{"id":265410,"date":"2025-08-17T09:26:06","date_gmt":"2025-08-17T06:26:06","guid":{"rendered":"https:\/\/vof-news.eu\/uber-warmepumpen-kann-man-jetzt-vernunftig-sprechen\/"},"modified":"2025-08-17T09:26:39","modified_gmt":"2025-08-17T06:26:39","slug":"uber-warmepumpen-kann-man-jetzt-vernunftig-sprechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/uber-warmepumpen-kann-man-jetzt-vernunftig-sprechen\/","title":{"rendered":"\u201e\u00dcber W\u00e4rmepumpen kann man jetzt vern\u00fcnftig sprechen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das historische Geb\u00e4ude der Handwerkskammer Hamburg am Holstenwall wird gerade umfassend saniert, unter anderem bekommt das denkmalgesch\u00fctzte Gewerbehaus, das im Jahr 1915 eingeweiht worden war, eine Photovoltaikanlage. Das passt \u2013 Hausherr Hjalmar Stemmann, der Kammerpr\u00e4sident, verweist im Gespr\u00e4ch darauf, wie sehr die Technologien zum Klimaschutz die Entwicklung von Berufsbildern im Handwerk beeinflussen. Und welche Karriere derzeit die W\u00e4rmepumpe macht. <\/p>\n<p><b>WELT AM SONNTAG:<\/b> Herr Stemmann, \u00fcber den Klimaschutz wurde w\u00e4hrend der Zeit der Ampelregierung Ende 2021 bis Anfang 2025 intensiv gestritten. Seit dem Regierungswechsel hin zu Union und SPD im Fr\u00fchjahr ist es um das Thema deutlich ruhiger geworden. Wie nimmt das Handwerk diese Ver\u00e4nderung wahr?<\/p>\n<p><b>Hjalmar Stemmann:<\/b> Klimaschutz und Klimafolgenanpassung sind im Handwerk extrem pr\u00e4sent. Aus der Politik bekommen wir deutliche Signale daf\u00fcr, dass dort derzeit die H\u00fclle von Geb\u00e4uden nicht mehr die zentrale Rolle spielt, sondern dass st\u00e4rker \u00fcber die Steuerung der Energietr\u00e4ger gegangen wird, \u00fcber CO2-Abgaben und anderes mehr. Um bei der Versorgung von Geb\u00e4uden mit W\u00e4rme und Strom umzusteuern, braucht man zum Beispiel W\u00e4rmepumpen und Solaranlagen. Wer soll diese Anlagen in den H\u00e4usern und auf den D\u00e4chern installieren und montieren, wer soll die vorhandene Technologie abstimmen? Das kann nur das Handwerk machen. Auch bei der Anpassung des Energieverbrauchs in den Geb\u00e4uden ist das Bau- und Ausbauhandwerk mit dabei. Das Malerhandwerk zum Beispiel k\u00fcmmert sich unter anderem zum Beispiel um W\u00e4rmed\u00e4mm-Verbundsysteme, das bleibt wichtig. Installateure betreuen Klima-, W\u00e4rme- und K\u00e4ltetechnik, Dachdecker bereiten D\u00e4cher f\u00fcr moderne Technologien wie Solaranlagen auf, die dann Elektriker wiederum anschlie\u00dfen. Diese Aufz\u00e4hlung k\u00f6nnte ich noch lange fortsetzen.\u00a0<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Die Koalition von SPD, FDP und Gr\u00fcnen ist ma\u00dfgeblich auch am Widerstand gegen Robert Habecks ,Heizungsgesetz\u2018 gescheitert. Ist die W\u00e4rmepumpe, um die es dabei vor allem ging, bei Immobilieneignern tats\u00e4chlich so unbeliebt, wie es in der Debatte einige Jahre lang erschien?<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Das Handwerk ist bei diesem Gesetz nie einbezogen worden, das war aus unserer Sicht der gr\u00f6\u00dfte ,handwerkliche\u2018 Fehler dabei. Mit der Expertise der Fachhandwerke w\u00e4re dieses Gesetz vern\u00fcnftig aufgestellt worden. Kurze Fristen und absolut zu treffende Entscheidungen waren wesentliche Fehler dieses Gesetzes. Es fehlte die Technologieoffenheit, nicht jedes Haus war damals f\u00fcr eine W\u00e4rmepumpe geeignet. Und das Gesetz kam zu einem Zeitpunkt, zu dem die Industrie f\u00fcr W\u00e4rmepumpen gar nicht lieferf\u00e4hig war. Es gab gro\u00dfe Verz\u00fcge, die Handwerker hatten gar nicht die Anlagen, um sie zu installieren. Ich glaube gar nicht, dass die Bev\u00f6lkerung \u2013 und erst recht nicht das Handwerk per se \u2013 gegen die W\u00e4rmepumpe ist. Es muss nur die richtige W\u00e4rmepumpe f\u00fcr den jeweiligen Geb\u00e4udetyp sein, und es m\u00fcssen die ausgebildeten Handwerker da sein. Da hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan, wir haben bei der Handwerkskammer und in der Innung viele Handwerker fortgebildet, damit die Installationen vern\u00fcnftig funktionieren. Die Installation einer W\u00e4rmepumpe dauert zwei- bis zweieinhalbmal so lange wie die Installation einer Gastherme. Das wird sich im Laufe der Zeit ein wenig anpassen. Vor allem aber m\u00fcssen die W\u00e4rmepumpen viel genauer auf den Haustyp abgestimmt werden. Man muss Anreize f\u00fcr solch eine neue Technologie schaffen und diejenigen mitnehmen, die es betrifft. Dann funktioniert das.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Sehen die Kunden die W\u00e4rmepumpe heutzutage differenzierter als noch vor zwei, drei Jahren?<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Auf jeden Fall. Der Druck ist aus dem Thema auch politisch herausgenommen worden. Heutzutage l\u00e4sst sich dar\u00fcber mit den Beteiligten sehr vern\u00fcnftig sprechen. Und es stehen jetzt mehr Ger\u00e4te \u00fcberhaupt erst einmal zur Verf\u00fcgung \u2013 zu Beginn dieser Debatte gab es ein Jahr Wartezeit f\u00fcr solch ein Ger\u00e4t. Das hat sich v\u00f6llig ver\u00e4ndert. Die Industrie hat nachgezogen, das Handwerk ist weiter gut aufgestellt, und das Bewusstsein bei den Immobilienbesitzern hat sich ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Viele Geb\u00e4ude bis hin zu Einfamilienh\u00e4usern werden immer mehr zu kleinen Kraftwerken, mithilfe von Fotovoltaikanlagen und auch von leistungsf\u00e4higen Batteriespeichern. Nutzen die Hauseigner und die Handwerker das Potenzial solcher Speichermedien schon ausreichend?<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Die Handwerker sind dar\u00fcber jedenfalls gut informiert. Wir haben das Energiebauzentrum der Handwerkskammer mit unseren Energielotsen am Elbcampus in Harburg. Da kann man sich sogar einen aus ausgemusterten Autobatterien bestehenden Gro\u00dfspeicher anschauen. Unsere Energieberater gehen in Betriebe, und sie beraten Hauseigent\u00fcmer. Bei den Batteriespeichern ist noch viel Luft nach oben, es gibt noch nicht gen\u00fcgend eingebaute Ger\u00e4te. Ein Ansatz w\u00e4re es, Autobatterien als station\u00e4re Speicher in H\u00e4usern einzusetzen \u2013 und auch, Elektroautos selbst zu Energiespeichern in Verbindung mit H\u00e4usern zu machen. Da wird noch sehr viel passieren. Dass aber nun etwa Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche die Einspeiseverg\u00fctung f\u00fcr kleine Fotovoltaikanlagen infrage stellt, tr\u00e4gt nicht gerade zur Planungssicherheit bei.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Entstehen durch den Klimaschutz und die damit verbundenen Technologien aus Ihrer Sicht viele neue Berufsbilder im Handwerk?<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Es ist eher so, dass sich die Handwerksunternehmen weiterentwickeln. Vor zehn Jahren gab es kaum Elektromobilit\u00e4t und noch sehr wenige E-Auto-Modelle. Das zog dann an, und Hamburg war die erste Stadt, in der eine Kfz-Innung ein Kompetenzzentrum f\u00fcr Elektromobilit\u00e4t aufgebaut hat. Heute lernen KfZ-Azubis ganz selbstverst\u00e4ndlich die Arbeit mit Hochvoltsystemen. Jeder ausgelernte Geselle kennt sich heute mit Elektroantrieben aus. Diese inhaltlichen Ver\u00e4nderungen und Weiterentwicklungen gibt es nat\u00fcrlich auch in etlichen anderen Gewerken, vom Elektrohandwerk bis hin zur Klima- und Sanit\u00e4rtechnik. Lerninhalte, Gesellen- und Meisterpr\u00fcfungen werden st\u00e4ndig an die Entwicklungen angepasst.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Dadurch werden Berufsbilder anspruchsvoller und spannender.<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Absolut. Sanit\u00e4r, Heizung, Klima hat zwar immer noch etwas mit Rohren, Toiletten und Waschbecken zu tun, aber eben auch mit der Installation von hochtechnologischen Heizungen, W\u00e4rmepumpen, Fotovoltaiksystemen und Warmwasserspeichern. Das ist schon eine kleine Raketenwissenschaft.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Wie kann das Handwerk in den kommenden Jahren in der Stadt noch sichtbarer werden?<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Auf ganz unterschiedlichen Wegen, zum Beispiel mit privaten Handwerkerh\u00f6fen, in denen sich mehrere Betriebe zusammentun. Wir achten darauf, dass Handwerkerh\u00f6fe verst\u00e4rkt auch auf Konversionsfl\u00e4chen entstehen k\u00f6nnen, wie etwa auf dem Holsten-Areal in Altona. Das Handwerk darf nicht aus der Stadt verschwinden. Rund um die alte Holsten-Brauerei zum Beispiel gab es auf dem Gel\u00e4nde fr\u00fcher zig Werkst\u00e4tten von Handwerksunternehmen, die speziell f\u00fcr Holsten gearbeitet haben, um Maschinen und Anlagen zu warten. Sie waren in Altona ein Teil des Stadtbildes. Wenn solch ein Quartier wie das Holsten-Areal oder auch Oberbillwerder neu entwickelt wird, darf es nicht sein, dass dort kein Handwerk mit dabei ist. Handwerk muss in den Quartieren sein, und wir m\u00fcssen wieder in die Innenstadt zur\u00fcck, wenn die Innenstadt neu belebt werden soll.\u00a0<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Wie funktionieren die \u2013 aktuell in Hamburg neun \u2013 Handwerkerh\u00f6fe, haben diese Einrichtungen ausreichend \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit?<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Es gibt ja auch Handwerkerh\u00f6fe ohne Publikumsverkehr. Die Betriebe haben dort ihre B\u00fcros, Lager und vorbereitenden Werkst\u00e4tten. Andere Handwerkerh\u00f6fe wiederum haben Publikumsverkehr, weil dort auch Werkst\u00e4tten sind, in die Menschen Ger\u00e4te oder Fahrzeuge zur Reparatur bringen. In der Meistermeile in Eimsb\u00fcttel zum Beispiel hat sich viel untereinander entwickelt \u2013 wenn der Zimmermann die Kapelle auf dem Friedhof in Niendorf renoviert, gibt er dem Malerbetrieb im Handwerkerhof den Hinweis, dass dort auch ein Maler gebraucht wird \u2013 und vermittelt ihn auch noch an die Friedhofsverwaltung. Oder die Gewerke tauschen bei Bedarf Material zu fairen Preisen untereinander aus.\u00a0<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Die Handwerksbetriebe m\u00fcssen aber auch verst\u00e4rkt in die Wohnquartiere selbst gehen.<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Die Handwerkerh\u00f6fe sind nur eine Antwort darauf, dass aus klassischen Handwerksquartieren an vielen Stellen Wohnquartiere gemacht wurden. Wenn es eine wohnortnahe Versorgung mit Handwerksleistungen geben soll, m\u00fcssen die Unternehmen nat\u00fcrlich verst\u00e4rkt auch wieder in den Quartieren selbst angesiedelt werden, schon deshalb, weil es ja ein gesellschaftliches Ziel ist, Autoverkehre zu reduzieren. Wir w\u00fcnschen uns sehr, dass Projekte f\u00fcr Handwerksunternehmen mit mehr Nachdruck verfolgt werden \u2013 und dass es tats\u00e4chlich auch eine echte Kompensation f\u00fcr die Handwerksunternehmen gibt, wenn Gewerbegebiet in Wohngebiet umgewandelt wird.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> K\u00f6nnen Handwerksunternehmen mit Ladenlokalen in der Innenstadt wettbewerbsf\u00e4hig bestehen?<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Ein Schuster oder eine kleine B\u00e4ckerei kann nicht dieselben Mieten zahlen wie ein Filialunternehmen etwa des Einzelhandels. Daf\u00fcr m\u00fcssen schon entsprechende Mieten aufgerufen werden. Und es muss nat\u00fcrlich eine Bereitschaft der Kunden da sein, Schuhe reparieren zu lassen, wenn ein Schuster im lokalen Einzugsgebiet wirtschaftlich erfolgreich arbeiten soll.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Welchen Beitrag kann K\u00fcnstliche Intelligenz in absehbarer Zeit leisten, um Handwerksunternehmen wirtschaftlich zu st\u00e4rken?<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Es gibt schon viele KI-L\u00f6sungen, die auf die Anwendungen im Handwerk spezialisiert sind \u2013 nehmen wir zum Beispiel die elektronische Vermessung von R\u00e4umen oder auch Drohnenfl\u00fcge f\u00fcr die Vermessung von D\u00e4chern. K\u00fcnstliche Intelligenz kann aufgenommene Scans vervollst\u00e4ndigen, Arbeitsabschnitte und das Endergebnis vorausschauend visualisieren. Auch in den Gesundheitshandwerken macht das Sinn: beim Vermessen von Fu\u00dfsohlen bis zur Analyse von Zahnaufstellungen oder dem Vermessen von Augen. Die Industrie bietet dem Handwerk da sehr viele M\u00f6glichkeiten, die Handwerksunternehmen entwickeln diese modernen elektronischen Werkzeuge, darunter viele mit KI-Unterst\u00fctzung, auch selbst weiter und geben den Herstellern entsprechende R\u00fcckmeldungen.\u00a0<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Digitalisierung und KI ersetzen das Handwerk aber nicht.<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Meine gro\u00dfe Hoffnung ist, dass Digitalisierung und K\u00fcnstliche Intelligenz einen gro\u00dfen Beitrag dazu leisten k\u00f6nnen, den wachsenden Mangel an Fachkr\u00e4ften auszugleichen. Auch im Handwerk geht die Generation der Babyboomer jetzt allm\u00e4hlich in Rente, mit enorm viel Wissen. Dieses Wissen kann in KI-Systeme eingelernt und so an die n\u00e4chste Generation weitergegeben werden. Sicher aber ist: Am Ende muss gebohrt, geschraubt, der Pinsel geschwungen und etwas hergestellt werden, um den Menschen zu dienen.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Aber Verwaltungsaufgaben lassen sich digital verbessern.<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Das ist schon in erheblichem Ma\u00dfe so, von der Angebotserstellung bis zur Buchhaltung. Zunehmend sind Betriebe auch mit Tablets und Smartphones unterwegs, und die KI liest aus dem Foto heraus, was vor Ort getan worden ist. Oder die KI sagt nach dem Kamerablick in die Werkzeugtasche oder in den Montagewagen rechtzeitig vor Abfahrt, welches am Einsatzort ben\u00f6tigte Werkzeug noch fehlt.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Das Schuljahr ist inzwischen abgelaufen. Wissen Sie schon, ob die L\u00fccke von Angebot und Nachfrage bei den Lehrstellen im Hamburger Handwerk eher gr\u00f6\u00dfer oder kleiner wird?<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Im Moment wissen wir es noch nicht, weil sich viele junge Menschen tendenziell sp\u00e4ter entscheiden, was sie nach dem Abschluss der allgemeinbildenden Schule tun wollen. Ein klareres Bild ergibt sich heutzutage eher Anfang Oktober als im August. Noch haben wir f\u00fcr dieses Ausbildungsjahr mehr als 400 Ausbildungsstellen offen \u2013 und schon mehr als 850 f\u00fcr den Start im Sommer 2026. Wir haben immer noch eine L\u00fccke im Vergleich zu unseren guten Ausbildungszahlen in der Zeit vor der Pandemie, also bis 2019. Wir arbeiten uns langsam aus dem ,Corona-Tal\u2018 heraus. Von 2015 bis 2019 spielten \u00fcbrigens junge Menschen mit Migrationshintergrund bei den hohen Ausbildungszahlen eine ganz besondere Rolle.\u00a0<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Wird es f\u00fcr die Unternehmen wieder schwieriger, junge Menschen f\u00fcr das Handwerk zu begeistern?<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Die Studienneigung nimmt weiter zu und zugleich auch das Durchlavieren in angelernten Jobs \u2013 speziell die aber sind eine Sackgasse, aus der man sp\u00e4ter nur sehr schwer wieder herauskommt. Man verdient als junger Mensch anfangs wom\u00f6glich schnell mehr als ein Auszubildender, wird aber nach einigen Jahren von gut ausgebildeten Menschen zwangsl\u00e4ufig abgeh\u00e4ngt.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Wie werden sich Angebot und Nachfrage bei den Ausbildungspl\u00e4tzen mittelfristig entwickeln?\u00a0<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Die L\u00fccke wird kleiner, wir haben aber nach wie vor deutlich mehr Ausbildungspl\u00e4tze im Handwerk als Bewerber daf\u00fcr. Etwa 25 Prozent unserer Ausbildungsbetriebe meldeten uns in einer Umfrage, dass sie keine einzige ihrer Lehrstellen besetzen konnten. \u00a0<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Das Handwerk k\u00f6nnte mehr Frauen f\u00fcr die Ausbildung gewinnen.<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Das w\u00fcnsche ich mir ganz pers\u00f6nlich, und es ist ein gro\u00dfes Ziel des Handwerks generell. Mit derzeit knapp unter 19 Prozent der Lehrstellen im Handwerk insgesamt liegt Hamburg bundesweit leicht vorn, doch das reicht trotzdem l\u00e4ngst nicht aus. Da ist noch sehr viel Luft nach oben. In die klassischen M\u00e4nnerhandwerke wie die Kfz-Mechatronik oder bei den Zimmerern gehen nicht so viele Frauen. Gerade habe ich einige der Meisterbriefe f\u00fcr die Zimmerleute unterschrieben \u2013 von etwa 20 Urkunden war nur eine einzige f\u00fcr eine Frau. Bei den Ausbildungsergebnissen in solchen Gewerken belegen in Landes- oder Bundesvergleichen aber gerade Frauen h\u00e4ufig die Spitzenpl\u00e4tze. Wir wissen \u2013 und ich wei\u00df es von meiner eigenen Mutter im Zahntechnik-Gewerk mit Blick auf die 1950er-Jahre \u2013, dass sich der Anteil von Frauen erh\u00f6hen l\u00e4sst. Zum Beispiel auch mit Frauen in der Ausbildung als Vorbildern, mit denen wir im Handwerk werben.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Bleibt der Anteil der einzelnen Schulabschl\u00fcsse bei den Auszubildenden im Handwerk stabil?<\/p>\n<p><b>Stemmann:<\/b> Ja, mit unter anderem etwa 20 Prozent Abiturienten, da liegt Hamburg im Bundesvergleich sehr weit vorn. Wichtig ist dabei: Nicht nur Abiturienten, auch Auszubildende mit anderen Schulabschl\u00fcssen k\u00f6nnen ihre Ausbildungen verk\u00fcrzen, wenn sie besonders gute Leistungen zeigen.<\/p>\n<p><em>Seit Mai 2019 f\u00fchrt Hjalmar Stemmann, 61, im Ehrenamt als Pr\u00e4sident die Handwerkskammer Hamburg. Als eine K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts vertritt die Handwerkskammer derzeit rund 15.000 Unternehmen mit mehr als 105.000 Besch\u00e4ftigten. Hauptberuflich betreibt Stemmann zwei Unternehmen in der Branche der Dentaltechnologien. Politisch engagierte er sich unter anderem von 2008 bis 2015 als Abgeordneter in der CDU-Fraktion der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft. Von 2010 bis 2019 war er Landesvorsitzender der Hamburger Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder.<\/em><\/p>\n<p><b><em>Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Die Energiewirtschaft und auch das regionale Handwerk z\u00e4hlen zu seinen Schwerpunktthemen.<\/em><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das historische Geb\u00e4ude der Handwerkskammer Hamburg am Holstenwall wird gerade umfassend saniert, unter anderem bekommt das denkmalgesch\u00fctzte Gewerbehaus, das im Jahr 1915 eingeweiht worden war, eine Photovoltaikanlage. Das passt \u2013 Hausherr Hjalmar Stemmann, der Kammerpr\u00e4sident, verweist im Gespr\u00e4ch darauf, wie sehr die Technologien zum Klimaschutz die Entwicklung von Berufsbildern im Handwerk beeinflussen. 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Um bei der Versorgung von Geb\u00e4uden mit W\u00e4rme und Strom umzusteuern, braucht man zum Beispiel W\u00e4rmepumpen und Solaranlagen. Wer soll diese Anlagen in den H\u00e4usern und auf den D\u00e4chern installieren und montieren, wer soll die vorhandene Technologie abstimmen? Das kann nur das Handwerk machen. Auch bei der Anpassung des Energieverbrauchs in den Geb\u00e4uden ist das Bau- und Ausbauhandwerk mit dabei. Das Malerhandwerk zum Beispiel k\u00fcmmert sich unter anderem zum Beispiel um W\u00e4rmed\u00e4mm-Verbundsysteme, das bleibt wichtig. Installateure betreuen Klima-, W\u00e4rme- und K\u00e4ltetechnik, Dachdecker bereiten D\u00e4cher f\u00fcr moderne Technologien wie Solaranlagen auf, die dann Elektriker wiederum anschlie\u00dfen. Diese Aufz\u00e4hlung k\u00f6nnte ich noch lange fortsetzen.\u00a0WAMS: Die Koalition von SPD, FDP und Gr\u00fcnen ist ma\u00dfgeblich auch am Widerstand gegen Robert Habecks ,Heizungsgesetz\u2018 gescheitert. Ist die W\u00e4rmepumpe, um die es dabei vor allem ging, bei Immobilieneignern tats\u00e4chlich so unbeliebt, wie es in der Debatte einige Jahre lang erschien?Stemmann: Das Handwerk ist bei diesem Gesetz nie einbezogen worden, das war aus unserer Sicht der gr\u00f6\u00dfte ,handwerkliche\u2018 Fehler dabei. Mit der Expertise der Fachhandwerke w\u00e4re dieses Gesetz vern\u00fcnftig aufgestellt worden. Kurze Fristen und absolut zu treffende Entscheidungen waren wesentliche Fehler dieses Gesetzes. Es fehlte die Technologieoffenheit, nicht jedes Haus war damals f\u00fcr eine W\u00e4rmepumpe geeignet. Und das Gesetz kam zu einem Zeitpunkt, zu dem die Industrie f\u00fcr W\u00e4rmepumpen gar nicht lieferf\u00e4hig war. Es gab gro\u00dfe Verz\u00fcge, die Handwerker hatten gar nicht die Anlagen, um sie zu installieren. Ich glaube gar nicht, dass die Bev\u00f6lkerung \u2013 und erst recht nicht das Handwerk per se \u2013 gegen die W\u00e4rmepumpe ist. Es muss nur die richtige W\u00e4rmepumpe f\u00fcr den jeweiligen Geb\u00e4udetyp sein, und es m\u00fcssen die ausgebildeten Handwerker da sein. Da hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan, wir haben bei der Handwerkskammer und in der Innung viele Handwerker fortgebildet, damit die Installationen vern\u00fcnftig funktionieren. Die Installation einer W\u00e4rmepumpe dauert zwei- bis zweieinhalbmal so lange wie die Installation einer Gastherme. Das wird sich im Laufe der Zeit ein wenig anpassen. Vor allem aber m\u00fcssen die W\u00e4rmepumpen viel genauer auf den Haustyp abgestimmt werden. Man muss Anreize f\u00fcr solch eine neue Technologie schaffen und diejenigen mitnehmen, die es betrifft. Dann funktioniert das.WAMS: Sehen die Kunden die W\u00e4rmepumpe heutzutage differenzierter als noch vor zwei, drei Jahren?Stemmann: Auf jeden Fall. Der Druck ist aus dem Thema auch politisch herausgenommen worden. Heutzutage l\u00e4sst sich dar\u00fcber mit den Beteiligten sehr vern\u00fcnftig sprechen. Und es stehen jetzt mehr Ger\u00e4te \u00fcberhaupt erst einmal zur Verf\u00fcgung \u2013 zu Beginn dieser Debatte gab es ein Jahr Wartezeit f\u00fcr solch ein Ger\u00e4t. Das hat sich v\u00f6llig ver\u00e4ndert. Die Industrie hat nachgezogen, das Handwerk ist weiter gut aufgestellt, und das Bewusstsein bei den Immobilienbesitzern hat sich ver\u00e4ndert.WAMS: Viele Geb\u00e4ude bis hin zu Einfamilienh\u00e4usern werden immer mehr zu kleinen Kraftwerken, mithilfe von Fotovoltaikanlagen und auch von leistungsf\u00e4higen Batteriespeichern. Nutzen die Hauseigner und die Handwerker das Potenzial solcher Speichermedien schon ausreichend?Stemmann: Die Handwerker sind dar\u00fcber jedenfalls gut informiert. Wir haben das Energiebauzentrum der Handwerkskammer mit unseren Energielotsen am Elbcampus in Harburg. Da kann man sich sogar einen aus ausgemusterten Autobatterien bestehenden Gro\u00dfspeicher anschauen. Unsere Energieberater gehen in Betriebe, und sie beraten Hauseigent\u00fcmer. Bei den Batteriespeichern ist noch viel Luft nach oben, es gibt noch nicht gen\u00fcgend eingebaute Ger\u00e4te. Ein Ansatz w\u00e4re es, Autobatterien als station\u00e4re Speicher in H\u00e4usern einzusetzen \u2013 und auch, Elektroautos selbst zu Energiespeichern in Verbindung mit H\u00e4usern zu machen. Da wird noch sehr viel passieren. Dass aber nun etwa Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche die Einspeiseverg\u00fctung f\u00fcr kleine Fotovoltaikanlagen infrage stellt, tr\u00e4gt nicht gerade zur Planungssicherheit bei.WAMS: Entstehen durch den Klimaschutz und die damit verbundenen Technologien aus Ihrer Sicht viele neue Berufsbilder im Handwerk?Stemmann: Es ist eher so, dass sich die Handwerksunternehmen weiterentwickeln. Vor zehn Jahren gab es kaum Elektromobilit\u00e4t und noch sehr wenige E-Auto-Modelle. Das zog dann an, und Hamburg war die erste Stadt, in der eine Kfz-Innung ein Kompetenzzentrum f\u00fcr Elektromobilit\u00e4t aufgebaut hat. Heute lernen KfZ-Azubis ganz selbstverst\u00e4ndlich die Arbeit mit Hochvoltsystemen. Jeder ausgelernte Geselle kennt sich heute mit Elektroantrieben aus. Diese inhaltlichen Ver\u00e4nderungen und Weiterentwicklungen gibt es nat\u00fcrlich auch in etlichen anderen Gewerken, vom Elektrohandwerk bis hin zur Klima- und Sanit\u00e4rtechnik. Lerninhalte, Gesellen- und Meisterpr\u00fcfungen werden st\u00e4ndig an die Entwicklungen angepasst.WAMS: Dadurch werden Berufsbilder anspruchsvoller und spannender.Stemmann: Absolut. Sanit\u00e4r, Heizung, Klima hat zwar immer noch etwas mit Rohren, Toiletten und Waschbecken zu tun, aber eben auch mit der Installation von hochtechnologischen Heizungen, W\u00e4rmepumpen, Fotovoltaiksystemen und Warmwasserspeichern. Das ist schon eine kleine Raketenwissenschaft.WAMS: Wie kann das Handwerk in den kommenden Jahren in der Stadt noch sichtbarer werden?Stemmann: Auf ganz unterschiedlichen Wegen, zum Beispiel mit privaten Handwerkerh\u00f6fen, in denen sich mehrere Betriebe zusammentun. Wir achten darauf, dass Handwerkerh\u00f6fe verst\u00e4rkt auch auf Konversionsfl\u00e4chen entstehen k\u00f6nnen, wie etwa auf dem Holsten-Areal in Altona. Das Handwerk darf nicht aus der Stadt verschwinden. Rund um die alte Holsten-Brauerei zum Beispiel gab es auf dem Gel\u00e4nde fr\u00fcher zig Werkst\u00e4tten von Handwerksunternehmen, die speziell f\u00fcr Holsten gearbeitet haben, um Maschinen und Anlagen zu warten. Sie waren in Altona ein Teil des Stadtbildes. Wenn solch ein Quartier wie das Holsten-Areal oder auch Oberbillwerder neu entwickelt wird, darf es nicht sein, dass dort kein Handwerk mit dabei ist. Handwerk muss in den Quartieren sein, und wir m\u00fcssen wieder in die Innenstadt zur\u00fcck, wenn die Innenstadt neu belebt werden soll.\u00a0WAMS: Wie funktionieren die \u2013 aktuell in Hamburg neun \u2013 Handwerkerh\u00f6fe, haben diese Einrichtungen ausreichend \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit?Stemmann: Es gibt ja auch Handwerkerh\u00f6fe ohne Publikumsverkehr. Die Betriebe haben dort ihre B\u00fcros, Lager und vorbereitenden Werkst\u00e4tten. Andere Handwerkerh\u00f6fe wiederum haben Publikumsverkehr, weil dort auch Werkst\u00e4tten sind, in die Menschen Ger\u00e4te oder Fahrzeuge zur Reparatur bringen. In der Meistermeile in Eimsb\u00fcttel zum Beispiel hat sich viel untereinander entwickelt \u2013 wenn der Zimmermann die Kapelle auf dem Friedhof in Niendorf renoviert, gibt er dem Malerbetrieb im Handwerkerhof den Hinweis, dass dort auch ein Maler gebraucht wird \u2013 und vermittelt ihn auch noch an die Friedhofsverwaltung. Oder die Gewerke tauschen bei Bedarf Material zu fairen Preisen untereinander aus.\u00a0WAMS: Die Handwerksbetriebe m\u00fcssen aber auch verst\u00e4rkt in die Wohnquartiere selbst gehen.Stemmann: Die Handwerkerh\u00f6fe sind nur eine Antwort darauf, dass aus klassischen Handwerksquartieren an vielen Stellen Wohnquartiere gemacht wurden. Wenn es eine wohnortnahe Versorgung mit Handwerksleistungen geben soll, m\u00fcssen die Unternehmen nat\u00fcrlich verst\u00e4rkt auch wieder in den Quartieren selbst angesiedelt werden, schon deshalb, weil es ja ein gesellschaftliches Ziel ist, Autoverkehre zu reduzieren. Wir w\u00fcnschen uns sehr, dass Projekte f\u00fcr Handwerksunternehmen mit mehr Nachdruck verfolgt werden \u2013 und dass es tats\u00e4chlich auch eine echte Kompensation f\u00fcr die Handwerksunternehmen gibt, wenn Gewerbegebiet in Wohngebiet umgewandelt wird.WAMS: K\u00f6nnen Handwerksunternehmen mit Ladenlokalen in der Innenstadt wettbewerbsf\u00e4hig bestehen?Stemmann: Ein Schuster oder eine kleine B\u00e4ckerei kann nicht dieselben Mieten zahlen wie ein Filialunternehmen etwa des Einzelhandels. Daf\u00fcr m\u00fcssen schon entsprechende Mieten aufgerufen werden. Und es muss nat\u00fcrlich eine Bereitschaft der Kunden da sein, Schuhe reparieren zu lassen, wenn ein Schuster im lokalen Einzugsgebiet wirtschaftlich erfolgreich arbeiten soll.WAMS: Welchen Beitrag kann K\u00fcnstliche Intelligenz in absehbarer Zeit leisten, um Handwerksunternehmen wirtschaftlich zu st\u00e4rken?Stemmann: Es gibt schon viele KI-L\u00f6sungen, die auf die Anwendungen im Handwerk spezialisiert sind \u2013 nehmen wir zum Beispiel die elektronische Vermessung von R\u00e4umen oder auch Drohnenfl\u00fcge f\u00fcr die Vermessung von D\u00e4chern. K\u00fcnstliche Intelligenz kann aufgenommene Scans vervollst\u00e4ndigen, Arbeitsabschnitte und das Endergebnis vorausschauend visualisieren. Auch in den Gesundheitshandwerken macht das Sinn: beim Vermessen von Fu\u00dfsohlen bis zur Analyse von Zahnaufstellungen oder dem Vermessen von Augen. Die Industrie bietet dem Handwerk da sehr viele M\u00f6glichkeiten, die Handwerksunternehmen entwickeln diese modernen elektronischen Werkzeuge, darunter viele mit KI-Unterst\u00fctzung, auch selbst weiter und geben den Herstellern entsprechende R\u00fcckmeldungen.\u00a0WAMS: Digitalisierung und KI ersetzen das Handwerk aber nicht.Stemmann: Meine gro\u00dfe Hoffnung ist, dass Digitalisierung und K\u00fcnstliche Intelligenz einen gro\u00dfen Beitrag dazu leisten k\u00f6nnen, den wachsenden Mangel an Fachkr\u00e4ften auszugleichen. Auch im Handwerk geht die Generation der Babyboomer jetzt allm\u00e4hlich in Rente, mit enorm viel Wissen. Dieses Wissen kann in KI-Systeme eingelernt und so an die n\u00e4chste Generation weitergegeben werden. Sicher aber ist: Am Ende muss gebohrt, geschraubt, der Pinsel geschwungen und etwas hergestellt werden, um den Menschen zu dienen.WAMS: Aber Verwaltungsaufgaben lassen sich digital verbessern.Stemmann: Das ist schon in erheblichem Ma\u00dfe so, von der Angebotserstellung bis zur Buchhaltung. Zunehmend sind Betriebe auch mit Tablets und Smartphones unterwegs, und die KI liest aus dem Foto heraus, was vor Ort getan worden ist. Oder die KI sagt nach dem Kamerablick in die Werkzeugtasche oder in den Montagewagen rechtzeitig vor Abfahrt, welches am Einsatzort ben\u00f6tigte Werkzeug noch fehlt.WAMS: Das Schuljahr ist inzwischen abgelaufen. Wissen Sie schon, ob die L\u00fccke von Angebot und Nachfrage bei den Lehrstellen im Hamburger Handwerk eher gr\u00f6\u00dfer oder kleiner wird?Stemmann: Im Moment wissen wir es noch nicht, weil sich viele junge Menschen tendenziell sp\u00e4ter entscheiden, was sie nach dem Abschluss der allgemeinbildenden Schule tun wollen. Ein klareres Bild ergibt sich heutzutage eher Anfang Oktober als im August. Noch haben wir f\u00fcr dieses Ausbildungsjahr mehr als 400 Ausbildungsstellen offen \u2013 und schon mehr als 850 f\u00fcr den Start im Sommer 2026. Wir haben immer noch eine L\u00fccke im Vergleich zu unseren guten Ausbildungszahlen in der Zeit vor der Pandemie, also bis 2019. Wir arbeiten uns langsam aus dem ,Corona-Tal\u2018 heraus. Von 2015 bis 2019 spielten \u00fcbrigens junge Menschen mit Migrationshintergrund bei den hohen Ausbildungszahlen eine ganz besondere Rolle.\u00a0WAMS: Wird es f\u00fcr die Unternehmen wieder schwieriger, junge Menschen f\u00fcr das Handwerk zu begeistern?Stemmann: Die Studienneigung nimmt weiter zu und zugleich auch das Durchlavieren in angelernten Jobs \u2013 speziell die aber sind eine Sackgasse, aus der man sp\u00e4ter nur sehr schwer wieder herauskommt. Man verdient als junger Mensch anfangs wom\u00f6glich schnell mehr als ein Auszubildender, wird aber nach einigen Jahren von gut ausgebildeten Menschen zwangsl\u00e4ufig abgeh\u00e4ngt.WAMS: Wie werden sich Angebot und Nachfrage bei den Ausbildungspl\u00e4tzen mittelfristig entwickeln?\u00a0Stemmann: Die L\u00fccke wird kleiner, wir haben aber nach wie vor deutlich mehr Ausbildungspl\u00e4tze im Handwerk als Bewerber daf\u00fcr. Etwa 25 Prozent unserer Ausbildungsbetriebe meldeten uns in einer Umfrage, dass sie keine einzige ihrer Lehrstellen besetzen konnten. \u00a0WAMS: Das Handwerk k\u00f6nnte mehr Frauen f\u00fcr die Ausbildung gewinnen.Stemmann: Das w\u00fcnsche ich mir ganz pers\u00f6nlich, und es ist ein gro\u00dfes Ziel des Handwerks generell. Mit derzeit knapp unter 19 Prozent der Lehrstellen im Handwerk insgesamt liegt Hamburg bundesweit leicht vorn, doch das reicht trotzdem l\u00e4ngst nicht aus. Da ist noch sehr viel Luft nach oben. In die klassischen M\u00e4nnerhandwerke wie die Kfz-Mechatronik oder bei den Zimmerern gehen nicht so viele Frauen. Gerade habe ich einige der Meisterbriefe f\u00fcr die Zimmerleute unterschrieben \u2013 von etwa 20 Urkunden war nur eine einzige f\u00fcr eine Frau. Bei den Ausbildungsergebnissen in solchen Gewerken belegen in Landes- oder Bundesvergleichen aber gerade Frauen h\u00e4ufig die Spitzenpl\u00e4tze. Wir wissen \u2013 und ich wei\u00df es von meiner eigenen Mutter im Zahntechnik-Gewerk mit Blick auf die 1950er-Jahre \u2013, dass sich der Anteil von Frauen erh\u00f6hen l\u00e4sst. Zum Beispiel auch mit Frauen in der Ausbildung als Vorbildern, mit denen wir im Handwerk werben.WAMS: Bleibt der Anteil der einzelnen Schulabschl\u00fcsse bei den Auszubildenden im Handwerk stabil?Stemmann: Ja, mit unter anderem etwa 20 Prozent Abiturienten, da liegt Hamburg im Bundesvergleich sehr weit vorn. Wichtig ist dabei: Nicht nur Abiturienten, auch Auszubildende mit anderen Schulabschl\u00fcssen k\u00f6nnen ihre Ausbildungen verk\u00fcrzen, wenn sie besonders gute Leistungen zeigen.Seit Mai 2019 f\u00fchrt Hjalmar Stemmann, 61, im Ehrenamt als Pr\u00e4sident die Handwerkskammer Hamburg. Als eine K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts vertritt die Handwerkskammer derzeit rund 15.000 Unternehmen mit mehr als 105.000 Besch\u00e4ftigten. Hauptberuflich betreibt Stemmann zwei Unternehmen in der Branche der Dentaltechnologien. Politisch engagierte er sich unter anderem von 2008 bis 2015 als Abgeordneter in der CDU-Fraktion der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft. Von 2010 bis 2019 war er Landesvorsitzender der Hamburger Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder.Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Die Energiewirtschaft und auch das regionale Handwerk z\u00e4hlen zu seinen Schwerpunktthemen.\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"noindex, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"\u201e\u00dcber W\u00e4rmepumpen kann man jetzt vern\u00fcnftig sprechen\u201c - vof-news.eu\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Das historische Geb\u00e4ude der Handwerkskammer Hamburg am Holstenwall wird gerade umfassend saniert, unter anderem bekommt das denkmalgesch\u00fctzte Gewerbehaus, das im Jahr 1915 eingeweiht worden war, eine Photovoltaikanlage. Das passt \u2013 Hausherr Hjalmar Stemmann, der Kammerpr\u00e4sident, verweist im Gespr\u00e4ch darauf, wie sehr die Technologien zum Klimaschutz die Entwicklung von Berufsbildern im Handwerk beeinflussen. Und welche Karriere derzeit die W\u00e4rmepumpe macht. WELT AM SONNTAG: Herr Stemmann, \u00fcber den Klimaschutz wurde w\u00e4hrend der Zeit der Ampelregierung Ende 2021 bis Anfang 2025 intensiv gestritten. Seit dem Regierungswechsel hin zu Union und SPD im Fr\u00fchjahr ist es um das Thema deutlich ruhiger geworden. Wie nimmt das Handwerk diese Ver\u00e4nderung wahr?Hjalmar Stemmann: Klimaschutz und Klimafolgenanpassung sind im Handwerk extrem pr\u00e4sent. Aus der Politik bekommen wir deutliche Signale daf\u00fcr, dass dort derzeit die H\u00fclle von Geb\u00e4uden nicht mehr die zentrale Rolle spielt, sondern dass st\u00e4rker \u00fcber die Steuerung der Energietr\u00e4ger gegangen wird, \u00fcber CO2-Abgaben und anderes mehr. Um bei der Versorgung von Geb\u00e4uden mit W\u00e4rme und Strom umzusteuern, braucht man zum Beispiel W\u00e4rmepumpen und Solaranlagen. Wer soll diese Anlagen in den H\u00e4usern und auf den D\u00e4chern installieren und montieren, wer soll die vorhandene Technologie abstimmen? Das kann nur das Handwerk machen. Auch bei der Anpassung des Energieverbrauchs in den Geb\u00e4uden ist das Bau- und Ausbauhandwerk mit dabei. Das Malerhandwerk zum Beispiel k\u00fcmmert sich unter anderem zum Beispiel um W\u00e4rmed\u00e4mm-Verbundsysteme, das bleibt wichtig. Installateure betreuen Klima-, W\u00e4rme- und K\u00e4ltetechnik, Dachdecker bereiten D\u00e4cher f\u00fcr moderne Technologien wie Solaranlagen auf, die dann Elektriker wiederum anschlie\u00dfen. Diese Aufz\u00e4hlung k\u00f6nnte ich noch lange fortsetzen.\u00a0WAMS: Die Koalition von SPD, FDP und Gr\u00fcnen ist ma\u00dfgeblich auch am Widerstand gegen Robert Habecks ,Heizungsgesetz\u2018 gescheitert. Ist die W\u00e4rmepumpe, um die es dabei vor allem ging, bei Immobilieneignern tats\u00e4chlich so unbeliebt, wie es in der Debatte einige Jahre lang erschien?Stemmann: Das Handwerk ist bei diesem Gesetz nie einbezogen worden, das war aus unserer Sicht der gr\u00f6\u00dfte ,handwerkliche\u2018 Fehler dabei. Mit der Expertise der Fachhandwerke w\u00e4re dieses Gesetz vern\u00fcnftig aufgestellt worden. Kurze Fristen und absolut zu treffende Entscheidungen waren wesentliche Fehler dieses Gesetzes. Es fehlte die Technologieoffenheit, nicht jedes Haus war damals f\u00fcr eine W\u00e4rmepumpe geeignet. Und das Gesetz kam zu einem Zeitpunkt, zu dem die Industrie f\u00fcr W\u00e4rmepumpen gar nicht lieferf\u00e4hig war. Es gab gro\u00dfe Verz\u00fcge, die Handwerker hatten gar nicht die Anlagen, um sie zu installieren. Ich glaube gar nicht, dass die Bev\u00f6lkerung \u2013 und erst recht nicht das Handwerk per se \u2013 gegen die W\u00e4rmepumpe ist. Es muss nur die richtige W\u00e4rmepumpe f\u00fcr den jeweiligen Geb\u00e4udetyp sein, und es m\u00fcssen die ausgebildeten Handwerker da sein. Da hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan, wir haben bei der Handwerkskammer und in der Innung viele Handwerker fortgebildet, damit die Installationen vern\u00fcnftig funktionieren. Die Installation einer W\u00e4rmepumpe dauert zwei- bis zweieinhalbmal so lange wie die Installation einer Gastherme. Das wird sich im Laufe der Zeit ein wenig anpassen. Vor allem aber m\u00fcssen die W\u00e4rmepumpen viel genauer auf den Haustyp abgestimmt werden. Man muss Anreize f\u00fcr solch eine neue Technologie schaffen und diejenigen mitnehmen, die es betrifft. Dann funktioniert das.WAMS: Sehen die Kunden die W\u00e4rmepumpe heutzutage differenzierter als noch vor zwei, drei Jahren?Stemmann: Auf jeden Fall. Der Druck ist aus dem Thema auch politisch herausgenommen worden. Heutzutage l\u00e4sst sich dar\u00fcber mit den Beteiligten sehr vern\u00fcnftig sprechen. Und es stehen jetzt mehr Ger\u00e4te \u00fcberhaupt erst einmal zur Verf\u00fcgung \u2013 zu Beginn dieser Debatte gab es ein Jahr Wartezeit f\u00fcr solch ein Ger\u00e4t. Das hat sich v\u00f6llig ver\u00e4ndert. Die Industrie hat nachgezogen, das Handwerk ist weiter gut aufgestellt, und das Bewusstsein bei den Immobilienbesitzern hat sich ver\u00e4ndert.WAMS: Viele Geb\u00e4ude bis hin zu Einfamilienh\u00e4usern werden immer mehr zu kleinen Kraftwerken, mithilfe von Fotovoltaikanlagen und auch von leistungsf\u00e4higen Batteriespeichern. Nutzen die Hauseigner und die Handwerker das Potenzial solcher Speichermedien schon ausreichend?Stemmann: Die Handwerker sind dar\u00fcber jedenfalls gut informiert. Wir haben das Energiebauzentrum der Handwerkskammer mit unseren Energielotsen am Elbcampus in Harburg. Da kann man sich sogar einen aus ausgemusterten Autobatterien bestehenden Gro\u00dfspeicher anschauen. Unsere Energieberater gehen in Betriebe, und sie beraten Hauseigent\u00fcmer. Bei den Batteriespeichern ist noch viel Luft nach oben, es gibt noch nicht gen\u00fcgend eingebaute Ger\u00e4te. Ein Ansatz w\u00e4re es, Autobatterien als station\u00e4re Speicher in H\u00e4usern einzusetzen \u2013 und auch, Elektroautos selbst zu Energiespeichern in Verbindung mit H\u00e4usern zu machen. Da wird noch sehr viel passieren. Dass aber nun etwa Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche die Einspeiseverg\u00fctung f\u00fcr kleine Fotovoltaikanlagen infrage stellt, tr\u00e4gt nicht gerade zur Planungssicherheit bei.WAMS: Entstehen durch den Klimaschutz und die damit verbundenen Technologien aus Ihrer Sicht viele neue Berufsbilder im Handwerk?Stemmann: Es ist eher so, dass sich die Handwerksunternehmen weiterentwickeln. Vor zehn Jahren gab es kaum Elektromobilit\u00e4t und noch sehr wenige E-Auto-Modelle. Das zog dann an, und Hamburg war die erste Stadt, in der eine Kfz-Innung ein Kompetenzzentrum f\u00fcr Elektromobilit\u00e4t aufgebaut hat. Heute lernen KfZ-Azubis ganz selbstverst\u00e4ndlich die Arbeit mit Hochvoltsystemen. Jeder ausgelernte Geselle kennt sich heute mit Elektroantrieben aus. Diese inhaltlichen Ver\u00e4nderungen und Weiterentwicklungen gibt es nat\u00fcrlich auch in etlichen anderen Gewerken, vom Elektrohandwerk bis hin zur Klima- und Sanit\u00e4rtechnik. Lerninhalte, Gesellen- und Meisterpr\u00fcfungen werden st\u00e4ndig an die Entwicklungen angepasst.WAMS: Dadurch werden Berufsbilder anspruchsvoller und spannender.Stemmann: Absolut. Sanit\u00e4r, Heizung, Klima hat zwar immer noch etwas mit Rohren, Toiletten und Waschbecken zu tun, aber eben auch mit der Installation von hochtechnologischen Heizungen, W\u00e4rmepumpen, Fotovoltaiksystemen und Warmwasserspeichern. Das ist schon eine kleine Raketenwissenschaft.WAMS: Wie kann das Handwerk in den kommenden Jahren in der Stadt noch sichtbarer werden?Stemmann: Auf ganz unterschiedlichen Wegen, zum Beispiel mit privaten Handwerkerh\u00f6fen, in denen sich mehrere Betriebe zusammentun. Wir achten darauf, dass Handwerkerh\u00f6fe verst\u00e4rkt auch auf Konversionsfl\u00e4chen entstehen k\u00f6nnen, wie etwa auf dem Holsten-Areal in Altona. Das Handwerk darf nicht aus der Stadt verschwinden. Rund um die alte Holsten-Brauerei zum Beispiel gab es auf dem Gel\u00e4nde fr\u00fcher zig Werkst\u00e4tten von Handwerksunternehmen, die speziell f\u00fcr Holsten gearbeitet haben, um Maschinen und Anlagen zu warten. Sie waren in Altona ein Teil des Stadtbildes. Wenn solch ein Quartier wie das Holsten-Areal oder auch Oberbillwerder neu entwickelt wird, darf es nicht sein, dass dort kein Handwerk mit dabei ist. Handwerk muss in den Quartieren sein, und wir m\u00fcssen wieder in die Innenstadt zur\u00fcck, wenn die Innenstadt neu belebt werden soll.\u00a0WAMS: Wie funktionieren die \u2013 aktuell in Hamburg neun \u2013 Handwerkerh\u00f6fe, haben diese Einrichtungen ausreichend \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit?Stemmann: Es gibt ja auch Handwerkerh\u00f6fe ohne Publikumsverkehr. Die Betriebe haben dort ihre B\u00fcros, Lager und vorbereitenden Werkst\u00e4tten. Andere Handwerkerh\u00f6fe wiederum haben Publikumsverkehr, weil dort auch Werkst\u00e4tten sind, in die Menschen Ger\u00e4te oder Fahrzeuge zur Reparatur bringen. In der Meistermeile in Eimsb\u00fcttel zum Beispiel hat sich viel untereinander entwickelt \u2013 wenn der Zimmermann die Kapelle auf dem Friedhof in Niendorf renoviert, gibt er dem Malerbetrieb im Handwerkerhof den Hinweis, dass dort auch ein Maler gebraucht wird \u2013 und vermittelt ihn auch noch an die Friedhofsverwaltung. Oder die Gewerke tauschen bei Bedarf Material zu fairen Preisen untereinander aus.\u00a0WAMS: Die Handwerksbetriebe m\u00fcssen aber auch verst\u00e4rkt in die Wohnquartiere selbst gehen.Stemmann: Die Handwerkerh\u00f6fe sind nur eine Antwort darauf, dass aus klassischen Handwerksquartieren an vielen Stellen Wohnquartiere gemacht wurden. Wenn es eine wohnortnahe Versorgung mit Handwerksleistungen geben soll, m\u00fcssen die Unternehmen nat\u00fcrlich verst\u00e4rkt auch wieder in den Quartieren selbst angesiedelt werden, schon deshalb, weil es ja ein gesellschaftliches Ziel ist, Autoverkehre zu reduzieren. Wir w\u00fcnschen uns sehr, dass Projekte f\u00fcr Handwerksunternehmen mit mehr Nachdruck verfolgt werden \u2013 und dass es tats\u00e4chlich auch eine echte Kompensation f\u00fcr die Handwerksunternehmen gibt, wenn Gewerbegebiet in Wohngebiet umgewandelt wird.WAMS: K\u00f6nnen Handwerksunternehmen mit Ladenlokalen in der Innenstadt wettbewerbsf\u00e4hig bestehen?Stemmann: Ein Schuster oder eine kleine B\u00e4ckerei kann nicht dieselben Mieten zahlen wie ein Filialunternehmen etwa des Einzelhandels. Daf\u00fcr m\u00fcssen schon entsprechende Mieten aufgerufen werden. Und es muss nat\u00fcrlich eine Bereitschaft der Kunden da sein, Schuhe reparieren zu lassen, wenn ein Schuster im lokalen Einzugsgebiet wirtschaftlich erfolgreich arbeiten soll.WAMS: Welchen Beitrag kann K\u00fcnstliche Intelligenz in absehbarer Zeit leisten, um Handwerksunternehmen wirtschaftlich zu st\u00e4rken?Stemmann: Es gibt schon viele KI-L\u00f6sungen, die auf die Anwendungen im Handwerk spezialisiert sind \u2013 nehmen wir zum Beispiel die elektronische Vermessung von R\u00e4umen oder auch Drohnenfl\u00fcge f\u00fcr die Vermessung von D\u00e4chern. K\u00fcnstliche Intelligenz kann aufgenommene Scans vervollst\u00e4ndigen, Arbeitsabschnitte und das Endergebnis vorausschauend visualisieren. Auch in den Gesundheitshandwerken macht das Sinn: beim Vermessen von Fu\u00dfsohlen bis zur Analyse von Zahnaufstellungen oder dem Vermessen von Augen. Die Industrie bietet dem Handwerk da sehr viele M\u00f6glichkeiten, die Handwerksunternehmen entwickeln diese modernen elektronischen Werkzeuge, darunter viele mit KI-Unterst\u00fctzung, auch selbst weiter und geben den Herstellern entsprechende R\u00fcckmeldungen.\u00a0WAMS: Digitalisierung und KI ersetzen das Handwerk aber nicht.Stemmann: Meine gro\u00dfe Hoffnung ist, dass Digitalisierung und K\u00fcnstliche Intelligenz einen gro\u00dfen Beitrag dazu leisten k\u00f6nnen, den wachsenden Mangel an Fachkr\u00e4ften auszugleichen. Auch im Handwerk geht die Generation der Babyboomer jetzt allm\u00e4hlich in Rente, mit enorm viel Wissen. Dieses Wissen kann in KI-Systeme eingelernt und so an die n\u00e4chste Generation weitergegeben werden. Sicher aber ist: Am Ende muss gebohrt, geschraubt, der Pinsel geschwungen und etwas hergestellt werden, um den Menschen zu dienen.WAMS: Aber Verwaltungsaufgaben lassen sich digital verbessern.Stemmann: Das ist schon in erheblichem Ma\u00dfe so, von der Angebotserstellung bis zur Buchhaltung. Zunehmend sind Betriebe auch mit Tablets und Smartphones unterwegs, und die KI liest aus dem Foto heraus, was vor Ort getan worden ist. Oder die KI sagt nach dem Kamerablick in die Werkzeugtasche oder in den Montagewagen rechtzeitig vor Abfahrt, welches am Einsatzort ben\u00f6tigte Werkzeug noch fehlt.WAMS: Das Schuljahr ist inzwischen abgelaufen. Wissen Sie schon, ob die L\u00fccke von Angebot und Nachfrage bei den Lehrstellen im Hamburger Handwerk eher gr\u00f6\u00dfer oder kleiner wird?Stemmann: Im Moment wissen wir es noch nicht, weil sich viele junge Menschen tendenziell sp\u00e4ter entscheiden, was sie nach dem Abschluss der allgemeinbildenden Schule tun wollen. Ein klareres Bild ergibt sich heutzutage eher Anfang Oktober als im August. Noch haben wir f\u00fcr dieses Ausbildungsjahr mehr als 400 Ausbildungsstellen offen \u2013 und schon mehr als 850 f\u00fcr den Start im Sommer 2026. Wir haben immer noch eine L\u00fccke im Vergleich zu unseren guten Ausbildungszahlen in der Zeit vor der Pandemie, also bis 2019. Wir arbeiten uns langsam aus dem ,Corona-Tal\u2018 heraus. Von 2015 bis 2019 spielten \u00fcbrigens junge Menschen mit Migrationshintergrund bei den hohen Ausbildungszahlen eine ganz besondere Rolle.\u00a0WAMS: Wird es f\u00fcr die Unternehmen wieder schwieriger, junge Menschen f\u00fcr das Handwerk zu begeistern?Stemmann: Die Studienneigung nimmt weiter zu und zugleich auch das Durchlavieren in angelernten Jobs \u2013 speziell die aber sind eine Sackgasse, aus der man sp\u00e4ter nur sehr schwer wieder herauskommt. Man verdient als junger Mensch anfangs wom\u00f6glich schnell mehr als ein Auszubildender, wird aber nach einigen Jahren von gut ausgebildeten Menschen zwangsl\u00e4ufig abgeh\u00e4ngt.WAMS: Wie werden sich Angebot und Nachfrage bei den Ausbildungspl\u00e4tzen mittelfristig entwickeln?\u00a0Stemmann: Die L\u00fccke wird kleiner, wir haben aber nach wie vor deutlich mehr Ausbildungspl\u00e4tze im Handwerk als Bewerber daf\u00fcr. Etwa 25 Prozent unserer Ausbildungsbetriebe meldeten uns in einer Umfrage, dass sie keine einzige ihrer Lehrstellen besetzen konnten. \u00a0WAMS: Das Handwerk k\u00f6nnte mehr Frauen f\u00fcr die Ausbildung gewinnen.Stemmann: Das w\u00fcnsche ich mir ganz pers\u00f6nlich, und es ist ein gro\u00dfes Ziel des Handwerks generell. Mit derzeit knapp unter 19 Prozent der Lehrstellen im Handwerk insgesamt liegt Hamburg bundesweit leicht vorn, doch das reicht trotzdem l\u00e4ngst nicht aus. Da ist noch sehr viel Luft nach oben. In die klassischen M\u00e4nnerhandwerke wie die Kfz-Mechatronik oder bei den Zimmerern gehen nicht so viele Frauen. Gerade habe ich einige der Meisterbriefe f\u00fcr die Zimmerleute unterschrieben \u2013 von etwa 20 Urkunden war nur eine einzige f\u00fcr eine Frau. Bei den Ausbildungsergebnissen in solchen Gewerken belegen in Landes- oder Bundesvergleichen aber gerade Frauen h\u00e4ufig die Spitzenpl\u00e4tze. Wir wissen \u2013 und ich wei\u00df es von meiner eigenen Mutter im Zahntechnik-Gewerk mit Blick auf die 1950er-Jahre \u2013, dass sich der Anteil von Frauen erh\u00f6hen l\u00e4sst. Zum Beispiel auch mit Frauen in der Ausbildung als Vorbildern, mit denen wir im Handwerk werben.WAMS: Bleibt der Anteil der einzelnen Schulabschl\u00fcsse bei den Auszubildenden im Handwerk stabil?Stemmann: Ja, mit unter anderem etwa 20 Prozent Abiturienten, da liegt Hamburg im Bundesvergleich sehr weit vorn. Wichtig ist dabei: Nicht nur Abiturienten, auch Auszubildende mit anderen Schulabschl\u00fcssen k\u00f6nnen ihre Ausbildungen verk\u00fcrzen, wenn sie besonders gute Leistungen zeigen.Seit Mai 2019 f\u00fchrt Hjalmar Stemmann, 61, im Ehrenamt als Pr\u00e4sident die Handwerkskammer Hamburg. Als eine K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts vertritt die Handwerkskammer derzeit rund 15.000 Unternehmen mit mehr als 105.000 Besch\u00e4ftigten. Hauptberuflich betreibt Stemmann zwei Unternehmen in der Branche der Dentaltechnologien. Politisch engagierte er sich unter anderem von 2008 bis 2015 als Abgeordneter in der CDU-Fraktion der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft. Von 2010 bis 2019 war er Landesvorsitzender der Hamburger Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder.Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Die Energiewirtschaft und auch das regionale Handwerk z\u00e4hlen zu seinen Schwerpunktthemen.\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/uber-warmepumpen-kann-man-jetzt-vernunftig-sprechen\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"vof-news.eu\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2025-08-17T06:26:06+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2025-08-17T06:26:39+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/hjalmar-stemmann.webp\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"1200\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"574\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/webp\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Author\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Verfasst von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Author\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"11\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/uber-warmepumpen-kann-man-jetzt-vernunftig-sprechen\/\",\"url\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/uber-warmepumpen-kann-man-jetzt-vernunftig-sprechen\/\",\"name\":\"\u201e\u00dcber W\u00e4rmepumpen kann man jetzt vern\u00fcnftig sprechen\u201c - vof-news.eu\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#website\"},\"primaryImageOfPage\":{\"@id\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/uber-warmepumpen-kann-man-jetzt-vernunftig-sprechen\/#primaryimage\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/uber-warmepumpen-kann-man-jetzt-vernunftig-sprechen\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/hjalmar-stemmann.webp\",\"datePublished\":\"2025-08-17T06:26:06+00:00\",\"dateModified\":\"2025-08-17T06:26:39+00:00\",\"author\":{\"@id\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#\/schema\/person\/f6a2a4309f0561835797fd8c19b333ed\"},\"description\":\"Das historische Geb\u00e4ude der Handwerkskammer Hamburg am Holstenwall wird gerade umfassend saniert, unter anderem bekommt das denkmalgesch\u00fctzte Gewerbehaus, das im Jahr 1915 eingeweiht worden war, eine Photovoltaikanlage. Das passt \u2013 Hausherr Hjalmar Stemmann, der Kammerpr\u00e4sident, verweist im Gespr\u00e4ch darauf, wie sehr die Technologien zum Klimaschutz die Entwicklung von Berufsbildern im Handwerk beeinflussen. Und welche Karriere derzeit die W\u00e4rmepumpe macht. WELT AM SONNTAG: Herr Stemmann, \u00fcber den Klimaschutz wurde w\u00e4hrend der Zeit der Ampelregierung Ende 2021 bis Anfang 2025 intensiv gestritten. Seit dem Regierungswechsel hin zu Union und SPD im Fr\u00fchjahr ist es um das Thema deutlich ruhiger geworden. Wie nimmt das Handwerk diese Ver\u00e4nderung wahr?Hjalmar Stemmann: Klimaschutz und Klimafolgenanpassung sind im Handwerk extrem pr\u00e4sent. Aus der Politik bekommen wir deutliche Signale daf\u00fcr, dass dort derzeit die H\u00fclle von Geb\u00e4uden nicht mehr die zentrale Rolle spielt, sondern dass st\u00e4rker \u00fcber die Steuerung der Energietr\u00e4ger gegangen wird, \u00fcber CO2-Abgaben und anderes mehr. Um bei der Versorgung von Geb\u00e4uden mit W\u00e4rme und Strom umzusteuern, braucht man zum Beispiel W\u00e4rmepumpen und Solaranlagen. Wer soll diese Anlagen in den H\u00e4usern und auf den D\u00e4chern installieren und montieren, wer soll die vorhandene Technologie abstimmen? Das kann nur das Handwerk machen. Auch bei der Anpassung des Energieverbrauchs in den Geb\u00e4uden ist das Bau- und Ausbauhandwerk mit dabei. Das Malerhandwerk zum Beispiel k\u00fcmmert sich unter anderem zum Beispiel um W\u00e4rmed\u00e4mm-Verbundsysteme, das bleibt wichtig. Installateure betreuen Klima-, W\u00e4rme- und K\u00e4ltetechnik, Dachdecker bereiten D\u00e4cher f\u00fcr moderne Technologien wie Solaranlagen auf, die dann Elektriker wiederum anschlie\u00dfen. Diese Aufz\u00e4hlung k\u00f6nnte ich noch lange fortsetzen.\u00a0WAMS: Die Koalition von SPD, FDP und Gr\u00fcnen ist ma\u00dfgeblich auch am Widerstand gegen Robert Habecks ,Heizungsgesetz\u2018 gescheitert. Ist die W\u00e4rmepumpe, um die es dabei vor allem ging, bei Immobilieneignern tats\u00e4chlich so unbeliebt, wie es in der Debatte einige Jahre lang erschien?Stemmann: Das Handwerk ist bei diesem Gesetz nie einbezogen worden, das war aus unserer Sicht der gr\u00f6\u00dfte ,handwerkliche\u2018 Fehler dabei. Mit der Expertise der Fachhandwerke w\u00e4re dieses Gesetz vern\u00fcnftig aufgestellt worden. Kurze Fristen und absolut zu treffende Entscheidungen waren wesentliche Fehler dieses Gesetzes. Es fehlte die Technologieoffenheit, nicht jedes Haus war damals f\u00fcr eine W\u00e4rmepumpe geeignet. Und das Gesetz kam zu einem Zeitpunkt, zu dem die Industrie f\u00fcr W\u00e4rmepumpen gar nicht lieferf\u00e4hig war. Es gab gro\u00dfe Verz\u00fcge, die Handwerker hatten gar nicht die Anlagen, um sie zu installieren. Ich glaube gar nicht, dass die Bev\u00f6lkerung \u2013 und erst recht nicht das Handwerk per se \u2013 gegen die W\u00e4rmepumpe ist. Es muss nur die richtige W\u00e4rmepumpe f\u00fcr den jeweiligen Geb\u00e4udetyp sein, und es m\u00fcssen die ausgebildeten Handwerker da sein. Da hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan, wir haben bei der Handwerkskammer und in der Innung viele Handwerker fortgebildet, damit die Installationen vern\u00fcnftig funktionieren. Die Installation einer W\u00e4rmepumpe dauert zwei- bis zweieinhalbmal so lange wie die Installation einer Gastherme. Das wird sich im Laufe der Zeit ein wenig anpassen. Vor allem aber m\u00fcssen die W\u00e4rmepumpen viel genauer auf den Haustyp abgestimmt werden. Man muss Anreize f\u00fcr solch eine neue Technologie schaffen und diejenigen mitnehmen, die es betrifft. Dann funktioniert das.WAMS: Sehen die Kunden die W\u00e4rmepumpe heutzutage differenzierter als noch vor zwei, drei Jahren?Stemmann: Auf jeden Fall. Der Druck ist aus dem Thema auch politisch herausgenommen worden. Heutzutage l\u00e4sst sich dar\u00fcber mit den Beteiligten sehr vern\u00fcnftig sprechen. Und es stehen jetzt mehr Ger\u00e4te \u00fcberhaupt erst einmal zur Verf\u00fcgung \u2013 zu Beginn dieser Debatte gab es ein Jahr Wartezeit f\u00fcr solch ein Ger\u00e4t. Das hat sich v\u00f6llig ver\u00e4ndert. Die Industrie hat nachgezogen, das Handwerk ist weiter gut aufgestellt, und das Bewusstsein bei den Immobilienbesitzern hat sich ver\u00e4ndert.WAMS: Viele Geb\u00e4ude bis hin zu Einfamilienh\u00e4usern werden immer mehr zu kleinen Kraftwerken, mithilfe von Fotovoltaikanlagen und auch von leistungsf\u00e4higen Batteriespeichern. Nutzen die Hauseigner und die Handwerker das Potenzial solcher Speichermedien schon ausreichend?Stemmann: Die Handwerker sind dar\u00fcber jedenfalls gut informiert. Wir haben das Energiebauzentrum der Handwerkskammer mit unseren Energielotsen am Elbcampus in Harburg. Da kann man sich sogar einen aus ausgemusterten Autobatterien bestehenden Gro\u00dfspeicher anschauen. Unsere Energieberater gehen in Betriebe, und sie beraten Hauseigent\u00fcmer. Bei den Batteriespeichern ist noch viel Luft nach oben, es gibt noch nicht gen\u00fcgend eingebaute Ger\u00e4te. Ein Ansatz w\u00e4re es, Autobatterien als station\u00e4re Speicher in H\u00e4usern einzusetzen \u2013 und auch, Elektroautos selbst zu Energiespeichern in Verbindung mit H\u00e4usern zu machen. Da wird noch sehr viel passieren. Dass aber nun etwa Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche die Einspeiseverg\u00fctung f\u00fcr kleine Fotovoltaikanlagen infrage stellt, tr\u00e4gt nicht gerade zur Planungssicherheit bei.WAMS: Entstehen durch den Klimaschutz und die damit verbundenen Technologien aus Ihrer Sicht viele neue Berufsbilder im Handwerk?Stemmann: Es ist eher so, dass sich die Handwerksunternehmen weiterentwickeln. Vor zehn Jahren gab es kaum Elektromobilit\u00e4t und noch sehr wenige E-Auto-Modelle. Das zog dann an, und Hamburg war die erste Stadt, in der eine Kfz-Innung ein Kompetenzzentrum f\u00fcr Elektromobilit\u00e4t aufgebaut hat. Heute lernen KfZ-Azubis ganz selbstverst\u00e4ndlich die Arbeit mit Hochvoltsystemen. Jeder ausgelernte Geselle kennt sich heute mit Elektroantrieben aus. Diese inhaltlichen Ver\u00e4nderungen und Weiterentwicklungen gibt es nat\u00fcrlich auch in etlichen anderen Gewerken, vom Elektrohandwerk bis hin zur Klima- und Sanit\u00e4rtechnik. Lerninhalte, Gesellen- und Meisterpr\u00fcfungen werden st\u00e4ndig an die Entwicklungen angepasst.WAMS: Dadurch werden Berufsbilder anspruchsvoller und spannender.Stemmann: Absolut. Sanit\u00e4r, Heizung, Klima hat zwar immer noch etwas mit Rohren, Toiletten und Waschbecken zu tun, aber eben auch mit der Installation von hochtechnologischen Heizungen, W\u00e4rmepumpen, Fotovoltaiksystemen und Warmwasserspeichern. Das ist schon eine kleine Raketenwissenschaft.WAMS: Wie kann das Handwerk in den kommenden Jahren in der Stadt noch sichtbarer werden?Stemmann: Auf ganz unterschiedlichen Wegen, zum Beispiel mit privaten Handwerkerh\u00f6fen, in denen sich mehrere Betriebe zusammentun. Wir achten darauf, dass Handwerkerh\u00f6fe verst\u00e4rkt auch auf Konversionsfl\u00e4chen entstehen k\u00f6nnen, wie etwa auf dem Holsten-Areal in Altona. Das Handwerk darf nicht aus der Stadt verschwinden. Rund um die alte Holsten-Brauerei zum Beispiel gab es auf dem Gel\u00e4nde fr\u00fcher zig Werkst\u00e4tten von Handwerksunternehmen, die speziell f\u00fcr Holsten gearbeitet haben, um Maschinen und Anlagen zu warten. Sie waren in Altona ein Teil des Stadtbildes. Wenn solch ein Quartier wie das Holsten-Areal oder auch Oberbillwerder neu entwickelt wird, darf es nicht sein, dass dort kein Handwerk mit dabei ist. Handwerk muss in den Quartieren sein, und wir m\u00fcssen wieder in die Innenstadt zur\u00fcck, wenn die Innenstadt neu belebt werden soll.\u00a0WAMS: Wie funktionieren die \u2013 aktuell in Hamburg neun \u2013 Handwerkerh\u00f6fe, haben diese Einrichtungen ausreichend \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit?Stemmann: Es gibt ja auch Handwerkerh\u00f6fe ohne Publikumsverkehr. Die Betriebe haben dort ihre B\u00fcros, Lager und vorbereitenden Werkst\u00e4tten. Andere Handwerkerh\u00f6fe wiederum haben Publikumsverkehr, weil dort auch Werkst\u00e4tten sind, in die Menschen Ger\u00e4te oder Fahrzeuge zur Reparatur bringen. In der Meistermeile in Eimsb\u00fcttel zum Beispiel hat sich viel untereinander entwickelt \u2013 wenn der Zimmermann die Kapelle auf dem Friedhof in Niendorf renoviert, gibt er dem Malerbetrieb im Handwerkerhof den Hinweis, dass dort auch ein Maler gebraucht wird \u2013 und vermittelt ihn auch noch an die Friedhofsverwaltung. Oder die Gewerke tauschen bei Bedarf Material zu fairen Preisen untereinander aus.\u00a0WAMS: Die Handwerksbetriebe m\u00fcssen aber auch verst\u00e4rkt in die Wohnquartiere selbst gehen.Stemmann: Die Handwerkerh\u00f6fe sind nur eine Antwort darauf, dass aus klassischen Handwerksquartieren an vielen Stellen Wohnquartiere gemacht wurden. Wenn es eine wohnortnahe Versorgung mit Handwerksleistungen geben soll, m\u00fcssen die Unternehmen nat\u00fcrlich verst\u00e4rkt auch wieder in den Quartieren selbst angesiedelt werden, schon deshalb, weil es ja ein gesellschaftliches Ziel ist, Autoverkehre zu reduzieren. Wir w\u00fcnschen uns sehr, dass Projekte f\u00fcr Handwerksunternehmen mit mehr Nachdruck verfolgt werden \u2013 und dass es tats\u00e4chlich auch eine echte Kompensation f\u00fcr die Handwerksunternehmen gibt, wenn Gewerbegebiet in Wohngebiet umgewandelt wird.WAMS: K\u00f6nnen Handwerksunternehmen mit Ladenlokalen in der Innenstadt wettbewerbsf\u00e4hig bestehen?Stemmann: Ein Schuster oder eine kleine B\u00e4ckerei kann nicht dieselben Mieten zahlen wie ein Filialunternehmen etwa des Einzelhandels. Daf\u00fcr m\u00fcssen schon entsprechende Mieten aufgerufen werden. Und es muss nat\u00fcrlich eine Bereitschaft der Kunden da sein, Schuhe reparieren zu lassen, wenn ein Schuster im lokalen Einzugsgebiet wirtschaftlich erfolgreich arbeiten soll.WAMS: Welchen Beitrag kann K\u00fcnstliche Intelligenz in absehbarer Zeit leisten, um Handwerksunternehmen wirtschaftlich zu st\u00e4rken?Stemmann: Es gibt schon viele KI-L\u00f6sungen, die auf die Anwendungen im Handwerk spezialisiert sind \u2013 nehmen wir zum Beispiel die elektronische Vermessung von R\u00e4umen oder auch Drohnenfl\u00fcge f\u00fcr die Vermessung von D\u00e4chern. K\u00fcnstliche Intelligenz kann aufgenommene Scans vervollst\u00e4ndigen, Arbeitsabschnitte und das Endergebnis vorausschauend visualisieren. Auch in den Gesundheitshandwerken macht das Sinn: beim Vermessen von Fu\u00dfsohlen bis zur Analyse von Zahnaufstellungen oder dem Vermessen von Augen. Die Industrie bietet dem Handwerk da sehr viele M\u00f6glichkeiten, die Handwerksunternehmen entwickeln diese modernen elektronischen Werkzeuge, darunter viele mit KI-Unterst\u00fctzung, auch selbst weiter und geben den Herstellern entsprechende R\u00fcckmeldungen.\u00a0WAMS: Digitalisierung und KI ersetzen das Handwerk aber nicht.Stemmann: Meine gro\u00dfe Hoffnung ist, dass Digitalisierung und K\u00fcnstliche Intelligenz einen gro\u00dfen Beitrag dazu leisten k\u00f6nnen, den wachsenden Mangel an Fachkr\u00e4ften auszugleichen. Auch im Handwerk geht die Generation der Babyboomer jetzt allm\u00e4hlich in Rente, mit enorm viel Wissen. Dieses Wissen kann in KI-Systeme eingelernt und so an die n\u00e4chste Generation weitergegeben werden. Sicher aber ist: Am Ende muss gebohrt, geschraubt, der Pinsel geschwungen und etwas hergestellt werden, um den Menschen zu dienen.WAMS: Aber Verwaltungsaufgaben lassen sich digital verbessern.Stemmann: Das ist schon in erheblichem Ma\u00dfe so, von der Angebotserstellung bis zur Buchhaltung. Zunehmend sind Betriebe auch mit Tablets und Smartphones unterwegs, und die KI liest aus dem Foto heraus, was vor Ort getan worden ist. Oder die KI sagt nach dem Kamerablick in die Werkzeugtasche oder in den Montagewagen rechtzeitig vor Abfahrt, welches am Einsatzort ben\u00f6tigte Werkzeug noch fehlt.WAMS: Das Schuljahr ist inzwischen abgelaufen. Wissen Sie schon, ob die L\u00fccke von Angebot und Nachfrage bei den Lehrstellen im Hamburger Handwerk eher gr\u00f6\u00dfer oder kleiner wird?Stemmann: Im Moment wissen wir es noch nicht, weil sich viele junge Menschen tendenziell sp\u00e4ter entscheiden, was sie nach dem Abschluss der allgemeinbildenden Schule tun wollen. Ein klareres Bild ergibt sich heutzutage eher Anfang Oktober als im August. Noch haben wir f\u00fcr dieses Ausbildungsjahr mehr als 400 Ausbildungsstellen offen \u2013 und schon mehr als 850 f\u00fcr den Start im Sommer 2026. Wir haben immer noch eine L\u00fccke im Vergleich zu unseren guten Ausbildungszahlen in der Zeit vor der Pandemie, also bis 2019. Wir arbeiten uns langsam aus dem ,Corona-Tal\u2018 heraus. Von 2015 bis 2019 spielten \u00fcbrigens junge Menschen mit Migrationshintergrund bei den hohen Ausbildungszahlen eine ganz besondere Rolle.\u00a0WAMS: Wird es f\u00fcr die Unternehmen wieder schwieriger, junge Menschen f\u00fcr das Handwerk zu begeistern?Stemmann: Die Studienneigung nimmt weiter zu und zugleich auch das Durchlavieren in angelernten Jobs \u2013 speziell die aber sind eine Sackgasse, aus der man sp\u00e4ter nur sehr schwer wieder herauskommt. Man verdient als junger Mensch anfangs wom\u00f6glich schnell mehr als ein Auszubildender, wird aber nach einigen Jahren von gut ausgebildeten Menschen zwangsl\u00e4ufig abgeh\u00e4ngt.WAMS: Wie werden sich Angebot und Nachfrage bei den Ausbildungspl\u00e4tzen mittelfristig entwickeln?\u00a0Stemmann: Die L\u00fccke wird kleiner, wir haben aber nach wie vor deutlich mehr Ausbildungspl\u00e4tze im Handwerk als Bewerber daf\u00fcr. Etwa 25 Prozent unserer Ausbildungsbetriebe meldeten uns in einer Umfrage, dass sie keine einzige ihrer Lehrstellen besetzen konnten. \u00a0WAMS: Das Handwerk k\u00f6nnte mehr Frauen f\u00fcr die Ausbildung gewinnen.Stemmann: Das w\u00fcnsche ich mir ganz pers\u00f6nlich, und es ist ein gro\u00dfes Ziel des Handwerks generell. Mit derzeit knapp unter 19 Prozent der Lehrstellen im Handwerk insgesamt liegt Hamburg bundesweit leicht vorn, doch das reicht trotzdem l\u00e4ngst nicht aus. Da ist noch sehr viel Luft nach oben. In die klassischen M\u00e4nnerhandwerke wie die Kfz-Mechatronik oder bei den Zimmerern gehen nicht so viele Frauen. Gerade habe ich einige der Meisterbriefe f\u00fcr die Zimmerleute unterschrieben \u2013 von etwa 20 Urkunden war nur eine einzige f\u00fcr eine Frau. Bei den Ausbildungsergebnissen in solchen Gewerken belegen in Landes- oder Bundesvergleichen aber gerade Frauen h\u00e4ufig die Spitzenpl\u00e4tze. Wir wissen \u2013 und ich wei\u00df es von meiner eigenen Mutter im Zahntechnik-Gewerk mit Blick auf die 1950er-Jahre \u2013, dass sich der Anteil von Frauen erh\u00f6hen l\u00e4sst. Zum Beispiel auch mit Frauen in der Ausbildung als Vorbildern, mit denen wir im Handwerk werben.WAMS: Bleibt der Anteil der einzelnen Schulabschl\u00fcsse bei den Auszubildenden im Handwerk stabil?Stemmann: Ja, mit unter anderem etwa 20 Prozent Abiturienten, da liegt Hamburg im Bundesvergleich sehr weit vorn. Wichtig ist dabei: Nicht nur Abiturienten, auch Auszubildende mit anderen Schulabschl\u00fcssen k\u00f6nnen ihre Ausbildungen verk\u00fcrzen, wenn sie besonders gute Leistungen zeigen.Seit Mai 2019 f\u00fchrt Hjalmar Stemmann, 61, im Ehrenamt als Pr\u00e4sident die Handwerkskammer Hamburg. Als eine K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts vertritt die Handwerkskammer derzeit rund 15.000 Unternehmen mit mehr als 105.000 Besch\u00e4ftigten. Hauptberuflich betreibt Stemmann zwei Unternehmen in der Branche der Dentaltechnologien. Politisch engagierte er sich unter anderem von 2008 bis 2015 als Abgeordneter in der CDU-Fraktion der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft. Von 2010 bis 2019 war er Landesvorsitzender der Hamburger Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder.Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. 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Das passt \u2013 Hausherr Hjalmar Stemmann, der Kammerpr\u00e4sident, verweist im Gespr\u00e4ch darauf, wie sehr die Technologien zum Klimaschutz die Entwicklung von Berufsbildern im Handwerk beeinflussen. Und welche Karriere derzeit die W\u00e4rmepumpe macht. WELT AM SONNTAG: Herr Stemmann, \u00fcber den Klimaschutz wurde w\u00e4hrend der Zeit der Ampelregierung Ende 2021 bis Anfang 2025 intensiv gestritten. Seit dem Regierungswechsel hin zu Union und SPD im Fr\u00fchjahr ist es um das Thema deutlich ruhiger geworden. Wie nimmt das Handwerk diese Ver\u00e4nderung wahr?Hjalmar Stemmann: Klimaschutz und Klimafolgenanpassung sind im Handwerk extrem pr\u00e4sent. Aus der Politik bekommen wir deutliche Signale daf\u00fcr, dass dort derzeit die H\u00fclle von Geb\u00e4uden nicht mehr die zentrale Rolle spielt, sondern dass st\u00e4rker \u00fcber die Steuerung der Energietr\u00e4ger gegangen wird, \u00fcber CO2-Abgaben und anderes mehr. Um bei der Versorgung von Geb\u00e4uden mit W\u00e4rme und Strom umzusteuern, braucht man zum Beispiel W\u00e4rmepumpen und Solaranlagen. Wer soll diese Anlagen in den H\u00e4usern und auf den D\u00e4chern installieren und montieren, wer soll die vorhandene Technologie abstimmen? Das kann nur das Handwerk machen. Auch bei der Anpassung des Energieverbrauchs in den Geb\u00e4uden ist das Bau- und Ausbauhandwerk mit dabei. Das Malerhandwerk zum Beispiel k\u00fcmmert sich unter anderem zum Beispiel um W\u00e4rmed\u00e4mm-Verbundsysteme, das bleibt wichtig. Installateure betreuen Klima-, W\u00e4rme- und K\u00e4ltetechnik, Dachdecker bereiten D\u00e4cher f\u00fcr moderne Technologien wie Solaranlagen auf, die dann Elektriker wiederum anschlie\u00dfen. Diese Aufz\u00e4hlung k\u00f6nnte ich noch lange fortsetzen.\u00a0WAMS: Die Koalition von SPD, FDP und Gr\u00fcnen ist ma\u00dfgeblich auch am Widerstand gegen Robert Habecks ,Heizungsgesetz\u2018 gescheitert. Ist die W\u00e4rmepumpe, um die es dabei vor allem ging, bei Immobilieneignern tats\u00e4chlich so unbeliebt, wie es in der Debatte einige Jahre lang erschien?Stemmann: Das Handwerk ist bei diesem Gesetz nie einbezogen worden, das war aus unserer Sicht der gr\u00f6\u00dfte ,handwerkliche\u2018 Fehler dabei. Mit der Expertise der Fachhandwerke w\u00e4re dieses Gesetz vern\u00fcnftig aufgestellt worden. Kurze Fristen und absolut zu treffende Entscheidungen waren wesentliche Fehler dieses Gesetzes. Es fehlte die Technologieoffenheit, nicht jedes Haus war damals f\u00fcr eine W\u00e4rmepumpe geeignet. Und das Gesetz kam zu einem Zeitpunkt, zu dem die Industrie f\u00fcr W\u00e4rmepumpen gar nicht lieferf\u00e4hig war. Es gab gro\u00dfe Verz\u00fcge, die Handwerker hatten gar nicht die Anlagen, um sie zu installieren. Ich glaube gar nicht, dass die Bev\u00f6lkerung \u2013 und erst recht nicht das Handwerk per se \u2013 gegen die W\u00e4rmepumpe ist. Es muss nur die richtige W\u00e4rmepumpe f\u00fcr den jeweiligen Geb\u00e4udetyp sein, und es m\u00fcssen die ausgebildeten Handwerker da sein. Da hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan, wir haben bei der Handwerkskammer und in der Innung viele Handwerker fortgebildet, damit die Installationen vern\u00fcnftig funktionieren. Die Installation einer W\u00e4rmepumpe dauert zwei- bis zweieinhalbmal so lange wie die Installation einer Gastherme. Das wird sich im Laufe der Zeit ein wenig anpassen. Vor allem aber m\u00fcssen die W\u00e4rmepumpen viel genauer auf den Haustyp abgestimmt werden. Man muss Anreize f\u00fcr solch eine neue Technologie schaffen und diejenigen mitnehmen, die es betrifft. Dann funktioniert das.WAMS: Sehen die Kunden die W\u00e4rmepumpe heutzutage differenzierter als noch vor zwei, drei Jahren?Stemmann: Auf jeden Fall. Der Druck ist aus dem Thema auch politisch herausgenommen worden. Heutzutage l\u00e4sst sich dar\u00fcber mit den Beteiligten sehr vern\u00fcnftig sprechen. Und es stehen jetzt mehr Ger\u00e4te \u00fcberhaupt erst einmal zur Verf\u00fcgung \u2013 zu Beginn dieser Debatte gab es ein Jahr Wartezeit f\u00fcr solch ein Ger\u00e4t. Das hat sich v\u00f6llig ver\u00e4ndert. Die Industrie hat nachgezogen, das Handwerk ist weiter gut aufgestellt, und das Bewusstsein bei den Immobilienbesitzern hat sich ver\u00e4ndert.WAMS: Viele Geb\u00e4ude bis hin zu Einfamilienh\u00e4usern werden immer mehr zu kleinen Kraftwerken, mithilfe von Fotovoltaikanlagen und auch von leistungsf\u00e4higen Batteriespeichern. Nutzen die Hauseigner und die Handwerker das Potenzial solcher Speichermedien schon ausreichend?Stemmann: Die Handwerker sind dar\u00fcber jedenfalls gut informiert. Wir haben das Energiebauzentrum der Handwerkskammer mit unseren Energielotsen am Elbcampus in Harburg. Da kann man sich sogar einen aus ausgemusterten Autobatterien bestehenden Gro\u00dfspeicher anschauen. Unsere Energieberater gehen in Betriebe, und sie beraten Hauseigent\u00fcmer. Bei den Batteriespeichern ist noch viel Luft nach oben, es gibt noch nicht gen\u00fcgend eingebaute Ger\u00e4te. Ein Ansatz w\u00e4re es, Autobatterien als station\u00e4re Speicher in H\u00e4usern einzusetzen \u2013 und auch, Elektroautos selbst zu Energiespeichern in Verbindung mit H\u00e4usern zu machen. Da wird noch sehr viel passieren. Dass aber nun etwa Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche die Einspeiseverg\u00fctung f\u00fcr kleine Fotovoltaikanlagen infrage stellt, tr\u00e4gt nicht gerade zur Planungssicherheit bei.WAMS: Entstehen durch den Klimaschutz und die damit verbundenen Technologien aus Ihrer Sicht viele neue Berufsbilder im Handwerk?Stemmann: Es ist eher so, dass sich die Handwerksunternehmen weiterentwickeln. Vor zehn Jahren gab es kaum Elektromobilit\u00e4t und noch sehr wenige E-Auto-Modelle. Das zog dann an, und Hamburg war die erste Stadt, in der eine Kfz-Innung ein Kompetenzzentrum f\u00fcr Elektromobilit\u00e4t aufgebaut hat. Heute lernen KfZ-Azubis ganz selbstverst\u00e4ndlich die Arbeit mit Hochvoltsystemen. Jeder ausgelernte Geselle kennt sich heute mit Elektroantrieben aus. Diese inhaltlichen Ver\u00e4nderungen und Weiterentwicklungen gibt es nat\u00fcrlich auch in etlichen anderen Gewerken, vom Elektrohandwerk bis hin zur Klima- und Sanit\u00e4rtechnik. Lerninhalte, Gesellen- und Meisterpr\u00fcfungen werden st\u00e4ndig an die Entwicklungen angepasst.WAMS: Dadurch werden Berufsbilder anspruchsvoller und spannender.Stemmann: Absolut. Sanit\u00e4r, Heizung, Klima hat zwar immer noch etwas mit Rohren, Toiletten und Waschbecken zu tun, aber eben auch mit der Installation von hochtechnologischen Heizungen, W\u00e4rmepumpen, Fotovoltaiksystemen und Warmwasserspeichern. Das ist schon eine kleine Raketenwissenschaft.WAMS: Wie kann das Handwerk in den kommenden Jahren in der Stadt noch sichtbarer werden?Stemmann: Auf ganz unterschiedlichen Wegen, zum Beispiel mit privaten Handwerkerh\u00f6fen, in denen sich mehrere Betriebe zusammentun. Wir achten darauf, dass Handwerkerh\u00f6fe verst\u00e4rkt auch auf Konversionsfl\u00e4chen entstehen k\u00f6nnen, wie etwa auf dem Holsten-Areal in Altona. Das Handwerk darf nicht aus der Stadt verschwinden. Rund um die alte Holsten-Brauerei zum Beispiel gab es auf dem Gel\u00e4nde fr\u00fcher zig Werkst\u00e4tten von Handwerksunternehmen, die speziell f\u00fcr Holsten gearbeitet haben, um Maschinen und Anlagen zu warten. Sie waren in Altona ein Teil des Stadtbildes. Wenn solch ein Quartier wie das Holsten-Areal oder auch Oberbillwerder neu entwickelt wird, darf es nicht sein, dass dort kein Handwerk mit dabei ist. Handwerk muss in den Quartieren sein, und wir m\u00fcssen wieder in die Innenstadt zur\u00fcck, wenn die Innenstadt neu belebt werden soll.\u00a0WAMS: Wie funktionieren die \u2013 aktuell in Hamburg neun \u2013 Handwerkerh\u00f6fe, haben diese Einrichtungen ausreichend \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit?Stemmann: Es gibt ja auch Handwerkerh\u00f6fe ohne Publikumsverkehr. Die Betriebe haben dort ihre B\u00fcros, Lager und vorbereitenden Werkst\u00e4tten. Andere Handwerkerh\u00f6fe wiederum haben Publikumsverkehr, weil dort auch Werkst\u00e4tten sind, in die Menschen Ger\u00e4te oder Fahrzeuge zur Reparatur bringen. In der Meistermeile in Eimsb\u00fcttel zum Beispiel hat sich viel untereinander entwickelt \u2013 wenn der Zimmermann die Kapelle auf dem Friedhof in Niendorf renoviert, gibt er dem Malerbetrieb im Handwerkerhof den Hinweis, dass dort auch ein Maler gebraucht wird \u2013 und vermittelt ihn auch noch an die Friedhofsverwaltung. Oder die Gewerke tauschen bei Bedarf Material zu fairen Preisen untereinander aus.\u00a0WAMS: Die Handwerksbetriebe m\u00fcssen aber auch verst\u00e4rkt in die Wohnquartiere selbst gehen.Stemmann: Die Handwerkerh\u00f6fe sind nur eine Antwort darauf, dass aus klassischen Handwerksquartieren an vielen Stellen Wohnquartiere gemacht wurden. Wenn es eine wohnortnahe Versorgung mit Handwerksleistungen geben soll, m\u00fcssen die Unternehmen nat\u00fcrlich verst\u00e4rkt auch wieder in den Quartieren selbst angesiedelt werden, schon deshalb, weil es ja ein gesellschaftliches Ziel ist, Autoverkehre zu reduzieren. Wir w\u00fcnschen uns sehr, dass Projekte f\u00fcr Handwerksunternehmen mit mehr Nachdruck verfolgt werden \u2013 und dass es tats\u00e4chlich auch eine echte Kompensation f\u00fcr die Handwerksunternehmen gibt, wenn Gewerbegebiet in Wohngebiet umgewandelt wird.WAMS: K\u00f6nnen Handwerksunternehmen mit Ladenlokalen in der Innenstadt wettbewerbsf\u00e4hig bestehen?Stemmann: Ein Schuster oder eine kleine B\u00e4ckerei kann nicht dieselben Mieten zahlen wie ein Filialunternehmen etwa des Einzelhandels. Daf\u00fcr m\u00fcssen schon entsprechende Mieten aufgerufen werden. Und es muss nat\u00fcrlich eine Bereitschaft der Kunden da sein, Schuhe reparieren zu lassen, wenn ein Schuster im lokalen Einzugsgebiet wirtschaftlich erfolgreich arbeiten soll.WAMS: Welchen Beitrag kann K\u00fcnstliche Intelligenz in absehbarer Zeit leisten, um Handwerksunternehmen wirtschaftlich zu st\u00e4rken?Stemmann: Es gibt schon viele KI-L\u00f6sungen, die auf die Anwendungen im Handwerk spezialisiert sind \u2013 nehmen wir zum Beispiel die elektronische Vermessung von R\u00e4umen oder auch Drohnenfl\u00fcge f\u00fcr die Vermessung von D\u00e4chern. K\u00fcnstliche Intelligenz kann aufgenommene Scans vervollst\u00e4ndigen, Arbeitsabschnitte und das Endergebnis vorausschauend visualisieren. Auch in den Gesundheitshandwerken macht das Sinn: beim Vermessen von Fu\u00dfsohlen bis zur Analyse von Zahnaufstellungen oder dem Vermessen von Augen. Die Industrie bietet dem Handwerk da sehr viele M\u00f6glichkeiten, die Handwerksunternehmen entwickeln diese modernen elektronischen Werkzeuge, darunter viele mit KI-Unterst\u00fctzung, auch selbst weiter und geben den Herstellern entsprechende R\u00fcckmeldungen.\u00a0WAMS: Digitalisierung und KI ersetzen das Handwerk aber nicht.Stemmann: Meine gro\u00dfe Hoffnung ist, dass Digitalisierung und K\u00fcnstliche Intelligenz einen gro\u00dfen Beitrag dazu leisten k\u00f6nnen, den wachsenden Mangel an Fachkr\u00e4ften auszugleichen. Auch im Handwerk geht die Generation der Babyboomer jetzt allm\u00e4hlich in Rente, mit enorm viel Wissen. Dieses Wissen kann in KI-Systeme eingelernt und so an die n\u00e4chste Generation weitergegeben werden. Sicher aber ist: Am Ende muss gebohrt, geschraubt, der Pinsel geschwungen und etwas hergestellt werden, um den Menschen zu dienen.WAMS: Aber Verwaltungsaufgaben lassen sich digital verbessern.Stemmann: Das ist schon in erheblichem Ma\u00dfe so, von der Angebotserstellung bis zur Buchhaltung. Zunehmend sind Betriebe auch mit Tablets und Smartphones unterwegs, und die KI liest aus dem Foto heraus, was vor Ort getan worden ist. Oder die KI sagt nach dem Kamerablick in die Werkzeugtasche oder in den Montagewagen rechtzeitig vor Abfahrt, welches am Einsatzort ben\u00f6tigte Werkzeug noch fehlt.WAMS: Das Schuljahr ist inzwischen abgelaufen. Wissen Sie schon, ob die L\u00fccke von Angebot und Nachfrage bei den Lehrstellen im Hamburger Handwerk eher gr\u00f6\u00dfer oder kleiner wird?Stemmann: Im Moment wissen wir es noch nicht, weil sich viele junge Menschen tendenziell sp\u00e4ter entscheiden, was sie nach dem Abschluss der allgemeinbildenden Schule tun wollen. Ein klareres Bild ergibt sich heutzutage eher Anfang Oktober als im August. Noch haben wir f\u00fcr dieses Ausbildungsjahr mehr als 400 Ausbildungsstellen offen \u2013 und schon mehr als 850 f\u00fcr den Start im Sommer 2026. Wir haben immer noch eine L\u00fccke im Vergleich zu unseren guten Ausbildungszahlen in der Zeit vor der Pandemie, also bis 2019. Wir arbeiten uns langsam aus dem ,Corona-Tal\u2018 heraus. Von 2015 bis 2019 spielten \u00fcbrigens junge Menschen mit Migrationshintergrund bei den hohen Ausbildungszahlen eine ganz besondere Rolle.\u00a0WAMS: Wird es f\u00fcr die Unternehmen wieder schwieriger, junge Menschen f\u00fcr das Handwerk zu begeistern?Stemmann: Die Studienneigung nimmt weiter zu und zugleich auch das Durchlavieren in angelernten Jobs \u2013 speziell die aber sind eine Sackgasse, aus der man sp\u00e4ter nur sehr schwer wieder herauskommt. Man verdient als junger Mensch anfangs wom\u00f6glich schnell mehr als ein Auszubildender, wird aber nach einigen Jahren von gut ausgebildeten Menschen zwangsl\u00e4ufig abgeh\u00e4ngt.WAMS: Wie werden sich Angebot und Nachfrage bei den Ausbildungspl\u00e4tzen mittelfristig entwickeln?\u00a0Stemmann: Die L\u00fccke wird kleiner, wir haben aber nach wie vor deutlich mehr Ausbildungspl\u00e4tze im Handwerk als Bewerber daf\u00fcr. Etwa 25 Prozent unserer Ausbildungsbetriebe meldeten uns in einer Umfrage, dass sie keine einzige ihrer Lehrstellen besetzen konnten. \u00a0WAMS: Das Handwerk k\u00f6nnte mehr Frauen f\u00fcr die Ausbildung gewinnen.Stemmann: Das w\u00fcnsche ich mir ganz pers\u00f6nlich, und es ist ein gro\u00dfes Ziel des Handwerks generell. Mit derzeit knapp unter 19 Prozent der Lehrstellen im Handwerk insgesamt liegt Hamburg bundesweit leicht vorn, doch das reicht trotzdem l\u00e4ngst nicht aus. Da ist noch sehr viel Luft nach oben. In die klassischen M\u00e4nnerhandwerke wie die Kfz-Mechatronik oder bei den Zimmerern gehen nicht so viele Frauen. Gerade habe ich einige der Meisterbriefe f\u00fcr die Zimmerleute unterschrieben \u2013 von etwa 20 Urkunden war nur eine einzige f\u00fcr eine Frau. Bei den Ausbildungsergebnissen in solchen Gewerken belegen in Landes- oder Bundesvergleichen aber gerade Frauen h\u00e4ufig die Spitzenpl\u00e4tze. Wir wissen \u2013 und ich wei\u00df es von meiner eigenen Mutter im Zahntechnik-Gewerk mit Blick auf die 1950er-Jahre \u2013, dass sich der Anteil von Frauen erh\u00f6hen l\u00e4sst. Zum Beispiel auch mit Frauen in der Ausbildung als Vorbildern, mit denen wir im Handwerk werben.WAMS: Bleibt der Anteil der einzelnen Schulabschl\u00fcsse bei den Auszubildenden im Handwerk stabil?Stemmann: Ja, mit unter anderem etwa 20 Prozent Abiturienten, da liegt Hamburg im Bundesvergleich sehr weit vorn. Wichtig ist dabei: Nicht nur Abiturienten, auch Auszubildende mit anderen Schulabschl\u00fcssen k\u00f6nnen ihre Ausbildungen verk\u00fcrzen, wenn sie besonders gute Leistungen zeigen.Seit Mai 2019 f\u00fchrt Hjalmar Stemmann, 61, im Ehrenamt als Pr\u00e4sident die Handwerkskammer Hamburg. Als eine K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts vertritt die Handwerkskammer derzeit rund 15.000 Unternehmen mit mehr als 105.000 Besch\u00e4ftigten. Hauptberuflich betreibt Stemmann zwei Unternehmen in der Branche der Dentaltechnologien. Politisch engagierte er sich unter anderem von 2008 bis 2015 als Abgeordneter in der CDU-Fraktion der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft. Von 2010 bis 2019 war er Landesvorsitzender der Hamburger Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder.Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Die Energiewirtschaft und auch das regionale Handwerk z\u00e4hlen zu seinen Schwerpunktthemen.","robots":{"index":"noindex","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"\u201e\u00dcber W\u00e4rmepumpen kann man jetzt vern\u00fcnftig sprechen\u201c - vof-news.eu","og_description":"Das historische Geb\u00e4ude der Handwerkskammer Hamburg am Holstenwall wird gerade umfassend saniert, unter anderem bekommt das denkmalgesch\u00fctzte Gewerbehaus, das im Jahr 1915 eingeweiht worden war, eine Photovoltaikanlage. Das passt \u2013 Hausherr Hjalmar Stemmann, der Kammerpr\u00e4sident, verweist im Gespr\u00e4ch darauf, wie sehr die Technologien zum Klimaschutz die Entwicklung von Berufsbildern im Handwerk beeinflussen. Und welche Karriere derzeit die W\u00e4rmepumpe macht. WELT AM SONNTAG: Herr Stemmann, \u00fcber den Klimaschutz wurde w\u00e4hrend der Zeit der Ampelregierung Ende 2021 bis Anfang 2025 intensiv gestritten. Seit dem Regierungswechsel hin zu Union und SPD im Fr\u00fchjahr ist es um das Thema deutlich ruhiger geworden. Wie nimmt das Handwerk diese Ver\u00e4nderung wahr?Hjalmar Stemmann: Klimaschutz und Klimafolgenanpassung sind im Handwerk extrem pr\u00e4sent. Aus der Politik bekommen wir deutliche Signale daf\u00fcr, dass dort derzeit die H\u00fclle von Geb\u00e4uden nicht mehr die zentrale Rolle spielt, sondern dass st\u00e4rker \u00fcber die Steuerung der Energietr\u00e4ger gegangen wird, \u00fcber CO2-Abgaben und anderes mehr. Um bei der Versorgung von Geb\u00e4uden mit W\u00e4rme und Strom umzusteuern, braucht man zum Beispiel W\u00e4rmepumpen und Solaranlagen. Wer soll diese Anlagen in den H\u00e4usern und auf den D\u00e4chern installieren und montieren, wer soll die vorhandene Technologie abstimmen? Das kann nur das Handwerk machen. Auch bei der Anpassung des Energieverbrauchs in den Geb\u00e4uden ist das Bau- und Ausbauhandwerk mit dabei. Das Malerhandwerk zum Beispiel k\u00fcmmert sich unter anderem zum Beispiel um W\u00e4rmed\u00e4mm-Verbundsysteme, das bleibt wichtig. Installateure betreuen Klima-, W\u00e4rme- und K\u00e4ltetechnik, Dachdecker bereiten D\u00e4cher f\u00fcr moderne Technologien wie Solaranlagen auf, die dann Elektriker wiederum anschlie\u00dfen. Diese Aufz\u00e4hlung k\u00f6nnte ich noch lange fortsetzen.\u00a0WAMS: Die Koalition von SPD, FDP und Gr\u00fcnen ist ma\u00dfgeblich auch am Widerstand gegen Robert Habecks ,Heizungsgesetz\u2018 gescheitert. Ist die W\u00e4rmepumpe, um die es dabei vor allem ging, bei Immobilieneignern tats\u00e4chlich so unbeliebt, wie es in der Debatte einige Jahre lang erschien?Stemmann: Das Handwerk ist bei diesem Gesetz nie einbezogen worden, das war aus unserer Sicht der gr\u00f6\u00dfte ,handwerkliche\u2018 Fehler dabei. Mit der Expertise der Fachhandwerke w\u00e4re dieses Gesetz vern\u00fcnftig aufgestellt worden. Kurze Fristen und absolut zu treffende Entscheidungen waren wesentliche Fehler dieses Gesetzes. Es fehlte die Technologieoffenheit, nicht jedes Haus war damals f\u00fcr eine W\u00e4rmepumpe geeignet. Und das Gesetz kam zu einem Zeitpunkt, zu dem die Industrie f\u00fcr W\u00e4rmepumpen gar nicht lieferf\u00e4hig war. Es gab gro\u00dfe Verz\u00fcge, die Handwerker hatten gar nicht die Anlagen, um sie zu installieren. Ich glaube gar nicht, dass die Bev\u00f6lkerung \u2013 und erst recht nicht das Handwerk per se \u2013 gegen die W\u00e4rmepumpe ist. Es muss nur die richtige W\u00e4rmepumpe f\u00fcr den jeweiligen Geb\u00e4udetyp sein, und es m\u00fcssen die ausgebildeten Handwerker da sein. Da hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan, wir haben bei der Handwerkskammer und in der Innung viele Handwerker fortgebildet, damit die Installationen vern\u00fcnftig funktionieren. Die Installation einer W\u00e4rmepumpe dauert zwei- bis zweieinhalbmal so lange wie die Installation einer Gastherme. Das wird sich im Laufe der Zeit ein wenig anpassen. Vor allem aber m\u00fcssen die W\u00e4rmepumpen viel genauer auf den Haustyp abgestimmt werden. Man muss Anreize f\u00fcr solch eine neue Technologie schaffen und diejenigen mitnehmen, die es betrifft. Dann funktioniert das.WAMS: Sehen die Kunden die W\u00e4rmepumpe heutzutage differenzierter als noch vor zwei, drei Jahren?Stemmann: Auf jeden Fall. Der Druck ist aus dem Thema auch politisch herausgenommen worden. Heutzutage l\u00e4sst sich dar\u00fcber mit den Beteiligten sehr vern\u00fcnftig sprechen. Und es stehen jetzt mehr Ger\u00e4te \u00fcberhaupt erst einmal zur Verf\u00fcgung \u2013 zu Beginn dieser Debatte gab es ein Jahr Wartezeit f\u00fcr solch ein Ger\u00e4t. Das hat sich v\u00f6llig ver\u00e4ndert. Die Industrie hat nachgezogen, das Handwerk ist weiter gut aufgestellt, und das Bewusstsein bei den Immobilienbesitzern hat sich ver\u00e4ndert.WAMS: Viele Geb\u00e4ude bis hin zu Einfamilienh\u00e4usern werden immer mehr zu kleinen Kraftwerken, mithilfe von Fotovoltaikanlagen und auch von leistungsf\u00e4higen Batteriespeichern. Nutzen die Hauseigner und die Handwerker das Potenzial solcher Speichermedien schon ausreichend?Stemmann: Die Handwerker sind dar\u00fcber jedenfalls gut informiert. Wir haben das Energiebauzentrum der Handwerkskammer mit unseren Energielotsen am Elbcampus in Harburg. Da kann man sich sogar einen aus ausgemusterten Autobatterien bestehenden Gro\u00dfspeicher anschauen. Unsere Energieberater gehen in Betriebe, und sie beraten Hauseigent\u00fcmer. Bei den Batteriespeichern ist noch viel Luft nach oben, es gibt noch nicht gen\u00fcgend eingebaute Ger\u00e4te. Ein Ansatz w\u00e4re es, Autobatterien als station\u00e4re Speicher in H\u00e4usern einzusetzen \u2013 und auch, Elektroautos selbst zu Energiespeichern in Verbindung mit H\u00e4usern zu machen. Da wird noch sehr viel passieren. Dass aber nun etwa Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche die Einspeiseverg\u00fctung f\u00fcr kleine Fotovoltaikanlagen infrage stellt, tr\u00e4gt nicht gerade zur Planungssicherheit bei.WAMS: Entstehen durch den Klimaschutz und die damit verbundenen Technologien aus Ihrer Sicht viele neue Berufsbilder im Handwerk?Stemmann: Es ist eher so, dass sich die Handwerksunternehmen weiterentwickeln. Vor zehn Jahren gab es kaum Elektromobilit\u00e4t und noch sehr wenige E-Auto-Modelle. Das zog dann an, und Hamburg war die erste Stadt, in der eine Kfz-Innung ein Kompetenzzentrum f\u00fcr Elektromobilit\u00e4t aufgebaut hat. Heute lernen KfZ-Azubis ganz selbstverst\u00e4ndlich die Arbeit mit Hochvoltsystemen. Jeder ausgelernte Geselle kennt sich heute mit Elektroantrieben aus. Diese inhaltlichen Ver\u00e4nderungen und Weiterentwicklungen gibt es nat\u00fcrlich auch in etlichen anderen Gewerken, vom Elektrohandwerk bis hin zur Klima- und Sanit\u00e4rtechnik. Lerninhalte, Gesellen- und Meisterpr\u00fcfungen werden st\u00e4ndig an die Entwicklungen angepasst.WAMS: Dadurch werden Berufsbilder anspruchsvoller und spannender.Stemmann: Absolut. Sanit\u00e4r, Heizung, Klima hat zwar immer noch etwas mit Rohren, Toiletten und Waschbecken zu tun, aber eben auch mit der Installation von hochtechnologischen Heizungen, W\u00e4rmepumpen, Fotovoltaiksystemen und Warmwasserspeichern. Das ist schon eine kleine Raketenwissenschaft.WAMS: Wie kann das Handwerk in den kommenden Jahren in der Stadt noch sichtbarer werden?Stemmann: Auf ganz unterschiedlichen Wegen, zum Beispiel mit privaten Handwerkerh\u00f6fen, in denen sich mehrere Betriebe zusammentun. Wir achten darauf, dass Handwerkerh\u00f6fe verst\u00e4rkt auch auf Konversionsfl\u00e4chen entstehen k\u00f6nnen, wie etwa auf dem Holsten-Areal in Altona. Das Handwerk darf nicht aus der Stadt verschwinden. Rund um die alte Holsten-Brauerei zum Beispiel gab es auf dem Gel\u00e4nde fr\u00fcher zig Werkst\u00e4tten von Handwerksunternehmen, die speziell f\u00fcr Holsten gearbeitet haben, um Maschinen und Anlagen zu warten. Sie waren in Altona ein Teil des Stadtbildes. Wenn solch ein Quartier wie das Holsten-Areal oder auch Oberbillwerder neu entwickelt wird, darf es nicht sein, dass dort kein Handwerk mit dabei ist. Handwerk muss in den Quartieren sein, und wir m\u00fcssen wieder in die Innenstadt zur\u00fcck, wenn die Innenstadt neu belebt werden soll.\u00a0WAMS: Wie funktionieren die \u2013 aktuell in Hamburg neun \u2013 Handwerkerh\u00f6fe, haben diese Einrichtungen ausreichend \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit?Stemmann: Es gibt ja auch Handwerkerh\u00f6fe ohne Publikumsverkehr. Die Betriebe haben dort ihre B\u00fcros, Lager und vorbereitenden Werkst\u00e4tten. Andere Handwerkerh\u00f6fe wiederum haben Publikumsverkehr, weil dort auch Werkst\u00e4tten sind, in die Menschen Ger\u00e4te oder Fahrzeuge zur Reparatur bringen. In der Meistermeile in Eimsb\u00fcttel zum Beispiel hat sich viel untereinander entwickelt \u2013 wenn der Zimmermann die Kapelle auf dem Friedhof in Niendorf renoviert, gibt er dem Malerbetrieb im Handwerkerhof den Hinweis, dass dort auch ein Maler gebraucht wird \u2013 und vermittelt ihn auch noch an die Friedhofsverwaltung. Oder die Gewerke tauschen bei Bedarf Material zu fairen Preisen untereinander aus.\u00a0WAMS: Die Handwerksbetriebe m\u00fcssen aber auch verst\u00e4rkt in die Wohnquartiere selbst gehen.Stemmann: Die Handwerkerh\u00f6fe sind nur eine Antwort darauf, dass aus klassischen Handwerksquartieren an vielen Stellen Wohnquartiere gemacht wurden. Wenn es eine wohnortnahe Versorgung mit Handwerksleistungen geben soll, m\u00fcssen die Unternehmen nat\u00fcrlich verst\u00e4rkt auch wieder in den Quartieren selbst angesiedelt werden, schon deshalb, weil es ja ein gesellschaftliches Ziel ist, Autoverkehre zu reduzieren. Wir w\u00fcnschen uns sehr, dass Projekte f\u00fcr Handwerksunternehmen mit mehr Nachdruck verfolgt werden \u2013 und dass es tats\u00e4chlich auch eine echte Kompensation f\u00fcr die Handwerksunternehmen gibt, wenn Gewerbegebiet in Wohngebiet umgewandelt wird.WAMS: K\u00f6nnen Handwerksunternehmen mit Ladenlokalen in der Innenstadt wettbewerbsf\u00e4hig bestehen?Stemmann: Ein Schuster oder eine kleine B\u00e4ckerei kann nicht dieselben Mieten zahlen wie ein Filialunternehmen etwa des Einzelhandels. Daf\u00fcr m\u00fcssen schon entsprechende Mieten aufgerufen werden. Und es muss nat\u00fcrlich eine Bereitschaft der Kunden da sein, Schuhe reparieren zu lassen, wenn ein Schuster im lokalen Einzugsgebiet wirtschaftlich erfolgreich arbeiten soll.WAMS: Welchen Beitrag kann K\u00fcnstliche Intelligenz in absehbarer Zeit leisten, um Handwerksunternehmen wirtschaftlich zu st\u00e4rken?Stemmann: Es gibt schon viele KI-L\u00f6sungen, die auf die Anwendungen im Handwerk spezialisiert sind \u2013 nehmen wir zum Beispiel die elektronische Vermessung von R\u00e4umen oder auch Drohnenfl\u00fcge f\u00fcr die Vermessung von D\u00e4chern. K\u00fcnstliche Intelligenz kann aufgenommene Scans vervollst\u00e4ndigen, Arbeitsabschnitte und das Endergebnis vorausschauend visualisieren. Auch in den Gesundheitshandwerken macht das Sinn: beim Vermessen von Fu\u00dfsohlen bis zur Analyse von Zahnaufstellungen oder dem Vermessen von Augen. Die Industrie bietet dem Handwerk da sehr viele M\u00f6glichkeiten, die Handwerksunternehmen entwickeln diese modernen elektronischen Werkzeuge, darunter viele mit KI-Unterst\u00fctzung, auch selbst weiter und geben den Herstellern entsprechende R\u00fcckmeldungen.\u00a0WAMS: Digitalisierung und KI ersetzen das Handwerk aber nicht.Stemmann: Meine gro\u00dfe Hoffnung ist, dass Digitalisierung und K\u00fcnstliche Intelligenz einen gro\u00dfen Beitrag dazu leisten k\u00f6nnen, den wachsenden Mangel an Fachkr\u00e4ften auszugleichen. Auch im Handwerk geht die Generation der Babyboomer jetzt allm\u00e4hlich in Rente, mit enorm viel Wissen. Dieses Wissen kann in KI-Systeme eingelernt und so an die n\u00e4chste Generation weitergegeben werden. Sicher aber ist: Am Ende muss gebohrt, geschraubt, der Pinsel geschwungen und etwas hergestellt werden, um den Menschen zu dienen.WAMS: Aber Verwaltungsaufgaben lassen sich digital verbessern.Stemmann: Das ist schon in erheblichem Ma\u00dfe so, von der Angebotserstellung bis zur Buchhaltung. Zunehmend sind Betriebe auch mit Tablets und Smartphones unterwegs, und die KI liest aus dem Foto heraus, was vor Ort getan worden ist. Oder die KI sagt nach dem Kamerablick in die Werkzeugtasche oder in den Montagewagen rechtzeitig vor Abfahrt, welches am Einsatzort ben\u00f6tigte Werkzeug noch fehlt.WAMS: Das Schuljahr ist inzwischen abgelaufen. Wissen Sie schon, ob die L\u00fccke von Angebot und Nachfrage bei den Lehrstellen im Hamburger Handwerk eher gr\u00f6\u00dfer oder kleiner wird?Stemmann: Im Moment wissen wir es noch nicht, weil sich viele junge Menschen tendenziell sp\u00e4ter entscheiden, was sie nach dem Abschluss der allgemeinbildenden Schule tun wollen. Ein klareres Bild ergibt sich heutzutage eher Anfang Oktober als im August. Noch haben wir f\u00fcr dieses Ausbildungsjahr mehr als 400 Ausbildungsstellen offen \u2013 und schon mehr als 850 f\u00fcr den Start im Sommer 2026. Wir haben immer noch eine L\u00fccke im Vergleich zu unseren guten Ausbildungszahlen in der Zeit vor der Pandemie, also bis 2019. Wir arbeiten uns langsam aus dem ,Corona-Tal\u2018 heraus. Von 2015 bis 2019 spielten \u00fcbrigens junge Menschen mit Migrationshintergrund bei den hohen Ausbildungszahlen eine ganz besondere Rolle.\u00a0WAMS: Wird es f\u00fcr die Unternehmen wieder schwieriger, junge Menschen f\u00fcr das Handwerk zu begeistern?Stemmann: Die Studienneigung nimmt weiter zu und zugleich auch das Durchlavieren in angelernten Jobs \u2013 speziell die aber sind eine Sackgasse, aus der man sp\u00e4ter nur sehr schwer wieder herauskommt. Man verdient als junger Mensch anfangs wom\u00f6glich schnell mehr als ein Auszubildender, wird aber nach einigen Jahren von gut ausgebildeten Menschen zwangsl\u00e4ufig abgeh\u00e4ngt.WAMS: Wie werden sich Angebot und Nachfrage bei den Ausbildungspl\u00e4tzen mittelfristig entwickeln?\u00a0Stemmann: Die L\u00fccke wird kleiner, wir haben aber nach wie vor deutlich mehr Ausbildungspl\u00e4tze im Handwerk als Bewerber daf\u00fcr. Etwa 25 Prozent unserer Ausbildungsbetriebe meldeten uns in einer Umfrage, dass sie keine einzige ihrer Lehrstellen besetzen konnten. \u00a0WAMS: Das Handwerk k\u00f6nnte mehr Frauen f\u00fcr die Ausbildung gewinnen.Stemmann: Das w\u00fcnsche ich mir ganz pers\u00f6nlich, und es ist ein gro\u00dfes Ziel des Handwerks generell. Mit derzeit knapp unter 19 Prozent der Lehrstellen im Handwerk insgesamt liegt Hamburg bundesweit leicht vorn, doch das reicht trotzdem l\u00e4ngst nicht aus. Da ist noch sehr viel Luft nach oben. In die klassischen M\u00e4nnerhandwerke wie die Kfz-Mechatronik oder bei den Zimmerern gehen nicht so viele Frauen. Gerade habe ich einige der Meisterbriefe f\u00fcr die Zimmerleute unterschrieben \u2013 von etwa 20 Urkunden war nur eine einzige f\u00fcr eine Frau. Bei den Ausbildungsergebnissen in solchen Gewerken belegen in Landes- oder Bundesvergleichen aber gerade Frauen h\u00e4ufig die Spitzenpl\u00e4tze. Wir wissen \u2013 und ich wei\u00df es von meiner eigenen Mutter im Zahntechnik-Gewerk mit Blick auf die 1950er-Jahre \u2013, dass sich der Anteil von Frauen erh\u00f6hen l\u00e4sst. Zum Beispiel auch mit Frauen in der Ausbildung als Vorbildern, mit denen wir im Handwerk werben.WAMS: Bleibt der Anteil der einzelnen Schulabschl\u00fcsse bei den Auszubildenden im Handwerk stabil?Stemmann: Ja, mit unter anderem etwa 20 Prozent Abiturienten, da liegt Hamburg im Bundesvergleich sehr weit vorn. Wichtig ist dabei: Nicht nur Abiturienten, auch Auszubildende mit anderen Schulabschl\u00fcssen k\u00f6nnen ihre Ausbildungen verk\u00fcrzen, wenn sie besonders gute Leistungen zeigen.Seit Mai 2019 f\u00fchrt Hjalmar Stemmann, 61, im Ehrenamt als Pr\u00e4sident die Handwerkskammer Hamburg. Als eine K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts vertritt die Handwerkskammer derzeit rund 15.000 Unternehmen mit mehr als 105.000 Besch\u00e4ftigten. Hauptberuflich betreibt Stemmann zwei Unternehmen in der Branche der Dentaltechnologien. Politisch engagierte er sich unter anderem von 2008 bis 2015 als Abgeordneter in der CDU-Fraktion der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft. Von 2010 bis 2019 war er Landesvorsitzender der Hamburger Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder.Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. 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Das passt \u2013 Hausherr Hjalmar Stemmann, der Kammerpr\u00e4sident, verweist im Gespr\u00e4ch darauf, wie sehr die Technologien zum Klimaschutz die Entwicklung von Berufsbildern im Handwerk beeinflussen. Und welche Karriere derzeit die W\u00e4rmepumpe macht. WELT AM SONNTAG: Herr Stemmann, \u00fcber den Klimaschutz wurde w\u00e4hrend der Zeit der Ampelregierung Ende 2021 bis Anfang 2025 intensiv gestritten. Seit dem Regierungswechsel hin zu Union und SPD im Fr\u00fchjahr ist es um das Thema deutlich ruhiger geworden. Wie nimmt das Handwerk diese Ver\u00e4nderung wahr?Hjalmar Stemmann: Klimaschutz und Klimafolgenanpassung sind im Handwerk extrem pr\u00e4sent. Aus der Politik bekommen wir deutliche Signale daf\u00fcr, dass dort derzeit die H\u00fclle von Geb\u00e4uden nicht mehr die zentrale Rolle spielt, sondern dass st\u00e4rker \u00fcber die Steuerung der Energietr\u00e4ger gegangen wird, \u00fcber CO2-Abgaben und anderes mehr. Um bei der Versorgung von Geb\u00e4uden mit W\u00e4rme und Strom umzusteuern, braucht man zum Beispiel W\u00e4rmepumpen und Solaranlagen. Wer soll diese Anlagen in den H\u00e4usern und auf den D\u00e4chern installieren und montieren, wer soll die vorhandene Technologie abstimmen? Das kann nur das Handwerk machen. Auch bei der Anpassung des Energieverbrauchs in den Geb\u00e4uden ist das Bau- und Ausbauhandwerk mit dabei. Das Malerhandwerk zum Beispiel k\u00fcmmert sich unter anderem zum Beispiel um W\u00e4rmed\u00e4mm-Verbundsysteme, das bleibt wichtig. Installateure betreuen Klima-, W\u00e4rme- und K\u00e4ltetechnik, Dachdecker bereiten D\u00e4cher f\u00fcr moderne Technologien wie Solaranlagen auf, die dann Elektriker wiederum anschlie\u00dfen. Diese Aufz\u00e4hlung k\u00f6nnte ich noch lange fortsetzen.\u00a0WAMS: Die Koalition von SPD, FDP und Gr\u00fcnen ist ma\u00dfgeblich auch am Widerstand gegen Robert Habecks ,Heizungsgesetz\u2018 gescheitert. Ist die W\u00e4rmepumpe, um die es dabei vor allem ging, bei Immobilieneignern tats\u00e4chlich so unbeliebt, wie es in der Debatte einige Jahre lang erschien?Stemmann: Das Handwerk ist bei diesem Gesetz nie einbezogen worden, das war aus unserer Sicht der gr\u00f6\u00dfte ,handwerkliche\u2018 Fehler dabei. Mit der Expertise der Fachhandwerke w\u00e4re dieses Gesetz vern\u00fcnftig aufgestellt worden. Kurze Fristen und absolut zu treffende Entscheidungen waren wesentliche Fehler dieses Gesetzes. Es fehlte die Technologieoffenheit, nicht jedes Haus war damals f\u00fcr eine W\u00e4rmepumpe geeignet. Und das Gesetz kam zu einem Zeitpunkt, zu dem die Industrie f\u00fcr W\u00e4rmepumpen gar nicht lieferf\u00e4hig war. Es gab gro\u00dfe Verz\u00fcge, die Handwerker hatten gar nicht die Anlagen, um sie zu installieren. Ich glaube gar nicht, dass die Bev\u00f6lkerung \u2013 und erst recht nicht das Handwerk per se \u2013 gegen die W\u00e4rmepumpe ist. Es muss nur die richtige W\u00e4rmepumpe f\u00fcr den jeweiligen Geb\u00e4udetyp sein, und es m\u00fcssen die ausgebildeten Handwerker da sein. Da hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan, wir haben bei der Handwerkskammer und in der Innung viele Handwerker fortgebildet, damit die Installationen vern\u00fcnftig funktionieren. Die Installation einer W\u00e4rmepumpe dauert zwei- bis zweieinhalbmal so lange wie die Installation einer Gastherme. Das wird sich im Laufe der Zeit ein wenig anpassen. Vor allem aber m\u00fcssen die W\u00e4rmepumpen viel genauer auf den Haustyp abgestimmt werden. Man muss Anreize f\u00fcr solch eine neue Technologie schaffen und diejenigen mitnehmen, die es betrifft. Dann funktioniert das.WAMS: Sehen die Kunden die W\u00e4rmepumpe heutzutage differenzierter als noch vor zwei, drei Jahren?Stemmann: Auf jeden Fall. Der Druck ist aus dem Thema auch politisch herausgenommen worden. Heutzutage l\u00e4sst sich dar\u00fcber mit den Beteiligten sehr vern\u00fcnftig sprechen. Und es stehen jetzt mehr Ger\u00e4te \u00fcberhaupt erst einmal zur Verf\u00fcgung \u2013 zu Beginn dieser Debatte gab es ein Jahr Wartezeit f\u00fcr solch ein Ger\u00e4t. Das hat sich v\u00f6llig ver\u00e4ndert. Die Industrie hat nachgezogen, das Handwerk ist weiter gut aufgestellt, und das Bewusstsein bei den Immobilienbesitzern hat sich ver\u00e4ndert.WAMS: Viele Geb\u00e4ude bis hin zu Einfamilienh\u00e4usern werden immer mehr zu kleinen Kraftwerken, mithilfe von Fotovoltaikanlagen und auch von leistungsf\u00e4higen Batteriespeichern. Nutzen die Hauseigner und die Handwerker das Potenzial solcher Speichermedien schon ausreichend?Stemmann: Die Handwerker sind dar\u00fcber jedenfalls gut informiert. Wir haben das Energiebauzentrum der Handwerkskammer mit unseren Energielotsen am Elbcampus in Harburg. Da kann man sich sogar einen aus ausgemusterten Autobatterien bestehenden Gro\u00dfspeicher anschauen. Unsere Energieberater gehen in Betriebe, und sie beraten Hauseigent\u00fcmer. Bei den Batteriespeichern ist noch viel Luft nach oben, es gibt noch nicht gen\u00fcgend eingebaute Ger\u00e4te. Ein Ansatz w\u00e4re es, Autobatterien als station\u00e4re Speicher in H\u00e4usern einzusetzen \u2013 und auch, Elektroautos selbst zu Energiespeichern in Verbindung mit H\u00e4usern zu machen. Da wird noch sehr viel passieren. Dass aber nun etwa Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche die Einspeiseverg\u00fctung f\u00fcr kleine Fotovoltaikanlagen infrage stellt, tr\u00e4gt nicht gerade zur Planungssicherheit bei.WAMS: Entstehen durch den Klimaschutz und die damit verbundenen Technologien aus Ihrer Sicht viele neue Berufsbilder im Handwerk?Stemmann: Es ist eher so, dass sich die Handwerksunternehmen weiterentwickeln. Vor zehn Jahren gab es kaum Elektromobilit\u00e4t und noch sehr wenige E-Auto-Modelle. Das zog dann an, und Hamburg war die erste Stadt, in der eine Kfz-Innung ein Kompetenzzentrum f\u00fcr Elektromobilit\u00e4t aufgebaut hat. Heute lernen KfZ-Azubis ganz selbstverst\u00e4ndlich die Arbeit mit Hochvoltsystemen. Jeder ausgelernte Geselle kennt sich heute mit Elektroantrieben aus. Diese inhaltlichen Ver\u00e4nderungen und Weiterentwicklungen gibt es nat\u00fcrlich auch in etlichen anderen Gewerken, vom Elektrohandwerk bis hin zur Klima- und Sanit\u00e4rtechnik. Lerninhalte, Gesellen- und Meisterpr\u00fcfungen werden st\u00e4ndig an die Entwicklungen angepasst.WAMS: Dadurch werden Berufsbilder anspruchsvoller und spannender.Stemmann: Absolut. Sanit\u00e4r, Heizung, Klima hat zwar immer noch etwas mit Rohren, Toiletten und Waschbecken zu tun, aber eben auch mit der Installation von hochtechnologischen Heizungen, W\u00e4rmepumpen, Fotovoltaiksystemen und Warmwasserspeichern. Das ist schon eine kleine Raketenwissenschaft.WAMS: Wie kann das Handwerk in den kommenden Jahren in der Stadt noch sichtbarer werden?Stemmann: Auf ganz unterschiedlichen Wegen, zum Beispiel mit privaten Handwerkerh\u00f6fen, in denen sich mehrere Betriebe zusammentun. Wir achten darauf, dass Handwerkerh\u00f6fe verst\u00e4rkt auch auf Konversionsfl\u00e4chen entstehen k\u00f6nnen, wie etwa auf dem Holsten-Areal in Altona. Das Handwerk darf nicht aus der Stadt verschwinden. Rund um die alte Holsten-Brauerei zum Beispiel gab es auf dem Gel\u00e4nde fr\u00fcher zig Werkst\u00e4tten von Handwerksunternehmen, die speziell f\u00fcr Holsten gearbeitet haben, um Maschinen und Anlagen zu warten. Sie waren in Altona ein Teil des Stadtbildes. Wenn solch ein Quartier wie das Holsten-Areal oder auch Oberbillwerder neu entwickelt wird, darf es nicht sein, dass dort kein Handwerk mit dabei ist. Handwerk muss in den Quartieren sein, und wir m\u00fcssen wieder in die Innenstadt zur\u00fcck, wenn die Innenstadt neu belebt werden soll.\u00a0WAMS: Wie funktionieren die \u2013 aktuell in Hamburg neun \u2013 Handwerkerh\u00f6fe, haben diese Einrichtungen ausreichend \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit?Stemmann: Es gibt ja auch Handwerkerh\u00f6fe ohne Publikumsverkehr. Die Betriebe haben dort ihre B\u00fcros, Lager und vorbereitenden Werkst\u00e4tten. Andere Handwerkerh\u00f6fe wiederum haben Publikumsverkehr, weil dort auch Werkst\u00e4tten sind, in die Menschen Ger\u00e4te oder Fahrzeuge zur Reparatur bringen. In der Meistermeile in Eimsb\u00fcttel zum Beispiel hat sich viel untereinander entwickelt \u2013 wenn der Zimmermann die Kapelle auf dem Friedhof in Niendorf renoviert, gibt er dem Malerbetrieb im Handwerkerhof den Hinweis, dass dort auch ein Maler gebraucht wird \u2013 und vermittelt ihn auch noch an die Friedhofsverwaltung. Oder die Gewerke tauschen bei Bedarf Material zu fairen Preisen untereinander aus.\u00a0WAMS: Die Handwerksbetriebe m\u00fcssen aber auch verst\u00e4rkt in die Wohnquartiere selbst gehen.Stemmann: Die Handwerkerh\u00f6fe sind nur eine Antwort darauf, dass aus klassischen Handwerksquartieren an vielen Stellen Wohnquartiere gemacht wurden. Wenn es eine wohnortnahe Versorgung mit Handwerksleistungen geben soll, m\u00fcssen die Unternehmen nat\u00fcrlich verst\u00e4rkt auch wieder in den Quartieren selbst angesiedelt werden, schon deshalb, weil es ja ein gesellschaftliches Ziel ist, Autoverkehre zu reduzieren. Wir w\u00fcnschen uns sehr, dass Projekte f\u00fcr Handwerksunternehmen mit mehr Nachdruck verfolgt werden \u2013 und dass es tats\u00e4chlich auch eine echte Kompensation f\u00fcr die Handwerksunternehmen gibt, wenn Gewerbegebiet in Wohngebiet umgewandelt wird.WAMS: K\u00f6nnen Handwerksunternehmen mit Ladenlokalen in der Innenstadt wettbewerbsf\u00e4hig bestehen?Stemmann: Ein Schuster oder eine kleine B\u00e4ckerei kann nicht dieselben Mieten zahlen wie ein Filialunternehmen etwa des Einzelhandels. Daf\u00fcr m\u00fcssen schon entsprechende Mieten aufgerufen werden. Und es muss nat\u00fcrlich eine Bereitschaft der Kunden da sein, Schuhe reparieren zu lassen, wenn ein Schuster im lokalen Einzugsgebiet wirtschaftlich erfolgreich arbeiten soll.WAMS: Welchen Beitrag kann K\u00fcnstliche Intelligenz in absehbarer Zeit leisten, um Handwerksunternehmen wirtschaftlich zu st\u00e4rken?Stemmann: Es gibt schon viele KI-L\u00f6sungen, die auf die Anwendungen im Handwerk spezialisiert sind \u2013 nehmen wir zum Beispiel die elektronische Vermessung von R\u00e4umen oder auch Drohnenfl\u00fcge f\u00fcr die Vermessung von D\u00e4chern. K\u00fcnstliche Intelligenz kann aufgenommene Scans vervollst\u00e4ndigen, Arbeitsabschnitte und das Endergebnis vorausschauend visualisieren. Auch in den Gesundheitshandwerken macht das Sinn: beim Vermessen von Fu\u00dfsohlen bis zur Analyse von Zahnaufstellungen oder dem Vermessen von Augen. Die Industrie bietet dem Handwerk da sehr viele M\u00f6glichkeiten, die Handwerksunternehmen entwickeln diese modernen elektronischen Werkzeuge, darunter viele mit KI-Unterst\u00fctzung, auch selbst weiter und geben den Herstellern entsprechende R\u00fcckmeldungen.\u00a0WAMS: Digitalisierung und KI ersetzen das Handwerk aber nicht.Stemmann: Meine gro\u00dfe Hoffnung ist, dass Digitalisierung und K\u00fcnstliche Intelligenz einen gro\u00dfen Beitrag dazu leisten k\u00f6nnen, den wachsenden Mangel an Fachkr\u00e4ften auszugleichen. Auch im Handwerk geht die Generation der Babyboomer jetzt allm\u00e4hlich in Rente, mit enorm viel Wissen. Dieses Wissen kann in KI-Systeme eingelernt und so an die n\u00e4chste Generation weitergegeben werden. Sicher aber ist: Am Ende muss gebohrt, geschraubt, der Pinsel geschwungen und etwas hergestellt werden, um den Menschen zu dienen.WAMS: Aber Verwaltungsaufgaben lassen sich digital verbessern.Stemmann: Das ist schon in erheblichem Ma\u00dfe so, von der Angebotserstellung bis zur Buchhaltung. Zunehmend sind Betriebe auch mit Tablets und Smartphones unterwegs, und die KI liest aus dem Foto heraus, was vor Ort getan worden ist. Oder die KI sagt nach dem Kamerablick in die Werkzeugtasche oder in den Montagewagen rechtzeitig vor Abfahrt, welches am Einsatzort ben\u00f6tigte Werkzeug noch fehlt.WAMS: Das Schuljahr ist inzwischen abgelaufen. Wissen Sie schon, ob die L\u00fccke von Angebot und Nachfrage bei den Lehrstellen im Hamburger Handwerk eher gr\u00f6\u00dfer oder kleiner wird?Stemmann: Im Moment wissen wir es noch nicht, weil sich viele junge Menschen tendenziell sp\u00e4ter entscheiden, was sie nach dem Abschluss der allgemeinbildenden Schule tun wollen. Ein klareres Bild ergibt sich heutzutage eher Anfang Oktober als im August. Noch haben wir f\u00fcr dieses Ausbildungsjahr mehr als 400 Ausbildungsstellen offen \u2013 und schon mehr als 850 f\u00fcr den Start im Sommer 2026. Wir haben immer noch eine L\u00fccke im Vergleich zu unseren guten Ausbildungszahlen in der Zeit vor der Pandemie, also bis 2019. Wir arbeiten uns langsam aus dem ,Corona-Tal\u2018 heraus. Von 2015 bis 2019 spielten \u00fcbrigens junge Menschen mit Migrationshintergrund bei den hohen Ausbildungszahlen eine ganz besondere Rolle.\u00a0WAMS: Wird es f\u00fcr die Unternehmen wieder schwieriger, junge Menschen f\u00fcr das Handwerk zu begeistern?Stemmann: Die Studienneigung nimmt weiter zu und zugleich auch das Durchlavieren in angelernten Jobs \u2013 speziell die aber sind eine Sackgasse, aus der man sp\u00e4ter nur sehr schwer wieder herauskommt. Man verdient als junger Mensch anfangs wom\u00f6glich schnell mehr als ein Auszubildender, wird aber nach einigen Jahren von gut ausgebildeten Menschen zwangsl\u00e4ufig abgeh\u00e4ngt.WAMS: Wie werden sich Angebot und Nachfrage bei den Ausbildungspl\u00e4tzen mittelfristig entwickeln?\u00a0Stemmann: Die L\u00fccke wird kleiner, wir haben aber nach wie vor deutlich mehr Ausbildungspl\u00e4tze im Handwerk als Bewerber daf\u00fcr. Etwa 25 Prozent unserer Ausbildungsbetriebe meldeten uns in einer Umfrage, dass sie keine einzige ihrer Lehrstellen besetzen konnten. \u00a0WAMS: Das Handwerk k\u00f6nnte mehr Frauen f\u00fcr die Ausbildung gewinnen.Stemmann: Das w\u00fcnsche ich mir ganz pers\u00f6nlich, und es ist ein gro\u00dfes Ziel des Handwerks generell. Mit derzeit knapp unter 19 Prozent der Lehrstellen im Handwerk insgesamt liegt Hamburg bundesweit leicht vorn, doch das reicht trotzdem l\u00e4ngst nicht aus. Da ist noch sehr viel Luft nach oben. In die klassischen M\u00e4nnerhandwerke wie die Kfz-Mechatronik oder bei den Zimmerern gehen nicht so viele Frauen. Gerade habe ich einige der Meisterbriefe f\u00fcr die Zimmerleute unterschrieben \u2013 von etwa 20 Urkunden war nur eine einzige f\u00fcr eine Frau. Bei den Ausbildungsergebnissen in solchen Gewerken belegen in Landes- oder Bundesvergleichen aber gerade Frauen h\u00e4ufig die Spitzenpl\u00e4tze. Wir wissen \u2013 und ich wei\u00df es von meiner eigenen Mutter im Zahntechnik-Gewerk mit Blick auf die 1950er-Jahre \u2013, dass sich der Anteil von Frauen erh\u00f6hen l\u00e4sst. Zum Beispiel auch mit Frauen in der Ausbildung als Vorbildern, mit denen wir im Handwerk werben.WAMS: Bleibt der Anteil der einzelnen Schulabschl\u00fcsse bei den Auszubildenden im Handwerk stabil?Stemmann: Ja, mit unter anderem etwa 20 Prozent Abiturienten, da liegt Hamburg im Bundesvergleich sehr weit vorn. Wichtig ist dabei: Nicht nur Abiturienten, auch Auszubildende mit anderen Schulabschl\u00fcssen k\u00f6nnen ihre Ausbildungen verk\u00fcrzen, wenn sie besonders gute Leistungen zeigen.Seit Mai 2019 f\u00fchrt Hjalmar Stemmann, 61, im Ehrenamt als Pr\u00e4sident die Handwerkskammer Hamburg. Als eine K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts vertritt die Handwerkskammer derzeit rund 15.000 Unternehmen mit mehr als 105.000 Besch\u00e4ftigten. Hauptberuflich betreibt Stemmann zwei Unternehmen in der Branche der Dentaltechnologien. Politisch engagierte er sich unter anderem von 2008 bis 2015 als Abgeordneter in der CDU-Fraktion der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft. Von 2010 bis 2019 war er Landesvorsitzender der Hamburger Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder.Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Die Energiewirtschaft und auch das regionale Handwerk z\u00e4hlen zu seinen Schwerpunktthemen.","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/uber-warmepumpen-kann-man-jetzt-vernunftig-sprechen\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/vof-news.eu\/de\/uber-warmepumpen-kann-man-jetzt-vernunftig-sprechen\/"]}]},{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/uber-warmepumpen-kann-man-jetzt-vernunftig-sprechen\/#primaryimage","url":"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/hjalmar-stemmann.webp","contentUrl":"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/hjalmar-stemmann.webp","width":1200,"height":574},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/uber-warmepumpen-kann-man-jetzt-vernunftig-sprechen\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Home","item":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"\u201e\u00dcber W\u00e4rmepumpen kann man jetzt vern\u00fcnftig sprechen\u201c"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#website","url":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/","name":"vof-news.eu","description":"","potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/?s={search_term_string}"},"query-input":"required name=search_term_string"}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Person","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#\/schema\/person\/f6a2a4309f0561835797fd8c19b333ed","name":"Author","image":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#\/schema\/person\/image\/","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b67e614b1b25b3e9c0c239efdd2fde5ab015b5affd6f1c3c85911ca4b384e790?s=96&d=mm&r=g","contentUrl":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b67e614b1b25b3e9c0c239efdd2fde5ab015b5affd6f1c3c85911ca4b384e790?s=96&d=mm&r=g","caption":"Author"},"sameAs":["http:\/\/vof-news.eu"],"url":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/author\/zwt6qxnjulxbnyg\/"}]}},"yoast_meta":{"yoast_wpseo_title":"","yoast_wpseo_metadesc":"","yoast_wpseo_canonical":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/265410","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=265410"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/265410\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":265417,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/265410\/revisions\/265417"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/265411"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=265410"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=265410"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=265410"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}