Washington/Kiew – Ist das die Kehrtwende in Washington? Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj erhält die Ukraine inzwischen wieder Geheimdienstinformationen aus den Vereinigten Staaten über anfliegende russische ballistische Raketen. Die Weitergabe solcher Aufklärungsdaten war zuvor mehrere Tage lang unterbrochen. Nach Angriffen auf Kiew und andere Städte hatte Selenskyj beklagt, dass es keine Vorwarnung durch die Partner gegeben habe – und davor gewarnt, dass dies Menschenleben gefährde.
Zwar sind Umfang und Details der Informationsweitergabe durch die USA wegen der militärischen Geheimhaltung nicht vollständig bekannt. ABER: Kiew erhält Satellitendaten und andere Hinweise zur Abwehr russischer Luftangriffe, etwa über Vorbereitungen und Starts von Flugzeugen und Raketen. Dazu kommen Informationen über geplante Drohnen- und Raketenangriffe sowie mögliche Ziele.
In der NBC-Sendung „Meet the Press“ warnte Selenskyj Trump jetzt eindringlich davor, sich politisch weiter an Kreml-Diktator Wladimir Putin (74) anzunähern. Dies wäre aus seiner Sicht ein „historischer Fehler“. Gleichzeitig machte Selenskyj aber deutlich: Er hat die Hoffnung auf amerikanische Unterstützung keineswegs aufgegeben. „Wir wollen ihm vertrauen“, sagte der Präsident über Trump. Dass nun wieder Informationen fließen, ist für Kiew offenbar ein wichtiges Zeichen, dass die Zusammenarbeit mit den USA weitergeht.
Lieber ehrliche Partner als Mörder
Zuletzt hatte es zwischen Kiew und Washington mehrere Streitpunkte gegeben. Trump hatte die Sanktionen gegen Russland teilweise ausgesetzt und mit Putin eine Vereinbarung getroffen, durch die weitere Mengen russischen Diesels auf den Weltmarkt kommen sollen. Der US-Präsident verspricht sich davon eine Entlastung bei den Kraftstoffpreisen. Selenskyj dagegen fürchtet, dass der Deal Putin stärken könnte.
Trotzdem bemüht er sich, den Gesprächsfaden zu Trump nicht abreißen zu lassen. Er hoffe, dass der US-Präsident einige seiner Entscheidungen noch einmal überdenke, sagte Selenskyj. Zudem wollte er mit den amerikanischen Unterhändlern telefonieren und zeigte sich auch offen für ein persönliches Treffen. Er sei gegenüber Trump „sehr ehrlich“, so Selenskyj. Es sei besser, offene und klare Partner zu haben als „Mörder“, die einem dabei zulächeln. Seine Botschaft: Lieber offen streiten, als die Partnerschaft aufzugeben.