisch die erneuerbaren Energietr\u00e4ger zu den fossilen Energien wettbewerbsf\u00e4hig sind. Wir sind zum Beispiel beim Wasserstoff noch nicht auf einem \u00e4quivalenten Preisniveau wie beim Diesel. WELT: Handelt die EU-Kommission beim Ausbau der erneuerbaren Energien und einer Wasserstoffwirtschaft nachvollziehbar und konsistent?Ebeling: Das ist etwas verlangsamt worden. Aber wir sehen nach wie vor, dass die EU das konsequent voranbringt. Es werden steigende Quoten f\u00fcr den Einsatz von erneuerbaren Energien kommen. Allerdings wird vieles dabei heutzutage sehr eng reguliert. Warum muss es unbedingt nur \u201egr\u00fcner\u201c Wasserstoff sein? Warum fangen wir nicht mit \u201eblauem\u201c Wasserstoff an, wenn der schneller und billiger verf\u00fcgbar ist? Der Industrie sagt man dann, Ihr m\u00fcsst Eure Emissionen bis 2050 auf null senken, und mit welchen technologischen Mitteln die Unternehmen dahin kommen, das \u00fcberl\u00e4sst man ihnen selbst.WELT: Wie gut f\u00f6rdert Hamburg den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft? Ebeling: Wir haben einen sehr guten, offenen Austausch und eine erfreuliche Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft, auch mit dem Hafen. Da sind die Interessen alle sehr gleichgerichtet. Die Bedeutung eines Projektes wie unserem geplanten Hamburger Importterminal wird hier klar erkannt. Auch bei einer steigenden Eigenerzeugung von erneuerbaren Energien und von Wasserstoff wird Deutschland weiterhin ein Energie-Importland bleiben. Zwischen 50 und 70 Prozent des erneuerbaren Wasserstoffs wird Deutschland k\u00fcnftig importieren m\u00fcssen. Hamburg muss dabei eine zentrale Rolle spielen. Das ist der gro\u00dfe Seehafen, das gro\u00dfe Verteilzentrum f\u00fcr Deutschland und auch weiter Teile Europas. Bei einem Importanteil von 50 Prozent des erwarteten Wasserstoffbedarfs reden wir \u00fcber eine Million Tonnen Wasserstoff, die eingef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Das Tanklager f\u00fcr Ammoniak, das wir in Hamburg gerade konzipieren, ist f\u00fcr bis zu einer Million Tonnen Ammoniak-Import im Jahr geeignet. Wir rechnen mit 600.000 Tonnen Jahresumschlag beim Ammoniak, das entspr\u00e4che etwa 100.000 Tonnen Wasserstoff. Viel Wasserstoff wird nat\u00fcrlich k\u00fcnftig auch durch Pipelines importiert werden m\u00fcssen. Daf\u00fcr brauchen wir in ganz Deutschland ein funktionsf\u00e4higes Wasserstoff-Kernnetz.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. 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Das Hamburger Unternehmen MB Energy plant eines der in Deutschland gr\u00f6\u00dften Importprojekte f\u00fcr Ammoniak und damit auch f\u00fcr Wasserstoff. Volker Ebeling, 57, Vice President New Energy, Storage &amp; Infrastructure bei MB Energy, sagte WELT, warum der internationale Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft so kompliziert ist.WELT: Herr Ebeling, MB Energy will im Hamburger Hafen einen Importterminal f\u00fcr Ammoniak errichten. Das Unternehmen Air Products soll dieses Ammoniak dann in Wasserstoff und Stickstoff aufspalten. Wann startet dieses Projekt? Volker Ebeling: Wir haben das Projekt 2022 offiziell vorgestellt. Vor gut einem Jahr haben wir den Genehmigungsantrag bei der Hamburger Umweltbeh\u00f6rde eingereicht, mehr als 1500 Seiten. Die Teilgenehmigung f\u00fcr die Beladung der Schiffe liegt bereits vor. Wir warten nun, dass der Antrag noch im Laufe dieses Jahres vollst\u00e4ndig genehmigt wird.WELT: Erst dann k\u00f6nnen Sie auch damit beginnen, die Infrastruktur aufzubauen. Ebeling: Der Teil, den wir realisieren wollen, ist der Ammoniak-Terminal, also die schiffseitige Anlieferung von Ammoniak und Einlagerung in einem gro\u00dfen Tank. Auch die Auslagerung von Ammoniak aus dem Tank auf kleine und gro\u00dfe Schiffe ist Teil unseres Genehmigungsantrages. Das ist der Teil, den MB Energy ma\u00dfgeblich im Projekt voranbringt. Air Products plant, dieses Ammoniak in einer eigenen Anlage in Wasserstoff und Stickstoff aufzuspalten. Allerdings hat Air Products daf\u00fcr bislang keinen Genehmigungsantrag gestellt. Das muss allerdings auch nicht unbedingt parallel zu unserem Genehmigungsverfahren laufen.WELT: Was geschieht, wenn Air Products nicht in dieses Projekt einsteigt?Ebeling: Wir haben uns entschlossen, mit Air Products als einem sehr kompetenten Partner zusammenzuarbeiten, einem der gr\u00f6\u00dften Wasserstoffunternehmen der Welt. Wir k\u00f6nnten das aber auch gemeinsam mit anderen Partnern realisieren, mit denen wir im Austausch stehen.WELT: Unabh\u00e4ngig von einer Aufspaltung des Ammoniaks k\u00f6nnten Sie es nach Hamburg importieren und dann weiterverkaufen?Ebeling: Das ist der gro\u00dfe Vorteil, dass Ammoniak verschiedene Verwendungszwecke hat, die ja heute schon existieren. Wasserstoff in der Energiewirtschaft ist relativ neu. Aber Ammoniak wird heute schon in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von 200 Millionen Tonnen hergestellt und weltweit verwendet. Der gr\u00f6\u00dfte Teil davon, ann\u00e4hernd 80 Prozent, entf\u00e4llt auf die D\u00fcngemittelindustrie. Der \u00fcbrige Teil ist ein wichtiger Rohstoff oder Grundstoff f\u00fcr die Chemie f\u00fcr verschiedenste Anwendungszwecke. Ammoniak ist ein bekanntes Produkt mit existierenden M\u00e4rkten. Die Produktion von Ammoniak ist allerdings sehr abh\u00e4ngig vom Preis f\u00fcr Erdgas. Der notwendige Wasserstoff f\u00fcr das Ammoniak wird heutzutage aus Erdgas gewonnen. Seit dem Beginn des Ukrainekrieges und den gestiegenen Erdgaspreisen geht in Europa der Trend st\u00e4rker hin zum Import von Ammoniak.WELT: Handelt MB Energy auch international mit Ammoniak? Ebeling: Wir nehmen in diesen Wochen in Texas City, USA, eine der weltgr\u00f6\u00dften Ammoniak-Produktionsanlagen in Betrieb, an der wir ma\u00dfgeblich beteiligt sind. Dort werden bis zu 1,3 Millionen Tonnen Ammoniak im Jahr produziert. K\u00fcnftig k\u00f6nnte das auch sogenanntes \u201eblaues\u201c Ammoniak sein, mit Wasserstoff, der aus Erdgas extrahiert wird. Das dabei freiwerdende Kohlendioxid wird mithilfe der CCS-Technologie dann unterirdisch dauerhaft eingelagert. \u201eBlaues\u201c Ammoniak ist wichtig f\u00fcr die Skalierung, f\u00fcr den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft. Dieser Hochlauf l\u00e4sst sich in den kommenden Jahren mit \u201egr\u00fcnem\u201c Ammoniak, bei dem der Wasserstoff per Elektrolyse mithilfe von \u00d6kostrom gewonnen wird, so nicht realisieren.WELT: Wie w\u00e4re der Zeitplan, wenn Sie in Hamburg gemeinsam mit Air Products den Import und die Aufspaltung von Ammoniak starten? Ebeling: Wir gehen davon aus, dass wir gegen Ende des Jahres einen Genehmigungsbescheid bekommen. Der n\u00e4chste wesentliche Schritt w\u00e4re die finale Investitionsentscheidung. Zu dem Zeitpunkt m\u00fcssen wir uns mit unseren Eigent\u00fcmern darauf verst\u00e4ndigen, dass diese geplante Investition im dreistelligen Millionenbereich eine wirtschaftliche Berechtigung hat, dass sie rentabel und wirtschaftlich vertretbar ist. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, wie viel Ammoniak tats\u00e4chlich f\u00fcr den Import nachgefragt wird. Das ist bei der Energiewende das gr\u00f6\u00dfere Problem \u2013 die Nachfrage und die Bereitschaft von Kunden, f\u00fcr dieses Produkt einen bestimmten Preis zu bezahlen. WELT: Sie sprechen mit potenziellen Kunden dar\u00fcber, wer in den kommenden Jahren \u201eblaues\u201c oder \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak kaufen will? Ebeling: Die einen sind Kunden direkt aus der bestehenden Ammoniakwirtschaft, zum Beispiel f\u00fcr die Herstellung von D\u00fcngemitteln. Au\u00dferdem setzen wir darauf, dass in den kommenden f\u00fcnf bis zehn Jahre Ammoniak als Schiffskraftstoff relevant wird. Und wir sprechen mit Kunden, die Interesse daran haben, Ammoniak zu importieren und es in unserem Tank selbst umzuschlagen, f\u00fcr eigene Zwecke.WELT: Wie schnell kann dieses Gesch\u00e4ft starten?Ebeling: Wenn wir Ende dieses Jahres die Genehmigung bekommen, brauchen wir voraussichtlich sechs bis zw\u00f6lf Monate, um abschlie\u00dfend die Investitionsentscheidung zu treffen, auch im Dialog mit potenziellen Kunden. Danach br\u00e4uchten wir zweieinhalb Jahre Bauzeit.WELT Dieser Zeitplan w\u00e4re unabh\u00e4ngig von der Frage, ob sie mit Air Products hier in Hamburg zusammenarbeiten oder nicht. Ebeling: Wir k\u00f6nnen mit der Genehmigung unseren Teil der Infrastruktur f\u00fcr den Import von Ammoniak errichten. Ich bin recht zuversichtlich, dass wir mit einer gewissen Verz\u00f6gerung diesen Importweg f\u00fcr Wasserstoff brauchen werden. Man muss dann den geeigneten Partner finden. Wichtig ist dabei auch der Aufbau eines Wasserstoffnetzes in Hamburg und in Deutschland, der bereits begonnen hat. Wasserstoff ist schwierig auf Stra\u00dfe und auf der Schiene zu transportieren. Pipelines werden ein ma\u00dfgeblicher Erfolgsfaktor f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft sein. WELT: \u201eBlaues\u201c Ammoniak mit der Abtrennung von Kohlendioxid bei dessen Herstellung, k\u00f6nnte aus den USA kommen, sagen Sie. Doch woher k\u00f6nnen Sie gro\u00dfe Mengen regenerativ erzeugtes, \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak bekommen?Ebeling: Da schlie\u00dft sich der Kreis wieder mit Air Products, und zwar in Saudi-Arabien. Die neue Stadt Neom am Roten Meer soll zugleich auch der weltweit gr\u00f6\u00dfte Standort f\u00fcr die Produktion von Wasserstoff mithilfe erneuerbarer Energien werden, also mit Strom zum Beispiel aus Solarparks. Dieses Projekt ist ma\u00dfgeblich auch mit Air Products verbunden, das diesen Wasserstoff aus Saudi-Arabien in Form von Ammoniak exportieren will. Projekte f\u00fcr \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak gibt es auch in Indien, im Oman, den Vereinigten Arabische Emiraten. Auch in Kanada wird an solchen Projekten gearbeitet, mit Strom zum Beispiel aus gro\u00dfen Windparks. Kanada ist sicherlich einer der hochrelevanten neuen, potenziellen Exportm\u00e4rkte. WELT: Haben Sie heute schon vor Augen, wie sich die importierten Mengen von Ammoniak in Hamburg entwickeln k\u00f6nnten?Ebeling: Unter anderem besch\u00e4ftigen sich ma\u00dfgebliche deutsche Energieversorger aus der Stromwirtschaft mit dem Import von Ammoniak und Wasserstoff, mit Projekten bis hin nach Australien. Da ist mittlerweile ein globales, potenzielles Marktumfeld entstanden. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit namhaften internationalen und deutschen Unternehmen dabei gute Fortschritte machen. In diesem Sinne sind wir nicht von der Investitionsentscheidung bei Air Products allein abh\u00e4ngig. Wenn Air Products morgen sagt, wir stellen unser Projekt ein, dann hei\u00dft das f\u00fcr uns nicht, dass wir unser Projekt auch einstellen. WELT: Allm\u00e4hlich bildet sich also ein internationaler Markt f\u00fcr Wasserstoff.Ebeling: Im Moment sind es im Wesentlichen Projekte im Aufbau. Wasserstoff ist nicht so leicht zu transportieren wie in der Verbindung mit Stickstoff als Ammoniak, deshalb spielt Ammoniak f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft eine zentrale Rolle. Nach der Aufbruchstimmung f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft vor etwa f\u00fcnf Jahren hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass das mit einer hohen Komplexit\u00e4t verbunden ist. Das ist ein hochtechnisches Gesch\u00e4ft. WELT: Haben Sie den Eindruck, dass die neue Bundesregierung das Thema Wasserstoff eher in den Hintergrund schiebt? Die Ampel-Koalition hat das ja als Prestigeprojekt betrachtet.Ebeling: Das sehen wir nicht so. Unsere neue Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat Wasserstoffkenntnisse und bei diesem Thema einen soliden Hintergrund. Wir gehen davon aus, dass die F\u00f6rderung von Wasserstoff auch auf der Agenda der neuen Regierung steht. In welchem Umfang, das ist heute noch nicht so ganz klar. WELT: Waren die Erwartungen speziell in die Erzeugung von \u201egr\u00fcnem\u201c Wasserstoff bislang zu gro\u00df? Ebeling: Es gab so etwas wie eine Goldgr\u00e4berstimmung und damit auch eine gewisse Naivit\u00e4t. Man hat die Komplexit\u00e4t bei der Herstellung und dem Transport von Wasserstoff untersch\u00e4tzt. Die Komplexit\u00e4t beim Aufbau einer Infrastruktur und eines Marktes braucht Zeit. Noch fehlen uns die Skalierungseffekte f\u00fcr den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft. Wo dieser Wasserstoff dann zu welchem Preis tats\u00e4chlich eingesetzt werden wird, wissen wir heutzutage noch nicht.WELT: Manche Unternehmen wie der Stahlkonzern ArcelorMittal oder der Flugzeughersteller Airbus stellen ihre Wasserstoffpl\u00e4ne inzwischen wieder zur\u00fcck.Ebeling: Die zeitlichen Ambitionen, die man am Anfang hatte, sind \u00fcberholt. Ich glaube, es bleibt aber trotzdem eine Frage des \u201eWann\u201c und nicht des \u201eOb\u201c \u2013 es sei denn, wir w\u00fcrden die Emissions- und Klimaziele in gro\u00dfen Teilen aufgeben. Klar ist zum Beispiel, dass wir nicht alles elektrifizieren k\u00f6nnen. F\u00fcr einen erheblichen Teil des Schwerlastverkehrs zum Beispiel bieten batterieelektrische Antriebe auf lange Sicht keine L\u00f6sung, man braucht daf\u00fcr Wasserstoff-Brennstoffzellen. Diese Technologie wird f\u00fcr Reichweiten bis zu 1200 Kilometer geeignet sein. WELT: Werden wind- und sonnenreiche Staaten wie Saudi-Arabien in absehbarer Zeit ihre Produktion von \u201egr\u00fcnem\u201c Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol deutlich hochfahren? Ebeling: Das findet ja bereits statt und die Bereitschaft ist auch durchaus da. Doch die Abnehmer sind bislang eben nicht so zahlreich, um solche Projekte tats\u00e4chlich zu unterst\u00fctzen und zu sagen, wir kaufen den Wasserstoff. Das liegt daran, dass Wasserstoff heutzutage noch deutlich teurer ist als etwa Erdgas. WELT: Es gibt viele geopolitische Unsicherheiten, unter anderem auch, dass die USA ihre Produktion von Erdgas und Erd\u00f6l und Kohle unter Pr\u00e4sident Donald Trump wieder deutlich steigern wollen. Erschwert das den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft? Ebeling: Woher kam der Enthusiasmus f\u00fcr den \u201egr\u00fcnen\u201c Wasserstoff vor f\u00fcnf Jahren? Sicher auch daher, dass wir gesagt haben, beim Erdgas haben wir \u2013 mit Blick auf Russland \u2013 etwas falsch gemacht, jetzt m\u00fcssen wir die Energieversorgung umbauen. Inzwischen haben sich die Gaspreise aber wieder weitestgehend normalisiert, und die Preisunterschiede und Aufschl\u00e4ge f\u00fcr erneuerbare Energien sind wieder pr\u00e4senter. Wir m\u00fcssen lernen, beim Umbau der Energieversorgung etwas langfristiger zu denken und auch zu handeln. Derzeit ist die CO2-Besteuerung in der Europ\u00e4ischen Union noch nicht so hoch, dass damit automatisch die erneuerbaren Energietr\u00e4ger zu den fossilen Energien wettbewerbsf\u00e4hig sind. Wir sind zum Beispiel beim Wasserstoff noch nicht auf einem \u00e4quivalenten Preisniveau wie beim Diesel. WELT: Handelt die EU-Kommission beim Ausbau der erneuerbaren Energien und einer Wasserstoffwirtschaft nachvollziehbar und konsistent?Ebeling: Das ist etwas verlangsamt worden. Aber wir sehen nach wie vor, dass die EU das konsequent voranbringt. Es werden steigende Quoten f\u00fcr den Einsatz von erneuerbaren Energien kommen. Allerdings wird vieles dabei heutzutage sehr eng reguliert. Warum muss es unbedingt nur \u201egr\u00fcner\u201c Wasserstoff sein? Warum fangen wir nicht mit \u201eblauem\u201c Wasserstoff an, wenn der schneller und billiger verf\u00fcgbar ist? Der Industrie sagt man dann, Ihr m\u00fcsst Eure Emissionen bis 2050 auf null senken, und mit welchen technologischen Mitteln die Unternehmen dahin kommen, das \u00fcberl\u00e4sst man ihnen selbst.WELT: Wie gut f\u00f6rdert Hamburg den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft? Ebeling: Wir haben einen sehr guten, offenen Austausch und eine erfreuliche Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft, auch mit dem Hafen. Da sind die Interessen alle sehr gleichgerichtet. Die Bedeutung eines Projektes wie unserem geplanten Hamburger Importterminal wird hier klar erkannt. Auch bei einer steigenden Eigenerzeugung von erneuerbaren Energien und von Wasserstoff wird Deutschland weiterhin ein Energie-Importland bleiben. Zwischen 50 und 70 Prozent des erneuerbaren Wasserstoffs wird Deutschland k\u00fcnftig importieren m\u00fcssen. Hamburg muss dabei eine zentrale Rolle spielen. Das ist der gro\u00dfe Seehafen, das gro\u00dfe Verteilzentrum f\u00fcr Deutschland und auch weiter Teile Europas. Bei einem Importanteil von 50 Prozent des erwarteten Wasserstoffbedarfs reden wir \u00fcber eine Million Tonnen Wasserstoff, die eingef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Das Tanklager f\u00fcr Ammoniak, das wir in Hamburg gerade konzipieren, ist f\u00fcr bis zu einer Million Tonnen Ammoniak-Import im Jahr geeignet. Wir rechnen mit 600.000 Tonnen Jahresumschlag beim Ammoniak, das entspr\u00e4che etwa 100.000 Tonnen Wasserstoff. Viel Wasserstoff wird nat\u00fcrlich k\u00fcnftig auch durch Pipelines importiert werden m\u00fcssen. Daf\u00fcr brauchen wir in ganz Deutschland ein funktionsf\u00e4higes Wasserstoff-Kernnetz.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. 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Wir warten nun, dass der Antrag noch im Laufe dieses Jahres vollst\u00e4ndig genehmigt wird.WELT: Erst dann k\u00f6nnen Sie auch damit beginnen, die Infrastruktur aufzubauen. Ebeling: Der Teil, den wir realisieren wollen, ist der Ammoniak-Terminal, also die schiffseitige Anlieferung von Ammoniak und Einlagerung in einem gro\u00dfen Tank. Auch die Auslagerung von Ammoniak aus dem Tank auf kleine und gro\u00dfe Schiffe ist Teil unseres Genehmigungsantrages. Das ist der Teil, den MB Energy ma\u00dfgeblich im Projekt voranbringt. Air Products plant, dieses Ammoniak in einer eigenen Anlage in Wasserstoff und Stickstoff aufzuspalten. Allerdings hat Air Products daf\u00fcr bislang keinen Genehmigungsantrag gestellt. Das muss allerdings auch nicht unbedingt parallel zu unserem Genehmigungsverfahren laufen.WELT: Was geschieht, wenn Air Products nicht in dieses Projekt einsteigt?Ebeling: Wir haben uns entschlossen, mit Air Products als einem sehr kompetenten Partner zusammenzuarbeiten, einem der gr\u00f6\u00dften Wasserstoffunternehmen der Welt. Wir k\u00f6nnten das aber auch gemeinsam mit anderen Partnern realisieren, mit denen wir im Austausch stehen.WELT: Unabh\u00e4ngig von einer Aufspaltung des Ammoniaks k\u00f6nnten Sie es nach Hamburg importieren und dann weiterverkaufen?Ebeling: Das ist der gro\u00dfe Vorteil, dass Ammoniak verschiedene Verwendungszwecke hat, die ja heute schon existieren. Wasserstoff in der Energiewirtschaft ist relativ neu. Aber Ammoniak wird heute schon in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von 200 Millionen Tonnen hergestellt und weltweit verwendet. Der gr\u00f6\u00dfte Teil davon, ann\u00e4hernd 80 Prozent, entf\u00e4llt auf die D\u00fcngemittelindustrie. Der \u00fcbrige Teil ist ein wichtiger Rohstoff oder Grundstoff f\u00fcr die Chemie f\u00fcr verschiedenste Anwendungszwecke. Ammoniak ist ein bekanntes Produkt mit existierenden M\u00e4rkten. Die Produktion von Ammoniak ist allerdings sehr abh\u00e4ngig vom Preis f\u00fcr Erdgas. Der notwendige Wasserstoff f\u00fcr das Ammoniak wird heutzutage aus Erdgas gewonnen. Seit dem Beginn des Ukrainekrieges und den gestiegenen Erdgaspreisen geht in Europa der Trend st\u00e4rker hin zum Import von Ammoniak.WELT: Handelt MB Energy auch international mit Ammoniak? Ebeling: Wir nehmen in diesen Wochen in Texas City, USA, eine der weltgr\u00f6\u00dften Ammoniak-Produktionsanlagen in Betrieb, an der wir ma\u00dfgeblich beteiligt sind. Dort werden bis zu 1,3 Millionen Tonnen Ammoniak im Jahr produziert. K\u00fcnftig k\u00f6nnte das auch sogenanntes \u201eblaues\u201c Ammoniak sein, mit Wasserstoff, der aus Erdgas extrahiert wird. Das dabei freiwerdende Kohlendioxid wird mithilfe der CCS-Technologie dann unterirdisch dauerhaft eingelagert. \u201eBlaues\u201c Ammoniak ist wichtig f\u00fcr die Skalierung, f\u00fcr den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft. Dieser Hochlauf l\u00e4sst sich in den kommenden Jahren mit \u201egr\u00fcnem\u201c Ammoniak, bei dem der Wasserstoff per Elektrolyse mithilfe von \u00d6kostrom gewonnen wird, so nicht realisieren.WELT: Wie w\u00e4re der Zeitplan, wenn Sie in Hamburg gemeinsam mit Air Products den Import und die Aufspaltung von Ammoniak starten? Ebeling: Wir gehen davon aus, dass wir gegen Ende des Jahres einen Genehmigungsbescheid bekommen. Der n\u00e4chste wesentliche Schritt w\u00e4re die finale Investitionsentscheidung. Zu dem Zeitpunkt m\u00fcssen wir uns mit unseren Eigent\u00fcmern darauf verst\u00e4ndigen, dass diese geplante Investition im dreistelligen Millionenbereich eine wirtschaftliche Berechtigung hat, dass sie rentabel und wirtschaftlich vertretbar ist. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, wie viel Ammoniak tats\u00e4chlich f\u00fcr den Import nachgefragt wird. Das ist bei der Energiewende das gr\u00f6\u00dfere Problem \u2013 die Nachfrage und die Bereitschaft von Kunden, f\u00fcr dieses Produkt einen bestimmten Preis zu bezahlen. WELT: Sie sprechen mit potenziellen Kunden dar\u00fcber, wer in den kommenden Jahren \u201eblaues\u201c oder \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak kaufen will? Ebeling: Die einen sind Kunden direkt aus der bestehenden Ammoniakwirtschaft, zum Beispiel f\u00fcr die Herstellung von D\u00fcngemitteln. Au\u00dferdem setzen wir darauf, dass in den kommenden f\u00fcnf bis zehn Jahre Ammoniak als Schiffskraftstoff relevant wird. Und wir sprechen mit Kunden, die Interesse daran haben, Ammoniak zu importieren und es in unserem Tank selbst umzuschlagen, f\u00fcr eigene Zwecke.WELT: Wie schnell kann dieses Gesch\u00e4ft starten?Ebeling: Wenn wir Ende dieses Jahres die Genehmigung bekommen, brauchen wir voraussichtlich sechs bis zw\u00f6lf Monate, um abschlie\u00dfend die Investitionsentscheidung zu treffen, auch im Dialog mit potenziellen Kunden. Danach br\u00e4uchten wir zweieinhalb Jahre Bauzeit.WELT Dieser Zeitplan w\u00e4re unabh\u00e4ngig von der Frage, ob sie mit Air Products hier in Hamburg zusammenarbeiten oder nicht. Ebeling: Wir k\u00f6nnen mit der Genehmigung unseren Teil der Infrastruktur f\u00fcr den Import von Ammoniak errichten. Ich bin recht zuversichtlich, dass wir mit einer gewissen Verz\u00f6gerung diesen Importweg f\u00fcr Wasserstoff brauchen werden. Man muss dann den geeigneten Partner finden. Wichtig ist dabei auch der Aufbau eines Wasserstoffnetzes in Hamburg und in Deutschland, der bereits begonnen hat. Wasserstoff ist schwierig auf Stra\u00dfe und auf der Schiene zu transportieren. Pipelines werden ein ma\u00dfgeblicher Erfolgsfaktor f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft sein. WELT: \u201eBlaues\u201c Ammoniak mit der Abtrennung von Kohlendioxid bei dessen Herstellung, k\u00f6nnte aus den USA kommen, sagen Sie. Doch woher k\u00f6nnen Sie gro\u00dfe Mengen regenerativ erzeugtes, \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak bekommen?Ebeling: Da schlie\u00dft sich der Kreis wieder mit Air Products, und zwar in Saudi-Arabien. Die neue Stadt Neom am Roten Meer soll zugleich auch der weltweit gr\u00f6\u00dfte Standort f\u00fcr die Produktion von Wasserstoff mithilfe erneuerbarer Energien werden, also mit Strom zum Beispiel aus Solarparks. Dieses Projekt ist ma\u00dfgeblich auch mit Air Products verbunden, das diesen Wasserstoff aus Saudi-Arabien in Form von Ammoniak exportieren will. Projekte f\u00fcr \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak gibt es auch in Indien, im Oman, den Vereinigten Arabische Emiraten. Auch in Kanada wird an solchen Projekten gearbeitet, mit Strom zum Beispiel aus gro\u00dfen Windparks. Kanada ist sicherlich einer der hochrelevanten neuen, potenziellen Exportm\u00e4rkte. WELT: Haben Sie heute schon vor Augen, wie sich die importierten Mengen von Ammoniak in Hamburg entwickeln k\u00f6nnten?Ebeling: Unter anderem besch\u00e4ftigen sich ma\u00dfgebliche deutsche Energieversorger aus der Stromwirtschaft mit dem Import von Ammoniak und Wasserstoff, mit Projekten bis hin nach Australien. Da ist mittlerweile ein globales, potenzielles Marktumfeld entstanden. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit namhaften internationalen und deutschen Unternehmen dabei gute Fortschritte machen. In diesem Sinne sind wir nicht von der Investitionsentscheidung bei Air Products allein abh\u00e4ngig. Wenn Air Products morgen sagt, wir stellen unser Projekt ein, dann hei\u00dft das f\u00fcr uns nicht, dass wir unser Projekt auch einstellen. WELT: Allm\u00e4hlich bildet sich also ein internationaler Markt f\u00fcr Wasserstoff.Ebeling: Im Moment sind es im Wesentlichen Projekte im Aufbau. Wasserstoff ist nicht so leicht zu transportieren wie in der Verbindung mit Stickstoff als Ammoniak, deshalb spielt Ammoniak f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft eine zentrale Rolle. Nach der Aufbruchstimmung f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft vor etwa f\u00fcnf Jahren hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass das mit einer hohen Komplexit\u00e4t verbunden ist. Das ist ein hochtechnisches Gesch\u00e4ft. WELT: Haben Sie den Eindruck, dass die neue Bundesregierung das Thema Wasserstoff eher in den Hintergrund schiebt? Die Ampel-Koalition hat das ja als Prestigeprojekt betrachtet.Ebeling: Das sehen wir nicht so. Unsere neue Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat Wasserstoffkenntnisse und bei diesem Thema einen soliden Hintergrund. Wir gehen davon aus, dass die F\u00f6rderung von Wasserstoff auch auf der Agenda der neuen Regierung steht. In welchem Umfang, das ist heute noch nicht so ganz klar. WELT: Waren die Erwartungen speziell in die Erzeugung von \u201egr\u00fcnem\u201c Wasserstoff bislang zu gro\u00df? Ebeling: Es gab so etwas wie eine Goldgr\u00e4berstimmung und damit auch eine gewisse Naivit\u00e4t. Man hat die Komplexit\u00e4t bei der Herstellung und dem Transport von Wasserstoff untersch\u00e4tzt. Die Komplexit\u00e4t beim Aufbau einer Infrastruktur und eines Marktes braucht Zeit. Noch fehlen uns die Skalierungseffekte f\u00fcr den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft. Wo dieser Wasserstoff dann zu welchem Preis tats\u00e4chlich eingesetzt werden wird, wissen wir heutzutage noch nicht.WELT: Manche Unternehmen wie der Stahlkonzern ArcelorMittal oder der Flugzeughersteller Airbus stellen ihre Wasserstoffpl\u00e4ne inzwischen wieder zur\u00fcck.Ebeling: Die zeitlichen Ambitionen, die man am Anfang hatte, sind \u00fcberholt. Ich glaube, es bleibt aber trotzdem eine Frage des \u201eWann\u201c und nicht des \u201eOb\u201c \u2013 es sei denn, wir w\u00fcrden die Emissions- und Klimaziele in gro\u00dfen Teilen aufgeben. Klar ist zum Beispiel, dass wir nicht alles elektrifizieren k\u00f6nnen. F\u00fcr einen erheblichen Teil des Schwerlastverkehrs zum Beispiel bieten batterieelektrische Antriebe auf lange Sicht keine L\u00f6sung, man braucht daf\u00fcr Wasserstoff-Brennstoffzellen. Diese Technologie wird f\u00fcr Reichweiten bis zu 1200 Kilometer geeignet sein. WELT: Werden wind- und sonnenreiche Staaten wie Saudi-Arabien in absehbarer Zeit ihre Produktion von \u201egr\u00fcnem\u201c Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol deutlich hochfahren? Ebeling: Das findet ja bereits statt und die Bereitschaft ist auch durchaus da. Doch die Abnehmer sind bislang eben nicht so zahlreich, um solche Projekte tats\u00e4chlich zu unterst\u00fctzen und zu sagen, wir kaufen den Wasserstoff. Das liegt daran, dass Wasserstoff heutzutage noch deutlich teurer ist als etwa Erdgas. WELT: Es gibt viele geopolitische Unsicherheiten, unter anderem auch, dass die USA ihre Produktion von Erdgas und Erd\u00f6l und Kohle unter Pr\u00e4sident Donald Trump wieder deutlich steigern wollen. Erschwert das den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft? Ebeling: Woher kam der Enthusiasmus f\u00fcr den \u201egr\u00fcnen\u201c Wasserstoff vor f\u00fcnf Jahren? Sicher auch daher, dass wir gesagt haben, beim Erdgas haben wir \u2013 mit Blick auf Russland \u2013 etwas falsch gemacht, jetzt m\u00fcssen wir die Energieversorgung umbauen. Inzwischen haben sich die Gaspreise aber wieder weitestgehend normalisiert, und die Preisunterschiede und Aufschl\u00e4ge f\u00fcr erneuerbare Energien sind wieder pr\u00e4senter. Wir m\u00fcssen lernen, beim Umbau der Energieversorgung etwas langfristiger zu denken und auch zu handeln. Derzeit ist die CO2-Besteuerung in der Europ\u00e4ischen Union noch nicht so hoch, dass damit automatisch die erneuerbaren Energietr\u00e4ger zu den fossilen Energien wettbewerbsf\u00e4hig sind. Wir sind zum Beispiel beim Wasserstoff noch nicht auf einem \u00e4quivalenten Preisniveau wie beim Diesel. WELT: Handelt die EU-Kommission beim Ausbau der erneuerbaren Energien und einer Wasserstoffwirtschaft nachvollziehbar und konsistent?Ebeling: Das ist etwas verlangsamt worden. Aber wir sehen nach wie vor, dass die EU das konsequent voranbringt. Es werden steigende Quoten f\u00fcr den Einsatz von erneuerbaren Energien kommen. Allerdings wird vieles dabei heutzutage sehr eng reguliert. Warum muss es unbedingt nur \u201egr\u00fcner\u201c Wasserstoff sein? Warum fangen wir nicht mit \u201eblauem\u201c Wasserstoff an, wenn der schneller und billiger verf\u00fcgbar ist? Der Industrie sagt man dann, Ihr m\u00fcsst Eure Emissionen bis 2050 auf null senken, und mit welchen technologischen Mitteln die Unternehmen dahin kommen, das \u00fcberl\u00e4sst man ihnen selbst.WELT: Wie gut f\u00f6rdert Hamburg den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft? Ebeling: Wir haben einen sehr guten, offenen Austausch und eine erfreuliche Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft, auch mit dem Hafen. Da sind die Interessen alle sehr gleichgerichtet. Die Bedeutung eines Projektes wie unserem geplanten Hamburger Importterminal wird hier klar erkannt. Auch bei einer steigenden Eigenerzeugung von erneuerbaren Energien und von Wasserstoff wird Deutschland weiterhin ein Energie-Importland bleiben. Zwischen 50 und 70 Prozent des erneuerbaren Wasserstoffs wird Deutschland k\u00fcnftig importieren m\u00fcssen. Hamburg muss dabei eine zentrale Rolle spielen. Das ist der gro\u00dfe Seehafen, das gro\u00dfe Verteilzentrum f\u00fcr Deutschland und auch weiter Teile Europas. Bei einem Importanteil von 50 Prozent des erwarteten Wasserstoffbedarfs reden wir \u00fcber eine Million Tonnen Wasserstoff, die eingef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Das Tanklager f\u00fcr Ammoniak, das wir in Hamburg gerade konzipieren, ist f\u00fcr bis zu einer Million Tonnen Ammoniak-Import im Jahr geeignet. Wir rechnen mit 600.000 Tonnen Jahresumschlag beim Ammoniak, das entspr\u00e4che etwa 100.000 Tonnen Wasserstoff. Viel Wasserstoff wird nat\u00fcrlich k\u00fcnftig auch durch Pipelines importiert werden m\u00fcssen. Daf\u00fcr brauchen wir in ganz Deutschland ein funktionsf\u00e4higes Wasserstoff-Kernnetz.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. 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Volker Ebeling, 57, Vice President New Energy, Storage &amp; Infrastructure bei MB Energy, sagte WELT, warum der internationale Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft so kompliziert ist.WELT: Herr Ebeling, MB Energy will im Hamburger Hafen einen Importterminal f\u00fcr Ammoniak errichten. Das Unternehmen Air Products soll dieses Ammoniak dann in Wasserstoff und Stickstoff aufspalten. Wann startet dieses Projekt? Volker Ebeling: Wir haben das Projekt 2022 offiziell vorgestellt. Vor gut einem Jahr haben wir den Genehmigungsantrag bei der Hamburger Umweltbeh\u00f6rde eingereicht, mehr als 1500 Seiten. Die Teilgenehmigung f\u00fcr die Beladung der Schiffe liegt bereits vor. Wir warten nun, dass der Antrag noch im Laufe dieses Jahres vollst\u00e4ndig genehmigt wird.WELT: Erst dann k\u00f6nnen Sie auch damit beginnen, die Infrastruktur aufzubauen. Ebeling: Der Teil, den wir realisieren wollen, ist der Ammoniak-Terminal, also die schiffseitige Anlieferung von Ammoniak und Einlagerung in einem gro\u00dfen Tank. Auch die Auslagerung von Ammoniak aus dem Tank auf kleine und gro\u00dfe Schiffe ist Teil unseres Genehmigungsantrages. Das ist der Teil, den MB Energy ma\u00dfgeblich im Projekt voranbringt. Air Products plant, dieses Ammoniak in einer eigenen Anlage in Wasserstoff und Stickstoff aufzuspalten. Allerdings hat Air Products daf\u00fcr bislang keinen Genehmigungsantrag gestellt. Das muss allerdings auch nicht unbedingt parallel zu unserem Genehmigungsverfahren laufen.WELT: Was geschieht, wenn Air Products nicht in dieses Projekt einsteigt?Ebeling: Wir haben uns entschlossen, mit Air Products als einem sehr kompetenten Partner zusammenzuarbeiten, einem der gr\u00f6\u00dften Wasserstoffunternehmen der Welt. Wir k\u00f6nnten das aber auch gemeinsam mit anderen Partnern realisieren, mit denen wir im Austausch stehen.WELT: Unabh\u00e4ngig von einer Aufspaltung des Ammoniaks k\u00f6nnten Sie es nach Hamburg importieren und dann weiterverkaufen?Ebeling: Das ist der gro\u00dfe Vorteil, dass Ammoniak verschiedene Verwendungszwecke hat, die ja heute schon existieren. Wasserstoff in der Energiewirtschaft ist relativ neu. Aber Ammoniak wird heute schon in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von 200 Millionen Tonnen hergestellt und weltweit verwendet. Der gr\u00f6\u00dfte Teil davon, ann\u00e4hernd 80 Prozent, entf\u00e4llt auf die D\u00fcngemittelindustrie. Der \u00fcbrige Teil ist ein wichtiger Rohstoff oder Grundstoff f\u00fcr die Chemie f\u00fcr verschiedenste Anwendungszwecke. Ammoniak ist ein bekanntes Produkt mit existierenden M\u00e4rkten. Die Produktion von Ammoniak ist allerdings sehr abh\u00e4ngig vom Preis f\u00fcr Erdgas. Der notwendige Wasserstoff f\u00fcr das Ammoniak wird heutzutage aus Erdgas gewonnen. Seit dem Beginn des Ukrainekrieges und den gestiegenen Erdgaspreisen geht in Europa der Trend st\u00e4rker hin zum Import von Ammoniak.WELT: Handelt MB Energy auch international mit Ammoniak? Ebeling: Wir nehmen in diesen Wochen in Texas City, USA, eine der weltgr\u00f6\u00dften Ammoniak-Produktionsanlagen in Betrieb, an der wir ma\u00dfgeblich beteiligt sind. Dort werden bis zu 1,3 Millionen Tonnen Ammoniak im Jahr produziert. K\u00fcnftig k\u00f6nnte das auch sogenanntes \u201eblaues\u201c Ammoniak sein, mit Wasserstoff, der aus Erdgas extrahiert wird. Das dabei freiwerdende Kohlendioxid wird mithilfe der CCS-Technologie dann unterirdisch dauerhaft eingelagert. \u201eBlaues\u201c Ammoniak ist wichtig f\u00fcr die Skalierung, f\u00fcr den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft. Dieser Hochlauf l\u00e4sst sich in den kommenden Jahren mit \u201egr\u00fcnem\u201c Ammoniak, bei dem der Wasserstoff per Elektrolyse mithilfe von \u00d6kostrom gewonnen wird, so nicht realisieren.WELT: Wie w\u00e4re der Zeitplan, wenn Sie in Hamburg gemeinsam mit Air Products den Import und die Aufspaltung von Ammoniak starten? Ebeling: Wir gehen davon aus, dass wir gegen Ende des Jahres einen Genehmigungsbescheid bekommen. Der n\u00e4chste wesentliche Schritt w\u00e4re die finale Investitionsentscheidung. Zu dem Zeitpunkt m\u00fcssen wir uns mit unseren Eigent\u00fcmern darauf verst\u00e4ndigen, dass diese geplante Investition im dreistelligen Millionenbereich eine wirtschaftliche Berechtigung hat, dass sie rentabel und wirtschaftlich vertretbar ist. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, wie viel Ammoniak tats\u00e4chlich f\u00fcr den Import nachgefragt wird. Das ist bei der Energiewende das gr\u00f6\u00dfere Problem \u2013 die Nachfrage und die Bereitschaft von Kunden, f\u00fcr dieses Produkt einen bestimmten Preis zu bezahlen. WELT: Sie sprechen mit potenziellen Kunden dar\u00fcber, wer in den kommenden Jahren \u201eblaues\u201c oder \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak kaufen will? Ebeling: Die einen sind Kunden direkt aus der bestehenden Ammoniakwirtschaft, zum Beispiel f\u00fcr die Herstellung von D\u00fcngemitteln. Au\u00dferdem setzen wir darauf, dass in den kommenden f\u00fcnf bis zehn Jahre Ammoniak als Schiffskraftstoff relevant wird. Und wir sprechen mit Kunden, die Interesse daran haben, Ammoniak zu importieren und es in unserem Tank selbst umzuschlagen, f\u00fcr eigene Zwecke.WELT: Wie schnell kann dieses Gesch\u00e4ft starten?Ebeling: Wenn wir Ende dieses Jahres die Genehmigung bekommen, brauchen wir voraussichtlich sechs bis zw\u00f6lf Monate, um abschlie\u00dfend die Investitionsentscheidung zu treffen, auch im Dialog mit potenziellen Kunden. Danach br\u00e4uchten wir zweieinhalb Jahre Bauzeit.WELT Dieser Zeitplan w\u00e4re unabh\u00e4ngig von der Frage, ob sie mit Air Products hier in Hamburg zusammenarbeiten oder nicht. Ebeling: Wir k\u00f6nnen mit der Genehmigung unseren Teil der Infrastruktur f\u00fcr den Import von Ammoniak errichten. Ich bin recht zuversichtlich, dass wir mit einer gewissen Verz\u00f6gerung diesen Importweg f\u00fcr Wasserstoff brauchen werden. Man muss dann den geeigneten Partner finden. Wichtig ist dabei auch der Aufbau eines Wasserstoffnetzes in Hamburg und in Deutschland, der bereits begonnen hat. Wasserstoff ist schwierig auf Stra\u00dfe und auf der Schiene zu transportieren. Pipelines werden ein ma\u00dfgeblicher Erfolgsfaktor f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft sein. WELT: \u201eBlaues\u201c Ammoniak mit der Abtrennung von Kohlendioxid bei dessen Herstellung, k\u00f6nnte aus den USA kommen, sagen Sie. Doch woher k\u00f6nnen Sie gro\u00dfe Mengen regenerativ erzeugtes, \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak bekommen?Ebeling: Da schlie\u00dft sich der Kreis wieder mit Air Products, und zwar in Saudi-Arabien. Die neue Stadt Neom am Roten Meer soll zugleich auch der weltweit gr\u00f6\u00dfte Standort f\u00fcr die Produktion von Wasserstoff mithilfe erneuerbarer Energien werden, also mit Strom zum Beispiel aus Solarparks. Dieses Projekt ist ma\u00dfgeblich auch mit Air Products verbunden, das diesen Wasserstoff aus Saudi-Arabien in Form von Ammoniak exportieren will. Projekte f\u00fcr \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak gibt es auch in Indien, im Oman, den Vereinigten Arabische Emiraten. Auch in Kanada wird an solchen Projekten gearbeitet, mit Strom zum Beispiel aus gro\u00dfen Windparks. Kanada ist sicherlich einer der hochrelevanten neuen, potenziellen Exportm\u00e4rkte. WELT: Haben Sie heute schon vor Augen, wie sich die importierten Mengen von Ammoniak in Hamburg entwickeln k\u00f6nnten?Ebeling: Unter anderem besch\u00e4ftigen sich ma\u00dfgebliche deutsche Energieversorger aus der Stromwirtschaft mit dem Import von Ammoniak und Wasserstoff, mit Projekten bis hin nach Australien. Da ist mittlerweile ein globales, potenzielles Marktumfeld entstanden. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit namhaften internationalen und deutschen Unternehmen dabei gute Fortschritte machen. In diesem Sinne sind wir nicht von der Investitionsentscheidung bei Air Products allein abh\u00e4ngig. Wenn Air Products morgen sagt, wir stellen unser Projekt ein, dann hei\u00dft das f\u00fcr uns nicht, dass wir unser Projekt auch einstellen. WELT: Allm\u00e4hlich bildet sich also ein internationaler Markt f\u00fcr Wasserstoff.Ebeling: Im Moment sind es im Wesentlichen Projekte im Aufbau. Wasserstoff ist nicht so leicht zu transportieren wie in der Verbindung mit Stickstoff als Ammoniak, deshalb spielt Ammoniak f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft eine zentrale Rolle. Nach der Aufbruchstimmung f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft vor etwa f\u00fcnf Jahren hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass das mit einer hohen Komplexit\u00e4t verbunden ist. Das ist ein hochtechnisches Gesch\u00e4ft. WELT: Haben Sie den Eindruck, dass die neue Bundesregierung das Thema Wasserstoff eher in den Hintergrund schiebt? Die Ampel-Koalition hat das ja als Prestigeprojekt betrachtet.Ebeling: Das sehen wir nicht so. Unsere neue Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat Wasserstoffkenntnisse und bei diesem Thema einen soliden Hintergrund. Wir gehen davon aus, dass die F\u00f6rderung von Wasserstoff auch auf der Agenda der neuen Regierung steht. In welchem Umfang, das ist heute noch nicht so ganz klar. WELT: Waren die Erwartungen speziell in die Erzeugung von \u201egr\u00fcnem\u201c Wasserstoff bislang zu gro\u00df? Ebeling: Es gab so etwas wie eine Goldgr\u00e4berstimmung und damit auch eine gewisse Naivit\u00e4t. Man hat die Komplexit\u00e4t bei der Herstellung und dem Transport von Wasserstoff untersch\u00e4tzt. Die Komplexit\u00e4t beim Aufbau einer Infrastruktur und eines Marktes braucht Zeit. Noch fehlen uns die Skalierungseffekte f\u00fcr den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft. Wo dieser Wasserstoff dann zu welchem Preis tats\u00e4chlich eingesetzt werden wird, wissen wir heutzutage noch nicht.WELT: Manche Unternehmen wie der Stahlkonzern ArcelorMittal oder der Flugzeughersteller Airbus stellen ihre Wasserstoffpl\u00e4ne inzwischen wieder zur\u00fcck.Ebeling: Die zeitlichen Ambitionen, die man am Anfang hatte, sind \u00fcberholt. Ich glaube, es bleibt aber trotzdem eine Frage des \u201eWann\u201c und nicht des \u201eOb\u201c \u2013 es sei denn, wir w\u00fcrden die Emissions- und Klimaziele in gro\u00dfen Teilen aufgeben. Klar ist zum Beispiel, dass wir nicht alles elektrifizieren k\u00f6nnen. F\u00fcr einen erheblichen Teil des Schwerlastverkehrs zum Beispiel bieten batterieelektrische Antriebe auf lange Sicht keine L\u00f6sung, man braucht daf\u00fcr Wasserstoff-Brennstoffzellen. Diese Technologie wird f\u00fcr Reichweiten bis zu 1200 Kilometer geeignet sein. WELT: Werden wind- und sonnenreiche Staaten wie Saudi-Arabien in absehbarer Zeit ihre Produktion von \u201egr\u00fcnem\u201c Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol deutlich hochfahren? Ebeling: Das findet ja bereits statt und die Bereitschaft ist auch durchaus da. Doch die Abnehmer sind bislang eben nicht so zahlreich, um solche Projekte tats\u00e4chlich zu unterst\u00fctzen und zu sagen, wir kaufen den Wasserstoff. Das liegt daran, dass Wasserstoff heutzutage noch deutlich teurer ist als etwa Erdgas. WELT: Es gibt viele geopolitische Unsicherheiten, unter anderem auch, dass die USA ihre Produktion von Erdgas und Erd\u00f6l und Kohle unter Pr\u00e4sident Donald Trump wieder deutlich steigern wollen. Erschwert das den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft? Ebeling: Woher kam der Enthusiasmus f\u00fcr den \u201egr\u00fcnen\u201c Wasserstoff vor f\u00fcnf Jahren? Sicher auch daher, dass wir gesagt haben, beim Erdgas haben wir \u2013 mit Blick auf Russland \u2013 etwas falsch gemacht, jetzt m\u00fcssen wir die Energieversorgung umbauen. Inzwischen haben sich die Gaspreise aber wieder weitestgehend normalisiert, und die Preisunterschiede und Aufschl\u00e4ge f\u00fcr erneuerbare Energien sind wieder pr\u00e4senter. Wir m\u00fcssen lernen, beim Umbau der Energieversorgung etwas langfristiger zu denken und auch zu handeln. Derzeit ist die CO2-Besteuerung in der Europ\u00e4ischen Union noch nicht so hoch, dass damit automatisch die erneuerbaren Energietr\u00e4ger zu den fossilen Energien wettbewerbsf\u00e4hig sind. Wir sind zum Beispiel beim Wasserstoff noch nicht auf einem \u00e4quivalenten Preisniveau wie beim Diesel. WELT: Handelt die EU-Kommission beim Ausbau der erneuerbaren Energien und einer Wasserstoffwirtschaft nachvollziehbar und konsistent?Ebeling: Das ist etwas verlangsamt worden. Aber wir sehen nach wie vor, dass die EU das konsequent voranbringt. Es werden steigende Quoten f\u00fcr den Einsatz von erneuerbaren Energien kommen. Allerdings wird vieles dabei heutzutage sehr eng reguliert. Warum muss es unbedingt nur \u201egr\u00fcner\u201c Wasserstoff sein? Warum fangen wir nicht mit \u201eblauem\u201c Wasserstoff an, wenn der schneller und billiger verf\u00fcgbar ist? Der Industrie sagt man dann, Ihr m\u00fcsst Eure Emissionen bis 2050 auf null senken, und mit welchen technologischen Mitteln die Unternehmen dahin kommen, das \u00fcberl\u00e4sst man ihnen selbst.WELT: Wie gut f\u00f6rdert Hamburg den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft? Ebeling: Wir haben einen sehr guten, offenen Austausch und eine erfreuliche Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft, auch mit dem Hafen. Da sind die Interessen alle sehr gleichgerichtet. Die Bedeutung eines Projektes wie unserem geplanten Hamburger Importterminal wird hier klar erkannt. Auch bei einer steigenden Eigenerzeugung von erneuerbaren Energien und von Wasserstoff wird Deutschland weiterhin ein Energie-Importland bleiben. Zwischen 50 und 70 Prozent des erneuerbaren Wasserstoffs wird Deutschland k\u00fcnftig importieren m\u00fcssen. Hamburg muss dabei eine zentrale Rolle spielen. Das ist der gro\u00dfe Seehafen, das gro\u00dfe Verteilzentrum f\u00fcr Deutschland und auch weiter Teile Europas. Bei einem Importanteil von 50 Prozent des erwarteten Wasserstoffbedarfs reden wir \u00fcber eine Million Tonnen Wasserstoff, die eingef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Das Tanklager f\u00fcr Ammoniak, das wir in Hamburg gerade konzipieren, ist f\u00fcr bis zu einer Million Tonnen Ammoniak-Import im Jahr geeignet. Wir rechnen mit 600.000 Tonnen Jahresumschlag beim Ammoniak, das entspr\u00e4che etwa 100.000 Tonnen Wasserstoff. Viel Wasserstoff wird nat\u00fcrlich k\u00fcnftig auch durch Pipelines importiert werden m\u00fcssen. Daf\u00fcr brauchen wir in ganz Deutschland ein funktionsf\u00e4higes Wasserstoff-Kernnetz.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. 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Das Hamburger Unternehmen MB Energy plant eines der in Deutschland gr\u00f6\u00dften Importprojekte f\u00fcr Ammoniak und damit auch f\u00fcr Wasserstoff. Volker Ebeling, 57, Vice President New Energy, Storage &amp; Infrastructure bei MB Energy, sagte WELT, warum der internationale Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft so kompliziert ist.WELT: Herr Ebeling, MB Energy will im Hamburger Hafen einen Importterminal f\u00fcr Ammoniak errichten. Das Unternehmen Air Products soll dieses Ammoniak dann in Wasserstoff und Stickstoff aufspalten. Wann startet dieses Projekt? Volker Ebeling: Wir haben das Projekt 2022 offiziell vorgestellt. Vor gut einem Jahr haben wir den Genehmigungsantrag bei der Hamburger Umweltbeh\u00f6rde eingereicht, mehr als 1500 Seiten. Die Teilgenehmigung f\u00fcr die Beladung der Schiffe liegt bereits vor. Wir warten nun, dass der Antrag noch im Laufe dieses Jahres vollst\u00e4ndig genehmigt wird.WELT: Erst dann k\u00f6nnen Sie auch damit beginnen, die Infrastruktur aufzubauen. Ebeling: Der Teil, den wir realisieren wollen, ist der Ammoniak-Terminal, also die schiffseitige Anlieferung von Ammoniak und Einlagerung in einem gro\u00dfen Tank. Auch die Auslagerung von Ammoniak aus dem Tank auf kleine und gro\u00dfe Schiffe ist Teil unseres Genehmigungsantrages. Das ist der Teil, den MB Energy ma\u00dfgeblich im Projekt voranbringt. Air Products plant, dieses Ammoniak in einer eigenen Anlage in Wasserstoff und Stickstoff aufzuspalten. Allerdings hat Air Products daf\u00fcr bislang keinen Genehmigungsantrag gestellt. Das muss allerdings auch nicht unbedingt parallel zu unserem Genehmigungsverfahren laufen.WELT: Was geschieht, wenn Air Products nicht in dieses Projekt einsteigt?Ebeling: Wir haben uns entschlossen, mit Air Products als einem sehr kompetenten Partner zusammenzuarbeiten, einem der gr\u00f6\u00dften Wasserstoffunternehmen der Welt. Wir k\u00f6nnten das aber auch gemeinsam mit anderen Partnern realisieren, mit denen wir im Austausch stehen.WELT: Unabh\u00e4ngig von einer Aufspaltung des Ammoniaks k\u00f6nnten Sie es nach Hamburg importieren und dann weiterverkaufen?Ebeling: Das ist der gro\u00dfe Vorteil, dass Ammoniak verschiedene Verwendungszwecke hat, die ja heute schon existieren. Wasserstoff in der Energiewirtschaft ist relativ neu. Aber Ammoniak wird heute schon in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von 200 Millionen Tonnen hergestellt und weltweit verwendet. Der gr\u00f6\u00dfte Teil davon, ann\u00e4hernd 80 Prozent, entf\u00e4llt auf die D\u00fcngemittelindustrie. Der \u00fcbrige Teil ist ein wichtiger Rohstoff oder Grundstoff f\u00fcr die Chemie f\u00fcr verschiedenste Anwendungszwecke. Ammoniak ist ein bekanntes Produkt mit existierenden M\u00e4rkten. Die Produktion von Ammoniak ist allerdings sehr abh\u00e4ngig vom Preis f\u00fcr Erdgas. Der notwendige Wasserstoff f\u00fcr das Ammoniak wird heutzutage aus Erdgas gewonnen. Seit dem Beginn des Ukrainekrieges und den gestiegenen Erdgaspreisen geht in Europa der Trend st\u00e4rker hin zum Import von Ammoniak.WELT: Handelt MB Energy auch international mit Ammoniak? Ebeling: Wir nehmen in diesen Wochen in Texas City, USA, eine der weltgr\u00f6\u00dften Ammoniak-Produktionsanlagen in Betrieb, an der wir ma\u00dfgeblich beteiligt sind. Dort werden bis zu 1,3 Millionen Tonnen Ammoniak im Jahr produziert. K\u00fcnftig k\u00f6nnte das auch sogenanntes \u201eblaues\u201c Ammoniak sein, mit Wasserstoff, der aus Erdgas extrahiert wird. Das dabei freiwerdende Kohlendioxid wird mithilfe der CCS-Technologie dann unterirdisch dauerhaft eingelagert. \u201eBlaues\u201c Ammoniak ist wichtig f\u00fcr die Skalierung, f\u00fcr den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft. Dieser Hochlauf l\u00e4sst sich in den kommenden Jahren mit \u201egr\u00fcnem\u201c Ammoniak, bei dem der Wasserstoff per Elektrolyse mithilfe von \u00d6kostrom gewonnen wird, so nicht realisieren.WELT: Wie w\u00e4re der Zeitplan, wenn Sie in Hamburg gemeinsam mit Air Products den Import und die Aufspaltung von Ammoniak starten? Ebeling: Wir gehen davon aus, dass wir gegen Ende des Jahres einen Genehmigungsbescheid bekommen. Der n\u00e4chste wesentliche Schritt w\u00e4re die finale Investitionsentscheidung. Zu dem Zeitpunkt m\u00fcssen wir uns mit unseren Eigent\u00fcmern darauf verst\u00e4ndigen, dass diese geplante Investition im dreistelligen Millionenbereich eine wirtschaftliche Berechtigung hat, dass sie rentabel und wirtschaftlich vertretbar ist. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, wie viel Ammoniak tats\u00e4chlich f\u00fcr den Import nachgefragt wird. Das ist bei der Energiewende das gr\u00f6\u00dfere Problem \u2013 die Nachfrage und die Bereitschaft von Kunden, f\u00fcr dieses Produkt einen bestimmten Preis zu bezahlen. WELT: Sie sprechen mit potenziellen Kunden dar\u00fcber, wer in den kommenden Jahren \u201eblaues\u201c oder \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak kaufen will? Ebeling: Die einen sind Kunden direkt aus der bestehenden Ammoniakwirtschaft, zum Beispiel f\u00fcr die Herstellung von D\u00fcngemitteln. Au\u00dferdem setzen wir darauf, dass in den kommenden f\u00fcnf bis zehn Jahre Ammoniak als Schiffskraftstoff relevant wird. Und wir sprechen mit Kunden, die Interesse daran haben, Ammoniak zu importieren und es in unserem Tank selbst umzuschlagen, f\u00fcr eigene Zwecke.WELT: Wie schnell kann dieses Gesch\u00e4ft starten?Ebeling: Wenn wir Ende dieses Jahres die Genehmigung bekommen, brauchen wir voraussichtlich sechs bis zw\u00f6lf Monate, um abschlie\u00dfend die Investitionsentscheidung zu treffen, auch im Dialog mit potenziellen Kunden. Danach br\u00e4uchten wir zweieinhalb Jahre Bauzeit.WELT Dieser Zeitplan w\u00e4re unabh\u00e4ngig von der Frage, ob sie mit Air Products hier in Hamburg zusammenarbeiten oder nicht. Ebeling: Wir k\u00f6nnen mit der Genehmigung unseren Teil der Infrastruktur f\u00fcr den Import von Ammoniak errichten. Ich bin recht zuversichtlich, dass wir mit einer gewissen Verz\u00f6gerung diesen Importweg f\u00fcr Wasserstoff brauchen werden. Man muss dann den geeigneten Partner finden. Wichtig ist dabei auch der Aufbau eines Wasserstoffnetzes in Hamburg und in Deutschland, der bereits begonnen hat. Wasserstoff ist schwierig auf Stra\u00dfe und auf der Schiene zu transportieren. Pipelines werden ein ma\u00dfgeblicher Erfolgsfaktor f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft sein. WELT: \u201eBlaues\u201c Ammoniak mit der Abtrennung von Kohlendioxid bei dessen Herstellung, k\u00f6nnte aus den USA kommen, sagen Sie. Doch woher k\u00f6nnen Sie gro\u00dfe Mengen regenerativ erzeugtes, \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak bekommen?Ebeling: Da schlie\u00dft sich der Kreis wieder mit Air Products, und zwar in Saudi-Arabien. Die neue Stadt Neom am Roten Meer soll zugleich auch der weltweit gr\u00f6\u00dfte Standort f\u00fcr die Produktion von Wasserstoff mithilfe erneuerbarer Energien werden, also mit Strom zum Beispiel aus Solarparks. Dieses Projekt ist ma\u00dfgeblich auch mit Air Products verbunden, das diesen Wasserstoff aus Saudi-Arabien in Form von Ammoniak exportieren will. Projekte f\u00fcr \u201egr\u00fcnes\u201c Ammoniak gibt es auch in Indien, im Oman, den Vereinigten Arabische Emiraten. Auch in Kanada wird an solchen Projekten gearbeitet, mit Strom zum Beispiel aus gro\u00dfen Windparks. Kanada ist sicherlich einer der hochrelevanten neuen, potenziellen Exportm\u00e4rkte. WELT: Haben Sie heute schon vor Augen, wie sich die importierten Mengen von Ammoniak in Hamburg entwickeln k\u00f6nnten?Ebeling: Unter anderem besch\u00e4ftigen sich ma\u00dfgebliche deutsche Energieversorger aus der Stromwirtschaft mit dem Import von Ammoniak und Wasserstoff, mit Projekten bis hin nach Australien. Da ist mittlerweile ein globales, potenzielles Marktumfeld entstanden. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit namhaften internationalen und deutschen Unternehmen dabei gute Fortschritte machen. In diesem Sinne sind wir nicht von der Investitionsentscheidung bei Air Products allein abh\u00e4ngig. Wenn Air Products morgen sagt, wir stellen unser Projekt ein, dann hei\u00dft das f\u00fcr uns nicht, dass wir unser Projekt auch einstellen. WELT: Allm\u00e4hlich bildet sich also ein internationaler Markt f\u00fcr Wasserstoff.Ebeling: Im Moment sind es im Wesentlichen Projekte im Aufbau. Wasserstoff ist nicht so leicht zu transportieren wie in der Verbindung mit Stickstoff als Ammoniak, deshalb spielt Ammoniak f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft eine zentrale Rolle. Nach der Aufbruchstimmung f\u00fcr eine Wasserstoffwirtschaft vor etwa f\u00fcnf Jahren hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass das mit einer hohen Komplexit\u00e4t verbunden ist. Das ist ein hochtechnisches Gesch\u00e4ft. WELT: Haben Sie den Eindruck, dass die neue Bundesregierung das Thema Wasserstoff eher in den Hintergrund schiebt? Die Ampel-Koalition hat das ja als Prestigeprojekt betrachtet.Ebeling: Das sehen wir nicht so. Unsere neue Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat Wasserstoffkenntnisse und bei diesem Thema einen soliden Hintergrund. Wir gehen davon aus, dass die F\u00f6rderung von Wasserstoff auch auf der Agenda der neuen Regierung steht. In welchem Umfang, das ist heute noch nicht so ganz klar. WELT: Waren die Erwartungen speziell in die Erzeugung von \u201egr\u00fcnem\u201c Wasserstoff bislang zu gro\u00df? Ebeling: Es gab so etwas wie eine Goldgr\u00e4berstimmung und damit auch eine gewisse Naivit\u00e4t. Man hat die Komplexit\u00e4t bei der Herstellung und dem Transport von Wasserstoff untersch\u00e4tzt. Die Komplexit\u00e4t beim Aufbau einer Infrastruktur und eines Marktes braucht Zeit. Noch fehlen uns die Skalierungseffekte f\u00fcr den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft. Wo dieser Wasserstoff dann zu welchem Preis tats\u00e4chlich eingesetzt werden wird, wissen wir heutzutage noch nicht.WELT: Manche Unternehmen wie der Stahlkonzern ArcelorMittal oder der Flugzeughersteller Airbus stellen ihre Wasserstoffpl\u00e4ne inzwischen wieder zur\u00fcck.Ebeling: Die zeitlichen Ambitionen, die man am Anfang hatte, sind \u00fcberholt. Ich glaube, es bleibt aber trotzdem eine Frage des \u201eWann\u201c und nicht des \u201eOb\u201c \u2013 es sei denn, wir w\u00fcrden die Emissions- und Klimaziele in gro\u00dfen Teilen aufgeben. Klar ist zum Beispiel, dass wir nicht alles elektrifizieren k\u00f6nnen. F\u00fcr einen erheblichen Teil des Schwerlastverkehrs zum Beispiel bieten batterieelektrische Antriebe auf lange Sicht keine L\u00f6sung, man braucht daf\u00fcr Wasserstoff-Brennstoffzellen. Diese Technologie wird f\u00fcr Reichweiten bis zu 1200 Kilometer geeignet sein. WELT: Werden wind- und sonnenreiche Staaten wie Saudi-Arabien in absehbarer Zeit ihre Produktion von \u201egr\u00fcnem\u201c Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol deutlich hochfahren? Ebeling: Das findet ja bereits statt und die Bereitschaft ist auch durchaus da. Doch die Abnehmer sind bislang eben nicht so zahlreich, um solche Projekte tats\u00e4chlich zu unterst\u00fctzen und zu sagen, wir kaufen den Wasserstoff. Das liegt daran, dass Wasserstoff heutzutage noch deutlich teurer ist als etwa Erdgas. WELT: Es gibt viele geopolitische Unsicherheiten, unter anderem auch, dass die USA ihre Produktion von Erdgas und Erd\u00f6l und Kohle unter Pr\u00e4sident Donald Trump wieder deutlich steigern wollen. Erschwert das den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft? Ebeling: Woher kam der Enthusiasmus f\u00fcr den \u201egr\u00fcnen\u201c Wasserstoff vor f\u00fcnf Jahren? Sicher auch daher, dass wir gesagt haben, beim Erdgas haben wir \u2013 mit Blick auf Russland \u2013 etwas falsch gemacht, jetzt m\u00fcssen wir die Energieversorgung umbauen. Inzwischen haben sich die Gaspreise aber wieder weitestgehend normalisiert, und die Preisunterschiede und Aufschl\u00e4ge f\u00fcr erneuerbare Energien sind wieder pr\u00e4senter. Wir m\u00fcssen lernen, beim Umbau der Energieversorgung etwas langfristiger zu denken und auch zu handeln. Derzeit ist die CO2-Besteuerung in der Europ\u00e4ischen Union noch nicht so hoch, dass damit automatisch die erneuerbaren Energietr\u00e4ger zu den fossilen Energien wettbewerbsf\u00e4hig sind. Wir sind zum Beispiel beim Wasserstoff noch nicht auf einem \u00e4quivalenten Preisniveau wie beim Diesel. WELT: Handelt die EU-Kommission beim Ausbau der erneuerbaren Energien und einer Wasserstoffwirtschaft nachvollziehbar und konsistent?Ebeling: Das ist etwas verlangsamt worden. Aber wir sehen nach wie vor, dass die EU das konsequent voranbringt. Es werden steigende Quoten f\u00fcr den Einsatz von erneuerbaren Energien kommen. Allerdings wird vieles dabei heutzutage sehr eng reguliert. Warum muss es unbedingt nur \u201egr\u00fcner\u201c Wasserstoff sein? Warum fangen wir nicht mit \u201eblauem\u201c Wasserstoff an, wenn der schneller und billiger verf\u00fcgbar ist? Der Industrie sagt man dann, Ihr m\u00fcsst Eure Emissionen bis 2050 auf null senken, und mit welchen technologischen Mitteln die Unternehmen dahin kommen, das \u00fcberl\u00e4sst man ihnen selbst.WELT: Wie gut f\u00f6rdert Hamburg den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft? Ebeling: Wir haben einen sehr guten, offenen Austausch und eine erfreuliche Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft, auch mit dem Hafen. Da sind die Interessen alle sehr gleichgerichtet. Die Bedeutung eines Projektes wie unserem geplanten Hamburger Importterminal wird hier klar erkannt. Auch bei einer steigenden Eigenerzeugung von erneuerbaren Energien und von Wasserstoff wird Deutschland weiterhin ein Energie-Importland bleiben. Zwischen 50 und 70 Prozent des erneuerbaren Wasserstoffs wird Deutschland k\u00fcnftig importieren m\u00fcssen. Hamburg muss dabei eine zentrale Rolle spielen. Das ist der gro\u00dfe Seehafen, das gro\u00dfe Verteilzentrum f\u00fcr Deutschland und auch weiter Teile Europas. Bei einem Importanteil von 50 Prozent des erwarteten Wasserstoffbedarfs reden wir \u00fcber eine Million Tonnen Wasserstoff, die eingef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Das Tanklager f\u00fcr Ammoniak, das wir in Hamburg gerade konzipieren, ist f\u00fcr bis zu einer Million Tonnen Ammoniak-Import im Jahr geeignet. Wir rechnen mit 600.000 Tonnen Jahresumschlag beim Ammoniak, das entspr\u00e4che etwa 100.000 Tonnen Wasserstoff. Viel Wasserstoff wird nat\u00fcrlich k\u00fcnftig auch durch Pipelines importiert werden m\u00fcssen. Daf\u00fcr brauchen wir in ganz Deutschland ein funktionsf\u00e4higes Wasserstoff-Kernnetz.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Seit Januar 2021 ist Volker Ebeling, 57, Senior Vice President, New Energy, Supply &amp; Infrastructure bei MB Energy. Das Hamburger Unternehmen mit rund 1830 Mitarbeitenden geh\u00f6rt zur Firmengruppe von Marquard &amp; Bahls der Familie Weisser. MB Energy ist eines der f\u00fchrenden Energiehandelsunternehmen in Deutschland, mit einem Verkaufsvolumen vor allem bei Mineral\u00f6lprodukten von 12,9 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ebeling arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiebranche, unter anderem war er bei BP, Cargill und JP Morgan. Seit 2015 arbeitet er f\u00fcr MB Energy, das bis zu diesem Jahr Mabanaft hie\u00df.Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Die Energiewirtschaft z\u00e4hlt zu seinen Schwerpunktthemen.","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/es-gab-so-etwas-wie-eine-goldgraberstimmung-und-damit-auch-eine-gewisse-naivitat\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/vof-news.eu\/de\/es-gab-so-etwas-wie-eine-goldgraberstimmung-und-damit-auch-eine-gewisse-naivitat\/"]}]},{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/es-gab-so-etwas-wie-eine-goldgraberstimmung-und-damit-auch-eine-gewisse-naivitat\/#primaryimage","url":"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/mb-energy-enport-tanklager-hamburg-blumensand-ebeling-volker-wasserstoff-1.webp","contentUrl":"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/mb-energy-enport-tanklager-hamburg-blumensand-ebeling-volker-wasserstoff-1.webp","width":1200,"height":574},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/es-gab-so-etwas-wie-eine-goldgraberstimmung-und-damit-auch-eine-gewisse-naivitat\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Home","item":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"\u201eEs gab so etwas wie eine Goldgr\u00e4berstimmung und damit auch eine gewisse Naivit\u00e4t\u201c"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#website","url":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/","name":"vof-news.eu","description":"","potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/?s={search_term_string}"},"query-input":"required name=search_term_string"}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Person","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#\/schema\/person\/f6a2a4309f0561835797fd8c19b333ed","name":"Author","image":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#\/schema\/person\/image\/","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b67e614b1b25b3e9c0c239efdd2fde5ab015b5affd6f1c3c85911ca4b384e790?s=96&d=mm&r=g","contentUrl":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b67e614b1b25b3e9c0c239efdd2fde5ab015b5affd6f1c3c85911ca4b384e790?s=96&d=mm&r=g","caption":"Author"},"sameAs":["http:\/\/vof-news.eu"],"url":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/author\/zwt6qxnjulxbnyg\/"}]}},"yoast_meta":{"yoast_wpseo_title":"","yoast_wpseo_metadesc":"","yoast_wpseo_canonical":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/267494","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=267494"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/267494\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":267501,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/267494\/revisions\/267501"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/267495"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=267494"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=267494"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=267494"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}