Berlin – Wahlknall in der Bundeshauptstadt und an der Küste im Nordosten der Republik! Bei der Abgeordnetenhaus-Wahl in Berlin und bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern geben die Wähler den extremen Rändern die meisten Stimmen.
Denn: Linkspartei, AfD und BSW erreichen zusammen fast 50 Prozent aller Stimmen!
In einer ersten Reaktion sprach Bundeskanzler Friedrich Merz von einem schwierigen Ergebnis. Er bat die Deutschen darum, nicht alles immer nur schlechtzureden – und übernahm die Verantwortung. Er stellte klar: „Die Reformen müssen sein.“ Auch wenn sie manche hart treffen. Er will jedoch Rückgrat beweisen und will weitermachen als Kanzler und auch als Parteivorsitzender der CDU.
Das Wahlergebnis in Berlin
Bei der Wahl in Berlin erreicht die Linkspartei mit Spitzenkandidatin Elif Eralp (45) laut ARD-Prognose (18 Uhr) gut 24 Prozent und kann damit ihr Ergebnis der letzten Wahl fast verdoppeln. In einer ersten Reaktion dankte die Linke Wahlgewinnerin Eralp ihren Wählerinnen und Wählern und sagte: „In unserer Stadt hat die Liebe über den Hass und die Hetze gesiegt.“
Die CDU erreicht mit Kai-Wegner-Nachfolger Stefan Evers (46, CDU) rund 20 Prozent, landet damit nur noch auf Platz 2 (minus 8 Prozentpunkte). Die AfD kann hingegen in Berlin ihr Wahlergebnis nahezu verdoppeln, landet bei 16 Prozent und wird damit drittstärkste Kraft. Und die SPD erreicht 12 Prozent und verliert damit deutlich. Ihr Ergebnis knapp halten können die Grünen mit 15 Prozent.
Wahlentscheidend waren vor allem drei große Themen: bezahlbare Mieten und Enteignung, Sicherheit sowie die zunehmende Vermüllung der Stadt! Meinungsforscher Klaus Peter Schöppner (77) sieht deshalb viele Parallelen zur Wahl in New York. Dort wurde der linke Demokrat Zohran Mamdani (34) mit dem Wahlkampf „Klein gegen Groß“ im Herbst 2025 zum Bürgermeister gewählt. Schöppner: „Das ‚Mamdani-Momentum‘ der linken Spitzenkandidatin Eralp kann ausgerechnet der Hauptstadt zu einer knallrot-rot-grünen Regierung verhelfen.“
Spannend bleibt es in Berlin für das BSW. Die Wagenknecht-Partei erreicht laut ARD rund 5 Prozent und muss damit noch um den Einzug in das Abgeordnetenhaus bangen. Erneut nicht dabei ist die FDP. Die Liberalen reihen sich damit in die „sonstigen Parteien“ ein.
Das Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern
Bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern gab es bis zum Schluss ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (52) und AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm (56).
Laut ARD-Prognose erreichen die Sozialdemokraten rund 35 Punkte. Das ist ein Minus von 4 Punkten im Vergleich zur letzten Wahl. Die AfD konnte mit 37 Punkten ihr Ergebnis nahezu verdoppeln (plus 20 Punkte). Damit ist die AfD stärkste Kraft im neuen Schweriner Landtag.
Wahlentscheidend waren in Mecklenburg-Vorpommern die Kandidaten: Schwesig inszenierte sich als „Frau gegen Blau“. AfD-Mann Holm setzte auf knallharte Töne in der Migrationspolitik. Meinungsforscher Schöppner sieht einen klaren Trend: „Was kann man von Schwesig lernen? Dass das geht: nahbare Kümmerin und harte Interessenvertreterin ihrer Wähler nach außen. Dass ihr ausgerechnet Kritik an der Bundespolitik hohen Zuspruch beschert, zeigt erneut, was für eine schwache Position die Bundesregierung bei den Landtagswahlen besitzt.“
Bitter ist der Wahlabend für die CDU: Sie kann mit Spitzenkandidat Daniel Peters (45, CDU) gerade einmal 5 Prozent der Wählerstimmen für sich gewinnen: minus 7 Punkte. Das schlechteste CDU-Ergebnis in der Geschichte! Ein Debakel auch für Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz (70), der den Wahlabend zusammen mit dem Parteipräsidium im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin verbrachte.
Hier verliert auch die Linkspartei (erreicht gut 7 Prozent) und die Grünen (erreichen gut 5 Prozent). Beide können ihr Wahlergebnis im Vergleich zur Landtagswahl 2021 nicht verbessern, können aber trotzdem wahrscheinlich mitregieren.
Spannend bleibt es für das BSW. Die Wagenknecht-Partei erreicht laut ARD rund 5 Prozent und muss damit noch um den Einzug in den neuen Landtag bangen. Die FDP fliegt sicher aus dem Landtag, reiht sich damit auch hier in die „sonstigen Parteien“ ein.
Frage der Regierungsbildung offen
Unklar ist noch, wer Berlin regieren wird. Eine Mehrheit gibt es nach den ersten Zahlen für Rot-Grün-Rot und eher knapp für „Kenia“ (Schwarz-Grün-Rot). In Mecklenburg-Vorpommern dürfte Manuela Schwesig als Ministerpräsidentin weitermachen.