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Ist Deutschland hitzefest?: „Das war erst der Anfang“

Ist Deutschland hitzefest?: „Das war erst der Anfang“
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Berlin – Es gibt Rekorde, die braucht kein Mensch. Zum Beispiel drei Tage am Stück Hitze über 41 Grad. Im Juni! Bevor der Sommer bei uns überhaupt richtig angefangen hat. Meteorologen sagen: Das war nur eine Kostprobe dessen, was uns in den nächsten acht Wochen erwartet.

Wie viele Menschen in Deutschland durch die Extremhitze gestorben sind (abgesehen von Dutzenden Badetoten), ist unklar. Aber allein von April bis Mitte Juni registrierte das Robert-Koch-Institut 810 Hitzetote.

Die Rekord-Temperaturen haben unser Land vollkommen überrumpelt. Und Diplom-Meteorologe Dominik Jung von Wetter.net warnt und sagt zu BILD: „Das war erst der Anfang.“ Noch in den 1950ern gab es nur 2 Hitzetage (über 30 Grad) pro Jahr in Deutschland. 2022 waren es dann im Bundesdurchschnitt schon mehr als 17 Tage. „Dieses Jahr hatten wir schon neun solcher Hitzetage“, so der Wetterexperte. Man ahnt, dass der Wert von 2022 übertroffen wird.

Hans Kluge, Europachef der Weltgesundheitsorganisation WHO, schaut noch weiter in die Zukunft: „Die nächsten Sommer werden noch schwieriger werden.“ Hitzewellen würden häufiger, intensiver und länger.

Die Frage: Wie begegnet Deutschland künftig der Extremhitze?

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Problem: Niemand will zuständig sein für Hitzeschutz. Regierungssprecher Stefan Kornelius (60) winkt gleich ab: Kanzler Merz werde das Thema nicht zur Chefsache machen. Man sehe keinen großen Handlungsbedarf. Und Bundesumweltminister Carsten Schneider (50, SPD) schiebt die Verantwortung den Ländern und Gemeinden zu: Der Bund habe schließlich genügend Geld aus dem Sondervermögen zur Verfügung gestellt.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) widerspricht: Es gebe eine Investitionslücke für Schulen, Straßen und Sporthallen von mehr als 230 Mrd. Euro. Die zusätzlichen 66 Mrd. aus dem Sondervermögen würden daher „nicht einmal annähernd“ ausreichen. Heißt: Das Geld langt schon nicht für Schul-Sanierungen etc., also erst recht nicht für Hitzeschutz.

Natürlich kommt aus der Opposition Kritik. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge (41) zu BILD: „Die brutale Hitzewelle hat zu vielen Hitzetoten geführt und trotzdem schweigt Friedrich Merz beharrlich dazu.“ Es sei „krass“, dass Merz nicht den Pflege- und Rettungskräften danke. Auch beim Koalitionsausschuss am Mittwoch sei Hitze kein Thema gewesen.

Krankenhäuser und Pflegeheime

Ein Pflegeangehöriger klagt in BILD: „Wie kann es legal sein, alte Menschen und Demenzkranke so der Hitze auszusetzen? Getränke zur Abkühlung reichen doch nicht aus.“

Bernd Meurer (69), Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, fordert deshalb in BILD, Gebäude schleunigst nachzurüsten: Die Einrichtungen müssten bei Neu- und Umbauten „alle Möglichkeiten wie Klimatisierung oder Verschattung mitdenken“.

Doch laut Katrin Staffler (44, CSU), Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, fehlt es an Geld, um Pflegeheime und Kliniken mit Klimaanlagen nachzurüsten. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund fordert deshalb ein Hitzeregister nach dem Vorbild Frankreichs: Dort sind alle Menschen gemeldet, die bei Hitze besondere Hilfe benötigen.

Infrastruktur

Wegen der Hitze musste die Autobahn-Gesellschaft stellenweise zweimal täglich die Strecke kontrollieren. Betondecken sprangen auf, Asphalt verformte sich. Zahlreiche Autobahnen waren gesperrt. Selbst die frisch sanierte A4 bei Bergisch Gladbach (NRW). Die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen fordert deshalb neue Asphaltmischungen, die Hitze standhalten und gleichzeitig auch Minusgraden im Winter.

Tiefpunkt dort bisher: 24 Zentimeter im Oktober 2018. Dieses Jahrhundert-Niedrigwasser hatte laut Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes einen wirtschaftlichen Schaden von 2,4 Mrd. Euro angerichtet. Kommt jetzt alles noch viel schlimmer? Die Fahrrinne wird laut „Stadtanzeiger“ ausgebaut, soll aber erst 2033 fertig sein. Vor allem die Chemie-, Stahl- und Mineralölbranche ist, so heißt es, entsetzt, dass „der Ausbau so extrem lange dauert“.

Öffentlicher Nah- und Fernverkehr

Nur 52,6 Prozent der Fernzüge kamen im Juni pünktlich. Schuld laut Bahn: die Hitze! Der Konzern riet Kunden: Bitte jetzt nicht Bahn fahren. Angst vor Ausfällen von Klimaanlagen, Böschungsbänden, und und und. Laut Pro Bahn ist nur jeder dritte Zug für Hitze gewappnet. Logisch: Vor allem ältere ICE‑Modelle nicht.

In vielen deutschen Städten ächzen auch die U-Bahnen ohne Klimaanlagen. Nachrüsten ist oft nicht möglich, weil die Tunnel zu eng sind, etwa in Berlin. In Leipzig mussten Dutzende Freiwillige helfen, verklebte Straßenbahnen wieder flottzubekommen.

Innenstädte

Sie glühen. Denn: Viele sind nicht für heißes Klima gebaut. Es fehlen Bäume, Wasserflächen, helle Fassaden, öffentliche kühle Orte. In Köln mussten sieben Menschen aus Dachgeschosswohnungen gerettet werden – alle lebensbedrohlich überhitzt!

Die Merz-Koalition will deshalb laut Koalitionsvertrag mehr „blau-grüne Infrastruktur“. Blau steht für Wasserflächen, die bei Starkregen Wasser aufnehmen und bei Hitze wieder zur Kühlung abgeben, Grün für mehr Bäume.

Dass etwas passieren muss, ist fast allen klar: Laut ARD-Deutschlandtrend sind 90 Prozent der Deutschen für mehr Hitzeschutz-Investitionen. Die Zeit drängt. In Spanien soll es heute schon wieder bis zu 42 Grad heiß werden. Ende kommender Woche soll diese Marke auch in Deutschland wieder erreicht werden. Und der Juli ist noch lang!

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