Paris – Was als Protest von Schülern begann, ist in Frankreich in eine landesweite Gewalt- und Plünderungswelle umgeschlagen. Unzählige Geschäfte wurden leergeräumt, Gebäude angezündet und Polizisten teils schwer verletzt. Doch wer verbirgt sich in Wahrheit hinter den Randalierern? Auf diese Frage gibt Polizeigewerkschafter Hubert Gimenez nun eine eindeutige Antwort: Unter den Festgenommenen seien vor allem Linksextreme und junge Männer über 18 Jahren, die aus Problemvierteln stammen.
Im Interview mit „Europe 1“ erklärte Gimenez, unter den Randalierern befänden sich auch „Mitglieder der extremen Linken“ – des sogenannten Schwarzen Blocks. Bei ihnen handele es sich um Profis, die „an Konfrontationen gewöhnt“ seien. „Sie kommen nur, um sich mit unseren Kollegen anzulegen“, so der Polizeigewerkschafter. Schon während der Gelbwesten-Proteste 2019 hatten sie Demonstrationen unterwandert und Straßenkämpfe mit der Polizei angezettelt.
Schüler oder „klassische Demonstranten“ seien kaum an den Ausschreitungen beteiligt. Aktuelle Zahlen des Innenministeriums bestätigen das. Demnach sind fast 90 Prozent der festgenommenen Randalierer volljährig – die meisten zwischen 18 und etwa 30 Jahren. Dabei zeichnen sich zwei unterschiedliche Gruppen ab: Linksextreme und junge Männer aus den „Banlieues“, den migrantisch geprägten Problemvororten von Frankreichs Großstädten.
„Grünes Licht für neue Gewalt“
Jean-Christophe Couvy (55), Generalsekretär der Polizeigewerkschaft Unité, forderte bei „Europe 1“ eine harte Reaktion der Justiz: „Wir erwarten, dass die strafrechtliche Antwort sehr streng ausfällt.“ Aber: Er selbst ist skeptisch, was die Strafverfolgung der Täter angeht. „Wir wissen sehr genau, dass wieder einmal viele davonkommen werden und die Reaktionen sehr lasch ausfallen“, so Couvy. Das würde „grünes Licht für neue Gewalt geben“.
Drohen Ausschreitungen in Deutschland?
Die Proteste könnten auch nach Deutschland herüberschwappen. Nach der Ankündigung eines Protesttages am 31. Oktober in mehreren deutschen Städten bereitet sich die Berliner Polizei auf einen umfangreichen Einsatz vor. Polizeisprecher Florian Nath warnte davor, die Schülerproteste für andere Interessen zu instrumentalisieren: „Das werden wir nicht zulassen.“
Die Initiative „Gen Z steht auf“ will unter anderem für bessere Bildung, ein bezahlbares Leben und gegen eine Wehrpflicht demonstrieren und distanziert sich von Gewalt. Die Gewerkschaft der Polizei spricht dennoch von einer drohenden „Großdemolage“ und verweist auf die Proteste in Frankreich sowie mögliche Ausschreitungen in der Halloweennacht.