Paris – Frankreich zeigt seine nuklearen Muskeln – und Präsident Emmanuel Macron (48) ist live dabei! Vor der Küste der Bretagne hat Frankreich erstmals seine modernisierte, atomwaffenfähige Interkontinentalrakete vom Typ M51.3 getestet. Abgeschossen wurde die Rakete von einem französischen Atom-U-Boot. Einen nuklearen Sprengkopf trug sie dabei nicht, wie das französische Verteidigungsministerium mitteilte.
Der Test kommt in einer Zeit wachsender Spannungen mit Russland. Moskau drohte zuletzt mehrfach mit seinen Atomwaffen – angeblich zum Schutz der eigenen Sicherheit und der Exklave Kaliningrad.
Macron nutzte den Test deshalb für eine unmissverständliche Botschaft. „Es ist eine hervorragende Demonstration unserer Glaubwürdigkeit“, sagte der französische Präsident vor Soldaten. Und weiter: „Ich glaube, die Botschaft ist klar und deutlich – und überall dort angekommen, wo sie ankommen sollte.“
Auf einem von Macron veröffentlichten Video ist der Präsident auf einer französischen Fregatte zu sehen. Hinter einem an der Reling montierten Fernglas beobachtet er den Start. Am Horizont schießt die Rakete nahezu senkrecht in den Himmel. Die Rakete flog nach Angaben des Élysée über den Atlantik und schlug mehrere hundert Kilometer von der nächsten Küste entfernt ein.
Macron legt nach: „Heute sind wir stärker“, sagte er in einem weiteren Video. Frankreich wolle damit zeigen, dass seine nukleare Abschreckung glaubwürdig sei. Besonders markig formulierte es der Präsident mit Blick auf die französische Militärmacht: „Nur wenige Staaten haben dieses Know-how.“ Dann folgt Macrons Grundsatz zur atomaren Abschreckung: „Um frei zu sein, muss man gefürchtet sein. Um gefürchtet zu sein, muss man mächtig sein.“
Die M51.3 ist eine ballistische Rakete, die von französischen Atom-U-Booten eingesetzt wird. Die jüngste Version wird seit vergangenem Oktober auf mehreren französischen U-Booten eingesetzt und von der Ariane-Group bei Bordeaux hergestellt.
Frankreich baut seine Atom-Abschreckung aus
Frankreich verfügt über rund 290 nukleare Sprengköpfe. Damit liegt das Land deutlich hinter den USA und Russland, deren Arsenale jeweils mehr als 5000 Sprengköpfe umfassen. Großbritannien verfügt über rund 225.
Macron hatte bereits im März angekündigt, Frankreichs nukleare Abschreckung auszubauen. Zugleich bot er europäischen Partnern eine engere Zusammenarbeit an.
Deutschland, Großbritannien, Polen, Schweden, die Niederlande, Belgien, Griechenland und Dänemark gehören zu den Ländern, mit denen Frankreich zunächst eine engere Zusammenarbeit bei der nuklearen Abschreckung angekündigt hatte. Später kamen Norwegen und Finnland hinzu. Auch Estland und Litauen zeigten Interesse.
Für Deutschland könnte das Thema besonders brisant werden: Die Bundeswehr sollte sich noch in diesem Jahr erstmals an einer französischen Nuklearübung beteiligen. Ob und wann das geschieht, blieb zuletzt offen.