Hamburg – Prozessauftakt in einem der spektakulärsten Terror- und Sabotagefälle der Nachkriegsgeschichte: Vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg muss sich ab heute der ukrainische Staatsbürger Sergij K. (50) verantworten. Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft gehörte er zu den Köpfen hinter dem Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee. Zum Prozess werden rund 3000 Journalisten aus aller Welt erwartet. Auch BILD berichtet direkt aus dem Gerichtssaal.
Eine der größten offenen Fragen des Prozesses: Wer gab den Auftrag zur Sprengung der Nord-Stream-Pipelines? Laut Anklage führen die Spuren zu einem möglichen Befehlsgeber: dem ukrainischen Oberst Roman C. In der Anklageschrift wird er in überwachten Gesprächen erwähnt. Laut Ermittlungen soll er Verbindungen zu mehreren mutmaßlichen Tätern gehabt haben.
Das wird Sergij K. vorgeworfen
Laut Anklage bestand die Kerngruppe, die den Anschlag durchführte, aus sieben Personen: einem Einsatzleiter, einem Skipper, einem Sprengstoffexperten und vier speziell ausgebildeten Tiefseetauchern. Sergij K. ist als „Mittäter eines Kriegsverbrechens des Angriffs gegen zivile Objekte“ angeklagt. Laut Bundesanwaltschaft haben die Täter Anfang September 2022 im Hafen von Wiek auf Rügen die Segeljacht „Andromeda“ bestiegen. Die Gruppe soll anschließend vier mit Zeitzündern versehene Sprengsätze an den Pipelines auf dem Grund der Ostsee angebracht haben.
Anwalt hat Angst um das Leben des Angeklagten
Sergij K. wurde Ende August 2025 an der Adriaküste im Familienurlaub gefasst. Ende Juni 2026 wurde Anklage erhoben. Heute sitzt der Hamburger Strafverteidiger Jes Meyer-Lohkamp (56) an seiner Seite. Gegenüber BILD sagte er im Vorfeld des Prozesses, dass sein Mandant in Lebensgefahr sei. Seine Sorge: Russische Geheimdienstkreise könnten ein Interesse daran haben, dass sein Mandant nie aussagt.
„Es geht mir darum, vielleicht den Blick nicht nur auf klassische Paragrafen im Strafgesetzbuch zu lenken, sondern auch die politische Dimension zu betrachten“, sagte der Verteidiger. Der Prozess findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt.