Es ist ein Blick in eine Zukunft, die keiner von uns erleben wird. Und auch keiner unserer Nachfahren. Doch es geht um unsere kosmische Heimat. Eine neue wissenschaftliche Studie zeigt: Unser Sonnensystem könnte viel früher sterben als bislang gedacht.
In einigen Milliarden Jahren wird unsere Sonne zum Roten Riesen und verliert gewaltige Mengen ihrer Masse. Für die Erde wird es dann dramatisch: Ob unser Planet von der aufgeblähten Sonne verschlungen wird oder auf einer weiter außen liegenden Bahn überlebt, ist nach neuesten Berechnungen noch offen. Die neue Studie richtet den Blick nun weiter nach draußen, auf Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun.
Bisher gingen Forscher davon aus, dass die Sonne ihre Masse relativ gleichmäßig verliert. Jupiter und Co. würden dadurch zwar weiter nach außen wandern, ihre Ordnung aber noch extrem lange behalten. Selbst unter dem Einfluss vorbeiziehender Sterne rechnete man bislang mit 30 bis 100 Milliarden Jahren.
Bahnen geraten heftig durcheinander
Doch genau diese Annahme stellen der Planetenforscher Konstantin Batygin und seine Kollegen jetzt infrage. Sterbende Sterne können ihre Materie offenbar auch in einzelnen, ungleichmäßigen Schüben abstoßen. Dabei bekommt der Stern jedes Mal einen kleinen Rückstoß. Tausende solcher „Schubser“ könnten die Bahnen der weit draußen kreisenden Planeten Stück für Stück durcheinanderbringen.
Die Forscher schreiben: „Einzeln sind diese Rückstöße winzig, zusammengenommen verändern sie alles.“ In ihren Simulationen kreuzten sich Planetenbahnen teilweise schon, während die Sonne noch ein Roter Riese war. In rund 40 Prozent der Modellfälle zerfiel das System oder die Planetenbahnen gerieten heftig durcheinander – noch bevor die Sonne zum Weißen Zwerg wurde. In einzelnen Simulationen wurde sogar Saturn aus dem Sonnensystem geschleudert, Uranus und Neptun tauschten ihre Reihenfolge.
Heißt: Das große Planeten-Chaos könnte schon einsetzen, während die Sonne gerade erst stirbt – nicht erst zig Milliarden Jahre später.
Noch drastischer wird das Bild danach: Unter den Bedingungen, die die Forscher für plausibel halten, wurden rund 90 Prozent der simulierten Systeme innerhalb von drei Milliarden Jahren instabil. Wichtig: Das bedeutet nicht, dass unser Sonnensystem mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit dieses Schicksal erleiden wird. Das Ergebnis hängt davon ab, wie die Sonne ihre Masse tatsächlich verlieren wird.
„Sie erschüttert das Planetensystem“
Laut den Wissenschaftlern könnte ausgerechnet die Sonne selbst einmal die Ordnung zerstören, die sie über Milliarden Jahre zusammengehalten hat. Im Schlusssatz ihrer Studie formulieren sie es drastisch: „Wenn die Sonne stirbt, vergrößert sie das Planetensystem, das sie erschaffen hat, nicht nur. Sie erschüttert es und lässt es in den meisten Fällen auseinanderbrechen.“