Politik

Ilse Aigner: Söder bringt Merz mit seinem Vorstoß ins Bedrängnis

Ilse Aigner: Söder bringt Merz mit seinem Vorstoß ins Bedrängnis
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München – Küsschen links und rechts auf die Wange und eine Umarmung – Friedrich Merz (70) ließ sich bei seiner Begrüßung für Ilse Aigner (61) auf dem CSU-Parteitag nichts anmerken. Aber: In der Union entwickelt sich nach den Jubelstürmen für die CSU-Bundespräsidentenkandidatin beim Parteitag ein Streit um die Kür des nächsten Staatsoberhaupts. Die oberste CDU-Spitze hatte noch vor Beginn des CSU-Events eine Warnung abgesetzt. Demnach sei es der Anspruch der größeren Unionsschwester CDU, selbst einen Kandidaten für das Schloss Bellevue zu platzieren. Subtext: Bitte keine verfrühten Aigner-Festspiele.

Söder ignorierte Warnung von Merz

Doch das hielt CSU-Chef Markus Söder (59) nicht davon ab, Aigner in seiner Rede am Freitag abermals anzupreisen: „Ich würde es ihr von Herzen gönnen, wenn Ilse Aigner die nächste Bundespräsidentin wird, das wäre toll!“ Zwar verzichtete Söder – wohl, um Merz nicht noch zusätzlich zu provozieren – auf eine forsche Forderung. Er wies sogar darauf hin, die Entscheidung werde „woanders gefällt“, also im Kanzleramt.

Aber dennoch legte Söder Merz mit dieser Aktion ein Ei ins Nest. Denn der Kanzler und CDU-Chef muss eigentlich einen CDUler durchsetzen, um nicht als lahme Ente zu gelten. Und er tendiert wegen der drohenden heftigen Auseinandersetzungen mit der AfD offenbar auch zu einem Juristen. Wenn Merz aber Aigner einen Korb gibt, dürfte die gesamte CSU sauer und enttäuscht sein. Keine schöne Aussicht für Merz.

Strauß-Tochter Hohlmeier kritisiert Auswahlkriterien

Einen Vorgeschmack gibt die Europaabgeordnete Monika Hohlmeier (64), Tochter der CSU-Legende Franz Josef Strauß. Sie zu BILD: „Ich glaube, dass Merz Ilse Aigner für eine geeignete Kandidatin halten würde.“ Natürlich müsse Merz die Interessen seiner Partei respektieren. Das sei „ein Prozess“. Aber: „Wenn nur noch Juristen Bundespräsident werden können, wäre das eine Armutserklärung für 80 Prozent der Bevölkerung. Ich bin auch keine Juristin und habe mir eine gute Arbeitsgrundlage verschafft.“

Eine mögliche CDU-Kandidatin mit Jura-Background (zwei Staatsexamen) ist Bildungsministerin Karin Prien (61). Ebenfalls genannt wird Hessens CDU-Fraktionschefin Ines Claus, auch sie von Haus aus Juristin. Aigner ist Elektrotechnikerin. Und dann ist da auch noch Stephan Harbarth (54, CDU), Präsident des Verfassungsgerichts. Auch sein Name wird jetzt genannt.

Die spannende Frage ist deshalb: WAS wird Friedrich Merz als Redner beim CSU-Parteitag (Auftritt heute Mittag) zum Thema Aigner sagen? Fakt ist: Über die Personalie muss bald entschieden werden – die Wahl ist schon im Januar 2027. Merz hat das Thema zu lange laufen lassen, und er muss auch noch die Zustimmung der SPD einholen.

Ein weiteres Problem kommt obendrauf. Merz muss auch die Macht-Tektonik im Auge behalten. So wäre eine Entscheidung für Ilse Aigner auch ein Vorentscheid für seine Nachfolge im Kanzleramt. Denn aktuell blockieren sich – zur Freude des Kanzlers – seine Nachfolge-Aspiranten, der CDU-NRW-Regent Hendrik Wüst (51) und eben Söder, gegenseitig. Beide müssen mit dem jeweils anderen einverstanden sein, sind es aber nicht. Deshalb hat Merz auch beste Chancen, nicht vorzeitig gestürzt zu werden. Wenn Merz aber Aigner ins Schloss verhilft, ist Söder aus dem Bundeskanzler-Rennen raus. Denn zwei CSUler an der Spitze des Staates wären der CDU mindestens einer zu viel.

Dann wäre der Weg für Hendrik Wüst frei, vielleicht sogar schon während der Legislaturperiode. Diese Aussicht kann Merz nicht passen. Wüst ist bei ihm wegen eines kritischen Zeitungsartikels zum CDU-Kurs unten durch.

Und Söder? Der weiß das alles ganz genau. Deshalb wachsen in der CDU die Zweifel, ob Söder Aigner wirklich als Bundespräsidentin will. Oder ob er zum Gefallen seiner CSU, die Aigner liebt, nur so tut. Und am Ende fein raus ist. Sowie weiter im Rennen um die Kanzlerschaft.

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