Toblach – Der Notruf erreichte die Südtiroler Bergwacht mitten in der Nacht: Zwei deutsche Brüder (13, 16) sitzen auf mehr als 2300 Metern Höhe fest. Vor ihnen eine verschlossene Berghütte, um sie herum Kälte und Dunkelheit. Die Jungen waren gemeinsam mit ihren Eltern zu einer Tour in den Dolomiten aufgebrochen. Nach einigen Stunden kehrten die Eltern um, die Brüder setzten den Aufstieg allein fort. Ihr Ziel: die Bonnerhütte am Toblacher Pfannhorn.
Als die Brüder dort eintrafen, erlebten sie eine böse Überraschung: Die Schutzhütte war verschlossen, hatte den Betrieb bereits vor mehr als einer Woche eingestellt! Die Jugendlichen beschlossen daraufhin, im Freien zu übernachten. Als die Temperaturen in der Nacht immer weiter sanken, spitzte sich die Lage dramatisch zu. Gegen 1 Uhr nachts sahen die Jugendlichen keinen anderen Ausweg mehr und kontaktierten ihre Eltern. Die verständigten umgehend die Bergrettung Hochpustertal.
Junge musste sich vor Schwäche übergeben
Die Retter fanden die beiden Minderjährigen in einem stark geschwächten Zustand vor. Nach Angaben eines Sprechers waren die Jungen nach einem Aufstieg von mehr als 1000 Höhenmetern bereits erheblich unterkühlt. Einer der Brüder war demnach so geschwächt, dass er sich übergeben musste. Die Einsatzkräfte brachten die Jugendlichen ins Krankenhaus Innichen. Dort wurden sie behandelt und sind inzwischen wieder entlassen.
Nach Informationen der Südtiroler Zeitung „Dolomiten“ trugen die Jungen zwar Bergschuhe, jedoch offenbar keine ausreichend warme Kleidung für die nächtlichen Temperaturen in mehr als 2300 Metern Höhe. Die Eltern sollen einer Übernachtung auf der Hütte zugestimmt haben, weil sie ihre Söhne für erfahren genug hielten. Nicht überprüft wurde offenbar, ob die Hütte bereits geschlossen war. Ein Sprecher der Bergrettung fand deutliche Worte: Das Verhalten sei von „großem Leichtsinn“ geprägt gewesen. Er fügte hinzu: „Glücklicherweise kommt so etwas nur selten vor.“