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Kämpfer gegen das Vergessen: KZ-Überlebender Mano Höllenreiner gestorben

Kämpfer gegen das Vergessen: KZ-Überlebender Mano Höllenreiner gestorben
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Mühldorf am Inn – Als Kind wurde er nach Auschwitz deportiert, misshandelt und für Menschenversuche missbraucht. Jahrzehntelang schwieg er über das Grauen. Nun ist einer der bedeutendsten Zeitzeugen Deutschlands tot: Der Auschwitz-Überlebende Hermann „Mano“ Höllenreiner starb am 16. Oktober, drei Tage vor seinem 93. Geburtstag, im Kreise seiner Familie.

Geboren 1933 als Sohn einer bayerischen Sinti-Familie, erlebte Höllenreiner schon als Kind die wachsende Verfolgung durch die Nazis. Im März 1943 holte die Gestapo die Familie frühmorgens aus dem Bett. Es folgte die Deportation nach Auschwitz-Birkenau in einem überfüllten Viehwaggon. Später erinnerte er sich an die acht Tage lange Fahrt: „Alles war voller Kot. Wir waren 40 Personen in einem Waggon und manche sind während der Fahrt gestorben.“

Begegnung mit KZ-Teufel Mengele

Im sogenannten „Zigeunerfamilienlager“ von Auschwitz herrschten Hunger, Krankheiten und täglicher Terror. „In der Früh war Appell, dann sind wir barfuß raus in den Schnee. Manche sind umgefallen und waren tot“, berichtete Höllenreiner. Besonders traumatisch war die Begegnung mit dem berüchtigten KZ-Arzt Josef Mengele. Höllenreiner: „Das war ein Teufel.“ Und weiter: „Wir haben Spritzen bekommen und Decken voller Typhusläuse. Davon haben wir Krätze und Flecktyphus gekriegt.“

Flucht auf dem Todesmarsch

Im Sommer 1944 entkam die Familie nur knapp der Ermordung. Zwei Wochen nachdem die Höllenreiners verlegt worden waren, trieb die SS die verbliebenen rund 3000 Sinti und Roma aus Auschwitz in die Gaskammern. Mano wurde von seiner Familie getrennt, kam ins KZ Sachsenhausen. „Sachsenhausen war für mich das Schlimmste. In Auschwitz war ich noch bei meiner Mama und meinem Vater. Aber dort war ich ganz allein.“ Im Januar 1945 gelang dem damals 11-Jährigen auf einem Todesmarsch die Flucht. Krank, ausgehungert und völlig erschöpft wurde er von befreiten französischen KZ-Häftlingen aufgenommen. In Frankreich lebte er zeitweise bei einer Pflegefamilie. Weil er Namen und Herkunft vergessen hatte, fand er erst Ende 1946 zu seiner Familie zurück. Identifiziert wurde er über die KZ-Nummer, die ihm in Auschwitz auf den Arm tätowiert worden war: Z 3526, das „Z“ steht für Zigeuner.

Nach Jahrzehnten brach er sein Schweigen

Lange sprach Höllenreiner nicht über das Erlebte. „Wir waren ja nur froh, dass wir wieder etwas zu essen hatten, dass wir wieder leben konnten.“ Erst Jahrzehnte später brach er sein Schweigen über den Holocaust. Seine Lebensgeschichte wurde durch das Buch „Mano. Der Junge, der nicht wusste, wo er war“ bekannt. Fortan berichtete er als Zeitzeuge, 2013 erhielt er für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz. Der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, Christoph Heubner, erklärte: „Auschwitz-Überlebende in aller Welt danken ihm für seinen Mut und seine Menschlichkeit. Hermann Höllenreiner sprach auch in ihrem Namen.“

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