Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) – Ist der CDU ihr eigener Kanzler zu teuer geworden? Ausgerechnet in den letzten Tagen vor der Landtagswahl hat die Partei zwei Auftritte von Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz (70) drastisch geschrumpft. Aus großen Wahlkampfveranstaltungen wurden Termine im kleinen Kreis. BILD erfuhr: Grund sollen hohe Sicherheitskosten sein. Dabei geht es für die CDU am 6. September um alles.
Statt voller Halle nur 30 Gesprächspartner
Die AfD liegt in Umfragen seit Monaten bei rund 40 Prozent. Der rechten Partei fehlen nur noch wenige Prozentpunkte zur absoluten Mehrheit. Ausgerechnet in dieser Situation spielt CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz (70) im Wahlkampf nur eine Nebenrolle. Dabei kommt er sogar zweimal nach Sachsen-Anhalt. Aber: Beide Auftritte wurden deutlich abgespeckt. Der erste findet am Montag statt. Ursprünglich sollte der Kanzler in der Harzlandhalle in Ilsenburg sprechen – mit Sitzplätzen für rund 2000 Besucher. Nun trägt er sich in Quedlinburg ins Goldene Buch der Stadt ein, besichtigt die Stiftskirche und spricht anschließend mit rund 30 CDU-Mitgliedern. Vertraulich.
Auch der zweite Besuch am Donnerstag erinnert kaum noch an einen klassischen Wahlkampfauftritt. Ursprünglich war eine Abschlussveranstaltung am Geiseltalsee angekündigt. Nun besucht Merz den Papierhersteller UPM im Chemiepark Leuna und trifft anschließend Kommunalpolitiker. Auch das weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
30 000 Euro nur für die Sicherheit des Kanzlers
Als Grund für die Umplanung werden die hohen Sicherheitskosten genannt. Ein CDU-Politiker sagte BILD, allein für die Veranstaltung in der Harzlandhalle wären rund 30.000 Euro angefallen. Ein weiterer schätzt, selbst diese Summe hätte nicht gereicht.
Angeblich gab es Sorgen vor einer leeren Halle
In der Partei wird allerdings auch spekuliert, nicht nur Sicherheitskosten hätten zur Umplanung geführt. Einige Unionspolitiker berichten hinter vorgehaltener Hand, Parteistrategen seien nicht sicher gewesen, die Halle mit Merz tatsächlich vollzubekommen. Das dementiert aber Alexander Räuscher (55). Der CDU-Landtagsabgeordnete aus dem Harz hatte sich seit Wochen auf den Kanzlerbesuch in seinem Wahlkreis gefreut. „Ich werde immer wieder von Leuten angesprochen, die Friedrich Merz gern getroffen hätten“, sagt er. Für Räuscher steht fest: Die Harzlandhalle hätte sich problemlos füllen lassen. „Unser Kreisverband hat mehr als 600 Mitglieder. Die meisten hätten Ehepartner, Nachbarn oder Bekannte mitgebracht.“
Vielleicht ist Friedrich Merz für die CDU am Ende gar nicht zu teuer geworden. Die Partei setzt ihr Wahlkampfgeld womöglich nur lieber an anderer Stelle ein. Zum Wochenende landeten Briefe von Spitzenkandidat Sven Schulze in den Briefkästen seines Magdeburger Wahlkreises. Die Union setzt offenbar stärker auf den direkten Draht zum Wähler als auf medienwirksame Bilder mit dem Kanzler. Auch solche Aktionen binden Mittel.