Warum der Sport für Hamburg so wichtig ist

Hamburg will Olympia, jedenfalls die Wirtschaft und der regierende rot-grüne Senat. Zum zweiten Mal nach dem gescheiterten Referendum von Ende 2015 bereiten die Elbhanseaten derzeit eine Olympiabewerbung vor, für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, und der nächste Zwischenschritt ist ein vom Senat organisiertes, erneutes Referendum der Hamburgerinnen und Hamburger am 31. Mai darüber, ob sie eine Bewerbung diesmal überhaupt wollen. Denn es gibt in Hamburg auch deutlichen Widerstand gegen eine erneute Olympiakampagne, vor allem auch von Umweltverbänden.

In diesem Kontext muss man die neue Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) lesen, die am Montag von der Handelskammer und von Innensenator Andy Grote (SPD) vorgestellt wurde. Grote ist auch für den Sport zuständig.

Essenz der Studie: Rund 15.000 Arbeitsplätze hängen in Hamburg direkt oder indirekt mit dem Sport zusammen, daraus ergibt sich eine gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung von etwa 5,3 Milliarden Euro im Jahr. „Jeder im Sportsektor erwirtschaftete Euro löst zusätzliche wirtschaftliche Aktivität aus und führt insgesamt zu 2,4 Euro zusätzlicher Wertschöpfung in der Stadt“, heißt es in der Studie. „Jeder Arbeitsplatz im engeren Sportsektor sichert im Durchschnitt 2,3 weitere Stellen entlang der Wertschöpfungskette – etwa in Eventorganisation, Medienproduktion, Tourismus, Einzelhandel oder Gesundheitsdienstleistungen.“ Sport im engeren Sinne ist laut Studie das Thema bei rund 1400 Unternehmen in Hamburg mit insgesamt etwa 6000 Beschäftigten.

Wirtschaftliche Wertschöpfung durch den Sport entsteht nicht nur in jedem Fitnessstudio, sondern vor allem auch dann, wenn rund 250.000 Menschen in die Hansestadt kommen, um den Triathlon zu sehen, so wie im vergangenen Jahr. Geld verdient Hamburg aber auch, wenn seine Sportarenen zum Beispiel für Großkonzerte genutzt werden, etwa von US-Superstar Taylor Swift im Jahr 2024. So weit legt die HWWI-Studie den wirtschaftlichen Rahmen von „Sport“ aus.

„Der Sport stärkt Hamburg wirtschaftlich, gesellschaftlich und international. Er schafft Wertschöpfung, zieht Talente an, steigert die Lebensqualität und macht die Stadt sichtbar“, sagte Handelskammer-Präses Norbert Aust. „Die Ergebnisse zeigen: Sport ist ein Zukunftsfeld, in das sich zu investieren lohnt. Wir sollten Sport viel stärker als Motor der Stadtentwicklung verstehen – mit moderner Infrastruktur, klarer Unterstützung für Sportveranstaltungen und einer aktiven Haltung zu internationalen Formaten.“ Bislang gelte Sport in der Hamburger Statistik nicht als eigenständiger Wirtschaftszweig, deshalb schaffe erst die HWWI-Studie einen Eindruck von der ökonomischen Dimension des Sports in der Stadt.

Die Handelskammer setzt sich nachdrücklich für einen neuerlichen Hamburger Versuch einer Olympiabewerbung ein. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Deutschland 2036, 2040 oder 2044 Olympische Sommerspiele ausrichten wird“, sagte Aust, „und dafür gibt es keinen besseren Ort als Hamburg und den Norden.“ Bewerben wollen sich um die Austragung von Olympischen Spielen im kommenden oder übernächsten Jahrzehnt auch München, Nordrhein-Westfalen sowie Berlin gemeinsam mit mehreren anderen Bundesländern.

Die Münchnerinnen und Münchner haben bei einem Referendum bereits im Oktober 2025 klar für eine neuerliche Bewerbung um Olympische Spiele votiert. Die bayerische Landeshauptstadt hatte die Olympischen Sommerspiele 1972 ausgetragen, damals mit Kiel als Partner für die Segelwettbewerbe. Schleswig-Holstein wäre als Partnerland auch bei einer künftigen deutschen Olympiabewerbung wieder mit dabei, unter anderem auch bei der Hamburger Kampagne.

Auch Innensenator Andy Grote stellte mit Blick auf die HWWI-Studie den Bezug zu den Olympischen Spielen her. „Jeder Euro für den Sport bringt Hamburg ein Vielfaches an Mehrwert. Da kann sich jeder selbst ausrechnen, welche Chance und Kraft erst in Olympia steckt“, sagte er, auch mit Verweis auf die ökonomischen Effekte der Sommerspiele 2024 in Paris für die französische Hauptstadt.

Etliche große Infrastrukturprojekte in Hamburg könnten in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nur mit finanzieller Hilfe des Bundes realisiert werden, sagte Grote, von der Sanierung der Elbbrücken bis zur neuen U-Bahn-Linie U5 und dem Neubau einer Köhlbrandbrücke: „Bei einer Bewerbung um Olympische Spiele und erst recht bei deren Austragung geht es darum, das Schaufenster eines modernen Deutschlands zu sein. Wir wollen dazu beitragen, dass die nötigen Mittel des Bundes dafür in den Norden gehen und nicht in den Süden.“

Ein Argument aus der HWWI-Studie hat Hamburg dabei ganz unabhängig von der Wirtschaft auf seiner Seite: Der Sport ist in Hamburg auf allen Ebenen verankert, vom Freizeit- und Breitensport bis hin zum Profi- und Hochleistungssport mit dem Olympiastützpunkt Hamburg/Schleswig-Holstein. Und der Anteil der Menschen, die sich täglich mehr als eine Stunde lang bewegen, ist in den fünf Küstenländern mit jeweils 45 Prozent signifikant höher als in Süddeutschland. „Hamburg ist eine echte Sportstadt“, sagte Professor Michael Berlemann vom HWWI. In der Hansestadt zähle man bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 1,9 Millionen Menschen etwa 692.000 Hobbysportler und rund 800 Sportvereine mit insgesamt etwa 583.000 Mitgliedern.

Katharina von Kodolitsch, die Präsidentin des Hamburger Sportbundes, sagte, um die Breitenwirkung des Sports in der Hansestadt dauerhaft zu sichern, „braucht es verlässliche Investitionen in die Sportinfrastruktur sowie langfristige finanzielle und planerische Sicherheit für die Vereine. Nur so kann Hamburg seine Position als aktive und dynamische Sportmetropole nachhaltig stärken.“

Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland.