{"id":256449,"date":"2025-07-19T09:26:05","date_gmt":"2025-07-19T06:26:05","guid":{"rendered":"https:\/\/vof-news.eu\/wenn-die-zukunft-von-bord-geht\/"},"modified":"2025-07-19T09:26:23","modified_gmt":"2025-07-19T06:26:23","slug":"wenn-die-zukunft-von-bord-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vof-news.eu\/de\/wenn-die-zukunft-von-bord-geht\/","title":{"rendered":"Wenn die Zukunft von Bord geht"},"content":{"rendered":"<p>An einem strahlenden Sommertag Ende August 2024 pr\u00e4sentiert Angela Titzrath stolz das derzeit wichtigste Projekt der HHLA. Auf Hamburgs gr\u00f6\u00dftem Containerterminal, dem Burchardkai, rollen elektrische Schwerlasttransporter ohne Fahrer, bewegen sich automatische Portalkr\u00e4ne, f\u00fcgen sich Bewegungsabl\u00e4ufe ineinander \u2013 ohne Menschen auf der Hafenfl\u00e4che selbst. \u201eDiese Anlage\u201c, sagt die Vorstandsvorsitzende der HHLA, \u201ewird der modernste und \u00f6kologisch nachhaltigste Terminal f\u00fcr den Containerumschlag in Europa sein.\u201c Fast 20 Jahre der Planungen, harter Debatten und schlie\u00dflich der Realisierung sind zu diesem Zeitpunkt beim Umbau des Burchardkais vergangen.<\/p>\n<p>Den Abschluss des Gro\u00dfprojektes im kommenden Jahr und die weitgehende Automatisierung des Burchardkais wird Titzrath als Chefin des Hamburger Hafenlogistik-Konzerns indes nicht mehr erleben. Sp\u00e4testens bis Ende 2025 gibt sie die F\u00fchrung des Unternehmens ab, nach dann neun Jahren im Amt, darauf einigte sie sich im Juni mit dem Aufsichtsrat. Vorausgegangen war der Trennung ein Affront gegen den Vorstand und den Aufsichtsrat der HHLA durch die beiden Haupteigner der Hafenlogistik-Sparte, die Stadt Hamburg und den Maritimkonzern MSC. Beide halten derzeit gemeinsam fast 95 Prozent der Anteile am Teilkonzern Hafenlogistik der HHLA. Sie reduzierten den Dividendenvorschlag der HHLA im Juni kurz vor der Hauptversammlung von 16 auf zehn Cent f\u00fcr jede der sogenannten A-Aktien \u2013 einen Vorschlag, den Vorstand und Aufsichtsrat im M\u00e4rz vorgelegt hatten, abgestimmt mit den Gesellschaftern.<\/p>\n<p>Der 59-j\u00e4hrigen Managerin blieb nach dem Vorsto\u00df der Gesellschafter kaum eine andere Wahl, als ihren Posten lange vor Vertragsablauf zu r\u00e4umen. Im Dezember 2023 hatte der Aufsichtsrat Titzraths Vertrag vorzeitig um f\u00fcnf Jahre verl\u00e4ngert, bis Anfang 2029. Schon damals war klar, dass die HHLA vor einer Z\u00e4sur steht: Der rot-gr\u00fcne Hamburger Senat hatte im September 2023 angek\u00fcndigt, den Anteil der Stadt am Teilkonzern Hafenlogistik von fast 70 Prozent auf 50,1 Prozent abzusenken, damit der italienische Konzern MSC \u2013 mit Sitz in Genf \u2013 einen Anteil von bis zu 49,9 Prozent \u00fcbernehmen kann. MSC kaufte st\u00e4dtische Anteile und erwarb zudem bislang auch den gr\u00f6\u00dften Teil der an der B\u00f6rse gehandelten HHLA-Aktien. Die Verl\u00e4ngerung von Titzraths Vertrag bereits Monate vor der Zustimmung der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft zum Einstieg von MSC\u00a0galt seinerzeit als wichtiges Signal: Die Stadt will f\u00fcr den \u00dcbergang Kontinuit\u00e4t bei der HHLA, gerade auch beim Umbau des Burchardkais.<\/p>\n<p>Dass die Vorstandschefin im Juni dann derart r\u00fcde aus dem Amt gedr\u00e4ngt wurde, wirft Fragen auf. Vor allem: Warum nahmen die Eigner die vermeidbare Besch\u00e4digung des Unternehmens in Kauf? WELT AM SONNTAG sprach mit Personen, die mit den Vorg\u00e4ngen vertraut sind, die aber nicht namentlich genannt werden wollen oder k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Klar erscheint dabei: Die K\u00fcrzung des Dividendenvorschlags war ein Vehikel, um das Ende von Titzraths Amtszeit einzuleiten. Denn das finanzielle Volumen, das damit verbunden ist, wirkt relativ belanglos: Die Aussch\u00fcttung der Dividende wurde um rund 4,4 Millionen Euro auf insgesamt 11,3 Millionen Euro gesenkt. Die verbliebenen rund 16.000 Kleinaktion\u00e4re erhalten f\u00fcr das Jahr 2024 insgesamt rund 212.000 Euro Dividende weniger. Zum Vergleich: Bei der Neuordnung der Anteilsverh\u00e4ltnisse im vergangenen Jahr hatten die Stadt und MSC vereinbart, das Eigenkapital der HHLA um 450 Millionen Euro aufzustocken. 2024 verdiente der HHLA-Konzern netto rund 56,4 Millionen Euro, bei einem Umsatz von etwa 1,6 Milliarden Euro. Ein Nebeneffekt der reduzierten Dividende k\u00f6nnte es sein, Eigner des Streubesitzes zum Verkauf an MSC zu bringen, derzeit sind noch etwa 5,37 Prozent der Anteile in der Hand von freien Aktion\u00e4ren. MSC braucht nur noch 0,37 Prozent der b\u00f6rsennotierten A-Aktien, um gemeinsam mit der Stadt ein Herauskaufen der Minderheitsaktion\u00e4re zu organisieren, einen aktienrechtlichen \u201eSqueeze-out\u201c.<\/p>\n<p>Das mutma\u00dfliche Hauptziel aber ist bereits erreicht. \u201eMich hat das schockiert, weil ich es pers\u00f6nlich sehr unfair finde, wie mit Frau Titzrath umgegangen wird\u201c, sagt einer der Brancheninsider. \u201eSie hat das Unternehmen gut gef\u00fchrt, hat wichtige Initiativen gestartet und wohl gehofft, ihren Ende 2023 verl\u00e4ngerten Vertrag zu erf\u00fcllen.\u201c Titzrath erh\u00e4lt f\u00fcr dieses Jahr ihre vollen Bez\u00fcge von 1,1 Millionen Euro sowie eine Abfindung von 1,58 Millionen Euro.<\/p>\n<p>Die Eigner, und hier vor allem die Stadt Hamburg als Mehrheitsgesellschafter, sahen Titzraths Arbeit offenbar trotz der vorzeitigen Vertragsverl\u00e4ngerung kritisch. Zwar sicherte Titzrath dem Unternehmen in der schwierigen \u00dcbergangsphase Stabilit\u00e4t \u2013 Vorstand und Aufsichtsrat empfahlen Anfang 2024 in ihrer Stellungnahme den Einstieg von MSC. Der Vorstand verhandelte 2024 zahlreiche Vertr\u00e4ge mit Hafenkunden neu und versicherte diesen, dass sich der neue Gro\u00dfeigner MSC im gr\u00f6\u00dften deutschen Seehafen k\u00fcnftig wettbewerbsneutral verhalten werde. Auch h\u00e4lt sich die HHLA-F\u00fchrung zugute, die Arbeitnehmerrechte im Unternehmen l\u00e4ngerfristig abgesichert zu haben.<\/p>\n<p>Doch nicht die vergangenen eineinhalb Jahre brachten Titzrath zu Fall, sondern ein Betrachtungszeitraum von etwa f\u00fcnf Jahren. Die Leistung der HHLA in dieser Zeit sei \u201eunterperformant\u201c, hei\u00dft es aus st\u00e4dtischen Kreisen. Das bedeutet unter anderem: Die HHLA-Terminals in Hamburg arbeiteten aus Sicht des Haupteigners zu langsam und zu teuer. Sollte dies tats\u00e4chlich der Hauptgrund f\u00fcr die Trennung von Titzrath sein, w\u00e4re er paradox. Denn zwei Themen pr\u00e4gten die Amtszeit der fr\u00fcheren Daimler- und Deutsche-Post-Managerin bei der HHLA: die Internationalisierung und die Digitalisierung und Automatisierung. Die Expansion im Ausland, der Erwerb von Hafenterminals in Estland und Italien, der Ausbau des HHLA-G\u00fcterbahnunternehmens Metrans waren weitgehend unumstritten. Die Automatisierung des Burchardkais und die weitere Automatisierung des Terminals Altenwerder sorgten hingegen seit Jahren f\u00fcr Streit und Streiks.<\/p>\n<p>Titzrath trieb die Automatisierung seit 2017 deutlich voran, bei der es zuvor jahrelang kaum sichtbare Fortschritte gegeben hatte. Auch entstehen bei der HHLA nun viele neue Arbeitspl\u00e4tze, etwa f\u00fcr Fernsteuerer und Systemtechniker. Der 2002 er\u00f6ffnete, hoch automatisierte Terminal Altenwerder war damals der modernste Containerterminal der Welt. Doch Hamburg verspielte die Chance, mit einer schnellen Automatisierung des Burchardkais diese F\u00fchrungsrolle zu erhalten. Die gut organisierten Hafenarbeiter der HHLA und die Gewerkschaft Verdi bremsten das Vorhaben aus, weil sie den Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fcrchteten. Keine der Parteien im Hamburger Senat traute sich, den Druck auf den Hafen zu erh\u00f6hen. So trug der Zeitverlust bei der Automatisierung mit dazu bei, dass Hamburg seit der Welt-Finanzmarktkrise Marktanteile an der Nordsee verlor.<\/p>\n<p>F\u00fcr die schwache Mengenentwicklung auf den drei Containerterminals der HHLA \u2013 dort werden etwa drei Viertel aller Container in Hamburg umgeschlagen \u2013 sind der Vorstand und speziell auch Titzrath mitverantwortlich. Durch den Austausch der F\u00fchrungsfigur wird das Problem aber nicht einfach verschwinden \u2013 daf\u00fcr sind die geografischen und wirtschaftlichen Einflussgr\u00f6\u00dfen des Hafens viel zu komplex. Ohnehin ging es bei Titzrath vor allem auch um ihr Verh\u00e4ltnis zur st\u00e4dtischen Politik: Viele Akteure im Hamburger Senat und in der B\u00fcrgerschaft vermissten bei der selbstbewusst auftretenden HHLA-Chefin die freundliche Zugewandtheit einer st\u00e4dtischen Angestellten \u2013 inklusive etwa einer regelm\u00e4\u00dfigen Pr\u00e4senz bei Ausschusssitzungen der B\u00fcrgerschaft.\u00a0<\/p>\n<p>Mit Frist zur Mitte dieses Jahres hatten sich die Stadt und Titzrath die Option ausbedungen, den Vertrag im Zweifel vorzeitig aufzul\u00f6sen. Dass es so kam, war aber nicht zwangsl\u00e4ufig. Ungekl\u00e4rt bleiben gro\u00dfe Fragen: Wann nehmen die Eigner das Unternehmen von der B\u00f6rse, wandeln sie die HHLA in eine GmbH mit weisungsgebundener Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung um \u2013 und wie soll die HHLA k\u00fcnftig aussehen? \u201eDas Konstrukt der HHLA als voll integrierter Logistikkonzern f\u00fcr Hafenterminals, Intermodal- und Logistikgesch\u00e4fte und zus\u00e4tzlich auch als Eigner gro\u00dfer Immobilienbest\u00e4nde in Hamburg ist so nicht mehr sehr wettbewerbsf\u00e4hig\u201c, sagt Jan Ninnemann, Professor f\u00fcr Logistik an der Hamburg School of Business Administration (HSBA). \u201eDie Entwicklungen im internationalen Hafengesch\u00e4ft laufen schon lange ganz anders. Ganz entscheidend f\u00fcr die HHLA wird sein, welche Rolle MSC bei der Entwicklung des Unternehmens k\u00fcnftig spielen soll und wird.\u201c<\/p>\n<p>Der Vorsitzende des HHLA-Aufsichtsrates und fr\u00fchere Bahnchef R\u00fcdiger Grube hat angek\u00fcndigt, schon gegen Ende Juli einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin f\u00fcr Titzrath pr\u00e4sentieren zu wollen. Die Eigner hingegen sehen wohl keinen Zeitdruck bei der Neubesetzung. Grube, der dem Aufsichtsrat seit Juni 2017 angeh\u00f6rt, will die Leitung des Gremiums dieses Jahr abgeben. Ein Hamburger Hafenkenner, der durch die K\u00fcrzung der Dividende mit seinen zwei HHLA-Aktien zw\u00f6lf Eurocent eingeb\u00fc\u00dft hat, h\u00e4lt den Managementveteranen f\u00fcr den eigentlichen Bremser bei der L\u00f6sung vieler Probleme: \u201eVerkrustungen an etlichen Stellen im Unternehmen wurden nicht beseitigt. Und das ist vor allem auch Grubes Verantwortung.\u201c<\/p>\n<p><b><em>Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten \u00fcber die maritime Wirtschaft, \u00fcber H\u00e4fen, Schifffahrt und Werften.<\/em><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An einem strahlenden Sommertag Ende August 2024 pr\u00e4sentiert Angela Titzrath stolz das derzeit wichtigste Projekt der HHLA. 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Vorausgegangen war der Trennung ein Affront gegen den Vorstand und den Aufsichtsrat der HHLA durch die beiden Haupteigner der Hafenlogistik-Sparte, die Stadt Hamburg und den Maritimkonzern MSC. Beide halten derzeit gemeinsam fast 95 Prozent der Anteile am Teilkonzern Hafenlogistik der HHLA. Sie reduzierten den Dividendenvorschlag der HHLA im Juni kurz vor der Hauptversammlung von 16 auf zehn Cent f\u00fcr jede der sogenannten A-Aktien \u2013 einen Vorschlag, den Vorstand und Aufsichtsrat im M\u00e4rz vorgelegt hatten, abgestimmt mit den Gesellschaftern.Der 59-j\u00e4hrigen Managerin blieb nach dem Vorsto\u00df der Gesellschafter kaum eine andere Wahl, als ihren Posten lange vor Vertragsablauf zu r\u00e4umen. Im Dezember 2023 hatte der Aufsichtsrat Titzraths Vertrag vorzeitig um f\u00fcnf Jahre verl\u00e4ngert, bis Anfang 2029. Schon damals war klar, dass die HHLA vor einer Z\u00e4sur steht: Der rot-gr\u00fcne Hamburger Senat hatte im September 2023 angek\u00fcndigt, den Anteil der Stadt am Teilkonzern Hafenlogistik von fast 70 Prozent auf 50,1 Prozent abzusenken, damit der italienische Konzern MSC \u2013 mit Sitz in Genf \u2013 einen Anteil von bis zu 49,9 Prozent \u00fcbernehmen kann. MSC kaufte st\u00e4dtische Anteile und erwarb zudem bislang auch den gr\u00f6\u00dften Teil der an der B\u00f6rse gehandelten HHLA-Aktien. Die Verl\u00e4ngerung von Titzraths Vertrag bereits Monate vor der Zustimmung der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft zum Einstieg von MSC\u00a0galt seinerzeit als wichtiges Signal: Die Stadt will f\u00fcr den \u00dcbergang Kontinuit\u00e4t bei der HHLA, gerade auch beim Umbau des Burchardkais.Dass die Vorstandschefin im Juni dann derart r\u00fcde aus dem Amt gedr\u00e4ngt wurde, wirft Fragen auf. Vor allem: Warum nahmen die Eigner die vermeidbare Besch\u00e4digung des Unternehmens in Kauf? WELT AM SONNTAG sprach mit Personen, die mit den Vorg\u00e4ngen vertraut sind, die aber nicht namentlich genannt werden wollen oder k\u00f6nnen.Klar erscheint dabei: Die K\u00fcrzung des Dividendenvorschlags war ein Vehikel, um das Ende von Titzraths Amtszeit einzuleiten. Denn das finanzielle Volumen, das damit verbunden ist, wirkt relativ belanglos: Die Aussch\u00fcttung der Dividende wurde um rund 4,4 Millionen Euro auf insgesamt 11,3 Millionen Euro gesenkt. Die verbliebenen rund 16.000 Kleinaktion\u00e4re erhalten f\u00fcr das Jahr 2024 insgesamt rund 212.000 Euro Dividende weniger. Zum Vergleich: Bei der Neuordnung der Anteilsverh\u00e4ltnisse im vergangenen Jahr hatten die Stadt und MSC vereinbart, das Eigenkapital der HHLA um 450 Millionen Euro aufzustocken. 2024 verdiente der HHLA-Konzern netto rund 56,4 Millionen Euro, bei einem Umsatz von etwa 1,6 Milliarden Euro. Ein Nebeneffekt der reduzierten Dividende k\u00f6nnte es sein, Eigner des Streubesitzes zum Verkauf an MSC zu bringen, derzeit sind noch etwa 5,37 Prozent der Anteile in der Hand von freien Aktion\u00e4ren. MSC braucht nur noch 0,37 Prozent der b\u00f6rsennotierten A-Aktien, um gemeinsam mit der Stadt ein Herauskaufen der Minderheitsaktion\u00e4re zu organisieren, einen aktienrechtlichen \u201eSqueeze-out\u201c.Das mutma\u00dfliche Hauptziel aber ist bereits erreicht. \u201eMich hat das schockiert, weil ich es pers\u00f6nlich sehr unfair finde, wie mit Frau Titzrath umgegangen wird\u201c, sagt einer der Brancheninsider. \u201eSie hat das Unternehmen gut gef\u00fchrt, hat wichtige Initiativen gestartet und wohl gehofft, ihren Ende 2023 verl\u00e4ngerten Vertrag zu erf\u00fcllen.\u201c Titzrath erh\u00e4lt f\u00fcr dieses Jahr ihre vollen Bez\u00fcge von 1,1 Millionen Euro sowie eine Abfindung von 1,58 Millionen Euro.Die Eigner, und hier vor allem die Stadt Hamburg als Mehrheitsgesellschafter, sahen Titzraths Arbeit offenbar trotz der vorzeitigen Vertragsverl\u00e4ngerung kritisch. Zwar sicherte Titzrath dem Unternehmen in der schwierigen \u00dcbergangsphase Stabilit\u00e4t \u2013 Vorstand und Aufsichtsrat empfahlen Anfang 2024 in ihrer Stellungnahme den Einstieg von MSC. Der Vorstand verhandelte 2024 zahlreiche Vertr\u00e4ge mit Hafenkunden neu und versicherte diesen, dass sich der neue Gro\u00dfeigner MSC im gr\u00f6\u00dften deutschen Seehafen k\u00fcnftig wettbewerbsneutral verhalten werde. Auch h\u00e4lt sich die HHLA-F\u00fchrung zugute, die Arbeitnehmerrechte im Unternehmen l\u00e4ngerfristig abgesichert zu haben.Doch nicht die vergangenen eineinhalb Jahre brachten Titzrath zu Fall, sondern ein Betrachtungszeitraum von etwa f\u00fcnf Jahren. Die Leistung der HHLA in dieser Zeit sei \u201eunterperformant\u201c, hei\u00dft es aus st\u00e4dtischen Kreisen. Das bedeutet unter anderem: Die HHLA-Terminals in Hamburg arbeiteten aus Sicht des Haupteigners zu langsam und zu teuer. Sollte dies tats\u00e4chlich der Hauptgrund f\u00fcr die Trennung von Titzrath sein, w\u00e4re er paradox. Denn zwei Themen pr\u00e4gten die Amtszeit der fr\u00fcheren Daimler- und Deutsche-Post-Managerin bei der HHLA: die Internationalisierung und die Digitalisierung und Automatisierung. Die Expansion im Ausland, der Erwerb von Hafenterminals in Estland und Italien, der Ausbau des HHLA-G\u00fcterbahnunternehmens Metrans waren weitgehend unumstritten. Die Automatisierung des Burchardkais und die weitere Automatisierung des Terminals Altenwerder sorgten hingegen seit Jahren f\u00fcr Streit und Streiks.Titzrath trieb die Automatisierung seit 2017 deutlich voran, bei der es zuvor jahrelang kaum sichtbare Fortschritte gegeben hatte. Auch entstehen bei der HHLA nun viele neue Arbeitspl\u00e4tze, etwa f\u00fcr Fernsteuerer und Systemtechniker. Der 2002 er\u00f6ffnete, hoch automatisierte Terminal Altenwerder war damals der modernste Containerterminal der Welt. Doch Hamburg verspielte die Chance, mit einer schnellen Automatisierung des Burchardkais diese F\u00fchrungsrolle zu erhalten. Die gut organisierten Hafenarbeiter der HHLA und die Gewerkschaft Verdi bremsten das Vorhaben aus, weil sie den Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fcrchteten. Keine der Parteien im Hamburger Senat traute sich, den Druck auf den Hafen zu erh\u00f6hen. So trug der Zeitverlust bei der Automatisierung mit dazu bei, dass Hamburg seit der Welt-Finanzmarktkrise Marktanteile an der Nordsee verlor.F\u00fcr die schwache Mengenentwicklung auf den drei Containerterminals der HHLA \u2013 dort werden etwa drei Viertel aller Container in Hamburg umgeschlagen \u2013 sind der Vorstand und speziell auch Titzrath mitverantwortlich. Durch den Austausch der F\u00fchrungsfigur wird das Problem aber nicht einfach verschwinden \u2013 daf\u00fcr sind die geografischen und wirtschaftlichen Einflussgr\u00f6\u00dfen des Hafens viel zu komplex. Ohnehin ging es bei Titzrath vor allem auch um ihr Verh\u00e4ltnis zur st\u00e4dtischen Politik: Viele Akteure im Hamburger Senat und in der B\u00fcrgerschaft vermissten bei der selbstbewusst auftretenden HHLA-Chefin die freundliche Zugewandtheit einer st\u00e4dtischen Angestellten \u2013 inklusive etwa einer regelm\u00e4\u00dfigen Pr\u00e4senz bei Ausschusssitzungen der B\u00fcrgerschaft.\u00a0Mit Frist zur Mitte dieses Jahres hatten sich die Stadt und Titzrath die Option ausbedungen, den Vertrag im Zweifel vorzeitig aufzul\u00f6sen. Dass es so kam, war aber nicht zwangsl\u00e4ufig. Ungekl\u00e4rt bleiben gro\u00dfe Fragen: Wann nehmen die Eigner das Unternehmen von der B\u00f6rse, wandeln sie die HHLA in eine GmbH mit weisungsgebundener Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung um \u2013 und wie soll die HHLA k\u00fcnftig aussehen? \u201eDas Konstrukt der HHLA als voll integrierter Logistikkonzern f\u00fcr Hafenterminals, Intermodal- und Logistikgesch\u00e4fte und zus\u00e4tzlich auch als Eigner gro\u00dfer Immobilienbest\u00e4nde in Hamburg ist so nicht mehr sehr wettbewerbsf\u00e4hig\u201c, sagt Jan Ninnemann, Professor f\u00fcr Logistik an der Hamburg School of Business Administration (HSBA). \u201eDie Entwicklungen im internationalen Hafengesch\u00e4ft laufen schon lange ganz anders. Ganz entscheidend f\u00fcr die HHLA wird sein, welche Rolle MSC bei der Entwicklung des Unternehmens k\u00fcnftig spielen soll und wird.\u201cDer Vorsitzende des HHLA-Aufsichtsrates und fr\u00fchere Bahnchef R\u00fcdiger Grube hat angek\u00fcndigt, schon gegen Ende Juli einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin f\u00fcr Titzrath pr\u00e4sentieren zu wollen. Die Eigner hingegen sehen wohl keinen Zeitdruck bei der Neubesetzung. Grube, der dem Aufsichtsrat seit Juni 2017 angeh\u00f6rt, will die Leitung des Gremiums dieses Jahr abgeben. Ein Hamburger Hafenkenner, der durch die K\u00fcrzung der Dividende mit seinen zwei HHLA-Aktien zw\u00f6lf Eurocent eingeb\u00fc\u00dft hat, h\u00e4lt den Managementveteranen f\u00fcr den eigentlichen Bremser bei der L\u00f6sung vieler Probleme: \u201eVerkrustungen an etlichen Stellen im Unternehmen wurden nicht beseitigt. 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Vorausgegangen war der Trennung ein Affront gegen den Vorstand und den Aufsichtsrat der HHLA durch die beiden Haupteigner der Hafenlogistik-Sparte, die Stadt Hamburg und den Maritimkonzern MSC. Beide halten derzeit gemeinsam fast 95 Prozent der Anteile am Teilkonzern Hafenlogistik der HHLA. Sie reduzierten den Dividendenvorschlag der HHLA im Juni kurz vor der Hauptversammlung von 16 auf zehn Cent f\u00fcr jede der sogenannten A-Aktien \u2013 einen Vorschlag, den Vorstand und Aufsichtsrat im M\u00e4rz vorgelegt hatten, abgestimmt mit den Gesellschaftern.Der 59-j\u00e4hrigen Managerin blieb nach dem Vorsto\u00df der Gesellschafter kaum eine andere Wahl, als ihren Posten lange vor Vertragsablauf zu r\u00e4umen. Im Dezember 2023 hatte der Aufsichtsrat Titzraths Vertrag vorzeitig um f\u00fcnf Jahre verl\u00e4ngert, bis Anfang 2029. Schon damals war klar, dass die HHLA vor einer Z\u00e4sur steht: Der rot-gr\u00fcne Hamburger Senat hatte im September 2023 angek\u00fcndigt, den Anteil der Stadt am Teilkonzern Hafenlogistik von fast 70 Prozent auf 50,1 Prozent abzusenken, damit der italienische Konzern MSC \u2013 mit Sitz in Genf \u2013 einen Anteil von bis zu 49,9 Prozent \u00fcbernehmen kann. MSC kaufte st\u00e4dtische Anteile und erwarb zudem bislang auch den gr\u00f6\u00dften Teil der an der B\u00f6rse gehandelten HHLA-Aktien. Die Verl\u00e4ngerung von Titzraths Vertrag bereits Monate vor der Zustimmung der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft zum Einstieg von MSC\u00a0galt seinerzeit als wichtiges Signal: Die Stadt will f\u00fcr den \u00dcbergang Kontinuit\u00e4t bei der HHLA, gerade auch beim Umbau des Burchardkais.Dass die Vorstandschefin im Juni dann derart r\u00fcde aus dem Amt gedr\u00e4ngt wurde, wirft Fragen auf. Vor allem: Warum nahmen die Eigner die vermeidbare Besch\u00e4digung des Unternehmens in Kauf? WELT AM SONNTAG sprach mit Personen, die mit den Vorg\u00e4ngen vertraut sind, die aber nicht namentlich genannt werden wollen oder k\u00f6nnen.Klar erscheint dabei: Die K\u00fcrzung des Dividendenvorschlags war ein Vehikel, um das Ende von Titzraths Amtszeit einzuleiten. Denn das finanzielle Volumen, das damit verbunden ist, wirkt relativ belanglos: Die Aussch\u00fcttung der Dividende wurde um rund 4,4 Millionen Euro auf insgesamt 11,3 Millionen Euro gesenkt. Die verbliebenen rund 16.000 Kleinaktion\u00e4re erhalten f\u00fcr das Jahr 2024 insgesamt rund 212.000 Euro Dividende weniger. Zum Vergleich: Bei der Neuordnung der Anteilsverh\u00e4ltnisse im vergangenen Jahr hatten die Stadt und MSC vereinbart, das Eigenkapital der HHLA um 450 Millionen Euro aufzustocken. 2024 verdiente der HHLA-Konzern netto rund 56,4 Millionen Euro, bei einem Umsatz von etwa 1,6 Milliarden Euro. Ein Nebeneffekt der reduzierten Dividende k\u00f6nnte es sein, Eigner des Streubesitzes zum Verkauf an MSC zu bringen, derzeit sind noch etwa 5,37 Prozent der Anteile in der Hand von freien Aktion\u00e4ren. MSC braucht nur noch 0,37 Prozent der b\u00f6rsennotierten A-Aktien, um gemeinsam mit der Stadt ein Herauskaufen der Minderheitsaktion\u00e4re zu organisieren, einen aktienrechtlichen \u201eSqueeze-out\u201c.Das mutma\u00dfliche Hauptziel aber ist bereits erreicht. \u201eMich hat das schockiert, weil ich es pers\u00f6nlich sehr unfair finde, wie mit Frau Titzrath umgegangen wird\u201c, sagt einer der Brancheninsider. \u201eSie hat das Unternehmen gut gef\u00fchrt, hat wichtige Initiativen gestartet und wohl gehofft, ihren Ende 2023 verl\u00e4ngerten Vertrag zu erf\u00fcllen.\u201c Titzrath erh\u00e4lt f\u00fcr dieses Jahr ihre vollen Bez\u00fcge von 1,1 Millionen Euro sowie eine Abfindung von 1,58 Millionen Euro.Die Eigner, und hier vor allem die Stadt Hamburg als Mehrheitsgesellschafter, sahen Titzraths Arbeit offenbar trotz der vorzeitigen Vertragsverl\u00e4ngerung kritisch. Zwar sicherte Titzrath dem Unternehmen in der schwierigen \u00dcbergangsphase Stabilit\u00e4t \u2013 Vorstand und Aufsichtsrat empfahlen Anfang 2024 in ihrer Stellungnahme den Einstieg von MSC. Der Vorstand verhandelte 2024 zahlreiche Vertr\u00e4ge mit Hafenkunden neu und versicherte diesen, dass sich der neue Gro\u00dfeigner MSC im gr\u00f6\u00dften deutschen Seehafen k\u00fcnftig wettbewerbsneutral verhalten werde. Auch h\u00e4lt sich die HHLA-F\u00fchrung zugute, die Arbeitnehmerrechte im Unternehmen l\u00e4ngerfristig abgesichert zu haben.Doch nicht die vergangenen eineinhalb Jahre brachten Titzrath zu Fall, sondern ein Betrachtungszeitraum von etwa f\u00fcnf Jahren. Die Leistung der HHLA in dieser Zeit sei \u201eunterperformant\u201c, hei\u00dft es aus st\u00e4dtischen Kreisen. Das bedeutet unter anderem: Die HHLA-Terminals in Hamburg arbeiteten aus Sicht des Haupteigners zu langsam und zu teuer. Sollte dies tats\u00e4chlich der Hauptgrund f\u00fcr die Trennung von Titzrath sein, w\u00e4re er paradox. Denn zwei Themen pr\u00e4gten die Amtszeit der fr\u00fcheren Daimler- und Deutsche-Post-Managerin bei der HHLA: die Internationalisierung und die Digitalisierung und Automatisierung. Die Expansion im Ausland, der Erwerb von Hafenterminals in Estland und Italien, der Ausbau des HHLA-G\u00fcterbahnunternehmens Metrans waren weitgehend unumstritten. Die Automatisierung des Burchardkais und die weitere Automatisierung des Terminals Altenwerder sorgten hingegen seit Jahren f\u00fcr Streit und Streiks.Titzrath trieb die Automatisierung seit 2017 deutlich voran, bei der es zuvor jahrelang kaum sichtbare Fortschritte gegeben hatte. Auch entstehen bei der HHLA nun viele neue Arbeitspl\u00e4tze, etwa f\u00fcr Fernsteuerer und Systemtechniker. Der 2002 er\u00f6ffnete, hoch automatisierte Terminal Altenwerder war damals der modernste Containerterminal der Welt. Doch Hamburg verspielte die Chance, mit einer schnellen Automatisierung des Burchardkais diese F\u00fchrungsrolle zu erhalten. Die gut organisierten Hafenarbeiter der HHLA und die Gewerkschaft Verdi bremsten das Vorhaben aus, weil sie den Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fcrchteten. Keine der Parteien im Hamburger Senat traute sich, den Druck auf den Hafen zu erh\u00f6hen. So trug der Zeitverlust bei der Automatisierung mit dazu bei, dass Hamburg seit der Welt-Finanzmarktkrise Marktanteile an der Nordsee verlor.F\u00fcr die schwache Mengenentwicklung auf den drei Containerterminals der HHLA \u2013 dort werden etwa drei Viertel aller Container in Hamburg umgeschlagen \u2013 sind der Vorstand und speziell auch Titzrath mitverantwortlich. Durch den Austausch der F\u00fchrungsfigur wird das Problem aber nicht einfach verschwinden \u2013 daf\u00fcr sind die geografischen und wirtschaftlichen Einflussgr\u00f6\u00dfen des Hafens viel zu komplex. Ohnehin ging es bei Titzrath vor allem auch um ihr Verh\u00e4ltnis zur st\u00e4dtischen Politik: Viele Akteure im Hamburger Senat und in der B\u00fcrgerschaft vermissten bei der selbstbewusst auftretenden HHLA-Chefin die freundliche Zugewandtheit einer st\u00e4dtischen Angestellten \u2013 inklusive etwa einer regelm\u00e4\u00dfigen Pr\u00e4senz bei Ausschusssitzungen der B\u00fcrgerschaft.\u00a0Mit Frist zur Mitte dieses Jahres hatten sich die Stadt und Titzrath die Option ausbedungen, den Vertrag im Zweifel vorzeitig aufzul\u00f6sen. Dass es so kam, war aber nicht zwangsl\u00e4ufig. Ungekl\u00e4rt bleiben gro\u00dfe Fragen: Wann nehmen die Eigner das Unternehmen von der B\u00f6rse, wandeln sie die HHLA in eine GmbH mit weisungsgebundener Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung um \u2013 und wie soll die HHLA k\u00fcnftig aussehen? \u201eDas Konstrukt der HHLA als voll integrierter Logistikkonzern f\u00fcr Hafenterminals, Intermodal- und Logistikgesch\u00e4fte und zus\u00e4tzlich auch als Eigner gro\u00dfer Immobilienbest\u00e4nde in Hamburg ist so nicht mehr sehr wettbewerbsf\u00e4hig\u201c, sagt Jan Ninnemann, Professor f\u00fcr Logistik an der Hamburg School of Business Administration (HSBA). \u201eDie Entwicklungen im internationalen Hafengesch\u00e4ft laufen schon lange ganz anders. Ganz entscheidend f\u00fcr die HHLA wird sein, welche Rolle MSC bei der Entwicklung des Unternehmens k\u00fcnftig spielen soll und wird.\u201cDer Vorsitzende des HHLA-Aufsichtsrates und fr\u00fchere Bahnchef R\u00fcdiger Grube hat angek\u00fcndigt, schon gegen Ende Juli einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin f\u00fcr Titzrath pr\u00e4sentieren zu wollen. Die Eigner hingegen sehen wohl keinen Zeitdruck bei der Neubesetzung. Grube, der dem Aufsichtsrat seit Juni 2017 angeh\u00f6rt, will die Leitung des Gremiums dieses Jahr abgeben. Ein Hamburger Hafenkenner, der durch die K\u00fcrzung der Dividende mit seinen zwei HHLA-Aktien zw\u00f6lf Eurocent eingeb\u00fc\u00dft hat, h\u00e4lt den Managementveteranen f\u00fcr den eigentlichen Bremser bei der L\u00f6sung vieler Probleme: \u201eVerkrustungen an etlichen Stellen im Unternehmen wurden nicht beseitigt. Und das ist vor allem auch Grubes Verantwortung.\u201cOlaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. 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Vorausgegangen war der Trennung ein Affront gegen den Vorstand und den Aufsichtsrat der HHLA durch die beiden Haupteigner der Hafenlogistik-Sparte, die Stadt Hamburg und den Maritimkonzern MSC. Beide halten derzeit gemeinsam fast 95 Prozent der Anteile am Teilkonzern Hafenlogistik der HHLA. Sie reduzierten den Dividendenvorschlag der HHLA im Juni kurz vor der Hauptversammlung von 16 auf zehn Cent f\u00fcr jede der sogenannten A-Aktien \u2013 einen Vorschlag, den Vorstand und Aufsichtsrat im M\u00e4rz vorgelegt hatten, abgestimmt mit den Gesellschaftern.Der 59-j\u00e4hrigen Managerin blieb nach dem Vorsto\u00df der Gesellschafter kaum eine andere Wahl, als ihren Posten lange vor Vertragsablauf zu r\u00e4umen. Im Dezember 2023 hatte der Aufsichtsrat Titzraths Vertrag vorzeitig um f\u00fcnf Jahre verl\u00e4ngert, bis Anfang 2029. Schon damals war klar, dass die HHLA vor einer Z\u00e4sur steht: Der rot-gr\u00fcne Hamburger Senat hatte im September 2023 angek\u00fcndigt, den Anteil der Stadt am Teilkonzern Hafenlogistik von fast 70 Prozent auf 50,1 Prozent abzusenken, damit der italienische Konzern MSC \u2013 mit Sitz in Genf \u2013 einen Anteil von bis zu 49,9 Prozent \u00fcbernehmen kann. MSC kaufte st\u00e4dtische Anteile und erwarb zudem bislang auch den gr\u00f6\u00dften Teil der an der B\u00f6rse gehandelten HHLA-Aktien. Die Verl\u00e4ngerung von Titzraths Vertrag bereits Monate vor der Zustimmung der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft zum Einstieg von MSC\u00a0galt seinerzeit als wichtiges Signal: Die Stadt will f\u00fcr den \u00dcbergang Kontinuit\u00e4t bei der HHLA, gerade auch beim Umbau des Burchardkais.Dass die Vorstandschefin im Juni dann derart r\u00fcde aus dem Amt gedr\u00e4ngt wurde, wirft Fragen auf. Vor allem: Warum nahmen die Eigner die vermeidbare Besch\u00e4digung des Unternehmens in Kauf? WELT AM SONNTAG sprach mit Personen, die mit den Vorg\u00e4ngen vertraut sind, die aber nicht namentlich genannt werden wollen oder k\u00f6nnen.Klar erscheint dabei: Die K\u00fcrzung des Dividendenvorschlags war ein Vehikel, um das Ende von Titzraths Amtszeit einzuleiten. Denn das finanzielle Volumen, das damit verbunden ist, wirkt relativ belanglos: Die Aussch\u00fcttung der Dividende wurde um rund 4,4 Millionen Euro auf insgesamt 11,3 Millionen Euro gesenkt. Die verbliebenen rund 16.000 Kleinaktion\u00e4re erhalten f\u00fcr das Jahr 2024 insgesamt rund 212.000 Euro Dividende weniger. Zum Vergleich: Bei der Neuordnung der Anteilsverh\u00e4ltnisse im vergangenen Jahr hatten die Stadt und MSC vereinbart, das Eigenkapital der HHLA um 450 Millionen Euro aufzustocken. 2024 verdiente der HHLA-Konzern netto rund 56,4 Millionen Euro, bei einem Umsatz von etwa 1,6 Milliarden Euro. Ein Nebeneffekt der reduzierten Dividende k\u00f6nnte es sein, Eigner des Streubesitzes zum Verkauf an MSC zu bringen, derzeit sind noch etwa 5,37 Prozent der Anteile in der Hand von freien Aktion\u00e4ren. MSC braucht nur noch 0,37 Prozent der b\u00f6rsennotierten A-Aktien, um gemeinsam mit der Stadt ein Herauskaufen der Minderheitsaktion\u00e4re zu organisieren, einen aktienrechtlichen \u201eSqueeze-out\u201c.Das mutma\u00dfliche Hauptziel aber ist bereits erreicht. \u201eMich hat das schockiert, weil ich es pers\u00f6nlich sehr unfair finde, wie mit Frau Titzrath umgegangen wird\u201c, sagt einer der Brancheninsider. \u201eSie hat das Unternehmen gut gef\u00fchrt, hat wichtige Initiativen gestartet und wohl gehofft, ihren Ende 2023 verl\u00e4ngerten Vertrag zu erf\u00fcllen.\u201c Titzrath erh\u00e4lt f\u00fcr dieses Jahr ihre vollen Bez\u00fcge von 1,1 Millionen Euro sowie eine Abfindung von 1,58 Millionen Euro.Die Eigner, und hier vor allem die Stadt Hamburg als Mehrheitsgesellschafter, sahen Titzraths Arbeit offenbar trotz der vorzeitigen Vertragsverl\u00e4ngerung kritisch. Zwar sicherte Titzrath dem Unternehmen in der schwierigen \u00dcbergangsphase Stabilit\u00e4t \u2013 Vorstand und Aufsichtsrat empfahlen Anfang 2024 in ihrer Stellungnahme den Einstieg von MSC. Der Vorstand verhandelte 2024 zahlreiche Vertr\u00e4ge mit Hafenkunden neu und versicherte diesen, dass sich der neue Gro\u00dfeigner MSC im gr\u00f6\u00dften deutschen Seehafen k\u00fcnftig wettbewerbsneutral verhalten werde. Auch h\u00e4lt sich die HHLA-F\u00fchrung zugute, die Arbeitnehmerrechte im Unternehmen l\u00e4ngerfristig abgesichert zu haben.Doch nicht die vergangenen eineinhalb Jahre brachten Titzrath zu Fall, sondern ein Betrachtungszeitraum von etwa f\u00fcnf Jahren. Die Leistung der HHLA in dieser Zeit sei \u201eunterperformant\u201c, hei\u00dft es aus st\u00e4dtischen Kreisen. Das bedeutet unter anderem: Die HHLA-Terminals in Hamburg arbeiteten aus Sicht des Haupteigners zu langsam und zu teuer. Sollte dies tats\u00e4chlich der Hauptgrund f\u00fcr die Trennung von Titzrath sein, w\u00e4re er paradox. Denn zwei Themen pr\u00e4gten die Amtszeit der fr\u00fcheren Daimler- und Deutsche-Post-Managerin bei der HHLA: die Internationalisierung und die Digitalisierung und Automatisierung. Die Expansion im Ausland, der Erwerb von Hafenterminals in Estland und Italien, der Ausbau des HHLA-G\u00fcterbahnunternehmens Metrans waren weitgehend unumstritten. Die Automatisierung des Burchardkais und die weitere Automatisierung des Terminals Altenwerder sorgten hingegen seit Jahren f\u00fcr Streit und Streiks.Titzrath trieb die Automatisierung seit 2017 deutlich voran, bei der es zuvor jahrelang kaum sichtbare Fortschritte gegeben hatte. Auch entstehen bei der HHLA nun viele neue Arbeitspl\u00e4tze, etwa f\u00fcr Fernsteuerer und Systemtechniker. Der 2002 er\u00f6ffnete, hoch automatisierte Terminal Altenwerder war damals der modernste Containerterminal der Welt. Doch Hamburg verspielte die Chance, mit einer schnellen Automatisierung des Burchardkais diese F\u00fchrungsrolle zu erhalten. Die gut organisierten Hafenarbeiter der HHLA und die Gewerkschaft Verdi bremsten das Vorhaben aus, weil sie den Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fcrchteten. Keine der Parteien im Hamburger Senat traute sich, den Druck auf den Hafen zu erh\u00f6hen. So trug der Zeitverlust bei der Automatisierung mit dazu bei, dass Hamburg seit der Welt-Finanzmarktkrise Marktanteile an der Nordsee verlor.F\u00fcr die schwache Mengenentwicklung auf den drei Containerterminals der HHLA \u2013 dort werden etwa drei Viertel aller Container in Hamburg umgeschlagen \u2013 sind der Vorstand und speziell auch Titzrath mitverantwortlich. Durch den Austausch der F\u00fchrungsfigur wird das Problem aber nicht einfach verschwinden \u2013 daf\u00fcr sind die geografischen und wirtschaftlichen Einflussgr\u00f6\u00dfen des Hafens viel zu komplex. Ohnehin ging es bei Titzrath vor allem auch um ihr Verh\u00e4ltnis zur st\u00e4dtischen Politik: Viele Akteure im Hamburger Senat und in der B\u00fcrgerschaft vermissten bei der selbstbewusst auftretenden HHLA-Chefin die freundliche Zugewandtheit einer st\u00e4dtischen Angestellten \u2013 inklusive etwa einer regelm\u00e4\u00dfigen Pr\u00e4senz bei Ausschusssitzungen der B\u00fcrgerschaft.\u00a0Mit Frist zur Mitte dieses Jahres hatten sich die Stadt und Titzrath die Option ausbedungen, den Vertrag im Zweifel vorzeitig aufzul\u00f6sen. Dass es so kam, war aber nicht zwangsl\u00e4ufig. 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Auf Hamburgs gr\u00f6\u00dftem Containerterminal, dem Burchardkai, rollen elektrische Schwerlasttransporter ohne Fahrer, bewegen sich automatische Portalkr\u00e4ne, f\u00fcgen sich Bewegungsabl\u00e4ufe ineinander \u2013 ohne Menschen auf der Hafenfl\u00e4che selbst. \u201eDiese Anlage\u201c, sagt die Vorstandsvorsitzende der HHLA, \u201ewird der modernste und \u00f6kologisch nachhaltigste Terminal f\u00fcr den Containerumschlag in Europa sein.\u201c Fast 20 Jahre der Planungen, harter Debatten und schlie\u00dflich der Realisierung sind zu diesem Zeitpunkt beim Umbau des Burchardkais vergangen.Den Abschluss des Gro\u00dfprojektes im kommenden Jahr und die weitgehende Automatisierung des Burchardkais wird Titzrath als Chefin des Hamburger Hafenlogistik-Konzerns indes nicht mehr erleben. Sp\u00e4testens bis Ende 2025 gibt sie die F\u00fchrung des Unternehmens ab, nach dann neun Jahren im Amt, darauf einigte sie sich im Juni mit dem Aufsichtsrat. Vorausgegangen war der Trennung ein Affront gegen den Vorstand und den Aufsichtsrat der HHLA durch die beiden Haupteigner der Hafenlogistik-Sparte, die Stadt Hamburg und den Maritimkonzern MSC. Beide halten derzeit gemeinsam fast 95 Prozent der Anteile am Teilkonzern Hafenlogistik der HHLA. Sie reduzierten den Dividendenvorschlag der HHLA im Juni kurz vor der Hauptversammlung von 16 auf zehn Cent f\u00fcr jede der sogenannten A-Aktien \u2013 einen Vorschlag, den Vorstand und Aufsichtsrat im M\u00e4rz vorgelegt hatten, abgestimmt mit den Gesellschaftern.Der 59-j\u00e4hrigen Managerin blieb nach dem Vorsto\u00df der Gesellschafter kaum eine andere Wahl, als ihren Posten lange vor Vertragsablauf zu r\u00e4umen. Im Dezember 2023 hatte der Aufsichtsrat Titzraths Vertrag vorzeitig um f\u00fcnf Jahre verl\u00e4ngert, bis Anfang 2029. Schon damals war klar, dass die HHLA vor einer Z\u00e4sur steht: Der rot-gr\u00fcne Hamburger Senat hatte im September 2023 angek\u00fcndigt, den Anteil der Stadt am Teilkonzern Hafenlogistik von fast 70 Prozent auf 50,1 Prozent abzusenken, damit der italienische Konzern MSC \u2013 mit Sitz in Genf \u2013 einen Anteil von bis zu 49,9 Prozent \u00fcbernehmen kann. MSC kaufte st\u00e4dtische Anteile und erwarb zudem bislang auch den gr\u00f6\u00dften Teil der an der B\u00f6rse gehandelten HHLA-Aktien. Die Verl\u00e4ngerung von Titzraths Vertrag bereits Monate vor der Zustimmung der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft zum Einstieg von MSC\u00a0galt seinerzeit als wichtiges Signal: Die Stadt will f\u00fcr den \u00dcbergang Kontinuit\u00e4t bei der HHLA, gerade auch beim Umbau des Burchardkais.Dass die Vorstandschefin im Juni dann derart r\u00fcde aus dem Amt gedr\u00e4ngt wurde, wirft Fragen auf. Vor allem: Warum nahmen die Eigner die vermeidbare Besch\u00e4digung des Unternehmens in Kauf? WELT AM SONNTAG sprach mit Personen, die mit den Vorg\u00e4ngen vertraut sind, die aber nicht namentlich genannt werden wollen oder k\u00f6nnen.Klar erscheint dabei: Die K\u00fcrzung des Dividendenvorschlags war ein Vehikel, um das Ende von Titzraths Amtszeit einzuleiten. Denn das finanzielle Volumen, das damit verbunden ist, wirkt relativ belanglos: Die Aussch\u00fcttung der Dividende wurde um rund 4,4 Millionen Euro auf insgesamt 11,3 Millionen Euro gesenkt. Die verbliebenen rund 16.000 Kleinaktion\u00e4re erhalten f\u00fcr das Jahr 2024 insgesamt rund 212.000 Euro Dividende weniger. Zum Vergleich: Bei der Neuordnung der Anteilsverh\u00e4ltnisse im vergangenen Jahr hatten die Stadt und MSC vereinbart, das Eigenkapital der HHLA um 450 Millionen Euro aufzustocken. 2024 verdiente der HHLA-Konzern netto rund 56,4 Millionen Euro, bei einem Umsatz von etwa 1,6 Milliarden Euro. Ein Nebeneffekt der reduzierten Dividende k\u00f6nnte es sein, Eigner des Streubesitzes zum Verkauf an MSC zu bringen, derzeit sind noch etwa 5,37 Prozent der Anteile in der Hand von freien Aktion\u00e4ren. MSC braucht nur noch 0,37 Prozent der b\u00f6rsennotierten A-Aktien, um gemeinsam mit der Stadt ein Herauskaufen der Minderheitsaktion\u00e4re zu organisieren, einen aktienrechtlichen \u201eSqueeze-out\u201c.Das mutma\u00dfliche Hauptziel aber ist bereits erreicht. \u201eMich hat das schockiert, weil ich es pers\u00f6nlich sehr unfair finde, wie mit Frau Titzrath umgegangen wird\u201c, sagt einer der Brancheninsider. \u201eSie hat das Unternehmen gut gef\u00fchrt, hat wichtige Initiativen gestartet und wohl gehofft, ihren Ende 2023 verl\u00e4ngerten Vertrag zu erf\u00fcllen.\u201c Titzrath erh\u00e4lt f\u00fcr dieses Jahr ihre vollen Bez\u00fcge von 1,1 Millionen Euro sowie eine Abfindung von 1,58 Millionen Euro.Die Eigner, und hier vor allem die Stadt Hamburg als Mehrheitsgesellschafter, sahen Titzraths Arbeit offenbar trotz der vorzeitigen Vertragsverl\u00e4ngerung kritisch. Zwar sicherte Titzrath dem Unternehmen in der schwierigen \u00dcbergangsphase Stabilit\u00e4t \u2013 Vorstand und Aufsichtsrat empfahlen Anfang 2024 in ihrer Stellungnahme den Einstieg von MSC. Der Vorstand verhandelte 2024 zahlreiche Vertr\u00e4ge mit Hafenkunden neu und versicherte diesen, dass sich der neue Gro\u00dfeigner MSC im gr\u00f6\u00dften deutschen Seehafen k\u00fcnftig wettbewerbsneutral verhalten werde. Auch h\u00e4lt sich die HHLA-F\u00fchrung zugute, die Arbeitnehmerrechte im Unternehmen l\u00e4ngerfristig abgesichert zu haben.Doch nicht die vergangenen eineinhalb Jahre brachten Titzrath zu Fall, sondern ein Betrachtungszeitraum von etwa f\u00fcnf Jahren. Die Leistung der HHLA in dieser Zeit sei \u201eunterperformant\u201c, hei\u00dft es aus st\u00e4dtischen Kreisen. Das bedeutet unter anderem: Die HHLA-Terminals in Hamburg arbeiteten aus Sicht des Haupteigners zu langsam und zu teuer. Sollte dies tats\u00e4chlich der Hauptgrund f\u00fcr die Trennung von Titzrath sein, w\u00e4re er paradox. Denn zwei Themen pr\u00e4gten die Amtszeit der fr\u00fcheren Daimler- und Deutsche-Post-Managerin bei der HHLA: die Internationalisierung und die Digitalisierung und Automatisierung. Die Expansion im Ausland, der Erwerb von Hafenterminals in Estland und Italien, der Ausbau des HHLA-G\u00fcterbahnunternehmens Metrans waren weitgehend unumstritten. Die Automatisierung des Burchardkais und die weitere Automatisierung des Terminals Altenwerder sorgten hingegen seit Jahren f\u00fcr Streit und Streiks.Titzrath trieb die Automatisierung seit 2017 deutlich voran, bei der es zuvor jahrelang kaum sichtbare Fortschritte gegeben hatte. Auch entstehen bei der HHLA nun viele neue Arbeitspl\u00e4tze, etwa f\u00fcr Fernsteuerer und Systemtechniker. Der 2002 er\u00f6ffnete, hoch automatisierte Terminal Altenwerder war damals der modernste Containerterminal der Welt. Doch Hamburg verspielte die Chance, mit einer schnellen Automatisierung des Burchardkais diese F\u00fchrungsrolle zu erhalten. Die gut organisierten Hafenarbeiter der HHLA und die Gewerkschaft Verdi bremsten das Vorhaben aus, weil sie den Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fcrchteten. Keine der Parteien im Hamburger Senat traute sich, den Druck auf den Hafen zu erh\u00f6hen. So trug der Zeitverlust bei der Automatisierung mit dazu bei, dass Hamburg seit der Welt-Finanzmarktkrise Marktanteile an der Nordsee verlor.F\u00fcr die schwache Mengenentwicklung auf den drei Containerterminals der HHLA \u2013 dort werden etwa drei Viertel aller Container in Hamburg umgeschlagen \u2013 sind der Vorstand und speziell auch Titzrath mitverantwortlich. Durch den Austausch der F\u00fchrungsfigur wird das Problem aber nicht einfach verschwinden \u2013 daf\u00fcr sind die geografischen und wirtschaftlichen Einflussgr\u00f6\u00dfen des Hafens viel zu komplex. Ohnehin ging es bei Titzrath vor allem auch um ihr Verh\u00e4ltnis zur st\u00e4dtischen Politik: Viele Akteure im Hamburger Senat und in der B\u00fcrgerschaft vermissten bei der selbstbewusst auftretenden HHLA-Chefin die freundliche Zugewandtheit einer st\u00e4dtischen Angestellten \u2013 inklusive etwa einer regelm\u00e4\u00dfigen Pr\u00e4senz bei Ausschusssitzungen der B\u00fcrgerschaft.\u00a0Mit Frist zur Mitte dieses Jahres hatten sich die Stadt und Titzrath die Option ausbedungen, den Vertrag im Zweifel vorzeitig aufzul\u00f6sen. Dass es so kam, war aber nicht zwangsl\u00e4ufig. Ungekl\u00e4rt bleiben gro\u00dfe Fragen: Wann nehmen die Eigner das Unternehmen von der B\u00f6rse, wandeln sie die HHLA in eine GmbH mit weisungsgebundener Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung um \u2013 und wie soll die HHLA k\u00fcnftig aussehen? \u201eDas Konstrukt der HHLA als voll integrierter Logistikkonzern f\u00fcr Hafenterminals, Intermodal- und Logistikgesch\u00e4fte und zus\u00e4tzlich auch als Eigner gro\u00dfer Immobilienbest\u00e4nde in Hamburg ist so nicht mehr sehr wettbewerbsf\u00e4hig\u201c, sagt Jan Ninnemann, Professor f\u00fcr Logistik an der Hamburg School of Business Administration (HSBA). \u201eDie Entwicklungen im internationalen Hafengesch\u00e4ft laufen schon lange ganz anders. Ganz entscheidend f\u00fcr die HHLA wird sein, welche Rolle MSC bei der Entwicklung des Unternehmens k\u00fcnftig spielen soll und wird.\u201cDer Vorsitzende des HHLA-Aufsichtsrates und fr\u00fchere Bahnchef R\u00fcdiger Grube hat angek\u00fcndigt, schon gegen Ende Juli einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin f\u00fcr Titzrath pr\u00e4sentieren zu wollen. Die Eigner hingegen sehen wohl keinen Zeitdruck bei der Neubesetzung. Grube, der dem Aufsichtsrat seit Juni 2017 angeh\u00f6rt, will die Leitung des Gremiums dieses Jahr abgeben. Ein Hamburger Hafenkenner, der durch die K\u00fcrzung der Dividende mit seinen zwei HHLA-Aktien zw\u00f6lf Eurocent eingeb\u00fc\u00dft hat, h\u00e4lt den Managementveteranen f\u00fcr den eigentlichen Bremser bei der L\u00f6sung vieler Probleme: \u201eVerkrustungen an etlichen Stellen im Unternehmen wurden nicht beseitigt. Und das ist vor allem auch Grubes Verantwortung.\u201cOlaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten \u00fcber die maritime Wirtschaft, \u00fcber H\u00e4fen, Schifffahrt und Werften.","robots":{"index":"noindex","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Wenn die Zukunft von Bord geht - vof-news.eu","og_description":"An einem strahlenden Sommertag Ende August 2024 pr\u00e4sentiert Angela Titzrath stolz das derzeit wichtigste Projekt der HHLA. 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Vorausgegangen war der Trennung ein Affront gegen den Vorstand und den Aufsichtsrat der HHLA durch die beiden Haupteigner der Hafenlogistik-Sparte, die Stadt Hamburg und den Maritimkonzern MSC. Beide halten derzeit gemeinsam fast 95 Prozent der Anteile am Teilkonzern Hafenlogistik der HHLA. Sie reduzierten den Dividendenvorschlag der HHLA im Juni kurz vor der Hauptversammlung von 16 auf zehn Cent f\u00fcr jede der sogenannten A-Aktien \u2013 einen Vorschlag, den Vorstand und Aufsichtsrat im M\u00e4rz vorgelegt hatten, abgestimmt mit den Gesellschaftern.Der 59-j\u00e4hrigen Managerin blieb nach dem Vorsto\u00df der Gesellschafter kaum eine andere Wahl, als ihren Posten lange vor Vertragsablauf zu r\u00e4umen. Im Dezember 2023 hatte der Aufsichtsrat Titzraths Vertrag vorzeitig um f\u00fcnf Jahre verl\u00e4ngert, bis Anfang 2029. Schon damals war klar, dass die HHLA vor einer Z\u00e4sur steht: Der rot-gr\u00fcne Hamburger Senat hatte im September 2023 angek\u00fcndigt, den Anteil der Stadt am Teilkonzern Hafenlogistik von fast 70 Prozent auf 50,1 Prozent abzusenken, damit der italienische Konzern MSC \u2013 mit Sitz in Genf \u2013 einen Anteil von bis zu 49,9 Prozent \u00fcbernehmen kann. MSC kaufte st\u00e4dtische Anteile und erwarb zudem bislang auch den gr\u00f6\u00dften Teil der an der B\u00f6rse gehandelten HHLA-Aktien. Die Verl\u00e4ngerung von Titzraths Vertrag bereits Monate vor der Zustimmung der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft zum Einstieg von MSC\u00a0galt seinerzeit als wichtiges Signal: Die Stadt will f\u00fcr den \u00dcbergang Kontinuit\u00e4t bei der HHLA, gerade auch beim Umbau des Burchardkais.Dass die Vorstandschefin im Juni dann derart r\u00fcde aus dem Amt gedr\u00e4ngt wurde, wirft Fragen auf. Vor allem: Warum nahmen die Eigner die vermeidbare Besch\u00e4digung des Unternehmens in Kauf? WELT AM SONNTAG sprach mit Personen, die mit den Vorg\u00e4ngen vertraut sind, die aber nicht namentlich genannt werden wollen oder k\u00f6nnen.Klar erscheint dabei: Die K\u00fcrzung des Dividendenvorschlags war ein Vehikel, um das Ende von Titzraths Amtszeit einzuleiten. Denn das finanzielle Volumen, das damit verbunden ist, wirkt relativ belanglos: Die Aussch\u00fcttung der Dividende wurde um rund 4,4 Millionen Euro auf insgesamt 11,3 Millionen Euro gesenkt. Die verbliebenen rund 16.000 Kleinaktion\u00e4re erhalten f\u00fcr das Jahr 2024 insgesamt rund 212.000 Euro Dividende weniger. Zum Vergleich: Bei der Neuordnung der Anteilsverh\u00e4ltnisse im vergangenen Jahr hatten die Stadt und MSC vereinbart, das Eigenkapital der HHLA um 450 Millionen Euro aufzustocken. 2024 verdiente der HHLA-Konzern netto rund 56,4 Millionen Euro, bei einem Umsatz von etwa 1,6 Milliarden Euro. Ein Nebeneffekt der reduzierten Dividende k\u00f6nnte es sein, Eigner des Streubesitzes zum Verkauf an MSC zu bringen, derzeit sind noch etwa 5,37 Prozent der Anteile in der Hand von freien Aktion\u00e4ren. MSC braucht nur noch 0,37 Prozent der b\u00f6rsennotierten A-Aktien, um gemeinsam mit der Stadt ein Herauskaufen der Minderheitsaktion\u00e4re zu organisieren, einen aktienrechtlichen \u201eSqueeze-out\u201c.Das mutma\u00dfliche Hauptziel aber ist bereits erreicht. \u201eMich hat das schockiert, weil ich es pers\u00f6nlich sehr unfair finde, wie mit Frau Titzrath umgegangen wird\u201c, sagt einer der Brancheninsider. \u201eSie hat das Unternehmen gut gef\u00fchrt, hat wichtige Initiativen gestartet und wohl gehofft, ihren Ende 2023 verl\u00e4ngerten Vertrag zu erf\u00fcllen.\u201c Titzrath erh\u00e4lt f\u00fcr dieses Jahr ihre vollen Bez\u00fcge von 1,1 Millionen Euro sowie eine Abfindung von 1,58 Millionen Euro.Die Eigner, und hier vor allem die Stadt Hamburg als Mehrheitsgesellschafter, sahen Titzraths Arbeit offenbar trotz der vorzeitigen Vertragsverl\u00e4ngerung kritisch. Zwar sicherte Titzrath dem Unternehmen in der schwierigen \u00dcbergangsphase Stabilit\u00e4t \u2013 Vorstand und Aufsichtsrat empfahlen Anfang 2024 in ihrer Stellungnahme den Einstieg von MSC. Der Vorstand verhandelte 2024 zahlreiche Vertr\u00e4ge mit Hafenkunden neu und versicherte diesen, dass sich der neue Gro\u00dfeigner MSC im gr\u00f6\u00dften deutschen Seehafen k\u00fcnftig wettbewerbsneutral verhalten werde. Auch h\u00e4lt sich die HHLA-F\u00fchrung zugute, die Arbeitnehmerrechte im Unternehmen l\u00e4ngerfristig abgesichert zu haben.Doch nicht die vergangenen eineinhalb Jahre brachten Titzrath zu Fall, sondern ein Betrachtungszeitraum von etwa f\u00fcnf Jahren. Die Leistung der HHLA in dieser Zeit sei \u201eunterperformant\u201c, hei\u00dft es aus st\u00e4dtischen Kreisen. Das bedeutet unter anderem: Die HHLA-Terminals in Hamburg arbeiteten aus Sicht des Haupteigners zu langsam und zu teuer. Sollte dies tats\u00e4chlich der Hauptgrund f\u00fcr die Trennung von Titzrath sein, w\u00e4re er paradox. Denn zwei Themen pr\u00e4gten die Amtszeit der fr\u00fcheren Daimler- und Deutsche-Post-Managerin bei der HHLA: die Internationalisierung und die Digitalisierung und Automatisierung. Die Expansion im Ausland, der Erwerb von Hafenterminals in Estland und Italien, der Ausbau des HHLA-G\u00fcterbahnunternehmens Metrans waren weitgehend unumstritten. Die Automatisierung des Burchardkais und die weitere Automatisierung des Terminals Altenwerder sorgten hingegen seit Jahren f\u00fcr Streit und Streiks.Titzrath trieb die Automatisierung seit 2017 deutlich voran, bei der es zuvor jahrelang kaum sichtbare Fortschritte gegeben hatte. Auch entstehen bei der HHLA nun viele neue Arbeitspl\u00e4tze, etwa f\u00fcr Fernsteuerer und Systemtechniker. Der 2002 er\u00f6ffnete, hoch automatisierte Terminal Altenwerder war damals der modernste Containerterminal der Welt. Doch Hamburg verspielte die Chance, mit einer schnellen Automatisierung des Burchardkais diese F\u00fchrungsrolle zu erhalten. Die gut organisierten Hafenarbeiter der HHLA und die Gewerkschaft Verdi bremsten das Vorhaben aus, weil sie den Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fcrchteten. Keine der Parteien im Hamburger Senat traute sich, den Druck auf den Hafen zu erh\u00f6hen. So trug der Zeitverlust bei der Automatisierung mit dazu bei, dass Hamburg seit der Welt-Finanzmarktkrise Marktanteile an der Nordsee verlor.F\u00fcr die schwache Mengenentwicklung auf den drei Containerterminals der HHLA \u2013 dort werden etwa drei Viertel aller Container in Hamburg umgeschlagen \u2013 sind der Vorstand und speziell auch Titzrath mitverantwortlich. Durch den Austausch der F\u00fchrungsfigur wird das Problem aber nicht einfach verschwinden \u2013 daf\u00fcr sind die geografischen und wirtschaftlichen Einflussgr\u00f6\u00dfen des Hafens viel zu komplex. Ohnehin ging es bei Titzrath vor allem auch um ihr Verh\u00e4ltnis zur st\u00e4dtischen Politik: Viele Akteure im Hamburger Senat und in der B\u00fcrgerschaft vermissten bei der selbstbewusst auftretenden HHLA-Chefin die freundliche Zugewandtheit einer st\u00e4dtischen Angestellten \u2013 inklusive etwa einer regelm\u00e4\u00dfigen Pr\u00e4senz bei Ausschusssitzungen der B\u00fcrgerschaft.\u00a0Mit Frist zur Mitte dieses Jahres hatten sich die Stadt und Titzrath die Option ausbedungen, den Vertrag im Zweifel vorzeitig aufzul\u00f6sen. Dass es so kam, war aber nicht zwangsl\u00e4ufig. Ungekl\u00e4rt bleiben gro\u00dfe Fragen: Wann nehmen die Eigner das Unternehmen von der B\u00f6rse, wandeln sie die HHLA in eine GmbH mit weisungsgebundener Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung um \u2013 und wie soll die HHLA k\u00fcnftig aussehen? \u201eDas Konstrukt der HHLA als voll integrierter Logistikkonzern f\u00fcr Hafenterminals, Intermodal- und Logistikgesch\u00e4fte und zus\u00e4tzlich auch als Eigner gro\u00dfer Immobilienbest\u00e4nde in Hamburg ist so nicht mehr sehr wettbewerbsf\u00e4hig\u201c, sagt Jan Ninnemann, Professor f\u00fcr Logistik an der Hamburg School of Business Administration (HSBA). \u201eDie Entwicklungen im internationalen Hafengesch\u00e4ft laufen schon lange ganz anders. 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Vorausgegangen war der Trennung ein Affront gegen den Vorstand und den Aufsichtsrat der HHLA durch die beiden Haupteigner der Hafenlogistik-Sparte, die Stadt Hamburg und den Maritimkonzern MSC. Beide halten derzeit gemeinsam fast 95 Prozent der Anteile am Teilkonzern Hafenlogistik der HHLA. Sie reduzierten den Dividendenvorschlag der HHLA im Juni kurz vor der Hauptversammlung von 16 auf zehn Cent f\u00fcr jede der sogenannten A-Aktien \u2013 einen Vorschlag, den Vorstand und Aufsichtsrat im M\u00e4rz vorgelegt hatten, abgestimmt mit den Gesellschaftern.Der 59-j\u00e4hrigen Managerin blieb nach dem Vorsto\u00df der Gesellschafter kaum eine andere Wahl, als ihren Posten lange vor Vertragsablauf zu r\u00e4umen. Im Dezember 2023 hatte der Aufsichtsrat Titzraths Vertrag vorzeitig um f\u00fcnf Jahre verl\u00e4ngert, bis Anfang 2029. Schon damals war klar, dass die HHLA vor einer Z\u00e4sur steht: Der rot-gr\u00fcne Hamburger Senat hatte im September 2023 angek\u00fcndigt, den Anteil der Stadt am Teilkonzern Hafenlogistik von fast 70 Prozent auf 50,1 Prozent abzusenken, damit der italienische Konzern MSC \u2013 mit Sitz in Genf \u2013 einen Anteil von bis zu 49,9 Prozent \u00fcbernehmen kann. MSC kaufte st\u00e4dtische Anteile und erwarb zudem bislang auch den gr\u00f6\u00dften Teil der an der B\u00f6rse gehandelten HHLA-Aktien. Die Verl\u00e4ngerung von Titzraths Vertrag bereits Monate vor der Zustimmung der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft zum Einstieg von MSC\u00a0galt seinerzeit als wichtiges Signal: Die Stadt will f\u00fcr den \u00dcbergang Kontinuit\u00e4t bei der HHLA, gerade auch beim Umbau des Burchardkais.Dass die Vorstandschefin im Juni dann derart r\u00fcde aus dem Amt gedr\u00e4ngt wurde, wirft Fragen auf. Vor allem: Warum nahmen die Eigner die vermeidbare Besch\u00e4digung des Unternehmens in Kauf? WELT AM SONNTAG sprach mit Personen, die mit den Vorg\u00e4ngen vertraut sind, die aber nicht namentlich genannt werden wollen oder k\u00f6nnen.Klar erscheint dabei: Die K\u00fcrzung des Dividendenvorschlags war ein Vehikel, um das Ende von Titzraths Amtszeit einzuleiten. Denn das finanzielle Volumen, das damit verbunden ist, wirkt relativ belanglos: Die Aussch\u00fcttung der Dividende wurde um rund 4,4 Millionen Euro auf insgesamt 11,3 Millionen Euro gesenkt. Die verbliebenen rund 16.000 Kleinaktion\u00e4re erhalten f\u00fcr das Jahr 2024 insgesamt rund 212.000 Euro Dividende weniger. Zum Vergleich: Bei der Neuordnung der Anteilsverh\u00e4ltnisse im vergangenen Jahr hatten die Stadt und MSC vereinbart, das Eigenkapital der HHLA um 450 Millionen Euro aufzustocken. 2024 verdiente der HHLA-Konzern netto rund 56,4 Millionen Euro, bei einem Umsatz von etwa 1,6 Milliarden Euro. Ein Nebeneffekt der reduzierten Dividende k\u00f6nnte es sein, Eigner des Streubesitzes zum Verkauf an MSC zu bringen, derzeit sind noch etwa 5,37 Prozent der Anteile in der Hand von freien Aktion\u00e4ren. MSC braucht nur noch 0,37 Prozent der b\u00f6rsennotierten A-Aktien, um gemeinsam mit der Stadt ein Herauskaufen der Minderheitsaktion\u00e4re zu organisieren, einen aktienrechtlichen \u201eSqueeze-out\u201c.Das mutma\u00dfliche Hauptziel aber ist bereits erreicht. \u201eMich hat das schockiert, weil ich es pers\u00f6nlich sehr unfair finde, wie mit Frau Titzrath umgegangen wird\u201c, sagt einer der Brancheninsider. \u201eSie hat das Unternehmen gut gef\u00fchrt, hat wichtige Initiativen gestartet und wohl gehofft, ihren Ende 2023 verl\u00e4ngerten Vertrag zu erf\u00fcllen.\u201c Titzrath erh\u00e4lt f\u00fcr dieses Jahr ihre vollen Bez\u00fcge von 1,1 Millionen Euro sowie eine Abfindung von 1,58 Millionen Euro.Die Eigner, und hier vor allem die Stadt Hamburg als Mehrheitsgesellschafter, sahen Titzraths Arbeit offenbar trotz der vorzeitigen Vertragsverl\u00e4ngerung kritisch. Zwar sicherte Titzrath dem Unternehmen in der schwierigen \u00dcbergangsphase Stabilit\u00e4t \u2013 Vorstand und Aufsichtsrat empfahlen Anfang 2024 in ihrer Stellungnahme den Einstieg von MSC. Der Vorstand verhandelte 2024 zahlreiche Vertr\u00e4ge mit Hafenkunden neu und versicherte diesen, dass sich der neue Gro\u00dfeigner MSC im gr\u00f6\u00dften deutschen Seehafen k\u00fcnftig wettbewerbsneutral verhalten werde. Auch h\u00e4lt sich die HHLA-F\u00fchrung zugute, die Arbeitnehmerrechte im Unternehmen l\u00e4ngerfristig abgesichert zu haben.Doch nicht die vergangenen eineinhalb Jahre brachten Titzrath zu Fall, sondern ein Betrachtungszeitraum von etwa f\u00fcnf Jahren. Die Leistung der HHLA in dieser Zeit sei \u201eunterperformant\u201c, hei\u00dft es aus st\u00e4dtischen Kreisen. Das bedeutet unter anderem: Die HHLA-Terminals in Hamburg arbeiteten aus Sicht des Haupteigners zu langsam und zu teuer. Sollte dies tats\u00e4chlich der Hauptgrund f\u00fcr die Trennung von Titzrath sein, w\u00e4re er paradox. Denn zwei Themen pr\u00e4gten die Amtszeit der fr\u00fcheren Daimler- und Deutsche-Post-Managerin bei der HHLA: die Internationalisierung und die Digitalisierung und Automatisierung. Die Expansion im Ausland, der Erwerb von Hafenterminals in Estland und Italien, der Ausbau des HHLA-G\u00fcterbahnunternehmens Metrans waren weitgehend unumstritten. Die Automatisierung des Burchardkais und die weitere Automatisierung des Terminals Altenwerder sorgten hingegen seit Jahren f\u00fcr Streit und Streiks.Titzrath trieb die Automatisierung seit 2017 deutlich voran, bei der es zuvor jahrelang kaum sichtbare Fortschritte gegeben hatte. Auch entstehen bei der HHLA nun viele neue Arbeitspl\u00e4tze, etwa f\u00fcr Fernsteuerer und Systemtechniker. Der 2002 er\u00f6ffnete, hoch automatisierte Terminal Altenwerder war damals der modernste Containerterminal der Welt. Doch Hamburg verspielte die Chance, mit einer schnellen Automatisierung des Burchardkais diese F\u00fchrungsrolle zu erhalten. Die gut organisierten Hafenarbeiter der HHLA und die Gewerkschaft Verdi bremsten das Vorhaben aus, weil sie den Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fcrchteten. Keine der Parteien im Hamburger Senat traute sich, den Druck auf den Hafen zu erh\u00f6hen. So trug der Zeitverlust bei der Automatisierung mit dazu bei, dass Hamburg seit der Welt-Finanzmarktkrise Marktanteile an der Nordsee verlor.F\u00fcr die schwache Mengenentwicklung auf den drei Containerterminals der HHLA \u2013 dort werden etwa drei Viertel aller Container in Hamburg umgeschlagen \u2013 sind der Vorstand und speziell auch Titzrath mitverantwortlich. Durch den Austausch der F\u00fchrungsfigur wird das Problem aber nicht einfach verschwinden \u2013 daf\u00fcr sind die geografischen und wirtschaftlichen Einflussgr\u00f6\u00dfen des Hafens viel zu komplex. Ohnehin ging es bei Titzrath vor allem auch um ihr Verh\u00e4ltnis zur st\u00e4dtischen Politik: Viele Akteure im Hamburger Senat und in der B\u00fcrgerschaft vermissten bei der selbstbewusst auftretenden HHLA-Chefin die freundliche Zugewandtheit einer st\u00e4dtischen Angestellten \u2013 inklusive etwa einer regelm\u00e4\u00dfigen Pr\u00e4senz bei Ausschusssitzungen der B\u00fcrgerschaft.\u00a0Mit Frist zur Mitte dieses Jahres hatten sich die Stadt und Titzrath die Option ausbedungen, den Vertrag im Zweifel vorzeitig aufzul\u00f6sen. Dass es so kam, war aber nicht zwangsl\u00e4ufig. Ungekl\u00e4rt bleiben gro\u00dfe Fragen: Wann nehmen die Eigner das Unternehmen von der B\u00f6rse, wandeln sie die HHLA in eine GmbH mit weisungsgebundener Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung um \u2013 und wie soll die HHLA k\u00fcnftig aussehen? \u201eDas Konstrukt der HHLA als voll integrierter Logistikkonzern f\u00fcr Hafenterminals, Intermodal- und Logistikgesch\u00e4fte und zus\u00e4tzlich auch als Eigner gro\u00dfer Immobilienbest\u00e4nde in Hamburg ist so nicht mehr sehr wettbewerbsf\u00e4hig\u201c, sagt Jan Ninnemann, Professor f\u00fcr Logistik an der Hamburg School of Business Administration (HSBA). \u201eDie Entwicklungen im internationalen Hafengesch\u00e4ft laufen schon lange ganz anders. Ganz entscheidend f\u00fcr die HHLA wird sein, welche Rolle MSC bei der Entwicklung des Unternehmens k\u00fcnftig spielen soll und wird.\u201cDer Vorsitzende des HHLA-Aufsichtsrates und fr\u00fchere Bahnchef R\u00fcdiger Grube hat angek\u00fcndigt, schon gegen Ende Juli einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin f\u00fcr Titzrath pr\u00e4sentieren zu wollen. Die Eigner hingegen sehen wohl keinen Zeitdruck bei der Neubesetzung. Grube, der dem Aufsichtsrat seit Juni 2017 angeh\u00f6rt, will die Leitung des Gremiums dieses Jahr abgeben. Ein Hamburger Hafenkenner, der durch die K\u00fcrzung der Dividende mit seinen zwei HHLA-Aktien zw\u00f6lf Eurocent eingeb\u00fc\u00dft hat, h\u00e4lt den Managementveteranen f\u00fcr den eigentlichen Bremser bei der L\u00f6sung vieler Probleme: \u201eVerkrustungen an etlichen Stellen im Unternehmen wurden nicht beseitigt. Und das ist vor allem auch Grubes Verantwortung.\u201cOlaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. 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