Pjöngjang/Berlin – Die Lage an der gefährlichsten Grenze der Welt spitzt sich immer weiter zu! Nordkorea hat angekündigt, entlang des vier Kilometer breiten Grenzstreifens Südkorea wieder mit Propaganda-Beschallung zu attackieren. Noch im Laufe des Oktobers sollen die Lautsprecheranlagen in Betrieb gehen. Das kündigte Kim Yo-jong, die Schwester von Herrscher Kim Jong-un (42), an. Zudem hat die Kim-Dynastie fast eine Million neue Landminen in der sogenannten Demilitarisierten Zone (DMZ) verlegt.
Die Diktatoren-Schwester besuchte kürzlich die nordkoreanische Seite des beispiellos abgeriegelten und militarisierten Gebiets und bezeichnete die geplante Maßnahme (wie immer) als „angemessene Reaktion“ auf angebliche Provokationen des südkoreanischen Militärs. Ihre Anschuldigung: Südkoreanische Soldaten hätten kürzlich an mindestens zwei Stellen Warnschüsse abgegeben.
„Abscheulichster Feind der Welt“
Anschließend rüstete sie verbal massiv auf und beschimpfte Südkorea als den „abscheulichsten und widerwärtigsten Feind der Welt“. Wirklich neu ist der Psychokrieg mit Lautsprechern allerdings nicht. Schon in der Vergangenheit beschallten Nord- und Südkorea die Grenzregion mit politischer Propaganda, um die Menschen auf der jeweils anderen Seite zu beeinflussen.
Doch es blieb nicht immer bei politischen Botschaften. Nordkorea setzte die Anlagen teilweise auch ein, um die Bevölkerung im Grenzgebiet mit ohrenbetäubendem Lärm gezielt zu belästigen.
Fast eine Million Minen in zwei Jahren
Brisant ist vor allem die unmittelbare Aufrüstung an der Grenze. Nordkorea hat nach Schätzungen des südkoreanischen Militärs in den letzten zwei Jahren rund 960.000 Landminen verlegt. Das berichtete Südkoreas amtliche Nachrichtenagentur am Freitag. Seit Frühjahr 2024 verändert Nordkorea seine Grenze gegenüber dem Süden massiv. So ließ Kim sämtliche historische Straßen- und Zugverbindungen sprengen und verlegte neben Landminen auch Barrieren und zusätzliche Stacheldrahtzäune.
Raketen, Explosionen, Drohungen
Fakt ist: Die Nicht-Beziehung zwischen den beiden koreanischen Staaten bleibt weiterhin äußerst angespannt. Dass Nordkorea zuletzt wiederholt Raketentests durchführte, sorgte für zusätzlichen Druck. Auch eine Minenexplosion erhitzte die eh schon aufgeheizte Stimmung umso mehr: Am 21. September wurden drei südkoreanische Soldaten teilweise schwer verletzt.
Nach südkoreanischen Angaben überschritten nordkoreanische Soldaten in diesem Jahr bei Befestigungsarbeiten 50-mal die Linie. Das Militär in Seoul reagierte mit Warnschüssen und Durchsagen. Die Explosion schrieb Südkorea nordkoreanischen Minen zu, die südlich der Linie platziert worden seien. Pjöngjang wies die Vorwürfe (natürlich) zurück.
Seit 73 Jahren kein Frieden!
Nicht zu vergessen: Nord- und Südkorea befinden sich offiziell noch immer im Kriegszustand. Der brutale Koreakrieg von 1950 bis 1953 endete lediglich mit einer Waffenruhe. Einen Friedensvertrag haben beide Staaten bis heute nicht unterzeichnet.
Kim derweil in China
Während an der innerkoreanischen Grenze das Konfliktpotential anwächst, überquerte Kim am Samstag überraschend die Grenze nach China – über eine vor wenigen Wochen eingeweihte Grenzbrücke über den Yalu-Fluss – und besuchte die Grenzstadt Dandong. Dabei wurde Kim von einem ranghohen chinesischen Parteikader begleitet. Gemeinsam legten sie einen Blumenkranz am Denkmal für die chinesischen Volksfreiwilligen nieder, um den gefallenen chinesischen Soldaten im Koreakrieg zu gedenken. Nordkorea und China kämpften damals Seite an Seite gegen die von den USA geführten UN-Truppen.