{"id":264341,"date":"2025-08-13T09:28:09","date_gmt":"2025-08-13T06:28:09","guid":{"rendered":"https:\/\/vof-news.eu\/schwach-war-europa-gestern\/"},"modified":"2025-08-13T09:29:28","modified_gmt":"2025-08-13T06:29:28","slug":"schwach-war-europa-gestern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/schwach-war-europa-gestern\/","title":{"rendered":"Schwach war Europa gestern"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Europa ist gro\u00df darin, sich kleinzumachen. Das zeigt sich einmal mehr in diesen Tagen. Die Europ\u00e4er seien nicht vertreten, wenn <span><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/donald-trump\" rel=\"nofollow\">Donald Trump<\/a><\/span> und Wladimir Putin am Freitag zusammenkommen, hei\u00dft es. Aus der Ferne m\u00fcssten Merz, Macron und ihre Kollegen dabei zusehen, wie in Alaska \u00fcber das Schicksal der Ukraine gesprochen wird. Ohnm\u00e4chtig verfolgen, wie der amerikanische und der russische Pr\u00e4sident \u00fcber die Zukunft ihres Kontinents bestimmen.\u00a0\n<\/p>\n<p>Europa und die Europ\u00e4ische Union am Katzentisch der Weltgeschichte, planlos, machtlos, uneins \u2013 dieses Bild hat sich in vielen K\u00f6pfen festgesetzt. Nur stimmt es auch?\u00a0\u00a0\n<\/p>\n<p><span><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/russland\" rel=\"nofollow\">Russlands<\/a><\/span> Angriff auf die Ukraine hat den Europ\u00e4ern auf brutalst m\u00f6gliche Weise vor Augen gef\u00fchrt, wie verwundbar sie sind. Wie wenig sie sich in den zur\u00fcckliegenden Jahrzehnten um ihre eigene Sicherheit gesorgt haben. Wie sehr sie nach wie vor vom guten Willen (Biden) und den Launen (Trump) der USA abh\u00e4ngen. Die vergangenen drei Jahre haben aber auch gezeigt, wozu dieses Europa in der Lage ist, wenn es sich selbst und die eigene Bedrohung endlich ernst nimmt. Vielleicht ist es deshalb an der Zeit, bevor sich alle Augen wieder auf Trump und Putin richten, einige Annahmen \u00fcber Europa und die Europ\u00e4ische Union zu korrigieren.\u00a0\n<\/p>\n<p>Ist Europa uneins? Seit Wladimir Putin im Februar 2022 einen offenen Krieg er\u00f6ffnet hat, setzt er darauf, die Ukraine zu zerm\u00fcrben und Europa zu spalten. Bislang ist ihm weder das eine noch das andere gelungen. Viele Ukrainerinnen und Ukrainer sind vom Krieg ersch\u00f6pft, die Bereitschaft zu Zugest\u00e4ndnissen an Russland w\u00e4chst. Aber die besetzten Gebiete aufzugeben, ist nach wie vor <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-08\/gipfeltreffen-alaska-donald-trump-wladimir-putin-ukraine-gebietsforderungen\" rel=\"nofollow\">keine Option<\/a>. Genauso entschlossen beharren die Staats- und Regierungschefs der Europ\u00e4ischen Union\u00a0<a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/en\/press\/press-releases\/2025\/08\/12\/statement-by-european-union-leaders-on-ukraine\/\" rel=\"nofollow\">in ihrer j\u00fcngsten Erkl\u00e4rung<\/a> auf der &#8222;territorialen Integrit\u00e4t&#8220; und dem Selbstbestimmungsrecht der Ukraine. Insgesamt 18 Sanktionspakete hat die <span><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/europaeische-union\" rel=\"nofollow\">EU<\/a><\/span> seit 2022 gegen Russland beschlossen; lenkt Putin nicht ein, wollen sie den Druck noch einmal erh\u00f6hen.\u00a0\u00a0\n<\/p>\n<p>Trotz der Zweifel und Diskussionen in vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern agiert die Union in der Auseinandersetzung mit Russland erstaunlich geschlossen. \u00c4hnlich ist es im Umgang mit Trump. Der einzige Regierungschef, der sich dem europ\u00e4ischen Konsens regelm\u00e4\u00dfig verweigert, ist Viktor Orb\u00e1n. Aber der notorische Widerspruch des Ungarn ist kein Beleg daf\u00fcr, dass die EU uneins w\u00e4re. Er unterstreicht, im Gegenteil, wie geeint die anderen 26 Staats- und Regierungschefs in diesem Konflikt auftreten. In deren j\u00fcngster Erkl\u00e4rung wird der ungarische Dissens nur noch als Fu\u00dfnote erw\u00e4hnt.\u00a0\u00a0\n<\/p>\n<h2>Das Bild vom Katzentisch kann man vergessen<\/h2>\n<p>Ist Europa planlos? Seit Donald Trump wieder in Washington, D. C. regiert, haben Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron und Keir Starmer, der britische Premierminister, die diplomatische Initiative ergriffen. Seit dem Regierungswechsel in Berlin geh\u00f6rt auch Friedrich Merz zum Club. Die drei koordinieren ihre Ukrainepolitik so eng wie m\u00f6glich; im Mai sind Merz, Macron und Starmer <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/ausland\/friedrich-merz-besucht-mit-macron-und-starmer-kiew-35711164.html\" rel=\"nofollow\">zusammen nach Kyjiw gereist<\/a>; gemeinsam versuchen sie auch, auf Trump einzuwirken. Ihr Stil mag dabei unterschiedlich sein, ihre Botschaften an den US-Pr\u00e4sidenten sind stets dieselben: kein Deal ohne die <span><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/ukraine-krieg-russland-newsblog-live\" rel=\"nofollow\">Ukraine<\/a><\/span>; keine ernsthaften Verhandlungen ohne einen Waffenstillstand; kein Friedensschluss ohne Sicherheitsgarantien. Und: bitte mehr Druck auf Russland.\u00a0\u00a0\n<\/p>\n<p>An diesem Mittwoch beraten Europas Staats- und Regierungschefs in einer Reihe von Videokonferenzen unter anderem mit Trump. Wie weit sich der amerikanische Pr\u00e4sident von den versammelten Europ\u00e4ern beeinflussen l\u00e4sst, ist ungewiss, wie alles bei ihm. Aber anders als Trump haben Merz, Macron und Starmer eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie der Krieg in der Ukraine beendet werden k\u00f6nnte \u2013 und wie nicht.\u00a0\u00a0\n<\/p>\n<p>Ist Europa machtlos? Ohne die Unterst\u00fctzung der USA h\u00e4tte sich die Ukraine nicht gegen die russischen Angriffe verteidigen k\u00f6nnen. Bis heute ist sie auf die Erkenntnisse der amerikanischen Nachrichtendienste angewiesen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die meisten anderen europ\u00e4ischen L\u00e4nder. Das ist eine bittere Erkenntnis \u2013 und der wesentliche Grund daf\u00fcr, warum die Europ\u00e4er sich trotz allem so sehr um Trump bem\u00fchen.\u00a0\u00a0\n<\/p>\n<p>Aber Europa hat angefangen aufzur\u00fcsten, das zeigt sich auch in der Unterst\u00fctzung der Ukraine. Mittlerweile haben die europ\u00e4ischen L\u00e4nder mehr Geld f\u00fcr Waffenlieferungen an das Land <a href=\"https:\/\/www.ifw-kiel.de\/publications\/news\/ukraine-support-europe-largely-fills-the-us-aid-withdrawal-lead-byn-the-nordics-and-the-uk\/\" rel=\"nofollow\">ausgegeben als die USA<\/a>. Noch gr\u00f6\u00dfer ist der europ\u00e4ische Anteil, wenn man humanit\u00e4re und finanzielle Hilfen mit einbezieht. Nach den j\u00fcngsten Berechnungen des Kieler Instituts f\u00fcr Weltwirtschaft hat Europa <a href=\"https:\/\/www.ifw-kiel.de\/topics\/war-against-ukraine\/ukraine-support-tracker\/\" rel=\"nofollow\">die Ukraine bislang mit 167,4 Milliarden Euro unterst\u00fctzt<\/a>; die USA haben insgesamt 114,6 Milliarden Euro gezahlt.\u00a0 \u00a0\n<\/p>\n<p>Die milit\u00e4rischen und finanziellen Gewichte, so viel steht fest, werden sich weiter verschieben. Die Europ\u00e4er werden k\u00fcnftig noch mehr Verantwortung in der Ukraine \u00fcbernehmen m\u00fcssen \u2013 erst recht, wenn der Krieg einmal endet. Macron und Starmer haben deshalb schon vor Monaten begonnen, eine &#8222;Koalition der Willigen&#8220; zu versammeln, die bereit w\u00e4re, etwa eine Demarkationslinie in der Ukraine mit eigenen Soldaten zu sch\u00fctzen. Deutsche Firmen investieren schon jetzt in den Wiederaufbau des zerst\u00f6rten Landes. Dadurch entsteht eine paradoxe Situation: Trump mag am Freitag zun\u00e4chst allein mit <span><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/wladimir-putin\" rel=\"nofollow\">Putin<\/a><\/span> verhandeln. Aber wenn er ernsthaft etwas erreichen will, braucht er das Engagement der Europ\u00e4er.\u00a0 \u00a0\u00a0\n<\/p>\n<p>In Alaska ist Europa nicht vertreten. Aber in der Auseinandersetzung mit Russland zeigen sich seine Verantwortlichen so entschlossen wie selten zuvor. Das Bild vom Katzentisch kann man vergessen.\n<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Europa ist gro\u00df darin, sich kleinzumachen. Das zeigt sich einmal mehr in diesen Tagen. Die Europ\u00e4er seien nicht vertreten, wenn Donald Trump und Wladimir Putin am Freitag zusammenkommen, hei\u00dft es. Aus der Ferne m\u00fcssten Merz, Macron und ihre Kollegen dabei zusehen, wie in Alaska \u00fcber das Schicksal der Ukraine gesprochen wird. 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