{"id":257610,"date":"2025-07-22T23:26:10","date_gmt":"2025-07-22T20:26:10","guid":{"rendered":"https:\/\/vof-news.eu\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/"},"modified":"2025-07-22T23:26:38","modified_gmt":"2025-07-22T20:26:38","slug":"historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/","title":{"rendered":"\u201eHistorisches Minus\u201c \u2013 das deutsche Bier-Fiasko"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland ist nicht mehr Europameister im Bierbrauen. Russland hat sich 2024 an die kontinentale Spitze gesetzt. Das zeigt der aktuelle BarthHaas-Bericht zur Weltbierproduktion, den der weltgr\u00f6\u00dfte Hopfenh\u00e4ndler aus N\u00fcrnberg jedes Jahr ver\u00f6ffentlicht. W\u00e4hrend hierzulande nur noch 83,93 Millionen Hektoliter gebraut wurden und damit 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr, gab es in Russland ein deutliches Plus von fast neun Prozent auf 90,83 Millionen Hektoliter. Damit verdr\u00e4ngen die russischen Brauer ihre deutschen Konkurrenten auch aus den Top-5 der weltweit gr\u00f6\u00dften Biernationen. Hinter China, den USA, Brasilien, Mexiko und eben Russland liegt die Bundesrepublik jetzt nur noch auf Platz sechs. <\/p>\n<p>Grund f\u00fcr die Verschiebung ist nicht zuletzt der Ukraine-Krieg. Denn aufgrund von Sanktionen wurde deutlich weniger Bier nach Russland exportiert und daraus folgend die dortige Inlandsproduktion entsprechend angeschoben, wie BarthHaas-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Thomas Raiser im WELT-Gespr\u00e4ch beschreibt. Zugleich haben sich gro\u00dfe Braukonzerne aus dem Land verabschiedet und Beteiligungen abgegeben. <\/p>\n<p>Mit Baltika und OPH Vereinigte Brauereien stehen daher 2024 auch erstmals seit Jahren wieder zwei russische <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/bier\/\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/bier\/\">Bier<\/a>-Hersteller in der von BarthHaas erhobenen Liste der 40 gr\u00f6\u00dften Brauereien der Welt. Baltika etwa, mit Rang zw\u00f6lf weit vor den gr\u00f6\u00dften deutschen Anbietern postiert, war lange Zeit Teil des d\u00e4nischen Branchenriesen Carlsberg, ist mittlerweile aber verstaatlicht. OPH wiederum, einst eine Beteiligung des weltweit zweitgr\u00f6\u00dften Braukonzerns Heineken, wird auf Platz 24 gef\u00fchrt, kurz hinter Deutschlands Marktf\u00fchrer Radeberger Gruppe. <\/p>\n<p>Was den russischen Markt f\u00fcr die Gro\u00dfkonzerne attraktiv gemacht hat, ist der steigende Konsum. \u201eIn Russland hat sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine starke Bierindustrie aufgebaut\u201c, berichtet Raiser. Das Land sei also nicht erst im letzten Jahr aufs Bier gekommen. Wachstum gebe es dort schon seit den 1990er-Jahren.<\/p>\n<p>Anders in Deutschland. Seit Jahrzehnten schon ist der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article255330686\/Konsum-Historischer-Tiefpunkt-der-Bier-Nation-Deutschland.html\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article255330686\/Konsum-Historischer-Tiefpunkt-der-Bier-Nation-Deutschland.html\">Bierkonsum hierzulande<\/a> r\u00fcckl\u00e4ufig. Gr\u00fcnde sind unter anderem die demographische Entwicklung, ver\u00e4nderte Konsumgewohnheiten, der Wettbewerb durch immer mehr andere Getr\u00e4nke, aber auch eine sinkende Kaufkraft in den wirtschaftlich anhaltend schwierigen Zeiten. <\/p>\n<p>2025 droht daher zum schw\u00e4chsten Bier-Jahr \u00fcberhaupt zu werden in Deutschland. Von Januar bis Mai ist die Nachfrage bereits um fast sieben Prozent eingebrochen auf 34,1 Millionen Hektoliter. Das ist der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung. <\/p>\n<p>Volker Kuhl, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Gro\u00dfbrauerei Veltins, spricht daher von einem \u201ehistorischen Minus\u201c und von einem \u201eKampf f\u00fcr viele Brauereien\u201c. Denn aufzuholen seien die Verluste nicht mehr im weiteren Jahresverlauf. Kuhl rechnet daher mit einer Konsolidierung. \u201eBei einem Marktminus, wie wir es aktuell haben, und zugleich zunehmenden Kosten, wird es Brauereien geben, die das nicht \u00fcberleben\u201c, prognostiziert der Experte sichtbare strukturelle Ver\u00e4nderungen. \u201eWir werden zwangsl\u00e4ufig sehen, dass Brauereien aufgeben oder verkauft werden.\u201c<\/p>\n<p>Das bef\u00fcrchtet auch BarthHaas-Chef Raiser, dessen Unternehmen die gro\u00dfe Mehrzahl der Brauereien hierzulande mit Hopfen versorgt, was ihm einen tiefen Einblick in die aktuelle Lage der Branche verschafft. \u201eDie nachgefragte Menge und auch die Mengen, die wir dann tats\u00e4chlich ausliefern, sinken sp\u00fcrbar\u201c, berichtet der Experte. <\/p>\n<p>Viele Betriebe w\u00fcrden weniger Hopfen abnehmen als vorher bestellt und vertraglich festgelegt. \u201eWir wissen, dass mittelst\u00e4ndische Brauereien unter einem enormen Druck stehen\u201c, sagt Raiser und verweist auf den aggressiven Preiswettbewerb in Deutschland. \u201eEs scheiden ja auch j\u00e4hrlich Brauereien aus dem Markt aus.\u201c Manche h\u00e4tte noch das Gl\u00fcck, \u00fcbernommen zu werden. Die Chancen auf einen Verkauf w\u00fcrden aber zunehmend sinken. \u201eIch glaube schon, dass es berechtigt ist, von einer weiteren Konsolidierung auszugehen in den n\u00e4chsten Jahren.\u201c <\/p>\n<h3>Deutschland ist wieder Hopfen-Weltmeister<\/h3>\n<p>Aktuellstes Beispiel ist eine geplante Standortschlie\u00dfung bei <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/niedersachsen\/article687e6376232ed33c4173abd9\/Oettinger-will-Bierproduktion-in-Braunschweig-beenden.html\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/niedersachsen\/article687e6376232ed33c4173abd9\/Oettinger-will-Bierproduktion-in-Braunschweig-beenden.html\">Oettinger<\/a>. Der Billigbrauer, dessen Aussto\u00df im vergangenen Jahr um stattliche zw\u00f6lf Prozent eingebrochen ist, k\u00e4mpft mit \u00dcberkapazit\u00e4ten und will deswegen seine Produktion in Braunschweig schlie\u00dfen. Nur noch Teile der Logistik und der Materialwirtschaft sollen dort verbleiben. Betroffen sind rund 150 Mitarbeiter. <\/p>\n<p>Bei Oettinger sei der Absatz mittlerweile auf das Niveau von vor \u00fcber 20 Jahren gesunken, begr\u00fcndet Brauereichef Stefan Blaschak die Entscheidung. \u201eEin Abbau unserer hauseigenen \u00dcberkapazit\u00e4ten ist unvermeidlich.\u201c Dass es Braunschweig treffe, liege auch am Alter der Anlagen dort. \u201eDie sind \u00e4lter als an anderen Standorten und h\u00e4tten zeitnah einer umfassenden General\u00fcberholung bedurft\u201c, sagt Blaschak. Vor drei Jahren hatte sich Oettinger bereits vom <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/thueringen\/article239241519\/Oettinger-Brauerei-schliesst-Standort-Gotha-Bestuerzung.html\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/thueringen\/article239241519\/Oettinger-Brauerei-schliesst-Standort-Gotha-Bestuerzung.html\">Standort Gotha<\/a> in Th\u00fcringen getrennt. \u00dcbrig bleiben jetzt noch Oettingen und M\u00f6nchengladbach.<\/p>\n<p>Aber auch in den Wochen davor gab es bereits regelm\u00e4\u00dfige Meldungen von Betriebsaufgaben und Insolvenzen kleinerer Brauereien \u2013 eine Entwicklung, die auch Auswirkungen auf die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/hopfen\/\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/hopfen\/\">Hopfenbranche<\/a> hat, deren Produkt f\u00fcr die bittere Note im Bier sorgt. So sinkt hierzulande schon seit Jahren die Zahl der Anbaubetriebe, zuletzt sogar auf unter 1000. Laut dem Verband Deutscher Hopfenpflanzer ist das ein historischer Tiefststand. Zum Vergleich: Vor 15 Jahren hab es laut BarthHaas noch 1435 Betriebe in den heimischen Anbaugebieten wie Hallertau, Tettnang oder Elbe-Saale.<\/p>\n<p>Trotzdem war Deutschland 2024 erstmals seit neun Jahren wieder das gr\u00f6\u00dfte Hopfenanbauland der Welt. Dass der langj\u00e4hrige Spitzenreiter USA \u00fcberholt werden konnte, liegt an der umfangreichen Stilllegung von Fl\u00e4chen in Amerika. Auf 18.513 Hektar wurde dort Hopfen angebaut, ein Minus von fast 20 Prozent. Grund ist vor allem die Krise beim Craftbeer, f\u00fcr das viel und vor allem besonderer Hopfen gebraucht wird, auf den sich viele Pflanzer in den USA spezialisiert hatten. <\/p>\n<p>In Deutschland dagegen wird haupts\u00e4chlich die Hopfen-Sorte Herkules angebaut, die f\u00fcr das klassische Pils und f\u00fcr die zunehmend beliebten milden Biersorten Helles und Lager genutzt wird. \u201eDas spielt den Betrieben derzeit noch in die Karten\u201c, sagt Vermarkter Raiser, dessen Firma Hopfen von Bayern aus in \u00fcber 100 L\u00e4nder verkauft. <\/p>\n<p>Gleichwohl gibt es angesichts der immer gr\u00f6\u00dfer werden Krise bei den Brauereien eine strategische \u00dcberversorgung. Und das nicht erst bei der Ernte 2024. BarthHaas rechnet daher schon bald auch in Deutschland, das rund 75 Prozent seines Hopfens exportiert, mit einem deutlichen Fl\u00e4chenr\u00fcckgang. Denn zum einen w\u00fcrden mit der Ernte 2025 viele Abnahmevertr\u00e4ge auslaufen, zum anderen seien die Preise unter Druck. Auf dem Spotmarkt zum Beispiel ist Hopfen mittlerweile \u00fcber 50 Prozent billiger geworden. <\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" data-internal-tracking='{\"action\":\"click\",\"label\":\"link\",\"name\":\"Inline Element\",\"data\":{\"source\":\"\",\"target\":\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/carsten-dierig\/\",\"trackingName\":\"\",\"trackingLabel\":\"\"}}' data-internal-tracking-enabled=\"true\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/carsten-dierig\/\"><em><b>Carsten Dierig<\/b><\/em><\/a><em><b> ist Wirtschaftsredakteur in D\u00fcsseldorf. Er berichtet \u00fcber Handel und Konsumg\u00fcter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.<\/b><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland ist nicht mehr Europameister im Bierbrauen. Russland hat sich 2024 an die kontinentale Spitze gesetzt. Das zeigt der aktuelle BarthHaas-Bericht zur Weltbierproduktion, den der weltgr\u00f6\u00dfte Hopfenh\u00e4ndler aus N\u00fcrnberg jedes Jahr ver\u00f6ffentlicht. W\u00e4hrend hierzulande nur noch 83,93 Millionen Hektoliter gebraut wurden und damit 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr, gab es in Russland ein deutliches<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":257611,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[59],"tags":[],"class_list":["post-257610","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-business-de"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v22.9 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>\u201eHistorisches Minus\u201c \u2013 das deutsche Bier-Fiasko - vof-news.eu<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Deutschland ist nicht mehr Europameister im Bierbrauen. Russland hat sich 2024 an die kontinentale Spitze gesetzt. Das zeigt der aktuelle BarthHaas-Bericht zur Weltbierproduktion, den der weltgr\u00f6\u00dfte Hopfenh\u00e4ndler aus N\u00fcrnberg jedes Jahr ver\u00f6ffentlicht. W\u00e4hrend hierzulande nur noch 83,93 Millionen Hektoliter gebraut wurden und damit 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr, gab es in Russland ein deutliches Plus von fast neun Prozent auf 90,83 Millionen Hektoliter. Damit verdr\u00e4ngen die russischen Brauer ihre deutschen Konkurrenten auch aus den Top-5 der weltweit gr\u00f6\u00dften Biernationen. Hinter China, den USA, Brasilien, Mexiko und eben Russland liegt die Bundesrepublik jetzt nur noch auf Platz sechs. Grund f\u00fcr die Verschiebung ist nicht zuletzt der Ukraine-Krieg. Denn aufgrund von Sanktionen wurde deutlich weniger Bier nach Russland exportiert und daraus folgend die dortige Inlandsproduktion entsprechend angeschoben, wie BarthHaas-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Thomas Raiser im WELT-Gespr\u00e4ch beschreibt. Zugleich haben sich gro\u00dfe Braukonzerne aus dem Land verabschiedet und Beteiligungen abgegeben. Mit Baltika und OPH Vereinigte Brauereien stehen daher 2024 auch erstmals seit Jahren wieder zwei russische Bier-Hersteller in der von BarthHaas erhobenen Liste der 40 gr\u00f6\u00dften Brauereien der Welt. Baltika etwa, mit Rang zw\u00f6lf weit vor den gr\u00f6\u00dften deutschen Anbietern postiert, war lange Zeit Teil des d\u00e4nischen Branchenriesen Carlsberg, ist mittlerweile aber verstaatlicht. OPH wiederum, einst eine Beteiligung des weltweit zweitgr\u00f6\u00dften Braukonzerns Heineken, wird auf Platz 24 gef\u00fchrt, kurz hinter Deutschlands Marktf\u00fchrer Radeberger Gruppe. Was den russischen Markt f\u00fcr die Gro\u00dfkonzerne attraktiv gemacht hat, ist der steigende Konsum. \u201eIn Russland hat sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine starke Bierindustrie aufgebaut\u201c, berichtet Raiser. Das Land sei also nicht erst im letzten Jahr aufs Bier gekommen. Wachstum gebe es dort schon seit den 1990er-Jahren.Anders in Deutschland. Seit Jahrzehnten schon ist der Bierkonsum hierzulande r\u00fcckl\u00e4ufig. Gr\u00fcnde sind unter anderem die demographische Entwicklung, ver\u00e4nderte Konsumgewohnheiten, der Wettbewerb durch immer mehr andere Getr\u00e4nke, aber auch eine sinkende Kaufkraft in den wirtschaftlich anhaltend schwierigen Zeiten. 2025 droht daher zum schw\u00e4chsten Bier-Jahr \u00fcberhaupt zu werden in Deutschland. Von Januar bis Mai ist die Nachfrage bereits um fast sieben Prozent eingebrochen auf 34,1 Millionen Hektoliter. Das ist der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung. Volker Kuhl, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Gro\u00dfbrauerei Veltins, spricht daher von einem \u201ehistorischen Minus\u201c und von einem \u201eKampf f\u00fcr viele Brauereien\u201c. Denn aufzuholen seien die Verluste nicht mehr im weiteren Jahresverlauf. Kuhl rechnet daher mit einer Konsolidierung. \u201eBei einem Marktminus, wie wir es aktuell haben, und zugleich zunehmenden Kosten, wird es Brauereien geben, die das nicht \u00fcberleben\u201c, prognostiziert der Experte sichtbare strukturelle Ver\u00e4nderungen. \u201eWir werden zwangsl\u00e4ufig sehen, dass Brauereien aufgeben oder verkauft werden.\u201cDas bef\u00fcrchtet auch BarthHaas-Chef Raiser, dessen Unternehmen die gro\u00dfe Mehrzahl der Brauereien hierzulande mit Hopfen versorgt, was ihm einen tiefen Einblick in die aktuelle Lage der Branche verschafft. \u201eDie nachgefragte Menge und auch die Mengen, die wir dann tats\u00e4chlich ausliefern, sinken sp\u00fcrbar\u201c, berichtet der Experte. Viele Betriebe w\u00fcrden weniger Hopfen abnehmen als vorher bestellt und vertraglich festgelegt. \u201eWir wissen, dass mittelst\u00e4ndische Brauereien unter einem enormen Druck stehen\u201c, sagt Raiser und verweist auf den aggressiven Preiswettbewerb in Deutschland. \u201eEs scheiden ja auch j\u00e4hrlich Brauereien aus dem Markt aus.\u201c Manche h\u00e4tte noch das Gl\u00fcck, \u00fcbernommen zu werden. Die Chancen auf einen Verkauf w\u00fcrden aber zunehmend sinken. \u201eIch glaube schon, dass es berechtigt ist, von einer weiteren Konsolidierung auszugehen in den n\u00e4chsten Jahren.\u201c Deutschland ist wieder Hopfen-WeltmeisterAktuellstes Beispiel ist eine geplante Standortschlie\u00dfung bei Oettinger. Der Billigbrauer, dessen Aussto\u00df im vergangenen Jahr um stattliche zw\u00f6lf Prozent eingebrochen ist, k\u00e4mpft mit \u00dcberkapazit\u00e4ten und will deswegen seine Produktion in Braunschweig schlie\u00dfen. Nur noch Teile der Logistik und der Materialwirtschaft sollen dort verbleiben. Betroffen sind rund 150 Mitarbeiter. Bei Oettinger sei der Absatz mittlerweile auf das Niveau von vor \u00fcber 20 Jahren gesunken, begr\u00fcndet Brauereichef Stefan Blaschak die Entscheidung. \u201eEin Abbau unserer hauseigenen \u00dcberkapazit\u00e4ten ist unvermeidlich.\u201c Dass es Braunschweig treffe, liege auch am Alter der Anlagen dort. \u201eDie sind \u00e4lter als an anderen Standorten und h\u00e4tten zeitnah einer umfassenden General\u00fcberholung bedurft\u201c, sagt Blaschak. Vor drei Jahren hatte sich Oettinger bereits vom Standort Gotha in Th\u00fcringen getrennt. \u00dcbrig bleiben jetzt noch Oettingen und M\u00f6nchengladbach.Aber auch in den Wochen davor gab es bereits regelm\u00e4\u00dfige Meldungen von Betriebsaufgaben und Insolvenzen kleinerer Brauereien \u2013 eine Entwicklung, die auch Auswirkungen auf die Hopfenbranche hat, deren Produkt f\u00fcr die bittere Note im Bier sorgt. So sinkt hierzulande schon seit Jahren die Zahl der Anbaubetriebe, zuletzt sogar auf unter 1000. Laut dem Verband Deutscher Hopfenpflanzer ist das ein historischer Tiefststand. Zum Vergleich: Vor 15 Jahren hab es laut BarthHaas noch 1435 Betriebe in den heimischen Anbaugebieten wie Hallertau, Tettnang oder Elbe-Saale.Trotzdem war Deutschland 2024 erstmals seit neun Jahren wieder das gr\u00f6\u00dfte Hopfenanbauland der Welt. Dass der langj\u00e4hrige Spitzenreiter USA \u00fcberholt werden konnte, liegt an der umfangreichen Stilllegung von Fl\u00e4chen in Amerika. Auf 18.513 Hektar wurde dort Hopfen angebaut, ein Minus von fast 20 Prozent. Grund ist vor allem die Krise beim Craftbeer, f\u00fcr das viel und vor allem besonderer Hopfen gebraucht wird, auf den sich viele Pflanzer in den USA spezialisiert hatten. In Deutschland dagegen wird haupts\u00e4chlich die Hopfen-Sorte Herkules angebaut, die f\u00fcr das klassische Pils und f\u00fcr die zunehmend beliebten milden Biersorten Helles und Lager genutzt wird. \u201eDas spielt den Betrieben derzeit noch in die Karten\u201c, sagt Vermarkter Raiser, dessen Firma Hopfen von Bayern aus in \u00fcber 100 L\u00e4nder verkauft. Gleichwohl gibt es angesichts der immer gr\u00f6\u00dfer werden Krise bei den Brauereien eine strategische \u00dcberversorgung. Und das nicht erst bei der Ernte 2024. BarthHaas rechnet daher schon bald auch in Deutschland, das rund 75 Prozent seines Hopfens exportiert, mit einem deutlichen Fl\u00e4chenr\u00fcckgang. Denn zum einen w\u00fcrden mit der Ernte 2025 viele Abnahmevertr\u00e4ge auslaufen, zum anderen seien die Preise unter Druck. Auf dem Spotmarkt zum Beispiel ist Hopfen mittlerweile \u00fcber 50 Prozent billiger geworden. Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in D\u00fcsseldorf. Er berichtet \u00fcber Handel und Konsumg\u00fcter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"noindex, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"\u201eHistorisches Minus\u201c \u2013 das deutsche Bier-Fiasko - vof-news.eu\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Deutschland ist nicht mehr Europameister im Bierbrauen. Russland hat sich 2024 an die kontinentale Spitze gesetzt. Das zeigt der aktuelle BarthHaas-Bericht zur Weltbierproduktion, den der weltgr\u00f6\u00dfte Hopfenh\u00e4ndler aus N\u00fcrnberg jedes Jahr ver\u00f6ffentlicht. W\u00e4hrend hierzulande nur noch 83,93 Millionen Hektoliter gebraut wurden und damit 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr, gab es in Russland ein deutliches Plus von fast neun Prozent auf 90,83 Millionen Hektoliter. Damit verdr\u00e4ngen die russischen Brauer ihre deutschen Konkurrenten auch aus den Top-5 der weltweit gr\u00f6\u00dften Biernationen. Hinter China, den USA, Brasilien, Mexiko und eben Russland liegt die Bundesrepublik jetzt nur noch auf Platz sechs. Grund f\u00fcr die Verschiebung ist nicht zuletzt der Ukraine-Krieg. Denn aufgrund von Sanktionen wurde deutlich weniger Bier nach Russland exportiert und daraus folgend die dortige Inlandsproduktion entsprechend angeschoben, wie BarthHaas-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Thomas Raiser im WELT-Gespr\u00e4ch beschreibt. Zugleich haben sich gro\u00dfe Braukonzerne aus dem Land verabschiedet und Beteiligungen abgegeben. Mit Baltika und OPH Vereinigte Brauereien stehen daher 2024 auch erstmals seit Jahren wieder zwei russische Bier-Hersteller in der von BarthHaas erhobenen Liste der 40 gr\u00f6\u00dften Brauereien der Welt. Baltika etwa, mit Rang zw\u00f6lf weit vor den gr\u00f6\u00dften deutschen Anbietern postiert, war lange Zeit Teil des d\u00e4nischen Branchenriesen Carlsberg, ist mittlerweile aber verstaatlicht. OPH wiederum, einst eine Beteiligung des weltweit zweitgr\u00f6\u00dften Braukonzerns Heineken, wird auf Platz 24 gef\u00fchrt, kurz hinter Deutschlands Marktf\u00fchrer Radeberger Gruppe. Was den russischen Markt f\u00fcr die Gro\u00dfkonzerne attraktiv gemacht hat, ist der steigende Konsum. \u201eIn Russland hat sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine starke Bierindustrie aufgebaut\u201c, berichtet Raiser. Das Land sei also nicht erst im letzten Jahr aufs Bier gekommen. Wachstum gebe es dort schon seit den 1990er-Jahren.Anders in Deutschland. Seit Jahrzehnten schon ist der Bierkonsum hierzulande r\u00fcckl\u00e4ufig. Gr\u00fcnde sind unter anderem die demographische Entwicklung, ver\u00e4nderte Konsumgewohnheiten, der Wettbewerb durch immer mehr andere Getr\u00e4nke, aber auch eine sinkende Kaufkraft in den wirtschaftlich anhaltend schwierigen Zeiten. 2025 droht daher zum schw\u00e4chsten Bier-Jahr \u00fcberhaupt zu werden in Deutschland. Von Januar bis Mai ist die Nachfrage bereits um fast sieben Prozent eingebrochen auf 34,1 Millionen Hektoliter. Das ist der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung. Volker Kuhl, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Gro\u00dfbrauerei Veltins, spricht daher von einem \u201ehistorischen Minus\u201c und von einem \u201eKampf f\u00fcr viele Brauereien\u201c. Denn aufzuholen seien die Verluste nicht mehr im weiteren Jahresverlauf. Kuhl rechnet daher mit einer Konsolidierung. \u201eBei einem Marktminus, wie wir es aktuell haben, und zugleich zunehmenden Kosten, wird es Brauereien geben, die das nicht \u00fcberleben\u201c, prognostiziert der Experte sichtbare strukturelle Ver\u00e4nderungen. \u201eWir werden zwangsl\u00e4ufig sehen, dass Brauereien aufgeben oder verkauft werden.\u201cDas bef\u00fcrchtet auch BarthHaas-Chef Raiser, dessen Unternehmen die gro\u00dfe Mehrzahl der Brauereien hierzulande mit Hopfen versorgt, was ihm einen tiefen Einblick in die aktuelle Lage der Branche verschafft. \u201eDie nachgefragte Menge und auch die Mengen, die wir dann tats\u00e4chlich ausliefern, sinken sp\u00fcrbar\u201c, berichtet der Experte. Viele Betriebe w\u00fcrden weniger Hopfen abnehmen als vorher bestellt und vertraglich festgelegt. \u201eWir wissen, dass mittelst\u00e4ndische Brauereien unter einem enormen Druck stehen\u201c, sagt Raiser und verweist auf den aggressiven Preiswettbewerb in Deutschland. \u201eEs scheiden ja auch j\u00e4hrlich Brauereien aus dem Markt aus.\u201c Manche h\u00e4tte noch das Gl\u00fcck, \u00fcbernommen zu werden. Die Chancen auf einen Verkauf w\u00fcrden aber zunehmend sinken. \u201eIch glaube schon, dass es berechtigt ist, von einer weiteren Konsolidierung auszugehen in den n\u00e4chsten Jahren.\u201c Deutschland ist wieder Hopfen-WeltmeisterAktuellstes Beispiel ist eine geplante Standortschlie\u00dfung bei Oettinger. Der Billigbrauer, dessen Aussto\u00df im vergangenen Jahr um stattliche zw\u00f6lf Prozent eingebrochen ist, k\u00e4mpft mit \u00dcberkapazit\u00e4ten und will deswegen seine Produktion in Braunschweig schlie\u00dfen. Nur noch Teile der Logistik und der Materialwirtschaft sollen dort verbleiben. Betroffen sind rund 150 Mitarbeiter. Bei Oettinger sei der Absatz mittlerweile auf das Niveau von vor \u00fcber 20 Jahren gesunken, begr\u00fcndet Brauereichef Stefan Blaschak die Entscheidung. \u201eEin Abbau unserer hauseigenen \u00dcberkapazit\u00e4ten ist unvermeidlich.\u201c Dass es Braunschweig treffe, liege auch am Alter der Anlagen dort. \u201eDie sind \u00e4lter als an anderen Standorten und h\u00e4tten zeitnah einer umfassenden General\u00fcberholung bedurft\u201c, sagt Blaschak. Vor drei Jahren hatte sich Oettinger bereits vom Standort Gotha in Th\u00fcringen getrennt. \u00dcbrig bleiben jetzt noch Oettingen und M\u00f6nchengladbach.Aber auch in den Wochen davor gab es bereits regelm\u00e4\u00dfige Meldungen von Betriebsaufgaben und Insolvenzen kleinerer Brauereien \u2013 eine Entwicklung, die auch Auswirkungen auf die Hopfenbranche hat, deren Produkt f\u00fcr die bittere Note im Bier sorgt. So sinkt hierzulande schon seit Jahren die Zahl der Anbaubetriebe, zuletzt sogar auf unter 1000. Laut dem Verband Deutscher Hopfenpflanzer ist das ein historischer Tiefststand. Zum Vergleich: Vor 15 Jahren hab es laut BarthHaas noch 1435 Betriebe in den heimischen Anbaugebieten wie Hallertau, Tettnang oder Elbe-Saale.Trotzdem war Deutschland 2024 erstmals seit neun Jahren wieder das gr\u00f6\u00dfte Hopfenanbauland der Welt. Dass der langj\u00e4hrige Spitzenreiter USA \u00fcberholt werden konnte, liegt an der umfangreichen Stilllegung von Fl\u00e4chen in Amerika. Auf 18.513 Hektar wurde dort Hopfen angebaut, ein Minus von fast 20 Prozent. Grund ist vor allem die Krise beim Craftbeer, f\u00fcr das viel und vor allem besonderer Hopfen gebraucht wird, auf den sich viele Pflanzer in den USA spezialisiert hatten. In Deutschland dagegen wird haupts\u00e4chlich die Hopfen-Sorte Herkules angebaut, die f\u00fcr das klassische Pils und f\u00fcr die zunehmend beliebten milden Biersorten Helles und Lager genutzt wird. \u201eDas spielt den Betrieben derzeit noch in die Karten\u201c, sagt Vermarkter Raiser, dessen Firma Hopfen von Bayern aus in \u00fcber 100 L\u00e4nder verkauft. Gleichwohl gibt es angesichts der immer gr\u00f6\u00dfer werden Krise bei den Brauereien eine strategische \u00dcberversorgung. Und das nicht erst bei der Ernte 2024. BarthHaas rechnet daher schon bald auch in Deutschland, das rund 75 Prozent seines Hopfens exportiert, mit einem deutlichen Fl\u00e4chenr\u00fcckgang. Denn zum einen w\u00fcrden mit der Ernte 2025 viele Abnahmevertr\u00e4ge auslaufen, zum anderen seien die Preise unter Druck. Auf dem Spotmarkt zum Beispiel ist Hopfen mittlerweile \u00fcber 50 Prozent billiger geworden. Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in D\u00fcsseldorf. Er berichtet \u00fcber Handel und Konsumg\u00fcter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"vof-news.eu\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2025-07-22T20:26:10+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2025-07-22T20:26:38+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/bier.webp\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"1200\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"574\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/webp\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Author\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Verfasst von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Author\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"5\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/\",\"url\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/\",\"name\":\"\u201eHistorisches Minus\u201c \u2013 das deutsche Bier-Fiasko - vof-news.eu\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#website\"},\"primaryImageOfPage\":{\"@id\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/#primaryimage\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/bier.webp\",\"datePublished\":\"2025-07-22T20:26:10+00:00\",\"dateModified\":\"2025-07-22T20:26:38+00:00\",\"author\":{\"@id\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#\/schema\/person\/f6a2a4309f0561835797fd8c19b333ed\"},\"description\":\"Deutschland ist nicht mehr Europameister im Bierbrauen. Russland hat sich 2024 an die kontinentale Spitze gesetzt. Das zeigt der aktuelle BarthHaas-Bericht zur Weltbierproduktion, den der weltgr\u00f6\u00dfte Hopfenh\u00e4ndler aus N\u00fcrnberg jedes Jahr ver\u00f6ffentlicht. W\u00e4hrend hierzulande nur noch 83,93 Millionen Hektoliter gebraut wurden und damit 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr, gab es in Russland ein deutliches Plus von fast neun Prozent auf 90,83 Millionen Hektoliter. Damit verdr\u00e4ngen die russischen Brauer ihre deutschen Konkurrenten auch aus den Top-5 der weltweit gr\u00f6\u00dften Biernationen. Hinter China, den USA, Brasilien, Mexiko und eben Russland liegt die Bundesrepublik jetzt nur noch auf Platz sechs. Grund f\u00fcr die Verschiebung ist nicht zuletzt der Ukraine-Krieg. Denn aufgrund von Sanktionen wurde deutlich weniger Bier nach Russland exportiert und daraus folgend die dortige Inlandsproduktion entsprechend angeschoben, wie BarthHaas-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Thomas Raiser im WELT-Gespr\u00e4ch beschreibt. Zugleich haben sich gro\u00dfe Braukonzerne aus dem Land verabschiedet und Beteiligungen abgegeben. Mit Baltika und OPH Vereinigte Brauereien stehen daher 2024 auch erstmals seit Jahren wieder zwei russische Bier-Hersteller in der von BarthHaas erhobenen Liste der 40 gr\u00f6\u00dften Brauereien der Welt. Baltika etwa, mit Rang zw\u00f6lf weit vor den gr\u00f6\u00dften deutschen Anbietern postiert, war lange Zeit Teil des d\u00e4nischen Branchenriesen Carlsberg, ist mittlerweile aber verstaatlicht. OPH wiederum, einst eine Beteiligung des weltweit zweitgr\u00f6\u00dften Braukonzerns Heineken, wird auf Platz 24 gef\u00fchrt, kurz hinter Deutschlands Marktf\u00fchrer Radeberger Gruppe. Was den russischen Markt f\u00fcr die Gro\u00dfkonzerne attraktiv gemacht hat, ist der steigende Konsum. \u201eIn Russland hat sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine starke Bierindustrie aufgebaut\u201c, berichtet Raiser. Das Land sei also nicht erst im letzten Jahr aufs Bier gekommen. Wachstum gebe es dort schon seit den 1990er-Jahren.Anders in Deutschland. Seit Jahrzehnten schon ist der Bierkonsum hierzulande r\u00fcckl\u00e4ufig. Gr\u00fcnde sind unter anderem die demographische Entwicklung, ver\u00e4nderte Konsumgewohnheiten, der Wettbewerb durch immer mehr andere Getr\u00e4nke, aber auch eine sinkende Kaufkraft in den wirtschaftlich anhaltend schwierigen Zeiten. 2025 droht daher zum schw\u00e4chsten Bier-Jahr \u00fcberhaupt zu werden in Deutschland. Von Januar bis Mai ist die Nachfrage bereits um fast sieben Prozent eingebrochen auf 34,1 Millionen Hektoliter. Das ist der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung. Volker Kuhl, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Gro\u00dfbrauerei Veltins, spricht daher von einem \u201ehistorischen Minus\u201c und von einem \u201eKampf f\u00fcr viele Brauereien\u201c. Denn aufzuholen seien die Verluste nicht mehr im weiteren Jahresverlauf. Kuhl rechnet daher mit einer Konsolidierung. \u201eBei einem Marktminus, wie wir es aktuell haben, und zugleich zunehmenden Kosten, wird es Brauereien geben, die das nicht \u00fcberleben\u201c, prognostiziert der Experte sichtbare strukturelle Ver\u00e4nderungen. \u201eWir werden zwangsl\u00e4ufig sehen, dass Brauereien aufgeben oder verkauft werden.\u201cDas bef\u00fcrchtet auch BarthHaas-Chef Raiser, dessen Unternehmen die gro\u00dfe Mehrzahl der Brauereien hierzulande mit Hopfen versorgt, was ihm einen tiefen Einblick in die aktuelle Lage der Branche verschafft. \u201eDie nachgefragte Menge und auch die Mengen, die wir dann tats\u00e4chlich ausliefern, sinken sp\u00fcrbar\u201c, berichtet der Experte. Viele Betriebe w\u00fcrden weniger Hopfen abnehmen als vorher bestellt und vertraglich festgelegt. \u201eWir wissen, dass mittelst\u00e4ndische Brauereien unter einem enormen Druck stehen\u201c, sagt Raiser und verweist auf den aggressiven Preiswettbewerb in Deutschland. \u201eEs scheiden ja auch j\u00e4hrlich Brauereien aus dem Markt aus.\u201c Manche h\u00e4tte noch das Gl\u00fcck, \u00fcbernommen zu werden. Die Chancen auf einen Verkauf w\u00fcrden aber zunehmend sinken. \u201eIch glaube schon, dass es berechtigt ist, von einer weiteren Konsolidierung auszugehen in den n\u00e4chsten Jahren.\u201c Deutschland ist wieder Hopfen-WeltmeisterAktuellstes Beispiel ist eine geplante Standortschlie\u00dfung bei Oettinger. Der Billigbrauer, dessen Aussto\u00df im vergangenen Jahr um stattliche zw\u00f6lf Prozent eingebrochen ist, k\u00e4mpft mit \u00dcberkapazit\u00e4ten und will deswegen seine Produktion in Braunschweig schlie\u00dfen. Nur noch Teile der Logistik und der Materialwirtschaft sollen dort verbleiben. Betroffen sind rund 150 Mitarbeiter. Bei Oettinger sei der Absatz mittlerweile auf das Niveau von vor \u00fcber 20 Jahren gesunken, begr\u00fcndet Brauereichef Stefan Blaschak die Entscheidung. \u201eEin Abbau unserer hauseigenen \u00dcberkapazit\u00e4ten ist unvermeidlich.\u201c Dass es Braunschweig treffe, liege auch am Alter der Anlagen dort. \u201eDie sind \u00e4lter als an anderen Standorten und h\u00e4tten zeitnah einer umfassenden General\u00fcberholung bedurft\u201c, sagt Blaschak. Vor drei Jahren hatte sich Oettinger bereits vom Standort Gotha in Th\u00fcringen getrennt. \u00dcbrig bleiben jetzt noch Oettingen und M\u00f6nchengladbach.Aber auch in den Wochen davor gab es bereits regelm\u00e4\u00dfige Meldungen von Betriebsaufgaben und Insolvenzen kleinerer Brauereien \u2013 eine Entwicklung, die auch Auswirkungen auf die Hopfenbranche hat, deren Produkt f\u00fcr die bittere Note im Bier sorgt. So sinkt hierzulande schon seit Jahren die Zahl der Anbaubetriebe, zuletzt sogar auf unter 1000. Laut dem Verband Deutscher Hopfenpflanzer ist das ein historischer Tiefststand. Zum Vergleich: Vor 15 Jahren hab es laut BarthHaas noch 1435 Betriebe in den heimischen Anbaugebieten wie Hallertau, Tettnang oder Elbe-Saale.Trotzdem war Deutschland 2024 erstmals seit neun Jahren wieder das gr\u00f6\u00dfte Hopfenanbauland der Welt. Dass der langj\u00e4hrige Spitzenreiter USA \u00fcberholt werden konnte, liegt an der umfangreichen Stilllegung von Fl\u00e4chen in Amerika. Auf 18.513 Hektar wurde dort Hopfen angebaut, ein Minus von fast 20 Prozent. Grund ist vor allem die Krise beim Craftbeer, f\u00fcr das viel und vor allem besonderer Hopfen gebraucht wird, auf den sich viele Pflanzer in den USA spezialisiert hatten. In Deutschland dagegen wird haupts\u00e4chlich die Hopfen-Sorte Herkules angebaut, die f\u00fcr das klassische Pils und f\u00fcr die zunehmend beliebten milden Biersorten Helles und Lager genutzt wird. \u201eDas spielt den Betrieben derzeit noch in die Karten\u201c, sagt Vermarkter Raiser, dessen Firma Hopfen von Bayern aus in \u00fcber 100 L\u00e4nder verkauft. Gleichwohl gibt es angesichts der immer gr\u00f6\u00dfer werden Krise bei den Brauereien eine strategische \u00dcberversorgung. Und das nicht erst bei der Ernte 2024. BarthHaas rechnet daher schon bald auch in Deutschland, das rund 75 Prozent seines Hopfens exportiert, mit einem deutlichen Fl\u00e4chenr\u00fcckgang. Denn zum einen w\u00fcrden mit der Ernte 2025 viele Abnahmevertr\u00e4ge auslaufen, zum anderen seien die Preise unter Druck. Auf dem Spotmarkt zum Beispiel ist Hopfen mittlerweile \u00fcber 50 Prozent billiger geworden. Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in D\u00fcsseldorf. Er berichtet \u00fcber Handel und Konsumg\u00fcter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/\"]}]},{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/#primaryimage\",\"url\":\"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/bier.webp\",\"contentUrl\":\"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/bier.webp\",\"width\":1200,\"height\":574},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Home\",\"item\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"\u201eHistorisches Minus\u201c \u2013 das deutsche Bier-Fiasko\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#website\",\"url\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/\",\"name\":\"vof-news.eu\",\"description\":\"\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":\"required name=search_term_string\"}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"Person\",\"@id\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#\/schema\/person\/f6a2a4309f0561835797fd8c19b333ed\",\"name\":\"Author\",\"image\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#\/schema\/person\/image\/\",\"url\":\"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b67e614b1b25b3e9c0c239efdd2fde5ab015b5affd6f1c3c85911ca4b384e790?s=96&d=mm&r=g\",\"contentUrl\":\"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b67e614b1b25b3e9c0c239efdd2fde5ab015b5affd6f1c3c85911ca4b384e790?s=96&d=mm&r=g\",\"caption\":\"Author\"},\"sameAs\":[\"http:\/\/vof-news.eu\"],\"url\":\"https:\/\/vof-news.eu\/de\/author\/zwt6qxnjulxbnyg\/\"}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"\u201eHistorisches Minus\u201c \u2013 das deutsche Bier-Fiasko - vof-news.eu","description":"Deutschland ist nicht mehr Europameister im Bierbrauen. Russland hat sich 2024 an die kontinentale Spitze gesetzt. Das zeigt der aktuelle BarthHaas-Bericht zur Weltbierproduktion, den der weltgr\u00f6\u00dfte Hopfenh\u00e4ndler aus N\u00fcrnberg jedes Jahr ver\u00f6ffentlicht. W\u00e4hrend hierzulande nur noch 83,93 Millionen Hektoliter gebraut wurden und damit 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr, gab es in Russland ein deutliches Plus von fast neun Prozent auf 90,83 Millionen Hektoliter. Damit verdr\u00e4ngen die russischen Brauer ihre deutschen Konkurrenten auch aus den Top-5 der weltweit gr\u00f6\u00dften Biernationen. Hinter China, den USA, Brasilien, Mexiko und eben Russland liegt die Bundesrepublik jetzt nur noch auf Platz sechs. Grund f\u00fcr die Verschiebung ist nicht zuletzt der Ukraine-Krieg. Denn aufgrund von Sanktionen wurde deutlich weniger Bier nach Russland exportiert und daraus folgend die dortige Inlandsproduktion entsprechend angeschoben, wie BarthHaas-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Thomas Raiser im WELT-Gespr\u00e4ch beschreibt. Zugleich haben sich gro\u00dfe Braukonzerne aus dem Land verabschiedet und Beteiligungen abgegeben. Mit Baltika und OPH Vereinigte Brauereien stehen daher 2024 auch erstmals seit Jahren wieder zwei russische Bier-Hersteller in der von BarthHaas erhobenen Liste der 40 gr\u00f6\u00dften Brauereien der Welt. Baltika etwa, mit Rang zw\u00f6lf weit vor den gr\u00f6\u00dften deutschen Anbietern postiert, war lange Zeit Teil des d\u00e4nischen Branchenriesen Carlsberg, ist mittlerweile aber verstaatlicht. OPH wiederum, einst eine Beteiligung des weltweit zweitgr\u00f6\u00dften Braukonzerns Heineken, wird auf Platz 24 gef\u00fchrt, kurz hinter Deutschlands Marktf\u00fchrer Radeberger Gruppe. Was den russischen Markt f\u00fcr die Gro\u00dfkonzerne attraktiv gemacht hat, ist der steigende Konsum. \u201eIn Russland hat sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine starke Bierindustrie aufgebaut\u201c, berichtet Raiser. Das Land sei also nicht erst im letzten Jahr aufs Bier gekommen. Wachstum gebe es dort schon seit den 1990er-Jahren.Anders in Deutschland. Seit Jahrzehnten schon ist der Bierkonsum hierzulande r\u00fcckl\u00e4ufig. Gr\u00fcnde sind unter anderem die demographische Entwicklung, ver\u00e4nderte Konsumgewohnheiten, der Wettbewerb durch immer mehr andere Getr\u00e4nke, aber auch eine sinkende Kaufkraft in den wirtschaftlich anhaltend schwierigen Zeiten. 2025 droht daher zum schw\u00e4chsten Bier-Jahr \u00fcberhaupt zu werden in Deutschland. Von Januar bis Mai ist die Nachfrage bereits um fast sieben Prozent eingebrochen auf 34,1 Millionen Hektoliter. Das ist der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung. Volker Kuhl, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Gro\u00dfbrauerei Veltins, spricht daher von einem \u201ehistorischen Minus\u201c und von einem \u201eKampf f\u00fcr viele Brauereien\u201c. Denn aufzuholen seien die Verluste nicht mehr im weiteren Jahresverlauf. Kuhl rechnet daher mit einer Konsolidierung. \u201eBei einem Marktminus, wie wir es aktuell haben, und zugleich zunehmenden Kosten, wird es Brauereien geben, die das nicht \u00fcberleben\u201c, prognostiziert der Experte sichtbare strukturelle Ver\u00e4nderungen. \u201eWir werden zwangsl\u00e4ufig sehen, dass Brauereien aufgeben oder verkauft werden.\u201cDas bef\u00fcrchtet auch BarthHaas-Chef Raiser, dessen Unternehmen die gro\u00dfe Mehrzahl der Brauereien hierzulande mit Hopfen versorgt, was ihm einen tiefen Einblick in die aktuelle Lage der Branche verschafft. \u201eDie nachgefragte Menge und auch die Mengen, die wir dann tats\u00e4chlich ausliefern, sinken sp\u00fcrbar\u201c, berichtet der Experte. Viele Betriebe w\u00fcrden weniger Hopfen abnehmen als vorher bestellt und vertraglich festgelegt. \u201eWir wissen, dass mittelst\u00e4ndische Brauereien unter einem enormen Druck stehen\u201c, sagt Raiser und verweist auf den aggressiven Preiswettbewerb in Deutschland. \u201eEs scheiden ja auch j\u00e4hrlich Brauereien aus dem Markt aus.\u201c Manche h\u00e4tte noch das Gl\u00fcck, \u00fcbernommen zu werden. Die Chancen auf einen Verkauf w\u00fcrden aber zunehmend sinken. \u201eIch glaube schon, dass es berechtigt ist, von einer weiteren Konsolidierung auszugehen in den n\u00e4chsten Jahren.\u201c Deutschland ist wieder Hopfen-WeltmeisterAktuellstes Beispiel ist eine geplante Standortschlie\u00dfung bei Oettinger. Der Billigbrauer, dessen Aussto\u00df im vergangenen Jahr um stattliche zw\u00f6lf Prozent eingebrochen ist, k\u00e4mpft mit \u00dcberkapazit\u00e4ten und will deswegen seine Produktion in Braunschweig schlie\u00dfen. Nur noch Teile der Logistik und der Materialwirtschaft sollen dort verbleiben. Betroffen sind rund 150 Mitarbeiter. Bei Oettinger sei der Absatz mittlerweile auf das Niveau von vor \u00fcber 20 Jahren gesunken, begr\u00fcndet Brauereichef Stefan Blaschak die Entscheidung. \u201eEin Abbau unserer hauseigenen \u00dcberkapazit\u00e4ten ist unvermeidlich.\u201c Dass es Braunschweig treffe, liege auch am Alter der Anlagen dort. \u201eDie sind \u00e4lter als an anderen Standorten und h\u00e4tten zeitnah einer umfassenden General\u00fcberholung bedurft\u201c, sagt Blaschak. Vor drei Jahren hatte sich Oettinger bereits vom Standort Gotha in Th\u00fcringen getrennt. \u00dcbrig bleiben jetzt noch Oettingen und M\u00f6nchengladbach.Aber auch in den Wochen davor gab es bereits regelm\u00e4\u00dfige Meldungen von Betriebsaufgaben und Insolvenzen kleinerer Brauereien \u2013 eine Entwicklung, die auch Auswirkungen auf die Hopfenbranche hat, deren Produkt f\u00fcr die bittere Note im Bier sorgt. So sinkt hierzulande schon seit Jahren die Zahl der Anbaubetriebe, zuletzt sogar auf unter 1000. Laut dem Verband Deutscher Hopfenpflanzer ist das ein historischer Tiefststand. Zum Vergleich: Vor 15 Jahren hab es laut BarthHaas noch 1435 Betriebe in den heimischen Anbaugebieten wie Hallertau, Tettnang oder Elbe-Saale.Trotzdem war Deutschland 2024 erstmals seit neun Jahren wieder das gr\u00f6\u00dfte Hopfenanbauland der Welt. Dass der langj\u00e4hrige Spitzenreiter USA \u00fcberholt werden konnte, liegt an der umfangreichen Stilllegung von Fl\u00e4chen in Amerika. Auf 18.513 Hektar wurde dort Hopfen angebaut, ein Minus von fast 20 Prozent. Grund ist vor allem die Krise beim Craftbeer, f\u00fcr das viel und vor allem besonderer Hopfen gebraucht wird, auf den sich viele Pflanzer in den USA spezialisiert hatten. In Deutschland dagegen wird haupts\u00e4chlich die Hopfen-Sorte Herkules angebaut, die f\u00fcr das klassische Pils und f\u00fcr die zunehmend beliebten milden Biersorten Helles und Lager genutzt wird. \u201eDas spielt den Betrieben derzeit noch in die Karten\u201c, sagt Vermarkter Raiser, dessen Firma Hopfen von Bayern aus in \u00fcber 100 L\u00e4nder verkauft. Gleichwohl gibt es angesichts der immer gr\u00f6\u00dfer werden Krise bei den Brauereien eine strategische \u00dcberversorgung. Und das nicht erst bei der Ernte 2024. BarthHaas rechnet daher schon bald auch in Deutschland, das rund 75 Prozent seines Hopfens exportiert, mit einem deutlichen Fl\u00e4chenr\u00fcckgang. Denn zum einen w\u00fcrden mit der Ernte 2025 viele Abnahmevertr\u00e4ge auslaufen, zum anderen seien die Preise unter Druck. Auf dem Spotmarkt zum Beispiel ist Hopfen mittlerweile \u00fcber 50 Prozent billiger geworden. Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in D\u00fcsseldorf. Er berichtet \u00fcber Handel und Konsumg\u00fcter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.","robots":{"index":"noindex","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"\u201eHistorisches Minus\u201c \u2013 das deutsche Bier-Fiasko - vof-news.eu","og_description":"Deutschland ist nicht mehr Europameister im Bierbrauen. Russland hat sich 2024 an die kontinentale Spitze gesetzt. Das zeigt der aktuelle BarthHaas-Bericht zur Weltbierproduktion, den der weltgr\u00f6\u00dfte Hopfenh\u00e4ndler aus N\u00fcrnberg jedes Jahr ver\u00f6ffentlicht. W\u00e4hrend hierzulande nur noch 83,93 Millionen Hektoliter gebraut wurden und damit 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr, gab es in Russland ein deutliches Plus von fast neun Prozent auf 90,83 Millionen Hektoliter. Damit verdr\u00e4ngen die russischen Brauer ihre deutschen Konkurrenten auch aus den Top-5 der weltweit gr\u00f6\u00dften Biernationen. Hinter China, den USA, Brasilien, Mexiko und eben Russland liegt die Bundesrepublik jetzt nur noch auf Platz sechs. Grund f\u00fcr die Verschiebung ist nicht zuletzt der Ukraine-Krieg. Denn aufgrund von Sanktionen wurde deutlich weniger Bier nach Russland exportiert und daraus folgend die dortige Inlandsproduktion entsprechend angeschoben, wie BarthHaas-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Thomas Raiser im WELT-Gespr\u00e4ch beschreibt. Zugleich haben sich gro\u00dfe Braukonzerne aus dem Land verabschiedet und Beteiligungen abgegeben. Mit Baltika und OPH Vereinigte Brauereien stehen daher 2024 auch erstmals seit Jahren wieder zwei russische Bier-Hersteller in der von BarthHaas erhobenen Liste der 40 gr\u00f6\u00dften Brauereien der Welt. Baltika etwa, mit Rang zw\u00f6lf weit vor den gr\u00f6\u00dften deutschen Anbietern postiert, war lange Zeit Teil des d\u00e4nischen Branchenriesen Carlsberg, ist mittlerweile aber verstaatlicht. OPH wiederum, einst eine Beteiligung des weltweit zweitgr\u00f6\u00dften Braukonzerns Heineken, wird auf Platz 24 gef\u00fchrt, kurz hinter Deutschlands Marktf\u00fchrer Radeberger Gruppe. Was den russischen Markt f\u00fcr die Gro\u00dfkonzerne attraktiv gemacht hat, ist der steigende Konsum. \u201eIn Russland hat sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine starke Bierindustrie aufgebaut\u201c, berichtet Raiser. Das Land sei also nicht erst im letzten Jahr aufs Bier gekommen. Wachstum gebe es dort schon seit den 1990er-Jahren.Anders in Deutschland. Seit Jahrzehnten schon ist der Bierkonsum hierzulande r\u00fcckl\u00e4ufig. Gr\u00fcnde sind unter anderem die demographische Entwicklung, ver\u00e4nderte Konsumgewohnheiten, der Wettbewerb durch immer mehr andere Getr\u00e4nke, aber auch eine sinkende Kaufkraft in den wirtschaftlich anhaltend schwierigen Zeiten. 2025 droht daher zum schw\u00e4chsten Bier-Jahr \u00fcberhaupt zu werden in Deutschland. Von Januar bis Mai ist die Nachfrage bereits um fast sieben Prozent eingebrochen auf 34,1 Millionen Hektoliter. Das ist der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung. Volker Kuhl, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Gro\u00dfbrauerei Veltins, spricht daher von einem \u201ehistorischen Minus\u201c und von einem \u201eKampf f\u00fcr viele Brauereien\u201c. Denn aufzuholen seien die Verluste nicht mehr im weiteren Jahresverlauf. Kuhl rechnet daher mit einer Konsolidierung. \u201eBei einem Marktminus, wie wir es aktuell haben, und zugleich zunehmenden Kosten, wird es Brauereien geben, die das nicht \u00fcberleben\u201c, prognostiziert der Experte sichtbare strukturelle Ver\u00e4nderungen. \u201eWir werden zwangsl\u00e4ufig sehen, dass Brauereien aufgeben oder verkauft werden.\u201cDas bef\u00fcrchtet auch BarthHaas-Chef Raiser, dessen Unternehmen die gro\u00dfe Mehrzahl der Brauereien hierzulande mit Hopfen versorgt, was ihm einen tiefen Einblick in die aktuelle Lage der Branche verschafft. \u201eDie nachgefragte Menge und auch die Mengen, die wir dann tats\u00e4chlich ausliefern, sinken sp\u00fcrbar\u201c, berichtet der Experte. Viele Betriebe w\u00fcrden weniger Hopfen abnehmen als vorher bestellt und vertraglich festgelegt. \u201eWir wissen, dass mittelst\u00e4ndische Brauereien unter einem enormen Druck stehen\u201c, sagt Raiser und verweist auf den aggressiven Preiswettbewerb in Deutschland. \u201eEs scheiden ja auch j\u00e4hrlich Brauereien aus dem Markt aus.\u201c Manche h\u00e4tte noch das Gl\u00fcck, \u00fcbernommen zu werden. Die Chancen auf einen Verkauf w\u00fcrden aber zunehmend sinken. \u201eIch glaube schon, dass es berechtigt ist, von einer weiteren Konsolidierung auszugehen in den n\u00e4chsten Jahren.\u201c Deutschland ist wieder Hopfen-WeltmeisterAktuellstes Beispiel ist eine geplante Standortschlie\u00dfung bei Oettinger. Der Billigbrauer, dessen Aussto\u00df im vergangenen Jahr um stattliche zw\u00f6lf Prozent eingebrochen ist, k\u00e4mpft mit \u00dcberkapazit\u00e4ten und will deswegen seine Produktion in Braunschweig schlie\u00dfen. Nur noch Teile der Logistik und der Materialwirtschaft sollen dort verbleiben. Betroffen sind rund 150 Mitarbeiter. Bei Oettinger sei der Absatz mittlerweile auf das Niveau von vor \u00fcber 20 Jahren gesunken, begr\u00fcndet Brauereichef Stefan Blaschak die Entscheidung. \u201eEin Abbau unserer hauseigenen \u00dcberkapazit\u00e4ten ist unvermeidlich.\u201c Dass es Braunschweig treffe, liege auch am Alter der Anlagen dort. \u201eDie sind \u00e4lter als an anderen Standorten und h\u00e4tten zeitnah einer umfassenden General\u00fcberholung bedurft\u201c, sagt Blaschak. Vor drei Jahren hatte sich Oettinger bereits vom Standort Gotha in Th\u00fcringen getrennt. \u00dcbrig bleiben jetzt noch Oettingen und M\u00f6nchengladbach.Aber auch in den Wochen davor gab es bereits regelm\u00e4\u00dfige Meldungen von Betriebsaufgaben und Insolvenzen kleinerer Brauereien \u2013 eine Entwicklung, die auch Auswirkungen auf die Hopfenbranche hat, deren Produkt f\u00fcr die bittere Note im Bier sorgt. So sinkt hierzulande schon seit Jahren die Zahl der Anbaubetriebe, zuletzt sogar auf unter 1000. Laut dem Verband Deutscher Hopfenpflanzer ist das ein historischer Tiefststand. Zum Vergleich: Vor 15 Jahren hab es laut BarthHaas noch 1435 Betriebe in den heimischen Anbaugebieten wie Hallertau, Tettnang oder Elbe-Saale.Trotzdem war Deutschland 2024 erstmals seit neun Jahren wieder das gr\u00f6\u00dfte Hopfenanbauland der Welt. Dass der langj\u00e4hrige Spitzenreiter USA \u00fcberholt werden konnte, liegt an der umfangreichen Stilllegung von Fl\u00e4chen in Amerika. Auf 18.513 Hektar wurde dort Hopfen angebaut, ein Minus von fast 20 Prozent. Grund ist vor allem die Krise beim Craftbeer, f\u00fcr das viel und vor allem besonderer Hopfen gebraucht wird, auf den sich viele Pflanzer in den USA spezialisiert hatten. In Deutschland dagegen wird haupts\u00e4chlich die Hopfen-Sorte Herkules angebaut, die f\u00fcr das klassische Pils und f\u00fcr die zunehmend beliebten milden Biersorten Helles und Lager genutzt wird. \u201eDas spielt den Betrieben derzeit noch in die Karten\u201c, sagt Vermarkter Raiser, dessen Firma Hopfen von Bayern aus in \u00fcber 100 L\u00e4nder verkauft. Gleichwohl gibt es angesichts der immer gr\u00f6\u00dfer werden Krise bei den Brauereien eine strategische \u00dcberversorgung. Und das nicht erst bei der Ernte 2024. BarthHaas rechnet daher schon bald auch in Deutschland, das rund 75 Prozent seines Hopfens exportiert, mit einem deutlichen Fl\u00e4chenr\u00fcckgang. Denn zum einen w\u00fcrden mit der Ernte 2025 viele Abnahmevertr\u00e4ge auslaufen, zum anderen seien die Preise unter Druck. Auf dem Spotmarkt zum Beispiel ist Hopfen mittlerweile \u00fcber 50 Prozent billiger geworden. Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in D\u00fcsseldorf. Er berichtet \u00fcber Handel und Konsumg\u00fcter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.","og_url":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/","og_site_name":"vof-news.eu","article_published_time":"2025-07-22T20:26:10+00:00","article_modified_time":"2025-07-22T20:26:38+00:00","og_image":[{"width":1200,"height":574,"url":"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/bier.webp","type":"image\/webp"}],"author":"Author","twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Verfasst von":"Author","Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"5\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/","url":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/","name":"\u201eHistorisches Minus\u201c \u2013 das deutsche Bier-Fiasko - vof-news.eu","isPartOf":{"@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#website"},"primaryImageOfPage":{"@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/#primaryimage"},"image":{"@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/#primaryimage"},"thumbnailUrl":"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/bier.webp","datePublished":"2025-07-22T20:26:10+00:00","dateModified":"2025-07-22T20:26:38+00:00","author":{"@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#\/schema\/person\/f6a2a4309f0561835797fd8c19b333ed"},"description":"Deutschland ist nicht mehr Europameister im Bierbrauen. Russland hat sich 2024 an die kontinentale Spitze gesetzt. Das zeigt der aktuelle BarthHaas-Bericht zur Weltbierproduktion, den der weltgr\u00f6\u00dfte Hopfenh\u00e4ndler aus N\u00fcrnberg jedes Jahr ver\u00f6ffentlicht. W\u00e4hrend hierzulande nur noch 83,93 Millionen Hektoliter gebraut wurden und damit 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr, gab es in Russland ein deutliches Plus von fast neun Prozent auf 90,83 Millionen Hektoliter. Damit verdr\u00e4ngen die russischen Brauer ihre deutschen Konkurrenten auch aus den Top-5 der weltweit gr\u00f6\u00dften Biernationen. Hinter China, den USA, Brasilien, Mexiko und eben Russland liegt die Bundesrepublik jetzt nur noch auf Platz sechs. Grund f\u00fcr die Verschiebung ist nicht zuletzt der Ukraine-Krieg. Denn aufgrund von Sanktionen wurde deutlich weniger Bier nach Russland exportiert und daraus folgend die dortige Inlandsproduktion entsprechend angeschoben, wie BarthHaas-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Thomas Raiser im WELT-Gespr\u00e4ch beschreibt. Zugleich haben sich gro\u00dfe Braukonzerne aus dem Land verabschiedet und Beteiligungen abgegeben. Mit Baltika und OPH Vereinigte Brauereien stehen daher 2024 auch erstmals seit Jahren wieder zwei russische Bier-Hersteller in der von BarthHaas erhobenen Liste der 40 gr\u00f6\u00dften Brauereien der Welt. Baltika etwa, mit Rang zw\u00f6lf weit vor den gr\u00f6\u00dften deutschen Anbietern postiert, war lange Zeit Teil des d\u00e4nischen Branchenriesen Carlsberg, ist mittlerweile aber verstaatlicht. OPH wiederum, einst eine Beteiligung des weltweit zweitgr\u00f6\u00dften Braukonzerns Heineken, wird auf Platz 24 gef\u00fchrt, kurz hinter Deutschlands Marktf\u00fchrer Radeberger Gruppe. Was den russischen Markt f\u00fcr die Gro\u00dfkonzerne attraktiv gemacht hat, ist der steigende Konsum. \u201eIn Russland hat sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine starke Bierindustrie aufgebaut\u201c, berichtet Raiser. Das Land sei also nicht erst im letzten Jahr aufs Bier gekommen. Wachstum gebe es dort schon seit den 1990er-Jahren.Anders in Deutschland. Seit Jahrzehnten schon ist der Bierkonsum hierzulande r\u00fcckl\u00e4ufig. Gr\u00fcnde sind unter anderem die demographische Entwicklung, ver\u00e4nderte Konsumgewohnheiten, der Wettbewerb durch immer mehr andere Getr\u00e4nke, aber auch eine sinkende Kaufkraft in den wirtschaftlich anhaltend schwierigen Zeiten. 2025 droht daher zum schw\u00e4chsten Bier-Jahr \u00fcberhaupt zu werden in Deutschland. Von Januar bis Mai ist die Nachfrage bereits um fast sieben Prozent eingebrochen auf 34,1 Millionen Hektoliter. Das ist der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung. Volker Kuhl, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Gro\u00dfbrauerei Veltins, spricht daher von einem \u201ehistorischen Minus\u201c und von einem \u201eKampf f\u00fcr viele Brauereien\u201c. Denn aufzuholen seien die Verluste nicht mehr im weiteren Jahresverlauf. Kuhl rechnet daher mit einer Konsolidierung. \u201eBei einem Marktminus, wie wir es aktuell haben, und zugleich zunehmenden Kosten, wird es Brauereien geben, die das nicht \u00fcberleben\u201c, prognostiziert der Experte sichtbare strukturelle Ver\u00e4nderungen. \u201eWir werden zwangsl\u00e4ufig sehen, dass Brauereien aufgeben oder verkauft werden.\u201cDas bef\u00fcrchtet auch BarthHaas-Chef Raiser, dessen Unternehmen die gro\u00dfe Mehrzahl der Brauereien hierzulande mit Hopfen versorgt, was ihm einen tiefen Einblick in die aktuelle Lage der Branche verschafft. \u201eDie nachgefragte Menge und auch die Mengen, die wir dann tats\u00e4chlich ausliefern, sinken sp\u00fcrbar\u201c, berichtet der Experte. Viele Betriebe w\u00fcrden weniger Hopfen abnehmen als vorher bestellt und vertraglich festgelegt. \u201eWir wissen, dass mittelst\u00e4ndische Brauereien unter einem enormen Druck stehen\u201c, sagt Raiser und verweist auf den aggressiven Preiswettbewerb in Deutschland. \u201eEs scheiden ja auch j\u00e4hrlich Brauereien aus dem Markt aus.\u201c Manche h\u00e4tte noch das Gl\u00fcck, \u00fcbernommen zu werden. Die Chancen auf einen Verkauf w\u00fcrden aber zunehmend sinken. \u201eIch glaube schon, dass es berechtigt ist, von einer weiteren Konsolidierung auszugehen in den n\u00e4chsten Jahren.\u201c Deutschland ist wieder Hopfen-WeltmeisterAktuellstes Beispiel ist eine geplante Standortschlie\u00dfung bei Oettinger. Der Billigbrauer, dessen Aussto\u00df im vergangenen Jahr um stattliche zw\u00f6lf Prozent eingebrochen ist, k\u00e4mpft mit \u00dcberkapazit\u00e4ten und will deswegen seine Produktion in Braunschweig schlie\u00dfen. Nur noch Teile der Logistik und der Materialwirtschaft sollen dort verbleiben. Betroffen sind rund 150 Mitarbeiter. Bei Oettinger sei der Absatz mittlerweile auf das Niveau von vor \u00fcber 20 Jahren gesunken, begr\u00fcndet Brauereichef Stefan Blaschak die Entscheidung. \u201eEin Abbau unserer hauseigenen \u00dcberkapazit\u00e4ten ist unvermeidlich.\u201c Dass es Braunschweig treffe, liege auch am Alter der Anlagen dort. \u201eDie sind \u00e4lter als an anderen Standorten und h\u00e4tten zeitnah einer umfassenden General\u00fcberholung bedurft\u201c, sagt Blaschak. Vor drei Jahren hatte sich Oettinger bereits vom Standort Gotha in Th\u00fcringen getrennt. \u00dcbrig bleiben jetzt noch Oettingen und M\u00f6nchengladbach.Aber auch in den Wochen davor gab es bereits regelm\u00e4\u00dfige Meldungen von Betriebsaufgaben und Insolvenzen kleinerer Brauereien \u2013 eine Entwicklung, die auch Auswirkungen auf die Hopfenbranche hat, deren Produkt f\u00fcr die bittere Note im Bier sorgt. So sinkt hierzulande schon seit Jahren die Zahl der Anbaubetriebe, zuletzt sogar auf unter 1000. Laut dem Verband Deutscher Hopfenpflanzer ist das ein historischer Tiefststand. Zum Vergleich: Vor 15 Jahren hab es laut BarthHaas noch 1435 Betriebe in den heimischen Anbaugebieten wie Hallertau, Tettnang oder Elbe-Saale.Trotzdem war Deutschland 2024 erstmals seit neun Jahren wieder das gr\u00f6\u00dfte Hopfenanbauland der Welt. Dass der langj\u00e4hrige Spitzenreiter USA \u00fcberholt werden konnte, liegt an der umfangreichen Stilllegung von Fl\u00e4chen in Amerika. Auf 18.513 Hektar wurde dort Hopfen angebaut, ein Minus von fast 20 Prozent. Grund ist vor allem die Krise beim Craftbeer, f\u00fcr das viel und vor allem besonderer Hopfen gebraucht wird, auf den sich viele Pflanzer in den USA spezialisiert hatten. In Deutschland dagegen wird haupts\u00e4chlich die Hopfen-Sorte Herkules angebaut, die f\u00fcr das klassische Pils und f\u00fcr die zunehmend beliebten milden Biersorten Helles und Lager genutzt wird. \u201eDas spielt den Betrieben derzeit noch in die Karten\u201c, sagt Vermarkter Raiser, dessen Firma Hopfen von Bayern aus in \u00fcber 100 L\u00e4nder verkauft. Gleichwohl gibt es angesichts der immer gr\u00f6\u00dfer werden Krise bei den Brauereien eine strategische \u00dcberversorgung. Und das nicht erst bei der Ernte 2024. BarthHaas rechnet daher schon bald auch in Deutschland, das rund 75 Prozent seines Hopfens exportiert, mit einem deutlichen Fl\u00e4chenr\u00fcckgang. Denn zum einen w\u00fcrden mit der Ernte 2025 viele Abnahmevertr\u00e4ge auslaufen, zum anderen seien die Preise unter Druck. Auf dem Spotmarkt zum Beispiel ist Hopfen mittlerweile \u00fcber 50 Prozent billiger geworden. Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in D\u00fcsseldorf. Er berichtet \u00fcber Handel und Konsumg\u00fcter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/"]}]},{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/#primaryimage","url":"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/bier.webp","contentUrl":"https:\/\/vof-news.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/bier.webp","width":1200,"height":574},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/historisches-minus-das-deutsche-bier-fiasko\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Home","item":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"\u201eHistorisches Minus\u201c \u2013 das deutsche Bier-Fiasko"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#website","url":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/","name":"vof-news.eu","description":"","potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/?s={search_term_string}"},"query-input":"required name=search_term_string"}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Person","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#\/schema\/person\/f6a2a4309f0561835797fd8c19b333ed","name":"Author","image":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/#\/schema\/person\/image\/","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b67e614b1b25b3e9c0c239efdd2fde5ab015b5affd6f1c3c85911ca4b384e790?s=96&d=mm&r=g","contentUrl":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b67e614b1b25b3e9c0c239efdd2fde5ab015b5affd6f1c3c85911ca4b384e790?s=96&d=mm&r=g","caption":"Author"},"sameAs":["http:\/\/vof-news.eu"],"url":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/author\/zwt6qxnjulxbnyg\/"}]}},"yoast_meta":{"yoast_wpseo_title":"","yoast_wpseo_metadesc":"","yoast_wpseo_canonical":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/257610","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=257610"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/257610\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":257617,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/257610\/revisions\/257617"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/257611"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=257610"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=257610"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=257610"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}