Monasterace (Italien) – Dieser spektakuläre Zufallsfund zeigt, dass griechischer Wein schon lange vor Udo Jürgens’ Kulthit („Griechischer Wein“) ein Exportschlager war. Auf dem Meeresgrund vor der kalabrischen Küste entdeckten Taucher zufällig ein Schiffswrack, das über 300 Amphoren aus Ton enthielt. Darin: ein guter Tropfen, den seit der Antike niemand geöffnet hat. Nun soll der Schatz geborgen werden, der 2400 Jahre lang tief im Mittelmeer schlummerte. Archäologen wollen jetzt das Geheimnis des Uralt-Weins entschlüsseln.
Die Gefäße haben über die Jahrhunderte Seepocken angesetzt, aber hoffentlich sind noch ein paar mit Harz abgedichtete Verschlüsse dicht geblieben: Denn nicht nur vom Transportbehälter selbst, sondern auch vom Inhalt erhoffen sich Wissenschaftler in Italien große Erkenntnisse über den Weinanbau, die Handelsbeziehungen und Seewege von damals.
Taucher entdeckten den Schatz zufällig
Die Sensation begann mit einem Routineeinsatz: Ausgerechnet bei Voruntersuchungen für einen Offshore-Windpark stießen Taucher 2023 auf die Weinamphoren am Meeresgrund. Die Ladung war noch original erhalten, der Schiffsrumpf selbst hat sich unter Wasser mittlerweile fast aufgelöst.
Der Weinkeller in Unterwasserlage wurde lange unter Verschluss gehalten, wahrscheinlich um Schatzsucher von dem gesunkenen Schiff fernzuhalten. Warum es unterging, weiß heute niemand. Erst jetzt informierten das kalabrische Kulturministerium und das Energieunternehmen Acciona Energía die Öffentlichkeit.
Die Bedeutung der Fracht gilt inzwischen als besonders wertvoll: Spezialisten sollen die Amphoren nun bergen. Sie hoffen auf organische Rückstände, die im Labor untersucht werden können. Das könnte vielleicht sogar Aufschluss über das Aroma, aber auch über die Weinproduktion im damaligen Großgriechenland („Magna Graecia“) geben. Das Transportschiff kreuzte etwa um 375 v. Chr. vor Kaulon, dem heutigen Monasterace: Nur ein paar Jahre zuvor war das Städtchen von einem der mächtigsten Tyrannen der Antike, Dionysios I. von Syrakus (ca. 430–367 v. Chr.), geplündert worden. Der Name des Tyrannen geht ausgerechnet auf Dionysos, den griechischen Gott des Weines und der Ausgelassenheit, zurück.
Die Lage des künftigen Windparks soll inzwischen verlegt werden.
Wäre der Wein heute noch genießbar?
Selbst wenn noch Flüssigkeit in den Gefäßen wäre, würden Experten vom Trinken abraten. Wahrscheinlich würde der Geschmack des Getränks nicht mehr an Wein erinnern, und es könnten sich schädliche Abbauprodukte oder Verunreinigungen gebildet haben. Selbst Spitzenweine seien trotz optimaler Lagerung selten mehr als 50 bis 100 Jahre genießbar. Aber: Immer häufiger gelingt es Forschern, Weine aus antiken Rezepten zu rekonstruieren.