Kiew – Die Ukraine nimmt Putins Schattenflotte ins Visier – und ist dabei nach eigener Darstellung spektakulär erfolgreich!
14 russische Schiffe im Asowschen Meer haben Kiews Streitkräfte allein in der Nacht zu Sonntag mit Drohnen angegriffen, darunter zehn Tanker. Vier der Ziele seien Fähren gewesen. Damit erreicht die Offensive zur See immer größere Dimensionen: In den vergangenen sieben Tagen sind 90 russische Schiffe getroffen worden. Die Armee veröffentlichte Videoaufnahmen der Präzisionsschläge. Auf Satellitenbildern sieht man brennende Schiffe. Augenzeugen auf der Krim und in der besetzten Süd-Ukraine berichteten, sie hätten Schiffe versinken sehen.
Geht damit Putins Kriegsplan unter?
Die Schattenflotte gilt als existenziell für Moskau, um die westlichen Ölsanktionen zu umgehen. Ohne die Milliarden US-Dollar, die so zusätzlich in die Staatskasse fließen, ist die Finanzierung der Kriegswirtschaft – Waffenproduktion, Armeekosten – gefährdet. Hinzu kommt der chronische Spritmangel im eigenen Land wegen zerstörter Raffinerien.
Immens wichtig für Putin: Mit der Flotte umgeht Russland den Ölpreisdeckel. Die EU plant in ihrem für nächste Woche erwarteten Sanktionspaket, die Preisobergrenze für ein Barrel (159 Länder) russisches Rohöl bei rund 38,14 Euro zu belassen. Zum Vergleich: Ein Barrel der Sorte Brent kostet auf dem Weltmarkt aktuell fast das Doppelte.
Putins Problem: Er hat kaum Möglichkeiten, seine Schattenflotte zu schützen. Von einem „bekannten strukturellen Problem der russischen Marine“ schreibt die „Stiftung Wissenschaft und Politik“ in ihrer jüngsten Analyse.
Abseits der wirtschaftlichen Aspekte haben die Angriffe große Symbolkraft. Militärexperte Nico Lange (51) zu BILD: „Mit den Angriffen auf die Krim und auf viele Schiffe im Asowschen Meer macht die Ukraine klar: Die Krim ist Ukraine und das Asowsche Meer ist ein internationales Gewässer.“
Russland verliert Versorgungsweg zur Krim
Zu lange hätten viele die Krim und das Asowsche Meer „schon quasi als russisch anerkannt“. Lange: „Das infrage zu stellen, ist politisch wichtig und militärisch richtig.“ Militärexperte Torsten Heinrich (43) zu BILD: „Mit der Ausschaltung der Schiffe verliert Russland eine weitere Alternative, um die Krim zu versorgen, deren Isolation damit weiter steigt.“
Könnten die nächtlichen Drohnen-Treffer Putin endlich an den Verhandlungstisch für eine Friedenslösung bringen? Da bleibt man in der Ukraine skeptisch. Ein Regierungsbeamter sagte BILD: „Putin hat an seinen Kriegszielen nichts verändert.“
Damit dürfte auch der Raketenterror gegenüber der ukrainischen Zivilbevölkerung weitergehen, fürchtet die Mehrzahl der Experten.